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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 7240
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Verfasst am: 12.Okt 2006 13:06 Titel: Banken - Das Sofa auf Pump |
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Ein neues Sofa gefällig? Oder ein teurer Neuwagen, der die finanziellen Möglichkeiten eigentlich übersteigt? Kein Problem, denn neuerdings finanzieren hiesige Banken mit Konsumentenkrediten bereitwillig die kleinen und großen Wünsche deutscher Verbraucher.
Nachdem sich hierzulande in den vergangenen Jahren vor allem ausländische Banken wie die spanische Santander oder die amerikanische Citibank in diesem Geschäft breitgemacht haben und die Ratenkredite aus der Schmuddelecke herausholten, wollen nun auch die Großbanken und Sparkassen als Nachzügler an der Verschuldung deutscher Privathaushalte verdienen. Denn die Renditen der Auslandsbanken sind in diesem Geschäft glänzend - dank miserabler Konditionen für die Kunden, wie nicht nur Verbraucherschützer monieren.
„Der Markt boomt gigantisch“
Im Geschäft mit den Konsumwünschen der Deutschen wittern die Banken ein großes Nachholpotential. Bislang hat nach Marktschätzungen erst jeder achte der 33 Millionen Haushalte in Deutschland einen Ratenkredit - in Ländern wie Großbritannien sind es schon weitaus mehr. Vor allem die Kredite zur Finanzierung von Fernsehern, Sofas, Gebrauchtfahrzeugen oder zunehmend auch Urlaubsreisen finden immer mehr Abnehmer. „Der Markt boomt gigantisch“, sagt Jacques Schumacher von der Unternehmensberatung Managementteam. Über alle Vertriebswege hinweg seien deutlich zweistellige Wachstumsraten zu verzeichnen.
Kein Wunder, daß immer mehr Wettbewerber daran teilhaben wollen. Allen voran die Deutsche Bank, die mit der kürzlich gekauften Norisbank im großen Stil ins Ratenkreditgeschäft eingestiegen ist und laut Privatkundenvorstand Rainer Neske die Kundenzahl bis ins Jahr 2010 auf eine Million mehr als verdreifachen will. Auch die Sparkassen versuchen mit neuen Produkten wieder Boden gut zu machen, während die Genossenschaftsbanken mit dem Easycredit schon einige Jahre auf diesem Markt vertreten sind. Und Einzelhandelsketten wie Tchibo, die mit der Royal Bank of Scotland zusammenarbeiten, und in Zukunft auch die Modehandelskette C&A mit einer eigenen Banklizenz wollen ebenfalls ein Stück vom Kuchen abhaben. Denn die deutschen Marktführer Santander Consumer Bank und Citibank verdienen mit diesem Geschäft traumhafte Eigenkapitalrenditen von zum Teil mehr als 40 Prozent.
Den Verbraucherschützern ein Dorn im Auge
Des einen Freud, des anderen Leid: „Aus Sicht des Verbrauchers muß man schon hinterfragen, daß diese hohen Renditen auf sehr hohen Kosten für die Kunden beruhen“, sagt Schumacher. Verbraucherschützern sind die Konditionen für derartige Kredite längst ein Dorn im Auge. Zwar locken die Kreditinstitute mit scheinbar günstigen Angeboten ab 3,5 Prozent. Doch die effektiven Zinsen - also einschließlich aller Abschlußkosten und Provisionen - sind zumeist weitaus höher. Stein des Anstoßes ist vor allem die „Restschuldversicherung“.
Nach den Worten von Wolfgang Scholl, Referent der Verbraucherzentrale Bundesverband, erwecken die Banken häufig den Eindruck, als ob ein Kredit nur in Kombination mit diesem Ausfallschutz ausgegeben werden kann. Mancher Marktführer gibt sogar mehr als 90 Prozent der Ratenkredite mit Restschuldversicherungen ab. Dabei verteuern diese den Kredit zum Teil dramatisch. „Es gibt Fälle, wo die Zinsbelastung dadurch auf 26 bis 27 Prozent steigt“, verdeutlicht Scholl. Gesetzlich sind die Banken aber nicht dazu verpflichtet, die Restschuldversicherung bei der Darstellung der Zinsbelastung zu berücksichtigen.
Restschuldversicherungen bieten oft geringen Schutz
Beispiel Tchibo: Der Kaffeeröster wirbt im Internet mit dem „Clever-Credit“, der stets eine effektive Zinsbelastung von 6,9 Prozent habe. Wer also beispielsweise einen Kredit in Höhe von 10.000 Euro mit einer Laufzeit von 48 Monaten haben will, dem wird ein effektiver Jahreszins von 6,9 Prozent oder in absoluten Zahlen 1534 Euro versprochen. Wer dazu aber noch eine Restschuldversicherung für Todesfallschutz, Arbeitsunfähigkeit und Arbeitslosigkeit haben will, zahlt nochmals 759 Euro obendrauf - fast die Hälfte der gesamten Zinssumme. Die meisten Anbieter laden die gesamten Kosten für die Restschuldversicherung nach den Worten von Scholl sogar einfach auf die Kreditsumme obendrauf. Dieses im Fachjargon „Frontloading“ genannte Vorgehen erhöht die Zinszahlungen nochmals erheblich.
Hinzu kommt, daß Restschuldversicherungen oft einen schlechteren Schutz bieten als beispielsweise klassische Risikolebensversicherungen oder Berufsunfähigkeitsversicherungen. Und dazu noch vergleichsweise teuer sind: Nach Angaben von Scholl geht oft mehr als die Hälfte der Versicherungsprämie für Provisionen drauf. Der Verbraucherschutzverband fordert daher die Offenlegungspflicht dieser dem Kunden bislang verborgenen Provisionen.
Eine halbe Million Haushalte gilt als „überschuldungsgefährdet“
Da viele Kunden mittlerweile schon mehrere kleine Verbraucherkredite haben, wird das Geschäft nach Angaben aus Bankenkreisen zunehmend darin gesehen, diese zu einem einzigen Ratenkredit zu bündeln. Der Schlüssel dazu ist eine Anfrage bei der Schufa, welche die Daten aller Kreditnehmer speichert und somit Auskunft darüber geben kann, wieviele Kredite der Kunde hat. Dabei gehen die Banken offenbar manchmal mit ungebührlichen Methoden vor: Bei einem Test der Zeitschrift „Finanztest“ vor einigen Monaten holten einige Bankangestellte ohne Einwilligung der Kunden eine Schufa-Auskunft ein - wozu sie nicht befugt sind.
Angesichts der jetzt schon steigenden Zahl an Privatinsolvenzen warnen Fachleute davor, daß sich mit der rasant steigenden Zahl an Ratenkrediten in einigen Jahren auch die Kreditausfälle häufen werden. Schon jetzt gelten nach dem Schuldenreport des Verbraucherschutzministeriums rund eine halbe Million Haushalte in Deutschland als „überschuldungsgefährdet“. Da wird auch so manchem Bankmanager mulmig. Sein Haus werde nicht dazu beitragen, die Verschuldung der Privathaushalte auszuweiten, begründete der Vorstandsvorsitzende der Direktbank ING-Diba, Ben Tellings, vor kurzem auf einer Bankenkonferenz seine Zurückhaltung im Ratenkreditgeschäft.
Text: F.A.Z., 12.10.2006, Nr. 237 |
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