| |

|
| Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen |
| Autor |
Nachricht |
Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6456
|
Verfasst am: 18.Aug 2006 10:31 Titel: Schufa-Chef Neumann über Kreditwürdigkeit und Kreditvergabe |
|
|
Herr Neumann, stimmt es, dass Kunden bei der Schufa schlecht eingestuft werden, nur weil sie zufällig in der falschen Straße wohnen - und ihnen deswegen bisweilen sogar Kredite verweigert werden?
Nein, das stimmt nicht! Voraussetzung für eine Kreditvergabe ist, dass dem Kunden Vertrauen entgegengebracht wird. Dieses Vertrauen kann man nur über Informationen sammeln, die über den Kreditnehmer eingeholt und dann überprüft werden. Je mehr Informationen vorliegen, umso besser kann eine Kreditentscheidung getroffen werden und umso mehr Kredite werden positiv entschieden. Bei der Schufa können wir auf Daten zu 63 Millionen Bürgern zurückgreifen, das heißt praktisch zu jedem über 18 Jahren. Dank der Zusammenarbeit mit unseren Vertragspartnern verfügen wir über eine sehr breite Datenbasis. Daher brauchen wir nicht auf das Niveau der Wohngegend zurückzugreifen und tun dies selbstverständlich auch nicht.
Die Adresse kann ja auch kein ernsthaftes Kriterium sein.
Da gebe ich Ihnen recht. Der Wohnbezirk kann in der Tat kaum ein Kriterium für die Kreditwürdigkeit eines Kunden sein. Wir verfügen über eine Reihe von Daten, die viel aussagekräftiger für eine Kreditentscheidung sind. Deshalb sind unsere Verfahren zur Einschätzung der Kreditwürdigkeit, die Score-Verfahren, so anspruchsvoll und fair. Unsere Daten erlauben es zum Beispiel dem Handel, innerhalb von Minuten zu entscheiden, ob ein Kunde einen Fernseher auf Raten zahlen darf oder nicht.
Viele Bürger haben wegen ihres Schufa-Eintrags aber keine Chance auf einen Kredit. Sie können nicht einmal einen Handy-Vertrag abschließen.
Im Gegenteil: Gerade weil die Schufa anhand von Daten die Kreditwürdigkeit von Verbrauchern belegen kann, bekommen sie in der Regel schnell und unkompliziert einen Kredit. Für 93 Prozent aller bei uns gespeicherten Personen können wir in Sekundenschnelle belegen, dass sie in der Vergangenheit ihre Kreditgeschäfte zuverlässig und ordnungsgemäß geführt haben. Praktisch die Hälfte aller Bürger fallen in die beste Score-Klasse mit einer Rückzahlwahrscheinlichkeit von rund 98 Prozent.
Sie können also nicht nachvollziehen, warum die Schufa öffentlich immer wieder in der Kritik steht?
Unsere Funktion ist es, den Verbrauchern die Möglichkeit zu geben, möglichst einfach und kostengünstig Kredite zu bekommen. Ohne Unternehmen wie die Schufa könnte beispielsweise der ganze Versandhandel auf Rechnung, wie er in Deutschland üblich ist, gar nicht existieren. In der Öffentlichkeit werden wir aber nur dann wahrgenommen, wenn Sand in das Getriebe kommt. Wir nehmen Kritik aber auch gerne auf: Bei uns sind 150 der insgesamt rund 700 Mitarbeiter nur damit beschäftigt, Anregungen der Bürger umzusetzen.
Warum müssen Bürger dafür bezahlen, wenn sie wissen wollen, was in der Schufa über sie vermerkt ist?
Die Erstellung einer Auskunft verursacht Kosten. Wir verlangen dafür 7,60 Euro und das schon seit Jahren. Dieser Betrag deckt nicht einmal die entstehenden Kosten. Kunden haben aber auch die Möglichkeit in den Schufa-Geschäftsstellen kostenlos ihre Eigenauskunft einzusehen.
Wie lange bleiben negative Schufa-Daten gespeichert?
Eidesstattliche Versicherungen werden drei Jahre lang von uns gespeichert. Kreditkündigungen oder offene, ausreichend gemahnte und unbestrittene Rechnungen speichern wir nach deren Erledigung bis zum Ende des Jahres, das drei Jahre nach der Erledigungsmeldung abläuft. Bei kleineren Beträgen planen wir nun eine Änderung: Etwa vom Jahreswechsel an wird jede Forderung unter 1000 Euro, die innerhalb eines Monats nach Meldung an die Schufa gezahlt wird, rückstandsfrei gelöscht.
Kollidieren die Aufgaben der Schufa nicht mit dem Datenschutz?
Ich behaupte, dass wir das Unternehmen in Deutschland sind, das für die Datenschützer am transparentesten ist: Die für uns zuständigen Behörden kennen jeden Handgriff von uns.
Die Datenschützer fordern aber transparentere Score-Verfahren.
Wir sind gesprächsbereit und freuen uns auf eine Versachlichung der Debatte rund um das Thema Scoring. Ich bin zuversichtlich, dass wir dieses Thema im nächsten halben Jahr über die Bühne bringen und eine Lösung finden.
Wie könnte die Lösung konkret aussehen?
Wir werden dem Verbraucher wohl die Möglichkeit geben, dass er nicht nur seine gegenwärtige Kreditwürdigkeit einsehen kann, sondern auch den Score, den er in den nächsten Monaten zu erwarten hätte, wenn sich an seinen Daten nichts ändern würde. Denkbar ist auch, die Datenbasis noch zu verbreitern, also den Bürgern selbst die Möglichkeit zu geben, freiwillig Daten an uns zu melden.
Hat der Verbraucher eine Möglichkeit, einen Schufa-Eintrag vorzeitig wieder loszuwerden?
Nein, denn unser System basiert auf Vertrauen. Die Kreditgeber müssen sich darauf verlassen können, dass Einträge auch vorhanden sind, wenn sie denn gerechtfertigt sind. Andernfalls würden sie getäuscht. Ein Schufa-Eintrag muss aber nicht grundsätzlich dazu führen, dass ein Kunde keinen Kredit mehr bekommt. Die Daten der Schufa sind ja nur eines von vielen Entscheidungskriterien. Firmen berücksichtigen trotz Schufa-Eintrag durchaus, wenn sich die Situation eines Kunden wieder verbessert hat.
Kann ein Kunde schon deshalb einen Schufa-Eintrag bekommen, weil er die Kreditkonditionen von verschiedenen Banken erforscht, um die günstigste herauszufinden?
Ein Merkmal von vielen kann tatsächlich sein, wie viele Kreditanfragen ein Kunde in den letzten Tagen gestellt hat. Falls dies der Fall ist und falls die Bank Konditionenanfragen als Kreditanfragen bei uns einmeldet, könnte sich sein Score leicht verschlechtern. Mehrere Kreditanfragen alleine machen aber noch lange keinen schlechten Score.
Ist das nicht absurd?
Grundsätzlich müssen Banken wissen, ob ein Kunde auch mit anderen Instituten im Gespräch ist, damit ihm nicht gleichzeitig fünf Kredite vergeben werden. Aber Sie haben recht. Eine Kreditanfrage ist etwas anderes als eine reine Konditionenabfrage. Deshalb haben wir reagiert: Noch vor Jahresende werden wir ein separates Merkmal für Konditionenanfragen einführen, damit so etwas nicht mehr passieren kann.
Das Gespräch führte Sebastian Wolff.
Berliner Zeitung, 18.08.2006 |
|
| Nach oben |
|

|
|
|
|
|
|
Sie können keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Sie können auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Sie können an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen.
|
|
Powered by phpBB © phpBB Group
|
|
|
|