Hypo Real Estate (HRE) - Deutsche Pfandbriefbank AG
In diesem Thema wurden schon 0 Auszeichnungen vergeben!
Dieses Thema wurde 6045 mal besucht und hat 67 Antworten.

Drei ehemalige Vorstandsmitglieder der Hypo Real Estate Holding AG klagen ab heute vor der 5. Handelskammer des Landgerichts München gegen ihren früheren Arbeitgeber.
Der ehemalige HRE-Vorstandsvorsitzende Funke und der damalige Finanzvorstand Fell wollen erreichen, dass ihre außerordentlichen Kündigungen im Dezember 2008 für unrechtmäßig erklärt werden, ihnen für Januar und Februar 2009 Gehälter ausgezahlt werden und ihre Ansprüche auf Ruhestandszahlungen fortbestehen.
Ein weiteres ehemaliges Vorstandsmitglied will sich lediglich die Vergütung für Januar 2009 erstreiten.
Den drei Männern war laut Gericht gekündigt worden, da sie aufgrund zu hoher Risikobereitschaft an der finanziellen Krise der Bank mitschuldig seien.
Die Kläger bestreiten, dass ihre Kündigungen begründet gewesen seien.
(Ag)
Der ehemalige HRE-Vorstandsvorsitzende Funke und der damalige Finanzvorstand Fell wollen erreichen, dass ihre außerordentlichen Kündigungen im Dezember 2008 für unrechtmäßig erklärt werden, ihnen für Januar und Februar 2009 Gehälter ausgezahlt werden und ihre Ansprüche auf Ruhestandszahlungen fortbestehen.
Ein weiteres ehemaliges Vorstandsmitglied will sich lediglich die Vergütung für Januar 2009 erstreiten.
Den drei Männern war laut Gericht gekündigt worden, da sie aufgrund zu hoher Risikobereitschaft an der finanziellen Krise der Bank mitschuldig seien.
Die Kläger bestreiten, dass ihre Kündigungen begründet gewesen seien.
(Ag)
HRE - Zusätzliche Hilfe benötigt
Das Faß ohne Boden
Die Bundesregierung will die Münchner Pleitebank Hypo Real Estate (HRE) mit zusätzlichen Staatsgarantien in Höhe von bis zu 40 Milliarden Euro stützen - zusätzlich zu den bereits Ende 2008 garantierten 102 Milliarden. Die Hilfe wurde am Abend auf einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz des Lenkungsausschusses des Bankenrettungsfonds Soffin beschlossen. Am späten Abend bestätigte die Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung in Frankfurt am Main, dass das gewährte Garantievolumen bis zum Jahresende 2010 um bis zu 40 Milliarden Euro erhöht wird. Das Gesamtgarantievolumen gegenüber der HRE belaufe sich damit temporär auf bis zu 142 Milliarden Euro.
Massive Liquiditätsprobleme
Der Lenkungsausschuss des Soffin habe diesen Beschluss gefasst, um vor und bei der geplanten Transaktion jegliche Liquiditätsengpässe auszuschließen. "stern.de" hatte zuvor berichtet, die Garantien würden wegen massiver Liquiditätsprobleme des Instituts nötig. Im schlimmsten Fall sei die Bank bis zum 22. September zahlungsunfähig. Grund seien unter anderem höhere Risikoaufschläge bei Anleihen kriselnder Euro-Staaten, die von der HRE gehalten werden. Weitere 20 Milliarden werden im Zusammenhang mit der Bad Bank erforderlich, in die die Krisenbank Ende des Monats ihre faulen Wertpapiere auslagern will. Dabei entstünden "Transaktionsrisiken".
Lage weit angespannter als erwartet
Der inzwischen verstaatlichte Immobilienfinanzierer stand in der Finanzkrise mehrfach vor dem Aus. Mit Staatshilfen von mehr als 100 Milliarden Euro wurde das Institut am Leben gehalten. Im Zuge der Sanierung soll der Konzern von Altlasten befreit werden. Dazu sollen Risikopapiere (toxische Wertpapiere) und nicht mehr benötigte Geschäftsteile in eine "Bad Bank" ausgelagert werden.* Auszug Tagesschau
Die Bundesregierung will die Münchner Pleitebank Hypo Real Estate (HRE) mit zusätzlichen Staatsgarantien in Höhe von bis zu 40 Milliarden Euro stützen - zusätzlich zu den bereits Ende 2008 garantierten 102 Milliarden. Die Hilfe wurde am Abend auf einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz des Lenkungsausschusses des Bankenrettungsfonds Soffin beschlossen. Am späten Abend bestätigte die Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung in Frankfurt am Main, dass das gewährte Garantievolumen bis zum Jahresende 2010 um bis zu 40 Milliarden Euro erhöht wird. Das Gesamtgarantievolumen gegenüber der HRE belaufe sich damit temporär auf bis zu 142 Milliarden Euro.
Massive Liquiditätsprobleme
Der Lenkungsausschuss des Soffin habe diesen Beschluss gefasst, um vor und bei der geplanten Transaktion jegliche Liquiditätsengpässe auszuschließen. "stern.de" hatte zuvor berichtet, die Garantien würden wegen massiver Liquiditätsprobleme des Instituts nötig. Im schlimmsten Fall sei die Bank bis zum 22. September zahlungsunfähig. Grund seien unter anderem höhere Risikoaufschläge bei Anleihen kriselnder Euro-Staaten, die von der HRE gehalten werden. Weitere 20 Milliarden werden im Zusammenhang mit der Bad Bank erforderlich, in die die Krisenbank Ende des Monats ihre faulen Wertpapiere auslagern will. Dabei entstünden "Transaktionsrisiken".
Lage weit angespannter als erwartet
Der inzwischen verstaatlichte Immobilienfinanzierer stand in der Finanzkrise mehrfach vor dem Aus. Mit Staatshilfen von mehr als 100 Milliarden Euro wurde das Institut am Leben gehalten. Im Zuge der Sanierung soll der Konzern von Altlasten befreit werden. Dazu sollen Risikopapiere (toxische Wertpapiere) und nicht mehr benötigte Geschäftsteile in eine "Bad Bank" ausgelagert werden.* Auszug Tagesschau
Im Prozess um die Zwangsverstaatlichung des Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate will das Landgericht München eine Entscheidung verkünden.
In dem Zivilverfahren klagen mehrere dutzend ehemalige HRE-Aktionäre gegen ihren Zwangsausschluss aus dem Unternehmen. Der Beschluss der Hauptversammlung für das sogenannte Squeeze Out der Anleger sei inhaltlich und formal fehlerhaft gewesen, hatte Anwältin Daniela Bergdolt, die einen der insgesamt rund 40 Kläger vertritt, zu Beginn des
Verfahrens im vergangenen Juni argumentiert
In dem Zivilverfahren klagen mehrere dutzend ehemalige HRE-Aktionäre gegen ihren Zwangsausschluss aus dem Unternehmen. Der Beschluss der Hauptversammlung für das sogenannte Squeeze Out der Anleger sei inhaltlich und formal fehlerhaft gewesen, hatte Anwältin Daniela Bergdolt, die einen der insgesamt rund 40 Kläger vertritt, zu Beginn des
Verfahrens im vergangenen Juni argumentiert
Der Rauswurf der letzten HRE-Minderheitsaktionäre im Herbst 2009 durch den Bund war rechtens. Das Landgericht München I wies die Klagen mehrerer Betroffenen, darunter des ehemaligen Großaktionärs Christopher Flowers, ab. Der von der Hauptversammlung der Hypo Real Estate am 5. Oktober 2009 beschlossene sogenannte Squeeze-Out habe weder gegen das Grundgesetz noch gegen den EG-Vertrag oder Aktienrecht verstoßen, erklärte das Gericht.
(Aktenzeichen 5HK O 18800/09)
(Aktenzeichen 5HK O 18800/09)
Das Oberlandesgericht München hat seine Entscheidung zum Zwangsausschluss der früheren Aktionäre der Krisenbank Hypo Real Estate (HRE) auf Mittwoch verschoben.
Ursprünglich war ein Urteil für Dienstag vorgesehen. Es wird erwartet, dass die Ex-Anteilseigner auch in zweiter Instanz mit ihren Klagen scheitern. Denn das OLG hatte schon im Juni betont, die europa- und verfassungsrechtlichen Bedenken gegen den sogenannten Squeeze-Out überwiegend nicht zu teilen. Die Kläger zielen auf einen finanziellen Nachschlag auf ihre Zwangsabfindung.
Die HRE musste in der heißen Phase der Finanzkrise im Herbst 2008 nach akuten Liquiditätsengpässen mehrfach vor dem Aus gerettet werden. Zeitweise wurde der damalige Dax-Konzern mit rund 150 Milliarden Euro gestützt. Im Zuge der Verstaatlichung wurden die Altaktionäre aus der Immobilienbank gedrängt. Mittlerweile wagt das deutlich verkleinerte Institut unter dem Namen Deutsche Pfandbriefbank einen Neustart.
Ursprünglich war ein Urteil für Dienstag vorgesehen. Es wird erwartet, dass die Ex-Anteilseigner auch in zweiter Instanz mit ihren Klagen scheitern. Denn das OLG hatte schon im Juni betont, die europa- und verfassungsrechtlichen Bedenken gegen den sogenannten Squeeze-Out überwiegend nicht zu teilen. Die Kläger zielen auf einen finanziellen Nachschlag auf ihre Zwangsabfindung.
Die HRE musste in der heißen Phase der Finanzkrise im Herbst 2008 nach akuten Liquiditätsengpässen mehrfach vor dem Aus gerettet werden. Zeitweise wurde der damalige Dax-Konzern mit rund 150 Milliarden Euro gestützt. Im Zuge der Verstaatlichung wurden die Altaktionäre aus der Immobilienbank gedrängt. Mittlerweile wagt das deutlich verkleinerte Institut unter dem Namen Deutsche Pfandbriefbank einen Neustart.
Anfechtungsklagen gegen HRE-Kapitalerhöhung erfolglos
Mehrere HRE-Aktionäre sind mit ihren Anfechtungsklagen gegen den Beschluss der HRE-Hauptversammlung vom 02.06.2009 über eine Kapitalerhöhung gegen Bezugrechtsausschluss gescheitert. Das Landgericht München I stellte klar, dass mit dem Beschluss weder eine Enteignung noch eine unverhältnismäßige Beschränkung des Eigentumsgrundrechts der Aktionäre einhergegangen ist (Urteil vom 01.03.2012, Az.: 5 HK O 12377/09, nicht rechtskräftig). Nach dem Beschluss sollte das Grundkapital der HRE um bis zu 5,6 Milliarden Euro erhöht werden können, wobei die Aktionäre vom Bezug der im Zuge dessen neu ausgegebenen Aktien ausgeschlossen wurden. Die neuen Aktien durfte nur der Bund erwerben.
Hintergrund
Der HRE drohte in den Jahren 2008 und 2009 mehrfach der finanzielle Kollaps. Daran änderte sich auch nichts, als der Bund und einige Privatbanken die Liquidität der HRE zwischenzeitlich mehrmals durch Finanzhilfen in Milliardenhöhe gesichert hatten. Deshalb beschloss der Bund schließlich, die HRE zu übernehmen. Durch das Angebot, den HRE-Aktionären die Aktien für je 1,39 Euro abzukaufen, konnte jedoch lediglich eine Aktienbeteiligung von rund 47% erworben werden. Zum Erwerb der gesamten Bank musste allerdings eine Aktienbeteiligung von mindestens 90% erworben werden, um dann auch noch die restlichen Aktionäre hinausdrängen zu können (sogenanntes Squeeze out). Die Wirksamkeit des Squeeze-Out-Beschlusses, der später gefasst wurde, war nicht Gegenstand dieses Verfahrens.
Aktionäre sahen sich durch Kapitalerhöhungsbeschluss enteignet
Einige Aktionäre griffen den Beschluss über die Kapitalerhöhung mit Anfechtungsklagen an. Sie sahen sich durch die Kapitalerhöhung enteignet. Moniert wurde aber auch, dass der Gesetzgeber im Jahr 2009 mit dem sogenannten Finanzmarktstabilisierungsbeschleunigungsgesetz die gesetzliche Frist zur Einberufung einer Hauptversammlung von mindestens 30 Tagen auf mindestens einen Tag verkürzt hatte, damit im Notfall – wie etwa bei der HRE – schnell gehandelt werden konnte. Die HRE machte bei der Einberufung der Hauptversammlung von dieser Möglichkeit der Verkürzung Gebrauch. Durch diese Verkürzung der Einberufungsfrist sahen die Kläger ihre Mitwirkungs- und Teilnahmerechte als Aktionäre verletzt.
Privatrechtlicher Akt führte zu Ausschluss des Bezugsrechts
Das LG München I verneint mit seinem Urteil, dass es im Zusammenhang mit dem angegriffenen Hauptversammlungsbeschluss zur Verletzung von Grundrechten gekommen ist. Es liege weder eine Enteignung noch eine unverhältnismäßige Beschränkung des Eigentumsgrundrechts der Aktionäre vor. Das Finanzmarktstabilisierungsbeschleunigungsgesetz selbst sei weder ein nach dem Grundgesetz unzulässiges Einzelfallgesetz noch habe es automatisch zum Ausschluss des Bezugsrechts geführt. Dafür sei vielmehr der Beschluss der Hauptversammlung nötig gewesen. Dabei handele es sich jedoch um einen privatrechtlichen Akt und nicht um einen staatlichen Eingriff.
Verkürzung der Einberufungsfrist verletzt keine Grundrechte
Auch die mit dem Finanzmarktstabilisierungsbeschleunigungsgesetz ermöglichte Verkürzung der Einberufungsfrist stelle keine Grundrechtsverletzung dar, so das LG weiter. Die erheblichen Auswirkungen der Finanzmarktkrise und das daraus erwachsende Erfordernis einer raschen Reaktion lasse die Verkürzung der Einberufungsfrist im Lichte der Vorgaben des Grundgesetzes nicht als unverhältnismäßig erscheinen. Insoweit müsse auch berücksichtigt werden, dass das Erfordernis einer raschen Beschlussfassung im Einzelfall auch der Abwendung einer Insolvenz dienen könne.
Fristverkürzung auch europarechtskonform
Durch die gesetzliche Verkürzung der Einberufungsfrist sei auch nicht gegen europäisches Recht verstoßen worden. Nach der EU-Richtlinie betreffend die Ausübung von Aktionärsrechten (2007/36/EG) muss die Einberufungsfrist für eine Hauptversammlung mindestens 21 Tage betragen, damit sich die Aktionäre ausreichend vorbereiten können. Eine Gesetzesverletzung liege insofern hier nicht vor, weil die maßgebliche Umsetzungsfrist im Zeitpunkt der Hauptversammlung noch nicht abgelaufen war, zumal diese Frist von 21 Tagen auch gewahrt wurde. Zuletzt konnte das Gericht auch hinsichtlich der Vorbereitung der Hauptversammlung und der dort erfolgten Beschlussfassung keinen Verstoß gegen das Aktiengesetz feststellen
LG München I, Urteil vom 01.03.2012 - 5 HK O 12377/09
Hintergrund
Der HRE drohte in den Jahren 2008 und 2009 mehrfach der finanzielle Kollaps. Daran änderte sich auch nichts, als der Bund und einige Privatbanken die Liquidität der HRE zwischenzeitlich mehrmals durch Finanzhilfen in Milliardenhöhe gesichert hatten. Deshalb beschloss der Bund schließlich, die HRE zu übernehmen. Durch das Angebot, den HRE-Aktionären die Aktien für je 1,39 Euro abzukaufen, konnte jedoch lediglich eine Aktienbeteiligung von rund 47% erworben werden. Zum Erwerb der gesamten Bank musste allerdings eine Aktienbeteiligung von mindestens 90% erworben werden, um dann auch noch die restlichen Aktionäre hinausdrängen zu können (sogenanntes Squeeze out). Die Wirksamkeit des Squeeze-Out-Beschlusses, der später gefasst wurde, war nicht Gegenstand dieses Verfahrens.
Aktionäre sahen sich durch Kapitalerhöhungsbeschluss enteignet
Einige Aktionäre griffen den Beschluss über die Kapitalerhöhung mit Anfechtungsklagen an. Sie sahen sich durch die Kapitalerhöhung enteignet. Moniert wurde aber auch, dass der Gesetzgeber im Jahr 2009 mit dem sogenannten Finanzmarktstabilisierungsbeschleunigungsgesetz die gesetzliche Frist zur Einberufung einer Hauptversammlung von mindestens 30 Tagen auf mindestens einen Tag verkürzt hatte, damit im Notfall – wie etwa bei der HRE – schnell gehandelt werden konnte. Die HRE machte bei der Einberufung der Hauptversammlung von dieser Möglichkeit der Verkürzung Gebrauch. Durch diese Verkürzung der Einberufungsfrist sahen die Kläger ihre Mitwirkungs- und Teilnahmerechte als Aktionäre verletzt.
Privatrechtlicher Akt führte zu Ausschluss des Bezugsrechts
Das LG München I verneint mit seinem Urteil, dass es im Zusammenhang mit dem angegriffenen Hauptversammlungsbeschluss zur Verletzung von Grundrechten gekommen ist. Es liege weder eine Enteignung noch eine unverhältnismäßige Beschränkung des Eigentumsgrundrechts der Aktionäre vor. Das Finanzmarktstabilisierungsbeschleunigungsgesetz selbst sei weder ein nach dem Grundgesetz unzulässiges Einzelfallgesetz noch habe es automatisch zum Ausschluss des Bezugsrechts geführt. Dafür sei vielmehr der Beschluss der Hauptversammlung nötig gewesen. Dabei handele es sich jedoch um einen privatrechtlichen Akt und nicht um einen staatlichen Eingriff.
Verkürzung der Einberufungsfrist verletzt keine Grundrechte
Auch die mit dem Finanzmarktstabilisierungsbeschleunigungsgesetz ermöglichte Verkürzung der Einberufungsfrist stelle keine Grundrechtsverletzung dar, so das LG weiter. Die erheblichen Auswirkungen der Finanzmarktkrise und das daraus erwachsende Erfordernis einer raschen Reaktion lasse die Verkürzung der Einberufungsfrist im Lichte der Vorgaben des Grundgesetzes nicht als unverhältnismäßig erscheinen. Insoweit müsse auch berücksichtigt werden, dass das Erfordernis einer raschen Beschlussfassung im Einzelfall auch der Abwendung einer Insolvenz dienen könne.
Fristverkürzung auch europarechtskonform
Durch die gesetzliche Verkürzung der Einberufungsfrist sei auch nicht gegen europäisches Recht verstoßen worden. Nach der EU-Richtlinie betreffend die Ausübung von Aktionärsrechten (2007/36/EG) muss die Einberufungsfrist für eine Hauptversammlung mindestens 21 Tage betragen, damit sich die Aktionäre ausreichend vorbereiten können. Eine Gesetzesverletzung liege insofern hier nicht vor, weil die maßgebliche Umsetzungsfrist im Zeitpunkt der Hauptversammlung noch nicht abgelaufen war, zumal diese Frist von 21 Tagen auch gewahrt wurde. Zuletzt konnte das Gericht auch hinsichtlich der Vorbereitung der Hauptversammlung und der dort erfolgten Beschlussfassung keinen Verstoß gegen das Aktiengesetz feststellen
LG München I, Urteil vom 01.03.2012 - 5 HK O 12377/09
Das Jammern des früheren Chefs der Krisenbank Hypo Real Estate, Georg Funke, klingt noch im Ohr, da werden neue Milliardenverluste bekannt, die wohl auf Funkes Wirken zurückzuführen sind: Einem Bericht zufolge stehen bei der Bad Bank der HRE bis zu zehn Milliarden Euro zusätzlich im Feuer.
Nach weiteren Milliardenbelastungen des Steuerzahlers durch die Bad Bank der verstaatlichen Hypo Real Estate (HRE) nimmt die politische Kritik wieder zu. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL geht aus einem bislang internen neuen Abwicklungsplan hervor, dass bis 2020 zusätzliche zu den gegenwärtig anstehenden Abschreibungen aufgrund der Griechenland-Umschuldung weitere zehn Milliarden Euro Verlust hinzukommen könnten. Angesichts der immer höheren Belastungen wachse der Druck auf die Bundesregierung, den wahren Zustand der Bad Bank transparent zu machen.
"Das Parlament hat einen Anspruch zu erfahren, welche Risiken noch auf die Steuerzahler zukommen", sagte der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick dem Magazin. Schick ist Mitglied im parlamentarischen Kontrollgremium für den Rettungsfonds Soffin. SPD-Finanzexperte Carsten Schneider will den neuen Abwicklungsplan noch im März sehen: "Das Versteckspiel muss aufhören."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte am Freitag eingeräumt, die sogenannte Bad Bank FMS Wertmanagement müsse zusätzlich 3,1 Milliarden Euro abschreiben. Mit der bereits getroffenen Risikovorsorge von 5,8 Milliarden Euro summieren sich die Abschreibungen auf ihr Griechenland-Depot damit auf insgesamt 8,9 Milliarden Euro. Im Mai will die Bad Bank ihre Jahresbilanz vorlegen.
Privatisierung der HRE steht auf der Kippe
Die Pfandbriefbank HRE hatte im Oktober 2010 hochriskante Papiere in Höhe von insgesamt 176 Milliarden Euro in die eigens dafür gegründete Abwicklungsanstalt FMS ausgelagert - darunter auch griechische Anleihen und Kredite im Nennwert von 9,1 Milliarden Euro. Für die Verluste der FMS muss der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin geradestehen - in letzter Konsequenz also der Steuerzahler.
Bankenexperten zögen zudem zunehmend in Zweifel, dass eine Privatisierung des weiterhin am Markt aktiven HRE-Nachfolgeinstituts Deutsche Pfandbriefbank möglich sei. "Die Chancen auf einen Erfolg sind nach wie vor gering", zitiert das Magazin Daniel Zimmer von der Universität Bonn. Auch in der Regierung wachsen dem Bericht zufolge die Zweifel, ob ein Verkauf angesichts des schlechten Marktumfelds realistisch ist: "Wir sollten das knallhart ökonomisch entscheiden: Kommt uns der weitere Betrieb oder eine Abwicklung günstiger?", sagte demnach der FDP-Finanzexperte Florian Toncar.
Anfang März allerdings hatte die pbb Deutsche Pfandbriefbank für das vergangene Jahr einen Gewinn vor Steuern von 257 Millionen Euro gemeldet und angekündigt, einen Teil der Schulden beim Bund in den nächsten Jahren zurückzuzahlen. Bis zum Jahr 2015 solle der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin eine stille Einlage in Höhe von einer Milliarde Euro zurückerhalten. Konzernchefin Manuela Better setzte zudem weiter auf die erfolgreiche Privatisierung. Auch einen Börsengang schließt der Konzern demnach nicht aus
* MM
HRE drohen weitere Milliarden-Verluste
Der Ex-Vorstandschef Georg Funke (56) jammert, weil er als Gier-Banker beschimpft wird und fordert eine Abfindung von 3,5 Millionen Euro plus monatliche 47.000 Euro Rente.
Die Hypo Real Estate ging 2008 unter Funkes Führung fast pleite und musste verstaatlicht werden. Jetzt drohen der Bad Bank, in die die Giftpapiere ausgelagert wurden, weitere Verluste in Milliardenhöhe.
Grund: griechische Anleihen. Bis 2020 könnten zu den rund neun Milliarden Euro Belastungen der Münchner FMS Wertmanagement aus dem Schuldenschnitt der privaten Griechenland-Gläubiger weitere zehn Milliarden Euro Verlust hinzukommen, berichtete „Der Spiegel“ unter Berufung auf den internen Abwicklungsplan des Instituts.
Die FMS Wertmanagement bündelt die Milliardenrisiken der verstaatlichten Hypo Real Estate, für die letztlich der Steuerzahler aufkommt.
Im Zuge des Schuldenschnitts – der jetzt beschlossen wurde – gibt das Institut griechische Anleihen und Kredite mit einem Nominalwert von rund 8,2 Milliarden Euro in den Anleihenumtausch.
PRIVATISIERUNG AUSGESCHLOSSEN
Dem „Spiegel“ zufolge halten Bankenexperten eine Privatisierung des HRE-Nachfolgeinstituts Deutsche Pfandbriefbank auf absehbare Zeit für ausgeschlossen.
„Die Chancen auf einen Erfolg sind nach wie vor gering“, sagte Daniel Zimmer von der Universität Bonn dem Magazin. Außer in der Opposition wüchsen auch in der Regierung die Zweifel, ob ein Verkauf angesichts des schlechten Marktumfelds realistisch sei.
Der FDP-Finanzexperte Florian Toncar sagte dem „Spiegel“: „Wir sollten das knallhart ökonomisch entscheiden: Kommt uns der weitere Betrieb oder eine Abwicklung günstiger?“
FUNKE FÜHLT SICH ALS SÜNDENBOCK
Ex-HRE-Vorstandschef Funke, fühlt sich auch vier Jahre nach der Beinahe-Pleite zu Unrecht zum Sündenbock für die deutsche Bankenkrise gemacht.
„Ich werde als schlimmster Gier-Banker, Zocker und Pleitier beschimpft“, sagte Funke im BILD-Interview. Man mache ihn stellvertretend für sämtliche Verfehlungen in den Bankenbranche verantwortlich.
Unter Funkes Leitung war die HRE 2008 fast kollabiert. Nur Staatshilfen in Milliardenhöhe bewahrten die Bank vor dem Aus. Nach Funkes Ansicht war die Verstaatlichung der HRE falsch. „Mein Lebenswerk ist da zertreten worden“, sagte er.
Die Staatsanwaltschaft verdächtigt Funke, die dramatische Schieflage des Unternehmens damals beschönigt zu haben. Funke weist die Vorwürfe zurück.
Funke zu BILD.de:
„Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit über drei Jahren gegen mich. Es ging drastisch mit einer Hausdurchsuchung los. Zu Anfang war ich einmal auf meinen Wunsch zu einem längeren Gespräch beim Staatsanwalt. Seitdem habe ich von den Ermittlern nichts mehr gehört. Wenn es etwas Belastendes gegen mich gäbe, wäre wohl längst Anklage erhoben worden. Ich möchte gerne wissen, was man mir konkret zum Vorwurf macht.“
Außerdem klagt der Gierbanker auf 3,5 Millionen Euro Abfindung und fordert 47.000 Euro Rente monatlich.
Funke verteidigte seine Klage auf eine Abfindung und Gehaltsnachzahlungen in Millionenhöhe. „Mein Gehalt war im Vergleich zum Branchenschnitt eher moderat“, sagte er. Für den Fall seines Ausscheidens habe es „klare, vertragliche Vereinbarungen“ gegeben. “Nur weil ich in der Öffentlichkeit schon zum bösen Buben gemacht werde, verzichte ich nicht auf Pensionsansprüche.“
Inzwischen lebt Funke auf Mallorca und handelt dort mit Immobilien. Das Leben auf der Balearen-Insel sei keine Flucht. Vielmehr habe er in Deutschland keine Chance mehr auf einen Managerposten.
* Bild
Nach weiteren Milliardenbelastungen des Steuerzahlers durch die Bad Bank der verstaatlichen Hypo Real Estate (HRE) nimmt die politische Kritik wieder zu. Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins DER SPIEGEL geht aus einem bislang internen neuen Abwicklungsplan hervor, dass bis 2020 zusätzliche zu den gegenwärtig anstehenden Abschreibungen aufgrund der Griechenland-Umschuldung weitere zehn Milliarden Euro Verlust hinzukommen könnten. Angesichts der immer höheren Belastungen wachse der Druck auf die Bundesregierung, den wahren Zustand der Bad Bank transparent zu machen.
"Das Parlament hat einen Anspruch zu erfahren, welche Risiken noch auf die Steuerzahler zukommen", sagte der Grünen-Finanzexperte Gerhard Schick dem Magazin. Schick ist Mitglied im parlamentarischen Kontrollgremium für den Rettungsfonds Soffin. SPD-Finanzexperte Carsten Schneider will den neuen Abwicklungsplan noch im März sehen: "Das Versteckspiel muss aufhören."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte am Freitag eingeräumt, die sogenannte Bad Bank FMS Wertmanagement müsse zusätzlich 3,1 Milliarden Euro abschreiben. Mit der bereits getroffenen Risikovorsorge von 5,8 Milliarden Euro summieren sich die Abschreibungen auf ihr Griechenland-Depot damit auf insgesamt 8,9 Milliarden Euro. Im Mai will die Bad Bank ihre Jahresbilanz vorlegen.
Privatisierung der HRE steht auf der Kippe
Die Pfandbriefbank HRE hatte im Oktober 2010 hochriskante Papiere in Höhe von insgesamt 176 Milliarden Euro in die eigens dafür gegründete Abwicklungsanstalt FMS ausgelagert - darunter auch griechische Anleihen und Kredite im Nennwert von 9,1 Milliarden Euro. Für die Verluste der FMS muss der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin geradestehen - in letzter Konsequenz also der Steuerzahler.
Bankenexperten zögen zudem zunehmend in Zweifel, dass eine Privatisierung des weiterhin am Markt aktiven HRE-Nachfolgeinstituts Deutsche Pfandbriefbank möglich sei. "Die Chancen auf einen Erfolg sind nach wie vor gering", zitiert das Magazin Daniel Zimmer von der Universität Bonn. Auch in der Regierung wachsen dem Bericht zufolge die Zweifel, ob ein Verkauf angesichts des schlechten Marktumfelds realistisch ist: "Wir sollten das knallhart ökonomisch entscheiden: Kommt uns der weitere Betrieb oder eine Abwicklung günstiger?", sagte demnach der FDP-Finanzexperte Florian Toncar.
Anfang März allerdings hatte die pbb Deutsche Pfandbriefbank für das vergangene Jahr einen Gewinn vor Steuern von 257 Millionen Euro gemeldet und angekündigt, einen Teil der Schulden beim Bund in den nächsten Jahren zurückzuzahlen. Bis zum Jahr 2015 solle der staatliche Bankenrettungsfonds Soffin eine stille Einlage in Höhe von einer Milliarde Euro zurückerhalten. Konzernchefin Manuela Better setzte zudem weiter auf die erfolgreiche Privatisierung. Auch einen Börsengang schließt der Konzern demnach nicht aus
* MM
HRE drohen weitere Milliarden-Verluste
Der Ex-Vorstandschef Georg Funke (56) jammert, weil er als Gier-Banker beschimpft wird und fordert eine Abfindung von 3,5 Millionen Euro plus monatliche 47.000 Euro Rente.
Die Hypo Real Estate ging 2008 unter Funkes Führung fast pleite und musste verstaatlicht werden. Jetzt drohen der Bad Bank, in die die Giftpapiere ausgelagert wurden, weitere Verluste in Milliardenhöhe.
Grund: griechische Anleihen. Bis 2020 könnten zu den rund neun Milliarden Euro Belastungen der Münchner FMS Wertmanagement aus dem Schuldenschnitt der privaten Griechenland-Gläubiger weitere zehn Milliarden Euro Verlust hinzukommen, berichtete „Der Spiegel“ unter Berufung auf den internen Abwicklungsplan des Instituts.
Die FMS Wertmanagement bündelt die Milliardenrisiken der verstaatlichten Hypo Real Estate, für die letztlich der Steuerzahler aufkommt.
Im Zuge des Schuldenschnitts – der jetzt beschlossen wurde – gibt das Institut griechische Anleihen und Kredite mit einem Nominalwert von rund 8,2 Milliarden Euro in den Anleihenumtausch.
PRIVATISIERUNG AUSGESCHLOSSEN
Dem „Spiegel“ zufolge halten Bankenexperten eine Privatisierung des HRE-Nachfolgeinstituts Deutsche Pfandbriefbank auf absehbare Zeit für ausgeschlossen.
„Die Chancen auf einen Erfolg sind nach wie vor gering“, sagte Daniel Zimmer von der Universität Bonn dem Magazin. Außer in der Opposition wüchsen auch in der Regierung die Zweifel, ob ein Verkauf angesichts des schlechten Marktumfelds realistisch sei.
Der FDP-Finanzexperte Florian Toncar sagte dem „Spiegel“: „Wir sollten das knallhart ökonomisch entscheiden: Kommt uns der weitere Betrieb oder eine Abwicklung günstiger?“
FUNKE FÜHLT SICH ALS SÜNDENBOCK
Ex-HRE-Vorstandschef Funke, fühlt sich auch vier Jahre nach der Beinahe-Pleite zu Unrecht zum Sündenbock für die deutsche Bankenkrise gemacht.
„Ich werde als schlimmster Gier-Banker, Zocker und Pleitier beschimpft“, sagte Funke im BILD-Interview. Man mache ihn stellvertretend für sämtliche Verfehlungen in den Bankenbranche verantwortlich.
Unter Funkes Leitung war die HRE 2008 fast kollabiert. Nur Staatshilfen in Milliardenhöhe bewahrten die Bank vor dem Aus. Nach Funkes Ansicht war die Verstaatlichung der HRE falsch. „Mein Lebenswerk ist da zertreten worden“, sagte er.
Die Staatsanwaltschaft verdächtigt Funke, die dramatische Schieflage des Unternehmens damals beschönigt zu haben. Funke weist die Vorwürfe zurück.
Funke zu BILD.de:
„Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit über drei Jahren gegen mich. Es ging drastisch mit einer Hausdurchsuchung los. Zu Anfang war ich einmal auf meinen Wunsch zu einem längeren Gespräch beim Staatsanwalt. Seitdem habe ich von den Ermittlern nichts mehr gehört. Wenn es etwas Belastendes gegen mich gäbe, wäre wohl längst Anklage erhoben worden. Ich möchte gerne wissen, was man mir konkret zum Vorwurf macht.“
Außerdem klagt der Gierbanker auf 3,5 Millionen Euro Abfindung und fordert 47.000 Euro Rente monatlich.
Funke verteidigte seine Klage auf eine Abfindung und Gehaltsnachzahlungen in Millionenhöhe. „Mein Gehalt war im Vergleich zum Branchenschnitt eher moderat“, sagte er. Für den Fall seines Ausscheidens habe es „klare, vertragliche Vereinbarungen“ gegeben. “Nur weil ich in der Öffentlichkeit schon zum bösen Buben gemacht werde, verzichte ich nicht auf Pensionsansprüche.“
Inzwischen lebt Funke auf Mallorca und handelt dort mit Immobilien. Das Leben auf der Balearen-Insel sei keine Flucht. Vielmehr habe er in Deutschland keine Chance mehr auf einen Managerposten.
* Bild
Das Gerede von der Abwicklung war der HRE-K.o.
Georg Funke ist ein Polarisierer. Die Bild-Zeitung nennt den früheren Vorstandsvorsitzenden der Hypo Real Estate (HRE) so: „Deutschlands schlimmster Gier-Banker“. Peer Steinbrück, der kantige Finanzminister von einst, fühlte sich im Herbst 2008 von Funke getäuscht und ist immer noch so angefressen, dass er sich zu dem Banker nicht äußern will. Und Funke selbst? Er ist nicht verschwunden, wie es laut Spiegel Online Gerhard Bruckermann ist, dessen Depfa 2007 von der HRE gekauft wurde, sondern lebt in einer großzügigen Villa auf Mallorca. Dort trafen wir den Mann, der nach drei Jahren Ruhe die Offensive sucht. Seine Mission: Nicht er sei verantwortlich für den Niedergang der HRE, sondern vor allem Peer Steinbrück.
Immobilien Zeitung: Herr Funke, warum kommen Sie erst nach über drei Jahren mit der Nachricht: „Übrigens, nicht ich bin schuld am Milliardendesaster der Hypo Real Estate im Herbst 2008, sondern der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, weil der in Bezug auf die HRE von einer geordneten Abwicklung gesprochen hat!“?
Georg Funke: So ist es ja nicht. Erstens komme ich nicht plötzlich nach drei Jahren, sondern ich habe dies von Anfang an so vertreten. Und zweitens hat bis heute niemand die Wahrheit hören, geschweige denn drucken wollen. Früher wäre das also gar nicht gegangen.
IZ: Sie hätten sich doch Ende September 2008 hinstellen können und sagen: „Die Zahlen der HRE sind im Wesentlichen okay, mit 15 Mrd. Euro an Unterstützung wird alles gut, und das Reden des Finanzministers von einer geordneten Abwicklung bei der HRE ist völliger Unsinn.“ Und dazu noch: „Ich bleibe an Bord.“
Funke: Nein, so einfach ist das nicht. Das ging damals alles sehr schnell. Bei den entscheidenden Sitzungen zur Rettung der HRE war ich außen vor. Da entschieden andere, allen voran wohl Josef Ackermann, Axel Weber, Jochen Sanio und vielleicht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. In der Öffentlichkeit war ich von jetzt auf gleich der Sündenbock für alles, was Banken in Deutschland womöglich falsch gemacht hatten. Man hat mich und meine Familie aus Deutschland rausgetrieben, während andere Bankvorstände, denen man Fehler zuordnete, ordnungsgemäß abgefunden wurden.
„Die Übernahme der Depfa war absolut sauber“
IZ: Sie meinen die teuer verabschiedeten Herren Nonnenmacher von der HSH Nordbank und Kemmer von der BayernLB.
Funke: Ja, zum Beispiel. Ich habe immer noch an die Vernunft geglaubt. Nachdem nun meine Dokumentenklage auch in zweiter Instanz von mir gewonnen wurde, steht immerhin fest, dass mir mit schriftlichen Dokumenten kein Fehlverhalten nachgewiesen werden kann. Und glauben Sie mir, das Leben eines Vorstandsvorsitzenden einer Dax-Gesellschaft ist sehr durch Protokolle und Schriftverkehr belegbar.
IZ: Dann ist es umso erstaunlicher, dass Sie erst nach über drei Jahren ...
Funke: ... ich habe erst einmal den HRE-Untersuchungsausschuss des Bundestages abgewartet ...
IZ: ... der bis zum September 2009 arbeitete.
Funke: Richtig. Ich habe also zunächst geschaut, was da möglicherweise noch alles auf mich zukommt.
„Auch die Rolle von Frau Merkel ist unklar geblieben“
IZ: Da dürfte nicht mehr viel dazugekommen sein. Eines der Ausschussmitglieder soll zum Abschluss gesagt haben, der Untersuchungsausschuss habe Ihnen mehr gebracht als den Abgeordneten des Bundestages.
Funke: Das stimmt. In dem Ausschuss ist aber auch vieles unklar geblieben: die Rolle der anderen Banken, die Verantwortung von Herrn Steinbrück, die Rolle von Frau Merkel ... Die damaligen Oppositionsparteien von FDP über die Grünen bis zur Linkspartei gaben zum Abschluss ja auch ein Sondervotum ab. Damit taten sie kund, dass sie bei der damaligen Bundesregierung und der Bankenaufsicht im Umgang mit der HRE schwere Fehler sahen, die den Steuerzahler teuer zu stehen kamen. Und jetzt sage ich: Ich spiele nicht länger den Sündenbock für ganz Deutschland. Die HRE hat nicht spekuliert. Die Übernahme der Depfa war absolut sauber. Und: Wir haben nicht mit falschen Zahlen operiert. Natürlich nicht.
IZ: Was werfen Sie dem früheren Bundesfinanzminister konkret vor?
Funke: Er hat da am 29. September 2008, das war die heiße Phase der Finanzkrise und wir waren dabei, die HRE zu stabilisieren, in völlig unverantwortlicher Weise von einer geordneten Abwicklung in Bezug auf die HRE gesprochen.
IZ: Peer Steinbrück in der Rolle von Rolf Breuer, und Sie geben nun Leo Kirch?
Funke: Das haben Sie gesagt. Tatsache ist: Erst nach der Formulierung mit der Abwicklung war es für die Bank nahezu unmöglich, sich auf dem Markt zu refinanzieren. Bis dahin hatte das trotz aller Schwierigkeiten noch funktioniert.
IZ: Moment: Ende September 2008 wusste kein Banker mehr, was passieren würde, kein Politiker wusste das, und jeder Mensch fragte sich, nach welchen Regeln sich die Welt weiterdrehen würde. Nichts schien mehr zu gelten. Die Leute hatten Angst um ihr Geld und ihre Zukunft. Da soll das Wort von der Abwicklung schuld daran gewesen sein, dass die HRE in massive Schieflage geriet?
„Das Gerede von geordneter Abwicklung war unverantwortlich“
Funke: Ich bitte Sie, natürlich, gerade in einer solchen Situation! Wir hatten eine Finanzkrise, da hörte man die Stecknadel auf den Boden fallen. Und dann redet da einer von Abwicklung - und zwar nicht irgendwer. Das war immerhin der deutsche Bundesfinanzminister, übrigens jener Finanzminister, der noch zwei Wochen zuvor lautstark verkündet hatte, die Finanzkrise habe mit Deutschland nichts zu tun. Stellen Sie sich doch mal vor: Sie haben Forderungen gegen eine Bank und hören dann, diese Bank sei in Schieflage und müsse möglicherweise abgewickelt werden. Da gehen Sie doch nicht nach Hause und kümmern sich nicht weiter darum. Da holen Sie doch Ihr Geld weg und gehen lieber zu einer Bank, von der es vielleicht nicht heißt, dass sie abgewickelt wird.
IZ: Sie hätten sich als HRE-Chef doch öffentlich hinstellen müssen und sagen: Es werde natürlich nicht abgewickelt, weil genug Liquidität da sei.
Funke: Genau das haben wir damals gesagt und Herrn Steinbrück schriftlich mitgeteilt. Das hat er übrigens überhaupt nicht leiden können. Es gab auch eine Pressemitteilung dazu, aber es hat keiner hingehört. Und, natürlich: Sie dürfen sich nicht als Bank, schon gar nicht als ihr Vorstandschef, über die Liquidität ausbreiten. Über die Liquidität einer Bank spricht man nicht, man unterstellt, sie ist gewährleistet. Wenn Sie anfangen, angebliche Liquiditätsengpässe zu dementieren, nimmt der Markt sofort an, es bestehe Gefahr.
„Die Situation nach der Lehman-Pleite war beherrschbar“
IZ: Es gab seinerzeit ständig neue Zahlen zum ungedeckten Finanzbedarf der HRE. Es fing mit 15 Mrd. Euro an, dann waren es 35 Mrd. Euro, dann 50 Mrd., und schließlich war von 102 Mrd. Euro die Rede. Das klang nicht wirklich beruhigend, sondern eher danach, dass es sich um ein Fass ohne Boden handelte und die Bank vor die Wand fährt - und möglicherweise andere Banken mitfahren würden, die mit der HRE Geschäfte gemacht hatten.
Funke: Ja, ich weiß, da hieß es überall, wir hätten falsche Zahlen rausgegeben, die laufend hätten nach oben korrigiert werden müssen. Das stimmt überhaupt nicht, kann auch überhaupt nicht stimmen, denn: Außer dem Kreditbetrag von 15 Mrd. Euro und unserem Refinanzierungsbedarf 2008 und 2009 hatten wir gar keine Zahlen genannt. Warum auch? Die Bundesbank bekam von uns, wie auch von anderen Banken, täglich eine Refinanzierungsmeldung mit einer 90-tägigen Vorschau. Das war seit Mai 2008 so. Und da stand bei uns am Mittag des 28. September 2008 drin, dass wir bis zum Jahresende einen Refinanzierungsbedarf von 102 Mrd. Euro hatten - davon 27 Mrd. Euro unbesichert. Der große Rest waren Pfandbriefe und andere besicherte Refinanzierungen. Noch bis zu diesem letzten Septemberwochenende hat sich die HRE, das heißt konkret die von ihr übernommene Depfa, im unbesicherten Bereich täglich mit zweistelligen Milliardenbeträgen refinanziert. Die HRE war also nicht, wie immer behauptet wird, nach der Lehman-Pleite am Ende. Die Situation war damals sicher für alle Banken schwierig, auch für uns, aber sie war beherrschbar.
IZ: Das haben wir anders in Erinnerung. Beherrschbar schien da gar nichts mehr.
Funke: Noch mal: Die Lage war sicher nicht einfach, aber mindestens bis zum 28. September 2008 hat die Refinanzierung bei der HRE und der Depfa noch funktioniert. Die Gruppe hat auch keine wie auch immer gearteten Limits gebrochen. Außerdem hat die HRE mit Hilfe eigener Maßnahmen weitere Liquidität generiert. Wir hätten demnach bis etwa Ende November 2008 aus eigener Kraft überleben können.
„Auch der Pensionsfonds der BaFin hatte bei uns angelegt“
IZ: Der Refinanzierungsdruck aber hatte zugenommen, weil die Laufzeiten der Kredite immer kürzer wurden. Das war kein Problem für Ihre Tochter Depfa?
Funke: Das mit den Laufzeiten war sicher so, aber man muss klar sagen: Die Bank war voll handlungsfähig. Die Depfa hatte ein absolut funktionstüchtiges Treasury und bekam ihr Geld ja aus vielen hochkarätigen internationalen Quellen. Auch der Pensionsfonds der BaFin hatte bei uns Liquidität angelegt.
IZ: Warum haben Sie dann am 23. September 2008 zu Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gesagt, Sie bräuchten 15 Mrd. Euro - die, so sagte er später, auch kein Problem gewesen wären?
Funke: Weil wir die allgemein unsichere Lage nach der Lehman-Pleite sahen und vorsichtig waren. Wir hatten mehrere Gespräche mit mehreren Banken. Diese Gespräche wurden auf Wunsch der Deutschen Bank kombiniert. Das war auch sinnvoll so. Die 15 Mrd. Euro ergaben sich aus der Überlegung, dass wir die schon erwähnten 27 Mrd. Euro an unbesicherten Finanzierungen bis zum Jahresende 2008 zu refinanzieren hatten und uns zutrauten, 12 Mrd. Euro davon selbst refinanziert zu bekommen. Wir hatten ja immerhin rund 60 Mrd. Euro an freien, werthaltigen Sicherheiten zur Verfügung.
„Plötzlich war von 35 Mrd. Euro die Rede“
IZ: Aus den 15 Mrd. Euro wurden rasch 35 Mrd. Euro. Ihre Erklärung?
Funke: Die 35 Mrd. Euro wurden an dem Krisenwochenende Ende September 2008 nicht von uns aus dem Hut gezaubert. Die standen bei uns in der Planrechnung für 2008 und 2009, und zwar in der Spalte Worst-Case-Szenario. Wohlgemerkt bis Ende 2009, also ein Jahr mehr als das, wovon zuvor die Rede war. Das bestätigte 2009 auch Herr Sanio im HRE-Untersuchungsausschuss. Das von den Entscheidern an besagtem Wochenende Ende September 2008 als vernünftig erklärte Katastrophenszenario, eineinhalb Jahre keine eigene unbesicherte Refinanzierung zu unterstellen, war nicht nachvollziehbar. Aber so war plötzlich von 35 Mrd. Euro die Rede. Das klang so, als wenn da Zahlen hätten massiv nach oben korrigiert werden müssen. Dabei war einzig das Zeitfenster vergrößert worden.
„Wir hatten rund 50 Mrd. Euro werthaltige Sicherheiten“
IZ: Wenn die 15 Mrd. Euro für die Banken bis Ende 2008 völlig okay gewesen wären, dürfte das auch für 35 Mrd. Euro bis Ende 2009 gegolten haben. Wozu dann die Beteiligung des Staates an den milliardenschweren Stützungsaktionen bei der HRE und die Bereitwilligkeit der anderen Banken, so ein Wort wie Rettungsschirm in den Mund zu nehmen?
Funke: Na, vielleicht gab es bei manchen der Beteiligten das Interesse, eine Summe zustande zu bringen, mit der man zur Bundesregierung gehen konnte, um zu sagen: Das schaffen wir Banken nicht allein, der Bund muss mitmachen - so wie die Regierungen anderer Länder auch. Die 15 Mrd. Euro waren laut Josef Ackermann für ein Konsortium unter Führung der Deutschen Bank machbar, zumal wir rund 50 Mrd. Euro werthaltige Sicherheiten angeboten hatten. Es hätte also theoretisch auch für 35 Mrd. Euro gereicht. 35 Mrd. Euro waren aber offenbar der Betrag, der ausreichte, um den Bund davon zu überzeugen, dass er sich mit in die Pflicht zu nehmen lassen hatte.
IZ: Alles sehr erstaunlich für eine Branche, die vom Staat eigentlich lieber in Ruhe gelassen werden will - jedenfalls in guten Tagen. Welchen Sinn könnte die Aktion mit dem Hilfeersuchen beim Bund gehabt haben?
„So wurde die Regierung zum Rettungsschirm gezwungen“
Funke: Wir hatten eine weltweite Finanzkrise, die schlimmste seit Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, und die gefährdete - und gefährdet noch heute - unsere gesamte Volkswirtschaft. Da durfte sich keine Regierung oder Zentralbank ihrer Verpflichtung entziehen. Die Regierung Merkel/Steinmeier hat sich, im Gegensatz zu anderen, dieser Aufgabe zunächst nicht stellen wollen. Auf Kosten der HRE wurde sie gezwungen, den dann Tage später ins Leben gerufenen Rettungsschirm zu bilden. Wie Herr Ackermann im Untersuchungsausschuss sagte, habe man mit der Fokussierung der Probleme auf die HRE vermieden, dass die Deutsche Bank, die Commerzbank oder eine andere deutsche Bank ins Gerede kam. Das ist rückblickend allein schon deswegen bemerkenswert, weil sich immerhin 22 deutsche Banken unter den Rettungsschirm flüchteten. Es spricht also viel für die Vermutung, dass die Abwicklung der HRE von vornherein angestrebt wurde. Vielleicht auch deswegen, weil andere Banken befürchteten, bei ihnen könnten die Kunden Schlange stehen, um ihr Geld von jetzt auf gleich abzuheben. Bei der HRE wären solche Bilder, die die Leute von der britischen Bank Northern Rock in Erinnerung haben, mangels Privatkundengeschäft nicht zu befürchten gewesen.
„Das schwarze Schaf ist nun für alle die HRE“
Das schwarze Schaf ist nun also für alle Leute die HRE. Bei den anderen Banken wird einfach die Begründung akzeptiert, sie hätten Hilfe gebraucht, weil die Investmentbank Lehman Brothers pleite gegangen war und daraufhin alles so schwierig wurde. Gerecht ist anders!
IZ: Die anderen Banken hatten 2007, also gewissermaßen kurz vor Lehman, nicht mal eben eine Depfa gekauft, die hochriskante Fristentransformationsgeschäfte machte!
Funke: Andere Banken - auch Sparkassen - betreiben diese Fristentransformation genauso. Fristentransformation ist eine volkswirtschaftliche Aufgabe der Banken. Und wieso überhaupt hochriskant?
IZ: Langfristige Finanzierungen kurzfristig refinanzieren: Ist das kein großes Risiko?
Funke: Man muss das sicher differenziert sehen. Die Depfa hat, anders als in der Öffentlichkeit dargestellt, seit der Übernahme durch die HRE keine Zinsspekulationen betrieben, das heißt, alle Darlehen mit Festzinsen sind für die gesamte Laufzeit entsprechend abgesichert gewesen. Es war Bedingung der Übernahme, noch vor ihrem Vollzug alle offenen Zinspositionen zu schließen. Anders war es mit der Laufzeit der Refinanzierungsmittel. Dabei muss man jedoch berücksichtigen, dass die Depfa fast ausschließlich liquide Staatsfinanzierungen in ihrem Kreditbuch hatte. Normalerweise hätte die Depfa, was zum Beispiel bei Baufinanzierungen nicht so schnell geht, im Falle eines Liquiditätsengpasses Assets schnell verkaufen können. In dieser Krise ging nur nichts mehr.
„Die Depfa war keine Zockerbude, sondern hochkarätig überwacht“
Die Depfa war nicht irgendwas Unmögliches oder eine Zockerbude, wie es da immer hieß. Sie wurde seit ihrer Abspaltung im Jahr 2002 hochkarätig überwacht. Der frühere Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer und sein irischer Amtskollege waren Mitglieder im Depfa-Direktorium. Bei der Depfa hatten viele Zentralbanken und große, erstklassige Fonds Termingelder angelegt. Und, nur zur Erinnerung: Staatsanleihen galten damals als mündelsicher - auch griechische. Da ahnte kein Mensch, dass das eines Tages mal nicht mehr so sein könnte. Oder sahen Sie etwa den Tsunami auf uns zukommen?
IZ: Im Jahr 2008 fiel allerdings auf, wie unter den Aktionären der HRE das Gewicht derer zunahm, die Adressen auf Bermuda, den Bahamas, in Luxemburg und auf den Cayman-Inseln angaben. Gemeinhin kein Hinweis auf risikoscheues Publikum, sondern eher auf stark spekulierende Klientel.
Funke: Zu den Aktionären kann ich nicht viel sagen. Die meisten waren mir gar nicht bekannt. Es hießen ja nicht alle Flowers. Von dem wusste ich natürlich, und zu ihm kann ich Ihnen bestätigen, dass er ein langfristig denkender Investor ist und absolut keine Heuschrecke. Er hatte im Übrigen auch angeboten, sich an einer Kapitalerhöhung der HRE zu beteiligen. Trotz seines Angebots haben sich die Verantwortlichen damals geweigert, mit ihm zu sprechen. Man hat lieber das Geld des Steuerzahlers eingesetzt. Kurzum: Ich kann Ihre Einschätzung zu den HRE-Aktionären nicht wirklich nachvollziehen.
„Nach dem Kauf der Depfa wurde unser Rating hochgestuft“
IZ: Warum haben Sie die Depfa überhaupt gekauft? Die wurde seinerzeit rumgereicht, und keiner wollte sie haben - bis Sie kamen.
Funke: Das stimmt so nicht. Es gab mindestens ein Konkurrenzangebot. Wir haben die Depfa im Wesentlichen aus zwei Gründen gekauft. Der erste Grund: Wir hatten als HRE ein Rating A-. Wir wollten aber ein besseres Rating erreichen, und dies war laut Ratingagenturen aufgrund mangelnder Risikodiversifikation nicht möglich. Der Staatsfinanzierer Depfa passte da sehr gut zu uns.
IZ: Warum die Depfa? Um sich breiter aufzustellen, hätten Sie auch die Postbank nehmen können!
Funke: Vielleicht. Aber warten Sie, es kommt ja noch der zweite Grund: Wir hatten immerhin 60 Mrd. Euro an Staatsfinanzierung in der HRE-Gruppe. Es ist also nicht so, dass wir überhaupt keine Staatsfinanzierung hatten. Unsere Überlegung war nur die: Wenn die Depfa die Staatsfinanzierung kultiviert und auch profitabel gemacht hat, dann kann die aus unseren 60 Mrd. Euro bestimmt mehr erwirtschaften als wir. Zudem glaube ich, dass man das zu übernehmende Geschäft verstehen sollte. Das war hier gegeben. Die Staatsfinanzierung war ein Geschäftsfeld, das inhaltlich gut zu uns passte. Das sahen auch die Ratingagenturen so, schließlich erhielt die HRE infolge der Übernahme ein A. Die Depfa war nach Übernahme sogar auf A+ geratet. Dies verbilligte unsere Refinanzierung.
„Das Angebot zur Übernahme der Eurohypo war ernst gemeint“
IZ: Warum haben Sie dann auch versucht, die Eurohypo zu übernehmen? Die passt doch gar nicht zum Stichwort Diversifikation! Oder war das mit den Übernahmeambitionen damals gar nicht ernst gemeint?
Funke: Doch, das war absolut ernst gemeint. Wir wären zusammen mit der Eurohypo weltweit der dominierende Emittent von Pfandbriefen gewesen - und das hätte unsere Refinanzierung auch verbilligt.
IZ: Aber ein besseres Rating hätten Sie dann nicht gekriegt!
Funke: Das stimmt.
IZ: War die Depfa nicht viel zu groß für die HRE und letztlich der entscheidende Grund für die Probleme, die Ihre Bank im Herbst 2008 bekam?
Funke: Also, zunächst noch einmal: Das Rating der HRE ist von Standard & Poor's nach dem Kauf der Depfa hochgestuft worden. Das war auch völlig logisch, denn es wurde angenommen, dass die HRE-Gruppe eine bessere Risikodiversifikation hatte und nicht nur vom Immobiliengeschäft abhängig war. Außerdem wurde durch zwei unabhängige Geschäftsfelder eine beständigere Ertragssituation erreicht und es wurde angenommen, dass die Liquidität der HRE-Gruppe insgesamt besser sein würde als zuvor.
IZ: Wäre die HRE ohne die Depfa heil durch die Finanzkrise gekommen?
Funke: Im Nachhinein ist man immer schlauer. In dieser so nicht vorhersehbaren Krise war jede Übernahme eine Gefahr. Das sah man bei der Dresdner Bank. Auch die Deutsche Bank hat die Postbank nicht zu den ursprünglich vereinbarten Bedingungen übernehmen können. Mir ist wichtig, zu sagen: Die Übernahme der Depfa war absolut sauber. Auf der anderen Seite, in Kenntnis von Lehman und dem Gerede von der Abwicklung: Ja, wahrscheinlich wäre es richtig gewesen, die Depfa nicht zu übernehmen.
„Ich lege nicht so viel Wert auf Netzwerkpflege wie andere“
IZ: Warum?
Funke: Weil das Bilanzvolumen der HRE zusammen mit der Depfa sehr groß geworden ist und die frühere Annahme, dass mit genügend Kapital - das hatte die HRE - und einem guten Rating - das hatte die HRE auch - jederzeit genügend Liquidität aus dem Markt zur Verfügung gestellt wird, über Nacht nach dem Kollaps von Lehman nicht mehr galt.
IZ: Waren Sie seinerzeit Getriebener eines allgemeinen Zwangs zu Wachstum?
Funke: Nein. Ich wollte nur ganz einfach langfristig eine vergleichsweise günstige Refinanzierung und eine beständigere Ertragssituation sicherstellen.
IZ: Die HRE sei zum Wachsen verdammt, sagten Sie damals.
Funke: Ja, das gilt für jeden Wirtschaftsbetrieb. Wenn Sie am Kapitalmarkt sind und Sie stagnieren oder schrumpfen, ist das schlecht.
Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews.
Immobilien Zeitung: Herr Funke, warum kommen Sie erst nach über drei Jahren mit der Nachricht: „Übrigens, nicht ich bin schuld am Milliardendesaster der Hypo Real Estate im Herbst 2008, sondern der damalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, weil der in Bezug auf die HRE von einer geordneten Abwicklung gesprochen hat!“?
Georg Funke: So ist es ja nicht. Erstens komme ich nicht plötzlich nach drei Jahren, sondern ich habe dies von Anfang an so vertreten. Und zweitens hat bis heute niemand die Wahrheit hören, geschweige denn drucken wollen. Früher wäre das also gar nicht gegangen.
IZ: Sie hätten sich doch Ende September 2008 hinstellen können und sagen: „Die Zahlen der HRE sind im Wesentlichen okay, mit 15 Mrd. Euro an Unterstützung wird alles gut, und das Reden des Finanzministers von einer geordneten Abwicklung bei der HRE ist völliger Unsinn.“ Und dazu noch: „Ich bleibe an Bord.“
Funke: Nein, so einfach ist das nicht. Das ging damals alles sehr schnell. Bei den entscheidenden Sitzungen zur Rettung der HRE war ich außen vor. Da entschieden andere, allen voran wohl Josef Ackermann, Axel Weber, Jochen Sanio und vielleicht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. In der Öffentlichkeit war ich von jetzt auf gleich der Sündenbock für alles, was Banken in Deutschland womöglich falsch gemacht hatten. Man hat mich und meine Familie aus Deutschland rausgetrieben, während andere Bankvorstände, denen man Fehler zuordnete, ordnungsgemäß abgefunden wurden.
„Die Übernahme der Depfa war absolut sauber“
IZ: Sie meinen die teuer verabschiedeten Herren Nonnenmacher von der HSH Nordbank und Kemmer von der BayernLB.
Funke: Ja, zum Beispiel. Ich habe immer noch an die Vernunft geglaubt. Nachdem nun meine Dokumentenklage auch in zweiter Instanz von mir gewonnen wurde, steht immerhin fest, dass mir mit schriftlichen Dokumenten kein Fehlverhalten nachgewiesen werden kann. Und glauben Sie mir, das Leben eines Vorstandsvorsitzenden einer Dax-Gesellschaft ist sehr durch Protokolle und Schriftverkehr belegbar.
IZ: Dann ist es umso erstaunlicher, dass Sie erst nach über drei Jahren ...
Funke: ... ich habe erst einmal den HRE-Untersuchungsausschuss des Bundestages abgewartet ...
IZ: ... der bis zum September 2009 arbeitete.
Funke: Richtig. Ich habe also zunächst geschaut, was da möglicherweise noch alles auf mich zukommt.
„Auch die Rolle von Frau Merkel ist unklar geblieben“
IZ: Da dürfte nicht mehr viel dazugekommen sein. Eines der Ausschussmitglieder soll zum Abschluss gesagt haben, der Untersuchungsausschuss habe Ihnen mehr gebracht als den Abgeordneten des Bundestages.
Funke: Das stimmt. In dem Ausschuss ist aber auch vieles unklar geblieben: die Rolle der anderen Banken, die Verantwortung von Herrn Steinbrück, die Rolle von Frau Merkel ... Die damaligen Oppositionsparteien von FDP über die Grünen bis zur Linkspartei gaben zum Abschluss ja auch ein Sondervotum ab. Damit taten sie kund, dass sie bei der damaligen Bundesregierung und der Bankenaufsicht im Umgang mit der HRE schwere Fehler sahen, die den Steuerzahler teuer zu stehen kamen. Und jetzt sage ich: Ich spiele nicht länger den Sündenbock für ganz Deutschland. Die HRE hat nicht spekuliert. Die Übernahme der Depfa war absolut sauber. Und: Wir haben nicht mit falschen Zahlen operiert. Natürlich nicht.
IZ: Was werfen Sie dem früheren Bundesfinanzminister konkret vor?
Funke: Er hat da am 29. September 2008, das war die heiße Phase der Finanzkrise und wir waren dabei, die HRE zu stabilisieren, in völlig unverantwortlicher Weise von einer geordneten Abwicklung in Bezug auf die HRE gesprochen.
IZ: Peer Steinbrück in der Rolle von Rolf Breuer, und Sie geben nun Leo Kirch?
Funke: Das haben Sie gesagt. Tatsache ist: Erst nach der Formulierung mit der Abwicklung war es für die Bank nahezu unmöglich, sich auf dem Markt zu refinanzieren. Bis dahin hatte das trotz aller Schwierigkeiten noch funktioniert.
IZ: Moment: Ende September 2008 wusste kein Banker mehr, was passieren würde, kein Politiker wusste das, und jeder Mensch fragte sich, nach welchen Regeln sich die Welt weiterdrehen würde. Nichts schien mehr zu gelten. Die Leute hatten Angst um ihr Geld und ihre Zukunft. Da soll das Wort von der Abwicklung schuld daran gewesen sein, dass die HRE in massive Schieflage geriet?
„Das Gerede von geordneter Abwicklung war unverantwortlich“
Funke: Ich bitte Sie, natürlich, gerade in einer solchen Situation! Wir hatten eine Finanzkrise, da hörte man die Stecknadel auf den Boden fallen. Und dann redet da einer von Abwicklung - und zwar nicht irgendwer. Das war immerhin der deutsche Bundesfinanzminister, übrigens jener Finanzminister, der noch zwei Wochen zuvor lautstark verkündet hatte, die Finanzkrise habe mit Deutschland nichts zu tun. Stellen Sie sich doch mal vor: Sie haben Forderungen gegen eine Bank und hören dann, diese Bank sei in Schieflage und müsse möglicherweise abgewickelt werden. Da gehen Sie doch nicht nach Hause und kümmern sich nicht weiter darum. Da holen Sie doch Ihr Geld weg und gehen lieber zu einer Bank, von der es vielleicht nicht heißt, dass sie abgewickelt wird.
IZ: Sie hätten sich als HRE-Chef doch öffentlich hinstellen müssen und sagen: Es werde natürlich nicht abgewickelt, weil genug Liquidität da sei.
Funke: Genau das haben wir damals gesagt und Herrn Steinbrück schriftlich mitgeteilt. Das hat er übrigens überhaupt nicht leiden können. Es gab auch eine Pressemitteilung dazu, aber es hat keiner hingehört. Und, natürlich: Sie dürfen sich nicht als Bank, schon gar nicht als ihr Vorstandschef, über die Liquidität ausbreiten. Über die Liquidität einer Bank spricht man nicht, man unterstellt, sie ist gewährleistet. Wenn Sie anfangen, angebliche Liquiditätsengpässe zu dementieren, nimmt der Markt sofort an, es bestehe Gefahr.
„Die Situation nach der Lehman-Pleite war beherrschbar“
IZ: Es gab seinerzeit ständig neue Zahlen zum ungedeckten Finanzbedarf der HRE. Es fing mit 15 Mrd. Euro an, dann waren es 35 Mrd. Euro, dann 50 Mrd., und schließlich war von 102 Mrd. Euro die Rede. Das klang nicht wirklich beruhigend, sondern eher danach, dass es sich um ein Fass ohne Boden handelte und die Bank vor die Wand fährt - und möglicherweise andere Banken mitfahren würden, die mit der HRE Geschäfte gemacht hatten.
Funke: Ja, ich weiß, da hieß es überall, wir hätten falsche Zahlen rausgegeben, die laufend hätten nach oben korrigiert werden müssen. Das stimmt überhaupt nicht, kann auch überhaupt nicht stimmen, denn: Außer dem Kreditbetrag von 15 Mrd. Euro und unserem Refinanzierungsbedarf 2008 und 2009 hatten wir gar keine Zahlen genannt. Warum auch? Die Bundesbank bekam von uns, wie auch von anderen Banken, täglich eine Refinanzierungsmeldung mit einer 90-tägigen Vorschau. Das war seit Mai 2008 so. Und da stand bei uns am Mittag des 28. September 2008 drin, dass wir bis zum Jahresende einen Refinanzierungsbedarf von 102 Mrd. Euro hatten - davon 27 Mrd. Euro unbesichert. Der große Rest waren Pfandbriefe und andere besicherte Refinanzierungen. Noch bis zu diesem letzten Septemberwochenende hat sich die HRE, das heißt konkret die von ihr übernommene Depfa, im unbesicherten Bereich täglich mit zweistelligen Milliardenbeträgen refinanziert. Die HRE war also nicht, wie immer behauptet wird, nach der Lehman-Pleite am Ende. Die Situation war damals sicher für alle Banken schwierig, auch für uns, aber sie war beherrschbar.
IZ: Das haben wir anders in Erinnerung. Beherrschbar schien da gar nichts mehr.
Funke: Noch mal: Die Lage war sicher nicht einfach, aber mindestens bis zum 28. September 2008 hat die Refinanzierung bei der HRE und der Depfa noch funktioniert. Die Gruppe hat auch keine wie auch immer gearteten Limits gebrochen. Außerdem hat die HRE mit Hilfe eigener Maßnahmen weitere Liquidität generiert. Wir hätten demnach bis etwa Ende November 2008 aus eigener Kraft überleben können.
„Auch der Pensionsfonds der BaFin hatte bei uns angelegt“
IZ: Der Refinanzierungsdruck aber hatte zugenommen, weil die Laufzeiten der Kredite immer kürzer wurden. Das war kein Problem für Ihre Tochter Depfa?
Funke: Das mit den Laufzeiten war sicher so, aber man muss klar sagen: Die Bank war voll handlungsfähig. Die Depfa hatte ein absolut funktionstüchtiges Treasury und bekam ihr Geld ja aus vielen hochkarätigen internationalen Quellen. Auch der Pensionsfonds der BaFin hatte bei uns Liquidität angelegt.
IZ: Warum haben Sie dann am 23. September 2008 zu Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann gesagt, Sie bräuchten 15 Mrd. Euro - die, so sagte er später, auch kein Problem gewesen wären?
Funke: Weil wir die allgemein unsichere Lage nach der Lehman-Pleite sahen und vorsichtig waren. Wir hatten mehrere Gespräche mit mehreren Banken. Diese Gespräche wurden auf Wunsch der Deutschen Bank kombiniert. Das war auch sinnvoll so. Die 15 Mrd. Euro ergaben sich aus der Überlegung, dass wir die schon erwähnten 27 Mrd. Euro an unbesicherten Finanzierungen bis zum Jahresende 2008 zu refinanzieren hatten und uns zutrauten, 12 Mrd. Euro davon selbst refinanziert zu bekommen. Wir hatten ja immerhin rund 60 Mrd. Euro an freien, werthaltigen Sicherheiten zur Verfügung.
„Plötzlich war von 35 Mrd. Euro die Rede“
IZ: Aus den 15 Mrd. Euro wurden rasch 35 Mrd. Euro. Ihre Erklärung?
Funke: Die 35 Mrd. Euro wurden an dem Krisenwochenende Ende September 2008 nicht von uns aus dem Hut gezaubert. Die standen bei uns in der Planrechnung für 2008 und 2009, und zwar in der Spalte Worst-Case-Szenario. Wohlgemerkt bis Ende 2009, also ein Jahr mehr als das, wovon zuvor die Rede war. Das bestätigte 2009 auch Herr Sanio im HRE-Untersuchungsausschuss. Das von den Entscheidern an besagtem Wochenende Ende September 2008 als vernünftig erklärte Katastrophenszenario, eineinhalb Jahre keine eigene unbesicherte Refinanzierung zu unterstellen, war nicht nachvollziehbar. Aber so war plötzlich von 35 Mrd. Euro die Rede. Das klang so, als wenn da Zahlen hätten massiv nach oben korrigiert werden müssen. Dabei war einzig das Zeitfenster vergrößert worden.
„Wir hatten rund 50 Mrd. Euro werthaltige Sicherheiten“
IZ: Wenn die 15 Mrd. Euro für die Banken bis Ende 2008 völlig okay gewesen wären, dürfte das auch für 35 Mrd. Euro bis Ende 2009 gegolten haben. Wozu dann die Beteiligung des Staates an den milliardenschweren Stützungsaktionen bei der HRE und die Bereitwilligkeit der anderen Banken, so ein Wort wie Rettungsschirm in den Mund zu nehmen?
Funke: Na, vielleicht gab es bei manchen der Beteiligten das Interesse, eine Summe zustande zu bringen, mit der man zur Bundesregierung gehen konnte, um zu sagen: Das schaffen wir Banken nicht allein, der Bund muss mitmachen - so wie die Regierungen anderer Länder auch. Die 15 Mrd. Euro waren laut Josef Ackermann für ein Konsortium unter Führung der Deutschen Bank machbar, zumal wir rund 50 Mrd. Euro werthaltige Sicherheiten angeboten hatten. Es hätte also theoretisch auch für 35 Mrd. Euro gereicht. 35 Mrd. Euro waren aber offenbar der Betrag, der ausreichte, um den Bund davon zu überzeugen, dass er sich mit in die Pflicht zu nehmen lassen hatte.
IZ: Alles sehr erstaunlich für eine Branche, die vom Staat eigentlich lieber in Ruhe gelassen werden will - jedenfalls in guten Tagen. Welchen Sinn könnte die Aktion mit dem Hilfeersuchen beim Bund gehabt haben?
„So wurde die Regierung zum Rettungsschirm gezwungen“
Funke: Wir hatten eine weltweite Finanzkrise, die schlimmste seit Ende der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts, und die gefährdete - und gefährdet noch heute - unsere gesamte Volkswirtschaft. Da durfte sich keine Regierung oder Zentralbank ihrer Verpflichtung entziehen. Die Regierung Merkel/Steinmeier hat sich, im Gegensatz zu anderen, dieser Aufgabe zunächst nicht stellen wollen. Auf Kosten der HRE wurde sie gezwungen, den dann Tage später ins Leben gerufenen Rettungsschirm zu bilden. Wie Herr Ackermann im Untersuchungsausschuss sagte, habe man mit der Fokussierung der Probleme auf die HRE vermieden, dass die Deutsche Bank, die Commerzbank oder eine andere deutsche Bank ins Gerede kam. Das ist rückblickend allein schon deswegen bemerkenswert, weil sich immerhin 22 deutsche Banken unter den Rettungsschirm flüchteten. Es spricht also viel für die Vermutung, dass die Abwicklung der HRE von vornherein angestrebt wurde. Vielleicht auch deswegen, weil andere Banken befürchteten, bei ihnen könnten die Kunden Schlange stehen, um ihr Geld von jetzt auf gleich abzuheben. Bei der HRE wären solche Bilder, die die Leute von der britischen Bank Northern Rock in Erinnerung haben, mangels Privatkundengeschäft nicht zu befürchten gewesen.
„Das schwarze Schaf ist nun für alle die HRE“
Das schwarze Schaf ist nun also für alle Leute die HRE. Bei den anderen Banken wird einfach die Begründung akzeptiert, sie hätten Hilfe gebraucht, weil die Investmentbank Lehman Brothers pleite gegangen war und daraufhin alles so schwierig wurde. Gerecht ist anders!
IZ: Die anderen Banken hatten 2007, also gewissermaßen kurz vor Lehman, nicht mal eben eine Depfa gekauft, die hochriskante Fristentransformationsgeschäfte machte!
Funke: Andere Banken - auch Sparkassen - betreiben diese Fristentransformation genauso. Fristentransformation ist eine volkswirtschaftliche Aufgabe der Banken. Und wieso überhaupt hochriskant?
IZ: Langfristige Finanzierungen kurzfristig refinanzieren: Ist das kein großes Risiko?
Funke: Man muss das sicher differenziert sehen. Die Depfa hat, anders als in der Öffentlichkeit dargestellt, seit der Übernahme durch die HRE keine Zinsspekulationen betrieben, das heißt, alle Darlehen mit Festzinsen sind für die gesamte Laufzeit entsprechend abgesichert gewesen. Es war Bedingung der Übernahme, noch vor ihrem Vollzug alle offenen Zinspositionen zu schließen. Anders war es mit der Laufzeit der Refinanzierungsmittel. Dabei muss man jedoch berücksichtigen, dass die Depfa fast ausschließlich liquide Staatsfinanzierungen in ihrem Kreditbuch hatte. Normalerweise hätte die Depfa, was zum Beispiel bei Baufinanzierungen nicht so schnell geht, im Falle eines Liquiditätsengpasses Assets schnell verkaufen können. In dieser Krise ging nur nichts mehr.
„Die Depfa war keine Zockerbude, sondern hochkarätig überwacht“
Die Depfa war nicht irgendwas Unmögliches oder eine Zockerbude, wie es da immer hieß. Sie wurde seit ihrer Abspaltung im Jahr 2002 hochkarätig überwacht. Der frühere Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer und sein irischer Amtskollege waren Mitglieder im Depfa-Direktorium. Bei der Depfa hatten viele Zentralbanken und große, erstklassige Fonds Termingelder angelegt. Und, nur zur Erinnerung: Staatsanleihen galten damals als mündelsicher - auch griechische. Da ahnte kein Mensch, dass das eines Tages mal nicht mehr so sein könnte. Oder sahen Sie etwa den Tsunami auf uns zukommen?
IZ: Im Jahr 2008 fiel allerdings auf, wie unter den Aktionären der HRE das Gewicht derer zunahm, die Adressen auf Bermuda, den Bahamas, in Luxemburg und auf den Cayman-Inseln angaben. Gemeinhin kein Hinweis auf risikoscheues Publikum, sondern eher auf stark spekulierende Klientel.
Funke: Zu den Aktionären kann ich nicht viel sagen. Die meisten waren mir gar nicht bekannt. Es hießen ja nicht alle Flowers. Von dem wusste ich natürlich, und zu ihm kann ich Ihnen bestätigen, dass er ein langfristig denkender Investor ist und absolut keine Heuschrecke. Er hatte im Übrigen auch angeboten, sich an einer Kapitalerhöhung der HRE zu beteiligen. Trotz seines Angebots haben sich die Verantwortlichen damals geweigert, mit ihm zu sprechen. Man hat lieber das Geld des Steuerzahlers eingesetzt. Kurzum: Ich kann Ihre Einschätzung zu den HRE-Aktionären nicht wirklich nachvollziehen.
„Nach dem Kauf der Depfa wurde unser Rating hochgestuft“
IZ: Warum haben Sie die Depfa überhaupt gekauft? Die wurde seinerzeit rumgereicht, und keiner wollte sie haben - bis Sie kamen.
Funke: Das stimmt so nicht. Es gab mindestens ein Konkurrenzangebot. Wir haben die Depfa im Wesentlichen aus zwei Gründen gekauft. Der erste Grund: Wir hatten als HRE ein Rating A-. Wir wollten aber ein besseres Rating erreichen, und dies war laut Ratingagenturen aufgrund mangelnder Risikodiversifikation nicht möglich. Der Staatsfinanzierer Depfa passte da sehr gut zu uns.
IZ: Warum die Depfa? Um sich breiter aufzustellen, hätten Sie auch die Postbank nehmen können!
Funke: Vielleicht. Aber warten Sie, es kommt ja noch der zweite Grund: Wir hatten immerhin 60 Mrd. Euro an Staatsfinanzierung in der HRE-Gruppe. Es ist also nicht so, dass wir überhaupt keine Staatsfinanzierung hatten. Unsere Überlegung war nur die: Wenn die Depfa die Staatsfinanzierung kultiviert und auch profitabel gemacht hat, dann kann die aus unseren 60 Mrd. Euro bestimmt mehr erwirtschaften als wir. Zudem glaube ich, dass man das zu übernehmende Geschäft verstehen sollte. Das war hier gegeben. Die Staatsfinanzierung war ein Geschäftsfeld, das inhaltlich gut zu uns passte. Das sahen auch die Ratingagenturen so, schließlich erhielt die HRE infolge der Übernahme ein A. Die Depfa war nach Übernahme sogar auf A+ geratet. Dies verbilligte unsere Refinanzierung.
„Das Angebot zur Übernahme der Eurohypo war ernst gemeint“
IZ: Warum haben Sie dann auch versucht, die Eurohypo zu übernehmen? Die passt doch gar nicht zum Stichwort Diversifikation! Oder war das mit den Übernahmeambitionen damals gar nicht ernst gemeint?
Funke: Doch, das war absolut ernst gemeint. Wir wären zusammen mit der Eurohypo weltweit der dominierende Emittent von Pfandbriefen gewesen - und das hätte unsere Refinanzierung auch verbilligt.
IZ: Aber ein besseres Rating hätten Sie dann nicht gekriegt!
Funke: Das stimmt.
IZ: War die Depfa nicht viel zu groß für die HRE und letztlich der entscheidende Grund für die Probleme, die Ihre Bank im Herbst 2008 bekam?
Funke: Also, zunächst noch einmal: Das Rating der HRE ist von Standard & Poor's nach dem Kauf der Depfa hochgestuft worden. Das war auch völlig logisch, denn es wurde angenommen, dass die HRE-Gruppe eine bessere Risikodiversifikation hatte und nicht nur vom Immobiliengeschäft abhängig war. Außerdem wurde durch zwei unabhängige Geschäftsfelder eine beständigere Ertragssituation erreicht und es wurde angenommen, dass die Liquidität der HRE-Gruppe insgesamt besser sein würde als zuvor.
IZ: Wäre die HRE ohne die Depfa heil durch die Finanzkrise gekommen?
Funke: Im Nachhinein ist man immer schlauer. In dieser so nicht vorhersehbaren Krise war jede Übernahme eine Gefahr. Das sah man bei der Dresdner Bank. Auch die Deutsche Bank hat die Postbank nicht zu den ursprünglich vereinbarten Bedingungen übernehmen können. Mir ist wichtig, zu sagen: Die Übernahme der Depfa war absolut sauber. Auf der anderen Seite, in Kenntnis von Lehman und dem Gerede von der Abwicklung: Ja, wahrscheinlich wäre es richtig gewesen, die Depfa nicht zu übernehmen.
„Ich lege nicht so viel Wert auf Netzwerkpflege wie andere“
IZ: Warum?
Funke: Weil das Bilanzvolumen der HRE zusammen mit der Depfa sehr groß geworden ist und die frühere Annahme, dass mit genügend Kapital - das hatte die HRE - und einem guten Rating - das hatte die HRE auch - jederzeit genügend Liquidität aus dem Markt zur Verfügung gestellt wird, über Nacht nach dem Kollaps von Lehman nicht mehr galt.
IZ: Waren Sie seinerzeit Getriebener eines allgemeinen Zwangs zu Wachstum?
Funke: Nein. Ich wollte nur ganz einfach langfristig eine vergleichsweise günstige Refinanzierung und eine beständigere Ertragssituation sicherstellen.
IZ: Die HRE sei zum Wachsen verdammt, sagten Sie damals.
Funke: Ja, das gilt für jeden Wirtschaftsbetrieb. Wenn Sie am Kapitalmarkt sind und Sie stagnieren oder schrumpfen, ist das schlecht.
Hier geht es zum zweiten Teil des Interviews.

