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Korruptionsskandal bei Philips

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 6844

BeitragVerfasst am: 24.Aug 2006 6:07    Titel: Korruptionsskandal bei Philips Antworten mit Zitat

Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen mehr als 100 Mitarbeiter von Philips, der Media-Saturn-Holding (MSH) und anderer Elektronikmärkte. Sie sollen im großen Stil Einkäufer von Elektronikmärkten bestochen haben.

Nach FTD-Informationen sollen Philips-Beschäftigte im Vertrieb den Einkäufern von Handelsketten private Sachgeschenke angeboten haben, um bestimmte Aufträge zu erhalten. Philips und MSH bestätigten am Mittwoch die Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Hamburg wollte sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern.

Zusätzliche Brisanz gewinnt der Fall dadurch, dass ein Ex-Mitglied der Geschäftsführung von Philips Deutschland die Bestechung zwischen 2000 und 2002 angeordnet haben soll. Ziel soll es gewesen sein, den Umsatz mit Haushaltsgeräten anzukurbeln.

Prämien offeriert

Im Rahmen einer Verkaufsförderungskampagne seien Mitarbeitern verschiedener Elektronikfachhändler, darunter auch von Media-Märkten und Saturn-Häusern, Prämien offeriert worden, bestätigte die Media-Saturn-Holding. Diese seien "an ein bestimmtes Auftragsvolumen gebunden" gewesen.

Einige der betroffenen Vertriebsmitarbeiter von Philips Deutschland haben das Unternehmen bereits verlassen. Die unter Verdacht stehenden "Verantwortlichen sind nicht mehr bei Philips beschäftigt", sagte ein Unternehmenssprecher am Mittwoch. Dazu zählt vor allem auch der damals für die Haushaltsgeräte zuständige Spartenchef. Er soll jetzt im Ausland leben, wie aus Unternehmenskreisen verlautete.

Büroräume durchsucht

Der niederländische Elektronikkonzern Philips beschäftigt in Deutschland etwa 10.700 Mitarbeiter und erwirtschaftete hier im vergangenen Jahr einen Umsatz von 4,4 Mrd. Euro. In den vergangenen Jahren sei es Philips gelungen, den Skandal "unter der Decke zu halten", hieß es aus dem Unternehmen. Deswegen ermittelt die Staatsanwaltschaft Hamburg erst seit Anfang Mai dieses Jahres. Vor einigen Wochen durchsuchten die Ermittler Büroräume der Philips-Deutschlandzentrale in Hamburg und stellten dabei Unterlagen sicher.

Der Bestechungsskandal bei Philips ist bereits der zweite prominente Korruptionsskandal innerhalb weniger Wochen. So war erst im Juli bekannt geworden, dass Mitarbeiter des französischen Autozulieferers Faurecia Einkaufsmanager deutscher Autokonzerne bestochen haben sollen, um Aufträge zu erhalten.

Hohe Dunkelziffer

"Die Dunkelziffer bei Korruption ist noch viel höher. Etwa 95 Prozent der Fälle bleiben unbekannt", sagte der Frankfurter Oberstaatsanwalt und Korruptionsexperte Wolfgang Schaupensteiner der FTD. Korruption im Vertrieb sei in Deutschland ein bekanntes Phänomen, wie Beispiele der pharmazeutischen Industrie zeigten. "Das Risiko, dass Bestechungen im Vertrieb auffliegen, strebt gegen null", sagte Schaupensteiner.

Media-Saturn reagierte am Mittwoch empört: "Eine solche Praxis der Verkaufsförderung hatten wir unseren Lieferanten bereits zuvor mehrfach untersagt", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. "Unser völliges Unverständnis dafür, dass der betroffene Industriepartner einzelnen unserer Mitarbeiter gleichwohl Prämien bei Erfüllung eines bestimmten Auftragsvolumens hat zukommen lassen, haben wir ihm gegenüber bereits unmissverständlich zum Ausdruck gebracht."
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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
Beiträge: 6844

BeitragVerfasst am: 24.Aug 2006 18:35    Titel: Antworten mit Zitat

„Bestechung war anscheinend üblich“

Anscheinend sei es in der Branche üblich gewesen, dass der Vertrieb den Einkäufern von Handelsketten private Sachgeschenke gemacht habe, um Aufträge zu erhalten, sagte ein Sprecher von Philips Deutschland am Donnerstag. Die Geschenk-Vergabe widerspreche aber den eigenen Geschäftsprinzipien, betonte das Unternehmen mit Hauptsitz in den Niederlanden.

Die Ermittlungen deuten nach Angaben der Hamburger Staatsanwaltschaft auf eine Korruptionsaffäre großen Ausmaßes hin. „Wir haben am 7. Juni insgesamt 116 Durchsuchungsbeschlüsse in 14 Bundesländern vollstreckt. Daran können Sie die Dimension erkennen, die das Verfahren hat“, sagte der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Rüdiger Bagger, am Donnerstag in Hamburg. Insgesamt gehe die Staatsanwaltschaft in 250 Einzelfällen einem Bestechungsverdacht nach. „Wir gehen im Augenblick von 8 Mitarbeitern aus der Leitung Vertrieb und zirka 15 Außendienstmitarbeitern der Firma Philips aus.“ Insgesamt führe die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen 100 Beschuldigte.

Als Gegenleistung für Aufträge hätten Einkäufer von Elektronikmärkten Uhren im Wert von 12 500 Euro, hochwertige Anzüge, Hotelaufenthalte, Gartenmöbel, Gutscheine für Reisen oder zum Tanken erhalten, sagte Bagger.

Ein Sprecher der Media-Saturn-Holding bestätigte, auch Einkäufern der Elektronikhandelskette seien im Rahmen einer Verkaufsförderungskampagne Prämien angeboten worden, die an ein bestimmtes Auftragsvolumen gebunden gewesen seien. Wie oft die eigenen Mitarbeiter der Versuchung erlagen, konnte die Elektronikhandelskette zunächst nicht sagen. Auf den Empfängerlisten befinde sich auch eine sehr große Zahl fingierter Namen, hieß es.

Der Sprecher betonte: „Eine solche Praxis der Verkaufsförderung hatten wir unseren Lieferanten bereits zuvor mehrfach untersagt“. Das Verhalten des Herstellers stoße deshalb auf völliges Unverständnis. Dies sei dem Lieferanten inzwischen auch unmissverständlich klar gemacht worden. Der Staatsanwaltschaft habe MediaMarkt/Saturn eine umfassende Kooperation angeboten.

Der Korruptionsskandal bei dem niederländischen Unternehmen ist allerdings nur das jüngste Beispiel in einer Serie von Bestechungsfällen, die derzeit in der Wirtschaft für Aufregung sorgen. Erst im Juli war bekannt geworden, dass Mitarbeiter des französischen Autozulieferers Faurecia und andere Autozulieferer Einkaufsmanager deutscher Autokonzerne wie VW und BMW bestochen haben sollen, um Aufträge zu ergattern. Faurecia-Chef Pierre Lévi musste deshalb zurücktreten. Im gleichen Monat hatte Karstadt-Quelle vier Managern seiner Sporthäuser fristlos gekündigt, weil sie angeblich in Korruptionsfälle verwickelt sein sollen.

(Handelsblatt)
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