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Unister Holding GmbH - unister.de - Fluege.de - Ab-in-den-Urlaub.de - Preisvergleich.de
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Unister Holding GmbH - unister.de - Fluege.de - Ab-in-den-Urlaub.de - Preisvergleich.de
Die Unister Gruppe betreibt und vermarktet namhafte Internetportale mit vorrangig deutschsprachigen, oft generischen Domains.
Fluege.de - Flug24.de - Billigfluege.de - Ab-in-den-Urlaub.de - Travel24.com - Reisen.de - Preisvergleich.de - Partnersuche.de
Das Leistungsspektrum erstreckt sich vom Angebot relevanter Informationen, die Verbrauchern als Ratgeber und Hilfestellung bei Kaufentscheidungen dienen, bis hin zur Vermittlung von Reisen, Hotels und anderer Dienstleistungen.
Über 13,22 Millionen Internetnutzer besuchen monatlich die Webseiten im Portfolio der Unister Unternehmensgruppe (AGOF internet facts 2012-01).
Ab-in-den-urlaub.de ist eines der größten deutschen Online-Reisebüros, und auf fluege.de heben sowohl Geschäftsreisende als auch Individualurlauber ab. GELD.de bietet neben unabhängigen Vergleichsrechnern zudem individuelle, persönliche Beratung und Betreuung in Finanz- und Versicherungsfragen an. PREISVERGLEICH.de dient als Einkaufsberater für Produkte und Dienstleistungen aller Art, während auto.de neben einer großen Gebrauchtwagenbörse auch zahlreiche Tipps und Tricks rund ums Automobil bereithält. Unser Nachrichtenportal news.de berichtet kompetent, seriös und unabhängig über Aktuelles aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Mit börsenNEWS.de stellen wir Anlegern und Finanzprofis die wichtigsten Kurse, Finanznachrichten und Kennzahlen von den weltweiten Börsenplätzen zur Verfügung.
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Über 13,22 Millionen Internetnutzer besuchen monatlich die Webseiten im Portfolio der Unister Unternehmensgruppe (AGOF internet facts 2012-01).
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Computerbild-Verbreitung gerichtlich untersagt - Unister verbessert Nutzerfreundlichkeit
Die aktuelle Computerbild darf ab sofort in der bisherigen Version nicht mehr unverändert verbreitet werden, also weder an Abonnenten oder andere Empfänger verschickt, übergeben oder zugestellt werden. Das hat am Donnerstag, dem 5. Juli das Landgericht Leipzig in seinem Beschluss (Aktenzeichen: 08 0 2057/12) verfügt. Der Beschluss liegt dem Fachportal hottelling vor.
In dem Beschluss heißt es: Den Antragsgegnern wird es bei Meidung eines vom Gericht für jeden Einzelfall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Ordnungsgeldes bis zu 250.000 EUR und für den Fall, dass dieses nicht beigetrieben werden kann, Ordnungshaft bis zu 6 Monaten, im Falle der Wiederholung bis zu 2 Jahren , untersagt, in Bezug auf die Staatsanwaltschaft Leipzig wegen vermeintlicher illegaler Service-Gebühren auf fluege.de gegen den Antragssteller eingestelltes strafrechtliches Ermittlungsverfahren zu behaupten und/oder behaupten zu lassen: "Mittlerweile geht das Treiben auch der Oberstaatsanwaltschaft Dresden zu weit - sie hat die Leipziger Beamten jetzt aufgefordert, den Fall noch einmal aufzurollen." Weiter schrieb das Gericht, die Antragsgegner - also Computerbild sowie der Autor Hans von der Burchard - trügen "die Kosten des Verfahrens". Den Streitwert legte das Gericht auf 7.000 Euro fest.
Schon im Vorfeld der Urteilsverkündung hatte die Staatsanwaltschaft Dresden über Computerbilds neue investigative Redaktion gegenüber Unister geschrieben: "Unabhängig von der tendenziösen Formulierung des Artikels ist die Aussage der Computer-BILD, dass die 'Oberstaatsanwaltschaft Dresden' (gemeint ist wohl die Generalstaatsanwaltschaft Dresden) bereits die Staatsanwaltschaft Leipzig angewiesen hätte, den Fall wieder aufzunehmen, eindeutig falsch."
Die nun vom Gericht untersagte Behauptung der "investigativen Redaktion" der Computerbild unter Leitung von Alexander Krug sowie seinem Autor Hans von der Burchard war in dem reißerischen Artikel mit der Überschrift "Unister: Deutschlands größtes Abzockimperium" getätigt worden. So richtig verständlich wird die vom Gericht nun verbotene Aussage jedoch nur, wenn man auch den Kontext betrachtet. So hatte Computerbild mit ungewohnt überheblichem Tenor Folgendes geschrieben:
"'Und was Fluege.de macht, verstößt ohne Zweifel gegen die EU-Verordnung.' Auf Anfrage der Computerbild rechtfertigt sich die Staatsanwaltschaft recht kurios, es sei 'fernliegend', dass sich jeder Kunde durch die (fluege.de) Service-Pauschale betrogen fühle. Ein Millionen-Gewinn durch rechtswidriges Verhalten - kein Grund für Ermittlungen, weil nicht jeder Betroffene gleich Betrug schreit? Mittlerweile geht das Treiben auch der Oberstaatsanwaltschaft Dresden zu weit - sie hat die Leipziger Beamten jetzt aufgefordert, den Fall noch einmal neu aufzurollen."
Besonders diese Passage stieß bei Unister auf erhebliche Kritik. So sagte Dr. Konstantin Korosides, Leiter Unternehmenskommunikation und Studien, er könne nicht erkennen, was an einer üblichen Reisebüro-Servicepauschale Betrug sein solle und damit rechtswidrig sei. Damit folgte er der Einschätzung der Staatsanwaltschaft.
Noch einen Tag vor dem Leipziger Gerichts-Beschluss hatte die Computerbild in einer großen Pressemittelung mitgeteilt, sie rücke keinen Zentimeter von ihren bisherigen Behauptungen im Artikel zu Unister ab. Der Computerbild-Artikel hatte sich aber nicht nur mit einer angeblich illegalen Servicegebühr beschäftigt, sondern auch mit Rabatten auf Unisters Reiseseiten, die es angeblich gar nicht gäbe, über angeblich mangelnde Endpreisdarstellungen oder angebliche Verstöße gegen "geltendes EU-Recht". In der Kritik stand auch der angeblich nicht zufriedenstellende Service am Kunden bei Unister.
Zwar widerspricht die Unister GmbH vehement der Behauptung, man werbe mit Rabatten, die man nicht einhalte, auch verstoße man mit der Endpreisdarstellung keinesfalls gegen EU-Recht. Dennoch räumte das das ehemalige Leipziger Studenten-Start-Up ein, man habe besonders den Service nicht entsprechend des schnellen Unternehmens-Wachstums nachziehen können. Dafür entschuldige man sich bei Verbrauchern, die man verärgert habe.
Derzeit sei man dabei, den Service auch durch Personalaufstockung deutlich zu verbessern. Noch liege man jedoch leider zehn Prozent unter dem wünschenswerten Serviceziel.
Auch sagte Unister, man arbeite derzeit daran, den Service deutlich verbraucherfreundlicher zu machen. Auch die von Computerbild teils kritisierte mangelnde Nutzerfreundlichkeit einiger Webseiten, wie ab-in-den-urlaub.de oder fluege.de, überprüfe man derzeit mit Hochtouren und habe auch schon einige neue verbraucherfreundliche Funktionen online genommen. Damit möchte Unister dem Vorwurf von Computerbild entgegentreten, man würde in den Buchungsstrecken vorsätzlich "Buchungsfallen" einbauen.
So teilt Unister-Sprecher Dr. Konstantin Korosides mit: "Derzeit führt Unister eine Vielzahl an Split-Tests im Hintergrund auf seinen Webseiten durch, um mit einer verbesserten Seitenführung einigen genannten Kritikpunkten entgegenzuwirken. Grundsätzlich ist aber die überwiegende Vielzahl unserer Nutzer und Kunden hochzufrieden mit den durch Unister-Reiseseiten zur Verfügung gestellten Dienstleistungen." Außerdem ergänzte Dr. Korosides: ""Wir wären nicht Marktführer, wenn jeder Kunde auf seltsamen Wegen geholt werden würde und unzufrieden wäre. Dies zu Glauben wäre doch sehr naiv. Im Gegenteil: Unser Geschäftsführer Thomas Wagner hat das Thema Customer-Relations-Management, also CRM, zum absoluten Prio-1,0-Thema erklärt. Er ist der Meinung, dass sich hier in den nächsten Jahren die Spreu vom Weizen bei den Online Anbietern trennt." Unister lege zudem großen Wert darauf, aus Kunden Stammkunden zu machen. Nur wem das gelinge, könne dauerhaft am Reisemarkt überlebensfähig sein.
Dennoch kritisiert Unister den gesamten Computerbild-Artikel, der in Teilen nun vom Leipziger Landgericht untersagt wurde, da er vor Fehlern, Verleumdungen und übler Nachrede wimmele. Zudem agiere er auch im "journalistischen Graubereich", so Dr. Konstantin Korosides, Leiter Unternehmenskommunikation der Unister Holding. Deshalb sehe man sich leider gezwungen, in der näheren Zukunft 20 weitere abgemahnte Punkte mittels gerichtlicher Unterlassungsanträge geltend zu machen.
Unister wurde im Jahr 2002 von dem damaligen BWL-Studenten Thomas Wagner, heute 34, als Garagen-Start-Up in einem Studentenwohnheim gegründet worden. Heute sind Portale wie ab-in-den-urlaub.de oder fluege.de vom Online-Reisevertrieb nicht mehr wegzudenken.
Die aktuelle Computerbild darf ab sofort in der bisherigen Version nicht mehr unverändert verbreitet werden, also weder an Abonnenten oder andere Empfänger verschickt, übergeben oder zugestellt werden. Das hat am Donnerstag, dem 5. Juli das Landgericht Leipzig in seinem Beschluss (Aktenzeichen: 08 0 2057/12) verfügt. Der Beschluss liegt dem Fachportal hottelling vor.
In dem Beschluss heißt es: Den Antragsgegnern wird es bei Meidung eines vom Gericht für jeden Einzelfall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Ordnungsgeldes bis zu 250.000 EUR und für den Fall, dass dieses nicht beigetrieben werden kann, Ordnungshaft bis zu 6 Monaten, im Falle der Wiederholung bis zu 2 Jahren , untersagt, in Bezug auf die Staatsanwaltschaft Leipzig wegen vermeintlicher illegaler Service-Gebühren auf fluege.de gegen den Antragssteller eingestelltes strafrechtliches Ermittlungsverfahren zu behaupten und/oder behaupten zu lassen: "Mittlerweile geht das Treiben auch der Oberstaatsanwaltschaft Dresden zu weit - sie hat die Leipziger Beamten jetzt aufgefordert, den Fall noch einmal aufzurollen." Weiter schrieb das Gericht, die Antragsgegner - also Computerbild sowie der Autor Hans von der Burchard - trügen "die Kosten des Verfahrens". Den Streitwert legte das Gericht auf 7.000 Euro fest.
Schon im Vorfeld der Urteilsverkündung hatte die Staatsanwaltschaft Dresden über Computerbilds neue investigative Redaktion gegenüber Unister geschrieben: "Unabhängig von der tendenziösen Formulierung des Artikels ist die Aussage der Computer-BILD, dass die 'Oberstaatsanwaltschaft Dresden' (gemeint ist wohl die Generalstaatsanwaltschaft Dresden) bereits die Staatsanwaltschaft Leipzig angewiesen hätte, den Fall wieder aufzunehmen, eindeutig falsch."
Die nun vom Gericht untersagte Behauptung der "investigativen Redaktion" der Computerbild unter Leitung von Alexander Krug sowie seinem Autor Hans von der Burchard war in dem reißerischen Artikel mit der Überschrift "Unister: Deutschlands größtes Abzockimperium" getätigt worden. So richtig verständlich wird die vom Gericht nun verbotene Aussage jedoch nur, wenn man auch den Kontext betrachtet. So hatte Computerbild mit ungewohnt überheblichem Tenor Folgendes geschrieben:
"'Und was Fluege.de macht, verstößt ohne Zweifel gegen die EU-Verordnung.' Auf Anfrage der Computerbild rechtfertigt sich die Staatsanwaltschaft recht kurios, es sei 'fernliegend', dass sich jeder Kunde durch die (fluege.de) Service-Pauschale betrogen fühle. Ein Millionen-Gewinn durch rechtswidriges Verhalten - kein Grund für Ermittlungen, weil nicht jeder Betroffene gleich Betrug schreit? Mittlerweile geht das Treiben auch der Oberstaatsanwaltschaft Dresden zu weit - sie hat die Leipziger Beamten jetzt aufgefordert, den Fall noch einmal neu aufzurollen."
Besonders diese Passage stieß bei Unister auf erhebliche Kritik. So sagte Dr. Konstantin Korosides, Leiter Unternehmenskommunikation und Studien, er könne nicht erkennen, was an einer üblichen Reisebüro-Servicepauschale Betrug sein solle und damit rechtswidrig sei. Damit folgte er der Einschätzung der Staatsanwaltschaft.
Noch einen Tag vor dem Leipziger Gerichts-Beschluss hatte die Computerbild in einer großen Pressemittelung mitgeteilt, sie rücke keinen Zentimeter von ihren bisherigen Behauptungen im Artikel zu Unister ab. Der Computerbild-Artikel hatte sich aber nicht nur mit einer angeblich illegalen Servicegebühr beschäftigt, sondern auch mit Rabatten auf Unisters Reiseseiten, die es angeblich gar nicht gäbe, über angeblich mangelnde Endpreisdarstellungen oder angebliche Verstöße gegen "geltendes EU-Recht". In der Kritik stand auch der angeblich nicht zufriedenstellende Service am Kunden bei Unister.
Zwar widerspricht die Unister GmbH vehement der Behauptung, man werbe mit Rabatten, die man nicht einhalte, auch verstoße man mit der Endpreisdarstellung keinesfalls gegen EU-Recht. Dennoch räumte das das ehemalige Leipziger Studenten-Start-Up ein, man habe besonders den Service nicht entsprechend des schnellen Unternehmens-Wachstums nachziehen können. Dafür entschuldige man sich bei Verbrauchern, die man verärgert habe.
Derzeit sei man dabei, den Service auch durch Personalaufstockung deutlich zu verbessern. Noch liege man jedoch leider zehn Prozent unter dem wünschenswerten Serviceziel.
Auch sagte Unister, man arbeite derzeit daran, den Service deutlich verbraucherfreundlicher zu machen. Auch die von Computerbild teils kritisierte mangelnde Nutzerfreundlichkeit einiger Webseiten, wie ab-in-den-urlaub.de oder fluege.de, überprüfe man derzeit mit Hochtouren und habe auch schon einige neue verbraucherfreundliche Funktionen online genommen. Damit möchte Unister dem Vorwurf von Computerbild entgegentreten, man würde in den Buchungsstrecken vorsätzlich "Buchungsfallen" einbauen.
So teilt Unister-Sprecher Dr. Konstantin Korosides mit: "Derzeit führt Unister eine Vielzahl an Split-Tests im Hintergrund auf seinen Webseiten durch, um mit einer verbesserten Seitenführung einigen genannten Kritikpunkten entgegenzuwirken. Grundsätzlich ist aber die überwiegende Vielzahl unserer Nutzer und Kunden hochzufrieden mit den durch Unister-Reiseseiten zur Verfügung gestellten Dienstleistungen." Außerdem ergänzte Dr. Korosides: ""Wir wären nicht Marktführer, wenn jeder Kunde auf seltsamen Wegen geholt werden würde und unzufrieden wäre. Dies zu Glauben wäre doch sehr naiv. Im Gegenteil: Unser Geschäftsführer Thomas Wagner hat das Thema Customer-Relations-Management, also CRM, zum absoluten Prio-1,0-Thema erklärt. Er ist der Meinung, dass sich hier in den nächsten Jahren die Spreu vom Weizen bei den Online Anbietern trennt." Unister lege zudem großen Wert darauf, aus Kunden Stammkunden zu machen. Nur wem das gelinge, könne dauerhaft am Reisemarkt überlebensfähig sein.
Dennoch kritisiert Unister den gesamten Computerbild-Artikel, der in Teilen nun vom Leipziger Landgericht untersagt wurde, da er vor Fehlern, Verleumdungen und übler Nachrede wimmele. Zudem agiere er auch im "journalistischen Graubereich", so Dr. Konstantin Korosides, Leiter Unternehmenskommunikation der Unister Holding. Deshalb sehe man sich leider gezwungen, in der näheren Zukunft 20 weitere abgemahnte Punkte mittels gerichtlicher Unterlassungsanträge geltend zu machen.
Unister wurde im Jahr 2002 von dem damaligen BWL-Studenten Thomas Wagner, heute 34, als Garagen-Start-Up in einem Studentenwohnheim gegründet worden. Heute sind Portale wie ab-in-den-urlaub.de oder fluege.de vom Online-Reisevertrieb nicht mehr wegzudenken.
Reiseportal-Anbieter weist Abzocke-Vorwürfe zurück
Ab in die Falle? Das Internet-Unternehmen Unister steht heftig in der Kritik. Unister, zu dem Reiseportale wie ab-in-den-urlaub.de und fluege.de gehören, soll mit unsauberen Tricks gearbeitet haben. Unister-Chef Thomas Wagner nimmt zu den Vorwürfen Stellung
Das Internet-Unternehmen Unister, zu dem Reiseportale wie ab-in-den-urlaub.de und fluege.de gehören, steht heftig in der Kritik. Einem Medienbericht zufolge arbeiten die Leipziger mit unsauberen Tricks und haben sogenannte Klickfallen eingebaut, in die arglose Computernutzer tappen könnten. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa weist Unister-Chef Thomas Wagner (34) die Vorwürfe zurück und verspricht zugleich Verbesserungen.
Herr Wagner, Unister ist zuletzt Gegenstand kritischer Berichterstattung in der „Computerbild“ gewesen. Werden Sie sich die nächste Ausgabe kaufen?
Ich werde sicherlich ein Exemplar vorliegen haben, ja.
Es wurden massive Vorwürfe erhoben. Vom „Abzock-Imperium“ war die Rede. Was sagen Sie grundsätzlich zu den Vorwürfen?
Es ist natürlich so, dass wir den Artikel mit Bedauern zur Kenntnis genommen haben. Wir sind der Meinung, dass eine Reihe von Sachen da skandalisiert und teilweise vollkommen falsch dargestellt sind. Nichtsdestotrotz nehmen wir uns bestimmter Punkte durchaus an und probieren, die Webseiten zu verbessern und sie kundenfreundlicher beziehungsweise -verständlicher zu gestalten. Es ist unser Ansinnen, die Kunden dauerhaft zu festen Stammkunden zu machen.
Konkret ist Ihnen vorgeworfen worden, dass Sie mit unsauberen Tricks arbeiten. Dass Sie auf Reiseportalen durchgestrichene Altpreise angeben, die gar keine Altpreise sind, dass Sie frei erfundene Sitzplatzrestmengen angeben. Was wollen Sie genau ändern?
Ohne Einzelheiten zu nennen – wir sind dabei, eine ganze Reihe von Punkten zu testen, sowohl im Bezug auf Verständlichkeit als auch auf das Funktionieren des Geschäftsmodells. Die Frage der Restplätze – da ist der Vorwurf einfach falsch, weil die Restplätze, die wir in den Tarifen anzeigen, genau die Restplätze sind, die wir von den Airlines übermittelt bekommen. Aber nochmal: Wir nehmen uns eine Reihe von Punkten vor - etwa was die Verständlichkeit angeht bei Zubuchung der Zusatzleistungen wie Versicherungen oder was die Transparenz der Gebührendarstellung angeht.
Die Verbraucherzentrale hat von einer Flugbuchung bei fluege.de abgeraten. Es gibt offensichtlich Verbraucherkritik - kommt die auch bei Ihnen an oder nur bei der Verbraucherzentrale?
Zum Einen: Wir bedauern, dass die Verbraucherzentrale, obwohl sie 300 Meter von uns entfernt sitzt, nicht einmal den direkten Draht zu uns gesucht hat. Zum Zweiten: Die Verbraucherzentrale stellt es immer so dar, als hätten sie von früh bis abends nichts anderes zu tun, als irgendwelche Verbraucherbeschwerden über uns zu bearbeiten. 2011 gab es dort 30 Beschwerden, in 2012 waren es 50 Beschwerden. Demgegenüber stehen Millionen von Buchungen und Tickets, die wir im Jahr ausstellen.
Ein Kritikpunkt ist auch, dass man bei Ihren Service-Hotlines so gut wie gar nicht oder nur schwer durchkommt.
Gar nicht durchkommen – das kann nicht sein. Ich gebe Ihnen aber Recht, dass das Servicelevel gerade in den letzten Monaten nicht immer auf dem Niveau war, wie wir uns das immer wünschen würden. Ein ganz entscheidender Grund ist: Wir sind massiv gewachsen. Das ist gar keine Entschuldigung, aber für das Verständnis doch wichtig, dass es eben eine Herausforderung ist, dieses Wachstum mit einem entsprechenden Service zu unterlegen. Das ist ein Punkt, wo wir mit Hochdruck dran sind, wo wir selber nicht zufrieden sind. Es wird sich verbessern.
Wie viele Reisen respektive Flüge verkaufen sie pro Jahr?
Die genaue Zahl werde ich Ihnen nicht nennen. Ich kann Ihnen nur sagen, dass es viele Tausend pro Tag sind, die wir sowohl im Flug- als auch im Pauschalbereich verkaufen, und daraus resultierend mehrere Millionen im Jahr. Wenn ich die Touristik segmentiere in Flug-, Pauschal- und Hotelreisen, dann sind wir beim Flug- und Pauschalreisebereich ganz klar Marktführer, beim Hotelbereich sind wir stark motiviert noch aufzuholen auf diverse Mitbewerber.
Wie viele Mitarbeiter hat Unister?
1670. Davon sind 450 in der IT und Grafik, dann ein großer Servicebereich, und darüber hinaus Buchhaltung, Marketing, Portalmanagement.
Zu Unister gehören zahlreiche Portale wie geld.de, auto.de, news.de. Womit verdienen Sie Geld?
Umsatz- und ertragsseitig ist der touristische Part der größte, da internationalisieren wir auch sehr stark. Wobei die anderen Bereiche alle auch Geld verdienen. Es ist nahezu jeder Bereich profitabel.
Von außen betrachtet gibt es immer nur Unister und Thomas Wagner. Wer trifft die maßgeblichen Entscheidungen im Unternehmen? Sie allein?
Es ist nicht so, dass ich für alles der Entscheidungsträger bin. Das geht auch gar nicht mehr bei so vielen Leuten. Ich bin sicherlich noch sehr tief drin in den meisten Portalen und habe zehn Jahre Erfahrung im E-Commerce. Aber es ist nicht so, als wäre es eine reine One-Man-Show. Selbst wenn ich es wollte, wäre es nicht machbar. Man kann nicht 1670 Leute führen wie zehn Leute in einem Start-Up.
Angekündigt war, auch eine Budget-Hotel-Kette ins Leben zu rufen Werden Sie das noch in die Tat umsetzen?
Definitiv. Sie können mir glauben, ich habe bei nahezu keinem anderen Projekt eine so große Motivation, das zu realisieren, wie bei diesem. Wir arbeiten seit zweieinhalb Jahren sehr intensiv daran. Wir suchen derzeit nach Grundstücken in großen deutschen Städten.
Das Internet-Unternehmen Unister, zu dem Reiseportale wie ab-in-den-urlaub.de und fluege.de gehören, steht heftig in der Kritik. Einem Medienbericht zufolge arbeiten die Leipziger mit unsauberen Tricks und haben sogenannte Klickfallen eingebaut, in die arglose Computernutzer tappen könnten. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa weist Unister-Chef Thomas Wagner (34) die Vorwürfe zurück und verspricht zugleich Verbesserungen.
Herr Wagner, Unister ist zuletzt Gegenstand kritischer Berichterstattung in der „Computerbild“ gewesen. Werden Sie sich die nächste Ausgabe kaufen?
Ich werde sicherlich ein Exemplar vorliegen haben, ja.
Es wurden massive Vorwürfe erhoben. Vom „Abzock-Imperium“ war die Rede. Was sagen Sie grundsätzlich zu den Vorwürfen?
Es ist natürlich so, dass wir den Artikel mit Bedauern zur Kenntnis genommen haben. Wir sind der Meinung, dass eine Reihe von Sachen da skandalisiert und teilweise vollkommen falsch dargestellt sind. Nichtsdestotrotz nehmen wir uns bestimmter Punkte durchaus an und probieren, die Webseiten zu verbessern und sie kundenfreundlicher beziehungsweise -verständlicher zu gestalten. Es ist unser Ansinnen, die Kunden dauerhaft zu festen Stammkunden zu machen.
Konkret ist Ihnen vorgeworfen worden, dass Sie mit unsauberen Tricks arbeiten. Dass Sie auf Reiseportalen durchgestrichene Altpreise angeben, die gar keine Altpreise sind, dass Sie frei erfundene Sitzplatzrestmengen angeben. Was wollen Sie genau ändern?
Ohne Einzelheiten zu nennen – wir sind dabei, eine ganze Reihe von Punkten zu testen, sowohl im Bezug auf Verständlichkeit als auch auf das Funktionieren des Geschäftsmodells. Die Frage der Restplätze – da ist der Vorwurf einfach falsch, weil die Restplätze, die wir in den Tarifen anzeigen, genau die Restplätze sind, die wir von den Airlines übermittelt bekommen. Aber nochmal: Wir nehmen uns eine Reihe von Punkten vor - etwa was die Verständlichkeit angeht bei Zubuchung der Zusatzleistungen wie Versicherungen oder was die Transparenz der Gebührendarstellung angeht.
Die Verbraucherzentrale hat von einer Flugbuchung bei fluege.de abgeraten. Es gibt offensichtlich Verbraucherkritik - kommt die auch bei Ihnen an oder nur bei der Verbraucherzentrale?
Zum Einen: Wir bedauern, dass die Verbraucherzentrale, obwohl sie 300 Meter von uns entfernt sitzt, nicht einmal den direkten Draht zu uns gesucht hat. Zum Zweiten: Die Verbraucherzentrale stellt es immer so dar, als hätten sie von früh bis abends nichts anderes zu tun, als irgendwelche Verbraucherbeschwerden über uns zu bearbeiten. 2011 gab es dort 30 Beschwerden, in 2012 waren es 50 Beschwerden. Demgegenüber stehen Millionen von Buchungen und Tickets, die wir im Jahr ausstellen.
Ein Kritikpunkt ist auch, dass man bei Ihren Service-Hotlines so gut wie gar nicht oder nur schwer durchkommt.
Gar nicht durchkommen – das kann nicht sein. Ich gebe Ihnen aber Recht, dass das Servicelevel gerade in den letzten Monaten nicht immer auf dem Niveau war, wie wir uns das immer wünschen würden. Ein ganz entscheidender Grund ist: Wir sind massiv gewachsen. Das ist gar keine Entschuldigung, aber für das Verständnis doch wichtig, dass es eben eine Herausforderung ist, dieses Wachstum mit einem entsprechenden Service zu unterlegen. Das ist ein Punkt, wo wir mit Hochdruck dran sind, wo wir selber nicht zufrieden sind. Es wird sich verbessern.
Wie viele Reisen respektive Flüge verkaufen sie pro Jahr?
Die genaue Zahl werde ich Ihnen nicht nennen. Ich kann Ihnen nur sagen, dass es viele Tausend pro Tag sind, die wir sowohl im Flug- als auch im Pauschalbereich verkaufen, und daraus resultierend mehrere Millionen im Jahr. Wenn ich die Touristik segmentiere in Flug-, Pauschal- und Hotelreisen, dann sind wir beim Flug- und Pauschalreisebereich ganz klar Marktführer, beim Hotelbereich sind wir stark motiviert noch aufzuholen auf diverse Mitbewerber.
Wie viele Mitarbeiter hat Unister?
1670. Davon sind 450 in der IT und Grafik, dann ein großer Servicebereich, und darüber hinaus Buchhaltung, Marketing, Portalmanagement.
Zu Unister gehören zahlreiche Portale wie geld.de, auto.de, news.de. Womit verdienen Sie Geld?
Umsatz- und ertragsseitig ist der touristische Part der größte, da internationalisieren wir auch sehr stark. Wobei die anderen Bereiche alle auch Geld verdienen. Es ist nahezu jeder Bereich profitabel.
Von außen betrachtet gibt es immer nur Unister und Thomas Wagner. Wer trifft die maßgeblichen Entscheidungen im Unternehmen? Sie allein?
Es ist nicht so, dass ich für alles der Entscheidungsträger bin. Das geht auch gar nicht mehr bei so vielen Leuten. Ich bin sicherlich noch sehr tief drin in den meisten Portalen und habe zehn Jahre Erfahrung im E-Commerce. Aber es ist nicht so, als wäre es eine reine One-Man-Show. Selbst wenn ich es wollte, wäre es nicht machbar. Man kann nicht 1670 Leute führen wie zehn Leute in einem Start-Up.
Angekündigt war, auch eine Budget-Hotel-Kette ins Leben zu rufen Werden Sie das noch in die Tat umsetzen?
Definitiv. Sie können mir glauben, ich habe bei nahezu keinem anderen Projekt eine so große Motivation, das zu realisieren, wie bei diesem. Wir arbeiten seit zweieinhalb Jahren sehr intensiv daran. Wir suchen derzeit nach Grundstücken in großen deutschen Städten.
Für die Portale von Unister werben Prominente wie Reiner Calmund und Michael Ballack. Doch nun deckt Computer Bild auf: Die Firma zockt Tausende Deutsche mit skrupellosen Methoden ab.
Tatort Leipzig, Barfußgässchen 11: Hier, in attraktiver Altstadtlage neben Cafés und Springbrunnen, liegt der Hauptsitz von Unister. Während vor dem schicken Jugendstilgebäude Reisegruppen entlangschlendern, werden hinter der Fassade Millionen verdient – mit Trickserei, Täuschung und teilweise rechtswidrigen Mitteln.
Abzocke im Internet gibt es zwar schon länger, doch das Ausmaß dieses Skandals überschattet alles bisher Dagewesene. Auch wenn den Namen Unister kaum einer kennt, sind die Online-Angebote dieser Firma wohl jedem schon einmal begegnet: Dazu gehören etwa die Flugbuchungsseiten Fluege.de, Flug24.de und Billigfluege.de, die Online-Reisebüros Ab-in-den-Urlaub.de, Travel24.com und Reisen.de, das Service-Portal Preisvergleich.de oder die Dating-Seite Partnersuche.de – um nur einige der bekanntesten zu nennen. Beteiligt ist die Leipziger Firma aber noch an vielen weiteren namhaften Internet-Portalen.
Abzocker im Visier
In seiner Selbstdarstellung gibt sich Unister gern als Vorzeige-Unternehmen aus dem Osten, das in nur zehn Jahren vom Start-up zum Millionen-Konzern heranwuchs. Die wahre Geschichte dieser Firma ist dagegen schockierend: Über drei Monate hat Computer Bild vor Ort in Leipzig recherchiert, mit Insidern gesprochen und vertrauliche Dokumente gesichtet.
Das Ergebnis offenbart, wie Unister im Internet mit scheinbarer Seriosität und falschen Werbeversprechen auf Kundenfang geht – und den Verbrauchern dann auf dreisteste Weise das Geld aus den Taschen zieht: mit frei erfundenen Preisreduzierungen, heimlich aufgeschlagenen Service-Geldern, Klick-Fallen bei Urlaubsbuchungen und weitererer Schwindelei. Es ist ein Millionen-Geschäft – und ganz Deutschland wird abgezockt.
Schein von Seriosität?
Mit einem aufwendigen Werbeaufgebot in TV und Internet hat Unister seine Marken bekannt gemacht: Ex-Nationalspieler Michael Ballack empfiehlt Buchungen bei Ab-in-den-Urlaub.de, TV-Moderatorin Sonya Kraus verspricht Top-Schnäppchen auf Travel24.com, und Fußball-Funktionär Reiner Calmund lobt mit rheinischem Frohmut Fluege.de: "Da findest du sicher den billigsten Flug."
Unister setzt darauf, dass viele Verbraucher den Empfehlungen der prominenten Werbe-Ikonen vertrauen. Zusätzlich machen Kundenmeinungen auf Bewertungsseiten im Netz einen guten Eindruck: Stets schmückt ein Durchschnitt von vier bis fünf Sternen die Unister-Portale – und wird auch so in der Google- Suche angezeigt. Ein Empfehlungs-Siegel von Verbraucherschutz.de verheißt ebenfalls Seriosität.
Doch was kein Kunde ahnen kann: Viele der Bewertungen sind getürkt, das Verbraucherschutz-Siegel ist eingekauft.
Das System Unister
Die Verbraucher haben es schwer, bei Unister durchzublicken: Das Unternehmen vermarket seine Online-Portale nicht einheitlich unter einem Namen, sondern mithilfe eines nebulösen Geflechts von elf unterschiedlichen Gesellschaften (GmbH). Zwar sind die verschiedenen Gesellschaften handelsrechtlich einem einzelnen Konzern – der Unister Holding – untergeordnet, für Außenstehende ist dies aber kaum zu erkennen.
Nur der Blick ins Impressum offenbart, dass die unterschiedlichen Gesellschaften auf die gleichen Adressen verweisen: das Barfußgässchen 11 in Leipzig oder die Bouchéstraße 12 in Berlin, den Hauptstadt-Sitz von Unister. Neuerdings perfektioniert das Unternehmen sein Versteckspiel aber auch hier: Im Impressum von Billigfluege.de steht die Liechtensteiner AdRom Holding, ein enger Geschäftspartner von Unister. Erst ein Blick ins Handelsregister offenbart, dass der wahre Inhaber die Unister Holding ist.
Trotz dieser Verschleierungen sind die Unister-Gesellschaften bestens vernetzt – nur soll es keiner merken. Beispiel: Wer eine Pauschalreise bei Ab-in-den-Urlaub.de sucht, erhält für seinen Reisewunsch prompt zwei Vergleichsangebote von Reisen.de und Travel24.com – ohne Hinweis darauf, dass diese zum Unister Imperium gehören. Der Kunde merkt also gar nicht, dass er die Preise vom selben Unternehmen vergleicht. Vergleiche mit direkten – und oft günstigeren – Mitbewerbern vermeidet Unister dagegen.
Den Vogel schießt die Unister-Nachrichtenseite News.de ab, von der man eigentlich journalistische Unabhängigkeit erwarten sollte: Sie wirbt mit ihrem "Reisevergleich", der "die großen Reiseportale auf einen Klick" vergleichen soll – tatsächlich aber nur Angebote aus dem Hause Unister berücksichtigt.
Der Drahtzieher: Thomas Wagner
Viele Namen, viele Gesellschaften – doch dahinter steckt derselbe Mann: Geschäftsführer Thomas Wagner. 2002, noch im BWL-Studium, gründete er Unister, das zunächst als Internetplattform für Studenten gedacht ist. Das Campus-Netzwerk scheitert zwar, doch Wagner entdeckt neue Geschäftsfelder in der Internetwelt: Ab 2005 beginnt er, Versicherungen und Kredite auf Provisionsbasis zu vermitteln. Unister wächst rasant, schon bald gehören auch Flüge und Urlaubsreisen mit zum Unternehmens-Portfolio.
Doch Wagner will mehr. Die Provisionen beim Flugticket- oder Versicherungsverkauf werfen ihm nicht genug Umsatz ab. Der Aufstieg von Unister zu einem der größten deutschen Internet-Unternehmen – er wird schon bald durch schmutzige Geschäftspraktiken mitfinanziert. Wagner selbst bereitet das keine Probleme.
"Ihm fehlen komplett die ethischen Maßstäbe", sagt ein hochrangiger Ex-Angestellter zu Computer Bild. "Er erkennt mit absolut traumwandlerischer Sicherheit, wenn es im Netz eine neue Möglichkeit gibt, Geld zu verdienen – egal, wie die Leute über den Tisch gezogen werden."
So lebt Wagner
Auf den ersten Blick wirkt Thomas Wagner immer noch wie ein Student: Statt Anzug trägt der 34-Jährige Jeans und Daunenjacke.
Aufgewachsen im Dessauer Plattenbau, gibt sich der Millionen-Abzocker aberwitzig sparsam: Weil er zur Uni-Mensa keinen Zutritt mehr hat, isst Wagner mittags gerne in der Leipziger Rathauskantine - für 3,60 Euro. Mit seiner Freundin soll er für 600 Euro zur Miete wohnen. Nur bei Autos ist Wagner nicht knauserig: Er fährt Porsche.
Insider packen aus
Im Schutz der Anonymität haben nun eine ganze Reihe von ehemaligen Unister-Angestellten, vom Callcenter-Agenten bis zum Manager, gegegenüber Computer Bild über Thomas Wagner und seine Machenschaften ausgepackt. Die unabhängig voneinander gemachten Aussagen bestätigen sich gegenseitig und sind durch interne Firmen-E-Mails belegbar, sodass hier keineswegs einzelne rachsüchtig Ex-Mitarbeiter eine Schmutzkampagne fahren.
Viele der Männer und Frauen, die ihre Namen sicherheitshalber hier nicht abgedruckt sehen möchten, haben Unister verlassen, weil sie die ständige Kunden-Abzocke nicht mehr länger mittragen wollten.
"Die wichtigen Entscheidungen werden immer direkt von Thomas Wagner getroffen", sagt ein ehemaliger kaufmännischer Mitarbeiter. "Selbst Manager sind mehr oder weniger Strohmänner." Ähnliches berichtet auch ein ehemaliger Teamleiter, der viel mit dem Unister-Geschäftsführer zusammengearbeitet hat: "Wagner entscheidet. Es gibt eigentlich nichts im Unternehmen, was er nicht weiß." Widerspruch werde dabei nicht geduldet. "Er erwartet, dass seine Ideen sofort umgesetzt werden", so der Ex-Teamleiter. "Wer sich da mit seinen moralischen Bedenken zu stark positioniert, muss gehen."
Millionen-Geschäft
Wagner weiß: Die Abzock-Methoden, die hier weiter unten beschrieben werden, spülen gigantische Geldmengen in seine Firmenkasse.
Ein Beispiel vom Ausmaß gibt die illegale Service-Pauschale bei Flugbuchungen: Laut Informationen von Ex-Mitarbeitern verkauft Unister pro Tag rund 7000 Flugtickets. Multipliziert mit der Pauschale, die mit 20 bis 30 Euro pro Ticket heimlich im letzten Buchungsschritt aufgeschlagen wird, ergibt das einen täglichen Extra-Umsatz zwischen 140.000 und 210.000 Euro! Kaum zu glauben: Aufs Jahr gerechnet sind so bis zu 76 Millionen Euro drin.
Betrug am Kunden
Für Computer Bild ist dies ein eindeutiger Betrug am Kunden! Denn die Service-Pauschale verstößt gegen eine EU-Verordnung vom November 2008, nach der bei Flugbuchungen alle Extrakosten von Anfang an sichtbar sein müssen. Diese Regelung ist auch in Deutschland verbindlich. Das OLG Dresden urteilte dazu im August 2011: "Der zu zahlende Endpreis" müsse stets ausgewiesen werden, und "alle anwendbaren Zuschläge und Entgelte, die vorhersehbar sind, einschließen."
Nicht der einzige Rechtsverstoß von Unister: Das Urteil der Dresdener Richter legt ebenfalls fest, dass eine bei Fluege.de automatisch vorausgewählte Reiseversicherung nicht zulässig ist. Auch bei vielen anderen Abzock-Fallen, etwa in den Online-Reisebüros, bewegt sich Unister auf äußerst dünnem Eis – Kunden haben gute Chancen, die ungewollt aufgebrummten Kosten juristisch erfolgreich anzufechten.
Thomas Wagner lässt das kalt: Im Leipziger Barfußgässchen 11 wird munter weitergemacht. "Abmahnungen von Verbraucherschützern werden meist mit einem Lachen quittiert", berichtet ein Ex-Mitarbeiter. Gegenüber Mitarbeitern gibt der Abzock-Chef die klare Parole aus: Keine Angst vor rechtlichen Auseinandersetzungen. Er sei ja selbst "immer noch auf freiem Fuß".
Wilder Osten?
Doch wieso eigentlich? Wieso kann dieser Mann seit Jahren tricksen, täuschen und abzocken, ohne dass er gestoppt wird? Es drängt sich der unangenehme Verdacht auf, Unister werde in Leipzig mit Samthandschuhen angefasst:
- Bei der Staatsanwaltschaft Leipzig wurde wegen der illegalen Service-Gebühr auf Fluege.de Strafanzeige gegen Thomas Wagner gestellt. Doch nach nur wenigen Wochen stellten die Ermittler das Verfahren ein – mit einer merkwürdig knappen Begründung. "Das sieht sehr abgebügelt aus, als hätte sich die Staatsanwaltschaft nicht ausreichend mit der Strafanzeige beschäftigt", sagt Rechtsanwalt Christian Oberwetter, der den Fall als unabhängiger Jurist für Computer Bild angeschaut hat.
"Schließlich geht es hierbei um Millionen von Euro. Und was Fluege.de macht, verstößt ohne Zweifel gegen die EU-Verordnung." Auf Anfrage von Computer Bild rechtfertigt sich die Staatsanwaltschaft recht kurios, es sei "fernliegend", dass sich jeder Kunde durch die Service-Pauschale betrogen fühle. Ein Millionen-Gewinn durch rechtswidriges Verhalten – kein Grund für Ermittlungen, weil nicht jeder Betroffene gleich Betrug schreit? Mittlerweile geht das Treiben auch der Generalstaatsanwaltschaft Dresden zu weit – sie hat die Leipziger Beamten jetzt aufgefordert, die Einstellung des Strafverfahrens zu überprüfen.
- In einem anderen Fall brauchte das Landgericht Leipzig über acht Monate, um wegen der rechtswidrigen, auf Fluege.de voreingestellten Reiseversicherung ein Ordnungsgeld zu verhängen. Die peinliche Rechtfertigung des Gerichts: Man benötige seine Zeit. Aber so lange bei einem offensichtlichen Verstoß? Als Computer Bild nachhakte, ging es plötzlich doch ganz schnell: Eine Woche später wurden 75.000 Euro Ordnungsgeld verhängt. Eine Strafe, die Unister angesichts der Abzock-Millionen jedoch aus der Portokasse zahlen dürfte.
- Zu allem Überfluss wird das Abzock Imperium Unister auch noch steuerlich subventioniert: Seit 2008 erhielt das Leipziger Unternehmen über 7,5 Millionen Euro an Fördergeldern von der Sächsischen Aufbaubank. Das Institut erklärte gegenüber Computer Bild lediglich knapp, man könne die Rückforderung der Fördergelder prüfen. Ob dies geschieht, blieb offen.
Mitarbeiter gehen
Zumindest in personeller Hinsicht bröckelt der Rückhalt für Thomas Wagner und sein Abzock Imperium: In den vergangenen zwölf Monaten haben eine ganze Reihe von Mitarbeitern, darunter auch Top-Manager, das Unternehmen verlassen. Viele sagen, sie wollen die Täuschungen und Tricksereien nicht länger mittragen.
Vor zwei Jahren kündigte Unister noch großspurig an, in der Leipziger Innenstadt eine neue Firmenzentrale errichten zu wollen – doch obwohl die Baugenehmigung seit April 2011 vorhanden ist, liegt die Baustelle noch immer brach. Womöglich werden die neuen Büros schlichtweg nicht mehr gebraucht.
Keine Stellungnahme
Computer Bild konfrontierte Unister vorab mit Kritikpunkten aus diesem Artikel, doch eine Antwort auf die einzelnen Fragen der Redaktion blieb aus. Völlig absurd: Stattdessen bat Unister, den Artikel vor Veröffentlichung zur "Freigabe" übermittelt zu bekommen. In diesen Tagen steht das zehnjährige Firmenjubiläum von Unister an – eine rauschende Feier dürfte es wohl kaum noch werden. Computer Bild bleibt am Ball.
So trickst und täuscht Unister bei Google
- Falle 1. Hinterlistige Werbe-Tricks: Google verdient sein Geld mit Anzeigen, die über und neben den Suchtreffern angezeigt werden. Zumindest auf dem Papier gibt es dazu klare Regeln: Jedes Unternehmen darf nur mit einer Anzeige pro Suche werben.
Doch Unister pfeift drauf: Über die vielen Gesellschaften soll offenbar der Eindruck entstehen, man sei nicht ein, sondern mehrere Unternehmen. Die Leipziger schalten so gleich mehrere Anzeigen parallel – sodass Nutzer etwa bei einer Google-Suche zu "Flüge" unter den ersten vier Top-Treffern gleich drei Unister-Angebote zu sehen bekommen.
Pikant: In der Vergangenheit hat Unister sogar unter der Adresse der Nachrichtenseite News.de Anzeigen für Reiseangebote geschaltet, um so viele Kunden anzulocken wie möglich. Mitbewerber toben, doch Google reagiert nur verhalten: In einem Google-Schreiben vom Mai 2011 wird Unister zwar aufgefordert, solche Tricksereien zu stoppen, trotzdem gibt es sie heute immer noch. Mit dieser Werbe-Übermacht kann Unister stets neue Kunden anlocken.
- Falle 2. Dreister Marken-Missbrauch: Auch vor Markenrechtsverletzungen schreckt Unister nicht zurück: Über 80.000 Internetadressen mit Kombinationen aus Hotel- und Ortsnamen kaufte die Firma auf, um damit bei Google auf Kundenfang zu gehen. Betroffen ist etwa das Karibik-Resort "Iberostar Punta Cana".
Der Kunde glaubt aufgrund der Internetadresse, die offizielle Webseite des Hotels gefunden zu haben. Stattdessen bucht er seinen Urlaub aber bei Unister. Erste Hotelketten haben gegen diese eklatante Markenrechtsverletzung erfolgreich geklagt.
- Falle 3. Die Rabatt-Lüge: Mit reißerischen Preisnachlässen bewirbt Unister diverse Hotels bei Google. Doch im Vergleich mit anderen Online-Reisebüros ist der Preis am Ende stets der gleiche. Ein Ex-Unister-Mitarbeiter packt aus: "Diese Anzeigen werden geschaltet, weil Kunden 70-Prozent-Rabatte besonders häufig anklicken. Mit den echten Preisen hat das nichts zu tun."
Das Firmengeflecht von Unister
- Unister GmbH: Hauptzweig der Firma: Dazu gehören die Portale Fluege.de, Ab-in-den-Urlaub.de, Auto.de, Partnersuche.de, Aktienchancen.de, Boersennews.de und Myimmo.de.
- News.de GmbH: Bei der Nachrichtenseite News.de arbeiten nur wenige Journalisten. Stattdessen gibt es einen "Reiseberater", der plump nur Unister-Reiseangebote empfiehlt.
- Urlaubstours GmbH: Unister vermittelt nicht nur Reisen, mit dieser Gesellschaft ist die Firma auch selbst als Reiseveranstalter aktiv. Zockt mit extrem hohen Stornokosten ab.
- Travel24.com AG: An der Aktiengesellschaft, zu der die Online-Reisebüros Travel24.com und Lastminute24.com sowie das Flugportal Flug24.de gehören, hält Unister über zwei Drittel der Aktien.
- Aeruni GmbH: An dem Flugticket-Aussteller Aeruni ist Unister zu 50% beteiligt.
- Google: Verdient an den Unister-Anzeigen – und greift selten ein, wenn Unister gegen Googles eigene Werbe-Regeln verstößt.
- Verbraucherschutz.de e.V.: Weißwäsche: Der Verein (gehört nicht zur Verbraucherzentrale) empfiehlt gegen Geld Unister als "besonders vertrauenswürdig".
- Sächsische Aufbaubank: Förderte Unister seit 2008 mit über 7,5 Millionen Euro an Subventionen.
- Adrom Holding: Adresshändler und Gewinnspielbetreiber aus Liechtenstein. Enger Geschäftspartner von Unister; hilft bei der Verschleierung von Billigfluege.de.
- Billigfluege.de GmbH: Zu Unister gehört auch Billigfluege.de. Um aber Unabhängigkeit vorzutäuschen, steht im Impressum AdRom.
- Shopping.de GmbH: Gegründet, um das Online-Kaufhaus Shopping.de sowie das Vergleichsportal Preisvergleich.de als scheinbar unabhängige Firmen im Netz zu vermarkten.
- Portalservice GmbH: Das Service-Center für die Unister-Portale: Hier laufen die Beschwerden abgezockter Kunden auf - ob per E-Mail oder Telefon.
- Unister USA LLC.: In den USA leitet Unister mit dieser Gesellschaft Flights24.com. Wegen Abzockmaschen bereits von der US-Transportbehörde zu 30.000 $ Strafe verurteilt.
- Geld.de GmbH: Die Tochter-Gesellschaft von Unister betreibt die Finanz-Portale Geld.de und Kredit.de.
- Reisen.de Service-GmbH: Unister-Tochtergesellschaft in Berlin, betreibt Reisen.de und Holidaytest.de. Bietet Urlaubsreisen an und ist nur scheinbar von Unister unabhängig.
Fluege.de : Abzocke am laufenden Band
1. Auswahl des Fluges: Fluege.de wirbt häufig mit reduzierten Preisen. Doch Recherchen zeigen: Der durchgestrichene alte Preis ist frei erfunden – und der neue Preis nicht günstiger als bei Mitbewerbern. Nächster Schwindel: Knappe Sitzplätze sollen zum schnellen Buchen verleiten, sind aber auch erfunden.
2. Häufig nutzloses "Flexifly": Nach der Auswahl eines Fluges ist im zweiten Buchungsschritt der "Flexifly"-Umbuchungsservice zum Preis zwischen 5 und 15 Euro pro Person automatisch voreingestellt. Er verspricht "einmalige Flexibilität" – erst im Kleingedruckten steht dann, dass der Service nur bis 200 Euro Umbuchungskosten greift und ohnehin nur bis zur Hälfte der Zeit zwischen Buchung und Flugbeginn gültig ist. Da Umbuchungen meist kurzfristiger notwendig werden, ist der Service daher häufig nutzlos.
3. Abofalle Reiseversicherung: Gezielte Verwirrung! Während bei "Flexifly" das Häkchen entfernt werden muss, um Extrakosten zu vermeiden, ist es beim Reiseschutz genau andersherum: Hier muss der Kunde zum Verzicht selbst einen Haken setzen – obwohl diese Masche bereits seit 2011 verboten ist! Wer die Versicherung nicht abwählt, bekommt gleich ein Reiseschutz-Abo, das sich im Folgejahr automatisch zu deutlich höheren Kosten verlängert.
4. Illegale Service-Pauschale: Im letzten Buchungsschritt wird heimlich eine Service-Pauschale, getarnt als "Gebühren und Mehrwertsteuer", aufgeschlagen. Die Umschreibung gaukelt vor, es handle sich um die Flughafengebühr und die Mehrwertsteuer – obwohl beide längst im Flugpreis enthalten sind. Das Ticket wird so deutlich teurer als anfangs angegeben. Ein klarer Rechtsverstoß!
Die Buchungsfalle
Vorsicht bei Ab-in-den-Urlaub.de, Reisen.de und Travel24.com! Die Online-Reisebüros werben mit Versprechen wie "bester Preis garantiert", obendrein gaukeln durchgestrichene Altpreise ein Schnäppchen vor. Dabei sind diese Streichpreise frei erfunden; sie finden sich nirgendwo anders. Im Gegenteil: Viele Mitbewerber sind oft sogar günstiger als die Unister-Reiseportale!
Wer dennoch nichtsahnend ein Reiseangebot anklickt, droht, in eine Buchungsfalle zu tappen: Scheinbar unverdächtig wird aufgefordert, Name und Anschrift anzugeben sowie die Geschäftsbedingungen zu bestätigen. Kaum jemand ahnt, an dieser Stelle bereits eine Verpflichtung einzugehen. Wie sollte man auch: Schließlich wurde bislang weder ein Zahlungsweg noch eine Reiseversicherung abgefragt.
In der Erwartung, erst einmal unverbindlich das gesamte Angebot inklusive Zusatzkosten, etwa für die Versicherung, einzuholen, klickt man auf Buchen und weiter! – und schon schnappt die Falle zu: Nun heißt es, die Buchung sei bereits "verbindlich". Die Rechnung flattert prompt ins E-Mail-Postfach.
"Das ist so nicht zulässig, der Kunde wird überrascht", sagt Rechtsanwalt Christian Oberwetter. Die Stornierung der ungewollten Buchung wird aber teuer: In einem Fall verlangte ein Reiseveranstalter unverschämte 70 Prozent des Preises, obwohl die Reise erst in vier Monaten beginnen sollte – "völlig überzogen", so Anwalt Oberwetter. Doch selbst wenn der Reiseveranstalter die Stornierung kostenfrei anbietet, erhebt Unister als Reisevermittler frech 100 Euro Bearbeitungsgebühr.
Die Empfehlung des Anwalts: "In beiden Fällen gilt: Auf keinen Fall zahlen", sagt Oberwetter. Die angeblich verbindliche Buchung sei juristisch anfechtbar.
Miese Beratung
- Falle 1. Abzocke bei Preisvergleich.de: Bis 2011 berechnete Preisvergleich.de bei Abschluss von Stromverträgen eine Service-Pauschale von 50 Euro. Erst nach Protesten der Stromanbieter wurde die Praxis gestoppt. Noch heute täuscht die Seite: Sie verspricht, "alle großen Reiseanbieter im Vergleich" zu haben. Tatsächlich gibt es gar keinen Preisvergleich, sondern nur eine Reise-Direktbuchung, bei der die gleiche Buchungsfalle wie bei anderen Unister-Reiseportalen lauert.
- Falle 2. Fragwürdige Aktien-Tipps: Aktientipps von einem "Team von Börsenexperten" verspricht das Unister-Portal Aktienchancen.de. Doch wer sich in den E-Mail-Verteiler einträgt, bekommt statt Empfehlungen unabhängiger Experten lediglich Werbe-Mails für eher fragwürdige Aktien in sein Postfach. Brisant: Sogar Werbung für die Aktie der Unister-eigenen Travel24.com AG wurde verschickt – ohne auf den Interessenskonflikt hinzuweisen. Das fällt unter unlauteren Wettbewerb.
Betrug bei Partnersuche.de
Fieses Spiel mit einsamen Herzen: Um neue Besucher auf der Dating-Seite Partnersuche.de zum Dabeibleiben – und Abschließen von Abo-Verträgen – zu bewegen, ordnete Thomas Wagner an, mit "Bots", also computergesteuerten Mitglieder-Profilen, rege Beteiligung vorzutäuschen. Tausende Nutzer erhielten gefälschte Flirt-Nachrichten, die sich jedoch erst mit Abo lesen ließen.
Für das Versenden und Beantworten der gefälschten Flirt-Nachrichten waren Unister-Mitarbeiter zuständig. Bis Anfang 2012 lief diese Praxis. Damit nicht genug: Bei vielen Kunden buchte Unister die Abo-Beträge doppelt ab! "Wagners Denkweise: Wenn es von zweien nur einer merkt, habe ich ja einen Gewinn", so ein Unister-Insider.
Schwindel mit Siegeln und Bewertungen
- Falle 1. Gekaufte "Verbraucherschützer": Mit der richtigen Verbraucherzentrale hat dieses Siegel nichts zu tun – und das ist auch besser so: "Verbraucherschutz.de" nennt sich ein dubioser Verein aus Lüneburg, der mit seinem Empfehlungssiegel Vertrauen vermitteln soll. Auch zahlreiche Unister-Seiten schmücken sich mit dem fragwürdigen Siegel.
Pikant: Der Verein führt keine Tests durch, die eine unabhängige Empfehlung rechtfertigen. Stattdessen basiert das Siegel im Wesentlichen auf einer Selbstauskunft des Ausgezeichneten. Ein Computer Bild vorliegender geheimer Geschäftsvertrag belegt weiter: Das Einzige, was hier geprüft wird, ist der Zahlungseingang!
Andere Siegel kosten zwar ebenfalls Geld. Allerdings wird generell ein Test finanziert, der über die Siegelvergabe entscheidet. Der Vertrag von Verbraucherschutz.de dagegen liest sich wie eine Werbe-Vereinbarung – im Gegenzug für das Geld verspricht der Verein, auf seiner Webseite "einen ganzseitigen Artikel in der Kategorie Empfehlungen" zu schreiben. Wie wenig unabhängig dieser ausfällt, lässt sich auf Verbraucherschutz.de nachlesen, wo ausgerechnet die Abzock-Seite Fluege.de als "besonders vertrauenswürdig und verbraucherfreundlich" gelobt wird.
- Falle 2. Selbst erstellte Test-Siegel: Eigenlob stinkt? Nicht für Unister: Zahlreiche Internetseiten des Leipziger Unternehmens schmücken sich mit Testsiegeln aus dem eigenen Haus – auffälligerweise stets in der Note "sehr gut". So empfiehlt Preisvergleich.de etwa Ab-in-den-Urlaub.de. Dass beide zur selben Firma gehören, bleibt unerwähnt.
- Falle 3. Gefälschte Kundenbewertungen: Google zeigt in seinen Suchtreffern einen in Sternen angegebenen Schnitt von Kundenbewertungen – und Unister schneidet dabei erstaunlich gut ab. Hintergrund: Das Unternehmen fälscht massenhaft 5-Sterne-Bewertungen, um die teils vernichtenden Kritiken geprellter Verbraucher zu übertünchen. Interne E-Mails belegen, wie Mitarbeiter regelmäßig Bewertungen für die verschiedenen Unister-Portale fälschen. Damit das nicht auffällt, nutzen sie Anonymisierungs-Programme.
Auch abgezockt worden?
(Sie können diese E-Mail Adresse erst sehen, wenn Sie mindestens Premium-User sind.)
Tatort Leipzig, Barfußgässchen 11: Hier, in attraktiver Altstadtlage neben Cafés und Springbrunnen, liegt der Hauptsitz von Unister. Während vor dem schicken Jugendstilgebäude Reisegruppen entlangschlendern, werden hinter der Fassade Millionen verdient – mit Trickserei, Täuschung und teilweise rechtswidrigen Mitteln.
Abzocke im Internet gibt es zwar schon länger, doch das Ausmaß dieses Skandals überschattet alles bisher Dagewesene. Auch wenn den Namen Unister kaum einer kennt, sind die Online-Angebote dieser Firma wohl jedem schon einmal begegnet: Dazu gehören etwa die Flugbuchungsseiten Fluege.de, Flug24.de und Billigfluege.de, die Online-Reisebüros Ab-in-den-Urlaub.de, Travel24.com und Reisen.de, das Service-Portal Preisvergleich.de oder die Dating-Seite Partnersuche.de – um nur einige der bekanntesten zu nennen. Beteiligt ist die Leipziger Firma aber noch an vielen weiteren namhaften Internet-Portalen.
Abzocker im Visier
In seiner Selbstdarstellung gibt sich Unister gern als Vorzeige-Unternehmen aus dem Osten, das in nur zehn Jahren vom Start-up zum Millionen-Konzern heranwuchs. Die wahre Geschichte dieser Firma ist dagegen schockierend: Über drei Monate hat Computer Bild vor Ort in Leipzig recherchiert, mit Insidern gesprochen und vertrauliche Dokumente gesichtet.
Das Ergebnis offenbart, wie Unister im Internet mit scheinbarer Seriosität und falschen Werbeversprechen auf Kundenfang geht – und den Verbrauchern dann auf dreisteste Weise das Geld aus den Taschen zieht: mit frei erfundenen Preisreduzierungen, heimlich aufgeschlagenen Service-Geldern, Klick-Fallen bei Urlaubsbuchungen und weitererer Schwindelei. Es ist ein Millionen-Geschäft – und ganz Deutschland wird abgezockt.
Schein von Seriosität?
Mit einem aufwendigen Werbeaufgebot in TV und Internet hat Unister seine Marken bekannt gemacht: Ex-Nationalspieler Michael Ballack empfiehlt Buchungen bei Ab-in-den-Urlaub.de, TV-Moderatorin Sonya Kraus verspricht Top-Schnäppchen auf Travel24.com, und Fußball-Funktionär Reiner Calmund lobt mit rheinischem Frohmut Fluege.de: "Da findest du sicher den billigsten Flug."
Unister setzt darauf, dass viele Verbraucher den Empfehlungen der prominenten Werbe-Ikonen vertrauen. Zusätzlich machen Kundenmeinungen auf Bewertungsseiten im Netz einen guten Eindruck: Stets schmückt ein Durchschnitt von vier bis fünf Sternen die Unister-Portale – und wird auch so in der Google- Suche angezeigt. Ein Empfehlungs-Siegel von Verbraucherschutz.de verheißt ebenfalls Seriosität.
Doch was kein Kunde ahnen kann: Viele der Bewertungen sind getürkt, das Verbraucherschutz-Siegel ist eingekauft.
Das System Unister
Die Verbraucher haben es schwer, bei Unister durchzublicken: Das Unternehmen vermarket seine Online-Portale nicht einheitlich unter einem Namen, sondern mithilfe eines nebulösen Geflechts von elf unterschiedlichen Gesellschaften (GmbH). Zwar sind die verschiedenen Gesellschaften handelsrechtlich einem einzelnen Konzern – der Unister Holding – untergeordnet, für Außenstehende ist dies aber kaum zu erkennen.
Nur der Blick ins Impressum offenbart, dass die unterschiedlichen Gesellschaften auf die gleichen Adressen verweisen: das Barfußgässchen 11 in Leipzig oder die Bouchéstraße 12 in Berlin, den Hauptstadt-Sitz von Unister. Neuerdings perfektioniert das Unternehmen sein Versteckspiel aber auch hier: Im Impressum von Billigfluege.de steht die Liechtensteiner AdRom Holding, ein enger Geschäftspartner von Unister. Erst ein Blick ins Handelsregister offenbart, dass der wahre Inhaber die Unister Holding ist.
Trotz dieser Verschleierungen sind die Unister-Gesellschaften bestens vernetzt – nur soll es keiner merken. Beispiel: Wer eine Pauschalreise bei Ab-in-den-Urlaub.de sucht, erhält für seinen Reisewunsch prompt zwei Vergleichsangebote von Reisen.de und Travel24.com – ohne Hinweis darauf, dass diese zum Unister Imperium gehören. Der Kunde merkt also gar nicht, dass er die Preise vom selben Unternehmen vergleicht. Vergleiche mit direkten – und oft günstigeren – Mitbewerbern vermeidet Unister dagegen.
Den Vogel schießt die Unister-Nachrichtenseite News.de ab, von der man eigentlich journalistische Unabhängigkeit erwarten sollte: Sie wirbt mit ihrem "Reisevergleich", der "die großen Reiseportale auf einen Klick" vergleichen soll – tatsächlich aber nur Angebote aus dem Hause Unister berücksichtigt.
Der Drahtzieher: Thomas Wagner
Viele Namen, viele Gesellschaften – doch dahinter steckt derselbe Mann: Geschäftsführer Thomas Wagner. 2002, noch im BWL-Studium, gründete er Unister, das zunächst als Internetplattform für Studenten gedacht ist. Das Campus-Netzwerk scheitert zwar, doch Wagner entdeckt neue Geschäftsfelder in der Internetwelt: Ab 2005 beginnt er, Versicherungen und Kredite auf Provisionsbasis zu vermitteln. Unister wächst rasant, schon bald gehören auch Flüge und Urlaubsreisen mit zum Unternehmens-Portfolio.
Doch Wagner will mehr. Die Provisionen beim Flugticket- oder Versicherungsverkauf werfen ihm nicht genug Umsatz ab. Der Aufstieg von Unister zu einem der größten deutschen Internet-Unternehmen – er wird schon bald durch schmutzige Geschäftspraktiken mitfinanziert. Wagner selbst bereitet das keine Probleme.
"Ihm fehlen komplett die ethischen Maßstäbe", sagt ein hochrangiger Ex-Angestellter zu Computer Bild. "Er erkennt mit absolut traumwandlerischer Sicherheit, wenn es im Netz eine neue Möglichkeit gibt, Geld zu verdienen – egal, wie die Leute über den Tisch gezogen werden."
So lebt Wagner
Auf den ersten Blick wirkt Thomas Wagner immer noch wie ein Student: Statt Anzug trägt der 34-Jährige Jeans und Daunenjacke.
Aufgewachsen im Dessauer Plattenbau, gibt sich der Millionen-Abzocker aberwitzig sparsam: Weil er zur Uni-Mensa keinen Zutritt mehr hat, isst Wagner mittags gerne in der Leipziger Rathauskantine - für 3,60 Euro. Mit seiner Freundin soll er für 600 Euro zur Miete wohnen. Nur bei Autos ist Wagner nicht knauserig: Er fährt Porsche.
Insider packen aus
Im Schutz der Anonymität haben nun eine ganze Reihe von ehemaligen Unister-Angestellten, vom Callcenter-Agenten bis zum Manager, gegegenüber Computer Bild über Thomas Wagner und seine Machenschaften ausgepackt. Die unabhängig voneinander gemachten Aussagen bestätigen sich gegenseitig und sind durch interne Firmen-E-Mails belegbar, sodass hier keineswegs einzelne rachsüchtig Ex-Mitarbeiter eine Schmutzkampagne fahren.
Viele der Männer und Frauen, die ihre Namen sicherheitshalber hier nicht abgedruckt sehen möchten, haben Unister verlassen, weil sie die ständige Kunden-Abzocke nicht mehr länger mittragen wollten.
"Die wichtigen Entscheidungen werden immer direkt von Thomas Wagner getroffen", sagt ein ehemaliger kaufmännischer Mitarbeiter. "Selbst Manager sind mehr oder weniger Strohmänner." Ähnliches berichtet auch ein ehemaliger Teamleiter, der viel mit dem Unister-Geschäftsführer zusammengearbeitet hat: "Wagner entscheidet. Es gibt eigentlich nichts im Unternehmen, was er nicht weiß." Widerspruch werde dabei nicht geduldet. "Er erwartet, dass seine Ideen sofort umgesetzt werden", so der Ex-Teamleiter. "Wer sich da mit seinen moralischen Bedenken zu stark positioniert, muss gehen."
Millionen-Geschäft
Wagner weiß: Die Abzock-Methoden, die hier weiter unten beschrieben werden, spülen gigantische Geldmengen in seine Firmenkasse.
Ein Beispiel vom Ausmaß gibt die illegale Service-Pauschale bei Flugbuchungen: Laut Informationen von Ex-Mitarbeitern verkauft Unister pro Tag rund 7000 Flugtickets. Multipliziert mit der Pauschale, die mit 20 bis 30 Euro pro Ticket heimlich im letzten Buchungsschritt aufgeschlagen wird, ergibt das einen täglichen Extra-Umsatz zwischen 140.000 und 210.000 Euro! Kaum zu glauben: Aufs Jahr gerechnet sind so bis zu 76 Millionen Euro drin.
Betrug am Kunden
Für Computer Bild ist dies ein eindeutiger Betrug am Kunden! Denn die Service-Pauschale verstößt gegen eine EU-Verordnung vom November 2008, nach der bei Flugbuchungen alle Extrakosten von Anfang an sichtbar sein müssen. Diese Regelung ist auch in Deutschland verbindlich. Das OLG Dresden urteilte dazu im August 2011: "Der zu zahlende Endpreis" müsse stets ausgewiesen werden, und "alle anwendbaren Zuschläge und Entgelte, die vorhersehbar sind, einschließen."
Nicht der einzige Rechtsverstoß von Unister: Das Urteil der Dresdener Richter legt ebenfalls fest, dass eine bei Fluege.de automatisch vorausgewählte Reiseversicherung nicht zulässig ist. Auch bei vielen anderen Abzock-Fallen, etwa in den Online-Reisebüros, bewegt sich Unister auf äußerst dünnem Eis – Kunden haben gute Chancen, die ungewollt aufgebrummten Kosten juristisch erfolgreich anzufechten.
Thomas Wagner lässt das kalt: Im Leipziger Barfußgässchen 11 wird munter weitergemacht. "Abmahnungen von Verbraucherschützern werden meist mit einem Lachen quittiert", berichtet ein Ex-Mitarbeiter. Gegenüber Mitarbeitern gibt der Abzock-Chef die klare Parole aus: Keine Angst vor rechtlichen Auseinandersetzungen. Er sei ja selbst "immer noch auf freiem Fuß".
Wilder Osten?
Doch wieso eigentlich? Wieso kann dieser Mann seit Jahren tricksen, täuschen und abzocken, ohne dass er gestoppt wird? Es drängt sich der unangenehme Verdacht auf, Unister werde in Leipzig mit Samthandschuhen angefasst:
- Bei der Staatsanwaltschaft Leipzig wurde wegen der illegalen Service-Gebühr auf Fluege.de Strafanzeige gegen Thomas Wagner gestellt. Doch nach nur wenigen Wochen stellten die Ermittler das Verfahren ein – mit einer merkwürdig knappen Begründung. "Das sieht sehr abgebügelt aus, als hätte sich die Staatsanwaltschaft nicht ausreichend mit der Strafanzeige beschäftigt", sagt Rechtsanwalt Christian Oberwetter, der den Fall als unabhängiger Jurist für Computer Bild angeschaut hat.
"Schließlich geht es hierbei um Millionen von Euro. Und was Fluege.de macht, verstößt ohne Zweifel gegen die EU-Verordnung." Auf Anfrage von Computer Bild rechtfertigt sich die Staatsanwaltschaft recht kurios, es sei "fernliegend", dass sich jeder Kunde durch die Service-Pauschale betrogen fühle. Ein Millionen-Gewinn durch rechtswidriges Verhalten – kein Grund für Ermittlungen, weil nicht jeder Betroffene gleich Betrug schreit? Mittlerweile geht das Treiben auch der Generalstaatsanwaltschaft Dresden zu weit – sie hat die Leipziger Beamten jetzt aufgefordert, die Einstellung des Strafverfahrens zu überprüfen.
- In einem anderen Fall brauchte das Landgericht Leipzig über acht Monate, um wegen der rechtswidrigen, auf Fluege.de voreingestellten Reiseversicherung ein Ordnungsgeld zu verhängen. Die peinliche Rechtfertigung des Gerichts: Man benötige seine Zeit. Aber so lange bei einem offensichtlichen Verstoß? Als Computer Bild nachhakte, ging es plötzlich doch ganz schnell: Eine Woche später wurden 75.000 Euro Ordnungsgeld verhängt. Eine Strafe, die Unister angesichts der Abzock-Millionen jedoch aus der Portokasse zahlen dürfte.
- Zu allem Überfluss wird das Abzock Imperium Unister auch noch steuerlich subventioniert: Seit 2008 erhielt das Leipziger Unternehmen über 7,5 Millionen Euro an Fördergeldern von der Sächsischen Aufbaubank. Das Institut erklärte gegenüber Computer Bild lediglich knapp, man könne die Rückforderung der Fördergelder prüfen. Ob dies geschieht, blieb offen.
Mitarbeiter gehen
Zumindest in personeller Hinsicht bröckelt der Rückhalt für Thomas Wagner und sein Abzock Imperium: In den vergangenen zwölf Monaten haben eine ganze Reihe von Mitarbeitern, darunter auch Top-Manager, das Unternehmen verlassen. Viele sagen, sie wollen die Täuschungen und Tricksereien nicht länger mittragen.
Vor zwei Jahren kündigte Unister noch großspurig an, in der Leipziger Innenstadt eine neue Firmenzentrale errichten zu wollen – doch obwohl die Baugenehmigung seit April 2011 vorhanden ist, liegt die Baustelle noch immer brach. Womöglich werden die neuen Büros schlichtweg nicht mehr gebraucht.
Keine Stellungnahme
Computer Bild konfrontierte Unister vorab mit Kritikpunkten aus diesem Artikel, doch eine Antwort auf die einzelnen Fragen der Redaktion blieb aus. Völlig absurd: Stattdessen bat Unister, den Artikel vor Veröffentlichung zur "Freigabe" übermittelt zu bekommen. In diesen Tagen steht das zehnjährige Firmenjubiläum von Unister an – eine rauschende Feier dürfte es wohl kaum noch werden. Computer Bild bleibt am Ball.
So trickst und täuscht Unister bei Google
- Falle 1. Hinterlistige Werbe-Tricks: Google verdient sein Geld mit Anzeigen, die über und neben den Suchtreffern angezeigt werden. Zumindest auf dem Papier gibt es dazu klare Regeln: Jedes Unternehmen darf nur mit einer Anzeige pro Suche werben.
Doch Unister pfeift drauf: Über die vielen Gesellschaften soll offenbar der Eindruck entstehen, man sei nicht ein, sondern mehrere Unternehmen. Die Leipziger schalten so gleich mehrere Anzeigen parallel – sodass Nutzer etwa bei einer Google-Suche zu "Flüge" unter den ersten vier Top-Treffern gleich drei Unister-Angebote zu sehen bekommen.
Pikant: In der Vergangenheit hat Unister sogar unter der Adresse der Nachrichtenseite News.de Anzeigen für Reiseangebote geschaltet, um so viele Kunden anzulocken wie möglich. Mitbewerber toben, doch Google reagiert nur verhalten: In einem Google-Schreiben vom Mai 2011 wird Unister zwar aufgefordert, solche Tricksereien zu stoppen, trotzdem gibt es sie heute immer noch. Mit dieser Werbe-Übermacht kann Unister stets neue Kunden anlocken.
- Falle 2. Dreister Marken-Missbrauch: Auch vor Markenrechtsverletzungen schreckt Unister nicht zurück: Über 80.000 Internetadressen mit Kombinationen aus Hotel- und Ortsnamen kaufte die Firma auf, um damit bei Google auf Kundenfang zu gehen. Betroffen ist etwa das Karibik-Resort "Iberostar Punta Cana".
Der Kunde glaubt aufgrund der Internetadresse, die offizielle Webseite des Hotels gefunden zu haben. Stattdessen bucht er seinen Urlaub aber bei Unister. Erste Hotelketten haben gegen diese eklatante Markenrechtsverletzung erfolgreich geklagt.
- Falle 3. Die Rabatt-Lüge: Mit reißerischen Preisnachlässen bewirbt Unister diverse Hotels bei Google. Doch im Vergleich mit anderen Online-Reisebüros ist der Preis am Ende stets der gleiche. Ein Ex-Unister-Mitarbeiter packt aus: "Diese Anzeigen werden geschaltet, weil Kunden 70-Prozent-Rabatte besonders häufig anklicken. Mit den echten Preisen hat das nichts zu tun."
Das Firmengeflecht von Unister
- Unister GmbH: Hauptzweig der Firma: Dazu gehören die Portale Fluege.de, Ab-in-den-Urlaub.de, Auto.de, Partnersuche.de, Aktienchancen.de, Boersennews.de und Myimmo.de.
- News.de GmbH: Bei der Nachrichtenseite News.de arbeiten nur wenige Journalisten. Stattdessen gibt es einen "Reiseberater", der plump nur Unister-Reiseangebote empfiehlt.
- Urlaubstours GmbH: Unister vermittelt nicht nur Reisen, mit dieser Gesellschaft ist die Firma auch selbst als Reiseveranstalter aktiv. Zockt mit extrem hohen Stornokosten ab.
- Travel24.com AG: An der Aktiengesellschaft, zu der die Online-Reisebüros Travel24.com und Lastminute24.com sowie das Flugportal Flug24.de gehören, hält Unister über zwei Drittel der Aktien.
- Aeruni GmbH: An dem Flugticket-Aussteller Aeruni ist Unister zu 50% beteiligt.
- Google: Verdient an den Unister-Anzeigen – und greift selten ein, wenn Unister gegen Googles eigene Werbe-Regeln verstößt.
- Verbraucherschutz.de e.V.: Weißwäsche: Der Verein (gehört nicht zur Verbraucherzentrale) empfiehlt gegen Geld Unister als "besonders vertrauenswürdig".
- Sächsische Aufbaubank: Förderte Unister seit 2008 mit über 7,5 Millionen Euro an Subventionen.
- Adrom Holding: Adresshändler und Gewinnspielbetreiber aus Liechtenstein. Enger Geschäftspartner von Unister; hilft bei der Verschleierung von Billigfluege.de.
- Billigfluege.de GmbH: Zu Unister gehört auch Billigfluege.de. Um aber Unabhängigkeit vorzutäuschen, steht im Impressum AdRom.
- Shopping.de GmbH: Gegründet, um das Online-Kaufhaus Shopping.de sowie das Vergleichsportal Preisvergleich.de als scheinbar unabhängige Firmen im Netz zu vermarkten.
- Portalservice GmbH: Das Service-Center für die Unister-Portale: Hier laufen die Beschwerden abgezockter Kunden auf - ob per E-Mail oder Telefon.
- Unister USA LLC.: In den USA leitet Unister mit dieser Gesellschaft Flights24.com. Wegen Abzockmaschen bereits von der US-Transportbehörde zu 30.000 $ Strafe verurteilt.
- Geld.de GmbH: Die Tochter-Gesellschaft von Unister betreibt die Finanz-Portale Geld.de und Kredit.de.
- Reisen.de Service-GmbH: Unister-Tochtergesellschaft in Berlin, betreibt Reisen.de und Holidaytest.de. Bietet Urlaubsreisen an und ist nur scheinbar von Unister unabhängig.
Fluege.de : Abzocke am laufenden Band
1. Auswahl des Fluges: Fluege.de wirbt häufig mit reduzierten Preisen. Doch Recherchen zeigen: Der durchgestrichene alte Preis ist frei erfunden – und der neue Preis nicht günstiger als bei Mitbewerbern. Nächster Schwindel: Knappe Sitzplätze sollen zum schnellen Buchen verleiten, sind aber auch erfunden.
2. Häufig nutzloses "Flexifly": Nach der Auswahl eines Fluges ist im zweiten Buchungsschritt der "Flexifly"-Umbuchungsservice zum Preis zwischen 5 und 15 Euro pro Person automatisch voreingestellt. Er verspricht "einmalige Flexibilität" – erst im Kleingedruckten steht dann, dass der Service nur bis 200 Euro Umbuchungskosten greift und ohnehin nur bis zur Hälfte der Zeit zwischen Buchung und Flugbeginn gültig ist. Da Umbuchungen meist kurzfristiger notwendig werden, ist der Service daher häufig nutzlos.
3. Abofalle Reiseversicherung: Gezielte Verwirrung! Während bei "Flexifly" das Häkchen entfernt werden muss, um Extrakosten zu vermeiden, ist es beim Reiseschutz genau andersherum: Hier muss der Kunde zum Verzicht selbst einen Haken setzen – obwohl diese Masche bereits seit 2011 verboten ist! Wer die Versicherung nicht abwählt, bekommt gleich ein Reiseschutz-Abo, das sich im Folgejahr automatisch zu deutlich höheren Kosten verlängert.
4. Illegale Service-Pauschale: Im letzten Buchungsschritt wird heimlich eine Service-Pauschale, getarnt als "Gebühren und Mehrwertsteuer", aufgeschlagen. Die Umschreibung gaukelt vor, es handle sich um die Flughafengebühr und die Mehrwertsteuer – obwohl beide längst im Flugpreis enthalten sind. Das Ticket wird so deutlich teurer als anfangs angegeben. Ein klarer Rechtsverstoß!
Die Buchungsfalle
Vorsicht bei Ab-in-den-Urlaub.de, Reisen.de und Travel24.com! Die Online-Reisebüros werben mit Versprechen wie "bester Preis garantiert", obendrein gaukeln durchgestrichene Altpreise ein Schnäppchen vor. Dabei sind diese Streichpreise frei erfunden; sie finden sich nirgendwo anders. Im Gegenteil: Viele Mitbewerber sind oft sogar günstiger als die Unister-Reiseportale!
Wer dennoch nichtsahnend ein Reiseangebot anklickt, droht, in eine Buchungsfalle zu tappen: Scheinbar unverdächtig wird aufgefordert, Name und Anschrift anzugeben sowie die Geschäftsbedingungen zu bestätigen. Kaum jemand ahnt, an dieser Stelle bereits eine Verpflichtung einzugehen. Wie sollte man auch: Schließlich wurde bislang weder ein Zahlungsweg noch eine Reiseversicherung abgefragt.
In der Erwartung, erst einmal unverbindlich das gesamte Angebot inklusive Zusatzkosten, etwa für die Versicherung, einzuholen, klickt man auf Buchen und weiter! – und schon schnappt die Falle zu: Nun heißt es, die Buchung sei bereits "verbindlich". Die Rechnung flattert prompt ins E-Mail-Postfach.
"Das ist so nicht zulässig, der Kunde wird überrascht", sagt Rechtsanwalt Christian Oberwetter. Die Stornierung der ungewollten Buchung wird aber teuer: In einem Fall verlangte ein Reiseveranstalter unverschämte 70 Prozent des Preises, obwohl die Reise erst in vier Monaten beginnen sollte – "völlig überzogen", so Anwalt Oberwetter. Doch selbst wenn der Reiseveranstalter die Stornierung kostenfrei anbietet, erhebt Unister als Reisevermittler frech 100 Euro Bearbeitungsgebühr.
Die Empfehlung des Anwalts: "In beiden Fällen gilt: Auf keinen Fall zahlen", sagt Oberwetter. Die angeblich verbindliche Buchung sei juristisch anfechtbar.
Miese Beratung
- Falle 1. Abzocke bei Preisvergleich.de: Bis 2011 berechnete Preisvergleich.de bei Abschluss von Stromverträgen eine Service-Pauschale von 50 Euro. Erst nach Protesten der Stromanbieter wurde die Praxis gestoppt. Noch heute täuscht die Seite: Sie verspricht, "alle großen Reiseanbieter im Vergleich" zu haben. Tatsächlich gibt es gar keinen Preisvergleich, sondern nur eine Reise-Direktbuchung, bei der die gleiche Buchungsfalle wie bei anderen Unister-Reiseportalen lauert.
- Falle 2. Fragwürdige Aktien-Tipps: Aktientipps von einem "Team von Börsenexperten" verspricht das Unister-Portal Aktienchancen.de. Doch wer sich in den E-Mail-Verteiler einträgt, bekommt statt Empfehlungen unabhängiger Experten lediglich Werbe-Mails für eher fragwürdige Aktien in sein Postfach. Brisant: Sogar Werbung für die Aktie der Unister-eigenen Travel24.com AG wurde verschickt – ohne auf den Interessenskonflikt hinzuweisen. Das fällt unter unlauteren Wettbewerb.
Betrug bei Partnersuche.de
Fieses Spiel mit einsamen Herzen: Um neue Besucher auf der Dating-Seite Partnersuche.de zum Dabeibleiben – und Abschließen von Abo-Verträgen – zu bewegen, ordnete Thomas Wagner an, mit "Bots", also computergesteuerten Mitglieder-Profilen, rege Beteiligung vorzutäuschen. Tausende Nutzer erhielten gefälschte Flirt-Nachrichten, die sich jedoch erst mit Abo lesen ließen.
Für das Versenden und Beantworten der gefälschten Flirt-Nachrichten waren Unister-Mitarbeiter zuständig. Bis Anfang 2012 lief diese Praxis. Damit nicht genug: Bei vielen Kunden buchte Unister die Abo-Beträge doppelt ab! "Wagners Denkweise: Wenn es von zweien nur einer merkt, habe ich ja einen Gewinn", so ein Unister-Insider.
Schwindel mit Siegeln und Bewertungen
- Falle 1. Gekaufte "Verbraucherschützer": Mit der richtigen Verbraucherzentrale hat dieses Siegel nichts zu tun – und das ist auch besser so: "Verbraucherschutz.de" nennt sich ein dubioser Verein aus Lüneburg, der mit seinem Empfehlungssiegel Vertrauen vermitteln soll. Auch zahlreiche Unister-Seiten schmücken sich mit dem fragwürdigen Siegel.
Pikant: Der Verein führt keine Tests durch, die eine unabhängige Empfehlung rechtfertigen. Stattdessen basiert das Siegel im Wesentlichen auf einer Selbstauskunft des Ausgezeichneten. Ein Computer Bild vorliegender geheimer Geschäftsvertrag belegt weiter: Das Einzige, was hier geprüft wird, ist der Zahlungseingang!
Andere Siegel kosten zwar ebenfalls Geld. Allerdings wird generell ein Test finanziert, der über die Siegelvergabe entscheidet. Der Vertrag von Verbraucherschutz.de dagegen liest sich wie eine Werbe-Vereinbarung – im Gegenzug für das Geld verspricht der Verein, auf seiner Webseite "einen ganzseitigen Artikel in der Kategorie Empfehlungen" zu schreiben. Wie wenig unabhängig dieser ausfällt, lässt sich auf Verbraucherschutz.de nachlesen, wo ausgerechnet die Abzock-Seite Fluege.de als "besonders vertrauenswürdig und verbraucherfreundlich" gelobt wird.
- Falle 2. Selbst erstellte Test-Siegel: Eigenlob stinkt? Nicht für Unister: Zahlreiche Internetseiten des Leipziger Unternehmens schmücken sich mit Testsiegeln aus dem eigenen Haus – auffälligerweise stets in der Note "sehr gut". So empfiehlt Preisvergleich.de etwa Ab-in-den-Urlaub.de. Dass beide zur selben Firma gehören, bleibt unerwähnt.
- Falle 3. Gefälschte Kundenbewertungen: Google zeigt in seinen Suchtreffern einen in Sternen angegebenen Schnitt von Kundenbewertungen – und Unister schneidet dabei erstaunlich gut ab. Hintergrund: Das Unternehmen fälscht massenhaft 5-Sterne-Bewertungen, um die teils vernichtenden Kritiken geprellter Verbraucher zu übertünchen. Interne E-Mails belegen, wie Mitarbeiter regelmäßig Bewertungen für die verschiedenen Unister-Portale fälschen. Damit das nicht auffällt, nutzen sie Anonymisierungs-Programme.
Auch abgezockt worden?
(Sie können diese E-Mail Adresse erst sehen, wenn Sie mindestens Premium-User sind.)
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Verdacht auf Steuerbetrug - Razzia bei Unister
Der Unternehmenssitz des Internetdienstleisters Unister hat am Dienstag Besuch von Ermittlern des LKA bekommen. Medienberichten zufolge geht es unter anderem um Steuerbetrug in Millionenhöhe.
ZWEI FÜHRUNGSKRÄFTE WURDEN FESTGENOMMEN
Medienberichten zufolge ist auch Unister-Gründer Thomas Wagner unter jenen acht Führungskräften, gegen die ermittlet wird.
Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) haben am Dienstag den Hauptsitz des Internet-Unternehmens Unister in Leipzig durchsucht. LKA-Sprecher Tom Bernhardt bestätigte, dass Computer und Akten beschlagnahmt wurden. Nach einem Bericht von "LVZ-Online" geht es um den Verdacht des unerlaubten Vertriebs von Versicherungsprodukten über Unister-Portale. Dazu komme Steuerbetrug. Der Steuerschaden belaufe sich auf eine Million Euro. Die Ermittlungen werden von der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft geführt. Unister-Sprecher Konstantin Korosides wollte sich zunächst nicht zu der Durchsuchungsaktion äußern.
Die Unister GmbH betreibt und vermarktet namhafte Internetportale wie z.B. ab-in-den-urlaub.de, fluege.de, geld.de, preisvergleich.de, auto.de und news.de.
Insgesamt 20 Büros und Wohnungen des Leipziger Internet-Unternehmens Unister wurden am Dienstag vom LKA durchsucht. Hintergrund sind mögliche Steuervergehen und der unerlaubte Vertrieb von Versicherungsprodukten.
Vor allem der Verkauf von Versicherungsprodukten, etwa der Reiserücktrittsversicherung auf der Internetseite ab-in-den-urlaub.de, soll ohne Erlaubnis vom Bundesaufsichtsamts für Versicherungswesen erfolgt sein. Die fälligen Steuern wurden so nicht gezahlt. Insgesamt soll sich der Steuerschaden auf rund eine Million Euro belaufen.
Die Durchsuchungen erfolgten im Rahmen einer anonymen Anzeige aus dem Oktober 2012. Außerdem laufen Verfahren gegen acht Mitarbeiter aus der Führungsspitze des Leipziger Unternehmens Unister, das auch das Internetportal fluege.de betreibt. Das 2002 gegründete Internetunternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1.500 Mitarbeiter in Leipzig, Hamburg, Dresden, Chemnitz, Jena, Magdeburg und Stralsund.
Userstimmen:
Nach einer anonymen Anzeige läuft ein Ermittlungsverfahren gegen acht Mitarbeiter aus der Führungsebene, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.
Demnach werde wegen illegalen Versicherungsprodukten ermittelt, die auf Reiseportalen des Unternehmens angeboten und wofür keine Steuern bezahlt wurden. So sollen 1 Mio. Euro Steuern am Finanzamt vorbei geschleust worden sein.
Außerdem wurden Wohnungen und Büros in Stralsund, Dresden und Hamburg durchsucht – Unterlagen und Datenträger sichergestellt. Die Mitarbeiter durften nicht mehr an ihre Computer und wurden am Mittag vorerst nach Hause geschickt.
Unister-Sprecher Konstantin Korosides wollte sich zunächst nicht zu der Durchsuchungsaktion äußern.
LKA-Sprecher Tom Bernhardt bestätigte gegenüber der dpa, dass Computer und Akten beschlagnahmt wurden.
Nach einem Bericht der Leipziger Volkszeitung geht es um den Verdacht des unerlaubten Vertriebs von Versicherungsprodukten über Unister-Portale: Im Zentrum der Ermittlungen stehen insbesondere Reiserücktrittsversicherungen, die über Seiten wie ab-in-den-urlaub.de, reisen.de oder fluege.de angeboten wurden, schreibt die Zeitung. Zu diesen Vorwürfen hinzu komme Verdacht auf Steuerbetrug. Der Steuerschaden belaufe sich auf eine Million Euro. Insgesamt werde gegen acht Mitarbeiter aus der Führungsebene von Unister ermittelt, darunter auch Firmenchef Thomas Wagner.
Die Razzia in Leipzig begann dem LVZ-Bericht zufolge am Morgen gegen 8.30 Uhr. Beamte der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES), die auch schon die Ermittlungen gegen das Filmportal Kino.to geführt hatte, durchsuchten insgesamt 20 Büros und Wohnungen in Leipzig, aber unter anderem auch in Dresden, Hamburg und Stralsund. Die Ermittlungen gegen insgesamt acht Führungskräfte werden von der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft geführt. Unister-Sprecher Konstantin Korosides wollte sich gegenüber der dpa zunächst nicht zu der Durchsuchungsaktion äußern.
Unister wurde durch recht aggressive TV- und Online-Werbung bekannt, die mit mehr oder weniger prominenten Persönlichkeiten arbeitet; für fluege.de etwa hält der ehemalige Fußballmanager Reiner Calmund sein Gesicht in die Kamera, für travel24.com die TV-Moderatorin Sonya Kraus und für ab-in-den-urlaub.de der ehemalige Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, Michael Ballack. Zuletzt hatte Computerbild schwere Vorwüfe gegen den Portalbetreiber erhoben, da er mit frei erfundenen Preisreduzierungen, heimlich aufgeschlagenen Service-Geldern, Klick-Fallen bei Urlaubsbuchungen und anderen Schwindeleien abkasiere. Unister wehrte sich mit einer strafbewehrten Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung gegen den Bericht – als Reaktion darauf hatte die Redaktion betont, man halte an den Vorwürfen fest.
Zitat
Wir ermitteln gegen acht Führungsmitglieder wegen des Verdachts der unbefugten Geschäftstätigkeit und Steuerhinterziehung”, sagte Wolfgang Klein von der Generalstaatsanwaltschaft Dresden
ZWEI FÜHRUNGSKRÄFTE WURDEN FESTGENOMMEN
Medienberichten zufolge ist auch Unister-Gründer Thomas Wagner unter jenen acht Führungskräften, gegen die ermittlet wird.
Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) haben am Dienstag den Hauptsitz des Internet-Unternehmens Unister in Leipzig durchsucht. LKA-Sprecher Tom Bernhardt bestätigte, dass Computer und Akten beschlagnahmt wurden. Nach einem Bericht von "LVZ-Online" geht es um den Verdacht des unerlaubten Vertriebs von Versicherungsprodukten über Unister-Portale. Dazu komme Steuerbetrug. Der Steuerschaden belaufe sich auf eine Million Euro. Die Ermittlungen werden von der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft geführt. Unister-Sprecher Konstantin Korosides wollte sich zunächst nicht zu der Durchsuchungsaktion äußern.
Die Unister GmbH betreibt und vermarktet namhafte Internetportale wie z.B. ab-in-den-urlaub.de, fluege.de, geld.de, preisvergleich.de, auto.de und news.de.
Insgesamt 20 Büros und Wohnungen des Leipziger Internet-Unternehmens Unister wurden am Dienstag vom LKA durchsucht. Hintergrund sind mögliche Steuervergehen und der unerlaubte Vertrieb von Versicherungsprodukten.
Vor allem der Verkauf von Versicherungsprodukten, etwa der Reiserücktrittsversicherung auf der Internetseite ab-in-den-urlaub.de, soll ohne Erlaubnis vom Bundesaufsichtsamts für Versicherungswesen erfolgt sein. Die fälligen Steuern wurden so nicht gezahlt. Insgesamt soll sich der Steuerschaden auf rund eine Million Euro belaufen.
Die Durchsuchungen erfolgten im Rahmen einer anonymen Anzeige aus dem Oktober 2012. Außerdem laufen Verfahren gegen acht Mitarbeiter aus der Führungsspitze des Leipziger Unternehmens Unister, das auch das Internetportal fluege.de betreibt. Das 2002 gegründete Internetunternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1.500 Mitarbeiter in Leipzig, Hamburg, Dresden, Chemnitz, Jena, Magdeburg und Stralsund.
Userstimmen:
Zitat
Manche können einfach nicht genug bekommen. Dabei müssten die Taschen, angesichts der Dumpinglöhne, die den studentischen Mitarbeitern für durchaus anspruchsvolle Aufgaben gezahlt werden, doch schon prall gefüllt sein. Hoffentlich wird der Führungsriege ordentlich auf die Finger geklopft!
Nach einer anonymen Anzeige läuft ein Ermittlungsverfahren gegen acht Mitarbeiter aus der Führungsebene, teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.
Demnach werde wegen illegalen Versicherungsprodukten ermittelt, die auf Reiseportalen des Unternehmens angeboten und wofür keine Steuern bezahlt wurden. So sollen 1 Mio. Euro Steuern am Finanzamt vorbei geschleust worden sein.
Außerdem wurden Wohnungen und Büros in Stralsund, Dresden und Hamburg durchsucht – Unterlagen und Datenträger sichergestellt. Die Mitarbeiter durften nicht mehr an ihre Computer und wurden am Mittag vorerst nach Hause geschickt.
Unister-Sprecher Konstantin Korosides wollte sich zunächst nicht zu der Durchsuchungsaktion äußern.
LKA-Sprecher Tom Bernhardt bestätigte gegenüber der dpa, dass Computer und Akten beschlagnahmt wurden.
Nach einem Bericht der Leipziger Volkszeitung geht es um den Verdacht des unerlaubten Vertriebs von Versicherungsprodukten über Unister-Portale: Im Zentrum der Ermittlungen stehen insbesondere Reiserücktrittsversicherungen, die über Seiten wie ab-in-den-urlaub.de, reisen.de oder fluege.de angeboten wurden, schreibt die Zeitung. Zu diesen Vorwürfen hinzu komme Verdacht auf Steuerbetrug. Der Steuerschaden belaufe sich auf eine Million Euro. Insgesamt werde gegen acht Mitarbeiter aus der Führungsebene von Unister ermittelt, darunter auch Firmenchef Thomas Wagner.
Die Razzia in Leipzig begann dem LVZ-Bericht zufolge am Morgen gegen 8.30 Uhr. Beamte der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES), die auch schon die Ermittlungen gegen das Filmportal Kino.to geführt hatte, durchsuchten insgesamt 20 Büros und Wohnungen in Leipzig, aber unter anderem auch in Dresden, Hamburg und Stralsund. Die Ermittlungen gegen insgesamt acht Führungskräfte werden von der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft geführt. Unister-Sprecher Konstantin Korosides wollte sich gegenüber der dpa zunächst nicht zu der Durchsuchungsaktion äußern.
Unister wurde durch recht aggressive TV- und Online-Werbung bekannt, die mit mehr oder weniger prominenten Persönlichkeiten arbeitet; für fluege.de etwa hält der ehemalige Fußballmanager Reiner Calmund sein Gesicht in die Kamera, für travel24.com die TV-Moderatorin Sonya Kraus und für ab-in-den-urlaub.de der ehemalige Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, Michael Ballack. Zuletzt hatte Computerbild schwere Vorwüfe gegen den Portalbetreiber erhoben, da er mit frei erfundenen Preisreduzierungen, heimlich aufgeschlagenen Service-Geldern, Klick-Fallen bei Urlaubsbuchungen und anderen Schwindeleien abkasiere. Unister wehrte sich mit einer strafbewehrten Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung gegen den Bericht – als Reaktion darauf hatte die Redaktion betont, man halte an den Vorwürfen fest.
Haftbefehl gegen Unister-Chef Wagner
Gegen zwei Führungskräfte des Leipziger Internetanbieters Unister ist am Dienstag Haftbefehl erlassen worden. Laut LVZ-Informationen soll auch Geschäftsführer Thomas Wagner zu den beiden Verhafteten gehören. Es bestehe Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Die Verdächtigen waren am Dienstagmorgen bei einer Razzia des Landeskriminalamtes (LKA) festgenommen worden und befinden sich nun in der JVA Dresden.
Auch weitere Verdächtige stehen im Fokus. „Wir ermitteln gegen acht Führungsmitglieder wegen des Verdachts der unbefugten Geschäftstätigkeit und Steuerhinterziehung“, sagte Wolfgang Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden.
Die Firma soll Versicherungsprodukte illegal vertrieben und dafür keine Steuern gezahlt haben, sagte Klein gegenüber LVZ-Online. Der Steuerschaden belaufe sich auf rund eine Million Euro.
Die Durchsuchung der Geschäftsräume in Leipzig begann am frühen Morgen gegen 8.30 Uhr. Beamte der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES) beschlagnahmten in der Zentrale der Internetfirma im Barfußgäßchen unter anderem Computer und Akten. Die Mitarbeiter durften nicht mehr an ihren Rechnern weiterarbeiten. Rund 130 Ermittler hätten insgesamt 20 Büros und Wohnungen durchsucht, insbesondere in Leipzig, aber auch in Dresden, Hamburg und Stralsund, so Klein.
Insgesamt werde gegen acht Mitarbeiter „aus der Führungsebene von Unister“ ermittelt, darunter auch Firmenchef Thomas Wagner, erklärte der Oberstaatsanwalt. „Wir gehen davon aus, dass die Firma über die von ihr betriebenen Internetportale Versicherungsprodukte vertrieben hat, ohne dafür die erforderliche Genehmigung des Bundesaufsichtsamts für Versicherungswesen zu haben“, so Klein.
Im Zentrum der Ermittlungen stehen insbesondere Reiserücktrittsversicherungen, die über Seiten wie ab-in-den-urlaub.de, reisen.de oder fluege.de angeboten wurden. Das Verfahren ging laut Klein auf eine anonyme Anzeige von Anfang Oktober zurück. „Den Vorwürfen sind wir nachgegangen. Im Laufe der Ermittlungen hat sich der Verdacht auf Steuerhinterziehung und unbefugter Geschäftstätigkeit nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) bestätigt.“
Unister will Vorwürfe von Anwälten prüfen lassen
Die Durchsuchungen hätten die Geschäftsführung "doch ziemlich überrascht und verwundert", sagte Unister-Unternehmenssprecher Konstantin Korosides der Leipziger Volkszeitung. "Wir werden jetzt durch unsere Anwälte prüfen lassen, was sich daraus entwickelt - aber ohne jeden Aktionismus." Wegen der laufenden Ermittlungen wolle er zurzeit keine weiteren Einzelheiten nennen, so Korosides.
Das 2002 gegründete Internetunternehmen Unister beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1500 Mitarbeiter in Leipzig, Hamburg, Dresden, Chemnitz, Jena, Magdeburg und Stralsund. Es betreibt verschiedene Online-Portale zu Themen wie Automobile, Finanzen, oder Reisen.
Im Leipziger Barfußgäßchen werden Urlaube und Flüge inklusive der zusätzlichen Rücktrittsversicherungen auch in einem Reisebüro verkauft – der Betrieb des Ladengeschäfts lief am Dienstagmorgen ganz normal weiter.
* doebelner-allgemeine.de
Gegen zwei Führungskräfte des Leipziger Internetanbieters Unister ist am Dienstag Haftbefehl erlassen worden. Laut LVZ-Informationen soll auch Geschäftsführer Thomas Wagner zu den beiden Verhafteten gehören. Es bestehe Flucht- und Verdunkelungsgefahr. Die Verdächtigen waren am Dienstagmorgen bei einer Razzia des Landeskriminalamtes (LKA) festgenommen worden und befinden sich nun in der JVA Dresden.
Auch weitere Verdächtige stehen im Fokus. „Wir ermitteln gegen acht Führungsmitglieder wegen des Verdachts der unbefugten Geschäftstätigkeit und Steuerhinterziehung“, sagte Wolfgang Klein, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft in Dresden.
Die Firma soll Versicherungsprodukte illegal vertrieben und dafür keine Steuern gezahlt haben, sagte Klein gegenüber LVZ-Online. Der Steuerschaden belaufe sich auf rund eine Million Euro.
Die Durchsuchung der Geschäftsräume in Leipzig begann am frühen Morgen gegen 8.30 Uhr. Beamte der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES) beschlagnahmten in der Zentrale der Internetfirma im Barfußgäßchen unter anderem Computer und Akten. Die Mitarbeiter durften nicht mehr an ihren Rechnern weiterarbeiten. Rund 130 Ermittler hätten insgesamt 20 Büros und Wohnungen durchsucht, insbesondere in Leipzig, aber auch in Dresden, Hamburg und Stralsund, so Klein.
Insgesamt werde gegen acht Mitarbeiter „aus der Führungsebene von Unister“ ermittelt, darunter auch Firmenchef Thomas Wagner, erklärte der Oberstaatsanwalt. „Wir gehen davon aus, dass die Firma über die von ihr betriebenen Internetportale Versicherungsprodukte vertrieben hat, ohne dafür die erforderliche Genehmigung des Bundesaufsichtsamts für Versicherungswesen zu haben“, so Klein.
Im Zentrum der Ermittlungen stehen insbesondere Reiserücktrittsversicherungen, die über Seiten wie ab-in-den-urlaub.de, reisen.de oder fluege.de angeboten wurden. Das Verfahren ging laut Klein auf eine anonyme Anzeige von Anfang Oktober zurück. „Den Vorwürfen sind wir nachgegangen. Im Laufe der Ermittlungen hat sich der Verdacht auf Steuerhinterziehung und unbefugter Geschäftstätigkeit nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) bestätigt.“
Unister will Vorwürfe von Anwälten prüfen lassen
Die Durchsuchungen hätten die Geschäftsführung "doch ziemlich überrascht und verwundert", sagte Unister-Unternehmenssprecher Konstantin Korosides der Leipziger Volkszeitung. "Wir werden jetzt durch unsere Anwälte prüfen lassen, was sich daraus entwickelt - aber ohne jeden Aktionismus." Wegen der laufenden Ermittlungen wolle er zurzeit keine weiteren Einzelheiten nennen, so Korosides.
Das 2002 gegründete Internetunternehmen Unister beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 1500 Mitarbeiter in Leipzig, Hamburg, Dresden, Chemnitz, Jena, Magdeburg und Stralsund. Es betreibt verschiedene Online-Portale zu Themen wie Automobile, Finanzen, oder Reisen.
Im Leipziger Barfußgäßchen werden Urlaube und Flüge inklusive der zusätzlichen Rücktrittsversicherungen auch in einem Reisebüro verkauft – der Betrieb des Ladengeschäfts lief am Dienstagmorgen ganz normal weiter.
* doebelner-allgemeine.de
Leipziger Unternehmen nimmt umstrittene Versicherungsangebote vom Markt
Einen Tag nach der Razzia in ihren Büros wehrt sich die Leipziger Internetfirma Unister gegen den Verdacht der Steuerhinterziehung sowie des Versicherungsbetrugs und kritisiert die Ermittlungen der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft
"Entgegen mancher Verlautbarung ist kein steuerlicher Schaden entstanden", teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit. "Wir sind überzeugt, dass die Anschuldigungen alsbald entkräftet sind und die betroffenen Manager entlastet werden." Die Geschäfte gingen normal weiter.
Zuvor mussten zwei Topmanager des Internetanbieters, zu dem Seiten wie "fluege .de", "ab-in-den-urlaub .de" und "auto .de" gehören, wegen Betrugsverdachts und möglicher Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft. Ein Richter habe Haftbefehl erlassen, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, Wolfgang Klein, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd.
Es bestehe dringender Tatverdacht, außerdem Flucht- und Verdunklungsgefahr, also die Gefahr der Vernichtung von Beweismitteln, sagte der Sprecher. Laut "Leipziger Volkszeitung" ist Firmenchef Thomas Wagner einer der Inhaftierten in der Justizvollzugsanstalt Dresden. Die Staatsanwaltschaft wollte das weder dementieren noch bestätigen.
Internetfirma nennt Behördenvorgehen unverhältnismäßig
Das Landeskriminalamt hatte am Dienstag bundesweit an zahlreichen Standorten des Unternehmens eine Razzia durchgeführt und in etwa 20 Wohnungen und Büros Computer sowie Akten beschlagnahmt. Die Firma steht im Verdacht, unerlaubt Versicherungen über ihre Internetportale verkauft und Steuern hinterzogen zu haben. Es gehe um einen möglichen Schaden in Millionenhöhe.
Unister teilte mit, den Vorwurf sehr ernst zu nehmen. Allerdings empfinde die Firma das Vorgehen der Untersuchungsbehörden als unverhältnismäßig, "da der zugrunde liegende Sachverhalt schon 2011 durch uns offen gegenüber den Behörden kommuniziert wurde und die Rechtsfrage nach wie vor ungeklärt ist".
Bei den Versicherungsprodukten, welche im Fokus der Ermittlungen stehen, sei noch nicht geklärt, ob es sich um einen "Umbuchungsservice" und "Stornoschutz" als Versicherungsprodukte handele oder nicht, teilte Unister weiter mit. "Faktisch ist zu klären, ob Unister statt der bereits gezahlten Umsatzsteuer eine Versicherungssteuer hätte bezahlen müssen", hieß es. Bis die Gerichte entscheiden, werde der Verkauf der umstrittenen Produkte eingestellt.
Verbraucherzentrale kritisierte Versicherungsvertrieb
Die Verbraucherzentrale Sachsen hatte die Versicherungsgeschäfte der Leipziger Firma bereits im Sommer angezweifelt. "Wir haben uns im Juni und Juli mit rechtlichen Bedenken schriftlich an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gewandt", sagte die Juristin der Verbraucherzentrale, Bettina Dittrich, der dapd. "Wir hatten den Verdacht des unerlaubten Versicherungsgeschäfts und wollten wissen, ob dagegen Maßnahmen eingeleitet werden", sagte Dittrich weiter. Eine Antwort von der BaFin sei nie eingegangen.
Die zwei inhaftierten Manager machten laut Staatsanwaltschaft vor dem Haftrichter keine Aussagen. Die Behörde will nun die Beweise der einzelnen Durchsuchungen zusammentragen und Zeugen vernehmen. Es werde weiter gegen acht Führungskräfte des Unternehmens ermittelt, inklusive der zwei Inhaftierten. "Wir wollen zügig vorankommen und streben eine Anklage in den nächsten sechs Monaten an", sagte Staatsanwalt Klein. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, drohen den Managern Geldstrafen und bis zu fünf Jahre Haft.
Unister hat seinen Hauptsitz in Leipzig und gehört zu den größten Internetanbietern Deutschlands. Das Unternehmen beschäftigt eigenen Angaben zufolge rund 1.500 Mitarbeiter.
* Björn Menzel
"Entgegen mancher Verlautbarung ist kein steuerlicher Schaden entstanden", teilte das Unternehmen am Mittwochabend mit. "Wir sind überzeugt, dass die Anschuldigungen alsbald entkräftet sind und die betroffenen Manager entlastet werden." Die Geschäfte gingen normal weiter.
Zuvor mussten zwei Topmanager des Internetanbieters, zu dem Seiten wie "fluege .de", "ab-in-den-urlaub .de" und "auto .de" gehören, wegen Betrugsverdachts und möglicher Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft. Ein Richter habe Haftbefehl erlassen, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, Wolfgang Klein, am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd.
Es bestehe dringender Tatverdacht, außerdem Flucht- und Verdunklungsgefahr, also die Gefahr der Vernichtung von Beweismitteln, sagte der Sprecher. Laut "Leipziger Volkszeitung" ist Firmenchef Thomas Wagner einer der Inhaftierten in der Justizvollzugsanstalt Dresden. Die Staatsanwaltschaft wollte das weder dementieren noch bestätigen.
Internetfirma nennt Behördenvorgehen unverhältnismäßig
Das Landeskriminalamt hatte am Dienstag bundesweit an zahlreichen Standorten des Unternehmens eine Razzia durchgeführt und in etwa 20 Wohnungen und Büros Computer sowie Akten beschlagnahmt. Die Firma steht im Verdacht, unerlaubt Versicherungen über ihre Internetportale verkauft und Steuern hinterzogen zu haben. Es gehe um einen möglichen Schaden in Millionenhöhe.
Unister teilte mit, den Vorwurf sehr ernst zu nehmen. Allerdings empfinde die Firma das Vorgehen der Untersuchungsbehörden als unverhältnismäßig, "da der zugrunde liegende Sachverhalt schon 2011 durch uns offen gegenüber den Behörden kommuniziert wurde und die Rechtsfrage nach wie vor ungeklärt ist".
Bei den Versicherungsprodukten, welche im Fokus der Ermittlungen stehen, sei noch nicht geklärt, ob es sich um einen "Umbuchungsservice" und "Stornoschutz" als Versicherungsprodukte handele oder nicht, teilte Unister weiter mit. "Faktisch ist zu klären, ob Unister statt der bereits gezahlten Umsatzsteuer eine Versicherungssteuer hätte bezahlen müssen", hieß es. Bis die Gerichte entscheiden, werde der Verkauf der umstrittenen Produkte eingestellt.
Verbraucherzentrale kritisierte Versicherungsvertrieb
Die Verbraucherzentrale Sachsen hatte die Versicherungsgeschäfte der Leipziger Firma bereits im Sommer angezweifelt. "Wir haben uns im Juni und Juli mit rechtlichen Bedenken schriftlich an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gewandt", sagte die Juristin der Verbraucherzentrale, Bettina Dittrich, der dapd. "Wir hatten den Verdacht des unerlaubten Versicherungsgeschäfts und wollten wissen, ob dagegen Maßnahmen eingeleitet werden", sagte Dittrich weiter. Eine Antwort von der BaFin sei nie eingegangen.
Die zwei inhaftierten Manager machten laut Staatsanwaltschaft vor dem Haftrichter keine Aussagen. Die Behörde will nun die Beweise der einzelnen Durchsuchungen zusammentragen und Zeugen vernehmen. Es werde weiter gegen acht Führungskräfte des Unternehmens ermittelt, inklusive der zwei Inhaftierten. "Wir wollen zügig vorankommen und streben eine Anklage in den nächsten sechs Monaten an", sagte Staatsanwalt Klein. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, drohen den Managern Geldstrafen und bis zu fünf Jahre Haft.
Unister hat seinen Hauptsitz in Leipzig und gehört zu den größten Internetanbietern Deutschlands. Das Unternehmen beschäftigt eigenen Angaben zufolge rund 1.500 Mitarbeiter.
* Björn Menzel
Unister-Chef aus U-Haft entlassen
Unister-Chef Thomas Wagner (34) hat die U-Haft verlassen!
Nachdem das Amtsgericht Dresden am Montag bei einer Haftprüfung entschieden hatte, das der Manager das Gefängnis unter strengen Auflagen verlassen darf , wurde nun die Kaution hinterlegt.
Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein bestätigt: „Einer der drei Inhaftierten hat am Abend das Gefängnis verlassen!“
Während Wagner nun Weihnachten zu Hause feiern kann, darf sich auch einer der immer noch Inhaftierten Hoffnung machen: Aller Voraussicht nach wird seine Haftprüfung vor den Festtagen stattfinden.
Seit der Groß-Razzia am vergangenen Dienstag saß Wagner mit seinem Finanzchef in der JVA Dresden, letzten Freitag wanderte auch „Travel24“-Finanzmanager Thomas G. ein. Ihnen wird Steuerhinterziehung sowie illegaler Versicherungshandel vorgeworfen
Nachdem das Amtsgericht Dresden am Montag bei einer Haftprüfung entschieden hatte, das der Manager das Gefängnis unter strengen Auflagen verlassen darf , wurde nun die Kaution hinterlegt.
Oberstaatsanwalt Wolfgang Klein bestätigt: „Einer der drei Inhaftierten hat am Abend das Gefängnis verlassen!“
Während Wagner nun Weihnachten zu Hause feiern kann, darf sich auch einer der immer noch Inhaftierten Hoffnung machen: Aller Voraussicht nach wird seine Haftprüfung vor den Festtagen stattfinden.
Seit der Groß-Razzia am vergangenen Dienstag saß Wagner mit seinem Finanzchef in der JVA Dresden, letzten Freitag wanderte auch „Travel24“-Finanzmanager Thomas G. ein. Ihnen wird Steuerhinterziehung sowie illegaler Versicherungshandel vorgeworfen
Unister-Chef Thomas Wagner tritt zurück
Der Chef des angeschlagenen E-Commerce-Unternehmens Unister (u.a. ab-in-den-urlaub.de) wirft hin. Nachdem der wegen Steuerhinterziehung verdächtigte Thomas Wagner (34) vorerst aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, kündigte er am Donnerstag an, seinen Geschäftsführer-Posten niederzulegen.
Der Mitbegründer des in in die Negativschlagzeilen geratenen Konzerns (1900 Mitarbeiter) aus Leipzig wolle sich künftig als strategischer Direktor um die Portal-Entwicklung kümmern, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.
„Die Gespräche über die Neubesetzung des operativen Geschäftsführers werden sei einiger Zeit geführt. In Kürze soll der Nachfolger bekannt gegeben werden“, erklärte Unister-Sprecher Dr. Konstantin Korosides.
Erstmals seit Unister-Gründung vor zehn Jahren wird nach Wagners Abgang künftig kein Gründungsmitglied mehr im Chefsessel sitzen. „Ich möchte mich zukünftig auf das konzentrieren, was mir selbst immer am meisten Freude gemacht hat und wo ich persönlich die Unternehmensgruppe am besten unterstützen kann: Die Weiterentwicklung unserer Portale und Geschäftsbereiche“, kommentierte Wagner seinen „Wechsel“.
Ein Zusammenhang zwischen Wagners Rücktritt und den von der Generalstaatsanwaltschaft Dresden erhobenen Vorwürfen findet sich in der Erklärung nicht
Gegen Wagner und sieben weitere Unister-Manager wird wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Sie sollen illegale Reiseversicherungen verkauft haben und damit eine Million Euro am Finanzamt vorbei gewirtschaftet haben.
Im Dezember waren Wagner, sein Finanzchef Daniel Kirchhoff und ein weiterer Manager nach einer Razzia im Unternehmen verhaftet worden. Wagner wurde erst nach sieben Tagen gegen Zahlung einer sechsstelligen Kautionssumme aus der U-Haft entlassen
Der Mitbegründer des in in die Negativschlagzeilen geratenen Konzerns (1900 Mitarbeiter) aus Leipzig wolle sich künftig als strategischer Direktor um die Portal-Entwicklung kümmern, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens.
„Die Gespräche über die Neubesetzung des operativen Geschäftsführers werden sei einiger Zeit geführt. In Kürze soll der Nachfolger bekannt gegeben werden“, erklärte Unister-Sprecher Dr. Konstantin Korosides.
Erstmals seit Unister-Gründung vor zehn Jahren wird nach Wagners Abgang künftig kein Gründungsmitglied mehr im Chefsessel sitzen. „Ich möchte mich zukünftig auf das konzentrieren, was mir selbst immer am meisten Freude gemacht hat und wo ich persönlich die Unternehmensgruppe am besten unterstützen kann: Die Weiterentwicklung unserer Portale und Geschäftsbereiche“, kommentierte Wagner seinen „Wechsel“.
Ein Zusammenhang zwischen Wagners Rücktritt und den von der Generalstaatsanwaltschaft Dresden erhobenen Vorwürfen findet sich in der Erklärung nicht
Gegen Wagner und sieben weitere Unister-Manager wird wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Sie sollen illegale Reiseversicherungen verkauft haben und damit eine Million Euro am Finanzamt vorbei gewirtschaftet haben.
Im Dezember waren Wagner, sein Finanzchef Daniel Kirchhoff und ein weiterer Manager nach einer Razzia im Unternehmen verhaftet worden. Wagner wurde erst nach sieben Tagen gegen Zahlung einer sechsstelligen Kautionssumme aus der U-Haft entlassen
FAZ kritisiert Dresdner Justiz wegen Unister-Razzia als unverhältnismäßig
In einem bemerkenswerten Beitrag äußert sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ v. 5.1.2012, S. 19) zum Fall der Internetfirma Unister (Steuer-Vorwurf, Datenlack). So schreibt die FAZ sowohl in der Zeitung, wie online in ihrem Blog-Bereich unter anderem, wonach das "Vorpreschen der Staatsanwaltschaft" vom Oberlandesgericht Dresden sowie die von der in Deutschland umstrittenen "Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES)" durchgeführte Massen-Razzia bei Unister am 11. Dezember 2012 mit angeblich rund 130 Beamten "unverhältnismäßig" gewesen sei.
In der INES sind angeblich rund 16 Staatsanwälte, Drogenfahnder, Steuerfachleute als auch Kriminalbeamte vereint. Sachsen lässt sich diese Einheit jährlich Millionen Euro kosten. Dabei wird die sächsische Sondereinheit unter anderem gezielt gegen in Sachsen ansässige Unternehmen eingesetzt und steht schon seit längerem wegen teils völlig überzogener Justiz-Gewaltaktionen in der Kritik.
So schreibt denn auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung, wonach nicht nur die Unister-Razzia, sondern auch die anschließende tagelange U-Haft von drei Unister-Top-Managern (teils sogar über Weihnachten) im 110 Kilometer vom Unister-Firmensitz entfernten Dresdener Gefängnis "unverhältnismäßig" gewesen sei.
Die umstrittene sächsische "Antikorruptionseinheit" INES bringt traditionell Personen wie zu DDR-Zeiten in ein zentrales sächsisches Gefängnis - wohl auch, um den Druck auf die Inhaftierten maximal zu erhöhen. Denn auch in Leipzig hätte es im Falle Unister ein Gefängnis gegeben. Mit der Inhaftierung und "Verschleppung von Bürgern" (O-Ton Mitglied Leipziger Stadtrat) nach Dresden erschwert die "Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES)" vorsätzlich sowohl den Zugang zu einem persönlichen Anwalt erheblich, als auch den Zugang von Angehörigen oder - im Falle Unister - von der Firma zu den inhaftierten Managern selber. "Wir hatten tagelang kein einziges Lebenszeichen von den Inhaftierten mehr", berichtet ein Insider. "Es war absolut gespenstisch. Wir kamen uns vor wie in einem Unrechtsstaat".
Natürlich wollen wir Personen in U-Haft brechen
Doch nicht nur das. So lasse die "Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES)" angeblich, ist zu hören, Handys von in U-Haft befindlichen Personen bewusst an, um mögliche "verräterische" SMS oder Anrufe abfangen zu können. Die Unister-Manager, ist aus dem Umfeld der Firma zu hören, hätten tagelang angeblich weder Fernseher noch Radio, noch Zeitungen zum Lesen bekommen. Selbst nächste Angehörige seien komplett abgeschnitten gewesen. Sprich: Isolationshaft von Top-Managern pur. "Natürlich möchten wir Personen in U-Haft auch brechen" berichtet ein Dresdner Justiz-Mitarbeiter. Doch war das angesichts der Vorwürfe gegen Unister auch verhältnismäßig? Unister gehört mit 1.900 Mitarbeitern zu den größten ostdeutschen Arbeitgebern.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Fachblatt rund um Wirtschaftsberichterstattung, kommt zu dem Urteil, dass die Aktionen der sächsischen Justiz Unister nicht nur erheblich "in Misskredit" gebracht hätten, sondern das Vorgehen der "Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES)" sei auch in Bezug auf den Vorwurf der möglichen Steuerhinterziehung "ähnlich fragwürdig".
So führen die Autoren der angesehenen überregionalen Tageszeitung aus: "Weil der Urlaubsvermittler (Unister) seinen Stornoschutz nicht als Versicherungsleistung betrachtet hat, hat er konsequenterweise auch keine Versicherungssteuer abgeführt. Stattdessen hat er aber Umsatzsteuer ans Finanzamt überwiesen. Und die beträgt ebenfalls 19 Prozent. Hätte Unister also wirklich rechtswidrig gehandelt (was noch offen ist), wäre dem Fiskus lediglich ein Schaden in Höhe der Vorsteuer entstanden, die Steuerpflichtige bei der Umsatzsteuer von ihrer eigenen Steuerschuld abziehen können (nicht aber bei der Versicherungssteuer)."
Und weiter heißt es auf faz.net: "Die Vorwürfe der Strafverfolger klingen auf den ersten Blick gravierend: Steuerhinterziehung in Millionenhöhe und verbotener Vertrieb von Versicherungsleistungen... hinzu kommt ein angeblicher Verstoß gegen den Datenschutz."
Unister hatte auf seinen Portalen fluege.de oder ab-in-den-urlaub.de angeblich ohne entsprechende Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ein Produkt zur Absicherung gegen Stornogebühren angeboten. Das halte aber mittlerweile, so die FAZ, "die Aufsichtsbehörde für ein erlaubnispflichtiges Versicherungsgeschäft". Allerdings hatte jene, also die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), wohl erst am Tag der Razzia Unister überhaupt ein Verbot zum Vertrieb eines Storno- und Umbuchungsservices ohne eine an den Bund zu leistende Versicherungssteuer erteilt.
Dabei wird immer deutlicher: Die BaFin scheint gezielt mit der Dresdner Justiz zusammengearbeitet zu haben, um rund eine Millionen Euro angeblicher Steuerhinterziehung auflaufen lassen zu können. Erst dann können in der Regel überhaupt Top-Manager in U-Haft genommen werden. Alleine das wirkt im Falle von Unister schon sehr seltsam für ein Land, das sich als Rechtsstaat bezeichnet.
Jedoch, schreibt FAZ, könne man zumindest in der Frage rund um Versicherung oder nicht, "darüber streiten". Immerhin habe Unister nach Auskunft von Unister-Gründer Thomas Wagner in einem Interview, das er vor gut zwei Wochen der FAZ gegeben hatte, die kritisierten Produkte mit Genehmigung teils seit zehn Jahren online gehabt.
Thomas Wagner gilt selbst unter seinen Kritikern als einer der talentiertesten deutschen Jung-Unternehmer. Der 34-Jährige hatte wohl auch im Angesicht der massiven Vorgänge rund um Unister - manche sprechen auch von einer begleitenden Medien-Kampagne gegen Unister - vor drei Tagen seinen Rückzug aus der Geschäftsführung von Unister bekannt gegeben.
Das muss ihm sehr schwer gefallen sein. Denn Wagner hatte aus dem Nichts heraus in zehn Jahren eines der profitabelsten und erfolgreichsten Online-Unternehmen in Deutschland aufgebaut. Während andere Online-Unternehmen dafür mittels Investoren-Finanzierungsrunden Hunderte Millionen Euro Fremdfinanzierung aufnehmen, hatte Wagner, aufgewachsen im Dessauer Plattenbau, scheinbar fast ohne große Finanzierungsrunden das meiste nahezu im Alleingang mit drei Mitgesellschaftern und einer Schar getreuer Mitarbeiter hochgezogen.
Jedenfalls führt die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus, wonach die Frage, ob Unister nun eine Steuerhinterziehung begangenen habe oder nicht "eine typische Auslegungsfrage" sei. Dieses hatte sogar selbst der unter Journalisten als geschwätzig geltende Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, Wolfgang Klein, so gesehen und sich damit in diversen Medien zitieren lassen: "Gerichte" müssten "das nun klären".
Die FAZ hält die Frage ob nun eine Versicherungssteuer von Unister hätte bezahlt werden müssen oder nicht für "tägliches Brot von Juristen". Dabei sei - statt eine der größten Razzien in der deutschen Unternehmer-Geschichte bei Unister durchzuführen - es -Zitat - "der übliche Weg" gewesen, wonach "die Aufsichtsbehörde" (also die BaFin) "ein Verbot" erlasse, und das Unternehmen - also Unister "gegen diesen Verwaltungsakt" dann vor dem "Verwaltungsgericht klagen" hätte können. Dabei gelte, schreibt faz.net auf ihrem Blog: "Wer Recht bekommt, ist offen."
FAZ:„Der übliche Weg wäre gewesen“....
Man könne deshalb "den fraglichen Stornoschutz als Versicherungsleistung definieren; man kann es aber auch ganz anders sehen", ist auf faz.net zu lesen. Am Ende würde üblicherweise durch drei Instanzen geklagt und "womöglich auch noch eine Verfassungsbeschwerde eingelegt". Das sei zwar "viel Stoff für Fachaufsätze von Versicherungs- und Verwaltungsrechtlern" um letztlich die Frage klären zu können, "ob es sich tatsächlich um eine 'unbefugte Geschäftstätigkeit nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz' handele".
Dabei sei es jedoch "nicht besonders nahe liegend", Unister einen "subjektiven Vorsatz für eine Straftat zu unterstellen". So ist denn auch das abschließende Urteil der beiden Autoren im Blog-Bereich der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entsprechend klar: "Der martialische Auftritt der (Anmerkung: Dresdner) Strafverfolger wirkt also überzogen. Langsam muss man als Unternehmer und Manager in diesem Land Angst bekommen, dass manche Anklagebehörden für die Wirtschaft die Unschuldsvermutung abgeschafft haben."
Das bestätigt auch ein anderer Geschäftsführer eines großen Unternehmens in Karlsruhe. Zum Versicherungsboten sagte er: "Das Vorgehen der sächsischen Integrierten Ermittlungseinheit und die Inhaftierung von nicht vorbestraften Top-Managern ist eine Ohrfeige ins Gesicht eines jeden Unternehmers. Man sollte nicht vergessen, dass es die Unternehmer sind, die Deutschland nach vorne bringen und den Staat wesentlich mit finanzieren."
Auch der Versicherungsbote hatte sich in mehreren Beitragen kritisch mit den Vorgängen in Sachsens Justiz beschäftigt.
In der INES sind angeblich rund 16 Staatsanwälte, Drogenfahnder, Steuerfachleute als auch Kriminalbeamte vereint. Sachsen lässt sich diese Einheit jährlich Millionen Euro kosten. Dabei wird die sächsische Sondereinheit unter anderem gezielt gegen in Sachsen ansässige Unternehmen eingesetzt und steht schon seit längerem wegen teils völlig überzogener Justiz-Gewaltaktionen in der Kritik.
So schreibt denn auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung, wonach nicht nur die Unister-Razzia, sondern auch die anschließende tagelange U-Haft von drei Unister-Top-Managern (teils sogar über Weihnachten) im 110 Kilometer vom Unister-Firmensitz entfernten Dresdener Gefängnis "unverhältnismäßig" gewesen sei.
Die umstrittene sächsische "Antikorruptionseinheit" INES bringt traditionell Personen wie zu DDR-Zeiten in ein zentrales sächsisches Gefängnis - wohl auch, um den Druck auf die Inhaftierten maximal zu erhöhen. Denn auch in Leipzig hätte es im Falle Unister ein Gefängnis gegeben. Mit der Inhaftierung und "Verschleppung von Bürgern" (O-Ton Mitglied Leipziger Stadtrat) nach Dresden erschwert die "Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES)" vorsätzlich sowohl den Zugang zu einem persönlichen Anwalt erheblich, als auch den Zugang von Angehörigen oder - im Falle Unister - von der Firma zu den inhaftierten Managern selber. "Wir hatten tagelang kein einziges Lebenszeichen von den Inhaftierten mehr", berichtet ein Insider. "Es war absolut gespenstisch. Wir kamen uns vor wie in einem Unrechtsstaat".
Natürlich wollen wir Personen in U-Haft brechen
Doch nicht nur das. So lasse die "Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES)" angeblich, ist zu hören, Handys von in U-Haft befindlichen Personen bewusst an, um mögliche "verräterische" SMS oder Anrufe abfangen zu können. Die Unister-Manager, ist aus dem Umfeld der Firma zu hören, hätten tagelang angeblich weder Fernseher noch Radio, noch Zeitungen zum Lesen bekommen. Selbst nächste Angehörige seien komplett abgeschnitten gewesen. Sprich: Isolationshaft von Top-Managern pur. "Natürlich möchten wir Personen in U-Haft auch brechen" berichtet ein Dresdner Justiz-Mitarbeiter. Doch war das angesichts der Vorwürfe gegen Unister auch verhältnismäßig? Unister gehört mit 1.900 Mitarbeitern zu den größten ostdeutschen Arbeitgebern.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Fachblatt rund um Wirtschaftsberichterstattung, kommt zu dem Urteil, dass die Aktionen der sächsischen Justiz Unister nicht nur erheblich "in Misskredit" gebracht hätten, sondern das Vorgehen der "Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen (INES)" sei auch in Bezug auf den Vorwurf der möglichen Steuerhinterziehung "ähnlich fragwürdig".
So führen die Autoren der angesehenen überregionalen Tageszeitung aus: "Weil der Urlaubsvermittler (Unister) seinen Stornoschutz nicht als Versicherungsleistung betrachtet hat, hat er konsequenterweise auch keine Versicherungssteuer abgeführt. Stattdessen hat er aber Umsatzsteuer ans Finanzamt überwiesen. Und die beträgt ebenfalls 19 Prozent. Hätte Unister also wirklich rechtswidrig gehandelt (was noch offen ist), wäre dem Fiskus lediglich ein Schaden in Höhe der Vorsteuer entstanden, die Steuerpflichtige bei der Umsatzsteuer von ihrer eigenen Steuerschuld abziehen können (nicht aber bei der Versicherungssteuer)."
Und weiter heißt es auf faz.net: "Die Vorwürfe der Strafverfolger klingen auf den ersten Blick gravierend: Steuerhinterziehung in Millionenhöhe und verbotener Vertrieb von Versicherungsleistungen... hinzu kommt ein angeblicher Verstoß gegen den Datenschutz."
Unister hatte auf seinen Portalen fluege.de oder ab-in-den-urlaub.de angeblich ohne entsprechende Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) ein Produkt zur Absicherung gegen Stornogebühren angeboten. Das halte aber mittlerweile, so die FAZ, "die Aufsichtsbehörde für ein erlaubnispflichtiges Versicherungsgeschäft". Allerdings hatte jene, also die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), wohl erst am Tag der Razzia Unister überhaupt ein Verbot zum Vertrieb eines Storno- und Umbuchungsservices ohne eine an den Bund zu leistende Versicherungssteuer erteilt.
Dabei wird immer deutlicher: Die BaFin scheint gezielt mit der Dresdner Justiz zusammengearbeitet zu haben, um rund eine Millionen Euro angeblicher Steuerhinterziehung auflaufen lassen zu können. Erst dann können in der Regel überhaupt Top-Manager in U-Haft genommen werden. Alleine das wirkt im Falle von Unister schon sehr seltsam für ein Land, das sich als Rechtsstaat bezeichnet.
Jedoch, schreibt FAZ, könne man zumindest in der Frage rund um Versicherung oder nicht, "darüber streiten". Immerhin habe Unister nach Auskunft von Unister-Gründer Thomas Wagner in einem Interview, das er vor gut zwei Wochen der FAZ gegeben hatte, die kritisierten Produkte mit Genehmigung teils seit zehn Jahren online gehabt.
Thomas Wagner gilt selbst unter seinen Kritikern als einer der talentiertesten deutschen Jung-Unternehmer. Der 34-Jährige hatte wohl auch im Angesicht der massiven Vorgänge rund um Unister - manche sprechen auch von einer begleitenden Medien-Kampagne gegen Unister - vor drei Tagen seinen Rückzug aus der Geschäftsführung von Unister bekannt gegeben.
Das muss ihm sehr schwer gefallen sein. Denn Wagner hatte aus dem Nichts heraus in zehn Jahren eines der profitabelsten und erfolgreichsten Online-Unternehmen in Deutschland aufgebaut. Während andere Online-Unternehmen dafür mittels Investoren-Finanzierungsrunden Hunderte Millionen Euro Fremdfinanzierung aufnehmen, hatte Wagner, aufgewachsen im Dessauer Plattenbau, scheinbar fast ohne große Finanzierungsrunden das meiste nahezu im Alleingang mit drei Mitgesellschaftern und einer Schar getreuer Mitarbeiter hochgezogen.
Jedenfalls führt die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus, wonach die Frage, ob Unister nun eine Steuerhinterziehung begangenen habe oder nicht "eine typische Auslegungsfrage" sei. Dieses hatte sogar selbst der unter Journalisten als geschwätzig geltende Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Dresden, Wolfgang Klein, so gesehen und sich damit in diversen Medien zitieren lassen: "Gerichte" müssten "das nun klären".
Die FAZ hält die Frage ob nun eine Versicherungssteuer von Unister hätte bezahlt werden müssen oder nicht für "tägliches Brot von Juristen". Dabei sei - statt eine der größten Razzien in der deutschen Unternehmer-Geschichte bei Unister durchzuführen - es -Zitat - "der übliche Weg" gewesen, wonach "die Aufsichtsbehörde" (also die BaFin) "ein Verbot" erlasse, und das Unternehmen - also Unister "gegen diesen Verwaltungsakt" dann vor dem "Verwaltungsgericht klagen" hätte können. Dabei gelte, schreibt faz.net auf ihrem Blog: "Wer Recht bekommt, ist offen."
FAZ:„Der übliche Weg wäre gewesen“....
Man könne deshalb "den fraglichen Stornoschutz als Versicherungsleistung definieren; man kann es aber auch ganz anders sehen", ist auf faz.net zu lesen. Am Ende würde üblicherweise durch drei Instanzen geklagt und "womöglich auch noch eine Verfassungsbeschwerde eingelegt". Das sei zwar "viel Stoff für Fachaufsätze von Versicherungs- und Verwaltungsrechtlern" um letztlich die Frage klären zu können, "ob es sich tatsächlich um eine 'unbefugte Geschäftstätigkeit nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz' handele".
Dabei sei es jedoch "nicht besonders nahe liegend", Unister einen "subjektiven Vorsatz für eine Straftat zu unterstellen". So ist denn auch das abschließende Urteil der beiden Autoren im Blog-Bereich der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entsprechend klar: "Der martialische Auftritt der (Anmerkung: Dresdner) Strafverfolger wirkt also überzogen. Langsam muss man als Unternehmer und Manager in diesem Land Angst bekommen, dass manche Anklagebehörden für die Wirtschaft die Unschuldsvermutung abgeschafft haben."
Das bestätigt auch ein anderer Geschäftsführer eines großen Unternehmens in Karlsruhe. Zum Versicherungsboten sagte er: "Das Vorgehen der sächsischen Integrierten Ermittlungseinheit und die Inhaftierung von nicht vorbestraften Top-Managern ist eine Ohrfeige ins Gesicht eines jeden Unternehmers. Man sollte nicht vergessen, dass es die Unternehmer sind, die Deutschland nach vorne bringen und den Staat wesentlich mit finanzieren."
Auch der Versicherungsbote hatte sich in mehreren Beitragen kritisch mit den Vorgängen in Sachsens Justiz beschäftigt.
Unister-Gründer bewegt sich auf schmalem Grat
Thomas Wagner hat ein Imperium von Internet-Portalen aufgebaut. Interne E-Mails werfen nun die Frage auf, ob er beim Verkauf von Versicherungsprodukten das Erlaubte überdehnte
Thomas Wagner sieht sich in der Opferrolle. „Wir wissen, dass schwere Sauereien in Arbeit sind, und richten uns darauf ein“, ließ der Chef des Leipziger Internet-Unternehmens Unister vergangene Woche per Pressemitteilung erklären. Es deute sich an, dass Wettbewerber „die Grenzen des Rechts erheblich überschreiten werden“. Konkreter wurde Wagner allerdings auch auf Nachfrage nicht.
Möglicherweise will Wagner durch die Pressemitteilung von den Vorwürfen gegen seine Person ablenken. Denn dem 34-jährigen Gründer des Portalbetreibers Unister weht ein eisiger Wind entgegen, der sich zu einem Orkan ausweiten könnte. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Wagner betont seine Unschuld. Unternehmensinterne Dokumente, die der WirtschaftsWoche vorliegen, werfen aber die Frage auf, ob Wagner die rechtlichen Grenzen womöglich überschritten hat.
Hat sich Wagner vielleicht verzockt?
Es wäre ein tiefer Fall. Als 23-Jähriger startete er 2002 eine Studententauschbörse, die er zu einer Internet-Macht ausbaute. Erster Streich war das Online-Reisebüro ab-in-den-urlaub.de. Es folgten weitere Reise-, Finanz- und Shopping-Domains. Geschätzter Umsatz mit 1900 Mitarbeitern: mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr. Die vermittelten Reiseumsätze etwa über ab- in-den-urlaub.de, fluege.de und reisen.de stiegen im Dezember 2012 um 17 Prozent.
Doch Unister arbeitet vor allem im Tourismusbereich mitunter mit fragwürdigen Methoden. Mit irreführenden Gütesiegeln, versteckten Kosten und Datenschutzlücken brachte Wagner Verbraucherschützer, Wettbewerber und Behörden gegen sich auf. Mehrmals überschritt er Grenzen zu weit.
Möglicherweise verkalkulierte er sich auch dieses Mal. Der Vorwurf der Dresdner Staatsanwälte: unerlaubter Vertrieb von Versicherungsprodukten und Steuerhinterziehung in Höhe von einer Million Euro – „konservativ gerechnet“, so ein Sprecher.
Verwunderung über Stornoschutz
Unister verkaufte auf den Reiseportalen einen Stornoschutz, der die Stornierungskosten etwa bei Krankheit übernimmt – laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn eine Versicherung. Für deren Vertrieb braucht ein Reisevermittler eine Genehmigung, die laut BaFin nicht vorlag. Unister soll so die Zahlung von Versicherungsteuern umgangen haben. Vor Weihnachten durchsuchten Beamte von BaFin und Staatsanwaltschaft die Büroräume von Unister-Managern. Drei von ihnen mussten vorläufig in Untersuchungshaft – auch Wagner. Der zeigte sich über die Vorwürfe „verwundert“.
Doch in einer internen E-Mail vom August 2011, die der WirtschaftsWoche vorliegt, schrieb eine enge Mitarbeiterin von Wagner an Unister-Manager, Bezug nehmend auf ein Gespräch mit ihm: „Wir sollen uns eine Art Umbuchungsschutz ausdenken, so dass wir eine zusätzliche Servicegebühr auf allen internationalen Portalen erheben können.“ Weiter heißt es: „Das ganze soll allerdings nicht als Versicherung deklariert sein, um den damit verbundenen Auflagen zu entgehen.“ Einkopiert in der Mail ist auch eine Anweisung von Wagner: „Überlegt euch: Bedingungen, welche das Produkt nicht zu einer Versicherung machen.“
Mit dem Inhalt dieser E-Mail konfrontiert, antwortet der Sprecher von Unister: Die Rechtsabteilung von Unister habe „seit geraumer Zeit in Korrespondenz mit der BaFin“ gestanden. „Dabei wurden auch die gegenseitigen Rechtspositionen ausgetauscht.“ Im Übrigen seien andere Reiseveranstalter, Mietwagenfirmen oder Flugportale „von einer ähnlichen Rechtsauffassung ausgegangen“ und hätten bis vor Kurzem „sehr vergleichbare Produkte am Markt gehabt“.
Möglicherweise war es Naivität, die Wagner glauben machte, er könne sich durch Veränderung einiger Bedingungen den Versicherungsauflagen entziehen. Aber wusste er nicht um das Risiko?
Knapp drei Monate vor der zitierten Mail teilte die BaFin, nachdem sie einen Stornoschutz auf hotelreservierung.de entdeckt hatte, in einem Schreiben an Unister mit: „Eine Erlaubnis zum Betreiben von Versicherungsgeschäften habe ich Ihnen nicht erteilt.“ Die BaFin drohte mit Strafen und schrieb, sie beabsichtige, die Versicherungsgeschäfte „unter der Androhung von Zwangsgeld zu untersagen“. Unister kontert: Die BaFin habe nur zu erkennen gegeben, „dass sie von einer Erlaubnispflicht im Sinne des Versicherungsgesetzes ausgehen könnte“. Ohne Unterlassungsaufforderung „musste man davon ausgehen, dass der Vertrieb zulässig sei“, so Wagner.
Nach dem BaFin-Schreiben verschwanden die unerlaubten Stornoschutz-Produkte von der Seite hotelreservierung.de. Doch im Mai 2012 seien erneut Versicherungsprodukte auf Unister-Seiten gefunden worden – zwar unter einem anderen Namen, aber „im Wesentlichen gleich ausgestaltet“, wie die BaFin der WirtschaftsWoche mitteilte. Auf dieser Basis beruhte dann die Razzia im Dezember. Unister behauptet, es habe „erhebliche Unterschiede der entsprechenden Leistungsbestandteile“ gegeben, die sich den jeweiligen Produktbeschreibungen entnehmen ließen.
Es wäre zumindest nicht das erste Mal, dass Wagner Rechtsauffassungen staatlicher Institutionen großzügig auslegt. 2011 untersagte der Bundesgerichtshof die Praxis von fluege.de, Servicegebühren erst im zweiten Buchungsschritt zu addieren.
Versteckte Kosten im Buchungsprozess
Viel geändert hat sich nicht. Bei internationalen Flugbuchungen etwa erhöht sich der Ticketpreis um 38 Euro Buchungsgebühr erst, nachdem der Nutzer Name und Anschrift angegeben hat. Nur ein unauffälliger Link unterhalb des ursprünglichen Preisangebots weist vorher darauf hin, dass im Laufe des Buchungsprozesses weitere Kosten entstehen könnten.
Unister sagt dazu, die Gebühren seien ab dem ersten Buchungsschritt „transparent“ dargestellt und die Servicegebühr falle „nicht zwingend an“. Kunden könnten die Gebühren umgehen, wenn sie mit einer fluege.de-Kreditkarte zahlten. Wie viele Karten-Nutzer es gibt, sagt Unister nicht. Das Unternehmen sichert sich so Extraeinnahmen, die auch teure TV-Spots und Google-Anzeigen mitfinanzieren, mit denen Unister seine Marken wie ab-in-den-urlaub.de, fluege.de und reisen.de bewirbt.
Einige Unternehmen der Reisebranche distanzieren sich inzwischen von Unister: So verkaufen die Veranstalter TUI und Alltours ihre Reisen nicht mehr über die Seiten. Laut TUI-Insidern hat der Konzern bisher pro Jahr Reisen im Wert von 100 bis 150 Millionen Euro über die Portale der Leipziger verkauft. Insgesamt muss Unister in Zukunft wohl geschätzt auf bis zu 20 Millionen Euro an Provisionen verzichten.
Die fehlenden Einnahmen dürften Unister treffen. Gründer Wagner zog sich vom Chefposten zurück und verantwortet nun Strategie und Produktentwicklung. Branchenbeobachter vermuten: auf Druck der Banken. Das Unternehmen verkauft dies als lange geplante Maßnahme. Ein Nachfolger wurde aber noch nicht präsentiert.
Thomas Wagner sieht sich in der Opferrolle. „Wir wissen, dass schwere Sauereien in Arbeit sind, und richten uns darauf ein“, ließ der Chef des Leipziger Internet-Unternehmens Unister vergangene Woche per Pressemitteilung erklären. Es deute sich an, dass Wettbewerber „die Grenzen des Rechts erheblich überschreiten werden“. Konkreter wurde Wagner allerdings auch auf Nachfrage nicht.
Möglicherweise will Wagner durch die Pressemitteilung von den Vorwürfen gegen seine Person ablenken. Denn dem 34-jährigen Gründer des Portalbetreibers Unister weht ein eisiger Wind entgegen, der sich zu einem Orkan ausweiten könnte. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Wagner betont seine Unschuld. Unternehmensinterne Dokumente, die der WirtschaftsWoche vorliegen, werfen aber die Frage auf, ob Wagner die rechtlichen Grenzen womöglich überschritten hat.
Hat sich Wagner vielleicht verzockt?
Es wäre ein tiefer Fall. Als 23-Jähriger startete er 2002 eine Studententauschbörse, die er zu einer Internet-Macht ausbaute. Erster Streich war das Online-Reisebüro ab-in-den-urlaub.de. Es folgten weitere Reise-, Finanz- und Shopping-Domains. Geschätzter Umsatz mit 1900 Mitarbeitern: mehr als eine Milliarde Euro pro Jahr. Die vermittelten Reiseumsätze etwa über ab- in-den-urlaub.de, fluege.de und reisen.de stiegen im Dezember 2012 um 17 Prozent.
Doch Unister arbeitet vor allem im Tourismusbereich mitunter mit fragwürdigen Methoden. Mit irreführenden Gütesiegeln, versteckten Kosten und Datenschutzlücken brachte Wagner Verbraucherschützer, Wettbewerber und Behörden gegen sich auf. Mehrmals überschritt er Grenzen zu weit.
Möglicherweise verkalkulierte er sich auch dieses Mal. Der Vorwurf der Dresdner Staatsanwälte: unerlaubter Vertrieb von Versicherungsprodukten und Steuerhinterziehung in Höhe von einer Million Euro – „konservativ gerechnet“, so ein Sprecher.
Verwunderung über Stornoschutz
Unister verkaufte auf den Reiseportalen einen Stornoschutz, der die Stornierungskosten etwa bei Krankheit übernimmt – laut Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in Bonn eine Versicherung. Für deren Vertrieb braucht ein Reisevermittler eine Genehmigung, die laut BaFin nicht vorlag. Unister soll so die Zahlung von Versicherungsteuern umgangen haben. Vor Weihnachten durchsuchten Beamte von BaFin und Staatsanwaltschaft die Büroräume von Unister-Managern. Drei von ihnen mussten vorläufig in Untersuchungshaft – auch Wagner. Der zeigte sich über die Vorwürfe „verwundert“.
Doch in einer internen E-Mail vom August 2011, die der WirtschaftsWoche vorliegt, schrieb eine enge Mitarbeiterin von Wagner an Unister-Manager, Bezug nehmend auf ein Gespräch mit ihm: „Wir sollen uns eine Art Umbuchungsschutz ausdenken, so dass wir eine zusätzliche Servicegebühr auf allen internationalen Portalen erheben können.“ Weiter heißt es: „Das ganze soll allerdings nicht als Versicherung deklariert sein, um den damit verbundenen Auflagen zu entgehen.“ Einkopiert in der Mail ist auch eine Anweisung von Wagner: „Überlegt euch: Bedingungen, welche das Produkt nicht zu einer Versicherung machen.“
Mit dem Inhalt dieser E-Mail konfrontiert, antwortet der Sprecher von Unister: Die Rechtsabteilung von Unister habe „seit geraumer Zeit in Korrespondenz mit der BaFin“ gestanden. „Dabei wurden auch die gegenseitigen Rechtspositionen ausgetauscht.“ Im Übrigen seien andere Reiseveranstalter, Mietwagenfirmen oder Flugportale „von einer ähnlichen Rechtsauffassung ausgegangen“ und hätten bis vor Kurzem „sehr vergleichbare Produkte am Markt gehabt“.
Möglicherweise war es Naivität, die Wagner glauben machte, er könne sich durch Veränderung einiger Bedingungen den Versicherungsauflagen entziehen. Aber wusste er nicht um das Risiko?
Knapp drei Monate vor der zitierten Mail teilte die BaFin, nachdem sie einen Stornoschutz auf hotelreservierung.de entdeckt hatte, in einem Schreiben an Unister mit: „Eine Erlaubnis zum Betreiben von Versicherungsgeschäften habe ich Ihnen nicht erteilt.“ Die BaFin drohte mit Strafen und schrieb, sie beabsichtige, die Versicherungsgeschäfte „unter der Androhung von Zwangsgeld zu untersagen“. Unister kontert: Die BaFin habe nur zu erkennen gegeben, „dass sie von einer Erlaubnispflicht im Sinne des Versicherungsgesetzes ausgehen könnte“. Ohne Unterlassungsaufforderung „musste man davon ausgehen, dass der Vertrieb zulässig sei“, so Wagner.
Nach dem BaFin-Schreiben verschwanden die unerlaubten Stornoschutz-Produkte von der Seite hotelreservierung.de. Doch im Mai 2012 seien erneut Versicherungsprodukte auf Unister-Seiten gefunden worden – zwar unter einem anderen Namen, aber „im Wesentlichen gleich ausgestaltet“, wie die BaFin der WirtschaftsWoche mitteilte. Auf dieser Basis beruhte dann die Razzia im Dezember. Unister behauptet, es habe „erhebliche Unterschiede der entsprechenden Leistungsbestandteile“ gegeben, die sich den jeweiligen Produktbeschreibungen entnehmen ließen.
Es wäre zumindest nicht das erste Mal, dass Wagner Rechtsauffassungen staatlicher Institutionen großzügig auslegt. 2011 untersagte der Bundesgerichtshof die Praxis von fluege.de, Servicegebühren erst im zweiten Buchungsschritt zu addieren.
Versteckte Kosten im Buchungsprozess
Viel geändert hat sich nicht. Bei internationalen Flugbuchungen etwa erhöht sich der Ticketpreis um 38 Euro Buchungsgebühr erst, nachdem der Nutzer Name und Anschrift angegeben hat. Nur ein unauffälliger Link unterhalb des ursprünglichen Preisangebots weist vorher darauf hin, dass im Laufe des Buchungsprozesses weitere Kosten entstehen könnten.
Unister sagt dazu, die Gebühren seien ab dem ersten Buchungsschritt „transparent“ dargestellt und die Servicegebühr falle „nicht zwingend an“. Kunden könnten die Gebühren umgehen, wenn sie mit einer fluege.de-Kreditkarte zahlten. Wie viele Karten-Nutzer es gibt, sagt Unister nicht. Das Unternehmen sichert sich so Extraeinnahmen, die auch teure TV-Spots und Google-Anzeigen mitfinanzieren, mit denen Unister seine Marken wie ab-in-den-urlaub.de, fluege.de und reisen.de bewirbt.
Einige Unternehmen der Reisebranche distanzieren sich inzwischen von Unister: So verkaufen die Veranstalter TUI und Alltours ihre Reisen nicht mehr über die Seiten. Laut TUI-Insidern hat der Konzern bisher pro Jahr Reisen im Wert von 100 bis 150 Millionen Euro über die Portale der Leipziger verkauft. Insgesamt muss Unister in Zukunft wohl geschätzt auf bis zu 20 Millionen Euro an Provisionen verzichten.
Die fehlenden Einnahmen dürften Unister treffen. Gründer Wagner zog sich vom Chefposten zurück und verantwortet nun Strategie und Produktentwicklung. Branchenbeobachter vermuten: auf Druck der Banken. Das Unternehmen verkauft dies als lange geplante Maßnahme. Ein Nachfolger wurde aber noch nicht präsentiert.
Neue Durchsuchungen bei Unister
Die sächsische Generalstaatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen gegen den Online-Reiseverkäufer Unister erheblich ausgeweitet.
Wie Behördensprecher Wolfgang Klein sagte, wird jetzt auch wegen des Verdachts des illegalen Adresshandels und wegen gefälschter Preisangaben auf den Unister-Portalen wie fluege.de und ab-in-den-urlaub.de ermittelt. Seit längerem schon steht Unister zudem im Verdacht, illegal Versicherungen verkauft und dabei Steuern in Millionenhöhe hinterzogen zu haben. Das Unternehmen wies die neuen Vorwürfe als unzutreffend zurück.
Am Mittwoch habe es noch einmal umfangreiche Durchsuchungen bei Unister und deren Geschäftspartnern gegeben, sagte Klein. 40 Polizeibeamte und vier Staatsanwälte waren in der Zentrale in Leipzig sowie in Potsdam und Bayern im Einsatz. Unister bestätigte dies, sprach aber in einer Mitteilung lediglich von «Nachuntersuchungen in den Räumen von Unister». Man habe weitere Unterlagen an die Behörden übergeben und sei an Aufklärung interessiert.
Klein sagte: «Es besteht der Verdacht, dass über mehrere Jahre Kundendaten ohne Wissen der Betroffenen verkauft worden sind an kommerzielle Adresshändler.». Damit habe Unister mehrere Millionen Euro gemacht. Die Ermittlungen wegen illegalen Adresshandels seien durch eine Strafanzeige des sächsischen Datenschutzbeauftragten ins Rollen gebracht worden.
Die Generalstaatsanwaltschaft glaubt zudem, dass Unister mit gefälschten Preisen auf seinen Reiseseiten gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstoßen hat. Systematisch seien den Kunden auf den Reiseportalen Schnäppchen vorgegaukelt worden durch sogenannte Streichpreise - die allerdings frei erfunden waren.
Dies wies Unister-Sprecher Konstantin Korosides zurück: «Alle Preisangaben bei Unister sind korrekt, werden korrekt veröffentlicht und korrekt.» Alle geltenden Gesetze und Vorschriften würden eingehalten werden. Auch den Vorwurf, unerlaubt Adressenhandel zu betreiben, wies er scharf zurück: «Über diese Anschuldigung sind wir nicht nur überrascht, sondern sie entbehrt jeder Grundlage.» Um die Datensicherheit weiter zu verbessern, sei bereits ein neuer externer Datenschutzbeauftragter berufen worden. Er werde mit dem sächsischen Datenschutzbeauftragten eng zusammenarbeiten.
Staatsanwaltssprecher Klein zufolge sind die Streichpreise, angebliche Ursprungspreise für Reisen oder Flüge, niemals wirklich verlangt worden. «Man hat auf breiter Front etwas vorgetäuscht, was nicht da war.» Dazu sei ein ausgefeiltes, hoch professionelles Computerprogramm eingesetzt worden, dass die Schnäppchenpreise erzeugt habe. «Wir haben den Algorithmus gefunden», sagte Klein.
Die neuen Verdachtsmomente richten sich gegen jene acht Unister-Führungskräfte, gegen die bereits wegen Steuerbetrugs ermittelt wird. Drei Manager hatten zwischenzeitlich in Untersuchungshaft gesessen, die Haftbefehle wurden jedoch gegen Zahlung von Kautionen und Meldeauflagen außer Vollzug gesetzt.
Der Unister-Gründer Thomas Wagner hat angekündigt, sich von der Spitze des Unternehmens zurückzuziehen. Angeblich läuft die Suche nach einem Nachfolger. Das Unternehmen, das auch Seiten wie geld.de und auto.de betreibt, beschäftigt nach eigenen Angaben 1900 Mitarbeiter. Angaben zu Umsatz und Gewinn macht Unister nicht. In aktuellen Stellenanzeigen spricht das Unternehmen jedoch davon, einen «Jahresumsatz im 10-stelligen Eurobereich» zu machen. Das wären Milliardenumsätze.
* Allgemeine Zeitung Mainz
Wie Behördensprecher Wolfgang Klein sagte, wird jetzt auch wegen des Verdachts des illegalen Adresshandels und wegen gefälschter Preisangaben auf den Unister-Portalen wie fluege.de und ab-in-den-urlaub.de ermittelt. Seit längerem schon steht Unister zudem im Verdacht, illegal Versicherungen verkauft und dabei Steuern in Millionenhöhe hinterzogen zu haben. Das Unternehmen wies die neuen Vorwürfe als unzutreffend zurück.
Am Mittwoch habe es noch einmal umfangreiche Durchsuchungen bei Unister und deren Geschäftspartnern gegeben, sagte Klein. 40 Polizeibeamte und vier Staatsanwälte waren in der Zentrale in Leipzig sowie in Potsdam und Bayern im Einsatz. Unister bestätigte dies, sprach aber in einer Mitteilung lediglich von «Nachuntersuchungen in den Räumen von Unister». Man habe weitere Unterlagen an die Behörden übergeben und sei an Aufklärung interessiert.
Klein sagte: «Es besteht der Verdacht, dass über mehrere Jahre Kundendaten ohne Wissen der Betroffenen verkauft worden sind an kommerzielle Adresshändler.». Damit habe Unister mehrere Millionen Euro gemacht. Die Ermittlungen wegen illegalen Adresshandels seien durch eine Strafanzeige des sächsischen Datenschutzbeauftragten ins Rollen gebracht worden.
Die Generalstaatsanwaltschaft glaubt zudem, dass Unister mit gefälschten Preisen auf seinen Reiseseiten gegen das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb verstoßen hat. Systematisch seien den Kunden auf den Reiseportalen Schnäppchen vorgegaukelt worden durch sogenannte Streichpreise - die allerdings frei erfunden waren.
Dies wies Unister-Sprecher Konstantin Korosides zurück: «Alle Preisangaben bei Unister sind korrekt, werden korrekt veröffentlicht und korrekt.» Alle geltenden Gesetze und Vorschriften würden eingehalten werden. Auch den Vorwurf, unerlaubt Adressenhandel zu betreiben, wies er scharf zurück: «Über diese Anschuldigung sind wir nicht nur überrascht, sondern sie entbehrt jeder Grundlage.» Um die Datensicherheit weiter zu verbessern, sei bereits ein neuer externer Datenschutzbeauftragter berufen worden. Er werde mit dem sächsischen Datenschutzbeauftragten eng zusammenarbeiten.
Staatsanwaltssprecher Klein zufolge sind die Streichpreise, angebliche Ursprungspreise für Reisen oder Flüge, niemals wirklich verlangt worden. «Man hat auf breiter Front etwas vorgetäuscht, was nicht da war.» Dazu sei ein ausgefeiltes, hoch professionelles Computerprogramm eingesetzt worden, dass die Schnäppchenpreise erzeugt habe. «Wir haben den Algorithmus gefunden», sagte Klein.
Die neuen Verdachtsmomente richten sich gegen jene acht Unister-Führungskräfte, gegen die bereits wegen Steuerbetrugs ermittelt wird. Drei Manager hatten zwischenzeitlich in Untersuchungshaft gesessen, die Haftbefehle wurden jedoch gegen Zahlung von Kautionen und Meldeauflagen außer Vollzug gesetzt.
Der Unister-Gründer Thomas Wagner hat angekündigt, sich von der Spitze des Unternehmens zurückzuziehen. Angeblich läuft die Suche nach einem Nachfolger. Das Unternehmen, das auch Seiten wie geld.de und auto.de betreibt, beschäftigt nach eigenen Angaben 1900 Mitarbeiter. Angaben zu Umsatz und Gewinn macht Unister nicht. In aktuellen Stellenanzeigen spricht das Unternehmen jedoch davon, einen «Jahresumsatz im 10-stelligen Eurobereich» zu machen. Das wären Milliardenumsätze.
* Allgemeine Zeitung Mainz
Anschuldigung entbehrt jeder Grundlage!
Laut der Leipziger Internetfirma entbehren die Anschuldigungen jeglicher Grundlage
"Alle Preisangaben bei Unister sind korrekt, werden korrekt veröffentlicht und korrekt gebucht.", sagte Unister-Sprecher Dr. Konstantin Korosides heute in Leipzig und ergänzte "wir halten alle geltenden Gesetze und Vorschriften ein. Für unsere Kunden sind alle Fragen um Kosten und Preise jederzeit transparent."
Am Mittwoch hattte die sächsische Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen das Unternehmen aus Leipzig erheblich erweitert. So wird Unister neben der falschen Auspreisung auf ihren Internetportalen fluege.de oder ab-in-den-urlaub.de auch illegalen Adressenhandel vorgeworfen. Unister reagierte empört: "Über diese Anschuldigung sind wir nicht nur überrascht sondern sie entbehrt jeder Grundlage. Diese Unterstellung ist eine echte Unverschämtheit."
Erst Mittwochvormittag hatte die Unister Holding weitere Unterlagen zur Aufklärung der gegen sie erhobenen Vorwürfe vom Dezember 2012 an die sächsischen Behörden übergeben. Korosides sagte dazu: "Uns ist die Aufklärung aller Fragen sehr wichtig! Das sollte so schnell wie möglich erfolgen. Deshalb unterstützten wir die Arbeit der sächsischen Behörden nach Kräften!"
"Alle Preisangaben bei Unister sind korrekt, werden korrekt veröffentlicht und korrekt gebucht.", sagte Unister-Sprecher Dr. Konstantin Korosides heute in Leipzig und ergänzte "wir halten alle geltenden Gesetze und Vorschriften ein. Für unsere Kunden sind alle Fragen um Kosten und Preise jederzeit transparent."
Am Mittwoch hattte die sächsische Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen das Unternehmen aus Leipzig erheblich erweitert. So wird Unister neben der falschen Auspreisung auf ihren Internetportalen fluege.de oder ab-in-den-urlaub.de auch illegalen Adressenhandel vorgeworfen. Unister reagierte empört: "Über diese Anschuldigung sind wir nicht nur überrascht sondern sie entbehrt jeder Grundlage. Diese Unterstellung ist eine echte Unverschämtheit."
Erst Mittwochvormittag hatte die Unister Holding weitere Unterlagen zur Aufklärung der gegen sie erhobenen Vorwürfe vom Dezember 2012 an die sächsischen Behörden übergeben. Korosides sagte dazu: "Uns ist die Aufklärung aller Fragen sehr wichtig! Das sollte so schnell wie möglich erfolgen. Deshalb unterstützten wir die Arbeit der sächsischen Behörden nach Kräften!"


