| |

|
| Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen |
| Autor |
Nachricht |
Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6844
|
Verfasst am: 8.Nov 2007 6:32 Titel: Fusionen sind angesagt |
|
|
Mit Fusionen rüsten sich deutsche Unternehmen für den internationalen Wettbewerb. Gar nicht so leicht, dabei den Überblick zu behalten.
Bereits 2003 hatte der damalige Vorstandschef von Karstadt-Quelle, Wolfgang Urban, eine Idee: die Großfusion von Karstadt und Kaufhof zur „Deutschen Warenhaus AG“, einem Unternehmen mit dann rund acht Milliarden Euro Umsatz. Jetzt könnte die Idee verwirklicht werden: Arcandor-Boss Thomas Middelhof und Kaufhof-Chef Eckhard Cordes sollen bereits darüber verhandeln.
Aus zwei mach eins – quer durch alle Branchen sind die Firmen auf Einkaufstour. Die Kriegskassen sind gefüllt, die Bilanzen poliert. Doch bekommt der Kunde wirklich noch Produkt A, wenn er bei Unternehmen A kauft? Oder ist es eher B, das Produkt des Unternehmens, das im Hintergrund die Fäden zieht?
Auf den ersten Blick haben ein Porsche Cayenne und ein VW Lupo wenig gemein. Tatsächlich aber kommt die Karosserie für den Cayenne, der in Leipzig gebaut wird, schon seit Jahren aus dem VW-Werk in Bratislava.
Tatsächlich hat Porsche heute viel Macht im VW-Konzern: 2005 stieg der Sportwagenbauer mit 20 Prozent bei VW ein und stockte später seine Anteile auf 31 Prozent auf. Vor wenigen Wochen kippte der EU-Gerichtshof das VW-Gesetz, das es Porsche verbat, seine Stimmrechte voll auszuüben.
Seither ist der Weg Porsches (12.000 Mitarbeiter) zu einer Mehrheitsübernahme von VW (320.000 Mitarbeiter) frei. Porsche kontrolliert dann auch die Marke Audi, die VW bereits im Jahr 2000 geschluckt hat.
Historisch betrachtet, läge die Übernahme nahe: Sowohl Porsche als auch VW starteten auf Basis des gleichen Modells, des Käfers. Entworfen hat ihn Ferdinand Porsche, dessen Enkel, Ferdinand Piech, heute wiederum Aufsichtsratschef von VW ist. Tradition verpflichtet - bei der Familie Porsche nicht nur ein lauer Spruch.
Joachim Hunold ist überall: Vor wenigen Wochen schlug der Chef von Air Berlin erneut zu und sicherte sich die Anteile von Condor. Die Anteile der Fluglinie, die vor allem Langstreckenziele ansteuert, lagen vorher in den Händen von Arcandor und der Lufthansa. Die gab die Anteile ab 2010 frei. Jetzt muss das Kartellamt zustimmen.
Etwas verwirrend für die Kunden dürfte sein, dass Air Berlin den Namen Condor nicht mitkaufen würde - dieser verbleibt im Besitz der Lufthansa. Das heißt: Die 35 Condor-Flugzeuge werden nicht mehr unter der Flagge von Condor fliegen, sondern in das Unternehmen Air Berlin eingemeindet.
Langfristig plant der Air-Berlin-Chef übrigens einen viel größeren Coup: den Angriff auf die Lufthansa. Spätestens jetzt ist der Zweikampf eröffnet.
"Umflaggen" nennen es die Werber, wenn Filialen ein neues Logo bekommen. Genau das passierte 2005 mit zahlreichen Supermärkten in Deutschland, als sich Edeka die Spar-Gruppe einverleibte - seither trägt das Gros der Spar-Märkte das Edeka-Logo.
Im Sommer diesen Jahres gab es Gerüchte, dass Edeka gemeinsam mit der US-Investmentfirma KKR ein Angebot für den Einzelhandelskonzern REWE abgegeben habe. Auch wenn beide Unternehmen dementierten, würde der Deal nach Ansicht von Experten Sinn haben: Edeka steht unter Druck, weil die heimischen Märkte weitgehend abgeschöpft sind und dem Unternehmen ein Standbein im Ausland fehlt. Rewe könnte das bieten. Nicht auszuschließen also, dass auch die Rewe-Supermärkte in Zukunft ein neues Logo bekommen.
Nach außen treten Saturn und Mediamarkt gerne als hartnäckige Konkurrenten auf, die sich gegenseitig Kunden streitig machen wollen.
Dahinter steckt indes eine ausgeklügelte Zwei-Marken-Strategie des Metro-Konzerns, zu dem beide Elektronikmärkte seit 1996 gehören. Saturn und Mediamarkt sind seit Jahrzehnten eng verwoben. 1984 kaufte Kaufhof die Saturn-Gruppe, sechs Jahre später griff Mediamarkt zu, die Saturn-Mediamarkt-Holding entstand.
Seit 17 Jahren kämpfen die Unternehmen nicht gegen- sondern miteinander. Die Gemeinschaft beginnt bereits beim Einkauf: Den Bedarf an Computern, Fernsehern, Hi-Fi-Anlagen oder Tonträgern bestellen die Ladenchefs für ihre Filiale zwar selbst. Doch Rahmenverträge werden am Firmensitz in Ingolstadt ausgehandelt - und zwar für Mediamarkt und Saturn gemeinsam in ganz Europa.
Tchibo und Eduscho sind ein weiteres Beispiel für eine geschickte Markenstrategie: Tchibo hatte Eduscho, die damalige Nummer Vier auf dem Markt der Kaffeeabpacker, bereits 1997 geschluckt, behielt aber Teile der Marke bei. Noch heute gibt es Eduscho-Kaffee zu kaufen, tatsächlich aber gehört Eduscho längst zur Tchibo AG, einem Unternehmen mit heute 12.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 4 Milliarden Euro (im Jahr 2005).
Seit Jahren tobt unter den Baumärkten ein harter Preiskampf. Weil die Firmen wie verrückt Märkte groß wie Fußballfelder in die Welt setzten, gibt es in Deutschland so viele Quadratmeter Baumarkt pro Einwohner wie in kaum einem anderen Land.
Jetzt geht es darum, andere Baumärkte zu verdrängen - oder sie zu schlucken. Genau das machte Praktiker 2006 mit dem Hamburger Filialunternehmen Max Bahr. Seither kauft, wer bei Bahr einkauft, im Prinzip bei der Metro-Tochter Praktiker, der Konkurrenz. Der Chef von Praktiker, Wolfgang Werner, hat langfristig höhere Pläne: Er will den Marktführer OBI vom Thron stoßen.
Quelle: Zeit |
|
| Nach oben |
|

|
|
|
|
|
|
Sie können keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Sie können auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Sie können an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
|
|
Powered by phpBB © phpBB Group
|
|
|
|