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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6269
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Verfasst am: 12.Apr 2007 21:01 Titel: Citigroup: Rufe nach der Zerschlagung des Finanzgiganten |
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Die Citigroup hat den größten Konzernumbau seit ihrer Formierung vor zehn Jahren angekündigt. Dabei fallen 17 000 Stellen weg. Die Einschnitte gehen den Aktionären jedoch nicht weit genug. Ginge es nach ihnen und einigen Finanzexperten, würde ein Vielfaches an Mitarbeitern auf die Straße gesetzt. Selbst Rufe nach der Zerschlagung des Finanzgiganten werden laut.
Die US-Großbank will nicht nur rund 17 000 Stellen streichen, sondern auch mehr als 9 500 Arbeitsplätze an kostengünstigere Standorte verlagern. Zusammen mit einer Straffung des Managements soll das die jährlichen Kosten bis 2009 um 2,6 Mrd. Dollar senken. Hinzu kommen Einsparungen von weiteren zwei Mrd. Dollar in der Informationsverarbeitung, die der weltgrößte Finanzdienstleister bereits angekündigt hatte. Die Börse in New York reagierte enttäuscht. Der Aktienkurs der Bank sank bis Handelsschluss um gut ein Prozent.
Mit der Rosskur reagiert Konzernchef Charles Prince auf die wachsende Unzufriedenheit seiner Aktionäre. Im vergangenen Jahr hatte der saudische Großaktionär Prinz Alwaleed bin Talal „drakonische Maßnahmen“ von der Konzernführung verlangt. Grund für die Aktionärsschelte war das enorme Kostenwachstum der Citigroup. So stiegen die Ausgaben 2006 doppelt so schnell wie die Einnahmen. Ausgelöst wurde die Kostenexplosion durch eine teure Expansion im Massengeschäft (Retail-Banking). Allein im vergangenen Jahr eröffnete die Großbank 1 150 neue Geschäftsstellen. Die Gesamtkosten der Bank betrugen 2006 rund 52 Mrd. Dollar.
Zugleich fiel die Citigroup im Wettbewerb zurück. Konkurrenten wie Bank of America zogen im Kostenmanagement, im Ertragswachstum und an der Börse vorbei. Während die Citigroup ihren Gewinn 2006 um sieben Prozent steigern konnte, glänzte der Nachbar JP Morgan mit einem Zuwachs von 70 Prozent. Prince beauftragte daraufhin im Dezember seinen Chief Operating Officer Bob Druskin, „Kosten zu eliminieren“. Die jetzt geplanten Veränderungen würden die Bank „schlanker und effizienter“ machen, sagte der Konzernchef in New York.
Wie die Börse reagierten auch Analysten zunächst zurückhaltend auf die Sparpläne. „Die Zahlen sind etwas besser, als wir erwartet hatten“, sagte David George, Analyst beim Investmenthaus A.G. Edwards. Andere Experten hatten zuvor einen größeren Stellenabbau gefordert. Nach Berechnungen des Analysten Jason Goldberg von Lehman Brothers erwirtschaften die Citi-Mitarbeiter pro Jahr etwa 100 000 Dollar weniger Einnahmen als ihre Konkurrenten. Um die Lücke zu schließen, hätte die Citigroup 80 000 Stellen abbauen müssen.
An der Wall Street werden Forderungen nach einer Aufspaltung der Gruppe laut. So wird seit längerem über eine Abspaltung der Investmentbank spekuliert. Prince hat solchen Plänen jedoch eine Absage erteilt. Dennoch hat er sich in den vergangenen zwei Jahren schrittweise von den Visionen seines legendären Vorgängers Sandy Weill entfernt.
Der hatte die Citigroup in den 90er-Jahren durch zahlreiche Zukäufe zum größten Finanzdienstleister der Welt gemacht. Es stellte sich jedoch heraus, dass ein derart großes Imperium nicht nur äußerst schwer zu managen ist. Vielmehr konnten auch viele der erhofften Synergien zwischen den einzelnen Geschäftssparten bislang nicht realisiert werden.
Der nun verkündete Stellenabbau betrifft vornehmlich Verwaltungsaufgaben. Etwa 57 Prozent der Kürzungen sollen außerhalb der USA stattfinden. Vor allem im Retail-Banking sollen unprofitable Filialen geschlossen werden. Deutschland kommt allerdings glimpflich davon. Hier soll es nach Aussage von Europachef William Mills keine Streichungen geben. Bei der Brokertochter Smith Barney fallen mehr als 40 Geschäftsstellen den Kürzungsplänen zum Opfer. Aber auch das Spitzenmanagement wird gestrafft. So wurde zum Beispiel der Chefposten im Bereich Private Banking nicht wieder besetzt. In vielen Sparten der Bank gibt es sich überlappende Managementstufen.
Der Abbau von insgesamt 17 000 Arbeitsplätzen betrifft etwa fünf Prozent der Belegschaft. Citigroup beschäftigt weltweit rund 337 000 Mitarbeiter. Das Beschäftigungswachstum werde sich in den kommenden Jahren deutlich verlangsamen, sagte Druskin. „Wir haben erkannt, dass eine fortlaufende Kostendisziplin entscheidend für ein gutes Unternehmen ist.“
Bevor das Sparpaket seine volle Wirkung entfalten kann, wird es zunächst die Bilanz der New Yorker Großbank belasten. Im ersten Quartal wird die Citigroup vor Steuern außerordentliche Aufwendungen von 1,38 Mrd. Dollar verbuchen. Weitere Einmalbelastungen von jeweils 200 Mill. Dollar sollen in den folgenden Quartalen des Jahres hinzukommen. Die Einsparungen werden zwar die laufenden Kosten drücken, müssen jedoch nicht unbedingt die Gesamtausgaben nach unten bringen. So warnte Druskin, dass die Kosten auf Grund von Akquisitionen und Investitionen weiter steigen könnten. Citigroup versucht gerade, die japanische Bank Nikko Cordial für 14 Mrd. Dollar zu übernehmen. Außerdem soll die Bank an dem Hedge-Fonds Old Lane interessiert sein und dafür mehr als 600 Mill. Dollar geboten haben.
Quelle: HB |
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