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A. Henneberg ** Consulter **
Anmeldungsdatum: 28.08.2002 Beiträge: 4936 Wohnort: Osten
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Verfasst am: 13.Sep 2005 10:11 Titel: Finnen beginnen ersten Atomreaktor-Bau in Europa |
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Finnen beginnen ersten Atomreaktor-Bau in Europa nach Tschernobyl
Im westfinnischen Olkiluoto ist am Montag der Grundstein für den ersten Neubau eines Atomreaktors in Europa seit der Tschernobyl-Katastrophe vor 19 Jahren gelegt worden. Der Druckwasserreaktor Olkiluoto 3 soll von 2009 an mit einer Leistung von 1600 Megawatt ans Netz gehen und wird unter Führung des deutsch-französischen Konsortiums Framatome ANP gebaut, einem Joint Venture des Areva-Konzerns (66 Prozent) und Siemens (34 Prozent). Für die Baukosten hat der finnische Kraftwerksbetreiber TVO drei Milliarden Euro veranschlagt.
Nach Angaben der Hersteller wird der insgesamt fünfte Atomreaktor in Finnland als erster in der neuen Generation des "Europäischen Druckwasserreaktors (ERP)" gebaut. Dies ermögliche eine im Vergleich zu bisherigen Atomreaktoren wesentlich kostengünstigere Stromerzeugung und weise zudem eine "neue Qualität der Reaktorsicherheit" auf. Finnlands Regierung hatte den Ausbau der Atomkraft damit begründet, dass nur so die Ziele des Kyoto- Klimaprotokolls zur Reduzierung eigener CO2-Emissionen zu erreichen seien.
Am Rande der feierlichen Grundsteinlegung demonstrierten etwa hundert Atomkraftgegner mit Transparenten, auf denen der Neubau als "Nukleare Sackgasse" kritisiert wurde. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace reichte ebenfalls am Montag in Helsinki eine Klage gegen die Baugenehmigung Olkiluoto wegen nicht eingehaltener Sicherheitsanforderungen ein. Der deutsche Greenpeace-Sprecher Thomas Breuer meinte in Hamburg zum Reaktor-Neubau in Finnland: "Das ist völliger Wahnsinn. Die Sicherheitsrisiken sind nach wie vor auch mit Blick auf mögliche Terroranschläge viel zu hoch."
Die EU-Kommission hatte den Neubau im vergangenen Jahr mit der Begründung genehmigt, das Projekt zeige, dass "die Atomenergie eine wirtschaftlich attraktive Option bleibt, wenn sie vernünftig angewandt wird".
Bei dem Reaktorunglück von Tschernobyl in der Ukraine am 26. April 1986 waren mindestens 32 Menschen unmittelbar gestorben, mindestens weitere 8000 an den Folgen der Verstrahlung. Radioaktive Niederschläge zogen damals bis Westeuropa.
Quelle: dpa-Meldung |
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Gast Pathfinder
Anmeldungsdatum: 22.12.2004 Beiträge: 316
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Verfasst am: 12.Okt 2005 6:45 Titel: |
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Theoretische Physik in Deutschland - einige Anmerkungen zum Einstein-Jahr. Von Hermann Nicolai.
Obwohl noch nicht vorbei, ist das Einstein-Jahr bereits jetzt ein großer Erfolg für die Verbreitung von Wissenschaft in der Öffentlichkeit. Gleichzeitig dient die universelle Pop-Ikone Einstein als Projektionsfläche für vielerlei Innovations-, Vermarktungs- und andere Initiativen, welche mit Physik wenig oder gar nichts im Sinn haben. So schön es für uns Physiker ist, unsere Wissenschaft im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses zu sehen, so sehr drängt sich doch die Frage auf: Was bleibt, wenn die Einstein-Feiern hinter uns liegen, wenn die Einstein-Ausstellungen geschlossen sind, und wenn sich beim Normalbürger endgültig Einstein-Überdruss eingestellt hat? Leider wird diese Bilanz weniger rosig ausfallen.
Albert Einstein hat sich Zeit seines Lebens, und in seinen letzten zwei Jahrzehnten in Princeton nahezu ausschließlich, den konzeptionellen und mehr spekulativen Fragen der theoretischen Physik gewidmet. Im Vordergrund seines Bemühens um eine einheitliche Beschreibung der Physik stand dabei die Suche nach Begriffen und Gesetzen gerade dort, wo mögliche Anwendungen unserer Erkenntnisse noch in weiter Ferne zu liegen scheinen. Diese Suche zieht auch heute immer wieder viele der besten jungen Forscher in ihren Bann: Was hält unsere Welt im Kleinen und im Großen zusammen? Und lässt sich das Naturgeschehen von der Physik der Elementarteilchen bis zur Kosmologie aus einem einzigen Prinzip verstehen?
Nicht nur angesichts der Faszination, die von diesen Fragestellungen ausgeht, meine ich: Alle größeren Universitäten (und an vorderster Stelle jene, welche für sich das Etikett "Elite" reklamieren) sollten ihren wissbegierigen Studenten zumindest einen Einstieg in Form einführender Vorlesungen ermöglichen – selbst wenn die jeweiligen Forschungsschwerpunkte anderswo liegen. Zum Wissenskanon der physikalischen Allgemeinbildung sollten allemal einige Grundbegriffe der Allgemeinen Relativitätstheorie und der modernen Quantenfeldtheorie gehören. Die dadurch geförderte Fähigkeit zum abstrakten Denken kann auch in völlig anderen Bereichen Früchte tragen - so reüssieren "abstrakte" Theoretiker mit ihrer Problemlösungskompetenz häufig genug in Wirtschaft und Unternehmensberatung.
Leider jedoch hat die an den konzeptionellen Grundlagen orientierte theoretische Physik im Ursprungsland der Allgemeinen Relativitätstheorie und der Quantentheorie zunehmend einen schweren Stand. Das liegt zum einen daran, dass sie nicht auf Kommando und - wie von vielen Politikern lautstark gefordert - innerhalb von überschaubaren Legislaturperioden Resultate produziert, die sich wirtschaftlich verwerten lassen. Dazu sind ihre Fortschritte zu unvorhersehbar, langfristig und oftmals auch nicht leicht zu kommunizieren. Zum anderen zwingen Finanzengpässe und Struktur-"Reformen" die Fachbereiche immer mehr, sich auf Schwerpunkte und anwendungsnahe Forschung zu konzentrieren. Im Wettstreit um Ressourcen und Exzellenz-Cluster unterliegen kleine Theoriegruppen nicht selten jenen stärkeren Interessen, welche der theoretischen Physik nur noch eine Nebenrolle in den experimentellen Projekten zubilligen wollen. Das Resultat solcher Entwicklungen lässt sich in der deutschen Hauptstadt besichtigen, welche ja bekanntlich einmal (trotz knappen Geldes!) ein leuchtendes Weltzentrum der theoretischen Physik war: Zwar prangt hier fast an jeder Hauswand ein Ausspruch von Einstein, doch gibt es für die Art der theoretischen Physik, mit welcher Einstein sich vorwiegend beschäftigt hat, an keiner der drei großen Berliner Universitäten mehr einen Lehrstuhl!
Zu dieser trüben Bilanz gehört genauso, dass die Allgemeine Relativitätstheorie – nach Einsteins eigener Einschätzung seine bedeutendste Leistung - mit lediglich zwei C4 (W3) Professuren an deutschen Universitäten vom Aussterben bedroht ist.1) Seit 1997 haben allein in meiner Abteilung elf (darunter sechs deutsche) Mitarbeiter permanente Stellen gefunden - davon leider nur einer in Deutschland! Damit wird das Institut immer mehr zum "Durchlauferhitzer": Der Nachwuchs wird aus dem Ausland geholt, hier ausgebildet, und dann wieder ins Ausland entlassen. Der sich in aller Stille vollziehende Brain Drain lässt sich gleichermaßen ablesen an der großen Zahl junger deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die erst gar nicht in dieser Statistik auftauchen, weil sie ihr Glück schon längst außerhalb Deutschlands gefunden haben. In vielen anderen Ländern hat man dagegen klar die Bedeutung der theoretischen Grundlagenforschung für ein wirtschaftlich erfolgreiches Land erkannt und fördert diese nun in wachsendem Maße – eingedenk der historischen Erfahrung, dass letztlich kaum eines ihrer Gebiete von der Anwendung ausgenommen ist. Als Beispiele seien hier nur GPS-Navigation und die fundamentale Rolle von EPR-Korrelationen für Quanten-Computer und Quanten-Kryptographie genannt!
Sollen wir uns in Deutschland wirklich damit abfinden, dass die Nachfolger Einsteins den Nährboden, den sie für ihre Entfaltung benötigen, nur noch an ausländischen Universitäten finden? Wie wäre es stattdessen mit der Einrichtung eines Einstein-Lehrstuhls "Fundamentale theoretische Physik" in der deutschen Hauptstadt als Zeichen für die dauerhafte Förderung von Einsteins Wissenschaft? Vermutlich ließen sich mit etwas Geschick zahlungskräftige und physikbegeisterte Sponsoren für diese Idee gewinnen. Deren Verwirklichung würde dann erheblich weniger kosten als die von der Bundesregierung geförderte Einstein-Ausstellung mit ihren aufwändig inszenierten Begleit-Events. Und wie kann man Einstein besser ehren als mit der Weiterpflege der Art von Physik, die ihm am nächsten war?
Prof. Dr. Hermann Nicolai ist seit 1997 Direktor und wissenschaftliches Mitglied am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) in Potsdam
Quelle: Physik Journal 10 / 2005 |
Vielleicht ist das zukünftig Finnlands Metier?
Mit freundlichen Grüssen
Gast |
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A. Henneberg ** Consulter **
Anmeldungsdatum: 28.08.2002 Beiträge: 4936 Wohnort: Osten
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Verfasst am: 11.Jan 2006 12:10 Titel: |
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Energie wird immer teurer - nur Deutschland verhindert billigen Atomstrom
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Atomlobby zerstreut Sorge um Uran
Vorräte reichen angeblich noch für mindestens 60 - voraussichtlich sogar für mehr als 200 Jahre
Die Atomlobby widerspricht dem Argument, eine Renaissance der Kernkraftwerke sei unsinnig, weil Uran knapp werde. Die Reserven reichten keineswegs nur noch 25, sondern "mindestens 200 Jahre".
Das Deutsche Atomforum kritisiert somit die Kernkraft-kritischen SPD-Politiker Sigmar Gabriel (Bundesumweltminister) und Harald Ringstorff (Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern). Gabriel lehnt längere Laufzeiten und einen Neubau von Kernkraftwerken (AKW) ab, weil "uns" das "von knappem Uran abhängig machen würde, das bei Verwirklichung gewünschter Ausbaupläne in nicht einmal 25 Jahren erschöpft sein würde". Ringstorff argumentiert, ein Wiedereinstieg in die Atomwirtschaft bringe "auf längere Sicht auch keine Energiesicherheit".
AKW mit geringen Brennstoffkosten
Die bekannten sicheren Uran-Reserven betragen weltweit rund 1,8 Millionen Tonnen. Weitere 5,7 Millionen können nach Expertenmeinung gewonnen werden, wenn die Preise entsprechend steigen und immer effizientere Abbautechniken genutzt werden. Dem Atomforum zufolge, einer Lobby der deutschen Atomwirtschaft, reichen die sicheren Reserven, um die heute weltweit am Netz befindlichen 443 Kernkraftwerke rund 60 Jahre zu betreiben. Sprecher Christan Wößner betont, diese Zeitspanne steige auf "mindestens 200 Jahre", wenn auch die anderen Ressourcen genutzt würden. Er verwies auf den "Energiereport 2005" des Bundeswirtschaftministeriums, der für Kernbrennstoffe eine Spanne von 391 Jahren angibt.
Wössner zufolge erhöht bereits eine Verdoppelung der Uranpreise von derzeit rund 80 Dollar pro Kilogramm die Reichweite beträchtlich. Dies zu finanzieren, sei kein Problem. Bei Atomkraftwerken lägen die Brennstoffkosten nämlich viel niedriger als bei Kohle- oder Gaskraftwerken - sie machten nur rund drei Prozent der Stromerzeugungskosten aus. Selbst eine Verdreifachung des Uranpreises lasse die Gesamtkosten eines AKW nur um vier bis fünf Prozent steigen, rechnet Deutschlands größter Atomkraft-Betreiber, der Eon-Konzern, vor.
Nur rund die Hälfte des derzeit in AKW genutzten Urans stammt direkt aus Bergwerken. Andere Quellen sind Lagerbestände, die Wiederaufarbeitungsanlagen wie La Hague in Frankreich und Sellafield in Großbritannien sowie die Umnutzung von Uran aus abgebauten Atomwaffen. Der Preis für den Rohstoff unterlag in den vergangenen Jahrzehnten starken Schwankungen. In den 70er Jahren erreichte er den bisherigen Höchststand, weil man mit einem beschleunigten Atomausbau rechnete. Damals wurden auch die Bergwerke erschlossen, die bis heute den Großteil des Natur-Urans liefern.
In den 80er und 90er Jahren verfiel der Preis, weil weniger AKW ans Netz gingen als geplant. Die aktiven Uranminen sind zusehends erschöpft. Seit 2000 steigt der Uranpreis daher wieder, zuletzt sogar kräftig. Aktuell kostet ein Kilo doppelt so viel wie Mitte 2004 und fünf mal so viel wie Ende 2000.
Die Ergiebigkeit der Uranerz-Lager ist sehr unterschiedlich. Bei den besten Minen, etwa im kanadischen Saskatchewan, liegt der Urananteil im abgebauten Gestein bei mehr als 15 Prozent. Am anderen Ende liegt derzeit das Rössing-Bergwerk in Namibia, wo der Wert nur 0,03 Prozent beträgt. Wegen der gestiegenen Preise lohnt sich der Abbau aber weiterhin.
Ökologen kritisieren die großen Umwelt- und Gesundheitsschäden, die Abbau und Aufbereitung des so genannten "Yellow Cake" verursachten, des Gemischs aus den Uraniumoxiden 238 und 235, aus dem der Atombrennstoff gefertigt wird.
Quelle: Frankfurter Rundschau - Joachim Wille |
http://www.gomopa.net/Finanzforum/Umweltthemen/-19-Jahre-Tschernobyl.html?highlight=uran
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