Praktiker Markt - 100% in 6 Wochen
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Praktiker Markt - 100% in 6 Wochen
Die Aktie der zweitgrößten Bau- und Heimwerkerkette in Deutschland befand sich Anfang März am Tiefpunkt. Damals erreichte das Papier ein Rekordtief von 2,87 Euro. Wären Sie zu diesem Zeitpunkt eingestiegen könnten Sie jetzt nahezu 100% Kursgewinn einstreichen.
Aktuell notiert die Aktie bei 4,96 Euro. Das aktuelle Kursplus beträgt satte 72%. Bei Kursen um 5 Euro wird das Unternehmen mit knapp 300 Millionen Euro kapitalisiert. Das ist alles andere als ambitioniert und lässt durchaus Spielraum für weitere Kurssteigerungen.
Praktiker berichtete jüngst über einen schwachen Jahresauftakt. Das war nicht überraschend. Vorstandschef Wolfgang Werner hatte bereits vor 4 Wochen auf der Bilanzpressekonferenz mitgeteilt, dass Q1 wegen der miesen Witterung keine guten News zu erwarten sind. Folglich reduzierte sich der Umsatz um 8% auf knapp 800 Millionen Euro. Das EBITA ist saisonal begingt mit knapp 49,2 Millionen Euro negativ ausgefallen. Unterm Strich verzeichnete die Gesellschaft im 1. Quartal einen Verlust von 36,8 Millionen Euro.
Wie der CEO nunmehr in einer Telefonkonferenz mit Journalisten erläuterte, ist das 2. Quartal bisher sehr gut angelaufen. "Das gute Wetter ist zurück. Das Geschäft geht, auch wenn etwas verspätet, richtig los. Wir sind mit dem Verlauf des Aprils vor allem in Deutschland zufrieden und liegen deutlich über dem Vorjahresniveau des Aprils", sagt Werner.
Ob sich allerdings in diesen Wochen nur der Nachfragerückstau auflöst oder es sich um eine echte Trendwende handelt, vermochte der Manager nicht abschätzen. "Wir haben weiterhin keine klare Sicht und können auch die künftige Entwicklung unseres Geschäfts in Osteuropa nur schwer planen. Die Situation ist weiter angespannt", erklärt Werner.
Fokus ist weiterhin das Cash-Management und das Unternehmen möglichst profitabel durch die Krise zu lenken. 2009 ist es unverändert das Ziel ein angemessenes EBITA zu erzielen. Konkretisieren wollte der CEO diese Aussage nicht. Im letzten Jahr wurde bei einem Umsatz von knapp 4 Milliarden Euro ein EBITA von 130 Millionen Euro gezogen sowie ein EBT von 80 Millionen Euro.
Wegen der Abschreibung auf aktiv latente Steuern blieb allerdings unterm Strich lediglich ein Gewinn von dünnen 7,1 Millionen Euro hängen. Vorteil: In diesem Jahr erscheint es unwahrscheinlich, dass der Posten aktiv latente Steuern erneut wertberichtigt werden muss. Auf Nettobasis schließen wir sodann nicht aus, dass der Nettogewinn steigt, sich aber EBITA und EBT deutlich reduzieren.
Unterm Strich könnte in diesem Jahr ein Nettogewinn zwischen 10 und 30 Millionen Euro drin sein. Oder ein EPS von bis zu 50 Cent. Das wäre angesichts der scharfen Rezession kein schlechtes Ergebnis. Wegweisend für dieses Ertragsniveau wird bereits der Verlauf des laufenden Quartals sein. "Das ist ein sehr wichtiges Quartal für Praktiker, da wir in dieser Periode das Hauptgeschäft haben", so Werner.
Die 1978 gegründete Firmengruppe ist unverändert erheblich unter Buchwert zu haben. Der Börsenwert macht aktuell etwas weniger als ein Drittel des Eigenkapitals aus. Zwar ist es völlig ungewiss, wie scharf sich die Rezession auf das Konsumverhalten auf Garten- und Baumarktartikel auswirkt, aber massive, weitere Einbrüche sind eher unwahrscheinlich. Mit etwas Glück hat Praktiker bereits das Schlimmste hinter sich. Platz für Kurssteigerung könnte also noch reichlich vorhanden.
Aktuell notiert die Aktie bei 4,96 Euro. Das aktuelle Kursplus beträgt satte 72%. Bei Kursen um 5 Euro wird das Unternehmen mit knapp 300 Millionen Euro kapitalisiert. Das ist alles andere als ambitioniert und lässt durchaus Spielraum für weitere Kurssteigerungen.
Praktiker berichtete jüngst über einen schwachen Jahresauftakt. Das war nicht überraschend. Vorstandschef Wolfgang Werner hatte bereits vor 4 Wochen auf der Bilanzpressekonferenz mitgeteilt, dass Q1 wegen der miesen Witterung keine guten News zu erwarten sind. Folglich reduzierte sich der Umsatz um 8% auf knapp 800 Millionen Euro. Das EBITA ist saisonal begingt mit knapp 49,2 Millionen Euro negativ ausgefallen. Unterm Strich verzeichnete die Gesellschaft im 1. Quartal einen Verlust von 36,8 Millionen Euro.
Wie der CEO nunmehr in einer Telefonkonferenz mit Journalisten erläuterte, ist das 2. Quartal bisher sehr gut angelaufen. "Das gute Wetter ist zurück. Das Geschäft geht, auch wenn etwas verspätet, richtig los. Wir sind mit dem Verlauf des Aprils vor allem in Deutschland zufrieden und liegen deutlich über dem Vorjahresniveau des Aprils", sagt Werner.
Ob sich allerdings in diesen Wochen nur der Nachfragerückstau auflöst oder es sich um eine echte Trendwende handelt, vermochte der Manager nicht abschätzen. "Wir haben weiterhin keine klare Sicht und können auch die künftige Entwicklung unseres Geschäfts in Osteuropa nur schwer planen. Die Situation ist weiter angespannt", erklärt Werner.
Fokus ist weiterhin das Cash-Management und das Unternehmen möglichst profitabel durch die Krise zu lenken. 2009 ist es unverändert das Ziel ein angemessenes EBITA zu erzielen. Konkretisieren wollte der CEO diese Aussage nicht. Im letzten Jahr wurde bei einem Umsatz von knapp 4 Milliarden Euro ein EBITA von 130 Millionen Euro gezogen sowie ein EBT von 80 Millionen Euro.
Wegen der Abschreibung auf aktiv latente Steuern blieb allerdings unterm Strich lediglich ein Gewinn von dünnen 7,1 Millionen Euro hängen. Vorteil: In diesem Jahr erscheint es unwahrscheinlich, dass der Posten aktiv latente Steuern erneut wertberichtigt werden muss. Auf Nettobasis schließen wir sodann nicht aus, dass der Nettogewinn steigt, sich aber EBITA und EBT deutlich reduzieren.
Unterm Strich könnte in diesem Jahr ein Nettogewinn zwischen 10 und 30 Millionen Euro drin sein. Oder ein EPS von bis zu 50 Cent. Das wäre angesichts der scharfen Rezession kein schlechtes Ergebnis. Wegweisend für dieses Ertragsniveau wird bereits der Verlauf des laufenden Quartals sein. "Das ist ein sehr wichtiges Quartal für Praktiker, da wir in dieser Periode das Hauptgeschäft haben", so Werner.
Die 1978 gegründete Firmengruppe ist unverändert erheblich unter Buchwert zu haben. Der Börsenwert macht aktuell etwas weniger als ein Drittel des Eigenkapitals aus. Zwar ist es völlig ungewiss, wie scharf sich die Rezession auf das Konsumverhalten auf Garten- und Baumarktartikel auswirkt, aber massive, weitere Einbrüche sind eher unwahrscheinlich. Mit etwas Glück hat Praktiker bereits das Schlimmste hinter sich. Platz für Kurssteigerung könnte also noch reichlich vorhanden.
Armin Brack - Chefredakteur Geldanlage-Report
Strategie-Desaster: Finger weg von Praktiker!
Kein gutes Jahr für Praktiker: Gewinnwarnung, ein katastrophaler Halbjahresbericht, offensichtliche strategische Fehler, der Rücktritt von Chef Wolfgang Werner, die Aktie der Saarländer im Sturzflug auf Allzeittief - abgeschlagen am MDAX-Ende. Seit März belaufen sich die Kursverluste auf mehr als 70 Prozent.
Liegt das Gröbste damit endlich hinter Deutschlands zweitgrößter Baumarktkette? Wohl eher nicht. Mein Rat an die Anleger: Finger weg! Die Praktiker-Papiere sind auch auf aktuellem Niveau kein Schnäppchen...
Selbst Wimbledon-Held Boris Becker als Werbebotschafter konnte das Geschäft bei Praktiker nicht ankurbeln. Die Zahlen, die das Unternehmen veröffentlichte, waren einfach nur grottenschlecht: Trotz besten Grill- und Gartenwetters blieben Umsatz und Ertrag in dem saisonal wichtigen zweiten Quartal weit hinter den auch vom Unternehmen selbst immer wieder kommunizierten Erwartungen zurück.
Tatsächlich ist der Umsatz um fast acht Prozent auf 956,6 Millionen Euro gefallen, bedingt durch eine schwache Nachfrage sowohl in Deutschland als auch international. Der operative Gewinn vor Goodwillabschreibungen sinkt um 35 Prozent auf 41,7 Millionen Euro, netto meldet die Gesellschaft einen Verlust von 307,1 Millionen Euro, nachdem man im Vorjahr noch ein Plus von 25,8 Millionen Euro erwirtschaften konnte. Erwartet war von Analysten lediglich ein Verlust von 139 Millionen Euro, ein bereinigtes Ebita von 49 Millionen Euro und ein Umsatz von 971 Millionen Euro.
*Mehr Qualität und Beratung
Praktiker-Chef Wolfgang Werner, der sich in Boulevardblättern als „Rabatt-König“ feiern ließ, hatte bereits nach der jüngsten Gewinnwarnung das Handtuch geworfen. Er wolle das Unternehmen nur noch so lange führen, bis ein Nachfolger für ihn gefunden sei, ließ Werner ausrichten. Die Begründung für den überraschenden Schritt: Der Strategiewechsel weg vom Preisbrecherimage und hin zu mehr Qualität und Beratung, hat nicht funktioniert. Die von Werner forcierte Expansion in Griechenland und Rumänien erwies sich als Hypothek, als diese Staaten in die Krise rutschten. Jetzt soll es ein anderer richten.
Dieser „andere“ wird es nicht eben leicht haben, denn das Management von Praktiker ließ bereits erklären, man wolle von dem Pfad, der eingeschlagen worden sei, grundsätzlich nicht abweichen. Das hört sich ganz so an wie „Wer A sagt, muss auch B sagen“ und das klingt nicht sehr erfolgversprechend.
Es war zwar richtig, sich von den unprofitablen 20-Prozent-Rabattaktionen und dem legendären Werbespruch („... außer Tiernahrung“) zu verabschieden. Das Unternehmen hatte sich mit den massiven Preisnachlässen selbst an den Rand der Existenzfähigkeit gebracht. Doch stattdessen dann auf ein übersichtlicheres Sortiment mit mehr Eigenmarken zu setzen, konnte man keine verlorenen Marktanteile zurückgewinnen.
Nun soll zunächst der neue Werbeauftritt überarbeitet werden, „aggressiver“ werden. An Boris Becker als Vorzeigeheimwerker – wer nimmt Praktiker eigentlich so etwas ab? – will man festhalten. Im Ausland sind Strukturanpassungen, Kostensenkungen und Personalabbau geplant. Auch die Schließung von Filialen wird nicht mehr ausgeschlossen.
FAZIT:
- Praktiker hat den Trend verschlafen. Nur billig kommt bei den Kunden nicht mehr an. Aber ganz darauf verzichten kann man eben auch nicht. Seit dem Verzicht auf die Rabattaktion bleiben die Kunden fern.
- Es wird lange dauern, bis eine Neupositionierung die gewünschten Ergebnisse bringen wird. Offen ist, wann die Gesellschaft wieder wachsen wird. In der Vergangenheit beruhte das Wachstum hauptsächlich auf Zukäufen.
- Da die Marktkapitalisierung aufgrund des verringerten Kurses immer niedriger wird, ist der Verbleib im MDAX unsicher. Ein Abstieg in den SDAX würde den Kurs der Aktie weiter unter Druck setzen.
- Mittelfristig wieder auf die Beine helfen könnte dem angeschlagenen Unternehmen die „Sonderkonjunktur“ durch die Pläne der Bundesregierung zur Energiewende. Das würde die Baumarkt-Branche insgesamt beflügeln. Allerdings sind Praktiker-Konkurrenten wie OBI weitaus besser aufgestellt.
Strategie-Desaster: Finger weg von Praktiker!
Kein gutes Jahr für Praktiker: Gewinnwarnung, ein katastrophaler Halbjahresbericht, offensichtliche strategische Fehler, der Rücktritt von Chef Wolfgang Werner, die Aktie der Saarländer im Sturzflug auf Allzeittief - abgeschlagen am MDAX-Ende. Seit März belaufen sich die Kursverluste auf mehr als 70 Prozent.
Liegt das Gröbste damit endlich hinter Deutschlands zweitgrößter Baumarktkette? Wohl eher nicht. Mein Rat an die Anleger: Finger weg! Die Praktiker-Papiere sind auch auf aktuellem Niveau kein Schnäppchen...
Selbst Wimbledon-Held Boris Becker als Werbebotschafter konnte das Geschäft bei Praktiker nicht ankurbeln. Die Zahlen, die das Unternehmen veröffentlichte, waren einfach nur grottenschlecht: Trotz besten Grill- und Gartenwetters blieben Umsatz und Ertrag in dem saisonal wichtigen zweiten Quartal weit hinter den auch vom Unternehmen selbst immer wieder kommunizierten Erwartungen zurück.
Tatsächlich ist der Umsatz um fast acht Prozent auf 956,6 Millionen Euro gefallen, bedingt durch eine schwache Nachfrage sowohl in Deutschland als auch international. Der operative Gewinn vor Goodwillabschreibungen sinkt um 35 Prozent auf 41,7 Millionen Euro, netto meldet die Gesellschaft einen Verlust von 307,1 Millionen Euro, nachdem man im Vorjahr noch ein Plus von 25,8 Millionen Euro erwirtschaften konnte. Erwartet war von Analysten lediglich ein Verlust von 139 Millionen Euro, ein bereinigtes Ebita von 49 Millionen Euro und ein Umsatz von 971 Millionen Euro.
*Mehr Qualität und Beratung
Praktiker-Chef Wolfgang Werner, der sich in Boulevardblättern als „Rabatt-König“ feiern ließ, hatte bereits nach der jüngsten Gewinnwarnung das Handtuch geworfen. Er wolle das Unternehmen nur noch so lange führen, bis ein Nachfolger für ihn gefunden sei, ließ Werner ausrichten. Die Begründung für den überraschenden Schritt: Der Strategiewechsel weg vom Preisbrecherimage und hin zu mehr Qualität und Beratung, hat nicht funktioniert. Die von Werner forcierte Expansion in Griechenland und Rumänien erwies sich als Hypothek, als diese Staaten in die Krise rutschten. Jetzt soll es ein anderer richten.
Dieser „andere“ wird es nicht eben leicht haben, denn das Management von Praktiker ließ bereits erklären, man wolle von dem Pfad, der eingeschlagen worden sei, grundsätzlich nicht abweichen. Das hört sich ganz so an wie „Wer A sagt, muss auch B sagen“ und das klingt nicht sehr erfolgversprechend.
Es war zwar richtig, sich von den unprofitablen 20-Prozent-Rabattaktionen und dem legendären Werbespruch („... außer Tiernahrung“) zu verabschieden. Das Unternehmen hatte sich mit den massiven Preisnachlässen selbst an den Rand der Existenzfähigkeit gebracht. Doch stattdessen dann auf ein übersichtlicheres Sortiment mit mehr Eigenmarken zu setzen, konnte man keine verlorenen Marktanteile zurückgewinnen.
Nun soll zunächst der neue Werbeauftritt überarbeitet werden, „aggressiver“ werden. An Boris Becker als Vorzeigeheimwerker – wer nimmt Praktiker eigentlich so etwas ab? – will man festhalten. Im Ausland sind Strukturanpassungen, Kostensenkungen und Personalabbau geplant. Auch die Schließung von Filialen wird nicht mehr ausgeschlossen.
FAZIT:
- Praktiker hat den Trend verschlafen. Nur billig kommt bei den Kunden nicht mehr an. Aber ganz darauf verzichten kann man eben auch nicht. Seit dem Verzicht auf die Rabattaktion bleiben die Kunden fern.
- Es wird lange dauern, bis eine Neupositionierung die gewünschten Ergebnisse bringen wird. Offen ist, wann die Gesellschaft wieder wachsen wird. In der Vergangenheit beruhte das Wachstum hauptsächlich auf Zukäufen.
- Da die Marktkapitalisierung aufgrund des verringerten Kurses immer niedriger wird, ist der Verbleib im MDAX unsicher. Ein Abstieg in den SDAX würde den Kurs der Aktie weiter unter Druck setzen.
- Mittelfristig wieder auf die Beine helfen könnte dem angeschlagenen Unternehmen die „Sonderkonjunktur“ durch die Pläne der Bundesregierung zur Energiewende. Das würde die Baumarkt-Branche insgesamt beflügeln. Allerdings sind Praktiker-Konkurrenten wie OBI weitaus besser aufgestellt.
Warburg Research hat die Einstufung für Praktiker nach der Bekanntgabe weiterer Details zum Umstrukturierungsplan auf "Sell" mit einem Kursziel von 1,20 Euro belassen. Angesichts des dringend erforderlichen Umbaubedarfs der Baumarktkette sei eine Kapitalerhöhung erforderlich, schrieb Analyst Thilo Kleibauer in einer Studie. Dennoch sei eine schnelle operative Trendwende unwahrscheinlich. Der Umsatz im zweiten Quartal könnte wegen ungünstiger Wetterbedingungen rückläufig sein. Quelle: APA-dpa-AFX-Analyser
Praktiker ist weiterhin auf dem Weg zur 1-Euro-Marke, wobei heute mit einer kurzen Gegenbewegung gerechnet werden kann. Kurse bis 1,50 Euro wären möglich, aber mehr sollte man vorerst nicht erwarten.
* Aktienalarm MoneyMoney
Praktiker ist weiterhin auf dem Weg zur 1-Euro-Marke, wobei heute mit einer kurzen Gegenbewegung gerechnet werden kann. Kurse bis 1,50 Euro wären möglich, aber mehr sollte man vorerst nicht erwarten.
* Aktienalarm MoneyMoney
Praktiker-Aktionäre legen Sanierungsplan vor
Für die Praktiker AG liegt offenbar ein von den Großaktionären getragenes alternatives Sanierungskonzept vor. Demnach sollen die meisten Praktiker-Baumärkte unter andere Markendächer schlüpfen. Ex-Obi-Deutschlandchef Andreas Sandmann soll Praktiker dann als Discounter neu positionieren.
Die Großaktionäre der Baumarktkette Praktiker haben einem der "Wirtschaftswoche" zufolge mit einem eigenen Sanierungskonzept bei Anlegern um Kapital für die angeschlagene Baumarktkette geworben. Die österreichische Privatbank Semper Constantia und der Fonds Maseltov hätten Investoren am 5. Juni in Hamburg ein alternatives Sanierungskonzept namens "Spark" vorgestellt, berichtete das Magazin unter Berufung auf Teilnehmerkreise
Das von Maseltov-Fondsmanagerin Isabella de Krassny präsentierte Konzept sehe zwar ein Drei-Säulen-Modell vor, in dem wie beim Vorstandskonzept die norddeutsche Tochter Max Bahr zur neuen Kernmarke ausgebaut werden solle. Aber anders als von der Konzernführung geplant, sollten demnach nur rund 60 bis 80 große Praktiker-Märkte auf die profitable Marke Max Bahr umflaggen. Etwa 25 kleinere Praktiker-Filialen könnten unter der Marke Extra Bau + Hobby geführt und von Franchisenehmern betrieben werden.
Die verbleibenden Praktiker-Märkte solle ein vierköpfiger Vorstand um den früheren Obi-Deutschland-Chef Andreas Sandmann wieder als Discounter positionieren. Mit diesem Konzept wolle die Privatbank den Gewinn (Ebitda) der Baumarktkette bis zum Jahr 2014 auf mehr als 180 Millionen Euro steigern, berichtete das Magazin.
Griechische Landesgesellschaften als Sicherheit
Das Investitionsvolumen hätten die Semper-Vertreter in Hamburg mit rund 100 Millionen Euro veranschlagt. Der "Wirtschaftswoche" zufolge versuchten sie die Teilnehmer der Runde davon zu überzeugen, Kapital für ein hochverzinstes Sanierungsdarlehen zur Verfügung zu stellen. Als Sicherheiten für einen Betrag von 75 bis 85 Millionen Euro sollten demnach Max Bahr und die Praktiker-Landesgesellschaft in Griechenland dienen.
De Krassny und Praktiker waren zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Praktiker hatte sich mit jahrelangen Rabattaktionen in eine Sackgasse manövriert. Zur Sanierung will sich der Konzern von Aktionären und Kreditgebern 235 Millionen Euro besorgen und einen Großteil der Praktiker-Baumärkte auf die besser laufende Konzernmarke Max Bahr umstellen.
De Krassny hat die Schuldenpläne des Vorstands kritisiert und befürchtet auch eine Verwässerung der von ihr vertretenen Anteile durch die geplante Kapitalerhöhung. Maseltov ist mit rund 10 Prozent der Aktien der größte Einzelaktionär des ums Überleben ringenden Konzerns. De Krassny spricht auch für den Großaktionär Semper Constantia, der rund 5 Prozent der Aktien hält.
Praktiker hatte sich über Jahre hinweg mit dem Slogan "20 Prozent auf alles, außer Tiernahrung" in die roten Zahlen manövriert. Die Baumarktkette war zuletzt auch durch Rochaden im Vorstand aufgefallen.
In der aktuellen Juli-Ausgabe berichtet das manager magazin, dass vor allem der als Sanierer angetretene Ex-Vorstandsvorsitzende Thomas Fox zuletzt gegen die restliche Führungscrew und den Aufsichtsrat gearbeitet hatte
Die Großaktionäre der Baumarktkette Praktiker haben einem der "Wirtschaftswoche" zufolge mit einem eigenen Sanierungskonzept bei Anlegern um Kapital für die angeschlagene Baumarktkette geworben. Die österreichische Privatbank Semper Constantia und der Fonds Maseltov hätten Investoren am 5. Juni in Hamburg ein alternatives Sanierungskonzept namens "Spark" vorgestellt, berichtete das Magazin unter Berufung auf Teilnehmerkreise
Das von Maseltov-Fondsmanagerin Isabella de Krassny präsentierte Konzept sehe zwar ein Drei-Säulen-Modell vor, in dem wie beim Vorstandskonzept die norddeutsche Tochter Max Bahr zur neuen Kernmarke ausgebaut werden solle. Aber anders als von der Konzernführung geplant, sollten demnach nur rund 60 bis 80 große Praktiker-Märkte auf die profitable Marke Max Bahr umflaggen. Etwa 25 kleinere Praktiker-Filialen könnten unter der Marke Extra Bau + Hobby geführt und von Franchisenehmern betrieben werden.
Die verbleibenden Praktiker-Märkte solle ein vierköpfiger Vorstand um den früheren Obi-Deutschland-Chef Andreas Sandmann wieder als Discounter positionieren. Mit diesem Konzept wolle die Privatbank den Gewinn (Ebitda) der Baumarktkette bis zum Jahr 2014 auf mehr als 180 Millionen Euro steigern, berichtete das Magazin.
Griechische Landesgesellschaften als Sicherheit
Das Investitionsvolumen hätten die Semper-Vertreter in Hamburg mit rund 100 Millionen Euro veranschlagt. Der "Wirtschaftswoche" zufolge versuchten sie die Teilnehmer der Runde davon zu überzeugen, Kapital für ein hochverzinstes Sanierungsdarlehen zur Verfügung zu stellen. Als Sicherheiten für einen Betrag von 75 bis 85 Millionen Euro sollten demnach Max Bahr und die Praktiker-Landesgesellschaft in Griechenland dienen.
De Krassny und Praktiker waren zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Praktiker hatte sich mit jahrelangen Rabattaktionen in eine Sackgasse manövriert. Zur Sanierung will sich der Konzern von Aktionären und Kreditgebern 235 Millionen Euro besorgen und einen Großteil der Praktiker-Baumärkte auf die besser laufende Konzernmarke Max Bahr umstellen.
De Krassny hat die Schuldenpläne des Vorstands kritisiert und befürchtet auch eine Verwässerung der von ihr vertretenen Anteile durch die geplante Kapitalerhöhung. Maseltov ist mit rund 10 Prozent der Aktien der größte Einzelaktionär des ums Überleben ringenden Konzerns. De Krassny spricht auch für den Großaktionär Semper Constantia, der rund 5 Prozent der Aktien hält.
Praktiker hatte sich über Jahre hinweg mit dem Slogan "20 Prozent auf alles, außer Tiernahrung" in die roten Zahlen manövriert. Die Baumarktkette war zuletzt auch durch Rochaden im Vorstand aufgefallen.
In der aktuellen Juli-Ausgabe berichtet das manager magazin, dass vor allem der als Sanierer angetretene Ex-Vorstandsvorsitzende Thomas Fox zuletzt gegen die restliche Führungscrew und den Aufsichtsrat gearbeitet hatte
Praktiker sucht Zuflucht bei Anchorage
Der Preis ist hoch: Um das Überleben ihrer Baumarktkette zu sichern, haben sich Praktiker-Aktionäre und Vorstand in die Hände des US-Investors Anchorage gerettet - und in einen Deal mit der Großaktionärin Isabella de Krassny. Konzernchef Kay Hafner muss nun um seine Zukunft bangen.
Der Paukenschlag auf der Praktiker-Hauptversammlung blieb aus. Und doch schepperte es gewaltig. Zwar stimmten die kritischen Aktionäre unter Wortführerin Isabella de Krassny dem Sanierungskonzept des Vorstands zu, um dessen Zustimmung Praktiker-Chef Kay Hafner und sein Finanzvorstand Markus Schürholz zuvor vehement geworben hatten. Doch der Preis ist für beide Seiten hoch.
Die Aktionäre akzeptierten mangels einer eigenen Finanzierungslösung zähneknirschend die harten Finanzierungsbedingungen der Beteiligungsgesellschaft Anchorage - unter anderem ein hochverzinstes Darlehen, die Verpfändung der Tochter Max Bahr und eine Optionen auf 15 Prozent Aktienanteil an der Praktiker AG.
Vorstand und Aufsichtsrat beugten sich hingegen einigen der personellen Wünsche der Großaktionärssprecherin. So verlieren Ebbe Pelle Jacobsen und Kay Hafner ihre Aufsichtsratssitze. Ersetzt werden sie zum einen durch Erhard Grossnigg, Vorsitzender der mit 5 Prozent an Praktiker beteiligten österreichischen Privatbank Semper Constantia. Zum anderen durch Armin Burger, früher Chef der Aldi-Tochter Hofer in Österreich und heute Generaldirektor des Immobilieninvestors Vienna Estate. Darüber hinaus setzten die Aktionäre durch, dass aktiv nach neuen Vorständen gesucht werden soll - vor allem für die Ressorts Einkauf und Vertrieb. Ohne das dieser Name offiziell genannt wurde, gilt als sicher, dass einer dieser neuen Vorstände de Krassnys Wunschkandidat, der ehemalige Obi-Manager Andreas Sandmann sein wird. "Er ist vom Fach", sagte de Krassny.
Wirklich glücklich wirkte auch sie am Ende nicht. "Ich bin immer noch gegen dieses sanierungskonzept", sagte de Krassny nach der Einigung. Aber ohne ihre Zustimmung hätte Anchorage den Vertrag gleich platzen lassen. "Ich bin gezwungen worden zuzustimmen."
Die Zustimmung bewegte schließlich auch den Aktienkurs von Praktiker. Im vorbörslichen Handel notierten die im SDax gelisteten Anteilsscheine 12,9 Prozent höher, berichtet das Brokerhaus Lang & Schwarz. Am Vortag hatten die Aktien 5,4 Prozent auf 1,28 Euro eingebüßt,
Aufsichtsratchef von Schenk: "Es wird noch heißer werden"
Dem Kompromiss und der Zustimmung der kritischen Aktionäre war eine zwölfstündige Debatte vorausgegangen. Wobei es schon vor der eigentlichen Generaldebatte heiß her ging, was zunächst allerdings weniger mit den Redebeiträgen zu tun hatte, sondern mit bautechnischen Gründen. Denn das in Alsternähe gelegene Hamburger Curio-Haus, an dem sich die gut 200 Aktionäre der Baumarktkette versammelt hatten, verfügt nicht über eine funktionierende Klimaanlage. "Es dürfte im Verlauf der Veranstaltung noch heißer werden", sagte Kersten von Schenk, Aufsichtsratsvorsitzender und Versammlungsleiter, bevor er mit der Erläuterung der Geschäftsordnung fortsetzte.
Wie heiß die Hauptversammlung werden würde, wurde rund eine Minute später deutlich - als der Kleinaktionär Manfred Klein von seinem Stuhl aufsprang und sagte: "Die Ausführungen unseres Versammlungsleiters sind falsch." Der Grund: Klein hatte einen Gegenantrag gestellt und beschwerte sich darüber, dass dieser nicht ordnungsgemäß auf der Praktiker-Website veröffentlicht worden sei. Drei weitere Male unterbrach Klein den Versammlungsleiter und lief ans Rednerpult, um den Ausführungen Schenks zu widersprechen.
Der vorsichtige Applaus, den Klein für dieses erste Störfeuer erntete, glich in etwa jenem, den der wenige Minuten später ans Rednerpult tretende Vorstandschef Kay Hafner erhielt. Hafner, selbst Aufsichtsrat und seit Mai zudem Vorstandschef der maladen Baumarktkette, fand deutliche Worte: "Wir erleben heute, meine Damen und Herren, die zweifelsohne wichtigste Hauptversammlung der Konzerngeschichte." An diesem Tage gehe es um mehr als um den Jahresabschluss oder die Entlastung des Vorstands und Aufsichtsrats. "Es geht um die Zukunft, oder noch konkreter: es geht ums Überleben!"
Dabei setzte Hafner den Aktionären die Pistole auf die Brust: Er müsse nicht erklären, was es bedeuten würde, wenn die Frage nach der Zustimmung zum Sanierungskonzept verneint würde, sagte er. Dies gelte "für 24.000 Mitarbeiter im In- und Ausland - und für Ihren Kapitaleinsatz."
Dass diese Frage indes bis zum Abend offen blieb, dafür sorgten jedoch schon frühzeitig jene Aktionäre und Aktionärsvertreter, die einer nach dem anderen ankündigten, den Vorstand nicht entlasten zu wollen. "Herr Hafner, Sie haben gesagt, es geht uns Überleben und was das bedeutet, müssten Sie uns nicht sagen", sagte Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Und genau dies habe der Vorstand getan. "Sie haben uns nicht gesagt, was Sie vorhaben."
Dirk Unrau, Vertreter der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, berichtete seinerseits von einem Gespräch mit einem Aktionär, der ihn auf dem Flur gefragt habe, ob sich Vorstand und Aufsichtsrat möglicherweise in der Tagesordnung verschrieben hätten, "weil es doch in der Tagesordnung heiße, Sie wollten um Ihre Entlastung bitten, obwohl es doch eher heißen müsste, um Ihre Entlassung", sagte Unrau an Vorstand und Aufsichtsrat gerichtet.
Der Aufruhr der Aktionäre war an diesem Tag gleich auf mehrere Gründe zurückzuführen. Wobei die finanziellen Probleme, in denen die Praktiker AG steckt, noch vergleichsweise leicht zu erklären sind. Denn es reicht im Grunde eine Zahl, um sie zu beziffern: 555 Millionen Euro Jahresfehlbetragt - bei 3,2 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr.
Ein Problem, drei Konzepte
Bei der Lösung des Problems wird es indes kompliziert. Denn gleich drei Sanierungskonzepte konkurrierten bis vor kurzem darum, die Baumarktkette in die Zukunft zu führen.
Den Anfang hatte Hafners Vorgänger Thomas Fox gemacht. Der Westfale, bekannt geworden als Feuerwehrmann für Insolvenzfälle wie der Warenhauskette Karstadt, dem Möbelhersteller Schieder und der Drogeriemarktkette "Ihr Platz" hatte bei seinem gemeinsam mit der Boston Consulting Group entwickelten Sanierungskonzept für die Bauhauskette eigentlich mit der Kettensäge geplant.
Bis zu 1400 der insgesamt 10.800 Praktiker-Mitarbeiter in Deutschland sollten gehen, rund 30 der bundesweit 236 Märkte möglichst schnell geschlossen werden. Die Zentrale des ehemaligen MDax-Unternehmens sollte darüber hinaus aus dem saarländischen Kirkel nach Hamburg verlegt werden, wo die profitabel arbeitende Praktiker-Tochter Max Bahr schon heute ihren Sitz hat. Erklärtes Ziel war zudem, möglichst viele Märkte des gescheiterten Preisbrechers Praktiker ("20 Prozent auf alles, außer Tiernahrung") auf die vor allem in Norddeutschland verbreitete Premiummarke Max Bahr umzuflaggen
Aus 300 Millionen Finanzbedarf wurden 160 Millionen
Doch Fox scheiterte. Mitte Mai wurde der als Sanierer angetretene Manager - nach nur acht Monaten - geschasst. Über die Gründe wurde seither spekuliert. Im Raum steht der Verdacht, dass Fox die Praktiker AG gezielt in die Insolvenz führen wollte, um sich so den finanziellen Altlasten zu entledigen. Auch die für die Sanierung benötigten 300 Millionen Euro waren offenbar schwieriger zu beschaffen als geplant. Die Banken waren schon im Februar in Sorge, überhaupt nur die bestehenden Kreditlinien bis September zu verlängern. Anleihegläubiger des Unternehmens hatte Fox mit im März mit der Forderung verschreckt, sie sollten sich statt mit einer Verzinsung von 5,875 Prozent mit einem Prozent zufrieden geben - vergeblich.
Fox' Nachfolger wurde Kay Hafner, seit 2006 Aufsichtsrat der Baumarktkette. Die Kettensäge legte Hafner zur Seite. Stattdessen ließ er sich von den Beratern Roland Bergers ein alternatives Sanierungskonzept durchrechnen. Demnach verlieren nun deutlich weniger Mitarbeiter als unter Fox geplant ihren Job. Auch die vorzeitige Schließung von 30 Praktiker-Märkten ist abgesagt. Verlustbringer sollen so lange geöffnet bleiben bis die Mietverträge auslaufen - was für bis zu 20 Märkte bis Ende 2016 gilt.
Ein bisschen Fox steckt aber auch im Sanierungskonzept der aktuellen Konzernführung. Denn die Marke Max Bahr soll weiterhin deutlich ausgebaut werden. Rund 120 Praktiker-Märkte sollen von Kostenführerschaft auf Qualitätsführerschaft getrimmt, also von Praktiker-Blau auf Max-Bahr-Gelb umgeflaggt werden. Auch am Umzug nach Hamburg, der bis September abgeschlossen sein soll, hält Hafner fest.
Schreckgespenst Anchorage
Kern und Streitpunkt des Konzeptes ist indes die Finanzierung. Statt den von Fox veranschlagten mehr als 300 Millionen Euro sollen nun 160 Millionen Euro reichen, um die Praktiker AG zu sanieren. Ein Teil das Betrags soll nach dem heutigen Beschluss durch eine Kapitalerhöhung eingesammelt werden - was rund 60 Millionen Euro einbringt.
Etwas mehr als die Hälfte des Betrags - 85 Millionen Euro - trägt hingegen die New Yorker Beteiligungsgesellschaft Anchorage bei. Wobei Anchorage ein vorrangig besichertes und mit mehr als 15 Prozent verzinstes Darlehen zur Verfügung stellt. Die Sicherheit schließt das nach Einschätzung von Experten wertvollste Asset der Praktiker AG mit ein: die derzeit 78 Baumärkte von Max Bahr. Darüber hinaus hat sich die Private-Equity-Gesellschaft Bezugsrechte für bis zu 15 Prozent der Praktiker-Aktien zusichern lassen.
"Wir können Ihnen keinen anderen Finanzierungsvorschlag unterbreiten, weil es zu dem dargestellten Finanzierungskonzept keine Alternativen gibt", sagte Praktiker-CFO Markus Schürholz, als er die Eckdaten des Finanzierungskonzeptes präsentierte.
Doch genau dies wurde in der Generaldebatte von fast allen Rednern bestritten. Und umso gespannter waren die anwesenden Aktionäre schließlich, was die größte Gegnerin des Anchorage-Konzepts sagen würde: Isabella de Krassny
Drei-Säulen-Konzept als Alternative
Die österreichische Fondsmanagerin - Ehefrau des Industriellen Alain de Krassny - gilt als Wortführerin der Gegner des Anchorage-Konzepts. Als sie aufgerufen wurde, wandten sich viele Aktionäre im Saal um, um zu sehen, wer da durch den Saal in Richtung Mikrofon schreiten würde. Nach kurzer Stille stand eine schlanke blonde Frau in hellgrünem Kleid und mit goldenen Ohrringen auf. Ruhig schritt sie ans Rednerpult.
"Grüß Gott, ich bin die, die seit einigen Monaten verzweifelt um die Zukunft dieses Unternehmens kämpft", sagte die Vertreterin der österreichischen Privatbank Semper Constantia und der Investmentgesellschaft Maseltov, die zusammen rund 15 Prozent der Aktionärsstimmen auf sich vereinigen. Mühe, ihren Frust über Aufsichtsrat und Vorstand zu verbergen, gab sie sich gar nicht erst. "Die haben uns abblitzen lassen", sagte de Krassny an Vorstand und Aufsichtsrat gerichtet. Der Hintergrund: Schon vor Monaten hatte sie den Beteiligten ihr eigenes Sanierungskonzept vorgelegt.
Im Unterschied zum "Anchorage"-Konzept schlägt de Krassny in ihrem als "Spark"-Konzept bezeichneten Alternativplan ein Drei-Säulen-Konzept vor: Demnach soll die Premiummarke Max Bahr zwar gestärkt, allerdings nur 60 bis 80 Märkte der Billigmarke Praktiker umgestellt werden. Kleinere Märkte sollen zudem an Franchisepartner gehen und dafür eine dritte Marke mit Namen "Extra Bau + Hobby" geschaffen werden.
de Krassny: "Die haben uns abblitzten lassen"
Der Sanierungsaufwand liegt nach Ansicht de Krassnys bei rund 100 Millionen Euro - also erheblich niedriger als die 160 Millionen Hafners oder die 300 Millionen Euro, die Ex-Praktiker-Sanierer Fox einst veranschlagt hatte. Semper Constantia, Maseltov und Co. wollen das Geld im Wesentlichen durch ein hochverzinstes Sanierungsdarlehen aufbringen, das mit Max Bahr und der Praktiker-Landesgesellschaft in Griechenland besichert ist.
So sympathisch das Konzept und die Personalvorschläge vielen Aktionären wären, so wenig konnten die Anteilseigner dem mit ihrer Stimme auf der Hauptversammlung direkt Ausdruck verleihen. Der Grund: Die Mail, in der Isabella de Krassny eine außerordentliche Hauptversammlung beantragt hatte, fehlte eine elektronische Signatur. "Der Vorstand hat uns einfach abblitzten lassen", sagte die Aktionärsvertreterin.
Abblitzen ließ sie sich zumindest auf der Hauptversammlung nicht. Und das der ehemalige Obi-Manager Andreas Sandmann den Vorstandsvorsitz der Praktiker AG nicht sofort der Vorstandsvorsitz übernommen hat und nicht weitere Aufsichtsräte gehen mussten, lag vor allem daran, dass auch für die Österreicherin zu viel auf dem Spiel stand.
Dies, daran ließ sie indes keinen Zweifel, könne sich schnell ändern, wenn es gelingt, doch noch die nötigen alternativen Kapitalgeber zu finden
Der Paukenschlag auf der Praktiker-Hauptversammlung blieb aus. Und doch schepperte es gewaltig. Zwar stimmten die kritischen Aktionäre unter Wortführerin Isabella de Krassny dem Sanierungskonzept des Vorstands zu, um dessen Zustimmung Praktiker-Chef Kay Hafner und sein Finanzvorstand Markus Schürholz zuvor vehement geworben hatten. Doch der Preis ist für beide Seiten hoch.
Die Aktionäre akzeptierten mangels einer eigenen Finanzierungslösung zähneknirschend die harten Finanzierungsbedingungen der Beteiligungsgesellschaft Anchorage - unter anderem ein hochverzinstes Darlehen, die Verpfändung der Tochter Max Bahr und eine Optionen auf 15 Prozent Aktienanteil an der Praktiker AG.
Vorstand und Aufsichtsrat beugten sich hingegen einigen der personellen Wünsche der Großaktionärssprecherin. So verlieren Ebbe Pelle Jacobsen und Kay Hafner ihre Aufsichtsratssitze. Ersetzt werden sie zum einen durch Erhard Grossnigg, Vorsitzender der mit 5 Prozent an Praktiker beteiligten österreichischen Privatbank Semper Constantia. Zum anderen durch Armin Burger, früher Chef der Aldi-Tochter Hofer in Österreich und heute Generaldirektor des Immobilieninvestors Vienna Estate. Darüber hinaus setzten die Aktionäre durch, dass aktiv nach neuen Vorständen gesucht werden soll - vor allem für die Ressorts Einkauf und Vertrieb. Ohne das dieser Name offiziell genannt wurde, gilt als sicher, dass einer dieser neuen Vorstände de Krassnys Wunschkandidat, der ehemalige Obi-Manager Andreas Sandmann sein wird. "Er ist vom Fach", sagte de Krassny.
Wirklich glücklich wirkte auch sie am Ende nicht. "Ich bin immer noch gegen dieses sanierungskonzept", sagte de Krassny nach der Einigung. Aber ohne ihre Zustimmung hätte Anchorage den Vertrag gleich platzen lassen. "Ich bin gezwungen worden zuzustimmen."
Die Zustimmung bewegte schließlich auch den Aktienkurs von Praktiker. Im vorbörslichen Handel notierten die im SDax gelisteten Anteilsscheine 12,9 Prozent höher, berichtet das Brokerhaus Lang & Schwarz. Am Vortag hatten die Aktien 5,4 Prozent auf 1,28 Euro eingebüßt,
Aufsichtsratchef von Schenk: "Es wird noch heißer werden"
Dem Kompromiss und der Zustimmung der kritischen Aktionäre war eine zwölfstündige Debatte vorausgegangen. Wobei es schon vor der eigentlichen Generaldebatte heiß her ging, was zunächst allerdings weniger mit den Redebeiträgen zu tun hatte, sondern mit bautechnischen Gründen. Denn das in Alsternähe gelegene Hamburger Curio-Haus, an dem sich die gut 200 Aktionäre der Baumarktkette versammelt hatten, verfügt nicht über eine funktionierende Klimaanlage. "Es dürfte im Verlauf der Veranstaltung noch heißer werden", sagte Kersten von Schenk, Aufsichtsratsvorsitzender und Versammlungsleiter, bevor er mit der Erläuterung der Geschäftsordnung fortsetzte.
Wie heiß die Hauptversammlung werden würde, wurde rund eine Minute später deutlich - als der Kleinaktionär Manfred Klein von seinem Stuhl aufsprang und sagte: "Die Ausführungen unseres Versammlungsleiters sind falsch." Der Grund: Klein hatte einen Gegenantrag gestellt und beschwerte sich darüber, dass dieser nicht ordnungsgemäß auf der Praktiker-Website veröffentlicht worden sei. Drei weitere Male unterbrach Klein den Versammlungsleiter und lief ans Rednerpult, um den Ausführungen Schenks zu widersprechen.
Der vorsichtige Applaus, den Klein für dieses erste Störfeuer erntete, glich in etwa jenem, den der wenige Minuten später ans Rednerpult tretende Vorstandschef Kay Hafner erhielt. Hafner, selbst Aufsichtsrat und seit Mai zudem Vorstandschef der maladen Baumarktkette, fand deutliche Worte: "Wir erleben heute, meine Damen und Herren, die zweifelsohne wichtigste Hauptversammlung der Konzerngeschichte." An diesem Tage gehe es um mehr als um den Jahresabschluss oder die Entlastung des Vorstands und Aufsichtsrats. "Es geht um die Zukunft, oder noch konkreter: es geht ums Überleben!"
Dabei setzte Hafner den Aktionären die Pistole auf die Brust: Er müsse nicht erklären, was es bedeuten würde, wenn die Frage nach der Zustimmung zum Sanierungskonzept verneint würde, sagte er. Dies gelte "für 24.000 Mitarbeiter im In- und Ausland - und für Ihren Kapitaleinsatz."
Dass diese Frage indes bis zum Abend offen blieb, dafür sorgten jedoch schon frühzeitig jene Aktionäre und Aktionärsvertreter, die einer nach dem anderen ankündigten, den Vorstand nicht entlasten zu wollen. "Herr Hafner, Sie haben gesagt, es geht uns Überleben und was das bedeutet, müssten Sie uns nicht sagen", sagte Markus Neumann von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Und genau dies habe der Vorstand getan. "Sie haben uns nicht gesagt, was Sie vorhaben."
Dirk Unrau, Vertreter der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, berichtete seinerseits von einem Gespräch mit einem Aktionär, der ihn auf dem Flur gefragt habe, ob sich Vorstand und Aufsichtsrat möglicherweise in der Tagesordnung verschrieben hätten, "weil es doch in der Tagesordnung heiße, Sie wollten um Ihre Entlastung bitten, obwohl es doch eher heißen müsste, um Ihre Entlassung", sagte Unrau an Vorstand und Aufsichtsrat gerichtet.
Der Aufruhr der Aktionäre war an diesem Tag gleich auf mehrere Gründe zurückzuführen. Wobei die finanziellen Probleme, in denen die Praktiker AG steckt, noch vergleichsweise leicht zu erklären sind. Denn es reicht im Grunde eine Zahl, um sie zu beziffern: 555 Millionen Euro Jahresfehlbetragt - bei 3,2 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr.
Ein Problem, drei Konzepte
Bei der Lösung des Problems wird es indes kompliziert. Denn gleich drei Sanierungskonzepte konkurrierten bis vor kurzem darum, die Baumarktkette in die Zukunft zu führen.
Den Anfang hatte Hafners Vorgänger Thomas Fox gemacht. Der Westfale, bekannt geworden als Feuerwehrmann für Insolvenzfälle wie der Warenhauskette Karstadt, dem Möbelhersteller Schieder und der Drogeriemarktkette "Ihr Platz" hatte bei seinem gemeinsam mit der Boston Consulting Group entwickelten Sanierungskonzept für die Bauhauskette eigentlich mit der Kettensäge geplant.
Bis zu 1400 der insgesamt 10.800 Praktiker-Mitarbeiter in Deutschland sollten gehen, rund 30 der bundesweit 236 Märkte möglichst schnell geschlossen werden. Die Zentrale des ehemaligen MDax-Unternehmens sollte darüber hinaus aus dem saarländischen Kirkel nach Hamburg verlegt werden, wo die profitabel arbeitende Praktiker-Tochter Max Bahr schon heute ihren Sitz hat. Erklärtes Ziel war zudem, möglichst viele Märkte des gescheiterten Preisbrechers Praktiker ("20 Prozent auf alles, außer Tiernahrung") auf die vor allem in Norddeutschland verbreitete Premiummarke Max Bahr umzuflaggen
Aus 300 Millionen Finanzbedarf wurden 160 Millionen
Doch Fox scheiterte. Mitte Mai wurde der als Sanierer angetretene Manager - nach nur acht Monaten - geschasst. Über die Gründe wurde seither spekuliert. Im Raum steht der Verdacht, dass Fox die Praktiker AG gezielt in die Insolvenz führen wollte, um sich so den finanziellen Altlasten zu entledigen. Auch die für die Sanierung benötigten 300 Millionen Euro waren offenbar schwieriger zu beschaffen als geplant. Die Banken waren schon im Februar in Sorge, überhaupt nur die bestehenden Kreditlinien bis September zu verlängern. Anleihegläubiger des Unternehmens hatte Fox mit im März mit der Forderung verschreckt, sie sollten sich statt mit einer Verzinsung von 5,875 Prozent mit einem Prozent zufrieden geben - vergeblich.
Fox' Nachfolger wurde Kay Hafner, seit 2006 Aufsichtsrat der Baumarktkette. Die Kettensäge legte Hafner zur Seite. Stattdessen ließ er sich von den Beratern Roland Bergers ein alternatives Sanierungskonzept durchrechnen. Demnach verlieren nun deutlich weniger Mitarbeiter als unter Fox geplant ihren Job. Auch die vorzeitige Schließung von 30 Praktiker-Märkten ist abgesagt. Verlustbringer sollen so lange geöffnet bleiben bis die Mietverträge auslaufen - was für bis zu 20 Märkte bis Ende 2016 gilt.
Ein bisschen Fox steckt aber auch im Sanierungskonzept der aktuellen Konzernführung. Denn die Marke Max Bahr soll weiterhin deutlich ausgebaut werden. Rund 120 Praktiker-Märkte sollen von Kostenführerschaft auf Qualitätsführerschaft getrimmt, also von Praktiker-Blau auf Max-Bahr-Gelb umgeflaggt werden. Auch am Umzug nach Hamburg, der bis September abgeschlossen sein soll, hält Hafner fest.
Schreckgespenst Anchorage
Kern und Streitpunkt des Konzeptes ist indes die Finanzierung. Statt den von Fox veranschlagten mehr als 300 Millionen Euro sollen nun 160 Millionen Euro reichen, um die Praktiker AG zu sanieren. Ein Teil das Betrags soll nach dem heutigen Beschluss durch eine Kapitalerhöhung eingesammelt werden - was rund 60 Millionen Euro einbringt.
Etwas mehr als die Hälfte des Betrags - 85 Millionen Euro - trägt hingegen die New Yorker Beteiligungsgesellschaft Anchorage bei. Wobei Anchorage ein vorrangig besichertes und mit mehr als 15 Prozent verzinstes Darlehen zur Verfügung stellt. Die Sicherheit schließt das nach Einschätzung von Experten wertvollste Asset der Praktiker AG mit ein: die derzeit 78 Baumärkte von Max Bahr. Darüber hinaus hat sich die Private-Equity-Gesellschaft Bezugsrechte für bis zu 15 Prozent der Praktiker-Aktien zusichern lassen.
"Wir können Ihnen keinen anderen Finanzierungsvorschlag unterbreiten, weil es zu dem dargestellten Finanzierungskonzept keine Alternativen gibt", sagte Praktiker-CFO Markus Schürholz, als er die Eckdaten des Finanzierungskonzeptes präsentierte.
Doch genau dies wurde in der Generaldebatte von fast allen Rednern bestritten. Und umso gespannter waren die anwesenden Aktionäre schließlich, was die größte Gegnerin des Anchorage-Konzepts sagen würde: Isabella de Krassny
Drei-Säulen-Konzept als Alternative
Die österreichische Fondsmanagerin - Ehefrau des Industriellen Alain de Krassny - gilt als Wortführerin der Gegner des Anchorage-Konzepts. Als sie aufgerufen wurde, wandten sich viele Aktionäre im Saal um, um zu sehen, wer da durch den Saal in Richtung Mikrofon schreiten würde. Nach kurzer Stille stand eine schlanke blonde Frau in hellgrünem Kleid und mit goldenen Ohrringen auf. Ruhig schritt sie ans Rednerpult.
"Grüß Gott, ich bin die, die seit einigen Monaten verzweifelt um die Zukunft dieses Unternehmens kämpft", sagte die Vertreterin der österreichischen Privatbank Semper Constantia und der Investmentgesellschaft Maseltov, die zusammen rund 15 Prozent der Aktionärsstimmen auf sich vereinigen. Mühe, ihren Frust über Aufsichtsrat und Vorstand zu verbergen, gab sie sich gar nicht erst. "Die haben uns abblitzen lassen", sagte de Krassny an Vorstand und Aufsichtsrat gerichtet. Der Hintergrund: Schon vor Monaten hatte sie den Beteiligten ihr eigenes Sanierungskonzept vorgelegt.
Im Unterschied zum "Anchorage"-Konzept schlägt de Krassny in ihrem als "Spark"-Konzept bezeichneten Alternativplan ein Drei-Säulen-Konzept vor: Demnach soll die Premiummarke Max Bahr zwar gestärkt, allerdings nur 60 bis 80 Märkte der Billigmarke Praktiker umgestellt werden. Kleinere Märkte sollen zudem an Franchisepartner gehen und dafür eine dritte Marke mit Namen "Extra Bau + Hobby" geschaffen werden.
de Krassny: "Die haben uns abblitzten lassen"
Der Sanierungsaufwand liegt nach Ansicht de Krassnys bei rund 100 Millionen Euro - also erheblich niedriger als die 160 Millionen Hafners oder die 300 Millionen Euro, die Ex-Praktiker-Sanierer Fox einst veranschlagt hatte. Semper Constantia, Maseltov und Co. wollen das Geld im Wesentlichen durch ein hochverzinstes Sanierungsdarlehen aufbringen, das mit Max Bahr und der Praktiker-Landesgesellschaft in Griechenland besichert ist.
So sympathisch das Konzept und die Personalvorschläge vielen Aktionären wären, so wenig konnten die Anteilseigner dem mit ihrer Stimme auf der Hauptversammlung direkt Ausdruck verleihen. Der Grund: Die Mail, in der Isabella de Krassny eine außerordentliche Hauptversammlung beantragt hatte, fehlte eine elektronische Signatur. "Der Vorstand hat uns einfach abblitzten lassen", sagte die Aktionärsvertreterin.
Abblitzen ließ sie sich zumindest auf der Hauptversammlung nicht. Und das der ehemalige Obi-Manager Andreas Sandmann den Vorstandsvorsitz der Praktiker AG nicht sofort der Vorstandsvorsitz übernommen hat und nicht weitere Aufsichtsräte gehen mussten, lag vor allem daran, dass auch für die Österreicherin zu viel auf dem Spiel stand.
Dies, daran ließ sie indes keinen Zweifel, könne sich schnell ändern, wenn es gelingt, doch noch die nötigen alternativen Kapitalgeber zu finden


