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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6269
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Verfasst am: 14.Apr 2007 7:01 Titel: Hinter den Gefängnismauern....positive Aspekte betrachtet |
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Ein fester Job hinter Gittern? Was Außenstehenden merkwürdig vorkommen mag, ist im Strafvollzug schon lange gängige Praxis. Prinzipiell besteht für rund 70 Prozent der derzeit knapp 77 000 Strafgefangenen in Deutschland eine Arbeitspflicht, ausgenommen sind nur erwachsene Untersuchungshäftlinge und über 65-Jährige. Die Knastarbeit ist zum einen wichtiger Bestandteil der Resozialisierung: "Die Gefangenen sollen sich an einen geregelten Arbeitstag gewöhnen und so für die Zeit nach ihrer Entlassung vorbereitet werden", sagt Markus Biermann, Leiter der Arbeitsverwaltung in der JVA Werl. Zum anderen ist die Häftlingsarbeit aber auch ein wichtiger ökonomischer Faktor: Reine Beschäftigungstherapie und Tütenkleben sind passé, die Gefangenen werden stattdessen nach betriebswirtschaftlichem Kalkül eingesetzt.
So betreibt die JVA Werl ein ganzes Konglomerat von Handwerksunternehmen. Hinter den Gefängnismauern gibt es neben der Schreinerei einen Recyclingbetrieb zur Kabelzerlegung (41 Mitarbeiter), eine große Schneiderei (72 Mitarbeiter), eine Deko-Artikel-Produktion (30), eine Bäckerei (24) und eine Schlosserwerkstatt (15). Das Mobiliar der Anstalt, die Kleidung der Häftlinge, die Bettwäsche, die Brötchen - alles kommt aus eigener Produktion. Die Knastfirmen fertigen aber bei Weitem nicht nur für den Eigenbedarf: Zur Kundschaft gehören Schulen, Behörden, Gerichte, private Unternehmen - und sogar Privatleute, die hier Nackenkissen, Grillschürzen, Bürostühle, Holzosterhasen oder Hundeleinen einkaufen.
Zusätzlich stellt die Anstalt privaten Unternehmen mehrere Werkhallen zur Verfügung, in denen Gefangene im Kundenauftrag einfache Montagearbeiten verrichten. Derzeit haben sich fünf Mittelständler eingemietet, die hier unter anderem Leuchten und Schalter zusammenschrauben lassen. Der Jahresumsatz des Unternehmens JVA Werl liegt bei knapp sechs Millionen Euro, der Überschuss bei rund 800 000 Euro - Tendenz steigend.
Andere Haftanstalten sind ähnlich unternehmerisch aktiv. Hinter den Zuchthausmauern ist ein Mikrokosmos der deutschen Volkswirtschaft entstanden, eine besondere Unternehmenswelt mit Holdingstrukturen und Tochtergesellschaften, eigenen Arbeitsverwaltungen.
Billigproduktion im Kittchen - für unter Kostendruck stehende Mittelständler ist dies durchaus eine Alternative zur Produktionsverlagerung ins Ausland. Auch bekannte Unternehmen lassen bereits hinter Gittern produzieren, Elektrofirmen und Baumärkte etwa. Allerdings geschieht dies zumeist unter höchster Geheimhaltung, zu groß ist ihre Angst vor Imageproblemen. Dass ihre Produkte teilweise von Dieben, Totschlägern und Betrügern gefertigt werden, diese Wahrheit wollen die meisten Unternehmen ihrer Kundschaft lieber nicht offenbaren.
Doch weil immer mehr Low-Tech-Firmen mit hohem Handarbeitsanteil aus Deutschland auswandern, haben die Haftanstalten ein Problem: Ihr Geschäftsanteil mit industrieller Auftragsfertigung geht tendenziell zurück. Umso mehr bemühen sich die JVA-Manager, neue Kundschaft zu akquirieren, um ihre Betriebe auszulasten und deren Jobs zu erhalten - etwa durch verstärkte Marketing- und Vertriebsaktivitäten. Auf der Internationalen Handwerksmesse in München präsentierten sich an Stand 630 kürzlich die "Arbeitsbetriebe der bayerischen Justizvollzugsanstalten". Auch auf der Messe Creativa in den Dortmunder Westfalenhallen gab es Ende März jede Menge Knastprodukte zu sehen. Die Berliner JVA Tegel, die jedes Jahr Waren im Wert von rund 1,5 Millionen Euro verkauft, betreibt vor ihren Mauern sogar einen eigenen Shop mit großen Ausstellungsräumen.
Parallel dazu haben die Haftanstalten eine bundesweite Online-Offensive gestartet. Unter www.jva-shop.de landen Internetsurfer bei den Haftbetrieben Niedersachsens und einer "Geschäftsplattform für Geschäftskunden". Bei den JVA-Kollegen in Baden-Württemberg (Werbeslogan: "Wir lassen Sie nicht sitzen") können Privatleute und Unternehmen nicht nur dicke Kataloge bestellen, sondern auch mit wenigen Klicks recherchieren, welche JVA im Ländle welche Produkte und Dienstleistung anbietet. Die Palette reicht von Druckereien und Kfz-Werkstätten bis hin zu Landwirtschaftsbetrieben, die Gemüse und Mastgänse offerieren. Die JVA Heilbronn vertreibt online gar "rassigen, trockenen Weißwein", produziert auf dem hauseigenen Weinberg, drei Flaschen Knast-Rivaner für 25 Euro. Im hessischen Hünfeld nahm Ende März die bundesweit erste JVA-Kaffeerösterei ihren Betrieb auf.
Artikel komplett: HB |
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