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Goodman *** Consulter ***
Anmeldungsdatum: 16.01.2002 Beiträge: 5417
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Verfasst am: 1.Mai 2005 15:50 Titel: Zeit, Rendite und Risiko: Grundregeln der Altersvorsorge |
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Süddeutsche Zeitung vom 27.04.2005
Zeit, Rendite und Risiko: Grundregeln für den Aufbau einer privaten Altersvorsorge
Private Altersvorsorge ist heute für jeden unabdingbar - vor allem für junge Menschen. Je jünger man ist, desto weniger kann man auf spätere Leistungen aus der gesetzlichen Rentenversicherung bauen. Allerdings fällt der Vermögensaufbau leichter, je mehr Zeit dafür zur Verfügung steht. Schon wegen des Zinseszinseffekts kommt im Lauf der Jahre eine beträchtliche Summe zusammen, wenn man regelmäßig einen Teil seines Einkommens auf die hohe Kante legt.
Für Berufsanfänger ist es zunächst am wichtigsten, eine Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Die eigene Arbeitskraft ist das wichtigste Kapital, und wer in den ersten Jahren seiner Berufstätigkeit arbeitsunfähig wird, hat an Sozialleistungen so gut wie nichts zu erwarten. Ob sich hingegen der Abschluss einer Rürup- oder einer Riester-Rente lohnt, lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt von den persönlichen Lebensumständen ab. Sobald diese Fragen geklärt sind, sollte man sich Gedanken über einen zusätzlichen Vermögensaufbau machen, wobei vor allem zwei Faktoren wichtig sind: Rendite und Risiko. Der Liquidität als drittem klassischen Faktor bei der Geldanlage kommt weniger Bedeutung zu, weil das angesparte Geld ja nicht für andere Zwecke verwendet werden soll.
Wer sich langfristig ein Vermögen aufbauen will, muss auf die richtige Streuung seiner Investitionen achten. Als Grundregel gilt: Je höher die Chancen auf kräftigen Wertzuwachs, desto höher ist auch das Verlustrisiko. Mit Aktienoptionen kann man sein Geld in kurzer Zeit vervielfachen, aber auch einen Totalverlust erleiden. Auf einem Geldmarktkonto wird das vorhandene Kapital zwar nicht weniger, aber auch nicht wesentlich mehr. Zwischen diesen beiden Extremen gibt es allerdings ein breites Spektrum von Anlagemöglichkeiten, die eine auf die ganz persönlichen Lebensumstände und Ziele zugeschnittene Verteilung ermöglichen. Es lohnt sich, intensiv über dieses Thema nachzudenken. Je früher, desto besser, und natürlich gilt eine solche Entscheidung nicht fürs ganze Leben, sondern muss immer wieder überdacht und angepasst werden.
Je näher der Eintritt in den Ruhestand rückt, desto höher sollte der Anteil derjenigen Investitionen werden, die kein oder nur ein geringes Verlustrisiko aufweisen. Letzteres trifft auf erstklassige festverzinsliche Wertpapiere mit nicht allzu langer Restlaufzeit zu. Auch mit vorgeblich sicheren Anleihen kann man auf längere Sicht einen Kaufkraftverlust erleiden, falls es zu einem dauerhaften Zins- und Inflationsanstieg kommt. Auf Sicht von zwei, drei Jahren lässt sich dieses Risiko abschätzen. Wie es in zehn Jahren aussehen wird, kann niemand sagen. Bei den derzeit extrem niedrigen Renditen fällt es ohnehin schwer, Argumente für den Kauf langfristiger Anleihen zu finden. Sinnvoller sind Laufzeiten von zwei, drei Jahren. Die Renditen sind zwar noch bescheidener als bei längeren Laufzeiten, dafür hält man sich die Möglichkeit offen, sein Geld in einiger Zeit zu höheren Zinsen anlegen zu können.
Wer kurz vor dem Ruhestand steht, muss auf Nummer sicher gehen, weil er darauf angewiesen ist, am Tag X ein bestimmtes Kapital zu Verfügung zu haben. Das Risiko, wegen Kursschwankungen zu unerwartet niedrigen Kursen verkaufen zu müssen, kann er sich nicht leisten. Ganz anders sieht es bei jüngeren Menschen aus. Hier steht nicht das Sicherheitsargument, sondern die Rendite im Vordergrund. Langfristvergleiche zeigen, dass Aktien hier bessere Chancen bieten als festverzinsliche Wertpapiere.
In den letzten fünf Jahren ergab sich zwar ein anderes Bild, aber davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Eine derart schlechte Entwicklung am Aktienmarkt - als Folge der Spekulationsblase der späten neunziger Jahre vor allem im Technologiebereich - kommt selten vor. Und außerdem bietet das noch immer relativ gedrückte Kursniveau in vielen Bereichen vor allem für Langfrist-Anleger Chancen zum günstigen Einstieg. Empfehlenswert ist natürlich, sich soviel Wissen über Aktien, Anleihen und andere Wertpapiere anzueignen, dass man die Auswahl der einzelnen Titel selbst treffen kann. Wer sich das nicht zutraut oder sich nicht dafür interessiert, kann aber auch auf ein breites Angebot an Zertifikaten und Fonds zurückgreifen.
Die Fondsbranche braucht im Allgemeinen nicht allzu lange, um auf aktuelle Anlagethemen mit entsprechenden Angeboten zu reagieren. Da die Frage der privaten Vorsorge immer mehr an Bedeutung gewinnt, gibt es seit einiger Zeit auch Spezialfonds, die sich am Lebensalter der Investoren oder an deren voraussichtlichen Eintritt in den Ruhestand orientieren. Das Fondsdepot wird dabei im Lauf der Jahre so umgeschichtet, wie es auch ein Privatanleger mit seinem Portfolio tun sollte. Der Aktienanteil sinkt mit zunehmendem Lebensalter, die Mittel werden in festverzinsliche Wertpapiere und kurzfristig verfügbare Geldmarktpapiere oder Barmittel umgeschichtet. Solche Produkte sind durchaus sinnvoll, aber nicht auf die spezielle Situation eines Anlegers maßgeschneidert, weil sie sich an ein Massenpublikum wenden. Für den Einzelnen spielt aber nicht nur sein Lebensalter eine Rolle, sondern auch Faktoren wie Familienstand, Kinder, Höhe des Einkommens oder steuerliche Belastung. Daher sollte man sich nie auf ein ganz bestimmtes Fondsprodukt verlassen, sondern sein Kapital stets auf mehrere Anlagen verteilen.
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