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Moderator GM&P .

Anmeldungsdatum: 21.01.2006 Beiträge: 6451
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Verfasst am: 5.Jan 2007 16:51 Titel: Wie westliche Banken im Osten und Südosten Europas.... |
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....nach neuen Kunden jagen.
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Eine fette Null auf gelbem Grund leuchtet über Sofia: Null Prozent Zinsen verspricht die Raiffeisenbank auf riesigen Werbetafeln allen Bulgaren, wenn sie sich rasch ihr Darlehen abholen.
Glückliche Menschen vor nagelneuem Einfamilienhaus, die blitzende Karosse vor der Tür, lachen von Belgrader Plakatwänden und verkünden die frohe Botschaft: "Hol es dir!"
Seit die Westler den Bankenmarkt erobert haben, ist überall im Osten und Südosten des Kontinents ein Wettlauf angebrochen. Um jeden Preis werden einer meist ahnungslosen Bevölkerung Kredite angedreht - oft mit irreführenden Angaben über den Zinssatz und oft unter Bedingungen, die gegen alle guten Sitten verstoßen.
Horrende Zinsen
Die Entwicklung macht professionellen Beobachtern zunehmend Sorge. "In den letzten Jahren haben wir in der Region einen dramatischen Schwenk zu ausländischen Privatbanken erlebt", sagt Helen Alexander vom Vorstand der Frankfurter Procredit-Holding, einer Mikrokredit-Organisation, die überall in Südosteuropa ein dichtes Bankennetz unterhält. "Sie haben alle hohe Preise gezahlt und wollen rasch hohe Marktanteile."
Weil die Banken so schnell kein qualifiziertes Personal bekommen, schaffen sie es nicht, die örtlichen Unternehmen mit ihren Gewinnchancen solide zu analysieren. "Da ist für sie der Verbraucherkredit die Lösung", sagt Alexander.
Er wird meist im Handumdrehen gewährt, Prüfungen auf die Bonität bleiben aus. Wer die Zinsen nur hoch genug ansetzt, kann es gut verkraften, wenn bis zu 20 Prozent der unerfahrenen Kunden nicht zahlen können. "Selbst wenn alle meine Kunden ihre letzten Raten schuldig bleiben", sagt ein griechischer Privatbanker in Sofia, "habe ich immer noch einen Gewinn gemacht."
Besonders heftig umkämpft sind die neuen EU-Länder Bulgarien und Rumänien - und die Methoden sind entsprechend.
Die österreichische Volksbank mit ihrem daheim eher betulichen Image ist auf die Idee verfallen, ein Drittel ihrer Filialen als formal selbstständige Franchise-Unternehmen zu führen. "Alles, was die Filialleiter tun sollen, ist, neue Kunden heranschaffen", gesteht arglos ein rumänischer Volksbank-Mann in Bukarest.
Das Risiko für faule Kredite tragen sie nicht. Deshalb können sie aggressiv werben und unbeschwert verkaufen. Dass die formlosen Verdienstbescheinigungen, die die Kreditkunden vorlegen müssen, häufig geschönt oder gefälscht werden, ist dem Banker bewusst: "Da kann man nicht viel machen."
Am wildesten geht es in der Ukraine zu. Wer im Markt einer Elektronikkette in Kiew einen Fernseher erstehen will, muss sich nicht nur an der Kasse, sondern auch an bis zu zehn Kreditschaltern vorbeizwängen. Sie bestehen meistens aus einer Studentin mit einem Laptop, die innerhalb von Minuten jeden Einkauf finanziert. "Kunde und Verkäuferin sind gleichermaßen ahnungslos", sagt der Kiewer Chef der ukrainischen Procredit, Dirk Haböck.
Von einer jungen Frau, die später zu seinem Institut gestoßen ist, weiß er, wie das läuft: "Die Kreditvermittlerinnen dürfen höchstens drei von hundert Kreditanträgen zurückweisen."
Die nötigen Verdienstbescheinigungen gibt es in den Unterführungen der Stadt für zehn Dollar zu kaufen. Die französische Société Générale gibt jedem allein auf den Pass hin 5 000 Dollar zum Einkaufen - bei einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von rund 2 000 Dollar. Dafür nehmen die Franzosen zum Zins noch einmal eine "Kommission" von 2,69 Prozent pro Monat, gerechnet auf den vollen Kreditbetrag. In nur drei Jahren sind das fast hundert Prozent.
Gegenspieler der Geschäftsbanken sind die Zentralbanken der betroffenen Länder. In der Ukraine allerdings findet Aufsicht so gut wie nicht statt; nicht einmal ein Schufa-Register für säumige Kunden gibt es.
Selbst im neuen EU-Land Bulgarien verpflichtet niemand die Banken, wenigstens einen effektiven Jahreszins anzugeben, aus dem die Kunden sehen können, wie viel sie wirklich zahlen müssen. Rumäniens Nationalbank dagegen bemüht sich, dem Treiben der Banken Einhalt zu gebieten.
Aber die Österreicher sind geschickt darin, Vorschriften zu umgehen. Seit die Nationalbank den Anteil der schwer kalkulierbaren Fremdwährungskredite begrenzt, lässt Raiffeisen die Anleihen in ausländischer Währung über seine Wiener Zentrale laufen.
Warnung vor der Schuldenfalle
Auf wirklich harten Widerstand stoßen die Banken mit ihrer aggressiven Expansionsstrategie in Serbien. Nationalbank-Gouverneur Radovan Jelasic fühlt sich für den Konsumentenschutz auf dem Finanzsektor verantwortlich und warnt die Bürger mit klaren Worten vor der "Schuldenfalle". Die Monatsraten zur Kreditrückzahlung dürfen nach serbischer Vorschrift ein Drittel des Haushaltseinkommens nicht übersteigen.
Fachleute sehen den Kampf um die Kunden mit großer Sorge: Die große Gefahr liege darin, dass die Menschen das mühsam aufgebaute Vertrauen in die Banken wieder verlören, wenn viele Verbraucherkredite platzen sollten. Und natürlich werde es zu einer großen Umverteilung kommen: "Die überschuldeten Haushalte werden ganz aus dem Markt gedrängt. Anders gesagt: Wer schon arm ist, wird noch ärmer."
Berliner Zeitung, 05.01.2007
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