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Pater Brown Specialist
Anmeldungsdatum: 22.05.2003 Beiträge: 183
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Verfasst am: 28.Mai 2003 11:33 Titel: Die Kunst der Distanz |
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Grüß Gott beinander,
liest man sich durch einige ältere, als auch aktuellere Threads, so entsteht nicht selten der Eindruck, dass der Verfasser eines Beitrages offensichtlich nicht damit gerechnet hat, auch von Nichtinvolvierten konsumiert werden zu können, was in einem öffentlichen Forum jedoch zum Plan gehören sollte.
Um die Situation erklärlicher darzustellen greift man sich ein Populärspiel, in diesem Falle Heino. Haben Sie gerade die Stimmen in Ihnen vernehmen können? Ich habe sie bis zu mir hin gehört und sie sagten in herabwürdigender und belächelnder Weise: Heino find’ ich doof! Kennen Sie Heino etwa? Wie können sie ihn dann doof finden? Sie kennen seine Musik und die liegt nicht auf Ihrer Welle, das mag sein. Nun denn.
War das aber die Frage? Heino ist privat vielleicht (und bestimmt sogar) ein toller Typ mit dem man über Gott und die Welt diskutieren kann und ihn womöglich gar nicht mehr doof findet, denn eher sympathisch und sich seiner eigenen Ressentiments zu entschuldigen geneigt ist.
Er verdient mit dieser Art Musik sein Geld. Verstanden? Er verdient damit sein Geld, nicht Ihres. Und das macht er schon ziemlich lange und fraglos erfolgreich. Er besteht – wie alle berufstätigen Menschen – aus zwei Komponenten: Berufsmensch und Privatmensch.
Den Privatmenschen einer Person werden wir bei der überwiegenden Zahl an Populärbeispielen nie kennen lernen. Vielleicht liegt Ihnen die Musik von Verdi. Vielleicht war Verdi als Privatmensch so gelagert, wie Heino als Berufsmensch und vielleicht stellt sich ebendieser Zustand bei Heino als reziprok dar, wer weis. Hier tritt die Trennlinie also deutlich in Erscheinung. Wie aber gehen wir im Alltag damit um?
Wir definieren einen uns völlig unbekannten Menschen über sein Tun und Handeln und seine Art der Erscheinung in beruflicher Hinsicht, ziehen Rückschlüsse daraus und transponieren die gewonnenen (unsere) Eindrücke auf den Rest der Person, die uns jedoch und wie erwähnt völlig unbekannt ist. Wir wahren keinerlei Distanz zur entsprechenden Person. Wir verwechseln die Seiten Beruf und Privat und würfeln sie permanent und bunt durcheinander und das öffentlich.
Wir stellen unsere Meinung über die des anderen und lassen die Seinige nicht gelten, weil sie uns nicht in den Kram passt. Bei Meinungen ist das (mit einem zugekniffenen Auge) noch akzeptabel. Anders stellt es sich bei Fakten dar und das sollte der Kern dieses Forums hier sein. Hier gibt es kein Deuteln und kein Interpretieren, kein Lamentieren und nichts dergleichen. Ein Meter ist ein Meter und nicht nur ungefähr ein Meter (es sei denn, man ist Maurer...). Hier spielen meine persönlichen Befindungen keine Rolle. Ebenso steht es mit der Gesetzgebung. Klare Richtlinien, die für alle gleich als Maß zugrunde gelegt wurden.
Verstößt nun ein Zeitgenosse gegen besagtes Reglement, so ist dieser Zustand klipp und klar über die dazugehörigen Bestimmungen definiert. Kenne ich die missachteten Bestimmungen, so ist die Frage einer Schuldzuweisung eindeutig. Dümpele ich jedoch selbst im Nebel umher, sollte ich mit der Äußerung meiner Meinung eher zurückhaltend sein und sie keineswegs als Tatsache verkleiden wollen.
Posaune ich nun auch noch im Stile wie “Sie haben keine Ahnung, sie sind ein Betrüger, ein Abzocker und so weiter“ in die Welt, laufe ich Gefahr von einem Neuankömmling dieses Forums, als völlig unglaubhaft betrachtet zu werden. Warum? Weil jener neue User nach dem selben Strickmuster denkt und handelt wie ich: also ohne die erforderliche Distanz. |
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