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Peter Wilhelm .

Anmeldungsdatum: 16.10.2007 Beiträge: 426 Wohnort: 58730 Fröndenberg
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Verfasst am: 16.Jan 2008 8:40 Titel: NOKIA Bochum vor dem Aus / Der finnische Vagabund... |
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Hallo zusammen,
ein Kommentar aus der Westfälischen Rundschau ( www.derwesten.de )
| Zitat: |
Ein Schurkenstück
Kommentar zur Nokia Bochum
Von Stefan Pohl
So sind sie, die Konzerne in der schönen neuen Wirtschaftswelt: Sie investieren in Standorte, wenn öffentliches Geld fließt, lassen sich deren Weiterentwicklung mit Steuergeld bezahlen und brechen ihre Zelte ab, wenn anderswo die Kosten niedriger sind. Mit ihren guten Namen und Arbeitsplatz-Versprechen machen sie jeden Politiker gefügig. So weit, so schlecht. Jetzt hat es erneut den gebeutelten Standort Bochum getroffen. Weltmarktführer Nokia zieht gen Rumänien -wohl mit Hilfe von EU-Geld. Schlimmstenfalls bleiben 2000 Mitarbeiter und ihre Familien ohne Perspektive zurück. Ein Schurkenstück dann, wenn - wie zu vermuten - das Bochumer Werk schwarze Zahlen schreibt und nur den gestiegenen Rendite-Anforderungen nicht mehr genügt. Andererseits muss Nokia rechnen. Fallende Handy-Preise bei gleichen Kosten - das kann nicht gut gehen. Dies betrifft nicht nur Nokia und BenQ, sondern die gesamte Elektronik-Branche - die Produktion ist aus Mitteleuropa so gut wie verschwunden. |
In weiteren Berichterstattungen ist die Rede davon, daß NOKIA mit 60 Mio. Euro EU-Mitteln gefördert wurde und das Land NRW noch 28 Mio. Euro obendrauf gelegt hatte.
Das fünfjährige Verlagerungsverbot ist natürlich abgelaufen; Rückforderungen damit nicht mehr möglich.
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Statt solche Fördermittelgeier und Fördermittelvagabunden zu unterstützen, wäre es angebrachter, die heimische Wirtschaft - und dort insbesondere den Mittelstand - zu stärken. _________________ Freundliche Grüße
Peter Wilhelm
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Spiritus Rector * Consulter *

Anmeldungsdatum: 12.12.2003 Beiträge: 1194 Wohnort: Hamburg
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Verfasst am: 16.Jan 2008 9:04 Titel: |
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Sie gehen über Leichen - und wir schauen zu! Anscheinend ist es eine neue Art legaler Abzocke: Abkassieren, dicht machen - ohne Rücksicht auf Verluste! _________________ Wenn der Staat pleite macht, geht natürlich
nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger.
(Carl Fürstenberg, dt. Bankier, 1850-1933)
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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1036
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Verfasst am: 16.Jan 2008 9:12 Titel: Re: NOKIA Bochum vor dem Aus / Der finnische Vagabund... |
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| Peter Wilhelm hat folgendes geschrieben:: |
| Statt solche Fördermittelgeier und Fördermittelvagabunden zu unterstützen, wäre es angebrachter, die heimische Wirtschaft - und dort insbesondere den Mittelstand - zu stärken. |
Einverstanden - aber bitte nicht mit Subventionen.
Wann zieht die Politik endlich die richtige Konsequenz und verzichtet auf den Subventionswahnsinn, der sich am deutlichsten bei den EU-Agrarsubventionen zeigt? |
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Peter Wilhelm .

Anmeldungsdatum: 16.10.2007 Beiträge: 426 Wohnort: 58730 Fröndenberg
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Verfasst am: 16.Jan 2008 20:12 Titel: Gespräche bereits Anfang 2006 - das macht Sinn... |
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Hallo zusammen,
unter der Annahme, daß die letzten Fördermittel bereits zu einem Zeitpunkt ausgezahlt wurden, welcher bei Verstößen gegen die Auflagen noch bis in das Jahr 2006 hinein eine Rückzahlungsverpflichtung enthielt, macht es natürlich Sinn, die Aufgabe des Standortes erst jetzt zu verkünden und die offensichtlich bereits im Jahre 2006 stattgefunden Gespräche der Geheimhaltung zu unterwerfen...
Klick hier:
Dumm nur, daß diese vereinbarte Geheimhaltung vorzeitig und einseitig gebrochen wurde...
Textausschnitt:
| Zitat: |
| Teile der Infrastruktur für den Industriepark "Tetarom II", wo die Nokia-Handys demnächst produziert werden sollen, seien mit einem zweistelligen Millionenbetrag aus der EU-Kasse gefördert worden. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hatte dies am Mittwoch bestätigt. Mittel aus ihrem Strukturfonds habe die EU aber nicht gezahlt. Diese für solche Werksverlagerungen bereitzustellen wäre "inakzeptabel", sagte Barroso in Straßburg. |
Was lernen wir daraus?
Es sind keine halbseidenen Graumarktgeschäfte nötig, um mehrstellige Millionenbeträge abzugreifen...
Irgendwas mache(n) ich/wir falsch...
Ich muß mal in mich gehen und nachdenken...  _________________ Freundliche Grüße
Peter Wilhelm
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Peter Wilhelm .

Anmeldungsdatum: 16.10.2007 Beiträge: 426 Wohnort: 58730 Fröndenberg
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GM&P Info .

Anmeldungsdatum: 18.01.2006 Beiträge: 3539
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Verfasst am: 17.Jan 2008 14:53 Titel: |
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Ein Standort ist ausgelutscht und abgezockt. Die Profit-Fahrt muss weitergehen.
| Zitat: |
Gleichzeitig wurden erste Rufe nach einem Nokia-Boykott laut.
Der DGB-Landesvorsitzende von Rheinland-Pfalz, Dietmar Muscheid: „Wer heute ein Handy kauft, sollte bei seiner Kaufentscheidung bedenken, welche katastrophale Konsequenzen das Verhalten des Unternehmens in Bochum für Tausende von Mitarbeitern geschaffen hat.“
Auch Rüttgers forderte die Verbraucher in Deutschland indirekt auf, Partei für die Nokia-Beschäftigten zu ergreifen.
Nokia solle die deutschen Kunden nicht unterschätzen, warnte er den finnischen Hersteller. Sie wüssten, wie man mit Menschen nicht umgehen solle. Man müsse sich „ein Stück wehren“.
Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend, kündigte an, künftig nicht mehr mit Handys von Nokia zu telefonieren.
Nokia müsse zu spüren bekommen, „dass dies in diesem Land nicht akzeptiert wird“, und dass es „einen Zusammenhang gibt zwischen der Sozialen Marktwirtschaft und der Absetzbarkeit von Produkten“. |
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MCD Pathfinder
Anmeldungsdatum: 06.12.2004 Beiträge: 301
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Verfasst am: 17.Jan 2008 16:33 Titel: |
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ich weiss nicht, warum sich alle so aufregen. der soziale aspekt ist aus unserer marktwirtschaft doch schon vor jahren verschwunden. was nokia heute macht, haben doch schon viele hinter sich. solange die ideologie höher, größer, schneller, weiter lautet: hier stellt sich doch eine ganz andere frage: wer hat diese fördermittelverträge ausgehandelt?
jetzt nokia als schwarzes schaf hinzustellen, ist etwas sehr naiv.
viele grüsse
mcd |
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Cob Pathfinder
Anmeldungsdatum: 29.11.2005 Beiträge: 291 Wohnort: Ortenau
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Verfasst am: 17.Jan 2008 17:13 Titel: |
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Na, ja, schon ziemlich geschmacklos, in guten Zeiten an einem Standort, der Gewinne erzielt, ein paar tausend Mitarbeiter hinauszuwerfen. Aber das hat ja auch schon die ALLIANZ getan.
Erinnert sich noch jemand, dass Nokia eigentlich ein finnischer Konzern ist, der zuerst mal die Arbeitsplätze aus seinem Heimatland hinaus zu uns nach Deutschland gebracht hat?
Die Karawane zieht weiter ...
Weg mit den Subventionen!!
Gruß
Cob |
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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6710
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Verfasst am: 17.Jan 2008 17:28 Titel: |
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Jubel in Rumänien: Nokia schafft 3500 Arbeitsplätze, Siebenbürgen hofft auf einen Wachstumsschub.
Dass im Gegenzug das Werk in Bochum schließen soll, stört hier keinen - schließlich hat man zwei Jahre lang 30 Millionen Euro investiert, um die Finnen hierhin zu locken.
Für Marius Nicoara stellt sich die Lage ganz einfach dar. Er ist Landrat des rumänischen Landkreises Cluj in Siebenbürgen. 2006 wurde er von Vertretern des finnischen Handy-Konzerns Nokia angerufen. Wenige Tage später saßen die Herren bei ihm im Büro.
Nicoara fuhr mit ihnen nach Jucu, einer Gemeinde mit 4200 Einwohnern, rund 20 Kilometer entfernt von der Großstadt Cluj, dem früheren Klausenburg. Er zeigte der Nokia-Gruppe die große Wiese, auf der die Bauern des kleinen siebenbürgischen Dorfes ihr Vieh weideten.
Seit dieser Woche laufen bei Nokia in Jucu die Produktionstests. Am 11. Februar soll die reguläre Herstellung beginnen.
Dass Rumänien Nokia aus Deutschland weggelockt habe, will sich Nicoara nicht vorwerfen lassen. Der Medienrummel um das Ende des Handy-Werks in Bochum beeindruckt ihn wenig.
"Die Kommunalverwaltung und die rumänische Regierung haben in die Erschließung des Nokia-Werkgeländes rund 30 Millionen Euro investiert, alles ohne Unterstützung der Europäischen Union", sagt Nicoara.
"Wenn das Werk auf höchster Kapazität gefahren wird und 3500 Arbeitnehmer beschäftigt, kassiert der rumänische Staat von Nokia etwa 100 Millionen Euro Steuern pro Jahr."
Er frage sich, wie viele Steuern Deutschland in den vergangenen zehn Jahren, seit Bestehen des Bochumer Werks, von Nokia erhalten habe.
Selbst wenn Nokia in fünf Jahren weiter gen Osten ziehen würde, ginge die Rechnung für Rumänien auf, sagt Nicoara. Mindestens 500 Millionen Euro würden bis dahin in die Haushaltskassen fließen. Im Raum Klausenburg verfüge man dann über qualifiziertes Personal, und das moderne Werk auf der grünen Wiese bei Jucu bleibe auch erhalten - bereit für neue Investoren.
So sollten auch die Deutschen denken, empfiehlt Landrat Nicoara, der der nationalliberalen Partei angehört.
.... weiterlesen im Spiegel |
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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1036
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Verfasst am: 17.Jan 2008 18:20 Titel: |
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Jetzt regen sie sich wieder alle auf, die Politiker von links bis rechts, über die "Subventionsheuschrecke" Nokia.
Kann man sich eigentlich noch lächerlicher machen?
Daß Subventionen nutzlos und sogar kontraproduktiv sind, weil sie die Wirtschaft belasten, Märkte verzerren und zum Mißbrauch auffordern, ist nun wahrlich keine weltbewegende Neuigkeit, sondern ergibt sich fast automatisch kurz nach Einschalten des gesunden Menschenverstands.
Um darauf zu kommen, muß man kein Experte sein, das sollte auch ein Politiker an guten Tagen halbwegs hinbekommen.
Denn die Finnen haben - wie jeder Deutsche das auch zu tun pflegt - bloß mitgenommen, was sie kriegen können. Und dabei haben sie den Laden nicht mal am 16. September 2006 geschlossen, wie es ihnen jene, die sie mit unseren Steuergeldern überschüttet haben, einst zugestanden hatten, sondern erst mehr als ein Jahr später. Die für den Subventionswahnsinn Verantwortlichen müßten also eigentlich noch dankbar sein.
Die kaum verhüllte Hoffnung auf einen Nokia-Boykott kann Rüttgers sowieso vergessen, denn Mobiltelefone werden nicht durch patriotische Aufwallungen verkauft, sondern über Faktoren wie Image, Design, Bedienung und Leistung. Auch die Siemens-Handies wurden nach der Pleite nicht aus verletztem Nationalstolz unverkäuflich, sondern weil unbeliebte Produkte durch den Verzicht auf Garantieleistungen nicht populärer werden.
(Gefunden bei "paul13")
Das Management des Mobiltelefonherstellers hat lediglich mitgenommen, was ihm zu Zeiten der Nokia-Ansiedlung im Ruhrgebiet angetragen worden war - Subventionen in Millionenhöhe. Das Geld, das in der Vergangenheit geflossen ist, reicht offenbar nicht aus, um das Werk auch in der Zukunft wettbewerbsfähig zu halten. Nokia macht das gleiche wie Siemens, BenQ und Motorola zuvor, weil auf diesem Feld härtester Wettbewerb herrscht. Der (deutsche) Konsument fragt nämlich nicht, ob das Handy in Deutschland produziert wurde: Hauptsache billig!
Steuergelder, die Arbeitnehmer und der Mittelstand hart erwirtschaften, wurden dazu benutzt, einen hochprofitablen Konzern aufzupäppeln, damit man sich lokal feiern lassen kann. Es wird Zeit, dass der deutsche Subventions-Wahnsinn endlich ein Ende hat und die Rahmenbedingungen für alle Unternehmen endlich verbessert werden. Jetzt bekommt die Politik in NRW die Quittung und schreit daher umso lauter. Die Landes-Politik hat Nokia damals ohne Grund Steuergelder hinterhergeworfen. Da ärgert sich zu Recht jeder Mittelständler in Deutschland!
Statt über den Unsinn von solchen Subventionen und vor allem die Notwendigkeit von Reformen zu reden macht die Politik es sich einfach, Nokia als Schuldigen darzustellen. Den nach billigen Applaus suchenden Politikern von Union und SPD fällt sonst nichts ein. |
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Peter Wilhelm .

Anmeldungsdatum: 16.10.2007 Beiträge: 426 Wohnort: 58730 Fröndenberg
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Verfasst am: 17.Jan 2008 20:18 Titel: |
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Hallo zusammen,
im vorletzten Beitrag wird ja auf den Spiegel-Bericht verwiesen.
Innerhalb desselben findet sich eine Fotostrecke von der NOKIA-Baustelle in Rumänien.
Und was sehen meine müden Augen auf Bild vier und sechs?
Das Goldbeck-Firmenlogo...
Da ich ursprünglich selbst aus dem Bereich des schlüsselfertigen Stahlbaues komme, ist mir das Bielefelder Unternehmen gut bekannt; war es in einem früheren Leben doch oftmals ein Wettbewerber bei Ausschreibungen.
Die Welt ist klein...
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Ansonsten zur Sache noch dieser Hinweis ...
Man beachte dabei insbesondere diesen Absatz:
| Zitat: |
| Tatsächlich hat Rumänien als Standort recht künstliche Vorteile. So kann es sich eine besonders niedrige Tarifliche Gewinnbelastung von Kapitalgesellschaften von nur 16 % (Zentralstaat und Gebietskörperschaften) leisten, neben den baltischen Staaten und Bulgarien die niedrigste in der EU. Es kann auch viel Geld für die Erschließung ausgeben. Denn das Land erhält enorme Finanzzuweisungen aus dem Topf der EU, wobei Deutschland netto der Hauptzahler in den EU-Haushalt ist. |
Auch das sollte erwähnt werden...
Kann sich Deutschland das überhaupt noch leisten...?
Angesichts der defizitären Staatsfinanzen und des schier unglaublichen Schuldenberges?
Aber das ist ein anderer Schauplatz und wird von mir derzeit mehr oder weniger regelmäßig gepflegt in diesem Thema. _________________ Freundliche Grüße
Peter Wilhelm
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Brendle Insider
Anmeldungsdatum: 27.11.2002 Beiträge: 621
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Verfasst am: 18.Jan 2008 13:57 Titel: |
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Drei Wünsche:
1. in D soll kein Nokia-Gerät mehr verkauft werden können
2. Kürzung der Gelder an die EU.
3. keine Subventionen innerhalb der EU.
Grüße
Brendle |
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Peter Wilhelm .

Anmeldungsdatum: 16.10.2007 Beiträge: 426 Wohnort: 58730 Fröndenberg
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Verfasst am: 18.Jan 2008 21:00 Titel: Heiseres Gebelle... |
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Hallo zusammen,
wie man liest , prüft die NRW-Landesregierung eine mögliche Rückforderung von Subventionsgeldern in angeblicher Millionenhöhe...
Ich erachte das als heiseres Gebelle...
Wenn NOKIA wirklich, wie angeführt, jährlich zwischen 23 und 25 Millionen Euro allein an Gewerbesteuer an die Stadt Bochum abgeführt hat, entspräche dieses einem ca. Gewinn in Höhe von Euro 125 Mio. vor jeglicher Steuerbelastung ...
So schlimm kann es also mit dem angeblich so teueren Wirtschaftsstandort Deutschland nicht sein...
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Wer dieses hübsche Progrämmchen sucht, wird hier fündig.
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Das weiter oben angeführte 'heisere Gebelle' hat folgenden Grund:
Wenn ich NOKIA bin, weise ich die Erfüllung der Auflagen selbstverständlich nach!
Ich selbst habe einige Prüfungen dieser Art - in einem früheren Leben - anstandslos überstanden. Seien es KfW-Mittel, AIF-Mittel oder was auch immer gewesen... Allen gemeinsam war, daß die Schaffung und Besetzung von Arbeitsplätzen nachgewiesen werden mußte bzw. der Nachweis der Erbringung von Ausgaben (Menpower!)...
Ich halte die fachliche Besetzung der NRW Landesregierung in diesem Punkt nicht für fähig, wirklich in die Details eines Konzerns einzusteigen...
Das Ganze wird demzufolge ausgehen wie das sogenannte 'Hornberger Schiessen'... _________________ Freundliche Grüße
Peter Wilhelm
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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6710
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Verfasst am: 18.Jan 2008 22:04 Titel: |
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Nun, Herr Wilhelm, Ihr geschärfter Blick hat sicher die "Financial Times Deutschland" zu folgendem Beitrag veranlasst:
Deutsche bauen Nokia-Werk in Rumänien
Mit freundlichen Grüßen
Mod. |
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Peter Wilhelm .

Anmeldungsdatum: 16.10.2007 Beiträge: 426 Wohnort: 58730 Fröndenberg
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Verfasst am: 18.Jan 2008 23:21 Titel: |
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Hallo zusammen,
Goldbeckbau fühlte sich verpflichtet, auf der Startseite eine knappe Stellungnahme abzugeben...
Selbige war gestern Abend noch nicht zu lesen. _________________ Freundliche Grüße
Peter Wilhelm
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MCD Pathfinder
Anmeldungsdatum: 06.12.2004 Beiträge: 301
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Verfasst am: 19.Jan 2008 7:11 Titel: |
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Revolutionen werden ja in der Elektronik-Branche schnell ausgerufen. Gerade auf Messen wie der CES werden auch kleinste Verbesserungen oder neue Features gehyped, als könnten Sie alleine die Welt aus den Angeln heben. Bei so viel Blendwerk und Marketinggeschrei bleiben die wirklichen Revolutionen schon mal auf der Strecke. So geschehen beim Heinrich Hertz Institut in Berlin. Da testete Nokia nämlich seinen neuesten Funkübertragungsstandard in der Praxis. Und der hat es wahrlich in sich. Immerhin soll er schon ab 2010 die bisherigen Standards der dritten Generation (3G) beerben. Es geht also um den Nachfolger von HSDPA, UMTS & Co. Doch wenn 4G endlich kommt, müssen sich auch Festnetzbetreiber warm anziehen: Denn 4G lässt sogar die schnellsten DSL-Verbindungen in Deutschland alt aussehen! (aus t-online.de)
ich möchte mal sehen, wer dann noch nokia boykottiert....
dann werden alle dem rausch der geschwindigkeit erliegen und das thema bochum (ähh, was war da noch?) ist längst vergessen.
viele grüsse
mcd |
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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1036
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Verfasst am: 19.Jan 2008 17:22 Titel: |
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| MCD hat folgendes geschrieben:: |
| ...ich möchte mal sehen, wer dann noch nokia boykottiert.... |
Richtig! Hier ist sowieso viel künstliche Aufregung durch die Politiker im Spiel, die im Grunde an der unglücklichen Situation Schuld sind.
So sehr man auch Mitgefühl haben muß mit den bedauernswerten Betroffenen - was ist eigentlich passiert?
Ein Werk wird geschlossen, weil die Produktion anderswo kostengünstiger läuft. Ist das neu? Natürlich nicht. Tausendfach passiert seit den Tagen der Weberaufstände. Ist das negativ für die Wirtschaft im Gesamten? Nein, denn Produkte werden für Alle preiswerter und Innovation wird gefördert. So funktioniert Marktwirtschaft. Wer hier vorschnell nach Kommandowirtschaft ruft, hat vergessen, dass die unterm Strich für Alle nachteiliger ist.
Was bleibt, ist das Unbehagen an der Situation für die betroffenen Mitarbeiter, das Mitgefühl für sie und der Zorn über die kalte Rationalität, die Manager hier zum wiederholten Mal an den Tag legen.
In "Zettels Raum" sieht man das so:
Nokias empörende Entscheidung. Nokias rationale Entscheidung.
Die erste, die spontane und sozusagen natürlich Reaktion war Empörung.
Da gibt es in Bochum eine Nokia- Fabrik, die gewinnbringend arbeitet. Die Mitarbeiter haben sich, so erfuhr man es aus den ersten Straßen- Interviews, große Mühe gegeben, es Nokia recht zu machen; gerade in den vergangenen Monaten. Sie haben sich abgerackert für dieses Unternehmen, so ähnlich sagte es eine Frau.
Und was macht dieses Unternehmen, dem diese gutgehende Fabrik mit ihren motivierten Mitarbeitern gehört? Es macht sie zu, diese Fabrik. Es kümmert sich einen Dreck um die menschlichen Tragödien, die es damit bewirkt. Ex und hopp. So geht man doch nicht mit Menschen um.
Das war die erste Reaktion, auch bei mir. Wut im Bauch. Eine Wut, die sich noch steigerte, als Weiteres herauskam.
Heraus kamen die Millionen- Subventionen, für die das Unternehmen die Hand aufgehalten hatte, nur um sich vom Acker zu machen, kaum daß die mit der Gewährung dieser Fördermittel verknüpfte Bindung erloschen war.
Heraus kam, daß man die Produktion in einen rumänischen Industriepark zu verlagern gedenke. Natürlich auch dieser wieder subventioniert. Bezahlt von uns, den Steuerzahlern, die wir den unersättlichen Brüsseler Subventions- Topf mit unserem sauer verdienten Geld füllen; ihn ständig nachfüllen müssen, damit die Euros aus ihm herausquellen können wie der Brei aus der Mühle im Märchen.
Und das Ganze wurde auch noch von einem Sprecher von Nokia, Typ Herrenreiter, in einem schneidenden Statement mitgeteilt, dessen Härte noch durch seinen finnischen Akzent unterstrichen wurde. Im Wortsinn sang- und klanglos mitgeteilt wurde das von ihm. So ungefähr wird es sich angehört haben, wenn die Opfer Stalins ihr Todesurteil vorgelesen bekamen.
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Sie finden, lieber Leser, den Stil, in dem ich das beschrieben habe, unangemessen ironisch? Nein, ironisch soll er eigentlich nicht klingen. Worauf ich hinweisen möchte, das ist die Fülle an, sagen wir, Grund- Konstellationen, an nachgerade archetypischen Situationen, die da zusammenkommen.
Man könnte sagen, daß da Klischees erfüllt werden. Ich würde es weniger negativ ausdrücken: Es sind Frames, es sind Scripts, es sind Templates, die aktiviert werden; alles Begriffe, die man mit "Schema" übersetzen kann.
Und es sind nicht nur kognitive Schemata, sondern diese Schemata sind noch dazu reich an Emotionen.
Da werden Schwächere von Stärkeren aufs Kreuz gelegt; da wird all das ehrliche Bemühen mit Undank belohnt. Das weckt Mitleid, erzeugt Hilfsbereitschaft.
Da zeigen die Krupps brutalstmöglich ihre Macht über die Krauses. Klassenkampf- Phantasien werden wach.
Da tritt dieser Finne auf wie ein despotischer Aristokrat im "Zorro"- Film; es empört sich der Zorn der Ohnmächtigen gegen diese Arroganz der Macht.
Da entscheiden Fremde, die sich keinen Deut für unsere nationalen deutschen Interessen interessieren; wir scharen uns zusammen gegen diese Anderen, schließen die Reihen.
Und, das Bild der Bilder, von biblischer Kraft und Archaik: Da sind Heuschrecken über uns hergefallen, haben gefressen, was sie kriegen konnten, und ziehen jetzt weiter, um andernorts dem einzigen zu frönen, was sie können, nämlich fressen, verdauen und weiterfressen, bis alles kahl ist.
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Ich will überhaupt nicht erörtern, wieweit diese Schemata in Bezug auf den aktuellen Fall zutreffen oder gar "wahr" sind. Das ist bei solchen kognitiven Schemata immer schwer zu sagen, weil sie einerseits ja nur dann aktiviert werden, wenn sie auf eine Situation in gewissem Umfang passen, und weil sie andererseits mehr enthalten als diese Situation selbst; weil sie über diese hinausgehen, sie anreichern, sie interpretieren. Sie repräsentieren mehr und anderes als die Wirklichkeit, aber sie sind auch nicht losgelöst von der Wirklichkeit.
Wieviel Wirklichkeit sie im jetzigen Fall enthalten und wieviel an Zutaten, das will ich, wie gesagt, unerörtert lassen. Ich möchte lediglich den bescheidenen Vorschlag machen, sie einmal, wenn man sich ihrer Wirksamkeit bewußt geworden ist, beiseitezuschieben, sie sozusagen zu suspendieren und die Situation nüchtern zu betrachten.
Dann sind, so scheint mir, einige Fakten unschwer zu erkennen:
Erstens, Nokia ist für die im Zusammenhang mit den Subventionen vereinbarte Zeit in Bochum geblieben. Danach war es frei, einen neuen Standort zu wählen.
Frau Thoben, Wirtschaftsministerin in NRW, hat gestern gesagt, Nokia habe Vereinbarungen nicht eingehalten, was die Zahl der zu schaffenden Arbeitsplätze anging. Das hat aber, wenn es denn stimmt, nichts mit der jetzigen Standort- Entscheidung zu tun. Frau Thoben hätte es schon früher rügen können und müssen. Es jetzt dem Konzern vorzuwerfen erscheint wie eine hilflose Straf- Aktion.
Zweitens, Investitionsentscheidungen sind keine moralischen, sondern kaufmännische Entscheidungen. Ein Vorstand würde gegen seine Pflichten verstoßen, wenn er einen unter kaufmännischem Gesichtspunkt ungünstigeren Standort einem günstigeren vorzöge.
Drittens, Handys werden in Deutschland, sieht man von dieser bisherigen Ausnahme Nokia in Bochum ab, so gut wie nicht mehr gefertigt. Ebenso, wie bei uns keine DVD-Player hergestellt werden, wie bis auf wenige hochwertige Nischenprodukte die gesamte Unterhaltungs- Elektronik dort produziert wird, wo die Arbeitskraft ungleich billiger ist als bei uns; also in asiatischen und osteuropäischen Ländern.
Mittels Subventionen eine deutsche Handy-Produktion am Leben zu erhalten, konnte vielleicht noch sinnvoll erscheinen, bevor Siemens das Handtuch warf. Im Nachhinein war es eine Fehlentscheidung; und Nokia macht jetzt nichts anderes, als sie zu korrigieren.
Man kann nun viertens, wie es die Kommunisten und die sogenannten Globalisierungsgegner oder -kritiker tun, das alles kritisieren, es als Auswüchse eines inhumanen Kapitalismus geißeln usw. Rezepte, wie man es denn anders machen könnte, lassen diese Kritiker vermissen; außer der Weltrevolution. Man kann ja den Rumänen oder den Chinesen nicht Löhne auf unserem Niveau verordnen.
Solange wir im Kapitalismus leben, wird die Globalisierung, wird im Zeitalter der globalen Kommunikation und des globalen Verkehrs das Entstehen einer Weltwirtschaft, das Entstehen großer Wirtschaftsräume wie der EU so wenig zu verhindern sein, wie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, im Zeitalter der Eisenbahn und des Telegraphen, das Entstehen nationaler Wirtschaftsräume in Europa hätte nach Belieben unterbunden werden können.
Erstmals können Länder der früher so genannten "Dritten Welt" und können Länder, die in kommunistischer Armut und Unterentwicklung gelebt hatten, ähnlich hochwertige Güter herstellen wie wir. Sie können sich, wie es immer der Traum der "Dritte- Welt- Bewegung" gewesen ist, damit aus ihrer Armut befreien.
Sie können es nur tun, indem sie ihren einzigen Vorteil, das niedrige Lohnniveau, ausschöpfen. Die jetzige Entscheidung von Nokia reagiert auf diese Situation.
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Also, alles in Butter? Nein, keineswegs.
Künstlich am Leben halten kann man einen Standort nicht, den das Unternehmen selbst nicht erhalten will. Aber man kann sehr viel dafür tun, daß den Betroffenen das Ende ihrer bisherigen Arbeitsstätte so wenig schmerzhaft wie möglich wird. Man kann und muß über Sozialpläne verhandeln, über Abfindungen, über Kredithilfen und andere Hilfen für die Betroffenen. Auf kommunaler Ebene muß natürlich geprüft werden, welche anderen Unternehmen man ansiedeln kann.
Das alles geschieht in Deutschland üblicherweise, wenn eine Schließung droht.
Und es ist bei uns noch etwas anderes üblich, woran sich der internationale Konzern Nokia nun allerdings überhaupt nicht gehalten hat: Wenn ein Unternehmen eine Schließung plant, dann knallt es sie nicht auf den Tisch, sondern es deutet erst einmal eine solche Möglichkeit an. Dann wird verhandelt. Die Gewerkschaften, die zuständige Landesregierung könne zeigen, wie sehr sie sich für die Interessen der Menschen einsetzen. Die Betroffenen können "etwas tun", indem sie Reden anhören, Plakate und Fahnen schwingen, vielleicht gar streiken.
Das alles ändert zwar fast nie etwas an der Schließung, die ja aufgrund rationaler Kriterien erfolgt. Aber es macht sie doch psychologisch erträglicher. Und es bringt manchmal das Unternehmen in eine Situation, das eine oder andere Zugeständnis nachzuschieben, was Abfindungen usw. angeht.
Dieses Ritual hat Nokia schnöde verweigert. Ökonomisch kann man den Verantwortlichen des Konzerns nichts vorwerfen. Aber psychologisch haben sie sich wie gefühlskalte Psychopathen aufgeführt. |
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hdschulz * Consulter *
Anmeldungsdatum: 27.08.2004 Beiträge: 1036
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Verfasst am: 20.Jan 2008 11:38 Titel: |
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Noch ein m.E. zutreffender Kommentar aus der "Welt am Sonntag" von Michael Fabricius:
Man muss mit den Menschen in Bochum mitfühlen, die von der Werksschließung Nokias betroffen sind. Der Verlust des Arbeitsplatzes ist ein tiefer Einschnitt, die finanzielle Grundlage geht für Jahre verloren. Die Betroffenen und ihre Familien sind Opfer einer harten unternehmerischen Entscheidung, sicher. Noch mehr aber sind sie Opfer eines politischen Versprechens, das unmöglich zu halten ist. Des Versprechens, dass mit Subventionen ein Unternehmen an einen Standort gebunden werden kann. Immer wieder stellen sich Politiker auf den Marktplatz und rufen: „Wir werden eure Arbeitsplätze erhalten!“ Das ist verantwortungslos.
Jetzt werden die Betroffenen doppelt an der Nase herumgeführt. Politiker und Gewerkschaftsführer sammeln mit einem sinnlosen Theater Punkte: dem Handyboykott. SPD-Fraktionschef Peter Struck lässt die Presse wissen, dass er sein Nokia-Gerät abgeschafft hat. Verbraucherminister Horst Seehofer (CSU) setzt mit dem Wergwerfen seines Handys „ein Signal aus Solidarität“. Angela Merkel zeigt „Verständnis“ für diese Aktion. Natürlich trägt ein großer Teil der radikalen Protestbewegung weiterhin Freizeitkleidung aus China, stellt Bücher in Ikea-Regale aus Osteuropa und verfolgt die Nokia-Aktion auf koreanischen Bildschirmen.
So verblüffend wie die Naivität der Politiker, die Unternehmen durch Prämien anlocken, so ärgerlich ist die jetzt inszenierte Empörung. Jeder Eigenheimbesitzer und jeder Pendler weiß: Fällt die staatliche Unterstützung weg, ändert man sein Verhalten. Das hat auch Nokia getan – und um Nokias Pläne wusste die Landesregierung in Düsseldorf schon seit Wochen.
Keiner der hohen Handywegwerfer sagt den zu Recht erbosten Arbeitern in Bochum die Wahrheit: dass Subventionen künstlich das Lohngefälle zwischen reichen und armen Staaten ausgleichen. Wer immer wieder Sonderzahlungen leistet, zögert den Strukturwandel nur hinaus, wie bei der gepäppelten Steinkohleindustrie. Und je später der Zahlungsstopp, desto tiefer der Fall. Diese Erfahrung werden zu gegebener Zeit auch die Rumänen machen.
Steuersenkungen wären eine bessere Lösung. Sie würden dem Mittelstand nützen wie den Großproduzenten und eine gleichmäßige Wirtschaftsentwicklung fördern. Zwar würden seltener Tausende von Arbeitsplätzen öffentlichkeitswirksam geschaffen. Dafür würden sie aber auch seltener plötzlich wegfallen. |
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MCD Pathfinder
Anmeldungsdatum: 06.12.2004 Beiträge: 301
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Verfasst am: 20.Jan 2008 11:50 Titel: |
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sehr guter beitrag. dank für die veröffentlichung!
hier zeigt sich die ganze verlogenheit der politik oder sollte es doch dummheit sein? aber dagegen kämpfte ja schon don quichotte vergebens. problem ist nur, dass niemand mehr weiss, wer verlässliche daten herausgibt. und dumm ist, wer sich auf die unverlässlichen daten verlässt. das fördert aber nur die ellbogenmentalität - selber essen macht fett. der soziale aspekt? fehlanzeige. und rüttgers hat immer noch die frechheit zu behaupten, dass das letzte wort in sachen nokia nicht gesprochen sei. oder ist es dummheit? natürlich ist es mist für die mitarbeiter - aber immerhin hatten sie acht jahre einen guten job. as times goes by...
viele grüsse
mcd |
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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6710
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Verfasst am: 20.Jan 2008 12:10 Titel: |
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Der Buchtipp zum Thema
"Naomi Klein hat ein brillantes, mutiges und beängstigendes Buch geschrieben.
Es ist nicht weniger als die inoffizielle Geschichte des > freien Marktes <.
Es sollte Pflichtlektüre sein."
Arundhati Roy
" Dieses meisterhafte Buch ist eine wütende Kriegserklärung. Ein spektakulärer Triumph"
John Cusack
Der Moderator hat dieses Buch in seinem privaten Bestand - kennt den Inhalt seiner Empfehlung.
Zuletzt bearbeitet von Moderator GM&P am 28.Jul 2008 7:38, insgesamt 1-mal bearbeitet |
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