Die alte Welt schielt auf die BRICs
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Die alte Welt schielt auf die BRICs
Kapitalzufluss treibt Aktienkurse in den großen Schwellenländern hoch
Deutschland, USA und Japan sind längst auf der Verliererstraße. Davon ist jedenfalls Jim O'Neill überzeugt. Schon im Jahr 2035 werde das Inlandsprodukt der sechs größten Industriestaaten von dem der vier Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien sowie China überholt, und China werde die USA auch als Nummer eins der Welt abgelöst haben. Der Ökonom, heute Chefvolkswirtschaft der US-Investmentbank Goldman Sachs, machte aus diesen Erwartungen schon Ende 2001 ein Konzept, dem er den Namen BRIC gab. Zu einer Zeit also, in der Investoren und Anleger noch an den Folgen von Tequila-, Asien- und Russland-Krise zu knabbern hatten.
BRIC steht für die Anfangsbuchstaben der nach O'Neills Meinung kommenden Wirtschaftsmächte Brasilien, Russland, Indien und China. Für die Vier sprechen vor allem ihre Arbeitskräfte- und Produktivitätspotenziale – und zwar arbeitsteilig: Brasilien dient als Rohstofflager der Welt, Russland als Zapfsäule für Öl und Gas, Indien als Software-Schmiede und China als billige Werkhalle. Zunächst war das Konzept einer der üblichen Werbetricks von Bankern, um Aktienfonds besser an den Anleger zu bringen, aber auf Dauer behielt O'Neill doch Recht: In den letzten fünf Jahren hat sich der BRIC-Aktienindex vervierfacht – eine der höchsten Renditen aller Zeiten.
Vor anderthalb Jahren schwappte die Idee auch nach Deutschland. Damals legte die Investmentgesellschaft DWS ihren Aktienfonds »Bric Plus« auf, der sich mit einem Milliardenvolumen zum bestverkauften Anlageprodukt entwickelte. Inzwischen gibt es über ein Dutzend solcher Fonds. Alle versprechen ein Superplus gegenüber klassischen Produkten, was sie bislang auch einhielten. In diesem Jahr legte der BRIC-Index auf Dollar-Basis um über 50 Prozent zu, während die Schwellenmärkte insgesamt »nur« um knapp 30 Prozent anstiegen.
So könnte es nach der Meinung einiger Analysten weitergehen. »Die Märkte in Brasilien, Russland, Indien und China zeigen kontinuierliches Gewinnwachstum und eine steigende Liquidität«, sagt Patrick Gautier, Fondsmanager der britischen Bank HSBC. »Unser Ziel ist es, das langfristige Potenzial der BRIC-Märkte zu nutzen.«
Aber auch Skepsis hat ihren Grund. Schiere Größe sichert keinen Anlageerfolg, und die Gegensätze in den BRIC-Ländern seien gewaltig, meinen andere Analysten. Zudem mangle es an Verkehrswegen, Banken, Finanzinfrastruktur, Gesetzen und einem starken Rechtsstaat. Jürgen Fitschen, Experte der Deutschen Bank, spricht daher von einem »Mythos« voller Chancen und Risiken.
Disparitäten
So einförmig, wie es der BRIC-Aktienindex ausdrückt, sind die vier Staaten nicht. »Die regionalen Einkommensdisparitäten zwischen den großen Städten im Osten und den ländlichen Gebieten im Westen Chinas haben sich weiter verschärft«, warnt das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWW. Auch bei Bildung, Gesundheit und Ernährung wachse die Kluft. »Mehr als 100 Millionen Menschen in China leben heute von weniger als einem Dollar pro Tag.« Auch in Brasilien und Russland durchziehe ein Riss die Gesellschaft. Und in Indien gebe es zwar einen kaufkräftigen Mittelstand von 200 bis 300 Millionen Menschen, aber 600 Millionen leben auf dem Land, oft bettelarm.
Deutschland, USA und Japan sind längst auf der Verliererstraße. Davon ist jedenfalls Jim O'Neill überzeugt. Schon im Jahr 2035 werde das Inlandsprodukt der sechs größten Industriestaaten von dem der vier Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien sowie China überholt, und China werde die USA auch als Nummer eins der Welt abgelöst haben. Der Ökonom, heute Chefvolkswirtschaft der US-Investmentbank Goldman Sachs, machte aus diesen Erwartungen schon Ende 2001 ein Konzept, dem er den Namen BRIC gab. Zu einer Zeit also, in der Investoren und Anleger noch an den Folgen von Tequila-, Asien- und Russland-Krise zu knabbern hatten.
BRIC steht für die Anfangsbuchstaben der nach O'Neills Meinung kommenden Wirtschaftsmächte Brasilien, Russland, Indien und China. Für die Vier sprechen vor allem ihre Arbeitskräfte- und Produktivitätspotenziale – und zwar arbeitsteilig: Brasilien dient als Rohstofflager der Welt, Russland als Zapfsäule für Öl und Gas, Indien als Software-Schmiede und China als billige Werkhalle. Zunächst war das Konzept einer der üblichen Werbetricks von Bankern, um Aktienfonds besser an den Anleger zu bringen, aber auf Dauer behielt O'Neill doch Recht: In den letzten fünf Jahren hat sich der BRIC-Aktienindex vervierfacht – eine der höchsten Renditen aller Zeiten.
Vor anderthalb Jahren schwappte die Idee auch nach Deutschland. Damals legte die Investmentgesellschaft DWS ihren Aktienfonds »Bric Plus« auf, der sich mit einem Milliardenvolumen zum bestverkauften Anlageprodukt entwickelte. Inzwischen gibt es über ein Dutzend solcher Fonds. Alle versprechen ein Superplus gegenüber klassischen Produkten, was sie bislang auch einhielten. In diesem Jahr legte der BRIC-Index auf Dollar-Basis um über 50 Prozent zu, während die Schwellenmärkte insgesamt »nur« um knapp 30 Prozent anstiegen.
So könnte es nach der Meinung einiger Analysten weitergehen. »Die Märkte in Brasilien, Russland, Indien und China zeigen kontinuierliches Gewinnwachstum und eine steigende Liquidität«, sagt Patrick Gautier, Fondsmanager der britischen Bank HSBC. »Unser Ziel ist es, das langfristige Potenzial der BRIC-Märkte zu nutzen.«
Aber auch Skepsis hat ihren Grund. Schiere Größe sichert keinen Anlageerfolg, und die Gegensätze in den BRIC-Ländern seien gewaltig, meinen andere Analysten. Zudem mangle es an Verkehrswegen, Banken, Finanzinfrastruktur, Gesetzen und einem starken Rechtsstaat. Jürgen Fitschen, Experte der Deutschen Bank, spricht daher von einem »Mythos« voller Chancen und Risiken.
Disparitäten
So einförmig, wie es der BRIC-Aktienindex ausdrückt, sind die vier Staaten nicht. »Die regionalen Einkommensdisparitäten zwischen den großen Städten im Osten und den ländlichen Gebieten im Westen Chinas haben sich weiter verschärft«, warnt das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWW. Auch bei Bildung, Gesundheit und Ernährung wachse die Kluft. »Mehr als 100 Millionen Menschen in China leben heute von weniger als einem Dollar pro Tag.« Auch in Brasilien und Russland durchziehe ein Riss die Gesellschaft. Und in Indien gebe es zwar einen kaufkräftigen Mittelstand von 200 bis 300 Millionen Menschen, aber 600 Millionen leben auf dem Land, oft bettelarm.
Südafrika rückt auf: BRIC heißt jetzt BRICS
Was vor mehr als einem halben Jahrzehnt in einer Analyse des Goldman-Sachs-Managers Jim O’Neill erstmals auftauchte, ist längst zu einem stehenden Begriff der Finanzindustrie geworden: Das Akronym "BRIC", mit dem Brasilien, Russland, Indien und China zu einem künstlichen Investmentuniversum zusammengefasst werden.
Zu diesem Quartett gesellet sich - und zwar ohne Zutun O’Neill's dafür aber auf Vorschlag Chinas - Ende 2010 ein fünftes Land hinzu, das von sich ebenfalls anzunehmen scheint, dass es in Zukunft zu den führenden Wirtschaftsmächten zählen wird. Und so wird auch BRIC nun BRICS, wobei das „S“ für Südarfika steht. Dass China hier federführend war, legt den Schluss nahe, dass das kommunistische Land bei Südafrika weniger dessen wirtschaftliches Potenzial als vielmehr dessen Rohstoffreichtum im Auge hatte.
Die fünf Staaten haben sich jüngst erstmals zu einem Treffen in - und auch das war vermutlich kein Zufall - Südchina zusammengefunden, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede auszuloten. Bezüglich der Gemeinsamkeiten war in der Diskussion klar erkennbar, dass sich die aufstrebenen Wirtschaftsmächte vor allem gegenüber dem Westen besser positionieren wollen und werden. Sehr konkret war hier etwa ein Abkommen, dass vorsieht, dass die lokalen Entwicklungsbanken in den Schwellenländern Kreditlinien in Lokalwährungen bereitstellen, um sich von rasch zu- und abströmenden ausländischen Kreditgebern unabhängiger zu machen.
Was vernünftig klingt, ist nach Einschätzung vieler Beobachter ein Versuch die Rolle des US-Dollars als Leitwährung zu schwächen. Der britische Economist meint dazu: „Tatsächlich war bestand der Hauptantrieb des gesamten Meetings darin, die Weltordnung wie sie seit dem Zweiten Weltkrieg herrscht, in eine neue Richtung zu drängen, womit automatisch die Rolle der USA an Bedeutung verliert.“
Ob das gelingt und wie schnell es passiert, ist derzeit allerdings noch fraglich, denn BRICS dient als Klammer für fünf Staaten, die gelinde gesagt mehr als unterschiedlich sind. Ob hier der gemeinsame Wunsch gegenüber der „alten Welt“ kollektiv an Gewicht zu gewinnen, ausreichen wird, um nachhaltig am selben Strang zu ziehen, ist nicht ausgemacht. Bereits heute gibt es zwischen den BRICS-Staaten bereits Spannungen hinsichtlich einzelner Handelsfragen, wobei hier im Regelfall der Handelsbilanzüberschuss Chinas das Problem darstellt. Für Investoren interessant ist die Einbindung Südafrikas in den Kreis der "Wirtschaftsmächte der Zukunft" allemal, denn insgesamt verbessert sich das Standing des Landes damit ohne Zweifel. Ob die bestehenden BRIC-Fonds ihre Allokation umstellen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen
Was vor mehr als einem halben Jahrzehnt in einer Analyse des Goldman-Sachs-Managers Jim O’Neill erstmals auftauchte, ist längst zu einem stehenden Begriff der Finanzindustrie geworden: Das Akronym "BRIC", mit dem Brasilien, Russland, Indien und China zu einem künstlichen Investmentuniversum zusammengefasst werden.
Zu diesem Quartett gesellet sich - und zwar ohne Zutun O’Neill's dafür aber auf Vorschlag Chinas - Ende 2010 ein fünftes Land hinzu, das von sich ebenfalls anzunehmen scheint, dass es in Zukunft zu den führenden Wirtschaftsmächten zählen wird. Und so wird auch BRIC nun BRICS, wobei das „S“ für Südarfika steht. Dass China hier federführend war, legt den Schluss nahe, dass das kommunistische Land bei Südafrika weniger dessen wirtschaftliches Potenzial als vielmehr dessen Rohstoffreichtum im Auge hatte.
Die fünf Staaten haben sich jüngst erstmals zu einem Treffen in - und auch das war vermutlich kein Zufall - Südchina zusammengefunden, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede auszuloten. Bezüglich der Gemeinsamkeiten war in der Diskussion klar erkennbar, dass sich die aufstrebenen Wirtschaftsmächte vor allem gegenüber dem Westen besser positionieren wollen und werden. Sehr konkret war hier etwa ein Abkommen, dass vorsieht, dass die lokalen Entwicklungsbanken in den Schwellenländern Kreditlinien in Lokalwährungen bereitstellen, um sich von rasch zu- und abströmenden ausländischen Kreditgebern unabhängiger zu machen.
Was vernünftig klingt, ist nach Einschätzung vieler Beobachter ein Versuch die Rolle des US-Dollars als Leitwährung zu schwächen. Der britische Economist meint dazu: „Tatsächlich war bestand der Hauptantrieb des gesamten Meetings darin, die Weltordnung wie sie seit dem Zweiten Weltkrieg herrscht, in eine neue Richtung zu drängen, womit automatisch die Rolle der USA an Bedeutung verliert.“
Ob das gelingt und wie schnell es passiert, ist derzeit allerdings noch fraglich, denn BRICS dient als Klammer für fünf Staaten, die gelinde gesagt mehr als unterschiedlich sind. Ob hier der gemeinsame Wunsch gegenüber der „alten Welt“ kollektiv an Gewicht zu gewinnen, ausreichen wird, um nachhaltig am selben Strang zu ziehen, ist nicht ausgemacht. Bereits heute gibt es zwischen den BRICS-Staaten bereits Spannungen hinsichtlich einzelner Handelsfragen, wobei hier im Regelfall der Handelsbilanzüberschuss Chinas das Problem darstellt. Für Investoren interessant ist die Einbindung Südafrikas in den Kreis der "Wirtschaftsmächte der Zukunft" allemal, denn insgesamt verbessert sich das Standing des Landes damit ohne Zweifel. Ob die bestehenden BRIC-Fonds ihre Allokation umstellen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen
Die Bric-Länder treiben die Welt an
Er ist Chef von Goldman Sachs Asset Management und Vater der Abkürzung Bric. Im Interview mit DAS INVESTMENT.com spricht Jim O’Neill über die vier heißen Volkswirtschaften und die Probleme Europas
Was können wir Europäer von den Brics lernen?
Jim O’Neill: Die Politiker sollten begreifen, dass Veränderung gut ist und dass wir nicht in einer statischen Welt leben.
Was müssten wir dafür ändern?
O’Neill: Unser Denken, glaube ich. Ich frage mich seit zehn Jahren, warum jedes Euro-Land eine eigene Stimme im G20- Rat hat, wenn doch der Euro für immer bleiben soll. Warum gibt es nicht einen einzigen Euro-Repräsentanten? Die G20 sind zwar eine gute Sache. Aber um effektiv zu sein, sind es zu viele Länder. Außerdem gibt es einen riesigen Unterschied zwischen Kompromiss und Einigung. Europäische Politiker finden oft den schwächsten Kompromiss, anstatt sich auf die beste Lösung zu einigen.
Fehlt den Industrienationen vielleicht auch etwas Weitblick?
O’Neill: Als ich 2010 nach einigen Jahren wieder in Südkorea war, war ich im positiven Sinne geschockt, wie sich Korea verändert. Genau das fehlt im Moment Europa, dessen Führung oft in einer statischen Welt zu leben scheint. Für die meisten war der europäische Gedanke mit der Einführung des Euros abgeschlossen. Das reicht aber nicht aus.
Ihr Buch vermittelt den Eindruck, dass Sie mächtige Regierungen wie in Russland und China besser finden als Demokratie.
O’Neill: Ich zeige in meinem Buch auf, dass viele Menschen in den Wachstumsmärkten in erster Linie ein besseres Leben wollen. Auf dem Weg dorthin gibt es verschiedene starke Regierungsformen, die diesen Prozess unterstützen können.
Ist die starke Regierung der Grund, warum Russland noch im Bric-Quartett ist?
O’Neill: 140 Millionen Menschen sind der wohl wichtigste Grund.
Sie werden nicht sehr alt und haben niedrige Geburtsraten.
O’Neill: Das war vor zehn Jahren ein Problem. Russen leben im Durchschnitt jetzt länger als damals.
Sie haben in Ihrem Buch einige schlechte Dinge aufgezählt.
O’Neill: Vieles ist besser geworden. Die Abhängigkeit von steigenden Ölpreisen ist aber ein wirtschaftliches Problem.
Und die Lösung dafür?
O’Neill: Hohe Ölpreise machen Ölförderländer schnell genügsam. Vielleicht wäre ein Preisrückgang auf 40 Dollar je Fass das Beste. Es wäre eine Art Entwöhnung. Zudem wird es für Russland wichtig, systematisch Industrien abseits des Rohstoff- oder Energiesektors zu fördern.
Gibt es nicht auch eine Kehrseite der Globalisierungsmedaille? Etwa die Vorherrschaft von China?
O’Neill: Lassen Sie mich so antworten – in Großbritannien und anderen entwickelten Ländern sehen wir immer mehr, dass junge Menschen beispielsweise ihr Studium abschließen und keine Arbeit haben. Das liegt wohl zum Teil an der Globalisierung, aber vor allem daran, dass es in diesen Bereichen darauf ankommt, die Ausbildung junger Menschen zu verbessern und sich geänderten Gegebenheiten anzupassen.
Grundsätzlich ist aber Globalisierung nichts Schlechtes. Sie führt dazu, dass sich die entwickelten Länder auf einen stärkeren Wettbewerb einstellen müssen. Doch insgesamt betrachtet bedeutet sie für Hunderte Millionen Menschen einen Aufstieg aus der Armut.
Europäische Anleger antworten auf die Frage nach Wachstum sehr richtig: in den Brics. Aber warum tun sie sich so schwer, dort auch tatsächlich zu investieren?
O’Neill: Schwierig zu beantworten. Das BIP der Brics legt dieses Jahr um 2 Billionen Dollar zu. Das ist fast ein zweites Italien. Sie treiben die Welt an, aber die Menschen haben noch immer Angst. Das liegt auch daran, dass sie mit Anlagen in Bric- Ländern noch immer nicht vertraut sind.
Was können wir Europäer von den Brics lernen?
Jim O’Neill: Die Politiker sollten begreifen, dass Veränderung gut ist und dass wir nicht in einer statischen Welt leben.
Was müssten wir dafür ändern?
O’Neill: Unser Denken, glaube ich. Ich frage mich seit zehn Jahren, warum jedes Euro-Land eine eigene Stimme im G20- Rat hat, wenn doch der Euro für immer bleiben soll. Warum gibt es nicht einen einzigen Euro-Repräsentanten? Die G20 sind zwar eine gute Sache. Aber um effektiv zu sein, sind es zu viele Länder. Außerdem gibt es einen riesigen Unterschied zwischen Kompromiss und Einigung. Europäische Politiker finden oft den schwächsten Kompromiss, anstatt sich auf die beste Lösung zu einigen.
Fehlt den Industrienationen vielleicht auch etwas Weitblick?
O’Neill: Als ich 2010 nach einigen Jahren wieder in Südkorea war, war ich im positiven Sinne geschockt, wie sich Korea verändert. Genau das fehlt im Moment Europa, dessen Führung oft in einer statischen Welt zu leben scheint. Für die meisten war der europäische Gedanke mit der Einführung des Euros abgeschlossen. Das reicht aber nicht aus.
Ihr Buch vermittelt den Eindruck, dass Sie mächtige Regierungen wie in Russland und China besser finden als Demokratie.
O’Neill: Ich zeige in meinem Buch auf, dass viele Menschen in den Wachstumsmärkten in erster Linie ein besseres Leben wollen. Auf dem Weg dorthin gibt es verschiedene starke Regierungsformen, die diesen Prozess unterstützen können.
Ist die starke Regierung der Grund, warum Russland noch im Bric-Quartett ist?
O’Neill: 140 Millionen Menschen sind der wohl wichtigste Grund.
Sie werden nicht sehr alt und haben niedrige Geburtsraten.
O’Neill: Das war vor zehn Jahren ein Problem. Russen leben im Durchschnitt jetzt länger als damals.
Sie haben in Ihrem Buch einige schlechte Dinge aufgezählt.
O’Neill: Vieles ist besser geworden. Die Abhängigkeit von steigenden Ölpreisen ist aber ein wirtschaftliches Problem.
Und die Lösung dafür?
O’Neill: Hohe Ölpreise machen Ölförderländer schnell genügsam. Vielleicht wäre ein Preisrückgang auf 40 Dollar je Fass das Beste. Es wäre eine Art Entwöhnung. Zudem wird es für Russland wichtig, systematisch Industrien abseits des Rohstoff- oder Energiesektors zu fördern.
Gibt es nicht auch eine Kehrseite der Globalisierungsmedaille? Etwa die Vorherrschaft von China?
O’Neill: Lassen Sie mich so antworten – in Großbritannien und anderen entwickelten Ländern sehen wir immer mehr, dass junge Menschen beispielsweise ihr Studium abschließen und keine Arbeit haben. Das liegt wohl zum Teil an der Globalisierung, aber vor allem daran, dass es in diesen Bereichen darauf ankommt, die Ausbildung junger Menschen zu verbessern und sich geänderten Gegebenheiten anzupassen.
Grundsätzlich ist aber Globalisierung nichts Schlechtes. Sie führt dazu, dass sich die entwickelten Länder auf einen stärkeren Wettbewerb einstellen müssen. Doch insgesamt betrachtet bedeutet sie für Hunderte Millionen Menschen einen Aufstieg aus der Armut.
Europäische Anleger antworten auf die Frage nach Wachstum sehr richtig: in den Brics. Aber warum tun sie sich so schwer, dort auch tatsächlich zu investieren?
O’Neill: Schwierig zu beantworten. Das BIP der Brics legt dieses Jahr um 2 Billionen Dollar zu. Das ist fast ein zweites Italien. Sie treiben die Welt an, aber die Menschen haben noch immer Angst. Das liegt auch daran, dass sie mit Anlagen in Bric- Ländern noch immer nicht vertraut sind.
Zitat
Zur Person: Jim O’Neill ist Chef von Goldman Sachs Asset Management. 2001 wurde er Chefvolkswirt von Goldman Sachs, seit 1995 ist er im Unternehmen. Bekannt ist O’Neill vor allem für die Abkürzung Bric, die seit November 2001 für die aufstrebenden Wirtschaftsnationen Brasilien, Russland, Indien und China steht. O’Neill wurde in Manchester geboren und ist Fan von Manchester United.
Brics bringen Weltordnung ins Wanken
Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika starten mit ihrem heutigen Gipfel einen weiteren Angriff auf die etablierte Weltordnung. Der Anfang ist bescheiden, aber die Wucht der Entwicklung kann das vorherrschende System ins Wanken bringen.
Der Konjunkturmotor in den Brics-Ländern Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika stottert. Sie haben sich in den vergangenen Monaten vom Zugpferd zum Sorgenkind der globalen Konjuntur entwickelt, wenn man von Europa einmal absieht
Doch auf ihrem vierten Gruppen-Gipfel heute in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi zurren sie den Rahmen für die erste globale Organisation außerhalb des Westens, die nicht nur ökonomisch ein Schwergewicht werden könnte. Die Brics wollen eine gemeinsame Entwicklungsbank starten, die grenzübergreifend große Projekte fördern kann.
Sie wollen außerdem mit der Vernetzung ihrer jungen, aber rasant wachsenden Kapitalmärkte beginnen, indem sie wichtige Aktienindizes gegenseitig listen und darauf Derivate in der jeweiligen Landeswährung ausgeben. Das kann wichtiges Kapital binden, das der Entwicklung der eigenen Finanzmärkte dient und nicht in den Westen abfließt.
Die Brics wollen auch einen Vorstoß von China realisieren: Es geht um die Vergabe von Krediten in der chinesischen Landeswährung Renminbi (Yuan) an die übrigen Gruppenmitglieder. Dies ist einer der zentralen Schritte, die China beim Aufbau seiner Währung - zuerst zu einer weit verbreiteten Handelswährung und dann zu einer Reservewährung - plant. Zahlreiche indische Firmen treiben bereits Projekte in China mit Yuan-Krediten voran.
Finanzkrise liefert Steilvorlage für Verschiebung der globalen Gewichte
Die Gruppierung ist jung, sie hat keinesfalls so stark überlappende Interessen, wie es von außen manchmal erscheint. Und sie muss erst einmal gemeinsame Institutionen entwickeln und außenpolitische Ziele formulieren, bevor sie über ihre Grenzen hinaus auf der globalen Bühne Gewicht bekommen kann.
Doch die Brics machen sich entschieden dazu auf, aus der Steilvorlage, die ihnen die Finanzkrise lieferte - eine beschleunigte Verschiebung der globalen Gewichte - einen gemeinsamen Nutzen zu ziehen. Der Anfang ist bescheiden, aber die Wucht der Entwicklung kann die Weltordnung verändern.
So addiert sich der Außenhandel zwischen den fünf Brics derzeit auf 230 Milliarden Dollar. Das ist nur ein Sechstel der deutschen Exporte, die 2011 erstmals die Marke von einer Billion Euro überwanden. Und während der Welthandel im Sog von Finanzkrise und großer Rezession ab 2009 einen empfindlichen Rückschlag erlitt, wuchs der Handel zwischen den Brics um 28 Prozent pro Jahr.
Viel steht auf dem Spiel, wenn Indiens Premier heute nacheinander mit den Regierungschefs der Partnerländer konferiert: Es geht um die eingetrübte Weltwirtschaft, die Reform internationaler Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie sichere Energieversorgung und die Produktion von genügend Nahrungsmitteln.
Legen die Brics am Ende des Gipfels mit ihrer Delhi-Deklaration nichts Konkretes auf den Tisch, was den Aufbau gemeinsamer Strukturen verspricht, könnte die Gruppierung im Jahr vier nach ihrer formalen Gründung als Schwellenmarkt-Schwatzbude abgetan werden.
Falls sich die genannten Pläne konkretisieren, könnte das jedoch der Anfang einer neuen internationalen Finanzarchitektur werden. Weitere Schwellenmärkte wie die Türkei, Indonesien, Mexiko und Argentinien stehen bereits in den Starlöchern für eine G7 oder G8 der künftigen Märkte.
Brics wollen sich von der Vorherrschaft des Dollar lösen
Die Mitglieder der Gruppe haben starke Ansatzpunkte, um gemeinsame Pläne zu entwickeln und zusammen Außenpolitik zu betreiben. Zum Beispiel den Wunsch, die globale Ordnung nicht länger von Europa und den USA dominieren zu lassen. Oder sich von der Vorherrschaft des Dollars zu lösen. Dessen Schwäche treibt ihre Währungen in die Höhe und erschwert die Exporte.
Und die ultra-lockere Geldpolitik der US-Notenbank hat einen Tsunami von Kapital in die Schwellenmärkte in Bewegung gesetzt, die zu einer Blase der Immobilienmärkte führte, die Inflation anheizte und mit strikter Geldpolitik in den Brics bekämpft werden musste. Brasiliens Handels- und Industrieminister Fernando Pimentel kündigte am Mittwoch an, in der Abschlusserklärung für diesen Brics-Gipfel die "unfaire Geldpolitik" in Europa und den USA zu thematisieren. Das dürfte die globale Konfrontation über das, was Brasiliens Regierung bereits vor zwei Jahren als Währungskrieg bezeichnet hatte, verschärfen.
"Die Brics sind in ihrem Frust über den Dollar vereint, für jedes Brics-Mitglied sind die USA der wichtigste Handelspartner", erklärt Brahma Chellaney, Professor für strategische Studien am Center for Policy Research in Neu-Delhi. Doch bevor die Gruppe ein ernst zu nehmender Lobbyist für die Reform internationaler Organisationen werden kann, muss sie zunächst ihr eigenes Gleichgewicht finden. Das wird schwierig sein.
China wirft mit seinem Gewicht - und der Wucht seiner Entwicklung - schon jetzt einen langen Schatten in den Brics. Es will die neue Entwicklungsbank dominieren, was Indien und Russland nicht gerne sehen. Und während ein verstärkter Außenhandel - in Renminbi abgerechnet - zwischen den Brics allen Mitgliedern helfen würde, sich etwas vom Greenback zu lösen, ist Chinas Yuan keinesfalls eine makellose Alternative.
Die Unterbewertung des Yuan, so Chellaney, "untergräbt im Zusammenspiel mit Exportsubventionen im Reich der Mitte systematisch das Verarbeitende Gewerbe in anderen Brics-Ländern, vor allem in Indien und Brasilien. Mehr noch: China ist im Vergleich mit seinen Brics-Partnern eine Status-Quo-Macht, die Indien nicht gerne im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sehen würde. Peking würde viel lieber das einzige Land Asiens mit einem permanenten Sitz in dem wichtigen Gremium sein.
Kurzfristig besteht die größte Herausforderung der Brics darin, ihre Konjunkturen wieder anzukurbeln. "Die Schwellenmärkte sind zwar immer noch die Lokomotive des globalen Zuges", sagt Pimco-Chef Mohamed El-Erian, "aber der Zug fährt jetzt langsamer." Ähnlich sieht das der Ökonom Eswar Prasad von der Cornell-Universität. "Die Last, das Wachstum der Welt auf ihrem Rücken zu tragen, macht den Schwellenmarkt-Volkswirtschaften zu schaffen", sagt Prasad.
Das Problem ist: Anders als vor vier Jahren, als China im Verhältnis zur Größe seiner Volkswirtschaft das weltweit größte Stimuluspaket auf den Weg brachte und seine Turbokonjunktur wieder unter Volldampf setzte, haben die Brics heute wenig Spielraum. Sie haben es mit starken Währungen, Inflation, Defiziten und Immobilienblasen zu tun. Die will man in Peking, Moskau, Delhi und andernorts nicht zusätzlich anheizen.
Brics-Staaten kämpfen gegen Konjunktureinbruch
Dennoch wird gegengesteuert, um keinen Einbruch der Konjunktur zu riskieren. In China hat die politische Führung erste Lockerungen der Kapitalvorschriften angeordnet.
Brasiliens Zentralbank hat am 7. März den Leitzins überraschend stark um 75 Basispunkte auf 9,75 Prozent gesenkt. Das war die fünfte Lockerung der Zinszügel seit August. Lateinamerikas größte Volkswirtschaft wird von einer Mischung aus hohen Steuern und Löhnen sowie einer starken Währung gebremst. Die Industrieproduktion ging im Januar im Monatsvergleich um 2,1 Prozent zurück. Und die Kreditvergabe der Banken an die Industrie bremste im Februar auf den geringsten Zuwachs in zwei Jahren ab.
Und China macht derzeit nicht nur dem Westen Sorge. Das Reich der Mitte kauft in großem Umfang Eisenerz und Sojabohnen von Brasilien, Eisenerz, Magnesium, Kupfer und andere Metalle von Südafrika sowie Kupfer von Indien. Nicht zu vergessen, die vielen Luxusautos aus Deutschland und anderen westlichen Ländern. Hat China ein Problem, bekommen das auch die Brics-Partner kräftig zu spüren. Deshalb hat zuletzt die Meldung des nationalen Statistikbüros in Peking für Unruhe gesorgt, wonach die Gewinne in Chinas Industriefirmen in der Periode Januar bis Februar gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent zurückgingen. 2011 waren sie noch um 25 Prozent gestiegen
Doch China-Experten wie Jun Ma von der Deutsche Bank sagen, es sei zu früh, auf eine harte Landung im Reich der Mitte zu spekulieren. Ma erwartet eine Erholung der Exporte aus der Volksrepublik.
Eine Schubumkehr in den Brics- sprich eine weitere Abschwächung der Schwellenmärkte - hätte für die ganze Weltwirtschaft gravierende Folgen. Seit 2010 waren sie die Zugmaschine in einer globalen Wirtschaft "zweier Geschwindigkeiten". Doch im Januar korrigierte der IWF seine Schwellenmarktprognose für 2012 um 0,7 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent. Im Vorjahr waren die aufstrebenden Märkte noch um 6,2 Prozent gewachsen.
Die Brics haben in der deutschen Wirtschaft seit Jahren für erfreuliche Exportzahlen gesorgt, allen widrigen Bedingungen im Welthandel zum Trotz. Im vergangenen Jahr setzten deutsche Unternehmen in Brasilien, Russland, Indien und China Waren für 100 Milliarden Euro ab. Deutsche Markenartikel sind dort laut einer Studie des Kölner Unternehmensberaters GlobeOne mit Abstand die begehrtesten Produkte.
Die deutschen Ausfuhren in die USA waren zuletzt mit lediglich 66 Milliarden Euro nur noch fast halb so groß wie die Brics-Exporte. Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft vom August entfachten die Brics in sieben Jahren seit 2002 einen größeren Importsog für die globale Wirtschaft als die USA. Ihr Anteil am globalen Importvolumen stieg von knapp 6 Prozent im Jahr 2000 auf zuletzt 14 Prozent an
* MM
Der Konjunkturmotor in den Brics-Ländern Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika stottert. Sie haben sich in den vergangenen Monaten vom Zugpferd zum Sorgenkind der globalen Konjuntur entwickelt, wenn man von Europa einmal absieht
Doch auf ihrem vierten Gruppen-Gipfel heute in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi zurren sie den Rahmen für die erste globale Organisation außerhalb des Westens, die nicht nur ökonomisch ein Schwergewicht werden könnte. Die Brics wollen eine gemeinsame Entwicklungsbank starten, die grenzübergreifend große Projekte fördern kann.
Sie wollen außerdem mit der Vernetzung ihrer jungen, aber rasant wachsenden Kapitalmärkte beginnen, indem sie wichtige Aktienindizes gegenseitig listen und darauf Derivate in der jeweiligen Landeswährung ausgeben. Das kann wichtiges Kapital binden, das der Entwicklung der eigenen Finanzmärkte dient und nicht in den Westen abfließt.
Die Brics wollen auch einen Vorstoß von China realisieren: Es geht um die Vergabe von Krediten in der chinesischen Landeswährung Renminbi (Yuan) an die übrigen Gruppenmitglieder. Dies ist einer der zentralen Schritte, die China beim Aufbau seiner Währung - zuerst zu einer weit verbreiteten Handelswährung und dann zu einer Reservewährung - plant. Zahlreiche indische Firmen treiben bereits Projekte in China mit Yuan-Krediten voran.
Finanzkrise liefert Steilvorlage für Verschiebung der globalen Gewichte
Die Gruppierung ist jung, sie hat keinesfalls so stark überlappende Interessen, wie es von außen manchmal erscheint. Und sie muss erst einmal gemeinsame Institutionen entwickeln und außenpolitische Ziele formulieren, bevor sie über ihre Grenzen hinaus auf der globalen Bühne Gewicht bekommen kann.
Doch die Brics machen sich entschieden dazu auf, aus der Steilvorlage, die ihnen die Finanzkrise lieferte - eine beschleunigte Verschiebung der globalen Gewichte - einen gemeinsamen Nutzen zu ziehen. Der Anfang ist bescheiden, aber die Wucht der Entwicklung kann die Weltordnung verändern.
So addiert sich der Außenhandel zwischen den fünf Brics derzeit auf 230 Milliarden Dollar. Das ist nur ein Sechstel der deutschen Exporte, die 2011 erstmals die Marke von einer Billion Euro überwanden. Und während der Welthandel im Sog von Finanzkrise und großer Rezession ab 2009 einen empfindlichen Rückschlag erlitt, wuchs der Handel zwischen den Brics um 28 Prozent pro Jahr.
Viel steht auf dem Spiel, wenn Indiens Premier heute nacheinander mit den Regierungschefs der Partnerländer konferiert: Es geht um die eingetrübte Weltwirtschaft, die Reform internationaler Institutionen wie den Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie sichere Energieversorgung und die Produktion von genügend Nahrungsmitteln.
Legen die Brics am Ende des Gipfels mit ihrer Delhi-Deklaration nichts Konkretes auf den Tisch, was den Aufbau gemeinsamer Strukturen verspricht, könnte die Gruppierung im Jahr vier nach ihrer formalen Gründung als Schwellenmarkt-Schwatzbude abgetan werden.
Falls sich die genannten Pläne konkretisieren, könnte das jedoch der Anfang einer neuen internationalen Finanzarchitektur werden. Weitere Schwellenmärkte wie die Türkei, Indonesien, Mexiko und Argentinien stehen bereits in den Starlöchern für eine G7 oder G8 der künftigen Märkte.
Brics wollen sich von der Vorherrschaft des Dollar lösen
Die Mitglieder der Gruppe haben starke Ansatzpunkte, um gemeinsame Pläne zu entwickeln und zusammen Außenpolitik zu betreiben. Zum Beispiel den Wunsch, die globale Ordnung nicht länger von Europa und den USA dominieren zu lassen. Oder sich von der Vorherrschaft des Dollars zu lösen. Dessen Schwäche treibt ihre Währungen in die Höhe und erschwert die Exporte.
Und die ultra-lockere Geldpolitik der US-Notenbank hat einen Tsunami von Kapital in die Schwellenmärkte in Bewegung gesetzt, die zu einer Blase der Immobilienmärkte führte, die Inflation anheizte und mit strikter Geldpolitik in den Brics bekämpft werden musste. Brasiliens Handels- und Industrieminister Fernando Pimentel kündigte am Mittwoch an, in der Abschlusserklärung für diesen Brics-Gipfel die "unfaire Geldpolitik" in Europa und den USA zu thematisieren. Das dürfte die globale Konfrontation über das, was Brasiliens Regierung bereits vor zwei Jahren als Währungskrieg bezeichnet hatte, verschärfen.
"Die Brics sind in ihrem Frust über den Dollar vereint, für jedes Brics-Mitglied sind die USA der wichtigste Handelspartner", erklärt Brahma Chellaney, Professor für strategische Studien am Center for Policy Research in Neu-Delhi. Doch bevor die Gruppe ein ernst zu nehmender Lobbyist für die Reform internationaler Organisationen werden kann, muss sie zunächst ihr eigenes Gleichgewicht finden. Das wird schwierig sein.
China wirft mit seinem Gewicht - und der Wucht seiner Entwicklung - schon jetzt einen langen Schatten in den Brics. Es will die neue Entwicklungsbank dominieren, was Indien und Russland nicht gerne sehen. Und während ein verstärkter Außenhandel - in Renminbi abgerechnet - zwischen den Brics allen Mitgliedern helfen würde, sich etwas vom Greenback zu lösen, ist Chinas Yuan keinesfalls eine makellose Alternative.
Die Unterbewertung des Yuan, so Chellaney, "untergräbt im Zusammenspiel mit Exportsubventionen im Reich der Mitte systematisch das Verarbeitende Gewerbe in anderen Brics-Ländern, vor allem in Indien und Brasilien. Mehr noch: China ist im Vergleich mit seinen Brics-Partnern eine Status-Quo-Macht, die Indien nicht gerne im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sehen würde. Peking würde viel lieber das einzige Land Asiens mit einem permanenten Sitz in dem wichtigen Gremium sein.
Kurzfristig besteht die größte Herausforderung der Brics darin, ihre Konjunkturen wieder anzukurbeln. "Die Schwellenmärkte sind zwar immer noch die Lokomotive des globalen Zuges", sagt Pimco-Chef Mohamed El-Erian, "aber der Zug fährt jetzt langsamer." Ähnlich sieht das der Ökonom Eswar Prasad von der Cornell-Universität. "Die Last, das Wachstum der Welt auf ihrem Rücken zu tragen, macht den Schwellenmarkt-Volkswirtschaften zu schaffen", sagt Prasad.
Das Problem ist: Anders als vor vier Jahren, als China im Verhältnis zur Größe seiner Volkswirtschaft das weltweit größte Stimuluspaket auf den Weg brachte und seine Turbokonjunktur wieder unter Volldampf setzte, haben die Brics heute wenig Spielraum. Sie haben es mit starken Währungen, Inflation, Defiziten und Immobilienblasen zu tun. Die will man in Peking, Moskau, Delhi und andernorts nicht zusätzlich anheizen.
Brics-Staaten kämpfen gegen Konjunktureinbruch
Dennoch wird gegengesteuert, um keinen Einbruch der Konjunktur zu riskieren. In China hat die politische Führung erste Lockerungen der Kapitalvorschriften angeordnet.
Brasiliens Zentralbank hat am 7. März den Leitzins überraschend stark um 75 Basispunkte auf 9,75 Prozent gesenkt. Das war die fünfte Lockerung der Zinszügel seit August. Lateinamerikas größte Volkswirtschaft wird von einer Mischung aus hohen Steuern und Löhnen sowie einer starken Währung gebremst. Die Industrieproduktion ging im Januar im Monatsvergleich um 2,1 Prozent zurück. Und die Kreditvergabe der Banken an die Industrie bremste im Februar auf den geringsten Zuwachs in zwei Jahren ab.
Und China macht derzeit nicht nur dem Westen Sorge. Das Reich der Mitte kauft in großem Umfang Eisenerz und Sojabohnen von Brasilien, Eisenerz, Magnesium, Kupfer und andere Metalle von Südafrika sowie Kupfer von Indien. Nicht zu vergessen, die vielen Luxusautos aus Deutschland und anderen westlichen Ländern. Hat China ein Problem, bekommen das auch die Brics-Partner kräftig zu spüren. Deshalb hat zuletzt die Meldung des nationalen Statistikbüros in Peking für Unruhe gesorgt, wonach die Gewinne in Chinas Industriefirmen in der Periode Januar bis Februar gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent zurückgingen. 2011 waren sie noch um 25 Prozent gestiegen
Doch China-Experten wie Jun Ma von der Deutsche Bank sagen, es sei zu früh, auf eine harte Landung im Reich der Mitte zu spekulieren. Ma erwartet eine Erholung der Exporte aus der Volksrepublik.
Eine Schubumkehr in den Brics- sprich eine weitere Abschwächung der Schwellenmärkte - hätte für die ganze Weltwirtschaft gravierende Folgen. Seit 2010 waren sie die Zugmaschine in einer globalen Wirtschaft "zweier Geschwindigkeiten". Doch im Januar korrigierte der IWF seine Schwellenmarktprognose für 2012 um 0,7 Prozentpunkte auf 5,4 Prozent. Im Vorjahr waren die aufstrebenden Märkte noch um 6,2 Prozent gewachsen.
Die Brics haben in der deutschen Wirtschaft seit Jahren für erfreuliche Exportzahlen gesorgt, allen widrigen Bedingungen im Welthandel zum Trotz. Im vergangenen Jahr setzten deutsche Unternehmen in Brasilien, Russland, Indien und China Waren für 100 Milliarden Euro ab. Deutsche Markenartikel sind dort laut einer Studie des Kölner Unternehmensberaters GlobeOne mit Abstand die begehrtesten Produkte.
Die deutschen Ausfuhren in die USA waren zuletzt mit lediglich 66 Milliarden Euro nur noch fast halb so groß wie die Brics-Exporte. Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft vom August entfachten die Brics in sieben Jahren seit 2002 einen größeren Importsog für die globale Wirtschaft als die USA. Ihr Anteil am globalen Importvolumen stieg von knapp 6 Prozent im Jahr 2000 auf zuletzt 14 Prozent an
* MM
Bric-Staaten deutlich im Minus
Weniger optimistische Daten kamen diesmal aus China: Die Regierung musste ihr Wachstumsziel nach unten korrigieren. Hintergrund dafür sind weniger Exporte und eine sinkende Inlandsnachfrage. Überraschenderweise wies China sogar ein Handelsdefizit auf, d.h. es wurden mehr Waren importiert als exportiert. Hinzu kommen eine weitere Abnahme des Produktionswachstums und enttäuschende Zahlen vom Immobilienmarkt. All dies führte dazu, dass der chinesische Shanghai SE Composite mit einem Verlust von 6,8 Prozent zu den größten Verlierern im März gehörte. Aber auch Indien konnte mit minus 2 Prozent nicht überzeugen. Dort ist das BIP-Wachstum auf ein 3-Jahres-Tief gefallen. Entsprechende Gegenmaßnahmen (Reservesatzsenkungen) wurden eingeläutet. Betrachtete man daneben noch die russische (-5,6 Prozent) und die brasilianische Börse (-2 Prozent), so stellt sich heraus, dass die BRIC-Staaten einer der großen Verlierer des Monats waren.
Hält man sich allerdings vor Augen, dass in China die Inflationsrate nun deutlich unter der Zielinflation von 4 Prozent liegt und der Mindestreservesatz der Banken noch recht hoch ist, kann man davon ausgehen, dass dieser demnächst gesenkt werden wird. Immerhin ist der jüngste chinesische Einkaufsmanagerindex deutlich positiver ausgefallen als erwartet. Ein Rebound ist hier also durchaus möglich.
Weniger optimistische Daten kamen diesmal aus China: Die Regierung musste ihr Wachstumsziel nach unten korrigieren. Hintergrund dafür sind weniger Exporte und eine sinkende Inlandsnachfrage. Überraschenderweise wies China sogar ein Handelsdefizit auf, d.h. es wurden mehr Waren importiert als exportiert. Hinzu kommen eine weitere Abnahme des Produktionswachstums und enttäuschende Zahlen vom Immobilienmarkt. All dies führte dazu, dass der chinesische Shanghai SE Composite mit einem Verlust von 6,8 Prozent zu den größten Verlierern im März gehörte. Aber auch Indien konnte mit minus 2 Prozent nicht überzeugen. Dort ist das BIP-Wachstum auf ein 3-Jahres-Tief gefallen. Entsprechende Gegenmaßnahmen (Reservesatzsenkungen) wurden eingeläutet. Betrachtete man daneben noch die russische (-5,6 Prozent) und die brasilianische Börse (-2 Prozent), so stellt sich heraus, dass die BRIC-Staaten einer der großen Verlierer des Monats waren.
Hält man sich allerdings vor Augen, dass in China die Inflationsrate nun deutlich unter der Zielinflation von 4 Prozent liegt und der Mindestreservesatz der Banken noch recht hoch ist, kann man davon ausgehen, dass dieser demnächst gesenkt werden wird. Immerhin ist der jüngste chinesische Einkaufsmanagerindex deutlich positiver ausgefallen als erwartet. Ein Rebound ist hier also durchaus möglich.
Schatten über den Bric-Staaten
Das globale Wirtschaftswachstum wird vor allem von Brasilien, Russland, China und Indien getragen. Doch in ihrer Einstellung zum Außenhandel sind die sogenannten Bric-Länder äußerst unterschiedlich – was Folgen haben wird für ihre jeweilige wirtschaftliche Zukunft
Es war ein genialer Marketing-Schachzug, als der damalige Goldman Sachs-Chefvolkswirt Jim O’Neill 2004 für seine Studie über die Wachstumsausschichten der Weltwirtschaft bis zum Jahr 2050 das Akronym Bric erfand. Seitdem sprechen wir von den vier Bric-Ländern Brasilien, Russland, Indien und China, die mit hohen Wachstumsraten die traditionelle Geographie der Weltwirtschaft umpflügen
Die Studie konfrontierte die industriell entwickelten Länder des Westens mit der Tatsache ihrer abnehmenden wirtschaftlichen Bedeutung. Doch der Westen brauchte lange, um die neue Rolle der Schwellenländer zu akzeptieren. Zwar hatten die G7 ihre jährlichen Weltwirtschaftsgipfel schon damals um Russland zu den G8 erweitert. Aber das leitende Motiv dahinter war nicht die wirtschaftliche Bedeutung Russlands. Russlands Volkswirtschaft war vielmehr kollabiert nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Die Aufnahme in die G8 sollte vielmehr die einstige Supermacht Russland über ihren politischen Abstieg hinwegtrösten und politisch einzubinden.
Es bedurfte erst noch der globalen Finanzkrise, bis sich der elitäre Club für China, Indien, Indonesien oder auch den weltgrößten Erdölproduzenten Saudi Arabien öffnete. Erst der vor allem in den USA und Europa spürbare globale wirtschaftliche Einbruch nach der Lehman-Pleite 2008 beendete den anachronistischen Zustand, die G8 erweiterten sich zu den G20-Treffen.
Neue Studie des Weltwirtschaftsforums: Global Enabling Trade Report
Doch zugleich suggeriert der Begriff Bric eine Einheitlichkeit zwischen den vier Schwellenländern, die in Wirklichkeit nicht existiert. Sie sind politisch und wirtschaftlich unterschiedlich: das früher sozialistische und immer noch autoritär geführte rohstoffreiche Russland; das nominal noch immer sozialistische und nicht minder autoritäre China, das inzwischen zum Exportweltmeister gemausert hat; das demokratische Indien, das de facto von Familiencliquen regiert wird wie ein semifeudaler Staat und wirtschaftliche Stärken eher im Service-Bereich hat; und das, nach 20-jährigem Intermezzo einer Militärdiktatur seit 1984 ebenfalls demokratische und vor allem an Rohstoffen reiche Brasilien.
Interessant ist es, diese Länder einmal in Bezug darauf zu untersuchen, wie sie ihren Außenhandel fördern. Vor wenigen Tagen ist dazu der neue Global Enabling Trade Report erschienen, den das Weltwirtschaftsforum in Davos (WEF) seit 2008 im Zweijahresrhythmus veröffentlicht. Der leitende Gedanke dahinter: Länder, die Importe und Exporte erleichtern und Protektionismus bekämpfen, tragen damit zur besseren weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung beitragen, was langfristig den nationalen und internationalen Wohlstand erhöht
Das WEF erstellt dazu ein Ranking von insgesamt 132 Ländern auf Basis eines sogenannten Enabling Trade Indexes (ETI), der wiederum zusammengesetzt ist aus den vier Unterindikatoren Marktzugang (für Importe und Exporte), Grenzabfertigung (Effizienz von Zolladministration, Import-Export-Verfahren, Transparenz), Transport- und Kommunikations-Infrastruktur sowie dem Business-Umfeld (Regulierung und Sicherheit). Der Rang auf dieser Liste ist insofern auch ein Indikator über die Qualität staatlicher Wirtschafts- und Außenhandelspolitik.
Aufschlussreich ist, dass die Bric-Länder hier trotz ihrer global wichtigen Rolle nicht auf den vorderen Plätzen liegen. Das Ranking führen Länder an mit einem hohen Anteil der Außenwirtschaft an ihrer wirtschaftlichen Leistung. Das sind vor allem die Stadtstaaten Singapur (Platz 1), Hongkong (2) und Luxemburg (10) sowie kleine Länder wie Neuseeland (5), Holland (7), die Schweiz (8), Kanada (9) sowie die skandinavischen Länder (Plätze 3, 4, 6, 12). Bestes größeres Land ist Großbritannien mit Platz 11, Deutschland liegt mit Platz 13 ebenfalls auf einem vorderen Platz.
Dass die entwickelten Länder die vorderen Plätze einnehmen, ist eigentlich selbstverständlich – ihre Administration sowie Transport- und Kommunikations-Infrastruktur ist aufgrund ihres höheren Entwicklungsniveaus von höherer Qualität. Dass Staaten wie Singapur und Hongkong, die vor einem halben Jahrhundert noch Entwicklungsländer waren, heute die Rangliste anführen, zeigt, dass eine positive Einstellung zum Handel langfristig Wohlstand bringt.
Die Bric-Rangliste: China 57, Brasilien 84, Indien 100 und Russland 112
Das Ranking lässt auch Erkenntnisse über die wirtschaftliche Zukunft der Bric-Staaten zu. Denn deren prognostizierte wirtschaftlich zunehmende Bedeutung ist kein Selbstlauf, sondern wird wesentlich von der Qualität der staatlichen Wirtschafts- und Außenhandelspolitik mitbestimmt.
Unter den Bric schneidet China mit Platz 57 noch am besten ab. Die Volksrepublik zeichnet sich positiv durch eine hohe Verfügbarkeit und Qualität im Transport-Service aus. Die eigentliche Transport-Infrastruktur ist trotz gewaltiger Investitionen in den vergangenen Jahren jedoch noch ausbaufähig. Ihre Export-Import-Verfahren gelten als ziemlich effizient, die Gebühren für Export und Importe zählen zu den niedrigsten der Welt. Negativ schlagen die immer noch hohen Importzölle von im Schnitt fast zwölf Prozent zu Buche
Mit einigem Abstand folgt Brasilien. Obwohl das lateinamerikanische Land eine wichtige Rolle als Exporteur von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Produkten spielt, konstatieren die WEF-Experten bei ihm ein hohes Ausmaß an Protektionismus – etwa ebenso hohe Zölle wie in China, dazu eine ineffiziente Zoll-Administration und hohe Gebühren für Export und Import. Auch die Transportinfrastruktur lässt zu wünschen übrig, das Business-Umfeld leidet unter einer hohen Belastung durch Kriminalität. Damit kommt Brasilien nur auf Platz 84.
Genau diesen Platz hatte Indien noch im Ranking vor zwei Jahren inne. Jedoch hat sich das Wirtschaftsumfeld dort in den vergangenen zwei Jahren so verschlechtert, dass das Land auf Platz 100 abgestürzt ist – eine schallende Ohrfeige für die politisch Verantwortlichen in Delhi, die die Reformerwartungen nicht erfüllen. Die WEF-Experten monieren insbesondere Mängel beim Schutz von Eigentumsrechten, Korruption, unzulässigen Einfluss auf Regierungs- und Gerichtsentscheidungen sowie hohe Barrieren für ausländische Investoren und Importeure. Die Zölle etwa betragen im Schnitt etwa 13 Prozent, für Agrarprodukte sogar 42 Prozent. Lobende Worte finden sie nur für die Handelsfinanzierung und die Transportmöglichkeiten mittels der Eisenbahn.
Am schlechtesten unter Bric-Staaten schneidet jedoch Russland ab mit Platz 112. Ursächlich dafür sind hohe Zölle mit eine unübersichtlichen, komplizierten Struktur, eine der bürokratischsten Zollabfertigungen auf der Welt, schlechtes regulatorische Umfeld und eine miese Behandlung ausländischer Investoren. Hoffnung gibt nur der Beitritt zur WTO zu Beginn des Jahres, der etwas Abhilfe schaffen könnte.
Die unterschiedlichen Positionen auf dieser Rangliste lassen darauf schließen, dass sich die Bric-Staaten in Zukunft weiter differenzieren werden. Zwar ist in allen vier während der vergangenen Jahre eine wachsende neue Mittelschicht entstanden, die für kaufkräftige Nachfrage sorgt und aus der sich qualifizierte Arbeitskräfte rekrutieren. Aufgrund der unterschiedlichen Qualität der staatlichen Wirtschaftspolitik werden diese Länder aber unterschiedliche Entwicklungspfade einschlagen, wenn sich daran nichts bessert.
Eine gewisse Selbstgenügsamkeit
China dürfte noch am ehesten die Erwartungen erfüllen. Brasilien wird sein Rohstoffreichtum helfen, genauso wie Russland, das ohne sein Gas und Öl längst zu den Absteigern gehören würde. Das mit Rohstoffen weniger gesegnete Indien jedoch bringt sich nur ungenügend in die weltwirtschaftliche Arbeitsteilung ein. Wenn dies die Politiker in Delhi weiter ignorieren, wird Indien nicht die leuchtende Zukunft haben, von der die Inder träumen.
Denn die Geschichte zeigt: Große Länder neigen zu einer gewissen Selbstgenügsamkeit, da sie aufgrund ihres Markvolumens weniger auf Außenhandel angewiesen sind. Doch sie verschlechtern damit ihre langfristigen Wachstumsaussichten. Nicht nur, weil sie Chancen auf Auslandsmärkten ignorieren, sondern vor allem, weil sie so ihre nationalen Unternehmen vor ausländischer Konkurrenz schützen, was deren internationale Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt
Die Bric-Länder haben in dieser Hinsicht noch viele Reformen nötig, um ein Wettbewerbsklima für ihre Unternehmen zu schaffen, das sie fit für den globalen Wettbewerb macht. Was die Offenheit ihrer eigenen Märkte betrifft, liegen sie alle im letzten Drittel der Rangliste: China auf Platz 97, Brasilien 101, Russland 125 und Indien mit Rang 130 sogar nur auf dem drittletzten Platz
* wiwo.de
Es war ein genialer Marketing-Schachzug, als der damalige Goldman Sachs-Chefvolkswirt Jim O’Neill 2004 für seine Studie über die Wachstumsausschichten der Weltwirtschaft bis zum Jahr 2050 das Akronym Bric erfand. Seitdem sprechen wir von den vier Bric-Ländern Brasilien, Russland, Indien und China, die mit hohen Wachstumsraten die traditionelle Geographie der Weltwirtschaft umpflügen
Die Studie konfrontierte die industriell entwickelten Länder des Westens mit der Tatsache ihrer abnehmenden wirtschaftlichen Bedeutung. Doch der Westen brauchte lange, um die neue Rolle der Schwellenländer zu akzeptieren. Zwar hatten die G7 ihre jährlichen Weltwirtschaftsgipfel schon damals um Russland zu den G8 erweitert. Aber das leitende Motiv dahinter war nicht die wirtschaftliche Bedeutung Russlands. Russlands Volkswirtschaft war vielmehr kollabiert nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion. Die Aufnahme in die G8 sollte vielmehr die einstige Supermacht Russland über ihren politischen Abstieg hinwegtrösten und politisch einzubinden.
Es bedurfte erst noch der globalen Finanzkrise, bis sich der elitäre Club für China, Indien, Indonesien oder auch den weltgrößten Erdölproduzenten Saudi Arabien öffnete. Erst der vor allem in den USA und Europa spürbare globale wirtschaftliche Einbruch nach der Lehman-Pleite 2008 beendete den anachronistischen Zustand, die G8 erweiterten sich zu den G20-Treffen.
Neue Studie des Weltwirtschaftsforums: Global Enabling Trade Report
Doch zugleich suggeriert der Begriff Bric eine Einheitlichkeit zwischen den vier Schwellenländern, die in Wirklichkeit nicht existiert. Sie sind politisch und wirtschaftlich unterschiedlich: das früher sozialistische und immer noch autoritär geführte rohstoffreiche Russland; das nominal noch immer sozialistische und nicht minder autoritäre China, das inzwischen zum Exportweltmeister gemausert hat; das demokratische Indien, das de facto von Familiencliquen regiert wird wie ein semifeudaler Staat und wirtschaftliche Stärken eher im Service-Bereich hat; und das, nach 20-jährigem Intermezzo einer Militärdiktatur seit 1984 ebenfalls demokratische und vor allem an Rohstoffen reiche Brasilien.
Interessant ist es, diese Länder einmal in Bezug darauf zu untersuchen, wie sie ihren Außenhandel fördern. Vor wenigen Tagen ist dazu der neue Global Enabling Trade Report erschienen, den das Weltwirtschaftsforum in Davos (WEF) seit 2008 im Zweijahresrhythmus veröffentlicht. Der leitende Gedanke dahinter: Länder, die Importe und Exporte erleichtern und Protektionismus bekämpfen, tragen damit zur besseren weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung beitragen, was langfristig den nationalen und internationalen Wohlstand erhöht
Das WEF erstellt dazu ein Ranking von insgesamt 132 Ländern auf Basis eines sogenannten Enabling Trade Indexes (ETI), der wiederum zusammengesetzt ist aus den vier Unterindikatoren Marktzugang (für Importe und Exporte), Grenzabfertigung (Effizienz von Zolladministration, Import-Export-Verfahren, Transparenz), Transport- und Kommunikations-Infrastruktur sowie dem Business-Umfeld (Regulierung und Sicherheit). Der Rang auf dieser Liste ist insofern auch ein Indikator über die Qualität staatlicher Wirtschafts- und Außenhandelspolitik.
Aufschlussreich ist, dass die Bric-Länder hier trotz ihrer global wichtigen Rolle nicht auf den vorderen Plätzen liegen. Das Ranking führen Länder an mit einem hohen Anteil der Außenwirtschaft an ihrer wirtschaftlichen Leistung. Das sind vor allem die Stadtstaaten Singapur (Platz 1), Hongkong (2) und Luxemburg (10) sowie kleine Länder wie Neuseeland (5), Holland (7), die Schweiz (8), Kanada (9) sowie die skandinavischen Länder (Plätze 3, 4, 6, 12). Bestes größeres Land ist Großbritannien mit Platz 11, Deutschland liegt mit Platz 13 ebenfalls auf einem vorderen Platz.
Dass die entwickelten Länder die vorderen Plätze einnehmen, ist eigentlich selbstverständlich – ihre Administration sowie Transport- und Kommunikations-Infrastruktur ist aufgrund ihres höheren Entwicklungsniveaus von höherer Qualität. Dass Staaten wie Singapur und Hongkong, die vor einem halben Jahrhundert noch Entwicklungsländer waren, heute die Rangliste anführen, zeigt, dass eine positive Einstellung zum Handel langfristig Wohlstand bringt.
Die Bric-Rangliste: China 57, Brasilien 84, Indien 100 und Russland 112
Das Ranking lässt auch Erkenntnisse über die wirtschaftliche Zukunft der Bric-Staaten zu. Denn deren prognostizierte wirtschaftlich zunehmende Bedeutung ist kein Selbstlauf, sondern wird wesentlich von der Qualität der staatlichen Wirtschafts- und Außenhandelspolitik mitbestimmt.
Unter den Bric schneidet China mit Platz 57 noch am besten ab. Die Volksrepublik zeichnet sich positiv durch eine hohe Verfügbarkeit und Qualität im Transport-Service aus. Die eigentliche Transport-Infrastruktur ist trotz gewaltiger Investitionen in den vergangenen Jahren jedoch noch ausbaufähig. Ihre Export-Import-Verfahren gelten als ziemlich effizient, die Gebühren für Export und Importe zählen zu den niedrigsten der Welt. Negativ schlagen die immer noch hohen Importzölle von im Schnitt fast zwölf Prozent zu Buche
Mit einigem Abstand folgt Brasilien. Obwohl das lateinamerikanische Land eine wichtige Rolle als Exporteur von Rohstoffen und landwirtschaftlichen Produkten spielt, konstatieren die WEF-Experten bei ihm ein hohes Ausmaß an Protektionismus – etwa ebenso hohe Zölle wie in China, dazu eine ineffiziente Zoll-Administration und hohe Gebühren für Export und Import. Auch die Transportinfrastruktur lässt zu wünschen übrig, das Business-Umfeld leidet unter einer hohen Belastung durch Kriminalität. Damit kommt Brasilien nur auf Platz 84.
Genau diesen Platz hatte Indien noch im Ranking vor zwei Jahren inne. Jedoch hat sich das Wirtschaftsumfeld dort in den vergangenen zwei Jahren so verschlechtert, dass das Land auf Platz 100 abgestürzt ist – eine schallende Ohrfeige für die politisch Verantwortlichen in Delhi, die die Reformerwartungen nicht erfüllen. Die WEF-Experten monieren insbesondere Mängel beim Schutz von Eigentumsrechten, Korruption, unzulässigen Einfluss auf Regierungs- und Gerichtsentscheidungen sowie hohe Barrieren für ausländische Investoren und Importeure. Die Zölle etwa betragen im Schnitt etwa 13 Prozent, für Agrarprodukte sogar 42 Prozent. Lobende Worte finden sie nur für die Handelsfinanzierung und die Transportmöglichkeiten mittels der Eisenbahn.
Am schlechtesten unter Bric-Staaten schneidet jedoch Russland ab mit Platz 112. Ursächlich dafür sind hohe Zölle mit eine unübersichtlichen, komplizierten Struktur, eine der bürokratischsten Zollabfertigungen auf der Welt, schlechtes regulatorische Umfeld und eine miese Behandlung ausländischer Investoren. Hoffnung gibt nur der Beitritt zur WTO zu Beginn des Jahres, der etwas Abhilfe schaffen könnte.
Die unterschiedlichen Positionen auf dieser Rangliste lassen darauf schließen, dass sich die Bric-Staaten in Zukunft weiter differenzieren werden. Zwar ist in allen vier während der vergangenen Jahre eine wachsende neue Mittelschicht entstanden, die für kaufkräftige Nachfrage sorgt und aus der sich qualifizierte Arbeitskräfte rekrutieren. Aufgrund der unterschiedlichen Qualität der staatlichen Wirtschaftspolitik werden diese Länder aber unterschiedliche Entwicklungspfade einschlagen, wenn sich daran nichts bessert.
Eine gewisse Selbstgenügsamkeit
China dürfte noch am ehesten die Erwartungen erfüllen. Brasilien wird sein Rohstoffreichtum helfen, genauso wie Russland, das ohne sein Gas und Öl längst zu den Absteigern gehören würde. Das mit Rohstoffen weniger gesegnete Indien jedoch bringt sich nur ungenügend in die weltwirtschaftliche Arbeitsteilung ein. Wenn dies die Politiker in Delhi weiter ignorieren, wird Indien nicht die leuchtende Zukunft haben, von der die Inder träumen.
Denn die Geschichte zeigt: Große Länder neigen zu einer gewissen Selbstgenügsamkeit, da sie aufgrund ihres Markvolumens weniger auf Außenhandel angewiesen sind. Doch sie verschlechtern damit ihre langfristigen Wachstumsaussichten. Nicht nur, weil sie Chancen auf Auslandsmärkten ignorieren, sondern vor allem, weil sie so ihre nationalen Unternehmen vor ausländischer Konkurrenz schützen, was deren internationale Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt
Die Bric-Länder haben in dieser Hinsicht noch viele Reformen nötig, um ein Wettbewerbsklima für ihre Unternehmen zu schaffen, das sie fit für den globalen Wettbewerb macht. Was die Offenheit ihrer eigenen Märkte betrifft, liegen sie alle im letzten Drittel der Rangliste: China auf Platz 97, Brasilien 101, Russland 125 und Indien mit Rang 130 sogar nur auf dem drittletzten Platz
* wiwo.de
China hat seine besten Tage hinter sich...
Zitat
China makes surprise 25 basis points interest rate cut
Diese Meldung kam gerade ueber Reuters.
Nachdem Australien, bzw. die RBA die Zinsen nochmals um ebenfalls 25 Basispunkte auf nunmehr 3,5% gesenkt hat, wird deutlich, dass es in Fernost keineswegs so laeuft, wie viele das sich wuenschen.
Ich weiss auch nicht, wer immer behauptet die BRIC Staaten koennen es besser: Der BRL (brasilianischer Real) ist gegenueber dem US dollar seit Februar um 1,000 Pips gefallen, die INR (indische Rupee) in der selben Zeit 500 Pips.
mcd
Brasilien
Mit seinem Reichtum an Rohstoffen und der konsumfreudigen Bevölkerung geht die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas einer goldenen Zukunft entgegen.
Fast bis auf die Grundmauern haben Arbeiter das Estádio Nacional de Brasilia, das Nationalstadion Brasilias, abgerissen. Aber nur, um es wieder aufzubauen. Besser, schöner und größer soll es werden. Statt 42.200 sollen hier in zwei Jahren 70.042 Zuschauer Platz haben. Dann, wenn die Nationalmannschaften aus England, Deutschland und Spanien hier um den Weltmeistertitel kicken.
Der Stadion-Neubau, der um die 240 Millionen Euro kostet, ist Teil der Vorbereitung Brasiliens auf die Fußball-WM 2014. Das Land rüstet auf. Rund 13 Milliarden Euro sind für den Ausbau der Infrastruktur geplant. 2 Milliarden davon gehen in neue, bessere Stadien, 4,5 Milliarden in den städtischen Nahverkehr, noch mal 2 Milliarden Euro in ausgebaute Flug- und Seehäfen. Der Rest wandert unter anderem in neue Hotels.
Die brasilianische Regierung schätzt, dass das Großereignis der heimischen Wirtschaft einen Gewinn von etwa 71 Milliarden Euro bescheren wird. Wichtiger noch: 710.000 neue Jobs werden geschaffen, 330.000 davon dauerhaft. Die Gehälter werden um 2,6 Milliarden Euro steigen. Und das ist gut für den Konsum.
„Konsum ist der Haupttreiber des Wachstums der brasilianischen Wirtschaft“, sagt Victor Arakaki, Produktspezialist im Management-Team des HSBC GIF Brazil Equity. „Die Ausgaben des Staates und der privaten Haushalte machen derzeit rund 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.“ Die Mittelschicht wächst weiter. Etwa 30 Millionen der insgesamt 195 Millionen Einwohner können jetzt mehr Geld für Wein, Handys oder Fernseher ausgeben. Derzeit haben nur 38 Prozent der Brasilianer einen Fernsehanschluss, 40 Prozent ein Auto.
Die Inflation geht zurück
Unterstützt wird der Konsumtrend von einer klugen Geld- und Fiskalpolitik der brasilianischen Regierung. Sie hat vor allem die Inflation in den Griff bekommen. Lag die Teuerung 1993 bei 2.477 Prozent, sind es jetzt 6,5 Prozent.
Brasilien ist nicht nur mit einem anziehenden Binnenkonsum gesegnet, sondern auch mit immensen Rohstoffvorräten. Gerade wurden neue Ölfelder vor der Küste gefunden, die die Reserven um rund 8 Milliarden auf 19 Milliarden Barrel erhöhen.
Aber auch Eisenerz, Sojabohnen und Kaffee gibt es am Zuckerhut zuhauf. Größter Abnehmer ist China. Das ist angesichts des langfristigen Wachstumstrends dort zwar gut. „Wenn sich die BIP-Prognosen in China aber weiter verschlechtern, könnte das brasilianischen Rohstofftiteln schaden“, erklärt Arakaki.
Unternehmen wie der Ölkonzern Petrobas und der Bergbauriese Vale sind Schwergewichte im brasilianischen Leitindex. Sie haben mit 11,5 beziehungsweise 12,0 Prozent den größten Anteil am 68 Titel fassenden Bovespa. 2011 hat der Index aus Sicht eines Euro-Anlegers etwa 26,5 Prozent verloren, im laufenden Jahr liegt er 11,6 Prozent im Minus.
Ein Grund hierfür ist die Währung. Der Brasilianische Real hat in den vergangenen Monaten gegenüber Dollar und Euro aufgewertet, das macht der heimischen Wirtschaft zu schaffen. An dieser Stelle kommen aber die Devisenreserven Brasiliens von etwa 350 Milliarden Dollar ins Spiel. Dadurch hat es die Regierung in der Hand, die Wirtschaft zu stützen. Etwa durch die Senkung des Leitzinses um 75 Basispunkte auf zuletzt 9,75 Prozent.
Ein weiterer Grund für das schwächere Abschneiden des Aktienmarkts: „Brasilien wird nach wie vor als riskanter Markt wahrgenommen. Deshalb halten sich Anleger in risikoaversen Phasen eher zurück“, sagt Will Landers, der für Blackrock unter anderem den BGF Latin America managt. Aber: „In der Vergangenheit waren das Kaufgelegenheiten, sobald die Unsicherheiten verschwunden waren.“
Der brasilianische Aktienmarkt ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für den Bovespa von 11,94 recht günstig im Vergleich zu Indiens BSE-Index (14,45) oder Chinas Shanghai Composite Index (12,59). Die Dividendenrendite liegt mit 4,68 Prozent auf attraktivem Niveau.
Für Anleger gibt es eine Reihe von Brasilien- Fonds, die sich über die vergangenen Jahre gut entwickelt haben (siehe Tabelle). Dazu gehört der BNY Mellon Brazil Equity Fund. Manager Rogerio Poppe sucht nach liquiden Firmen mit hohen Erträgen sowie Dividendenrenditen aus wachstumsstarken Branchen.
Spitzenreiter in der Liste der Einzeltitel ist Itausa (7,7 Prozent) – eine Holding, die unter ihrem Dach Finanzfirmen, Holzvertäfeler und Keramikverarbeiter beherbergt. Dahinter reihen sich Petrobras (5,3 Prozent), der Spritkonzern Ultrapar (4,8 Prozent) und Vale (4,1 Prozent) ein. Damit sind Vale und Petrobras im Vergleich zum Bovespa deutlich untergewichtet.
Das ist auch beim HSBC-Fonds von Victor Arakaki der Fall, der beste Brasilienfonds auf Drei-Jahres-Sicht. Arakaki schaut sich mit seinem Team Unternehmensbilanzen an und nimmt gut aufgestellte Firmen mit langfristigen Wachstumschancen ins Portfolio. Aktuell gefällt ihm CCR (Anteil: 6,6 Prozent). Die Gruppe finanziert ein Infrastrukturprojekt über 2.437 Kilometer Autobahn. Die Schnellstraßen werden ausgebaut, und CCR kassiert die Maut.
Andere Titel im Portfolio profitieren vom Konsum, wie der Kaufhaus-Konzern BR Malls Participaes (5,9 Prozent) und der Lebensmittelproduzent Brasil Foods (4,3 Prozent). „Petrobras wird von vielen analysiert, da wird es schwierig, einen Mehrwert für Anleger zu erreichen“, sagt Ansgar Guseck, Vorstand bei Sauren Fonds-Research. „Die spannenderen Geschichten finden sich in der zweiten und dritten Reihe.“
Anleger sollten sich aber bewusst sein, dass der brasilianische Markt relativ stark schwankt – über die vergangenen 250 Handelstage lag die Volatilität bei 25,8 Prozent im Vergleich zu 19 Prozent beim Shanghai Composite und 20,1 Prozent beim indischen Sensex. Damit ist auch die Performance von Brasilien-Fonds nicht schwankungsarm.
„Die Volatilität eines Fonds ist bei der Einschätzung des tatsächlichen Risikos für uns nicht so interessant, wenn wir Produkte für die Sauren- Dachfonds auswählen“, so Guseck. Ökonomische Risiken stünden im Vordergrund. „Wenn ich mir Brasilien ins Portfolio hole, bin ich indirekt auch den Entwicklungen in China ausgesetzt, weil China der wichtigste Handelspartner Brasiliens ist. Darüber muss man sich im Klaren sein.“
Fast bis auf die Grundmauern haben Arbeiter das Estádio Nacional de Brasilia, das Nationalstadion Brasilias, abgerissen. Aber nur, um es wieder aufzubauen. Besser, schöner und größer soll es werden. Statt 42.200 sollen hier in zwei Jahren 70.042 Zuschauer Platz haben. Dann, wenn die Nationalmannschaften aus England, Deutschland und Spanien hier um den Weltmeistertitel kicken.
Der Stadion-Neubau, der um die 240 Millionen Euro kostet, ist Teil der Vorbereitung Brasiliens auf die Fußball-WM 2014. Das Land rüstet auf. Rund 13 Milliarden Euro sind für den Ausbau der Infrastruktur geplant. 2 Milliarden davon gehen in neue, bessere Stadien, 4,5 Milliarden in den städtischen Nahverkehr, noch mal 2 Milliarden Euro in ausgebaute Flug- und Seehäfen. Der Rest wandert unter anderem in neue Hotels.
Die brasilianische Regierung schätzt, dass das Großereignis der heimischen Wirtschaft einen Gewinn von etwa 71 Milliarden Euro bescheren wird. Wichtiger noch: 710.000 neue Jobs werden geschaffen, 330.000 davon dauerhaft. Die Gehälter werden um 2,6 Milliarden Euro steigen. Und das ist gut für den Konsum.
„Konsum ist der Haupttreiber des Wachstums der brasilianischen Wirtschaft“, sagt Victor Arakaki, Produktspezialist im Management-Team des HSBC GIF Brazil Equity. „Die Ausgaben des Staates und der privaten Haushalte machen derzeit rund 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.“ Die Mittelschicht wächst weiter. Etwa 30 Millionen der insgesamt 195 Millionen Einwohner können jetzt mehr Geld für Wein, Handys oder Fernseher ausgeben. Derzeit haben nur 38 Prozent der Brasilianer einen Fernsehanschluss, 40 Prozent ein Auto.
Die Inflation geht zurück
Unterstützt wird der Konsumtrend von einer klugen Geld- und Fiskalpolitik der brasilianischen Regierung. Sie hat vor allem die Inflation in den Griff bekommen. Lag die Teuerung 1993 bei 2.477 Prozent, sind es jetzt 6,5 Prozent.
Brasilien ist nicht nur mit einem anziehenden Binnenkonsum gesegnet, sondern auch mit immensen Rohstoffvorräten. Gerade wurden neue Ölfelder vor der Küste gefunden, die die Reserven um rund 8 Milliarden auf 19 Milliarden Barrel erhöhen.
Aber auch Eisenerz, Sojabohnen und Kaffee gibt es am Zuckerhut zuhauf. Größter Abnehmer ist China. Das ist angesichts des langfristigen Wachstumstrends dort zwar gut. „Wenn sich die BIP-Prognosen in China aber weiter verschlechtern, könnte das brasilianischen Rohstofftiteln schaden“, erklärt Arakaki.
Unternehmen wie der Ölkonzern Petrobas und der Bergbauriese Vale sind Schwergewichte im brasilianischen Leitindex. Sie haben mit 11,5 beziehungsweise 12,0 Prozent den größten Anteil am 68 Titel fassenden Bovespa. 2011 hat der Index aus Sicht eines Euro-Anlegers etwa 26,5 Prozent verloren, im laufenden Jahr liegt er 11,6 Prozent im Minus.
Ein Grund hierfür ist die Währung. Der Brasilianische Real hat in den vergangenen Monaten gegenüber Dollar und Euro aufgewertet, das macht der heimischen Wirtschaft zu schaffen. An dieser Stelle kommen aber die Devisenreserven Brasiliens von etwa 350 Milliarden Dollar ins Spiel. Dadurch hat es die Regierung in der Hand, die Wirtschaft zu stützen. Etwa durch die Senkung des Leitzinses um 75 Basispunkte auf zuletzt 9,75 Prozent.
Ein weiterer Grund für das schwächere Abschneiden des Aktienmarkts: „Brasilien wird nach wie vor als riskanter Markt wahrgenommen. Deshalb halten sich Anleger in risikoaversen Phasen eher zurück“, sagt Will Landers, der für Blackrock unter anderem den BGF Latin America managt. Aber: „In der Vergangenheit waren das Kaufgelegenheiten, sobald die Unsicherheiten verschwunden waren.“
Der brasilianische Aktienmarkt ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für den Bovespa von 11,94 recht günstig im Vergleich zu Indiens BSE-Index (14,45) oder Chinas Shanghai Composite Index (12,59). Die Dividendenrendite liegt mit 4,68 Prozent auf attraktivem Niveau.
Für Anleger gibt es eine Reihe von Brasilien- Fonds, die sich über die vergangenen Jahre gut entwickelt haben (siehe Tabelle). Dazu gehört der BNY Mellon Brazil Equity Fund. Manager Rogerio Poppe sucht nach liquiden Firmen mit hohen Erträgen sowie Dividendenrenditen aus wachstumsstarken Branchen.
Spitzenreiter in der Liste der Einzeltitel ist Itausa (7,7 Prozent) – eine Holding, die unter ihrem Dach Finanzfirmen, Holzvertäfeler und Keramikverarbeiter beherbergt. Dahinter reihen sich Petrobras (5,3 Prozent), der Spritkonzern Ultrapar (4,8 Prozent) und Vale (4,1 Prozent) ein. Damit sind Vale und Petrobras im Vergleich zum Bovespa deutlich untergewichtet.
Das ist auch beim HSBC-Fonds von Victor Arakaki der Fall, der beste Brasilienfonds auf Drei-Jahres-Sicht. Arakaki schaut sich mit seinem Team Unternehmensbilanzen an und nimmt gut aufgestellte Firmen mit langfristigen Wachstumschancen ins Portfolio. Aktuell gefällt ihm CCR (Anteil: 6,6 Prozent). Die Gruppe finanziert ein Infrastrukturprojekt über 2.437 Kilometer Autobahn. Die Schnellstraßen werden ausgebaut, und CCR kassiert die Maut.
Andere Titel im Portfolio profitieren vom Konsum, wie der Kaufhaus-Konzern BR Malls Participaes (5,9 Prozent) und der Lebensmittelproduzent Brasil Foods (4,3 Prozent). „Petrobras wird von vielen analysiert, da wird es schwierig, einen Mehrwert für Anleger zu erreichen“, sagt Ansgar Guseck, Vorstand bei Sauren Fonds-Research. „Die spannenderen Geschichten finden sich in der zweiten und dritten Reihe.“
Anleger sollten sich aber bewusst sein, dass der brasilianische Markt relativ stark schwankt – über die vergangenen 250 Handelstage lag die Volatilität bei 25,8 Prozent im Vergleich zu 19 Prozent beim Shanghai Composite und 20,1 Prozent beim indischen Sensex. Damit ist auch die Performance von Brasilien-Fonds nicht schwankungsarm.
„Die Volatilität eines Fonds ist bei der Einschätzung des tatsächlichen Risikos für uns nicht so interessant, wenn wir Produkte für die Sauren- Dachfonds auswählen“, so Guseck. Ökonomische Risiken stünden im Vordergrund. „Wenn ich mir Brasilien ins Portfolio hole, bin ich indirekt auch den Entwicklungen in China ausgesetzt, weil China der wichtigste Handelspartner Brasiliens ist. Darüber muss man sich im Klaren sein.“
China weiter auf Talfahrt
Erneut schlechte Konjunkturdaten aus Fernost: Die chinesische Industrie ist im Juni einer Umfrage zufolge so deutlich geschrumpft wie seit sieben Monaten nicht mehr.
Der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC sank im Juni auf 48,2 Punkte, wie endgültige Daten am Montag zeigten. Das ist der niedrigste Indexstand seit November 2011. Der Juni war damit der achte Monate in Folge mit einem Stand von unter 50 Punkten. Werte unter der Marke deuten auf ein Schrumpfen des Sektors hin, Werte darüber auf Wachstum. Grund für die trübe Lage ist vor allem die geringere Nachfrage aus Europa und Nordamerika.
Die trübe Stimmung ist nach Einschätzung von Experten der Düsseldorfer Privatbank HSBC Trinkaus vor allem eine Folge der rückläufigen Bestellungen aus Europa und den USA zurückzuführen. Mittlerweile habe der Einkaufsmanagerindex der britischen Muttergesellschaft HSBC im zweiten Quartal des laufenden Jahres den niedrigsten Durchschnitt seit dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise Anfang 2009 verzeichnet, hieß es weiter. Im Umfeld der schwachen Geschäftseinschätzung hätten auch die Ergebnisse der Detailumfrage zur Beschäftigungskomponente erneut nachgegeben, "wenn auch in geringerem Umfang als in den Vormonaten."
Bereits am Vortag hatte die China Federation of Logistics and Purchasing (CFLP) eine Stimmungseintrübung in der Industrie gemeldet. Der für Juni ermittelte Indexwert rutschte von 50,4 Punkten im Vormonat auf 50,2 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit Ende 2011. Der Rückgang des am Markt stark beachteten Index fiel aber nicht so stark aus, wie Volkswirte zuvor befürchtet hatten. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Experten hatten einen Rückgang auf 49,9 Punkte erwartet.
Auch wenn der CFLP-Indikator nicht so schlecht ausfiel wie erwartet, rechnen die Experten wegen der derzeit schwächelnden chinesischen Wirtschaft mit weiteren Maßnahmen der Regierung. "Mit Blick auf einen signifikant nachlassenden Preisdruck hat die chinesische Regierung ausreichenden Spielraum für eine stimulierende Wirtschaftspolitik", hieß es hierzu von HSBC Trinkaus.
Der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC sank im Juni auf 48,2 Punkte, wie endgültige Daten am Montag zeigten. Das ist der niedrigste Indexstand seit November 2011. Der Juni war damit der achte Monate in Folge mit einem Stand von unter 50 Punkten. Werte unter der Marke deuten auf ein Schrumpfen des Sektors hin, Werte darüber auf Wachstum. Grund für die trübe Lage ist vor allem die geringere Nachfrage aus Europa und Nordamerika.
Die trübe Stimmung ist nach Einschätzung von Experten der Düsseldorfer Privatbank HSBC Trinkaus vor allem eine Folge der rückläufigen Bestellungen aus Europa und den USA zurückzuführen. Mittlerweile habe der Einkaufsmanagerindex der britischen Muttergesellschaft HSBC im zweiten Quartal des laufenden Jahres den niedrigsten Durchschnitt seit dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise Anfang 2009 verzeichnet, hieß es weiter. Im Umfeld der schwachen Geschäftseinschätzung hätten auch die Ergebnisse der Detailumfrage zur Beschäftigungskomponente erneut nachgegeben, "wenn auch in geringerem Umfang als in den Vormonaten."
Bereits am Vortag hatte die China Federation of Logistics and Purchasing (CFLP) eine Stimmungseintrübung in der Industrie gemeldet. Der für Juni ermittelte Indexwert rutschte von 50,4 Punkten im Vormonat auf 50,2 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit Ende 2011. Der Rückgang des am Markt stark beachteten Index fiel aber nicht so stark aus, wie Volkswirte zuvor befürchtet hatten. Von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragte Experten hatten einen Rückgang auf 49,9 Punkte erwartet.
Auch wenn der CFLP-Indikator nicht so schlecht ausfiel wie erwartet, rechnen die Experten wegen der derzeit schwächelnden chinesischen Wirtschaft mit weiteren Maßnahmen der Regierung. "Mit Blick auf einen signifikant nachlassenden Preisdruck hat die chinesische Regierung ausreichenden Spielraum für eine stimulierende Wirtschaftspolitik", hieß es hierzu von HSBC Trinkaus.
Falschinformation
Zitat
Ein Grund hierfür ist die Währung. Der Brasilianische Real hat in den vergangenen Monaten gegenüber Dollar und Euro aufgewertet, das macht der heimischen Wirtschaft zu schaffen.
Vom Hochstand vor einem Jahr haben wir ca. EUR 0.45 fuer einen BRL bezahlt. Ende Mai diesen Jahres waren es nur EUR 0.38. Jetzt (heute) kostet der BRL immer nur noch unter 40 Euro Cent.
Im USD war es analog genauso.
Wer schreibt sowas? Und publiziert es auch noch? Der o.g. Ausschnitt stammt v. 28.06.12. Da haette der Redakteur besser mal vorher einen Blick auf die Charts geworfen...
mcd
etwas vergessen
Es ist nicht die Aufwertung von 5 Euro Cents, die Brasilien zu schaffen macht. Es ist das auslaendische Geld, das Brasilien Probleme bereitet. Brasilien lebt mehr oder weniger von Geldanlagen aus dem Ausland. In Krisenzeiten wird eben dieses abgezogen. So stand der Real im 3. Quartal des letzten Jahres gegen den EUR und USD hoeher als jetzt und das hat keine Probleme bereitet.
mcd
mcd
Schauen wir mal auf das 'C' in BRIC, China:
Gestrige Meldung von Reuters:
Naechste Woche erwarten wir Wirtschaftsdaten ausChina. Ist das schon ein Vorgeschmack auf schlechte Daten?
mcd
Gestrige Meldung von Reuters:
auf deutsch: voellig ueberraschend hat Peking die Zinsen um 31 Basispunkte auf nunmehr 6% gesenkt und das nur 1 Monat nach einer Zinssenkung.
Zitat
Of the three, the surprise move was from Beijing
which lowered its lending rate by 31 basis points to 6 percent following
an interest rate cut just a month ago that also came out of the blue.
Naechste Woche erwarten wir Wirtschaftsdaten ausChina. Ist das schon ein Vorgeschmack auf schlechte Daten?
mcd
Brasilien: Das Ende der Wachstumsstory?
Brasilien erlebt derzeit den stärksten Wachstumseinbruch aller Bric-Staaten. Das Land ist immer noch stärker von Rohstoffen abhängig als viele Experten glaubten – und tut zu wenig, um das zu ändern
Langsamer Walzer statt Samba: Im ersten Quartal wuchs die brasilianische Wirtschaft nur um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr – weniger als selbst die schlimmsten Pessimisten vorhergesagt hatten. Die Investitionen schrumpften sogar um 2,1 Prozent. Besserung ist nicht in Sicht. Der Einkaufsmanagerindex fiel jüngst für die Industrie wie auch den Dienstleistungssektor unter die kritische Marke von 50, die eine Kontraktion signalisiert
Die Volkswirte der HSBC revidierten daraufhin kürzlich ihre Brasilien-Prognose für das Gesamtjahr 2012 von 3,7 auf 2,5 Prozent – und sind damit immer noch optimistisch. Denn dies impliziert, dass die Konjunktur des Schwellenlandes schon bald wieder an zieht.
Der Hoffnungsträger enttäuscht
„Brasilien ist die große Enttäuschung“, konzedieren die HSBC-Ökonomen. Selbst wenn die Wirtschaft in diesem Jahr noch um 2,5 Prozent wachsen sollte, so ist das nur noch ein Drittel so viel wie 2010. Damit ist der Wachstumseinbruch in Brasilien, der nun schon das zweite Jahr in Folge anhält, der stärkste unter den Bric-Staaten. Schon 2011 hatte das größte Land Südamerikas mit 2,7 Prozent hier die Rote Laterne
Was ist bloß los mit Brasilien? Vor kurzem noch feierte alle Welt das Land als neue Wirtschaftssupermacht. Die meisten Ökonomen prognostizierten für Brasilien ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent jährlich bis 2020. 30 Millionen Einwohner sind in den vergangenen Jahren in die Mittelklasse aufgestiegen, der Konsum wuchs zwischen vier und sieben Prozent jährlich.
„Der Eindruck, Brasilien sei eine reine Rohstoffökonomie, ist falsch“, schreibt WirtschaftsWoche-Korrespondent Alexander Busch in seinem Buch „Wirtschaftsmacht Brasilien“. Das ist sicher richtig. Denn in der Tat hat Brasilien im vergangenen Jahrzehnt große wirtschaftliche Fortschritte erzielt. So hat es eine ganze Reihe international wettbewerbsfähiger Konzerne hervorgebracht wie den Flugzeugbauer Embraer oder der Brauerrei-Riese InBev, die auch die Märkte im Ausland aufrollen.
Erfolge verbuchte das Land vor allem auch bei seinen Finanzen. Nach Jahrzehnten unverantwortlicher Schuldenpolitik und Hyperinflation betreibt die Regierung in Brasilia nun eine solide Finanz- und Geldpolitik. Das Haushaltsdefizit und die staatliche Verschuldung sind verglichen mit den problematischen Eurostaaten marginal. Mit Devisenreserven in Höhe von 370 Milliarden Dollar, davon allein 170 Milliarden in den vergangenen vier Jahren, scheint Brasilien gewappnet für eine führende Rolle unter den Schwellenländern, die das Schicksal der Weltwirtschaft in den nächsten Jahrzehnten dominieren werden.
Doch nun zeigt sich: Obwohl der Grundstoffsektor nur noch weniger als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, ist Brasiliens Wirtschaftsstruktur einseitig. Sein Export besteht immer noch zu fast zwei Dritteln aus landwirtschaftlichen Produkten und Bodenschätzen. Im vergangenen Jahrzehnt hatte die stürmische Rohstoffnachfrage der aufstrebenden Riesen China und Indien für steigende Preise bei Öl, Nahrungsmittel und Metallen gesorgt und damit Brasiliens Wirtschaftswachstum beschleunigt.
„Das Land ist im Einklang mit der steigenden Nachfrage nach Öl, Kupfer, Eisenerz und anderen natürlichen Ressourcen gewachsen“, analysiert Ruchir Sharma von der Investmentbank Morgan Stanley in einem Beitrag für die Zeitschrift „Foreign Affairs“. „Das Problem ist, dass der globale Appetit für diese Rohstoffe zu fallen beginnt.“
Seit einigen Monaten kühlt nämlich die globale Wirtschaft ab, nicht nur Europa und die USA, auch die Wachstumstreiber China und Indien büßen an Dynamik ein und fragen weniger Rohstoffe nach. Parallel gerieten die Rohstoffpreise unter Druck, sie sind seit Juni 2011 im Schnitt um 17 Prozent gefallen. Mit Ausnahme von Sojabohnen betrifft dies Brasiliens wesentliche Exportprodukte Kupfer, Eisen, Kaffee und Zucker, mit Ausnahme von Sojabohnen.
Die Folge: Die Exporte, die sich auf Dollarbasis zwischen 2006 und 2011 fast verdoppelten und Brasiliens Wirtschaftswachstum anheizten, dürften in diesem Jahr laut HSBC stagnieren. Brasiliens Wirtschaftswachstum ist immer noch eng an das volatile Auf und Ab der Rohstoffmärkte gekoppelt. „Seit den frühen Achtzigerjahren oszilliert Brasiliens Wachstum um 2,5 Prozent jährlich, nur bei steigenden Rohstoffpreisen liegt es darüber“, analysiert Sharma.
Schwache Industrie, zu wenig Investitionen
Die Ursache des niedrigen Trendwachstums liegt in der strukturellen Schwäche des industriellen Sektors. Die HSBC-Ökonomen machen „Probleme bei der Wettbewerbsfähigkeit“ der Industrie aus. So ist der Anteil der Verarbeitenden Industrie von 16,5 Prozent des BIP 2004 bis 2010 auf 13,5 Prozent geschrumpft. Zwar wuchs die Industrieproduktion 2010, im ersten Jahr nach der Weltwirtschaftskrise, um mehr als zehn Prozent, aber seitdem stagniert sie.
Für die brasilianische Wirtschaft insgesamt diagnostiziert Sharma eine „chronische Unterinvestition“. Die gesamtwirtschaftlichen Investitionen liegen mit einem Anteil von 19 Prozent am unteren Ende der Schwellenländer. Nur zwei Prozent seines BIP investiert Brasilien, um seine unterentwickelte Infrastruktur zu modernisieren. Im Schnitt liegt dieser Wert für die Schwellenländer bei fünf Prozent.
Dazu kommt ein eklatanter Fachkräftemangel, Resultat eines mangelhaften, unterfinanzierten Bildungswesens. Im Schnitt verbringen die Jugendlichen nur sieben Jahre in der Schule, die niedrigste Rate in den Ländern mit mittlerem Einkommen. Die Ignoranz von Bildung geht einher mit einer immer noch vorherrschenden „kolonialen Mentalität“ beim Arbeitsethos, die Alexander Busch so beschreibt: „Jeder Brasilianer, von der Putzfrau bis zum Unternehmer, fühlt sich erst dann richtig erfolgreich, wenn andere die Arbeit für ihn erledigen
Protektionismus lähmt Innovationen
Kein Wunder, dass die Produktivität im Lande zu langsam zunimmt, so dass mit Ausnahme einiger weniger Großkonzerne die meisten Unternehmen international nicht wettbewerbsfähig sind. Die Regierung unternimmt denn auch keine Anstalten, die eigenen Unternehmen dem scharfen Wind des internationalen Wettbewerbs auszusetzen, sondern schützt die Binnenwirtschaft durch hohe Zölle auf fast alle Importprodukte.
Brasilien ist trotz seiner immensen Rohstoffexporte eines der am meisten protektionistischen Länder der Welt. Im Global Enabling Trade Report, der eine Rangliste über die Offenheit der nationalen Märkte erstellt, liegt Brasilien bei der Höhe der Zölle auf Rang 114 von 132 untersuchten Ländern.
Präsidentin Dilma Roussef glaubt, dass sich das Land aufgrund seines gewaltigen Binnenmarktes diesen Kurs leisten könne. Sie hat die Einfuhrzölle auf Neuwagen Anfang des Jahres um 30 Prozentpunkte erhöht und die Steuer auf Neuwagen aus brasilianischer Fertigung gesenkt. Damit will sie die Autohersteller zu Investitionen in Brasilien zwingen. Doch freuen sich darüber vor allem die vor Ort präsenten Konzerne VW, Fiat, GM und Ford, die den Markt unter sich aufgeteilt haben
Die Lektion aus Brasiliens Wachstumseinbruch lautet: Wenn das Land sich weiterhin vom internationalen Wettbewerb abschottet, wenn es nicht mehr in Bildung und Infrastruktur investiert, wird es kein Innovationsklima schaffen und die Industrie international weiter hinterherhinken. Die Folge wird sein, dass die Abhängigkeit Brasiliens vom Export seiner natürlichen Ressourcen zementiert und es weiter Spielball der volatilen Preisausschläge auf den internationalen Rohstoffmärkten sein wird.
Die Regierung in Brasilia steht vor gewaltigen Reformen, will Brasilien weiterhin eine führende Position unter den großen Schwellenländern beanspruchen, die in den nächsten Jahrzehnten die globale Wirtschaft bestimmen werden
Langsamer Walzer statt Samba: Im ersten Quartal wuchs die brasilianische Wirtschaft nur um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr – weniger als selbst die schlimmsten Pessimisten vorhergesagt hatten. Die Investitionen schrumpften sogar um 2,1 Prozent. Besserung ist nicht in Sicht. Der Einkaufsmanagerindex fiel jüngst für die Industrie wie auch den Dienstleistungssektor unter die kritische Marke von 50, die eine Kontraktion signalisiert
Die Volkswirte der HSBC revidierten daraufhin kürzlich ihre Brasilien-Prognose für das Gesamtjahr 2012 von 3,7 auf 2,5 Prozent – und sind damit immer noch optimistisch. Denn dies impliziert, dass die Konjunktur des Schwellenlandes schon bald wieder an zieht.
Der Hoffnungsträger enttäuscht
„Brasilien ist die große Enttäuschung“, konzedieren die HSBC-Ökonomen. Selbst wenn die Wirtschaft in diesem Jahr noch um 2,5 Prozent wachsen sollte, so ist das nur noch ein Drittel so viel wie 2010. Damit ist der Wachstumseinbruch in Brasilien, der nun schon das zweite Jahr in Folge anhält, der stärkste unter den Bric-Staaten. Schon 2011 hatte das größte Land Südamerikas mit 2,7 Prozent hier die Rote Laterne
Was ist bloß los mit Brasilien? Vor kurzem noch feierte alle Welt das Land als neue Wirtschaftssupermacht. Die meisten Ökonomen prognostizierten für Brasilien ein Wirtschaftswachstum von fünf Prozent jährlich bis 2020. 30 Millionen Einwohner sind in den vergangenen Jahren in die Mittelklasse aufgestiegen, der Konsum wuchs zwischen vier und sieben Prozent jährlich.
„Der Eindruck, Brasilien sei eine reine Rohstoffökonomie, ist falsch“, schreibt WirtschaftsWoche-Korrespondent Alexander Busch in seinem Buch „Wirtschaftsmacht Brasilien“. Das ist sicher richtig. Denn in der Tat hat Brasilien im vergangenen Jahrzehnt große wirtschaftliche Fortschritte erzielt. So hat es eine ganze Reihe international wettbewerbsfähiger Konzerne hervorgebracht wie den Flugzeugbauer Embraer oder der Brauerrei-Riese InBev, die auch die Märkte im Ausland aufrollen.
Erfolge verbuchte das Land vor allem auch bei seinen Finanzen. Nach Jahrzehnten unverantwortlicher Schuldenpolitik und Hyperinflation betreibt die Regierung in Brasilia nun eine solide Finanz- und Geldpolitik. Das Haushaltsdefizit und die staatliche Verschuldung sind verglichen mit den problematischen Eurostaaten marginal. Mit Devisenreserven in Höhe von 370 Milliarden Dollar, davon allein 170 Milliarden in den vergangenen vier Jahren, scheint Brasilien gewappnet für eine führende Rolle unter den Schwellenländern, die das Schicksal der Weltwirtschaft in den nächsten Jahrzehnten dominieren werden.
Doch nun zeigt sich: Obwohl der Grundstoffsektor nur noch weniger als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, ist Brasiliens Wirtschaftsstruktur einseitig. Sein Export besteht immer noch zu fast zwei Dritteln aus landwirtschaftlichen Produkten und Bodenschätzen. Im vergangenen Jahrzehnt hatte die stürmische Rohstoffnachfrage der aufstrebenden Riesen China und Indien für steigende Preise bei Öl, Nahrungsmittel und Metallen gesorgt und damit Brasiliens Wirtschaftswachstum beschleunigt.
„Das Land ist im Einklang mit der steigenden Nachfrage nach Öl, Kupfer, Eisenerz und anderen natürlichen Ressourcen gewachsen“, analysiert Ruchir Sharma von der Investmentbank Morgan Stanley in einem Beitrag für die Zeitschrift „Foreign Affairs“. „Das Problem ist, dass der globale Appetit für diese Rohstoffe zu fallen beginnt.“
Seit einigen Monaten kühlt nämlich die globale Wirtschaft ab, nicht nur Europa und die USA, auch die Wachstumstreiber China und Indien büßen an Dynamik ein und fragen weniger Rohstoffe nach. Parallel gerieten die Rohstoffpreise unter Druck, sie sind seit Juni 2011 im Schnitt um 17 Prozent gefallen. Mit Ausnahme von Sojabohnen betrifft dies Brasiliens wesentliche Exportprodukte Kupfer, Eisen, Kaffee und Zucker, mit Ausnahme von Sojabohnen.
Die Folge: Die Exporte, die sich auf Dollarbasis zwischen 2006 und 2011 fast verdoppelten und Brasiliens Wirtschaftswachstum anheizten, dürften in diesem Jahr laut HSBC stagnieren. Brasiliens Wirtschaftswachstum ist immer noch eng an das volatile Auf und Ab der Rohstoffmärkte gekoppelt. „Seit den frühen Achtzigerjahren oszilliert Brasiliens Wachstum um 2,5 Prozent jährlich, nur bei steigenden Rohstoffpreisen liegt es darüber“, analysiert Sharma.
Schwache Industrie, zu wenig Investitionen
Die Ursache des niedrigen Trendwachstums liegt in der strukturellen Schwäche des industriellen Sektors. Die HSBC-Ökonomen machen „Probleme bei der Wettbewerbsfähigkeit“ der Industrie aus. So ist der Anteil der Verarbeitenden Industrie von 16,5 Prozent des BIP 2004 bis 2010 auf 13,5 Prozent geschrumpft. Zwar wuchs die Industrieproduktion 2010, im ersten Jahr nach der Weltwirtschaftskrise, um mehr als zehn Prozent, aber seitdem stagniert sie.
Für die brasilianische Wirtschaft insgesamt diagnostiziert Sharma eine „chronische Unterinvestition“. Die gesamtwirtschaftlichen Investitionen liegen mit einem Anteil von 19 Prozent am unteren Ende der Schwellenländer. Nur zwei Prozent seines BIP investiert Brasilien, um seine unterentwickelte Infrastruktur zu modernisieren. Im Schnitt liegt dieser Wert für die Schwellenländer bei fünf Prozent.
Dazu kommt ein eklatanter Fachkräftemangel, Resultat eines mangelhaften, unterfinanzierten Bildungswesens. Im Schnitt verbringen die Jugendlichen nur sieben Jahre in der Schule, die niedrigste Rate in den Ländern mit mittlerem Einkommen. Die Ignoranz von Bildung geht einher mit einer immer noch vorherrschenden „kolonialen Mentalität“ beim Arbeitsethos, die Alexander Busch so beschreibt: „Jeder Brasilianer, von der Putzfrau bis zum Unternehmer, fühlt sich erst dann richtig erfolgreich, wenn andere die Arbeit für ihn erledigen
Protektionismus lähmt Innovationen
Kein Wunder, dass die Produktivität im Lande zu langsam zunimmt, so dass mit Ausnahme einiger weniger Großkonzerne die meisten Unternehmen international nicht wettbewerbsfähig sind. Die Regierung unternimmt denn auch keine Anstalten, die eigenen Unternehmen dem scharfen Wind des internationalen Wettbewerbs auszusetzen, sondern schützt die Binnenwirtschaft durch hohe Zölle auf fast alle Importprodukte.
Brasilien ist trotz seiner immensen Rohstoffexporte eines der am meisten protektionistischen Länder der Welt. Im Global Enabling Trade Report, der eine Rangliste über die Offenheit der nationalen Märkte erstellt, liegt Brasilien bei der Höhe der Zölle auf Rang 114 von 132 untersuchten Ländern.
Präsidentin Dilma Roussef glaubt, dass sich das Land aufgrund seines gewaltigen Binnenmarktes diesen Kurs leisten könne. Sie hat die Einfuhrzölle auf Neuwagen Anfang des Jahres um 30 Prozentpunkte erhöht und die Steuer auf Neuwagen aus brasilianischer Fertigung gesenkt. Damit will sie die Autohersteller zu Investitionen in Brasilien zwingen. Doch freuen sich darüber vor allem die vor Ort präsenten Konzerne VW, Fiat, GM und Ford, die den Markt unter sich aufgeteilt haben
Die Lektion aus Brasiliens Wachstumseinbruch lautet: Wenn das Land sich weiterhin vom internationalen Wettbewerb abschottet, wenn es nicht mehr in Bildung und Infrastruktur investiert, wird es kein Innovationsklima schaffen und die Industrie international weiter hinterherhinken. Die Folge wird sein, dass die Abhängigkeit Brasiliens vom Export seiner natürlichen Ressourcen zementiert und es weiter Spielball der volatilen Preisausschläge auf den internationalen Rohstoffmärkten sein wird.
Die Regierung in Brasilia steht vor gewaltigen Reformen, will Brasilien weiterhin eine führende Position unter den großen Schwellenländern beanspruchen, die in den nächsten Jahrzehnten die globale Wirtschaft bestimmen werden
Investoren sind enttäuscht vom indischen Aktienmarkt. Doch wer genauer hinschaut, sieht ein filmreifes antizyklisches Investment
77 Schweizer Franken pro Person. Zusammen 130 Euro für eine kurze Fahrt mit dem Lift auf den 3.000 Meter hohen Schweizer Col du Pillon. Das ist Jim O’Neill und seiner Frau eigentlich zu teuer. „Wir diskutierten, ob es das Geld wert sei, entschieden uns aber hochzufahren“, erzählt der Erfinder der Bric-Story von Goldman Sachs in seinem jüngst erschienenen Buch „Die Märkte von morgen“. „Natürlich war es oben kalt und wolkig. Man konnte kaum etwas sehen, und wir fuhren gleich wieder zurück.“

Was O’Neill allerdings auffiel: Nicht nur am Zugang zum Lift war er von Indern umgeben. „Auch im Café auf dem Berggipfel saßen ungefähr 100 weitere Inder, gaben Geld aus und hatten Spaß, obwohl sie nicht mehr sehen konnten als Wolken.“
Für O’Neill ein weiterer Beweis für die intakte Wachstumsstory Indiens, die wachsende Mittelschicht und die steigende Konsumfreude der Inder. Wie in keinem zweiten Land wird Indiens Wirtschaftswachstum von der Nachfrage der 1,2 Milliarden Einwohner getragen
Kein Wunder also, dass der Schwerpunkt auf Konsumwerte (24 Prozent) einer der Gründe für Markus Schupp ist, in den First State Indian Subcontinent zu investieren. Es ist der einzige Indien-Fonds im Portfolio seines Dachfonds Allianz Multi Asia Active (WKN: A0M NV9). „Bei den Managern David Gait und Sashi Reddy stehen vor allem die positive Bewertung der Bilanzqualität, stabile Cashflows und Risikopositionen der Firmen im Vordergrund“, begründet Schupp seine Wahl und weiter: „Der Fonds hat einen sehr hohen ‚active Share‘, eine vom Vergleichsindex unabhängige Positionierung
Der First State Indian Subcontinent ist die absolute Benchmark der Kategorie (siehe Chart). Großes Manko: Er ist für neue Investoren geschlossen. Wann er wieder geöffnet wird, steht nicht fest. Wer schon drin ist, kann also nachkaufen. Wer noch nicht dabei ist, kann sich leider nur auf die Warteliste setzen lassen.
Auch Hermann-Josef Hall ist vom Können des First-State-Teams überzeugt. Der Vorstand von Sauren Fonds-Research hat aber noch eine Alternative. „Wir schätzen den von Wojciech Stanislawski und Manish Shah verwalteten Comgest Growth India

Beide Teams bekommen zwei Goldmedaillen von den Sauren- Analysten. Beeindruckt hat die Comgest- Crew vor allem mit der konsequenten Umsetzung der Anlagephilosophie und den guten Begründungen ihrer Anlageideen. Investiert wird in Firmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 200 Millionen Dollar, gern mit Preismacht, einem Gewinnwachstum von über 10 Prozent pro Jahr und einer Eigenkapitalrendite von mindestens 15 Prozent.
Dritter Favorit der Manager großer Emerging- Markets-Dachfonds ist der JF India von J.P. Morgan Asset Management. „Überzeugt haben uns die guten Risiko-Rendite- Kennzahlen und die konsistente Performance“, so Tanguy Kamp, Manager des BL Selection Asia (A0R DX8) von Banque de Luxembourg Investments.
Indien-Fonds sind grundsätzlich nichts für schwache Nerven: Über ein Jahr liegen alle im Minus. Trotzdem: Die Wachstumsstory ist intakt – aber langfristig. Mindestens fünf Jahre müssen Investoren schon mitbringen. Dann bieten sich „aktuell gute Einstiegschancen“, sagt O’Neills Kollege Prashant Khemka, Geschäftsführer von Goldman Sachs Asset Management Indien. Mit einem Kurs- Gewinn-Verhältnis von unter 13 seien Indiens Aktien günstig. Der langfristige Durchschnitt liegt bei 15.
77 Schweizer Franken pro Person. Zusammen 130 Euro für eine kurze Fahrt mit dem Lift auf den 3.000 Meter hohen Schweizer Col du Pillon. Das ist Jim O’Neill und seiner Frau eigentlich zu teuer. „Wir diskutierten, ob es das Geld wert sei, entschieden uns aber hochzufahren“, erzählt der Erfinder der Bric-Story von Goldman Sachs in seinem jüngst erschienenen Buch „Die Märkte von morgen“. „Natürlich war es oben kalt und wolkig. Man konnte kaum etwas sehen, und wir fuhren gleich wieder zurück.“

Was O’Neill allerdings auffiel: Nicht nur am Zugang zum Lift war er von Indern umgeben. „Auch im Café auf dem Berggipfel saßen ungefähr 100 weitere Inder, gaben Geld aus und hatten Spaß, obwohl sie nicht mehr sehen konnten als Wolken.“
Für O’Neill ein weiterer Beweis für die intakte Wachstumsstory Indiens, die wachsende Mittelschicht und die steigende Konsumfreude der Inder. Wie in keinem zweiten Land wird Indiens Wirtschaftswachstum von der Nachfrage der 1,2 Milliarden Einwohner getragen
Kein Wunder also, dass der Schwerpunkt auf Konsumwerte (24 Prozent) einer der Gründe für Markus Schupp ist, in den First State Indian Subcontinent zu investieren. Es ist der einzige Indien-Fonds im Portfolio seines Dachfonds Allianz Multi Asia Active (WKN: A0M NV9). „Bei den Managern David Gait und Sashi Reddy stehen vor allem die positive Bewertung der Bilanzqualität, stabile Cashflows und Risikopositionen der Firmen im Vordergrund“, begründet Schupp seine Wahl und weiter: „Der Fonds hat einen sehr hohen ‚active Share‘, eine vom Vergleichsindex unabhängige Positionierung
Der First State Indian Subcontinent ist die absolute Benchmark der Kategorie (siehe Chart). Großes Manko: Er ist für neue Investoren geschlossen. Wann er wieder geöffnet wird, steht nicht fest. Wer schon drin ist, kann also nachkaufen. Wer noch nicht dabei ist, kann sich leider nur auf die Warteliste setzen lassen.
Auch Hermann-Josef Hall ist vom Können des First-State-Teams überzeugt. Der Vorstand von Sauren Fonds-Research hat aber noch eine Alternative. „Wir schätzen den von Wojciech Stanislawski und Manish Shah verwalteten Comgest Growth India

Beide Teams bekommen zwei Goldmedaillen von den Sauren- Analysten. Beeindruckt hat die Comgest- Crew vor allem mit der konsequenten Umsetzung der Anlagephilosophie und den guten Begründungen ihrer Anlageideen. Investiert wird in Firmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 200 Millionen Dollar, gern mit Preismacht, einem Gewinnwachstum von über 10 Prozent pro Jahr und einer Eigenkapitalrendite von mindestens 15 Prozent.
Dritter Favorit der Manager großer Emerging- Markets-Dachfonds ist der JF India von J.P. Morgan Asset Management. „Überzeugt haben uns die guten Risiko-Rendite- Kennzahlen und die konsistente Performance“, so Tanguy Kamp, Manager des BL Selection Asia (A0R DX8) von Banque de Luxembourg Investments.
Indien-Fonds sind grundsätzlich nichts für schwache Nerven: Über ein Jahr liegen alle im Minus. Trotzdem: Die Wachstumsstory ist intakt – aber langfristig. Mindestens fünf Jahre müssen Investoren schon mitbringen. Dann bieten sich „aktuell gute Einstiegschancen“, sagt O’Neills Kollege Prashant Khemka, Geschäftsführer von Goldman Sachs Asset Management Indien. Mit einem Kurs- Gewinn-Verhältnis von unter 13 seien Indiens Aktien günstig. Der langfristige Durchschnitt liegt bei 15.
China - so schwach wie zuletzt Anfang 2009
China hat in den vergangenen Jahren die Weltwirtschaft fast im Alleingang aus der Krise gerettet.
Doch jetzt kühlt die Konjunktur im Reich der Mitte immer mehr ab und zeigt sich so schwach wie zuletzt Anfang 2009.
Um 7,6 Prozent kletterte Chinas Wirtschaft im 2. Quartal 2012 (1. Quartal: 8,1 Prozent). Das sechste Quartal hintereinander mit rückgehenden Wachstumszahlen.
Folge einer gesunkenen Nachfrage nach „Made in China“ im überschuldeten Europa, einer Stagnation des heimischen Immobilienmarktes, Überkapazitäten in einigen Sektoren und der Konsumzurückhaltung der Bevölkerung. Erstmals unterschreitet das gigantische Entwicklungsland damit wieder die zur Beschäftigung seiner mehr als 1,3 Milliarden Menschen wichtige Acht-Prozent-Marke.
Kein Grund zur Panik
Aber ist das gleich ein Anlass zur Panik? Lassen wir die Kirche im Dorf. 7,6 Prozent sind, mit anderen Regionen in der Welt verglichen, immer noch ein absoluter Traumwert. Russland und Indien kämpfen um fünf Prozent Wachstum, Brasilien kommt gerade mal auf 1,6 Prozent, ebenso wie die US-Wirtschaft.
Europa stellt sich sogar auf Negativwachstum ein. Chinas oberster Statistikchef Sheng Laiyun warb bei der Vorlage der neuen Zahlen darum auch um Zuversicht: „Ich selbst habe vollstes Vertrauen in unsere Wirtschaftsaussichten“ und in ein „stetiges Wachstum“ auch im zweiten Halbjahr 2012.
Nun muss man einem chinesischen Funktionär nicht jedes Wort abnehmen und wenn dieser um Vertrauen wirbt, indem er selbst Vertrauen vorgibt, dann sollte man doppelt vorsichtig sein. Auch den von Peking vorgelegten Zahlen kann man nicht einfach so trauen.
Sie werden im Zweifel geschönt, um die unangenehme Wahrheit eines stärkeren Einbruchs der Wirtschaft zu kaschieren. Dass jedoch die Daten aus den USA und Europa im Einklang mit den offiziellen chinesischen Zahlen stehen, erhöht den Wahrheitsgehalt und lässt den Schluss zu: Die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt wankt, doch sie fällt nicht. Jedenfalls noch nicht.
Gegen akute Absturzsorgen spricht beispielsweise die aktuelle Entwicklung der saisonbereinigten Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Demnach beschleunigte sich das Wachstumstempo im Frühjahr sogar wieder leicht: Nach einem Plus von 1,6 Prozent zu Jahresbeginn legte das BIP im zweiten Quartal um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu.
Auch die realen Einzelhandelsumsätze haben im Juni leicht zugelegt. Im verarbeitenden Gewerbe stieg die Produktion zum Vorjahr um 9,5 Prozent. Mehr als von Volkswirten erwartet, wenn auch erstmals unter der Zehn-Prozent-Marke.
Weitere Milliarden-Investitionen Pekings
Zudem handelt die Zentralregierung entschlossen, um eine harte konjunkturelle Landung zu vermeiden. Premier Wen Jiabao erklärte, dass es wichtiger sei, die Wirtschaft im Falle einer konjunkturellen Abschwächung mit weiteren Investitionen zu stützen, als die Rebalancierung – also eine weniger starke Exportorientierung als in der Vergangenheit – voranzutreiben.
Unter anderem wurden die Mindestreserveanforderungen für Banken nach unten geschraubt und erstmals seit vier Jahren die Zinsen bis Juni in zwei Schritten gesenkt. Noch lange nicht das Ende der Fahnenstange: China wird meines Erachtens den Geldhahn soweit aufdrehen wie es nötig ist, um sich gegen den Abschwung zu stemmen. Nicht zuletzt mit Blick auf den bevorstehenden Führungswechsel im Oktober, der sicherlich nicht in einem konjunkturellen Krisen-Umfeld stattfinden soll.
Peking interveniert jedoch keineswegs nur geldpolitisch: Die Zentralregierung zog die Genehmigung einiger Infrastrukturprojekte vor, um der lahmenden Industrie auf die Beine zu helfen. Vor allem die Stahlbranche, die mit Gewinneinbußen zu kämpfen hat, wird gestützt. Das spiegelt sich in den Anlageinvestitionen, die im Juni um geschätzt 1,8 Prozent zum Vormonat zulegten. Für eine stärkere Investitionsentwicklung spricht auch die spürbare Belebung der Kreditvergabe im Juni.
Deutsche Unternehmen gut aufgestellt
Noch profitiert die deutsche Exportwirtschaft von den guten Beziehungen zu China. Im Jahr 2011 betrug das deutsch-chinesische Handelsvolumen 144 Milliarden Euro – nach aktuellen Kursen etwa 190 Milliarden Dollar. 2015 sollen es auch nach dem Willen der dortigen Regierung über 200 Milliarden Euro sein.
Von der Abkühlung der chinesischen Konjunktur ist bisher nichts zu spüren. Volkswagen z.B. konnte gerade ein Rekordergebnis verkünden. Im ersten Halbjahr 2012 hat der Konzern 1,3 Millionen Wagen und damit 17,2 Prozent mehr Autos als im Vergleichszeitraum 2011 verkauft, darunter 982.600 Pkw der Marke VW, 193.900 Audi und 120.700 Skoda.
Auch BMW treibt sein Engagement in China voran. Die Marke ist bei wohlhabenden Chinesen begehrt. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres verkauften die Münchener in China fast 160.000 Fahrzeuge, was einem Zuwachs von 31 Prozent entspricht.
Daimler fällt im wichtigsten Automarkt der Welt etwas ab. In der ersten Jahreshälfte verkaufte Daimler zwar acht Prozent mehr Autos in China. Aber das waren gerade einmal 99.400 Stück, also nur halb so viele wie beispielsweise Audi. Doch man bleibt optimistisch bei den Schwaben: Der Ausbau der Produktion in China ist geplant. Schon 2013 soll ein Motorenwerk dazukommen, bis 2015 will Mercedes 200.000 Fahrzeuge im Jahr in China fertigen können.
Neben der Autoindustrie setzt der Maschinenbau große Hoffnungen in eine weiter prosperierende Entwicklung in China. Das Reich der Mitte war im vergangenen Jahr mit Lieferungen von 18,9 Milliarden Euro Exportland Nummer eins. Für 2012 wird mit einem zweistelligen Plus gerechnet.
Gefragt sind derzeit vor allem Werkzeugmaschinen, Antriebstechnik, Druck- und Papieranlagen, Fördertechnik und Textilmaschinen. Wegen der hohen Nachfrage sieht die Branche, zu der neben Mittelständlern Konzerne wie ThyssenKrupp, Gildemeister und Gea gehören, ihre Position gefestigt
Auch Siemens scheint es jedes Jahr spielend zu gelingen, zweistellige Wachstumsraten in China zu erzielen.
Doch wie lange noch? Peking hat hohe Ziele: Das quantitative Wachstum soll einem qualitativen Wachstum weichen.
Das bedeutet: Das Land will Milliarden in Forschung und Entwicklung investieren, um künftig Hightech-Produkte zu liefern und in einigen Bereichen Weltmarktführer zu werden. Umgerechnet 1,2 Billionen Euro sollen in sieben verschiedene Bereiche, darunter umweltfreundliche Fahrzeuge, neue Materialien und Energieeffizienz fließen.
Dies wird letztlich auch die deutschen Schlüsselindustrien bzw. die in China engagierten schwer treffen. Das ist zwar noch Zukunftsmusik, aber eine reale Bedrohung. Weitaus realer als der nahende Absturz der chinesischen Konjunktur.
Doch jetzt kühlt die Konjunktur im Reich der Mitte immer mehr ab und zeigt sich so schwach wie zuletzt Anfang 2009.
Um 7,6 Prozent kletterte Chinas Wirtschaft im 2. Quartal 2012 (1. Quartal: 8,1 Prozent). Das sechste Quartal hintereinander mit rückgehenden Wachstumszahlen.
Folge einer gesunkenen Nachfrage nach „Made in China“ im überschuldeten Europa, einer Stagnation des heimischen Immobilienmarktes, Überkapazitäten in einigen Sektoren und der Konsumzurückhaltung der Bevölkerung. Erstmals unterschreitet das gigantische Entwicklungsland damit wieder die zur Beschäftigung seiner mehr als 1,3 Milliarden Menschen wichtige Acht-Prozent-Marke.
Kein Grund zur Panik
Aber ist das gleich ein Anlass zur Panik? Lassen wir die Kirche im Dorf. 7,6 Prozent sind, mit anderen Regionen in der Welt verglichen, immer noch ein absoluter Traumwert. Russland und Indien kämpfen um fünf Prozent Wachstum, Brasilien kommt gerade mal auf 1,6 Prozent, ebenso wie die US-Wirtschaft.
Europa stellt sich sogar auf Negativwachstum ein. Chinas oberster Statistikchef Sheng Laiyun warb bei der Vorlage der neuen Zahlen darum auch um Zuversicht: „Ich selbst habe vollstes Vertrauen in unsere Wirtschaftsaussichten“ und in ein „stetiges Wachstum“ auch im zweiten Halbjahr 2012.
Nun muss man einem chinesischen Funktionär nicht jedes Wort abnehmen und wenn dieser um Vertrauen wirbt, indem er selbst Vertrauen vorgibt, dann sollte man doppelt vorsichtig sein. Auch den von Peking vorgelegten Zahlen kann man nicht einfach so trauen.
Sie werden im Zweifel geschönt, um die unangenehme Wahrheit eines stärkeren Einbruchs der Wirtschaft zu kaschieren. Dass jedoch die Daten aus den USA und Europa im Einklang mit den offiziellen chinesischen Zahlen stehen, erhöht den Wahrheitsgehalt und lässt den Schluss zu: Die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt wankt, doch sie fällt nicht. Jedenfalls noch nicht.
Gegen akute Absturzsorgen spricht beispielsweise die aktuelle Entwicklung der saisonbereinigten Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Demnach beschleunigte sich das Wachstumstempo im Frühjahr sogar wieder leicht: Nach einem Plus von 1,6 Prozent zu Jahresbeginn legte das BIP im zweiten Quartal um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu.
Auch die realen Einzelhandelsumsätze haben im Juni leicht zugelegt. Im verarbeitenden Gewerbe stieg die Produktion zum Vorjahr um 9,5 Prozent. Mehr als von Volkswirten erwartet, wenn auch erstmals unter der Zehn-Prozent-Marke.
Weitere Milliarden-Investitionen Pekings
Zudem handelt die Zentralregierung entschlossen, um eine harte konjunkturelle Landung zu vermeiden. Premier Wen Jiabao erklärte, dass es wichtiger sei, die Wirtschaft im Falle einer konjunkturellen Abschwächung mit weiteren Investitionen zu stützen, als die Rebalancierung – also eine weniger starke Exportorientierung als in der Vergangenheit – voranzutreiben.
Unter anderem wurden die Mindestreserveanforderungen für Banken nach unten geschraubt und erstmals seit vier Jahren die Zinsen bis Juni in zwei Schritten gesenkt. Noch lange nicht das Ende der Fahnenstange: China wird meines Erachtens den Geldhahn soweit aufdrehen wie es nötig ist, um sich gegen den Abschwung zu stemmen. Nicht zuletzt mit Blick auf den bevorstehenden Führungswechsel im Oktober, der sicherlich nicht in einem konjunkturellen Krisen-Umfeld stattfinden soll.
Peking interveniert jedoch keineswegs nur geldpolitisch: Die Zentralregierung zog die Genehmigung einiger Infrastrukturprojekte vor, um der lahmenden Industrie auf die Beine zu helfen. Vor allem die Stahlbranche, die mit Gewinneinbußen zu kämpfen hat, wird gestützt. Das spiegelt sich in den Anlageinvestitionen, die im Juni um geschätzt 1,8 Prozent zum Vormonat zulegten. Für eine stärkere Investitionsentwicklung spricht auch die spürbare Belebung der Kreditvergabe im Juni.
Deutsche Unternehmen gut aufgestellt
Noch profitiert die deutsche Exportwirtschaft von den guten Beziehungen zu China. Im Jahr 2011 betrug das deutsch-chinesische Handelsvolumen 144 Milliarden Euro – nach aktuellen Kursen etwa 190 Milliarden Dollar. 2015 sollen es auch nach dem Willen der dortigen Regierung über 200 Milliarden Euro sein.
Von der Abkühlung der chinesischen Konjunktur ist bisher nichts zu spüren. Volkswagen z.B. konnte gerade ein Rekordergebnis verkünden. Im ersten Halbjahr 2012 hat der Konzern 1,3 Millionen Wagen und damit 17,2 Prozent mehr Autos als im Vergleichszeitraum 2011 verkauft, darunter 982.600 Pkw der Marke VW, 193.900 Audi und 120.700 Skoda.
Auch BMW treibt sein Engagement in China voran. Die Marke ist bei wohlhabenden Chinesen begehrt. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres verkauften die Münchener in China fast 160.000 Fahrzeuge, was einem Zuwachs von 31 Prozent entspricht.
Daimler fällt im wichtigsten Automarkt der Welt etwas ab. In der ersten Jahreshälfte verkaufte Daimler zwar acht Prozent mehr Autos in China. Aber das waren gerade einmal 99.400 Stück, also nur halb so viele wie beispielsweise Audi. Doch man bleibt optimistisch bei den Schwaben: Der Ausbau der Produktion in China ist geplant. Schon 2013 soll ein Motorenwerk dazukommen, bis 2015 will Mercedes 200.000 Fahrzeuge im Jahr in China fertigen können.
Neben der Autoindustrie setzt der Maschinenbau große Hoffnungen in eine weiter prosperierende Entwicklung in China. Das Reich der Mitte war im vergangenen Jahr mit Lieferungen von 18,9 Milliarden Euro Exportland Nummer eins. Für 2012 wird mit einem zweistelligen Plus gerechnet.
Gefragt sind derzeit vor allem Werkzeugmaschinen, Antriebstechnik, Druck- und Papieranlagen, Fördertechnik und Textilmaschinen. Wegen der hohen Nachfrage sieht die Branche, zu der neben Mittelständlern Konzerne wie ThyssenKrupp, Gildemeister und Gea gehören, ihre Position gefestigt
Auch Siemens scheint es jedes Jahr spielend zu gelingen, zweistellige Wachstumsraten in China zu erzielen.
Doch wie lange noch? Peking hat hohe Ziele: Das quantitative Wachstum soll einem qualitativen Wachstum weichen.
Das bedeutet: Das Land will Milliarden in Forschung und Entwicklung investieren, um künftig Hightech-Produkte zu liefern und in einigen Bereichen Weltmarktführer zu werden. Umgerechnet 1,2 Billionen Euro sollen in sieben verschiedene Bereiche, darunter umweltfreundliche Fahrzeuge, neue Materialien und Energieeffizienz fließen.
Dies wird letztlich auch die deutschen Schlüsselindustrien bzw. die in China engagierten schwer treffen. Das ist zwar noch Zukunftsmusik, aber eine reale Bedrohung. Weitaus realer als der nahende Absturz der chinesischen Konjunktur.
Zitat
MEIN FAZIT:
- Chinas Wirtschaft wird umgebaut. Die Zeit des grenzenlosen, „rücksichtslosen“ Wachstums ist definitiv vorbei. Die Chinesen selbst haben das auch längst erkannt: Premier Wen Jiabao reduzierte bei der Vorstellung des Fünfjahresplans 2011 bis 2015 das Tempo des chinesischen Wachstums von acht auf durchschnittlich 7,5 Prozent.
- Das heißt jetzt aber nicht, dass China sofort als Motor der Weltkonjunktur ausfällt. Allerdings wird China allein größere ökonomische Verwerfungen beispielsweise durch eine sich weiter ausbreitende Schuldenkrise in Europa nicht kompensieren können.
- Die Führung in Peking versucht derzeit zweierlei: Das Wirtschaftswachstum auf einem möglichst hohen Niveau zu halten, weil sonst nicht ausreichend Arbeitsplätze geschaffen, soziale Spannungen und andere Probleme bewältigt werden können. Parallel dazu soll die heimische Industrielandschaft weiter entwickelt werden, um sie fit zu machen für den Angriff auf die internationalen Konzerne (auch die deutschen), die derzeit im Land gute Geschäfte machen. Einseitige Geschäfte, wie die Chinesen meinen.
- In naher Zukunft rechne ich mit weiteren Zinsschritten der People's Bank of China (PBC). Aktuell beträgt der Leitzins für Ausleihungen von einem Jahr 6,0 Prozent. Die chinesische Zentralbank hat also noch viel Spielraum nach unten – ganz im Gegensatz zur EZB und FED: Im Euroraum wurden die Zinsen jüngst auf 0,75 Prozent herabgesetzt, in den USA dümpeln sie seit einer gefühlten Ewigkeit bei 0,0 bis 0,25 Prozent.
- Besonders wichtig ist für Peking, den überhitzten Immobilienmarkt in den Griff zu bekommen. Trotz der Lockerung der Geldpolitik müssen die Vorschriften für Kredite und unterschiedliche Zinsen für Immobilienprojekte streng eingehalten werden.
- Gelingt dies, sollte das Wirtschaftswachstum in China in der zweiten Jahreshälfte wieder auf über acht Prozent klettern.
Armin Brack
Chefredakteur Geldanlage-Report
Indiens Glanz bröckelt
Indien galt zuletzt als das einzige Land der Welt, das bei den Wachstumssprüngen Chinas mithalten könne. Doch weit gefehlt, die Zeiten haben sich geändert - gerade für deutsche Unternehmer. Das zeigt eine neue Studie.
Es ist nur wenige Jahre her, da glänzte Indien mit Zuwachsraten von über 9 Prozent und wurde als demokratisches Gegenmodell zu China gefeiert. Doch in jüngster Zeit macht die aufstrebende Wirtschaftsmacht mehr mit Mega-Blackouts, Reformstau und Korruption von sich reden als mit Erfolgsstorys. Auch für deutsche Firmen scheint der Goldrausch vorerst vorbei: Ihre Profit- und Umsatzträume fliegen längst nicht mehr so hoch wie noch 2011.
In den Boomjahren verbuchten viele deutsche Firmen im Gandhi-Land locker zweistellige Gewinn- und Umsatzzuwächse - fast jedes fünfte Unternehmen sogar über 20 Prozent. Doch nun würden die Zeiten schwieriger, bilanzierte die deutsch-indische Auslandshandelskammer in ihrem Business-Monitor 2012 unter dem Titel "Von der Realität eingeholt".
Indiens Wachstum ist im ersten Quartal 2012 mit 5,3 Prozent auf ein Neun-Jahres-Tief gefallen. Für deutsche Ohren mag das märchenhaft klingen, aber für ein Schwellenland wie Indien ist es viel zu wenig, um aus der Massenarmut aufzusteigen. Die Delle spüren auch deutsche Firmen. Noch 2011 meldeten 43 Prozent Umsatzzuwächse von über 20 Prozent. Nun erwarten 38 Prozent der Firmen stagnierende oder nur schwach wachsende Umsätze.
Das spiegelt sich auch bei den Gewinnen wider: 42 Prozent rechnen für dieses Jahr mit Stagnation oder sogar Rückgängen. Von einem Indien-Blues könne aber keine Rede sein, sagt Bernhard Steinrücke. Er ist Geschäftsführer der deutsch-indischen Handelskammer und einer der emsigsten Werber für mehr Indien-Engagement. Die Firmen seien nicht mehr "so überenthusiastisch" wie 2011, aber unterm Strich "weiter sehr zufrieden mit Ertrag und Umsatz".
Auch der Zustrom nach Indien halte an. Laut Steinrücke sind "die Deutschen in Indien ganz gut unterwegs". Insgesamt seien 1.800 deutsche Firmen dort aktiv, darunter 200 große Unternehmen, der Rest seien Mittelständler und Kleinfirmen. Mit China kann das zwar nicht mithalten, aber Indien hat erst Anfang der 90er Jahre und damit viel später als der große Rivale seine Märkte geöffnet. Und bis heute sind Auslandsinvestitionen in vielen Branchen begrenzt.
Ein leichtes Pflaster für ausländische Investoren ist Indien nicht. Mancher hat sich auch ein blaues Auge geholt. Der Sportartikelhersteller Adidas ist dabei, ein Drittel seiner 1.000 indischen Reebok-Filialen zu schließen, nachdem er sich mit Korruptionsvorwürfen und drohenden Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe konfrontiert sah.
Der Handelsriese Metro verkleinert seine Läden, weil die Megamärkte in Indien nicht ankamen. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport will sich sogar ganz aus Indien zurückziehen und seinen zehnprozentigen Anteil am Flughafen Delhi verkaufen - er sieht vorerst keine weiteren Geschäftschancen dort.
Immerhin 39 Prozent der deutschen Firmen beklagen im Business Monitor, dass sich das Investitionsklima verschlechtert hat. Auch die wachsende Rechtsunsicherheit sorgt viele. So wurde Bayer von einem Gericht verdonnert, eine Zwangslizenz für ein Krebsmedikament zu erteilen. Der Windanlagenhersteller Enercon kehrte Indien den Rücken, nachdem er sich von seinem indischen Partner ausgetrickst und übers Ohr gehauen sah. Enercon wurden in Indien mehrere Patente aberkannt, die in allen anderen Ländern akzeptiert wurden.
Ein chronisches Problem bleibt die Korruption. 41 Prozent der Firmen meinen, dass sich diese noch verschlimmert hat. Auch die marode Infrastruktur und die lähmende Bürokratie bremsen das Wachstum. Doch abschreiben sollten deutsche Unternehmen Indien auf keinen Fall, warnt Steinrücke. Für ihn steht außer Frage: Das riesige Land bleibt geradezu ein Muss. Indien sei einer der großen Wachstumsmärkte. Kein Unternehmen könne es sich leisten, die zweitgrößte Nation der Welt mir 1,2 Milliarden Einwohnern zu ignorieren
Es ist nur wenige Jahre her, da glänzte Indien mit Zuwachsraten von über 9 Prozent und wurde als demokratisches Gegenmodell zu China gefeiert. Doch in jüngster Zeit macht die aufstrebende Wirtschaftsmacht mehr mit Mega-Blackouts, Reformstau und Korruption von sich reden als mit Erfolgsstorys. Auch für deutsche Firmen scheint der Goldrausch vorerst vorbei: Ihre Profit- und Umsatzträume fliegen längst nicht mehr so hoch wie noch 2011.
In den Boomjahren verbuchten viele deutsche Firmen im Gandhi-Land locker zweistellige Gewinn- und Umsatzzuwächse - fast jedes fünfte Unternehmen sogar über 20 Prozent. Doch nun würden die Zeiten schwieriger, bilanzierte die deutsch-indische Auslandshandelskammer in ihrem Business-Monitor 2012 unter dem Titel "Von der Realität eingeholt".
Indiens Wachstum ist im ersten Quartal 2012 mit 5,3 Prozent auf ein Neun-Jahres-Tief gefallen. Für deutsche Ohren mag das märchenhaft klingen, aber für ein Schwellenland wie Indien ist es viel zu wenig, um aus der Massenarmut aufzusteigen. Die Delle spüren auch deutsche Firmen. Noch 2011 meldeten 43 Prozent Umsatzzuwächse von über 20 Prozent. Nun erwarten 38 Prozent der Firmen stagnierende oder nur schwach wachsende Umsätze.
Das spiegelt sich auch bei den Gewinnen wider: 42 Prozent rechnen für dieses Jahr mit Stagnation oder sogar Rückgängen. Von einem Indien-Blues könne aber keine Rede sein, sagt Bernhard Steinrücke. Er ist Geschäftsführer der deutsch-indischen Handelskammer und einer der emsigsten Werber für mehr Indien-Engagement. Die Firmen seien nicht mehr "so überenthusiastisch" wie 2011, aber unterm Strich "weiter sehr zufrieden mit Ertrag und Umsatz".
Auch der Zustrom nach Indien halte an. Laut Steinrücke sind "die Deutschen in Indien ganz gut unterwegs". Insgesamt seien 1.800 deutsche Firmen dort aktiv, darunter 200 große Unternehmen, der Rest seien Mittelständler und Kleinfirmen. Mit China kann das zwar nicht mithalten, aber Indien hat erst Anfang der 90er Jahre und damit viel später als der große Rivale seine Märkte geöffnet. Und bis heute sind Auslandsinvestitionen in vielen Branchen begrenzt.
Ein leichtes Pflaster für ausländische Investoren ist Indien nicht. Mancher hat sich auch ein blaues Auge geholt. Der Sportartikelhersteller Adidas ist dabei, ein Drittel seiner 1.000 indischen Reebok-Filialen zu schließen, nachdem er sich mit Korruptionsvorwürfen und drohenden Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe konfrontiert sah.
Der Handelsriese Metro verkleinert seine Läden, weil die Megamärkte in Indien nicht ankamen. Der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport will sich sogar ganz aus Indien zurückziehen und seinen zehnprozentigen Anteil am Flughafen Delhi verkaufen - er sieht vorerst keine weiteren Geschäftschancen dort.
Immerhin 39 Prozent der deutschen Firmen beklagen im Business Monitor, dass sich das Investitionsklima verschlechtert hat. Auch die wachsende Rechtsunsicherheit sorgt viele. So wurde Bayer von einem Gericht verdonnert, eine Zwangslizenz für ein Krebsmedikament zu erteilen. Der Windanlagenhersteller Enercon kehrte Indien den Rücken, nachdem er sich von seinem indischen Partner ausgetrickst und übers Ohr gehauen sah. Enercon wurden in Indien mehrere Patente aberkannt, die in allen anderen Ländern akzeptiert wurden.
Ein chronisches Problem bleibt die Korruption. 41 Prozent der Firmen meinen, dass sich diese noch verschlimmert hat. Auch die marode Infrastruktur und die lähmende Bürokratie bremsen das Wachstum. Doch abschreiben sollten deutsche Unternehmen Indien auf keinen Fall, warnt Steinrücke. Für ihn steht außer Frage: Das riesige Land bleibt geradezu ein Muss. Indien sei einer der großen Wachstumsmärkte. Kein Unternehmen könne es sich leisten, die zweitgrößte Nation der Welt mir 1,2 Milliarden Einwohnern zu ignorieren
In China wächst ein Heer an ausgabefreudigen Konsumenten heran. Anleger können über China-Fonds daran teilhaben. Nicht immer sind die Firmen aber am Wohl der Aktionäre interessiert
513 Millionen Chinesen nutzen das Internet. Das entspricht gut einem Drittel der Bevölkerung. Das Potenzial ist also noch riesig, vor allem im ländlichen China gehen Experten von einem drastischen Anstieg der Internet-Zugänge aus
Ein Profiteur dieses Trends ist das Netzwerk- Portal Tencent. Das Unternehmen bietet ähnliche Dienste an wie Facebook (Pengyou) und Twitter (Weibo). 751 Millionen Nutzer hat Tencent bisher, Konkurrent Facebook meldete Ende März 2012 rund 901 Millionen Nutzer. Weil Tencent höhere Gewinne schreibt als Facebook (1,6 Milliarden Dollar im Vergleich zu einer Milliarde Dollar für das Jahr 2011) und gleichzeitig günstiger bewertet ist (KGV von 33 im Vergleich zu 63), ist die Aktie für Investoren durchaus spannend.
Bei Michael Lai, Manager des GAM Star China Equity, stellt Tencent daher mit 6,3 Prozent die größte Position im Portfolio, gefolgt von Computerhersteller Lenovo (6,1 Prozent) und Autokonzern Dongfeng Motor-H (5,9 Prozent).
„Der chinesische Binnenkonsum zeigt sich stabil. Der Einzelhandelsanteil am chinesischen Bruttoinlandsprodukt liegt im Schnitt bei rund 15 Prozent“, so die GAM-Experten im aktuellen Marktbericht. „Deshalb halten wir gerne Titel aus dem Konsum- und Finanzbereich, und da vor allem von Banken und Lebensversicherern.“ Unternehmen also, die von der aufstrebenden Mittelschicht Chinas profitieren.
„Wir haben den Fonds auf unsere Empfehlungsliste gesetzt“, sagt Achim Backhaus. Dem Leiter der Fondsauswahl und Manager mehrerer Dachfonds der Privatbank Hauck & Aufhäuser gefällt das dahinterstehende Konzept. „GAM ist überzeugt, dass es im asiatischen Markt signifikante Preisineffizienzen gibt, welche sich von Portfoliomanagern mit detaillierten lokalen Kenntnissen ausnutzen lassen“, so Backhaus.
Das Portfolio konzentriere sich daher vor allem auf mittelgroße, von nur wenigen Analysten abgedeckte Unternehmen. Gleichzeitig bezögen die Fondsmanager das makroökonomische Umfeld mit ein, indem sie langfristige Themen und Veränderungen identifizierten. Das Analystenteam von GAM besucht über 300 Unternehmen pro Jahr, 25 bis 50 davon schaffen es ins Portfolio. Ziel ist es, zwei bis drei Jahre investiert zu sein.
Wie wichtig die Analyse der Unternehmen ist, weiß auch Nicholas Yeo, Manager des zweitbesten China-Fonds Aberdeen Chinese Equity. „Man muss seine Hausaufgaben machen, um gute Renditen zu bekommen. Das liegt daran, dass es in China zwar eine großartige übergeordnete Geschichte gibt, Dinge auf Firmenebene aber ganz anders aussehen.”
Wenig aktionärsfreundlich
Das heißt: Unternehmen sind in China vielfach noch im Besitz des Staats und nicht unbedingt darauf ausgerichtet, dem Aktionär Gewinne zu bescheren. „Außerdem mangelt es besonders bei Festland-Firmen oft an der Qualität und einer sauberen Betriebsführung“, sagt Yeo. „Deshalb spielen wir Chinas Wachstumsstory über Bande, indem wir Aktien von Firmen kaufen, die in Hongkong gelistet sind. Sie machen rund 40 Prozent ihres Profits in China, haben aber strengere Standards.“
Zu den größten Positionen des Aberdeen- Fonds gehören das Industrieunternehmen Jardine Strategic Holdings (7,6 Prozent), der Mobilfunkdienstleister China Mobile (5,0 Prozent) und der Finanzkonzern AIA (4,6 Prozent). Eine Lieblingsaktie von Yeo ist auch Swire Pacific. Der Konzern vereint unter einem Dach Marken aus dem Immobilien-, Flugzeugund Einzelhandelssektor.
Wenn man Yeo bittet, seinen Arbeitsalltag in einem Wort zu beschreiben, kommt prompt die Antwort: „busy“. Also betriebsam. „Wir rennen von Meeting zu Meeting, haben manchmal bis zu acht an einem Tag“, sagt er. Sein Team und er besuchen neben potenziellen Kaufkandidaten auch Unternehmen, deren Aktien sie schon im Portfolio haben. Yeo: „Um mitzukriegen, was die Unternehmen umtreibt.“
513 Millionen Chinesen nutzen das Internet. Das entspricht gut einem Drittel der Bevölkerung. Das Potenzial ist also noch riesig, vor allem im ländlichen China gehen Experten von einem drastischen Anstieg der Internet-Zugänge aus
Ein Profiteur dieses Trends ist das Netzwerk- Portal Tencent. Das Unternehmen bietet ähnliche Dienste an wie Facebook (Pengyou) und Twitter (Weibo). 751 Millionen Nutzer hat Tencent bisher, Konkurrent Facebook meldete Ende März 2012 rund 901 Millionen Nutzer. Weil Tencent höhere Gewinne schreibt als Facebook (1,6 Milliarden Dollar im Vergleich zu einer Milliarde Dollar für das Jahr 2011) und gleichzeitig günstiger bewertet ist (KGV von 33 im Vergleich zu 63), ist die Aktie für Investoren durchaus spannend.
Bei Michael Lai, Manager des GAM Star China Equity, stellt Tencent daher mit 6,3 Prozent die größte Position im Portfolio, gefolgt von Computerhersteller Lenovo (6,1 Prozent) und Autokonzern Dongfeng Motor-H (5,9 Prozent).
„Der chinesische Binnenkonsum zeigt sich stabil. Der Einzelhandelsanteil am chinesischen Bruttoinlandsprodukt liegt im Schnitt bei rund 15 Prozent“, so die GAM-Experten im aktuellen Marktbericht. „Deshalb halten wir gerne Titel aus dem Konsum- und Finanzbereich, und da vor allem von Banken und Lebensversicherern.“ Unternehmen also, die von der aufstrebenden Mittelschicht Chinas profitieren.
„Wir haben den Fonds auf unsere Empfehlungsliste gesetzt“, sagt Achim Backhaus. Dem Leiter der Fondsauswahl und Manager mehrerer Dachfonds der Privatbank Hauck & Aufhäuser gefällt das dahinterstehende Konzept. „GAM ist überzeugt, dass es im asiatischen Markt signifikante Preisineffizienzen gibt, welche sich von Portfoliomanagern mit detaillierten lokalen Kenntnissen ausnutzen lassen“, so Backhaus.
Das Portfolio konzentriere sich daher vor allem auf mittelgroße, von nur wenigen Analysten abgedeckte Unternehmen. Gleichzeitig bezögen die Fondsmanager das makroökonomische Umfeld mit ein, indem sie langfristige Themen und Veränderungen identifizierten. Das Analystenteam von GAM besucht über 300 Unternehmen pro Jahr, 25 bis 50 davon schaffen es ins Portfolio. Ziel ist es, zwei bis drei Jahre investiert zu sein.
Wie wichtig die Analyse der Unternehmen ist, weiß auch Nicholas Yeo, Manager des zweitbesten China-Fonds Aberdeen Chinese Equity. „Man muss seine Hausaufgaben machen, um gute Renditen zu bekommen. Das liegt daran, dass es in China zwar eine großartige übergeordnete Geschichte gibt, Dinge auf Firmenebene aber ganz anders aussehen.”
Wenig aktionärsfreundlich
Das heißt: Unternehmen sind in China vielfach noch im Besitz des Staats und nicht unbedingt darauf ausgerichtet, dem Aktionär Gewinne zu bescheren. „Außerdem mangelt es besonders bei Festland-Firmen oft an der Qualität und einer sauberen Betriebsführung“, sagt Yeo. „Deshalb spielen wir Chinas Wachstumsstory über Bande, indem wir Aktien von Firmen kaufen, die in Hongkong gelistet sind. Sie machen rund 40 Prozent ihres Profits in China, haben aber strengere Standards.“
Zu den größten Positionen des Aberdeen- Fonds gehören das Industrieunternehmen Jardine Strategic Holdings (7,6 Prozent), der Mobilfunkdienstleister China Mobile (5,0 Prozent) und der Finanzkonzern AIA (4,6 Prozent). Eine Lieblingsaktie von Yeo ist auch Swire Pacific. Der Konzern vereint unter einem Dach Marken aus dem Immobilien-, Flugzeugund Einzelhandelssektor.
Wenn man Yeo bittet, seinen Arbeitsalltag in einem Wort zu beschreiben, kommt prompt die Antwort: „busy“. Also betriebsam. „Wir rennen von Meeting zu Meeting, haben manchmal bis zu acht an einem Tag“, sagt er. Sein Team und er besuchen neben potenziellen Kaufkandidaten auch Unternehmen, deren Aktien sie schon im Portfolio haben. Yeo: „Um mitzukriegen, was die Unternehmen umtreibt.“
Die Abschaffung von Barmittel würde ein funktionierendes Steuersystem ermöglichen
Adrien Dumas ist seit Jahresbeginn neuer Fondsmanager des Aktienfonds Echiquier Global. Anlass für DAS INVESTMENT.com mit ihm über die Eurokrise, seine Branchenfavoriten und Indiens Zukunft zu sprechen
DAS INVESTMENT.com: In welchen Branchen dürften Anleger bei einer weiteren Abkühlung des globalen Wirtschaftswachstums die am wenigsten betroffenen Unternehmen finden?
Adrien Dumas: Vor allem bei solchen Unternehmen, die am steigenden Konsum in den Schwellenländern teilhaben sowie in der Medizintechnik tätig sind. Denn diese Unternehmen werden von der wachsenden Mittelschicht und dem Willen der dortigen Regierungen profitieren, lokale Gesundheitssysteme in ihren Ländern zu errichten.
DAS INVESTMENT.com: Kaufen Sie nach all der Schelte für Bankinstitute noch deren Aktien?
Dumas: Für den Echiquier Global haben wir noch nie in Bankaktien investiert. Für uns stehen weltweit führende Unternehmen im Vordergrund. Zu diesen zu gehören, ist in der Bankenbranche kein besonderer Vorteil. Zudem ist es in diesem Sektor schwierig, Strategien zur Nutzung von Wachstumschancen bei einzelnen Häusern zu finden.
DAS INVESTMENT.com: Wenn man Ihnen sagte: Lösen Sie die Eurokrise! Welche drei Maßnahmen würden Sie ergreifen?
Dumas: Das wären dann…
1.die Etablierung eines zentralen europäischen Organs zur Kontrolle der großen Banken (Top 50) sowie eines Garantiemechanismus,
2.eine Harmonisierung der fiskalpolitischen Regeln in der Eurozone, sowie
3.die Abschaffung von Barmitteln und ausschließlich elektronischer Zahlungsverkehr in ganz Europa, um ein vernünftiges Funktionieren des Steuersystems zu ermöglichen.
DAS INVESTMENT.com: Sie halten zurzeit 25 Prozent Technologieaktien im Portfolio? Besteht keine Gefahr einer neuen Dotcom-Blase?
Dumas: Wir sind nach wie vor vom Wachstumspotenzial des Technologie-Sektors überzeugt und haben diesen entsprechend übergewichtet. Aus unserer Sicht ist der Bereich aber recht hoch bewertet und wir haben damit angefangen, den Anteil von Technologiewerten zu verringern.
Man darf nicht vergessen, dass die Entwicklung des mobilen Internets für Unternehmen wie Facebook, Amazon und Ebay eine riesige Chance darstellt, ihren Datenverkehr zu Geld zu machen. Jüngste Statistiken zeigen, dass wir uns 25 Prozent unserer Freizeit mit Smartphones beschäftigen, jedoch lediglich ein Prozent des weltweiten Werbevolumens hierauf entfällt.
DAS INVESTMENT.com: Ein weitere auffällige Position sind indische Aktien. Was finden Sie an ihnen derzeit so interessant?
Dumas: Die Tatsache, dass sich das Pro-Kopf-BIP in Indien unter Verwendung der Kaufkraftparität dem Wert von 5.000 US-Dollar nähert, löst automatisch große Impulse im lokalen Konsum aus.
Dazu kommt dann noch der Aufschwung im ländlichen Indien. Dort lebt eine riesige Zahl an künftigen Verbrauchern, die dem 1,7-fachen der Bevölkerung ganz Europas entspricht. Das Wachstumspotenzial ist hier demnach immens. Das durchschnittliche verfügbare Einkommen wird bis 2020 jährlich um mehr als 14 Prozent wachsen. Es bleibt spannend zu sehen, welche führenden Unternehmen in der Lage sein werden, davon zu profitieren.
Zahlreiche Unternehmen haben das Potenzial Indiens aber bereits erkannt und es geschafft, sich regional gut zu positionieren. Indien treibt die Entwicklung einer modernen Absatzwirtschaft und deren logistische Folgen vehement voran. Davon profitieren Unternehmen wie beispielsweise Hindustan Unilever in besonderem Maße.
DAS INVESTMENT.com: Warum haben Sie jüngst Gewinne aus US-Investments mitgenommen? Haben Sie Befürchtungen wegen der kommenden Präsidentschaftswahl und dem sogenannten Fiscal Cliff?
Dumas: Wir hatten im vergangenen Monat sehr viel Erfolg mit US-Aktien. Die Entscheidung Gewinne mitzunehmen liegt in erster Linie daran, dass US-Aktien seit Jahresbeginn einen enormen Wertzuwachs hatten. Des Weiteren könnten die Präsidentschaftswahlen Fragen und Unsicherheiten aufwerfen, was neue strategische Entscheidungen und ihren Einfluss auf das künftige Wirtschaftswachstum des Landes angeht.
Was das Fiscal Cliff betrifft, so können sich unseres Erachtens Demokraten und Republikaner, angesichts der potenziellen Auswirkungen auf die fragile Konjunkturerholung, keine Änderung der fiskalpolitischen Regeln erlauben.
DAS INVESTMENT.com: Was finden Sie an ihren neuen Positionen Caterpillar, UTX und BMW so attraktiv?
Dumas: Wir sind sehr daran interessiert, wieder verstärkt in zyklische Unternehmen zu investierten. Sie sind trotz hoher Qualität sehr niedrig bewertet.
Caterpillar ist das weltweit führende Unternehmen für Bau- und Bergbaumaschinen. Dank seiner hervorragenden Positionierung dürfte das Unternehmen in der Lage sein, seinen Marktanteil sowohl in den USA als auch in den Schwellenländern auszubauen.
UTX ist ein großer US-Mischkonzern. Drei seiner Tochterunternehmen sind Weltmarktführer in ihrem jeweiligen Bereich: Otis bei Aufzügen, Carrier bei Klimaanlagen und Pratt & Withney in der Raumfahrtausrüstung.
BMW dagegen ist eine Kultmarke, die von der „Premiumisierung“ der Automobilbranche profitieren wird.
DAS INVESTMENT.com: Welche Positionen haben Sie dagegen jüngst aus Ihrem Portfolio verkauft?
Dumas: Wir haben den Saatguthersteller Monsanto verkauft. Zwar sind wir nach wie vor von der Positionierung des Unternehmens angetan, jedoch hat der kräftige Preisanstieg bei Agrarrohstoffen die Bewertung unserer Meinung nach zu weit nach oben getrieben.
Adrien Dumas ist seit Jahresbeginn neuer Fondsmanager des Aktienfonds Echiquier Global. Anlass für DAS INVESTMENT.com mit ihm über die Eurokrise, seine Branchenfavoriten und Indiens Zukunft zu sprechen
DAS INVESTMENT.com: In welchen Branchen dürften Anleger bei einer weiteren Abkühlung des globalen Wirtschaftswachstums die am wenigsten betroffenen Unternehmen finden?
Adrien Dumas: Vor allem bei solchen Unternehmen, die am steigenden Konsum in den Schwellenländern teilhaben sowie in der Medizintechnik tätig sind. Denn diese Unternehmen werden von der wachsenden Mittelschicht und dem Willen der dortigen Regierungen profitieren, lokale Gesundheitssysteme in ihren Ländern zu errichten.
DAS INVESTMENT.com: Kaufen Sie nach all der Schelte für Bankinstitute noch deren Aktien?
Dumas: Für den Echiquier Global haben wir noch nie in Bankaktien investiert. Für uns stehen weltweit führende Unternehmen im Vordergrund. Zu diesen zu gehören, ist in der Bankenbranche kein besonderer Vorteil. Zudem ist es in diesem Sektor schwierig, Strategien zur Nutzung von Wachstumschancen bei einzelnen Häusern zu finden.
DAS INVESTMENT.com: Wenn man Ihnen sagte: Lösen Sie die Eurokrise! Welche drei Maßnahmen würden Sie ergreifen?
Dumas: Das wären dann…
1.die Etablierung eines zentralen europäischen Organs zur Kontrolle der großen Banken (Top 50) sowie eines Garantiemechanismus,
2.eine Harmonisierung der fiskalpolitischen Regeln in der Eurozone, sowie
3.die Abschaffung von Barmitteln und ausschließlich elektronischer Zahlungsverkehr in ganz Europa, um ein vernünftiges Funktionieren des Steuersystems zu ermöglichen.
DAS INVESTMENT.com: Sie halten zurzeit 25 Prozent Technologieaktien im Portfolio? Besteht keine Gefahr einer neuen Dotcom-Blase?
Dumas: Wir sind nach wie vor vom Wachstumspotenzial des Technologie-Sektors überzeugt und haben diesen entsprechend übergewichtet. Aus unserer Sicht ist der Bereich aber recht hoch bewertet und wir haben damit angefangen, den Anteil von Technologiewerten zu verringern.
Man darf nicht vergessen, dass die Entwicklung des mobilen Internets für Unternehmen wie Facebook, Amazon und Ebay eine riesige Chance darstellt, ihren Datenverkehr zu Geld zu machen. Jüngste Statistiken zeigen, dass wir uns 25 Prozent unserer Freizeit mit Smartphones beschäftigen, jedoch lediglich ein Prozent des weltweiten Werbevolumens hierauf entfällt.
DAS INVESTMENT.com: Ein weitere auffällige Position sind indische Aktien. Was finden Sie an ihnen derzeit so interessant?
Dumas: Die Tatsache, dass sich das Pro-Kopf-BIP in Indien unter Verwendung der Kaufkraftparität dem Wert von 5.000 US-Dollar nähert, löst automatisch große Impulse im lokalen Konsum aus.
Dazu kommt dann noch der Aufschwung im ländlichen Indien. Dort lebt eine riesige Zahl an künftigen Verbrauchern, die dem 1,7-fachen der Bevölkerung ganz Europas entspricht. Das Wachstumspotenzial ist hier demnach immens. Das durchschnittliche verfügbare Einkommen wird bis 2020 jährlich um mehr als 14 Prozent wachsen. Es bleibt spannend zu sehen, welche führenden Unternehmen in der Lage sein werden, davon zu profitieren.
Zahlreiche Unternehmen haben das Potenzial Indiens aber bereits erkannt und es geschafft, sich regional gut zu positionieren. Indien treibt die Entwicklung einer modernen Absatzwirtschaft und deren logistische Folgen vehement voran. Davon profitieren Unternehmen wie beispielsweise Hindustan Unilever in besonderem Maße.
DAS INVESTMENT.com: Warum haben Sie jüngst Gewinne aus US-Investments mitgenommen? Haben Sie Befürchtungen wegen der kommenden Präsidentschaftswahl und dem sogenannten Fiscal Cliff?
Dumas: Wir hatten im vergangenen Monat sehr viel Erfolg mit US-Aktien. Die Entscheidung Gewinne mitzunehmen liegt in erster Linie daran, dass US-Aktien seit Jahresbeginn einen enormen Wertzuwachs hatten. Des Weiteren könnten die Präsidentschaftswahlen Fragen und Unsicherheiten aufwerfen, was neue strategische Entscheidungen und ihren Einfluss auf das künftige Wirtschaftswachstum des Landes angeht.
Was das Fiscal Cliff betrifft, so können sich unseres Erachtens Demokraten und Republikaner, angesichts der potenziellen Auswirkungen auf die fragile Konjunkturerholung, keine Änderung der fiskalpolitischen Regeln erlauben.
DAS INVESTMENT.com: Was finden Sie an ihren neuen Positionen Caterpillar, UTX und BMW so attraktiv?
Dumas: Wir sind sehr daran interessiert, wieder verstärkt in zyklische Unternehmen zu investierten. Sie sind trotz hoher Qualität sehr niedrig bewertet.
Caterpillar ist das weltweit führende Unternehmen für Bau- und Bergbaumaschinen. Dank seiner hervorragenden Positionierung dürfte das Unternehmen in der Lage sein, seinen Marktanteil sowohl in den USA als auch in den Schwellenländern auszubauen.
UTX ist ein großer US-Mischkonzern. Drei seiner Tochterunternehmen sind Weltmarktführer in ihrem jeweiligen Bereich: Otis bei Aufzügen, Carrier bei Klimaanlagen und Pratt & Withney in der Raumfahrtausrüstung.
BMW dagegen ist eine Kultmarke, die von der „Premiumisierung“ der Automobilbranche profitieren wird.
DAS INVESTMENT.com: Welche Positionen haben Sie dagegen jüngst aus Ihrem Portfolio verkauft?
Dumas: Wir haben den Saatguthersteller Monsanto verkauft. Zwar sind wir nach wie vor von der Positionierung des Unternehmens angetan, jedoch hat der kräftige Preisanstieg bei Agrarrohstoffen die Bewertung unserer Meinung nach zu weit nach oben getrieben.
Zitat
Adrien Dumas ist Fondsmanager des Aktienfonds Echiquier Global (WKN : A1C3DY) der französischen Fondsboutique Financiere de l’Echiquier.

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