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Vietnam - Boomstaat und Boombörse von morgen?

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Anmeldungsdatum: 12.12.2003
Beiträge: 1162
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BeitragVerfasst am: 11.Jan 2007 18:11    Titel: Vietnam - Boomstaat und Boombörse von morgen? Antworten mit Zitat

Vietnam - Boombörse von morgen?

Was Russland anstrebt, hat Vietnam bereits geschafft: Nach zwölfjährigen Verhandlungen ist das südostasiatische Land heute als 150. Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) beigetreten. Im Vorfeld dieses bedeutenden wirtschaftspolitischen Ereignisses hatte Ministerpräsident Nguyen Tan Dung schon in der vorigen Woche bekannt gegeben, man werde die Privatisierungen beschleunigen und in drei Jahren mehr als 50 größere Staatskonzerne ganz oder teilweise in private Hände geben. Dazu zählt auch die nationale Fluglinie Vietnam Airlines. Die Aktien sollen von 2008 an verkauft werden.

Der heutige WTO-Beitritt ist für Vietnam ein weiterer wichtiger Schritt im Aufbau einer sozialistisch orientierten Marktwirtschaft. Und man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass in den nächsten Jahren eine Flut von Neuemissionen den noch kleinen Finanzmarkt überschwemmen wird.

Neue Handelsvorteile und bessere Exportchancen durch WTO-Beitritt
Vor 20 Jahren hatte Vietnam mit der wirtschaftlichen Öffnung begonnen. Die Ökonomie boomt mit einem erwarteten Wachstum von gut acht Prozent in diesem Jahr. In den zurückliegenden zehn Jahren glänzte die sozialistische Republik mit einem durchschnittlichen Wachstum von 7,4 Prozent. Das 84-Millionen-Volk verspricht sich von den neuen Handelsvorteilen durch den WTO-Beitritt mehr ausländische Investitionen und bessere Exportchancen. Schon im vorigen Jahr stiegen die Ausfuhren um 24 Prozent. Ausländische Direktinvestitionen dürften bei 8,5 Milliarden Dollar gelegen haben - pro Einwohner mehr als in China oder Indien.

Vietnam stehe heute da, wo die Volksrepublik China vor einem Jahrzehnt stand, sagen auf Vietnam-Experten. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf ist nur halb so groß wie das chinesische. Vor allem die exportierende Landwirtschaft mit Fisch, Milch und Reis sowie die Textilbranche spiele eine wesentliche Rolle. Aber es sprießen auch schon die ersten High-Tech-Schmieden aus dem Boden.

Noch vor sieben Jahren wurden Aktien in Cafés verkauft

Erst im Sommer 2000 konnten an der vietnamesischen Börse endlich die ersten Aktien gehandelt werden. Zehn Jahre waren zuvor ins Land gegangen, bis man sich auf ein Reglement geeinigt hatte und damit einen kleinen Schritt in Richtung eines offenen Marktes tat. Bevor es die Börse gab, wurden Aktien übrigens in Cafés verkauft. Inzwischen gibt es natürlich zahlreiche Investmenthäuser, die diese Aufgabe übernehmen. Das Finanzzentrum in Ho-Chi-Minh-Stadt, das bis 1976 Saigon hieß, erinnert mich an die Wall Street in New York. Denn die Börse ist in einem Kolonialgebäude untergebracht. Dort findet werktags von neun bis elf Uhr der Handel statt.

In der wilden Anfangszeit der Börse war die Nachfrage nach Aktien so groß, dass die Vietnamesen sogar vor den Büros der Börsenmakler ihr Nachtlager aufschlugen, um an die heiß begehrten Anteilsscheine zu gelangen. Auf ein Verkaufsangebot kamen damals bis zu tausend Interessenten. Und so ging es mit den Kursen zunächst steil bergauf. Doch mit dem 11. September 2001 war es wie überall in der Welt mit dem Aufwärtstrend zunächst einmal vorbei. Ab Dezember 2003 traten dann neue Regeln in Kraft. Sie sorgten dafür, dass sich mehr vietnamesische Firmen für eine Privatisierung entschieden und an die Börse gingen. Immerhin sind aus den vier bei der Eröffnung gelisteten Unternehmen bis heute 69 Aktiengesellschaften geworden. Die drei größten Firmen machen mehr als die Hälfte der Marktkapitalisierung von weniger als vier Milliarden US-Dollar aus. Damit ist der Markt praktisch illiquide.

Ho-Chi-Minh-Stock-Index auf Allzeithoch

Hinzu kommt, dass internationalen Anlegern (noch) erhebliche Beschränkungen auferlegt werden. Nicht-vietnamesische Investoren dürfen maximal 50 Prozent eines Unternehmens halten, bei Banken liegt die Grenze sogar bei 30 Prozent. Dadurch wird die für Ausländer zugängliche Marktkapitalisierung noch einmal auf weit unter zwei Milliarden US-Dollar gedrückt. Neben der Marktenge bergen Investments in Vietnam weitere Risiken. So wissen wir heute nicht, ob die politische Stabilität von Dauer sein wird. Zudem steigen die Löhne, obwohl die Produktivität der Unternehmen noch gering ist. Auch das Währungsrisiko darf nicht unterschätzt werden. Und dann ist der Ho-Chi-Minh-Stock-Index in einem Jahr auch noch von gut 300 auf ein Allzeithoch von 885 Punkte geklettert. Nach einem solchen rasanten Gipfelsturm ist eine Korrektur eigentlich längst überfällig.

Wenn Sie in Vietnam investieren wollen, fahren Sie mit Zertifikaten am besten. Für interessant halte ich das gemanagte DWS-GO-Endloszertifikat (ISIN: DE000DWS0GB2), das auf wachstumsstarke Firmen setzt. Das Inventar des Aktienkorbes wird immer wieder angepasst, Dividenden werden reinvestiert. Das Portfolio setzt sich derzeit aus zwölf Aktien zusammen. Mit einem Anteil von jeweils 38 Prozent sind die Sektoren Industrie und nichtzyklische Konsumwerte stark übergewichtet. Versorger nehmen 15 Prozent und die Sparten Kommunikation und Finanzen vier bzw. fünf Prozent ein. Allerdings: Währungsrisiken mit dem Zertifikat sind nicht abgesichert. Zudem müssen Sie jährlich eine Managementgebühr von 1,5 Prozent entrichten bei einem Spread (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis des Zertifikats) von zwei Prozent.

Die Vietnamesen besuchen eifrig Aktionärsversammlungen

Die Vietnamesen nehmen die Beteiligung an einer Aktiengesellschaft übrigens sehr ernst. Und sie sehen es als ihre Pflicht an, Aktionärsversammlungen zu besuchen. So sind oft 90 Prozent der Anteilseigner auf der Hauptversammlung anwesend. Von einer so hohen Präsenz können wir in Deutschland nur träumen. Die vietnamesische Börse hat aufgrund der hohen Präsenz der Shareholder noch immer etwas sehr Persönliches. Und in die Cafés gehen die Anleger übrigens auch heute noch, um nach getaner Arbeit über die neuesten Trends am Aktienmarkt zu plaudern.

Quelle: Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG
_________________
Wenn der Staat pleite macht, geht natürlich
nicht der Staat pleite, sondern seine Bürger.

(Carl Fürstenberg, dt. Bankier, 1850-1933)

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freewalker
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Anmeldungsdatum: 13.05.2005
Beiträge: 47

BeitragVerfasst am: 11.Jan 2007 20:35    Titel: Antworten mit Zitat

Die Chancen sind für Vietnam sicher nicht schlechter, als sie es für China bis heute waren.
Beiden Systemen ist die Erkenntnis der Staatenlenker gemein, dass der Kommunismus ein Irrtum war. Aber rein aus machttechnischen Gründen behält man das System bei und wandelt trotzdem auf kapitalistishen Wegen. Das Volk freut es, denn so bekommt es zumindest größere Freiheiten.

freewalker
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