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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6837
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Verfasst am: 9.Apr 2007 15:56 Titel: Die Spanier : » In der Schuldenfalle « |
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Die Spanier sind hoffnungslos überschuldet. Private Finanzagenturen versprechen einfache Lösungen mit Sofortkrediten. Kontrolliert werden sie kaum.
Das Angebot der Dame am Telefon klingt verlockend. Bis zu 50 Prozent könne die monatliche Schuldenlast reduziert werden. Eine unverbindliche Prüfung sämtlicher Zahlungsverpflichtungen für die Hypothek, das neue Auto, den Urlaub oder den jüngsten Kaufhausbummel würde ihre Firma Broker's Finance selbstverständlich kostenlos übernehmen.
Wen die Telefonistin da gerade anruft und ob derjenige überhaupt Bedarf an ihrem Angebot hat, weiß sie nicht. Aber der Schuss bei solchen Rundrufen dürfte ziemlich häufig ins Schwarze treffen. Spanier sind im Durchschnitt mit 115 Prozent ihres Jahreseinkommens verschuldet. Die größten Lasten gehen auf den Kauf des Eigenheims zurück, der sich aufgrund der explodierenden Immobilienpreise in den vergangenen Jahren enorm verteuerte und meist zu variablen Zinssätzen finanziert wird. Steigenden Zinsen führen dazu, dass immer mehr Haushalte Mühe haben, ihren durch Konsum zusätzlich angehäuften Schuldenberg abzubauen.
Voriges Jahr entdeckten die Banken und Sparkassen deshalb das Geschäft mit schnellen und unbürokratischen Verbraucherkrediten. Aber auch die Tendenz, sogenannte unabhängige Finanzberater mit der Zusammenlegung sämtlicher Darlehen zu betrauen, ist steigend. Das Risiko allerdings auch, warnt die Verbraucherschutzorganisation Adicae. Mit der Streckung der Kredite auf bis zu 40 Jahre würden die Verbraucher nämlich am Ende sehr viel mehr bezahlen.
Stichproben haben einen Unterschied von bis zu 54.000 Euro ergeben. Und: "Viele Leute, die auf dieses System zurückgreifen, neigen dazu, weiter über ihre Verhältnisse zu leben", sagt Adicae-Präsident Manuel Pardo. "Sie sparen nicht. Wenn die Zinsen erneut steigen, stecken sie wieder in Schwierigkeiten."
Studien belegen, dass bereits heute rund ein Drittel der Kunden, die bei ihrer Bank oder Sparkasse die in Mode gekommenen Sofortkredite beantragen, diese zur Tilgung bereits existierender Schulden nutzen. Über 40 Prozent der Spanier gelangen zudem nur durch den Einsatz ihrer Kreditkarte ans Monatsende.
Die Finanzagenturen verdienen gut an den Engpässen. Die Gebühren schwanken je nach Kreditvolumen zwischen vier und acht Prozent. Während 2004 in ganz Spanien lediglich neun Geschäftsstellen existierten, waren es voriges Jahr nach Angaben der auf Franchise-Unternehmen spezialisierten Beratungsagentur Tormo & Asociados bereits 5710. Credit Services, eine der größten Finanzagenturen, will sein Netz bis Ende 2007 von jetzt gut 515 Filialen auf 1000 ausbauen, wie ihr Chef Javier López Pérez sagt. Der Verbraucherschutzorganisation Adicae zufolge schuldeten die Agenturen 2006 rund 20.000 Darlehen im Volumen von 3,5 Mrd. Euro um. Andere Schätzungen sprechen von bis zu 100.000 Verträgen.
Die Dunkelziffer ist hoch, da sich die Agenturen in einem nahezu rechtsfreien Raum bewegen. Da sie nicht selbst Geld verleihen, sondern als Vermittler lediglich Kontakte zu offiziellen Finanzinstituten knüpfen, fallen sie nicht unter die Aufsicht der spanischen Zentralbank. Verbraucherschutz- und Finanzministerium prüfen einen Weg aus dieser Misere. Die Adicae und andere spanische Verbraucherschutzorganisationen fordern ein Insolvenzrecht für Privatpersonen nach dem Vorbild Deutschlands. Bislang allerdings ohne Erfolg.
Quelle: FTD |
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