Weng Fine Art - Kunst-Aktie
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Weng Fine Art - Kunst-Aktie
Zitat
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"Der von Haus aus kunstaffine Finanzfachmann Rüdiger K. Weng entschließt sich Anfang der 90er Jahre sein leidenschaftliches Interesse an der Kunst mit seinen jahrelangen Erfahrungen auf den Finanzmärkten zu verschmelzen. Er gründet 1994 zusammen mit Inga K. Uppenkamp, die auch heute noch für das Unternehmen als Prokuristin tätig ist, das Vorgängerunternehmen der Weng Fine Art AG.
Es entsteht ein präzises Geschäftsmodell an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wirtschaft, basierend auf wissenschaftlichen Marktanalysen, klaren Strategien und einem aus Prinzip unverklärten Blick auf die Handelsware Kunst. Einem solch einzigartigen Geschäftsmodell, das der Kunst weltweit eine wertschöpfende Plattform bietet, war schnell und nachhaltig Wachstum beschieden. So ist die Weng Fine Art AG mit ihrem unverwechselbaren und leistungsstarken Geschäftsmodell heute ein bedeutender Global Player im internationalen Kunsthandel.
Die Weng Fine Art AG ist mit einem Jahresbudget von über 10 Millionen Euro mit dem jährlich mehr als 1.000 Kunstwerke erworben werden, einer der führenden gewerblichen Kunstkäufer."
Soweit der Auszug von der Homepage. Was ist nun das Besondere an Weng Fine Art? Im Gegensatz zu vielen anderen Kunsthändlern, die sich stark von Emotionen und persönlichem Geschmack leiten lassen, wird bei Weng Kunst eher als Handelsware mit hoher Durchsatzgeschwindigkeit betrachtet. Vergleichbar mit Geschäftsmodellen im Einzelhandel wird das gekauft, was marktgängig ist und entsprechend schnell wieder weiterverkauft werden kann. Hier fallen populäre Namen wie Warhol, Richter, Hirst, Lichtenstein, Picasso.
Am besten funktioniert das im B2B-Geschäft, also vor allem dem Verkauf an Galeristen. Diese suchen für Ausstellungen bestimmte Kunstwerke und Weng liefert diese in Rekordgeschwindigkeit. Von den rund 1.000 verkauften Werken wurden im letzten Jahr 99,8 Prozent mit Gewinn wieder weiterverkauft. Die hohe Durchlaufgeschwindigkeit sorgt für steigende Umsätze und bringt hohe Renditen auf das eingesetzte Kapital.
Bei 6,5 Millionen Euro Umsatz in 2011 wurde ein Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) von satten 1,35 Millionen Euro eingefahren, 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Vorsteuerrendite lag damit bei über 20 Prozent. Ein Wert von dem andere Händler nur träumen können - und das ist nicht die Ausnahme sondern die Regel.
Das zeigt das herausragende erste Quartal 2012. Hier gelang gegenüber dem Vorjahr eine Umsatzsteigerung von 34 Prozent auf 1,51 Millionen Euro. Das EBIT sprang dabei um 78 Prozent auf 422.000 Euro nach oben - und das in einem von der Eurokrise geprägten Umfeld, an dem auch die Kunstbranche zu knabbern hat.
Skalierbares Geschäftsmodell
Der erneut überproportionale Anstieg des Gewinns im Verhältnis zum Umsatz zeigt auch die hohe Skalierbarkeit des Geschäftsmodells. Das ist eine typische Eigenschaft für Langfrist-Gewinneraktien!
Insbesondere dann, wenn sich das Unternehmen in einem Markt bewegt, den Experten als "staid" bezeichnen, also als bedächtig, farblos, gesetzt und ruhig. Wo es - umgekehrt betrachtet - also noch großes Entwicklungspotenzial gibt, speziell in Punkto Profitabilität.
Das Geschäftsmodell zu skalieren bedeutet in einfachen Worten: Man möchte ein größeres Rad drehen, also noch mehr und noch teurere Kunstwerke kaufen, die beim Verkauf noch höhere Renditen bringen.
Hier sind den meisten kleineren Händlern die Hände gebunden, denn dafür braucht es Banken, die entsprechende Kredite zur Verfügung stellen - und das natürlich zu möglich günstigen Konditionen. Durch das Standing am Markt und die erreichte Größe, hat Weng inzwischen diese Möglichkeiten:
Man hat sehr gute Ratings von Creditreform (Investment Grade) und Deutscher Bundesbank (Notenbankfähigkeit von Ausleihungen). Dadurch hat Weng fast die freie Auswahl bei der Wahl der Banken. Insgesamt verfügt das Krefelder Unternehmen inzwischen über gleich sieben Partnerbanken in Deutschland und der Schweiz.
Aufbau des Online-Geschäfts
Gut gefällt mir auch die Internetstrategie von Weng, die bisher vor allem durch Zurückhaltung geprägt war. Unternehmen wie Artnet in Deutschland und Artprice in Frankreich investieren seit Jahren viel Geld, um entsprechende Auktionsplattformen aufzubauen. Bis vor kurzem gab es hier auch rechtliche Einschränkungen (siehe auch 2. Teil des heutigen Updates). Der Ertrag war dabei bisher äußerst bescheiden.
Artnet schafft es auch 13 Jahre (!) nach dem Börsengang noch nicht, konstant profitabel zu arbeiten. Vorstand und Gründer Hans Neuendorf spricht immer noch von hohen Anlaufkosten zur Etablierung der Plattform. Die Wahrheit ist: Es wird immer noch kaum Kunst über das Internet verkauft und das macht das Geschäft natürlich enorm schwierig.
Allerdings ist leichte Besserung in Sicht. Eine neue Generation von Millionären (oder gar Milliardären) speziell aus China und Russland betrachtet Kunst weniger sentimental, sondern eher als Statussymbol. Damit steigt auch die Bereitschaft, Kunstwerke über das Internet zu erwerben. Ich finde es daher gut, dass Weng nun auch vorsichtig damit beginnt, ins Online-Geschäft zu investieren.
So ist für die nächsten Monate der Aufbau einer eigenen E-Commerce-Plattform geplant. Vor wenigen Tagen hat sich Weng zudem mit vier Prozent bei Artnet eingekauft. Übrigens fast zeitgleich mit dem russischen Milliardär Vladimir Evtushenkov, dessen Vermögen auf sechs Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Evtushenkov hat sich mit 7,3 Prozent an Artnet beteiligt.
Auch hier tut sich also was. Der Einstieg bei Artnet könnte sich als strategisch sehr cleverer Schachzug erwerben. Denn noch ist die Bewertung des Berliner Unternehmens durch die fehlende Profitabilität am Boden. Umgekehrt stecken aber über 20 Jahre Entwicklungsarbeit und Know-how in dem 1989 als Centrox gegründeten Unternehmen, von dem Weng künftig profitieren dürfte.
Neue Möglichkeiten durch den Börsengang
Weng ist eines der seltenen Beispiele dafür, dass auch der Börsengang über ein reines Listing funktionieren kann. Noch im März war ich zugegebenermaßen skeptisch als ein Leser mich auf die erst seit Januar 2012 börsennotierte Aktie hingewiesen hat (wobei auch der Leser selbst skeptisch war und - leider - nicht investiert hat).
In der Vergangenheit gab es ja bekanntermaßen unzählige Beispiele für neu gelistete Aktien, die ohne IPO an den Markt kamen, und bei denen es den Eigentümern nur darum ging, ihre quasi wertlosen Papiere an naive Aktionäre zu verscherbeln - und die Aktie danach ins Bodenlose gestürzt ist.
Warum sonst sollte ein Unternehmen auch an die Börse gehen, als um über eine Kapitalerhöhung Geld für die Expansion des Geschäfts einzunehmen?
Weng erläutert glaubhaft, dass es für ihn auch einfach darum geht, den Bekanntheitsgrad des Unternehmens zu erhöhen und dass sich dadurch zahlreiche Anknüpfungspunkte für Kooperationen, Joint-Ventures und Investorenmodelle ergäben.
Die Beteiligung an Artnet gibt einen ersten Vorgeschmack wie diese Anknüpfungspunkte aussehen werden. Dabei heißt es in der Pressemeldung übrigens auch "mit vorerst vier Prozent beteiligt...". Gut möglich also, dass eine weitere Aufstockung folgt. Verfolgt man eventuell sogar mit dem russischen Investor gemeinsame Pläne?
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Äußerung wonach eine eventuelle Kapitalerhöhung (die es ja beim Börsengang nicht gab) eventuell im kommenden Jahr nachgeholt werden könnte. Damit würde man zusätzliche Mittel zur Expansion des Geschäfts einnehmen und könnte die Aktie liquider machen.
Letzteres ist aktuell nämlich ein Problem für Investoren. Es gibt insgesamt nur 500.000 Aktien von Weng Fine Art. Davon hält Rüdiger K. Weng 80 Prozent direkt oder indirekt über seine RKW Art + Asset Management GmbH. Das heißt: Es sind aktuell nur ganze 100.000 Aktien mit einem aktuellen Wert von ca. vier Millionen Euro frei handelbar.
Das ist extrem wenig und macht die Aktie relativ illiquide und sehr spekulativ. Andererseits ist das für kleine Privatanleger von Vorteil, denn Pakete von ein paar hundert Stück lassen sich problemlos über die Frankfurter Wertpapierbörse erwerben.
Nach dem Kursanstieg noch kaufen?
Dabei dürfte der Blick auf den Chart einigen Anlegern aber etwas Angst machen. Die Aktie von Weng Fine Art hat sich nämlich seit der Erstnotiz im Januar vom ersten Kurs bei 16 Euro bis auf inzwischen 42,50 Euro verzweieinhalbfacht. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei 21 Millionen Euro. Das erscheint recht viel angesichts des 2011 erzielten Umsatzes von 6,6 Millionen Euro
Aber zum einen erwirtschaftet Weng hohe Margen und zum anderen zeigt die positive Überraschung für das erste Quartal die dynamische Entwicklung des Geschäfts. Trotz der geplanten Investitionen soll auch in 2012 der Ertrag erneut gesteigert werden.
Geht man nach den 760.000 Euro Jahresüberschuss in 2011 in diesem Jahr von beispielsweise 900.000 Euro aus, so ergibt sich ein KGV 23, wobei berücksichtigt werden muss, dass sich im vorhandenen Kunstbestand durch einen konservativen Wertansatz in der Bilanz noch stille Reserven von vier bis fünf Millionen Euro befinden.
Die Aktie ist damit kein Schnäppchen mehr, aber Qualität kostet auch an der Börse etwas mehr und die Perspektiven sind glänzend
FAZIT:
- Mich überzeugt, dass Rüdiger K. Weng in der Vergangenheit die eigenen Prognosen und Versprechungen quasi immer übererfüllt hat.
- Das erste Quartal 2012 ist das beste Beispiel. Ursprünglich als Übergangsjahr angekündigt, soll nun auch heuer der Gewinn wieder gesteigert werden (Geschäftsjahresende übrigens 31.01.2013).
- Genau deshalb traue ich es Weng und seiner Partnerin Inga K. Uppenkamp auch zu, dass die Ankündigungen eines stark steigenden EBITs in 2013 und eines operatives Ergebnisses von mehr als fünf Millionen Euro in drei bis fünf Jahren auch eintreten.
- Kommt es so, wäre auch eine Bewertung von mindestens 50 Millionen Euro (10-faches EBIT) nicht zu hoch gegriffen. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass dies wohl nicht ohne eine verwässernde Kapitalerhöhung möglich sein dürfte und so nicht 1:1 auf den Aktienkurs hochgerechnet werden kann.
- Dennoch halte ich auf Sicht von drei Jahren eine weitere Verdopplung des Aktienkurses für möglich.
- Beachten Sie dennoch, dass die Aktie sehr spekulativ ist. Auf Grund der geringen Zahl an frei handelbaren Aktien kann es zu heftigen Kursschwankungen kommen. Nur für sehr risikotolerante Anleger geeignet
* Armin Brack
Chefredakteur Geldanlage-Report


