| |

|
| Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen |
| Autor |
Nachricht |
Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 5916
|
Verfasst am: 30.März 2007 5:53 Titel: Ablesekonzern Ista gibt Abzocke zu |
|
|
Einer der beiden Marktführer für das Ablesen von Energie- und Wasserverbrauch hat die wettbewerbsschädliche Struktur der Branche offengelegt. Der deutsche Markt habe sich "in eine oligopolistische Struktur entwickelt", schreibt Ista in einem vertraulichen Papier.
Zusammen mit Techem beherrscht der Konzern mehr als die Hälfte des deutschen Markts, ist aber auch im Ausland aktiv. Das Oligopol trage dazu bei, operative Gewinnmargen von "vor Sonderposten über 40 Prozent zu erzielen". In seinem profitabelsten Markt Deutschland erzielt Ista rund die Hälfte des Umsatzes von 600 Mio. Euro - erwirtschaftet damit aber drei Viertel des Gewinns.
Das Dokument ist das Eingeständnis einer kundenfeindlichen Marktstruktur. Die Aussagen stammen aus einem Papier, das Ista für Kaufinteressenten erstellt hat. Zudem erklärt es die enormen Preise, die Finanzinvestoren für die lange Zeit unbeachteten Ablesefirmen zahlen. Sie rechnen in Miethäusern Heizkosten der einzelnen Parteien ab und erstellen die Rechnungen.
Das Papier bringt die Branche in Erklärungsnot. "Es gibt kein Oligopol", sagte ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Heiz- und Wasserkostenverteilung. Er verweist auf eine Studie vor einigen Jahren, wonach es mindestens 100 bis 150 kleine und große Anbieter gebe.
Ähnlich verteidigen sich auch andere Branchen wie die der Stromanbieter oder Industriegasehersteller, in denen Kunden sich über geringen Wettbewerb beschweren. Verhandlungspartner der Ablesefirmen sind die Vermieter - die holen sich ihre Auslagen von den Mietern zurück.
In einigen Märkten wie Deutschland würden die gesamten Kosten einschließlich der für die Ausrüstung auf die Mieter abgewälzt, schreibt Ista. "Das hat relativ niedrige Preissensibilität unter Immobilienverwaltern zur Folge." Die tatsächlich Zahlenden sind in einer schwachen Position: "Die große Zahl der Kleinkunden steigert noch die beobachtete Preisstabilität im Ablesemarkt, denn die Berechnung für diese Kunden ist weit weniger transparent, und sie haben weniger Verhandlungsmacht als große Profikunden."
Peter Kafke, energietechnischer Referent beim Verbraucherzentrale Bundesverband, sagte, zwar müssten Vermieter darauf achten, Heiz- und Erfassungskosten wirtschaftlich zu gestalten. "Wenn sich aber alle einig sind, dass alle hohe Preise nehmen, ist das natürlich ein Problem für die Mieter."
Ablesefirmen profitieren von der Heizkostenverordnung aus den 70er-Jahren. Sie soll Energiesparen belohnen, indem nicht nur die Wohnfläche, sondern auch der individuelle Verbrauch in die Rechnung eingeht. Das wiederum treibt das Geschäft mit der Einzelberechnung an.
Quelle: FTD |
|
| Nach oben |
|

|
Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 5916
|
Verfasst am: 2.Apr 2007 9:08 Titel: |
|
|
Die wegen ihrer Geschäftspolitik kritisierte Ablesefirma Ista will in den kommenden Jahren ihre Rendite noch einmal stark steigern. Die Gewinne sollen bis 2009 deutlich überproportional zulegen.
Das geht aus dem Informationsmemorandum an Kaufinteressenten hervor, das der FTD vorliegt. Demnach soll die operative Marge konzernweit von 26,5 Prozent im Vorjahr auf knapp 31 Prozent 2009 steigen. Sie errechnet sich auf Basis des Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebita) vor Sonderposten.
Diese Steigerung liegt zwar laut Dokument an fortgesetzten Sparmaßnahmen - etwa daran, dass das Unternehmen Abrechnungsabteilungen nach Polen verlagert. Aber die Prognosen dürften der Diskussion über die Geschäftspraxis von Ablesefirmen neue Nahrung liefern. Denn in dem Verkaufsprospekt wirbt das Unternehmen damit, dass es seine hohen Margen auch wegen der weitgehenden Machtlosigkeit der Endkunden erziele: Zum einen sei Deutschland von einem Oligopol geprägt, also einer kleinen Zahl großer Wettbewerber. Zum anderen profitierten Anbieter von der schwachen Position der Mieter. Ablesefirmen wie Ista rechnen in Mietshäusern die Heiz- und Wasserkosten der einzelnen Parteien ab. Verhandlungspartner sind die Vermieter. Die seien weniger preisbewusst, schreibt Ista. Und bei kleinen Kunden sei die Berechnung weit weniger transparent.
Ista hatte das Dokument zusammen mit den Banken Goldman Sachs und Deutsche Bank im Januar erstellt.
Nach der Veröffentlichung von Auszügen aus dem Dokument in der FTD reagierten Mieter- und Vermieterverband am Freitag empört. Franz-Georg Rips, Direktor des Deutschen Mieterbundes (DMB), sagte zwar, der Verdacht bestehe schon lange. Empörend sei aber, "mit welcher Kaltschnäuzigkeit erläutert wird, dass die deutschen Höchstpreise auf Desinteresse beziehungsweise niedrigere Preissensibilität der Vermieter und Verwalter zurückzuführen sind", teilte der DMB mit.
Der Präsident des Eigentümer- und Vermieterverbands Haus & Grund, Rüdiger Dorn, sagte, auch Vermieter seien Opfer der oligopolistischen Marktstruktur. "Haus & Grund fordert als Konsequenz aus dem Ista-Eingeständnis die Trennung von Technik und Ablesevorgang bei der Erfassung von Energie- und Wasserverbrauch, um für mehr Wettbewerb zu sorgen", teilte der Verband Haus & Grund mit.
Beide Verbände fordern eine Überprüfung des Kartellrechts. Bisher kann die Kartellbehörde bei bestehendem Oligopol nur dann eingreifen, wenn ein Wettbewerber einen anderen übernehmen will oder seine Macht nachweisbar missbraucht - etwa indem er Wettbewerber behindert oder Kunden diskriminiert. Marktführer Techem wies die Darstellung eines Oligopols zurück. "Aus unserer Sicht funktioniert der Wettbewerb", sagte eine Sprecherin.
Quelle: FTD |
|
| Nach oben |
|
|
|
|
|
|
|
|
Sie können keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Sie können auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Sie können an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
|
|
Powered by phpBB © phpBB Group
|
|
|
|