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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6710
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Verfasst am: 4.Jan 2007 18:15 Titel: Schwellenländer - Neue Macht des Südens |
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Sie sind angriffslustig, profitabler als Rivalen aus Europa und sie wachsen schneller: Viele Firmen aus Schwellenländern sind auf dem Sprung zu Weltkonzernen.
Dabei schreiben sie die Spielregeln des Wirtschaftslebens um.
Herausforderer aus Asien, Osteuropa und Lateinamerika jagen westlichen Konzernen nicht nur Marktanteile auf kritischen Zukunftsmärkten ab. Sie brechen in deren Heimatmärkte ein, machen mit einer Lawine von Übernahmen Schlagzeilen und schlucken alteingesessene, teils viel größere Rivalen in den Industrieländern.
Wer Angreifer aus Indien, China, Russland oder Brasilien unterschätzt, könnte bald von ihnen verdrängt oder geschluckt werden, wie Arcelor und Corus. Arcelor fiel in die Hände des Inders Lakshmi Mittal, und Ratan Tata kämpft beim Versuch, Corus zu übernehmen, nicht gegen Europäer oder Amerikaner, sondern gegen Brasiliens CSN.
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Nicht nur die Konsolidierung der Stahlindustrie wird von Firmen aus Schwellenländern vorangetrieben. Anderen Branchen stehen ähnliche Umwälzungen bevor. Die Boston Consulting Group (BCG) ruft „eine Revolution im globalen Geschäftsleben“ aus und warnt, das Überleben der Platzhirsche sei nicht garantiert. „Im Zuge der Internationalisierung von Firmen aus Schwellenländern müssen sich reiche Nationen auf viele Übernahmen einstellen“, mahnt Uno-Generalsekretär Kofi Annan im jüngsten „World Investment Report“ der Unctad. Deren Forscher untermauern das mit Zahlen: Zwischen 1985 und 2004 schwollen Direktinvestitionen aus Südländern von vier auf 61 Mrd. Dollar an. Schon 17 Prozent aller grenzüberschreitenden Akquisitionen entfallen auf Firmen von dort.
Angeführt werden die Angreifer von erfolgshungrigen Unternehmern. Bewaffnet sind sie mit niedrigen Fertigungs- und Forschungskosten, modernen Fabriken und innovativen Geschäftsideen. Solche Firmen würden „Branchen und Märkte rund um den Globus radikal verändern“, prophezeit eine BCG-Studie. Sie identifiziert 100 Firmen mit den besten Chancen, zur Weltspitze aufzuschließen. Diese wachsen im Schnitt um 25 Prozent pro Jahr, bei Umsatzrenditen von 20 Prozent. Dax-Werte kommen auf die Hälfte.
70 der 100 Angreifer stammen aus Asien, fast alle davon aus China und Indien. Die bevölkerungsreichsten Länder der Welt bieten dank boomender Märkte, guter Universitäten und einer jungen Bevölkerung die fruchtbarsten Brutstätten für neue Weltfirmen. „Deutsche müssen sich auf eine ernsthafte Konfrontation mit Chinesen und Indern auf den Weltmärkten einstellen“, warnt Indien-Chef Jürgen Schubert von Siemens. Schon treffen Siemens, ABB und General Electric bei Ausschreibungen in Asien und den Golfstaaten auf harte Konkurrenz von Larsen & Toubro und Crompton Greaves aus Bombay.
Der Trend erfasst Zukunftsindustrien, die für Europas Überleben kritisch sind. Indische Pharmahersteller wie Dr. Reddy’s, Cipla oder Ranbaxy fluten den Weltmarkt mit billigen Generika und wagen sich an die Entwicklung neuer Medikamente.
Das war bislang Riesen wie Pfizer oder Merck vorbehalten. Infosys, Wipro und TCS haben mit ihrem Offshoring-Ansatz von Bangalore aus das Geschäftsmodell der IT-Branche revolutioniert.
Sie steigern Umsatz und Gewinn jedes Jahr um über ein Drittel, ihre Margen liegen dreimal höher als beim Weltmarkführer IBM. „In drei, vier Jahren kommen wir weltweit unter die Top Ten“, ist Wipro-Chef Azim Premji sicher.
China bringt Autozulieferer global in Stellung, Reedereien, Stahlkocher, Flugzeugbauer, vor allem jedoch Elektronik- und Haushaltsgerätehersteller. Am bekanntesten ist Lenovo, seit der spektakulären Übernahme von IBMs Computersparte. Doch auch Firmen wie Hisense, Konka, Haier, TCL und Founder stürmen die Weltmärkte, und die Telekomausrüster ZTE und Huawei duellieren sich mit Nokia und Motorola.
Statt mit Dienstleistungen und Industriegütern wie Chinesen und Inder punkten Firmen aus Russland und Lateinamerika mit dem Rohstoffreichtum ihrer Heimat. Das haben der Minenkonzern CVRD, der Stahlkocher Gerdau und der Ölkonzern Petrobras aus Brasilien gemeinsam mit Lukoil, Rosneft, Gasprom und Norilsk Nickel aus Russland.
Anderen helfen Agrarressourcen beim Aufstieg zu neuen Lebensmittelriesen: Perdigao aus Brasilien etwa, Femsa und Gruma aus Mexiko, Charoen Pokphand, Thai Union und Indofood aus Südostasien.
Auch außerhalb Asiens entstehen Fertigungsriesen: Mexikos Cemex hat es zum drittgrößten Zementhersteller gebracht, erwirtschaftet vier Fünftel seines Umsatzes von zwölf Mrd. Dollar im Ausland.
Aus Brasilien ist Embraco zum Weltmarktführer bei Kompressoren aufgestiegen und Embraer zur Nummer eins bei Regionaljets. Neben Kostenführerschaft steht Innovation Pate bei der Geburt neuer Weltfirmen: Cemex etwa ist bekannt für seine Vertriebseffizienz und hatte die Idee, kleine Zementsäcke an Slumbewohner zu verkaufen.
Gemeinsam ist allen, dass sie die Stoßrichtung der Globalisierung umdrehen.
Um nicht zu enden wie Arcelor, müssen deutsche Manager schnell Abwehrstrategien entwickeln: Sie sollten Herausforderer frühzeitig durch Übernahmen eliminieren und Schwellenländer viel stärker für die eigene Forschung und Fertigung nutzen.
Ein McKinsey-Berater formuliert es schärfer: „Überleben wird nur, wer in China, Indien und Russland schneller wächst als Angreifer von dort in Europa.“ |
teilweise : Handelsblatt |
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