Zwei Betrüger haben vergoldete Blechplatten als massives Gold an mehrere Schmuckhändler in der Region verkauft. Ein betrogener Leihhausbetreiber machte zunächst seine Kollegen und dann die Polizei auf den Betrug aufmerksam
Beim Einschmelzen war klar: Hier stimmt etwas nicht. Das vermeintliche 999-er Feingold, immerhin mehr als 50.000 Euro wert, verhielt sich anders als normal, die Konsistenz des glühend heißen Metalls war anders als gewohnt. „Das war für meinen Mandanten natürlich ein Schock“, weiß der Kölner Rechtsanwalt Ilias Uyar. Der Schmuckgroßhändler war auf Betrüger hereingefallen.
Angefangen hatte alles am 8. März, als zwei Männer mit einer Kiste bei einem weiteren Schmuckhändler im Rechtsrheinischen auftauchten. Sie boten fein gewalzte Goldplatten an, angeblich beste Ware. Eine so genannte Strichprobe sollte für Sicherheit sorgen, und tatsächlich schien alles in Ordnung zu sein. Der Schmuckhändler empfahl die beiden Verkäufer weiter an den Großhändler, der 56.000 Euro für 1,5 Kilogramm des vermeintlichen Edelmetalls auf den Tisch legte. „Die Platten waren biegsam und hatten alle Eigenschaften von echtem Gold“, so Anwalt Uyar.
Doch tatsächlich war die Platte nur vergoldet. Und es kam noch besser: Wie bei einer Lösegeldübergabe, bei der nur ganz oben im Koffer echte Geldscheine liegen, hatten die Trickbetrüger weiter unten in der Kiste sogar nur noch angemalte Metallplatten deponiert. „Wenn das Material so dünn ist, fällt höchsten einem gut ausgebildeten Goldschmied auf, dass da etwas nicht stimmt“, weiß die Kölner Goldschmiedin Jutta Grote.
Als beim Schmelzen klar wurde, dass Betrüger am Werk sind, alarmierte der Schmuckgroßhändler seine Kollegen. Schon kurze Zeit später meldete sich die Angestellte eines weiteren Juweliers: Sie schöpfte Verdacht, weil sie von einem Duo schon kleine Mengen angekauft hatte. Ende Mai sollte ein größeres Geschäft über die Bühne gehen. Die Polizei wurde eingeschaltet, und am Dienstagvormittag klickten dann die Handschellen: Als das Betrügerduo mit der gefälschten Ware das Juweliergeschäft betrat, wurde es festgenommen.
„Wir gehen davon aus, dass die Verdächtigen ihre Masche nicht nur in Köln durchgezogen haben“, sagte Polizeisprecher Wolfgang Baldes. Tatsächlich soll es auch Fälle in Düren gegeben haben, selbst aus der holländischen Provinz Limburg erreichten die Ermittler am Mittwoch Anrufe von vermeintlich Geschädigten.
Bei den beiden Festgenommenen fanden die Beamten unter anderem falsche EU-Pässe. Inzwischen steht fest, dass einer der Festgenommenen von den rumänischen Behörden mit Haftbefehl gesucht wurde. Er wurde in Untersuchungshaft geschickt. Der zweite Verdächtige ist dagegen wieder auf freiem Fuß. Ein Umstand, den der Anwalt des Geschädigten Großhändlers aus Köln scharf kritisiert: „Aus meiner Sicht besteht Verdunklungsgefahr. Ich hoffe, dass er jetzt keine Beweismittel beiseite schaffen kann.“