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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6292
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Verfasst am: 19.Jun 2007 14:11 Titel: Anwälte haben einen neuen Markt entdeckt: Immobilien |
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Hier geht es nicht um Streitfälle, sondern um sinnvolle Beratung, Risikooptimierung und wirtschaftliche Analyse inklusive. Große Kanzleien setzen auf viel Personal, profitieren vom anhaltenden Boom – und werden zu entscheidenden Figuren.
„Das Transaktionsgeschäft blüht in den großen Kanzleien“, weiß Johannes Niewerth, der in seinem Berliner Büro Immobilientransaktionen betreut. Es ist nicht die einzige deutsche Kanzlei, die dieses Geschäft entdeckt hat. Mehr als 50 Kanzleien mit immobilienrechtlichen Spezialisten sind im Internet zu finden. Die großen und international tätigen Kanzleien setzen dabei auf Manpower. „Bei großen Geschäften sind schnell 30 Leute rein von der anwaltlichen Seite dabei“, schildert Niewerth.
Manche haben sich ganz auf Immobilienmandate spezialisiert. Uwe Bethge, Rechtsanwalt und Notar: „Wir machen 100 Prozent unseres Umsatzes mit Immobilienmandaten.“ Die Begleitung großer Immobiliendeals hält Bethge für eine „superdynamische, wachsende Branche“.
Das Geschäft mit Immobilien boomt. „Seit vor fünf, sechs Jahren der deutsche Markt aus dem Dornröschenschlaf erwachte, wird rund um die Uhr beurkundet“, beschreibt Klaus Knipschild von einer ebenfalls auf Immobilien spezialisierten Frankfurter Kanzlei den Markt für die großen Deals. Bis Ende des Jahrzehnts wird der Trend anhalten – hoffen viele. „Bis 2009 ist noch viel Liquidität im Markt“, glaubt Knipschild.
Anwälte sind längst für mehr als die Formulierung eines Kaufvertrages zuständig. Sie beraten Käufer oder Verkäufer und liefern Due Diligence (wirtschaftliche Detailprüfung). Immobilienanwälte entwickeln Bieterverfahren oder analysieren im Vorfeld eines Verkaufs die Schwächen eines Portfolios. Sie klären juristische Risiken für die finanzierende Bank. Fast kein Immobiliengeschäft kommt heute ohne Rechtsberater aus.
Gründe dafür gibt es viele. So kommen immer mehr Investoren aus dem Ausland, etwa aus England oder Amerika, aber auch aus China steigt die Nachfrage und der Beratungsbedarf. Im boomenden Immobilienmarkt werden zudem inzwischen auch die „second best“ der Objekte gehandelt, in denen mehr rechtliche Risiken stecken können. Anwälte prüfen die Due diligence bis ins Detail in einer juristischen Objektanalyse.
„Berufseinsteiger werden in die Due Diligence eingebunden“, sagt Niewerth. „Nach ein oder zwei Jahren können sie mit einem Partner in der Hauptverhandlung sitzen. Nach zehn Jahren kann der Nachwuchs im Markt bekannt sein. Die Top-Ten im facettenreichen Geschäft bringen 15 bis 20 Jahre Berufserfahrung mit“, schildert Niewerth den typischen Werdegang der Immobilienrechtsanwälte.
Darüber hinaus sind Immobiliengeschäfte häufig gekoppelt mit ausgeklügelten Finanzierungsinstrumenten und schwierigen Vertragskonstruktionen. Knipschild, hat sich auf das Geschäft mit nonperforming-loans spezialisiert: „Banken nehmen anwaltliche Hilfe in Anspruch, um sich von schlecht bedienten Krediten zu befreien. Solche Portfolios werden dann oft mit großen Abschlägen verkauft.“ Zum Teil wird sogar verkauft, was noch gar nicht existiert. Dadurch entstehen zusätzliche Risiken. Anwälte prüfen dann, ob das Projekt genehmigt werden wird, oder ob Schwierigkeiten im Planungsverfahren zu befürchten sind.
„Wir sind keine Paragraphen-Verwalter mehr. Die meisten Immobilienanwälte verstehen sich heute als juristische Wirtschaftsberater und bieten ihre Dienste nach genauer Kalkulation von Stundensatz und Aufwand an. Das gehandelte Volumen und der Auftraggeber sind weitere Entscheidungsfaktoren bei der Preisgestaltung“, sagt Knipschild. „Bei einem Volumen von 300 Millionen fallen eine halbe Million Euro Anwaltskosten nicht so ins Gewicht. Ein kommunales Wohnungsunternehmen wird nicht so viel für anwaltlichen Rat ausgeben können.“
„Ich glaube, dass die Goldgräberstimmung, die momentan herrscht, nicht anhält. Auch wenn der Boom am Immobilienmarkt irgendwann vorbei ist“, sagt Bethge. Doch er rechnet immer noch mit einer guten Auftragslage: „Welche juristischen Auswirkungen hat der Hausmeistervertrag für die Immobilie? Heute werden vor einem Kauf Fragen geprüft, über die sich vor ein paar Jahren niemand Gedanken gemacht hätte.“
Profis für den Wohnungs- und Büromarkt
Wettbewerb:
Nicht selten werden vor der Entscheidung für ein bestimmtes Rechtsberatungsteam mehrere Kanzleien beim Ratsuchenden zur persönlichen Vorstellung geladen. Stundenlohn: Von 200 Euro bis weit über 500 Euro für hochqualifizierte Spezialisten reichen die pro Stunde berechneten Honorare. Bei ganz großen Transaktionen wird die Honorarsumme sechsstellig und oft auch pauschal ausgehandelt.
Mannschaft:
Zehn bis zwanzig, manchmal sogar bis zu dreißig Anwälte arbeiten gleichzeitig an einem Deal.
Komplettservice:
Steuerrecht, Mietrecht, Bau und Vergaberecht, öffentliches Recht, Umweltrecht, Straf- und Finanzrecht – ein Beratungsteam bündelt oft viele Spezialisten.
Voraussetzungen:
Brillante juristische Kenntnisse, die Fähigkeit einen Konsens auszuhandeln und Durchsetzungsstärke werden von einem Immobilienanwalt erwartet.
Quelle: HB |
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