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England - Versicherer klagen über Marktbedingungen

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GoMoPa
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Anmeldungsdatum: 25.01.2002
Beiträge: 2266

BeitragVerfasst am: 11.Sep 2005 6:32    Titel: England - Versicherer klagen über Marktbedingungen Antworten mit Zitat

Handelsblatt

England Versicherer klagen über schlechtere Marktbedingungen

Briten ignorieren Lücke in Altersvorsorge Widersprüchliche Auflagen der Regierung bringen Versicherer in Bedrängnis und verwirren die Sparer. Eigentlich müsste das Thema Rente die Briten brennend interessieren.

Der Anteil der über 55-Jährigen an der Gesamtbevölkerung wird bis zum Jahr 2021 auf ein Drittel ansteigen. Das ist vergleichbar mit der Situation hier zu Lande - Stichwort "Altersheim Deutschland". Schon heute kann niemand auf der Insel auf einen sorgenfreien Lebensabend hoffen, der nur auf staatliche Rente angewiesen ist. Die bedürftigsten Rentner bekommen 109 Pfund pro Woche, das sind knapp 690 Euro im Monat. Mit diesem Geld müssen fast zwei Fünftel der Briten auskommen.

Solche Zahlen sollten Anbietern von Altersvorsorge-Produkten Kunden in Scharen zutreiben. Doch genau das geschieht nicht. Im vergangenen Jahr wuchs der Markt des "Langzeitsparens" um nicht einmal fünf Prozent. Jahr für Jahr sparen die Briten 27 Mrd. Pfund zu wenig, um im Alter sorglos über die Runden zu kommen.

Es ist paradox. Fast fünf Millionen Angestellte könnten mit Hilfe ihres Arbeitnehmers private Vorsorgeverträge abschließen - doch sie tun es nicht. Die Abneigung liegt an vielen Faktoren: Die einen stecken ihr Geld lieber in Immobilien. Andere konsumieren - die Sparrate ist nicht halb so hoch wie bei den Deutschen. Menschen am unteren Ende der Einkommensskala können sich das Sparen wiederum nicht leisten. Denen wird nach Ansicht von Nicholas Hillman, Strategieberater des Versicherungsverbandes ABI, auch längeres Arbeiten im Alter kaum helfen.

Zudem lässt die Politik eine klare Linie vermissen. "Seit 1997 gibt es durch die Labour-Regierung laufend Änderungen und neue Regulierungen der Produkte", sagt Mike Urmston, Finanzdirektor des Lebensversicherungsgeschäfts von Norwich Union, einer Tochter des größten Versicherers Aviva. Hinzu kämen unverständliche Konzepte: Wer privat vorsorgt, bekommt weniger staatliche Rente. So etwas gibt kaum Anreize zum Sparen.

Doch es sind beileibe nicht nur äußere Faktoren, die der Industrie bessere Geschäfte verhageln. Sie selbst hat in 30 Jahren viel Kredit verspielt. Kunden wurden mit blumigen Rendite-Versprechungen gelockt, die sich am Ende nicht erfüllten. Einige der populärsten Produkte wurden verkauft, ohne die teils beträchtlichen Risiken zu erwähnen. Vor vier Jahren brachte dann die spektakuläre Schieflage des größten Versicherungsvereins Equitable Life die ganze Branche in Misskredit.

Das britische Rentensystem ruht auf zwei Säulen: der staatlichen und der privaten Vorsorge. Von den 29 Millionen Angestellten sind etwa zehn Millionen über ein so genanntes "Defined Benefit Scheme" ihrer Firma abgesichert. Weitere zehn Millionen zahlen in ein "Defined Contribution Scheme", auch zu dem trägt ihr Arbeitgeber bei. Der Unterschied zwischen beiden Systemen ist, dass die Arbeitgeber im ersten Fall eine Auszahlung im Vorfeld garantieren. Verwaltet die Firma die Beiträge schlecht, muss sie das Minus aus der eigenen Kasse ausgleichen. Im zweiten Fall unterstützt der Arbeitgeber seine Angestellten nur mit regelmäßigen Beiträgen. Wird hier schlecht gewirtschaftet, bekommt der Angestellte eben weniger. Am Ende gibt es nur das, was sich im Fonds-Topf angesammelt hat. In der Aktienkrise um die Jahrtausendwende mit fallenden Kursen und klaffenden Lücken in den Pensions-Portfolios schlossen Firmen massenhaft "Defined Benefit Schemes" und wechselten zu "Defined Contribution".

Der Trend dürfte sich in den nächsten Jahren verstärken - für Versicherungen ist das ein gutes Geschäft. Sie verwalten die Mehrheit der "Defined Contribution Schemes". In 20 Jahren verdoppelte sich die Zahl der Policen, die nicht über einen Arbeitgeber abgeschlossen wurden, auf fast 70 Millionen. Das Prämienaufkommen verfünffachte sich auf 23,7 Mrd. Pfund. Doch das reicht nicht, um Hoffnung auf größeres Wachstum zu schaffen.

Eine grundlegende Reform ist nötig. Die eigens zur Reformarbeit einberufene "Pensions-Commission" nannte das Rentensystem "verwirrend komplex". Bei der privaten Vorsorge hätten sich über die Jahre zu viele steuerlich und rechtlich unterschiedliche Sparformen entwickelt. Diese brächten "Verwirrung" bei Kunden, Industrie und Staat. Sie erhöhten zudem die Kosten für den Abschluss. Während die Vorsorge über den Arbeitgeber gerade 0,2 Prozent des Fondsvolumens kostet, schnellen diese Kosten beim Abschluss eines individuellen Vertrags auf bis zu 1,3 Prozent hoch. Für Niedrigverdiener kann das bedeuten, dass sich der Abschluss einer Police nicht mehr lohnt. Die Industrie winkt ohnehin müde ab, wenn es um Niedrigverdiener geht: Eine von der Regierung eingeführte Billig-Version der Rente, die mit Einzahlungen von 20 Pfund im Monat beginnt, bezeichnet Urmston als "kaum rentabel".

Die Versicherer hoffen jetzt auf regulatorische Veränderungen. Bis November arbeitet die Renten-Kommission an neuen Konzepten. Der Verband der Versicherer zeigt sich verhalten optimistisch: "Ich kann mir kaum eine Lösung vorstellen, bei der die Industrie keine wichtige Rolle spielt", sagt Hillman. Andere sind da skeptischer: "Wir wissen nicht, was die Kommission sagt", führt Mike Urmston aus, "und wir wissen nicht, was die Politik daraus macht". Hohe Wachstumsraten für die Branche erwartet er einstweilen nicht.

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GM&P Mod. Team
Insider


Anmeldungsdatum: 18.01.2006
Beiträge: 653

BeitragVerfasst am: 13.Sep 2007 13:31    Titel: Antworten mit Zitat

GoMo&Pa hat folgendes geschrieben::
Einige der populärsten Produkte wurden verkauft, ohne die teils beträchtlichen Risiken zu erwähnen. Vor vier Jahren brachte dann die spektakuläre Schieflage des größten Versicherungsvereins Equitable Life die ganze Branche in Misskredit.


Zitat:
Musterklagen gegen britischen Lebensversicherer "Equitable Life"

Die auf versicherungsrechtliche Fälle spezialisierte Berliner Niederlassung der Kanzlei TILP Rechtsanwälte, wird in Kürze Musterklagen gegen den britischen Lebensversicherer „Equitable Life“ einreichen. Diese hat mit einer Satzungswidrigen Überschusspolitik und fragwürdigen Aktuarmethoden zahlreiche Kunden geprellt. Laut TILP Rechtsanwälte droht allein in Deutschland rund 3.000 Kunden eine Verjährung ihrer Ansprüche zum Jahresende, sowie Rechtsverlust durch Übertragung ihrer Policen auf eine dritte Gesellschaft. Das geschätzte Schadensvolumen beziffert sich laut Meinung der Kanzlei auf 150 Millionen Euro.

„Buy German, earn British“ – „Kaufe deutsch, verdiene britisch“, so lautete ein Werbeslogan der britischen Equitable Life Assurance Society CSC Germany Anfang 2000. In Zeitungsanzeigen wurden die Telefonnummern der deutschen Konkurrenz mit der Aufforderung an Versicherungsnehmer veröffentlicht, dort gezielt nachzufragen, warum die deutschen Anbieter nur die Hälfte der Rendite böten. Was aber nicht in den Anzeigen stand: Bereits zu diesem Zeitpunkt war die Gesellschaft in schwerer Schieflage und Gegenstand diverser behördlicher Verfahren und Gerichtsverfahren in Großbritannien.

Mehr als sieben Jahre später steht jedoch fest: Die Überschussleistungen der meisten über die ehemalige deutsche Niederlassung der Versicherung abgeschlossenen überschussbeteiligten Verträge mussten aufgrund einer rechtswidrigen Überschusspolitik und fragwürdigen Kalkulationen der verantwortlichen Aktuare gekürzt werden. Dadurch fielen nicht nur laufende Renten und Ablaufleistungen, sondern auch Rückkaufswerte erheblich niedriger aus als es die in Deutschland so massiv geworbenen Versicherungsnehmer bei Abschluss ihrer Verträge erwarten durften. Hierzulande sind rund 3.000 Versicherungsnehmer mit einem geschätzten Schadensvolumen von 150 Millionen Euro betroffen.

Die schwerpunktmäßig auf versicherungsrechtliche Fälle spezialisierte Berliner Niederlassung der Kanzlei TILP Rechtsanwälte führt im Mandantenauftrag Musterklagen durch – denn Verjährung und Rechtsverlust drohen. Eigenen Angaben zufolge vertritt TILP Rechtsanwälte in diesem Fall bereits mehrere Dutzend geschädigte Versicherungsnehmer und wird in Kürze diverse Musterklagen gegen die Equitable Life Assurance Society zunächst vor den Landgerichten Aachen, Dortmund, Fulda, Kassel und Köln einreichen.

„Zum Zeitpunkt, als die britische Muttergesellschaft bereits wegen ihrer massiven Verpflichtungen aus Mindestrente-Verträgen in deutliche Schieflage geraten ist, wurden hierzulande noch ahnungslose deutsche Versicherungsnehmer quasi zur Auffrischung der Unternehmensbilanzen aggressiv geworben“, sagt Rechtsanwalt Markus Weyer. TILP Rechtsanwälte geht jetzt gegen diese unseriöse Geschäftspolitik und die massiven Kürzungen der überschussbeteiligten Policen ihrer Mandanten nun gerichtlich vor und verlangt die Erfüllung oder Rückabwicklung der Verträge und Schadenersatz.

„Die Aussichten erachten wir als durchaus viel versprechend“, sagt Philip Härle, Leiter der Berliner Niederlassung von TILP Rechtsanwälte. „Gerichtsurteile und diverse Untersuchungsberichte aus Großbritannien ebenso wie der Abschlussbericht des Untersuchungsausschuss des EU-Parlaments stärken unsere juristische Position. Nach unserer Auffassung dürften die Ansprüche der Geschädigten wohl zum Jahresende 2007 verjährt sein – sie sollten deshalb sehr rasch handeln“

Der rechtliche Ansatz: Wirbt ein Versicherungsunternehmen mit derartigen Leistungen, obwohl ihm zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses bekannt ist, dass es die Leistungen in dieser Höhe aufgrund aktueller Entwicklungen nicht mehr erbringen kann, ist es ihm nach Treu und Glauben verwehrt, die Überschussbeteiligung des Versicherungsnehmers aufgrund dieser Entwicklung herabzusetzen.

Laut TILP Rechtsanwälte beabsichtigt die nach einem „Zwangsvergleich“ in Großbritannien inzwischen sanierte „Equitable Life“, die geschädigten Versicherungsnehmer offenbar erneut zu übervorteilen. Einer Mitteilung der Gesellschaft aus dem Frühjahr 2007 nach ist geplant, einen Großteil der betroffenen Versicherungsbestände von der „Equitable Life“ auf die britische Prudential-Gesellschaft zu übertragen.

Auf diesem Wege will die Equitable Life anscheinend versuchen, Geschädigte um ihre berechtigten Ansprüche gegen sie zu bringen. „Da die Prudential an den massiven „Equitable Life“-Altlasten kein Interesse haben dürfte, plant sie möglicherweise eine Schuldumschaffung“, sagt Rechtsanwalt Markus Weyer. „Daher droht: Die Altgesellschaft „Equitable Life“ wäre wegen der Bestandübertragung nicht mehr Schuldner, die Prudential nicht mehr wegen der Schuldumschaffung. Verlierer wären dabei auch die deutschen „Equitable Life“-Kunden“.

Die britische Versicherungsaufsicht FSA hat inzwischen einen unabhängigen Gutachter für die Prüfung der geplanten Bestandsübertragung eingesetzt. Im Februar 2008 soll es hierzu auch eine gerichtliche Anhörung vor dem Royal Courts of Justice geben. TILP Rechtsanwälte wird sich auch in Großbritannien für ihre Mandanten nachhaltig gegen die Bestandsübertragung zur Wehr setzen.

„Tickende Zeitbombe“

Der Untersuchungsausschuss des EU-Parlaments zum Fall „Equitable Life“, der seine Arbeit im Juli 2007 beendete, sprach im Kontext der Mindestrente-Verträge sogar von einer „tickenden Zeitbombe“, da ständig zu wenige Rückstellungen für die garantierten Renten gebildet wurden. Auf dem Höhepunkt der Unternehmenskrise betrug die Kapitalunterdeckung des ältesten britischen Versicherungsunternehmens sogar 1,5 Milliarden Britische Pfund.

Das Oberste Gericht des Vereinigten Königreichs von Großbritannien urteilte am 20. Juli 2000 einstimmig, dass die Überschusspolitik des Versicherungsunternehmens satzungswidrig war. Im März 2004 wurde der Bericht Penrose in Großbritannien zu diesem Fall veröffentlicht. Darin hieß es im Wesentlichen, dass trotz Feststellung einiger gravierender regulatorischer Mängel bei der Beaufsichtigung des Unternehmens die Hauptschuld dennoch eher bei der Geschäftsführung der „Equitable Life“ und nicht bei den Aufsichtsbehörden lag. (ir)

Quelle: FONDS professionell
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Henri IV
Newbie


Anmeldungsdatum: 16.06.2005
Beiträge: 20

BeitragVerfasst am: 17.Sep 2007 19:37    Titel: Antworten mit Zitat

Die britischen Lebensversicherer wurden auch in deutschen Publikationen von selbst ernanten Experten als die Alernative zur "langweiligen" deutschen KLV/RV beworben. Selbst Finanztest gab sich dafür her. Besonders schlimm: Oft wurde die Rentenversicherung gegen Einmalbeitrag sogar über Kredit finanziert. Nicht wenige dürften deshalb jetzt doppelt geleimt sein. Nur vereinzelt haben Publikationen wie "Capital" gewarnt. Doch wo Vermittler die Dollar-Zeichen im Auge haben und Anleger vor lauter Geldgier den Verstand sausen lassen, bleiben die Mahner die ungeliebten Rufer in der Wüste.
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