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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6461
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Verfasst am: 10.Nov 2007 11:42 Titel: Reimanns - die unbekannte Milliardärsfamilie |
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Die Reimanns gehören zu den reichsten Deutschen. Trotzdem weiß die Öffentlichkeit praktisch nichts über die Familie, die hinter Marken wie Clearasil, Calgon, Sagrotan oder den Davidoff-Parfüms steht.
Es gibt nur zwei Dinge, die man über die Reimanns mit ziemlicher Sicherheit sagen kann. Erstens: Es gibt sie. Und zweitens: Sie sind sehr reich. Im neuen Manager-Magazin-Ranking der vermögendsten Deutschen liegen die Reimanns unter den Top-20: Auf mehr als 5 Mrd. Euro soll sich ihr Besitz belaufen, doch schon das ist ein Schätzwert.
Wie sich der Reichtum auf die Familie verteilt, bleibt ebenfalls Spekulation. Das Gros des Vermögens dürfte bei den Adoptivkindern des 1984 verstorbenen Albert Reimann liegen - fünf an der Zahl sind es angeblich. Der Rest des Gelds ist auf diverse Neffen und Nichten des einstigen Familienoberhaupts verstreut.
Man schrieb das Jahr 1851, als Albert Reimanns Ur-Ur-Großvater Ludwig Reimann, ein gelernter Chemiker, die Bekanntschaft Johann Adam Benckisers machte, des Besitzers der Durlacher Fayencen-Fabrik und Pforzheimer Goldwarenfabrik Benckiser. Gemeinsam gründeten die beiden Männer eine Chemiefabrik, die zunächst mit Säuren ihr Geld verdiente, ihre Produktpalette im Laufe der Jahrzehnte aber immer weiter ausbaute.
Der Nachwelt haben sich die beiden Gründer auf unterschiedliche Weise vermittelt: Den Abkömmlingen des einen, Ludwig Reimann, blieb das Vermögen. Vom anderen, Johann Adam Benckiser, blieb der Name: Reckitt Benckiser, ansässig in der Kleinstadt Slough westlich von London, ist der weltweit größte Hersteller von Haushaltsreinigern - wovon wiederum die Reimanns profitieren: Mit jedem Päckchen Calgonit und jedem Fläschchen Sagrotan, das über die Theke geht, werden die Reimanns wieder ein bisschen reicher.
Die Benckiser GmbH war ein normaler Mittelständler, als Martin Gruber 1963 bei dem Ludwigshafener Unternehmen einstieg. 70 Mio. Mark setzte die Firma damals um, nicht gerade wenig, allerdings auch nicht so viel, als dass zu ahnen gewesen wäre, dass Benckiser es einmal mit Konzernen wie Procter & Gamble oder Colgate-Palmolive würde aufnehmen können.
Gruber, als Einkaufsleiter verpflichtet, gewann rasch das Vertrauen des Patriarchen Albert Reimann. Mitte der 70-er-Jahre stieg er zum Hauptgeschäftsführer auf, Anfang der 80-er holte er den Boston-Consulting-Mann Peter Harf in die Firma. Mit der Unterstützung Grubers baute Harf das Unternehmen radikal um - und machte die Mitglieder der Eigentümerfamilie Reimann zu Milliardären.
Die Strategie des Managers war so schlicht wie kühn: Er beschränkte den chemischen Gemischtwarenladen Benckiser auf seine beiden Schwerpunkte Reiniger und Kosmetik. Sparten, die dem Anforderungsprofil nicht genügten, stieß Harf ab. Dafür investierte er Millionen in die Kernfelder und kauften mehr als zwei Dutzend Firmen hinzu - unter anderem in den USA, Italien, Spanien und Großbritannien.
Die Strategie ging auf: Anfang der 80er hatte Benckiser gerade einmal 250 Mio. Mark umgesetzt - zehn Jahre später war es mehr als das Zehnfache. Es sah so aus, als könnte Martin Gruber jenes Versprechen halten, dass ihm der mittlerweile verstorbene Albert Reimann einst abgenommen hatte: die Firma Benckiser im Besitz der Familie Reimann zu halten.
Doch der Umbau ging weiter: 1996 spaltete Harf das Unternehmen auf. Unter dem Namen Benckiser firmierten jetzt nur noch die Reinigungsmittel, der Kosmetikbereich wurde unter dem Namen Coty ausgegliedert. Ein Jahr später ging die Reinigersparte in Amsterdam an die Börse, 1999 fusionierte sie schließlich mit dem britischen Konzern Reckitt & Colman. So entstand Reckitt Benckiser. Die Benckiser GmbH der Familie Reimann wandelte sich derweil zur Finanzholding, als Großaktionär von Reckitt Benckiser und Alleineigentümer von Coty.
Aus dem operativen Geschäft hatte sich die Eigentümerfamilie da schon längst zurückgezogen. Auch die Holding ließ und lässt sie von externen Managern verwalten. Schlagzeilen schrieb die Familie einzig einmal 2003, als die Beteiligungsgesellschaft einen Teil ihrer Reckitt-Benckiser-Aktien zum Verkauf stellte - und damit einen Kursrutsch von zehn Prozent binnen weniger Stunden verursachte. Offenbar wollte ein Familienmitglied ausbezahlt werden.
Das Reimannsche Vermögen wächst derweil weiter: In den vergangenen fünf Jahren ist der Reckitt-Benckiser-Kurs um nahezu 140 Prozent gestiegen. Mit 28 Mrd. Euro bewertet die Börse den Konzern. Der Anteil der Benckiser-Holding liegt bei 15,6 Prozent - macht fast 4,4 Mrd. Euro. Hinzu kommt das in New York ansässige, weiterhin nicht börsennotierte Parfümhaus Coty. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat es 3,3 Mrd- $ erlöst - mit Marken wie Calvin Klein, Davidoff oder Joop.
Was die Reimanns mit ihrem Geld machen? Auch das ist weitgehend unbekannt. Vom Familienzweig der Reimann-Dubbers, immerhin, sind diverse Stiftungsaktivitäten bekannt - unter anderem in den Bereichen Umwelt und Gesundheit. Für ein Interview freilich stehen auch die Reimann-Dubbers nicht zur Verfügung.
Es gibt die Reimanns. Und sie sind sehr reich. Am liebsten wäre ihnen vermutlich, nicht einmal diese zwei Dinge wären bekannt.
Quelle: Heinz-Roger Dohms |
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