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Geldhäuser treiben Kunden in die Privatinsolvenz

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 6461

BeitragVerfasst am: 26.Sep 2006 9:36    Titel: Geldhäuser treiben Kunden in die Privatinsolvenz Antworten mit Zitat

Verbraucherschützer gehen mit den Banken hart ins Gericht: Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (VZBV) hat der Kreditwirtschaft vorgeworfen, so genannte Problemkunden aus Eigeninteresse in die Privatinsolvenz zu treiben. Der Grund: "Eine außergerichtliche Einigung setzt voraus, dass alle Gläubiger den Vorschlag des Schuldners akzeptieren, vielen Banken ist das zu aufwändig", sagte die VZBV-Insolvenzexpertin Helga Springeneer der Berliner Zeitung. "Deshalb provozieren sie häufig ein Insolvenzverfahren, damit sie zu ihrem Recht kommen."

Dabei könnten solche Verfahren nach Ansicht der Verbraucherschützerin in vielen Fällen eigentlich vermieden werden, "doch das Insolvenzverfahren privilegiert die Banken", sagte Springeneer. Dieses Privileg stütze sich auf die bei den Geldhäusern übliche Praxis, bei Kreditverträgen mit Verbrauchern fast immer eine Lohn- und Gehaltsabtretung zu vereinbaren, für den Fall, dass diese die Kredite nicht mehr bedienen könnten. "Die Kreditinstitute haben dann nach der Insolvenz des Schuldners vor allen anderen Gläubigern zwei Jahre Zeit, ihre Ansprüche zu befriedigen", so die VZBV-Expertin.

Vorwürfe zurückgewiesen

Springeneer zufolge sind die Kreditinstitute deshalb mitverantwortlich für die stark steigende Zahl an Privatinsolvenzen in Deutschland. So wurden laut Statistischem Bundesamt allein im Jahr 2005 knapp 67 000 private Insolvenzverfahren in Deutschland eröffnet. Allein im ersten Halbjahr 2006 waren es schon knapp 42 800. Zum Vergleich: 1999, als die für Privatleute erstmals die Möglichkeit Bestand, Insolvenz anzumelden, gab es erst 1 634 Verfahren, drei Jahre später waren es immerhin fast 20 000.

Die Verbraucherschützer fordern deshalb, die Privilegien der Banken in den Insolvenzverfahren komplett zu streichen. "Wir brauchen den Grundsatz der Gläubigergleichbehandlung", sagte Springeneer. Dann werde es mit großer Wahrscheinlichkeit auch zu einer wesentlich höheren Zahl an außergerichtlichen Einigungen kommen. Derzeit komme es bei privaten Kreditschulden lediglich in 15 bis 20 Prozent der Fälle zu einer außergerichtlichen Einigung mit der Bank. "Diese Quote könnte man relativ schnell um zehn Prozent anheben", sagte Springeneer.

Die Kreditwirtschaft weist die Vorwürfe der Verbraucherschützer zurück: "Die Banken haben ein Interesse an der geordneten Rückzahlung der von Kunden bei ihnen aufgenommenen Kredite, weil dies gewährleistet, dass die Kunden solvent bleiben", sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). "Die Unterstellung, Institute würden absichtlich auf die Insolvenz ihrer Kunden warten, ist daher absurd und entschieden von der Hand zu weisen."

Zudem stünden im Fall einer Insolvenz von Kunden den Banken keine anderen Mittel zur Verfügung als anderen Gläubigern auch. "Lohn- und Gehaltsabtretungen stehen nur für die zwei Jahre nach der Insolvenzeröffnung zur Verfügung. Die dann noch offenen Forderungen müsste das Institut als Kreditausfall in seiner Bilanz verbuchen." Die Banken hätten deshalb ein wirtschaftliches Interesse daran, so frühzeitig wie möglich mit ihrem Kunden eine Vereinbarung zu treffen, mit dem Ziel, dass er den ausgegebenen Kredit nebst Zinsen zurückzahlen kann, sagte die BVR-Sprecherin. Ähnliche äußerte sich eine Sprecherin des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), der die privaten Banken vertritt.

Indes steigt die Summe der von den Banken an Konsumenten ausgereichten Darlehen: Zuletzt betrug sie laut Deutscher Bundesbank mehr als 231 Milliarden Euro. Im Jahr 2000 waren es erst knapp 220 Milliarden. Ein Grund: Mit aggressiver Werbung drängen immer mehr Geldhäuser in diesen Markt. Entsprechend nehmen auch die Kreditausfälle zu. Die Banken aber begründen dies mit dem Anstieg der Privatinsolvenzen: "Das wirkt sich natürlich auf die Höhe der Risikovorsorge aus", heißt es bei der Citibank. Ähnlich argumentieren die Deutsche Bank und die Sparkasse Berlin. Allerdings sei der Anstieg nicht signifikant, heißt es in beiden Häusern. Schließlich würden Kredite nicht leichtfertig vergeben.

Quelle:Berliner Zeitung
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