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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 7242
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Verfasst am: 7.Mai 2006 4:12 Titel: Studiengebühren mit Nebenwirkung |
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Das Bezahlstudium hat nicht nur Auswirkungen auf das Budget der Studenten. Vor allem Exportunternehmen müssen mit steigenden Kosten rechnen: Qualifizierte Kräfte werden deutlich teurer.
Sind Sie Akademiker? Und Angestellter? Dann können Sie sich freuen. Denn in Deutschland geht der Trend zu Studiengebühren - und Sie dürften zu der Gruppe gehören, die davon am meisten profitiert.
In diesen Tagen hat das letzte gebührenfreie Semester in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen begonnen. Ab dem Herbst müssen auch Studenten im Erststudium einen spürbaren Obulus entrichten. Über kurz oder lang werden die anderen Bundesländer folgen, zumal sonst ein massiver Zustrom von Studenten aus den Gebührenländern droht.
Den bereits fertig Ausgebildeten kann kaum etwas Besseres passieren: Sie haben ihre Universitätsausbildung einst kostenlos erhalten, müssen aber nur noch zum Teil für die Ausbildung der nachrückenden Konkurrenten aufkommen.
Die entsprechenden Steuersenkungen hat die rot-grüne Bundesregierung bereits vorweggenommen, wie sich im Rückgang des Spitzensteuersatzes von 56 Prozent Mitte der 80er Jahre auf derzeit nur 42 Prozent zeigt.
Unternehmer als Verlierer
Dumm nur, falls Sie ein Unternehmer sind, der möglicherweise auch noch für den Export produziert. Dann könnte für Sie der Trend zum gebührenpflichtigen Studium teuer werden.
Die Studiengebühren nämlich dürften dazu führen, dass qualifizierte Kräfte deutlich teurer werden.
Weil sich die steigenden Lohnkosten kaum auf die Preise umlegen lassen werden, dürften am Ende die Betriebe die Hauptlast tragen.
Eine Studiengebühr ist nichts anderes als eine neue Steuer für angehende Akademiker. Das hat Folgen für die Entscheidung des Einzelnen, aber auch für den Arbeitsmarkt.
Wird das Studium für den Schulabgänger teurer, wird er sich genauer als bisher überlegen, ob er überhaupt noch studiert - oder ob er lieber eine Ausbildung macht.
Selbst wenn sich nur ein kleiner Teil der potenziellen Studienanfänger von den Gebühren abschrecken lässt, wird das Lohnniveau in bestimmten Berufsgruppen steigen. Denn auf diese Weise sinkt das Angebot an bestimmten Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt, der Lohn für diese Gruppe dürfte steigen.
Daran ändert auch der Flächentarif nichts, denn zum einen werden Akademiker häufig außertariflich bezahlt, zum anderen werden die Firmen bei Fachkräftemangel übertariflich bezahlen müssen, wenn sie ihre Stellen besetzen wollen. Am Ende drohen so die Studiengebühren auf die Arbeitgeber zurückzufallen.
Diese Logik ist aus der Steuertheorie wohl bekannt, wird aber merkwürdigerweise in der Debatte um die Studiengebühren völlig ignoriert. Nicht immer trägt jener Akteur die Kosten, der die Steuern oder Gebühren zuerst zahlt.
Die zum 1. Januar 2007 geplante Mehrwertsteuererhöhung etwa muss von den Einzelhändlern an den Fiskus abgeführt werden. Trotzdem ist weitgehend unumstritten, dass der Verbraucher am Ende zumindest einen guten Teil der höheren Umsatzsteuer finanziert.
Ebenfalls aus der Steuertheorie lassen sich Lehren ziehen, wer tatsächlich für höhere Abgaben aufkommen muss: jener Marktteilnehmer, der auf Grund der veränderten Rahmenbedingungen sein Verhalten weniger ändert.
Auf den Arbeitsmarkt übertragen dürfte es somit den Ingenieuren gelingen, den Großteil der Studiengebühren auf ihre Arbeitgeber abzuwälzen. Ein Exportunternehmen wird bei vollen Auftragsbüchern kaum auf einen Ingenieur verzichten, zumal die Fachkräfte einen eher kleinen Teil der eigenen Kosten ausmachen.
Ein Schulabgänger mag sich aber durchaus von einigen Tausend Euro Gebühren von der Universitätsausbildung abhalten lassen.
Ein gebührenfreies Studium, zumal für die teuren naturwissenschaftlichen oder technischen Studiengänge, ist damit vor allem eins: eine versteckte Subvention für die Exportindustrie. Weil über die bisherige staatliche Finanzierung der Unis die Arbeitskosten für Ingenieure in Deutschland künstlich billig gehalten werden, ist die Industrie international wettbewerbsfähiger.
Das wird deutlich, wenn man einmal Gehälter von Ingenieuren in Deutschland und den USA vergleicht.
In Deutschland verdient ein frisch diplomierter Elektrotechniker laut der Beratungsfirma Kienbaum 38.000 Euro bis 41.000 Euro pro Jahr. In Amerika liegt das durchschnittliche Einstiegsgehalt eines Ingenieurs mit Master-Abschluss dagegen bei 64.000 $, beim aktuellen Wechselkurs rund 53.000 Euro.
Ein junger US-Ingenieur kostet damit 30 bis 40 Prozent mehr als sein deutscher Kollege. Am unteren Ende der Einkommensskala sind dagegen solche Unterschiede nicht zu erkennen. Der gesetzliche US-Mindestlohn von 5,15 $ pro Stunde liegt nicht weit über den niedrigsten Tariflöhnen in Deutschland von etwa 4 Euro.
Steuerfinanzierung als Alternative
Natürlich lässt sich daraus nicht schlussfolgern, dass die Einführung von Studiengebühren falsch ist. Der gebührenfreie Zugang zu den Universitäten verliert als Subvention zunehmend an Zielgenauigkeit. Derzeit gibt es kaum wirksame Hürden, die einen deutschen Ingenieur hindern würden, nach der gebührenfreien Ausbildung daheim in die USA auszuwandern. Immer mehr Akademiker nutzen inzwischen bereits die besseren Verdienstaussichten ins Ausland. Ein kostenpflichtiges Studium erscheint da nur logisch.
Allerdings gäbe es auch andere Lösungen: US-Bürger etwa sind mit ihrem Welteinkommen in den USA steuerpflichtig - auch wenn sie im Ausland leben. Nichts spräche dagegen, eine solche Regelung auch für Deutsche zu diskutieren. Akademiker, die nach ihrem Studium ins Ausland auswandern, würden so an den Kosten ihrer Ausbildung beteiligt.
Doch von solch differenzierten Debatten ist Deutschland leider weit entfernt. Derzeit werden nicht einmal die Nebenwirkungen der Studiengebühren vernünftig diskutiert. Unternehmensverbände werben stattdessen sogar explizit für das Bezahlstudium. So droht am Ende wieder einmal ein typisches Ergebnis deutscher Strukturreformen: eine Reform, bei der ungeplante Effekte überwiegen, und die eigentlich niemand so gewollt hat.
von Sebastian Dullien / FDT |
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