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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 7230
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Verfasst am: 27.Mai 2008 10:20 Titel: Wetterderivate |
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Die Deutsche Bank hat errechnet, dass rund 80 Prozent der wirtschaftlichen Gesamtleistung in den Industrieländern direkt oder indirekt in irgendeiner Form vom Wetter abhängen.
Obwohl Wetter an sich im Gegensatz zu Finanzinstrumenten keinen zu Grunde liegenden Wert repräsentiert, sind die Risiken, die aus Wetterschwankungen resultieren, in Form von synthetischen Instrumenten (also Derivaten) an OTC-Märkten und Terminbörsen handelbar. Mit Derivaten können die aus Wetter-Turbulenzen resultierenden Risiken kontrolliert und gesteuert werden. Solchen Risiken sehen sich vor allem Akteure der Energiebranche und der Landwirtschaft ausgesetzt. Auch das Wohl und Wehe in der Touristik, der Bauindustrie und des Einzelhandels hängt vom Wetter ab.
"Wetterderivate haben sich in diesen Branchen einen festen Platz im Risikomanagement erobert", sagen Experten des Rückversicherers Swiss Re, der nach Statistiken der Fachzeitschrift EnergyRisk mit einem Anteil von rund 30 Prozent vor Finanzhäusern wie Merrill Lynch, UBS und Barclays Capital globaler Marktführer bei Wetterderivaten ist.
Solche Finanzvehikel (Futures, Optionen, Swaps, Forwards) werden auf der einen Seite an Freiverkehrsmärkten (OTC) von Banken maßgeschneidert auf Bedürfnisse von Unternehmen abgestimmt. Andererseits werden Derivate in standardisierter Form auch an Terminbörsen gehandelt. Für Unternehmen der Wirtschaft erweisen sie sich als attraktive Sicherungsinstrumente, für Finanzmarkt-Akteure als interessante Anlage- und Spekulationsvehikel.
Ungeachtet des starken Interesses wartet der Markt bislang noch auf den Durchbruch. Das Volumen des Weltmarktes wird von der Weather Risk Management Association (WRMA) für die Saison 2006/2007 mit rund 20 Mrd. Dollar angegeben."Wir sehen seit Jahren stark zunehmendes Interesse", sagt WRMA-Finanzchef Warren Isom, der in diesem Kontext unter anderem auf das starke Wachstum auf dem indischen Markt verweist. Für die laufende Saison erwarten Fachleute einen Anstieg auf weit über 25 Mrd. Dollar. Aktuelle Zahlen wird die WRMA Anfang Juni veröffentlichen.
"Die Instrumente zur Steuerung von durch den Klimawandel steigender Wetterrisiken werden für immer mehr Unternehmen zu einem essentiellen Bestandteil des täglichen Geschäfts", sagt Swiss-Re-Experte Brian O'Hearne. Der ehemalige WRMA-Präsident geht davon aus, dass der Markt in den kommenden Jahren stark wachsen wird. Die Unternehmen hätten den Wert von Wetterderivaten zur Absicherung gegen die Launen des Wetters erkannt. Als schockierenden Weckruf sahen Experten auch die Tsunami-Katastrophe in Südostasien und die verheerende Flut in Birma.
Marktführer bei standardisierten börsengelisteten Wetterderivaten ist die Chicago Mercantile Exchange (CME), die den durchschnittlichen Tagesumsatz dieser Produkten 2007 um 15,4 Prozent auf 3 666 und in den ersten vier Moanten dann weiter auf 4690 steigern konnte. Die Bedeutung der weltgrößten Derivatebörse wird weiter steigen; denn sie will nach Angaben des zuständigen Managers Felix Carabello ab Juni die bisher 36 Städte umfassende Liste von Temperaturderivaten um die US-Städte Little Rock, Los Angeles, Colorado Springs, Jacksonville, Raleigh, Washington und um die norwegische Metropole Oslo ergänzen. Wetterderivate umfassen an der CME neben Temperaturderivaten auch Instrumente auf Hurrikan- und Schneefall-Risiken.
So verwundert nicht, dass rund 50 Prozent des globalen Handels auf den US-Markt entfallen. Für einige Terminbörsen erwiesen sich Wetterderivate als schwieriges Unterfangen, weil sie die Probleme bei der Standardisierung von Wetterderivaten nicht in den Griff bekamen. Die Standardisierung ist wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz und Liquidität von börsengelisteten Derivaten. Europas größte Terminbörse Eurex, die dieses Problem mit der Schaffung von Wetterindizes gelöst zu haben glaubte, hat sich wieder aus dem Geschäft zurückgezogen. "Es gibt derzeit keine neuen Initiativen", so ein Eurex-Sprecher. Auch einst zwischen der New York Mercantile Exchange und der Tokyo International Financial Futures Exchange gehegte Kooperationspläne bei Wetterderivaten sind gescheitert.
Und dies, obwohl Experten gerade wegen des Klimawandels ein enormes Wachstumspotenzial für Wetterderivate sehen. Dies auch, weil sich risikobereite Investoren wie Hedge-Fonds verstärkt engangieren, wie Yasin Sebastian Qureshi, Vorstand des Hedge-Fonds Varengold erklärt. Zuletzt hatten renditehungrige Hedge-Fonds wie Tudor Investment und D.E.Shaw ganze Statistiker-Teams eingesetzt, um aus Wetterumschwüngen neue Anlagestrategien für energetische und agrarische Rohstoffe oder für Aktien von hier tätigen Unternehmen zu entwickeln. Hedge-Fonds in den USA gehen inzwischen sogar so weit, sich eigene Meteorologen zu leisten, deren Jahresgehalt oft über dem vergleichbaren Salär des US-Wetterdienstes National Weather Service liegt.
Quelle: U.Rettberg |
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