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Rohstoffpreise - Rohstoffjäger - Rohstoffklau

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Moderator GM&P
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Anmeldungsdatum: 21.01.2006
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BeitragVerfasst am: 10.Apr 2008 22:02    Titel: Rohstoffpreise - Rohstoffjäger - Rohstoffklau Antworten mit Zitat

Auf der ganzen Welt steigt die Zahl der Metalldiebstähle rasant.

Ob Berlin, Chicago, Kapstadt oder Peking, Lokalpolitiker und Polizei müssen sich mit dem Phänomen beschäftigen, dass Diebe Stromleitungen kappen und abtransportieren, Klimaanlagen aus Wänden reißen, Hausnummern abschrauben oder Kanaldeckel abhebeln – oft zum Schaden der Infrastruktur und der Betreiberfirmen wie Bahn- und Telefongesellschaften.

Hintergrund des kriminellen Treibens sind die rasant gestiegenen Rohstoffpreise.

Denn nicht nur das bekannte Investitionsgut Gold wird seit Jahren immer teurer, auch die Notierungen für die meisten anderen Metalle ziehen stark an. Kupfer hat sich im Handel an der Londoner Rohstoffbörse in den vergangenen fünf Jahren fast verfünffacht, Nickel ist mehr als dreimal so viel wert, ebenso Zink und Aluminium.

Nutznießer der Entwicklung sind Schrotthändler, denn ihr Geschäft wird durch den Trend spürbar angekurbelt. So verzeichneten die Altmetallhändler in den USA im vergangenen Jahr rund ein Drittel mehr an Ware, die ihnen zum Kauf angeboten werde, sagt Bob Garino, Rohstoffexperte beim US-Schrotthändlerverband Institute of Scrap Recycling Industries (ISRI). Das schafft auch neue Jobs: „Einige unserer Mitgliedsfirmen haben ihr Personal aufgestockt“, sagt Garino.

Der Verband weist seine Mitglieder mit Nachdruck darauf hin, keine Hehlerware anzunehmen, denn damit machen diese sich strafbar. Seit ein paar Wochen verschickt ISRI regelmäßig Listen mit jüngsten Diebstählen, um die Händler vor verdächtiger Ware zu warnen. „Gestohlene Kupferrohre erkennt man zum Beispiel daran, dass sie noch glänzen und unbenutzt aussehen. Dann stammt das Gut häufig von Baustellen“, sagt der Experte.

Trotz der Bemühungen der Verbände in den USA und anderswo gibt es schwarze Schafe unter den Schrotthändlern. Sie nehmen zum Beispiel leere Bierfässer an, auf denen noch der Name der Brauerei steht. Die amerikanische Bierbranche gibt an, 2007 durch Fassdiebstähle einen Schaden von 50 Millionen Dollar erlitten zu haben.

Auch mit Kanaldeckeln, auf denen das Wappen der bestohlenen Stadt prangt, wird ein reger Handel betrieben. In Chicago hielt die Polizei im vergangenen Dezember eine Autofahrerin an, die an einer Kreuzung falsch abgebogen war. Den Beamten fiel auf, dass der Kofferraum ihres Wagens deutlich nach unten hing. Die Frau hatte elf Kanaldeckel geladen.

Auch in vielen anderen Städten weltweit haben die gestiegenen Rohstoffpreise den Diebstahl von Kanaldeckeln spürbar angekurbelt. Die Verwaltung der indischen Metropole Kalkutta meldete für das vergangene Jahr 20.000 gestohlene Deckel, die chinesische Hauptstadt Peking 24.000. Um den Trend zu stoppen, experimentieren nun mehrere Stadtverwaltungen mit Kanaldeckeln, die nicht aus Metall bestehen und somit keinen Wiederverkaufswert haben: Glasfaser-Materialien oder Kunstharz.

Im südafrikanischen Kapstadt sorgten durchtrennte Leitungen aus Aluminium und Kupfer bereits für drastische Ausfälle von Strom- und Telefonnetzen. Dort wurden laut Schätzung der Stadtverwaltung im vergangenen Jahr 160 Kilometer Kabel gestohlen.

Unter Rohstoffklau leiden auch viele Firmen, darunter die Deutsche Bahn. Sie beklagt Schäden in zweistelliger Millionenhöhe, weil Diebe regelmäßig Kabel abtrennen und so den Bahnverkehr auf den betroffenen Strecken lahmlegen, manchmal für mehrere Stunden. Vergangenes Jahr starb nahe Berlin ein Kabeldieb an einem Stromschlag. Er hatte versucht, Leitungen an einem S-Bahnhof zu kappen – darauf wiesen der Bolzenschneider und das Erdungskabel hin, die man an der Unfallstelle fand.

Autokatalysatoren sind ein besonders beliebtes Diebesgut für Rohstoffjäger. Denn in ihnen stecken Spuren kostbarer Edelmetalle wie Platin, Rhodium oder Palladium. Die Edelmetalle erzielen im Handel an den Rohstoffbörsen in New York oder London derzeit Rekordpreise. In vielen US-Städten blüht daher der Handel mit gestohlenen Katalysatoren. Pro Stück lassen sich auf dem Schwarzmarkt mehrere hundert Dollar erlösen. Besonders dreist waren Diebe, die im US-Staat Minnesota zuschlugen. Sie brachen in eine Polizeistation ein und stahlen die Katalysatoren von 19 Polizeiautos.

Besonders stark ist die Stadt Cleveland (Ohio) betroffen. „Wir haben eine vergleichsweise hohe Zahl an Zwangsräumungen, und das sorgt in Kombination mit den hohen Rohstoffpreisen für eine explosive Mischung“, sagt Stadtrat Tony Brancatelli. Die Diebe steigen meist nachts in verlassene Häuser ein, reißen Kupferkabel aus den Wänden oder schrauben Klimaanlagen ab, weil in diesen ebenfalls Kupfer steckt. Auch Fensterrahmen aus Aluminium, Hausnummern und Türknäufe aus Messing werden mitgenommen. Die Diebe wissen: Kunden finden sich dafür.
Quelle: Auszüge Welt
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