Der Traum von Geschäften in China - Gefahren und Spielregeln des fremden Marktes
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Der Traum von Geschäften in China - Gefahren und Spielregeln des fremden Marktes
Es ist nicht einfach Geschäfte in China zu machen.
Eine Beispielhafte wahre Geschichte:
Allein die deutsche Handelskammer in Schanghai kennt 150 bis 200 Fälle von deutschen Geschäftsleuten, die Opfer dieser Masche geworden sind, ihre Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer.
Lesetipp für Private User: BRIC - vielversprechend?
Laut einer Statistik der Generalstaatsanwaltschaft haben die Richter des Landes im vergangenen Jahr rund 42.000 Verdächtige wegen Wirtschaftsverbrechen verurteilt. Wer überführt wird, darf nicht auf Gnade hoffen: Die Richter lassen bestechliche Beamte per Kopfschuss hinrichten.
Eine Beispielhafte wahre Geschichte:
Allein die deutsche Handelskammer in Schanghai kennt 150 bis 200 Fälle von deutschen Geschäftsleuten, die Opfer dieser Masche geworden sind, ihre Experten rechnen mit einer hohen Dunkelziffer.
Zitat
Mohammed-Reza Mouazzen und sein Sohn haben eine Firma, M.C.M. in Mannheim. Sie kaufen gebrauchte Baumaschinen, oft im Ausland, und verkaufen sie mit Gewinn weiter, oft nach Iran. So kamen sie an Wang, angeblich Chef der Firma "China Heavy". Er bot ihnen einen Kran an. Sie zahlten ihm mehr als hunderttausend Euro, der Chinese lieferte nur Schrott.
Zitat
"Ähnlichen Fällen begegnen wir häufiger", sagt Tadashi Kageyama, Experte für Wirtschaftskriminalität und in Hongkong Chefermittler bei der US-Risikoberatung Kroll. Immer mehr Firmen lassen sich vom Glanz des Turbowachstums in China blenden. Sie werden zum Opfer ihres Wunsches, von den Vorzügen der Globalisierung zu profitieren.
Lesetipp für Private User: BRIC - vielversprechend?
Zitat
Mr. Ding pampert seine Gäste, geht jeden Tag mit ihnen essen, zeigt ihnen die Stadt. Die Chinesen erledigen kleinere Reparaturen an dem Kran, auch beim Abfassen der Verträge sind sie ganz besonders korrekt. Und beim Bummel über die Touristenstraße Nanjing Road warnt Herr Ding noch vor fliegenden Händlern: "Wir wollen doch nicht, dass Sie hier in China Geld verlieren!" Es schien das perfekte Geschäft.
Laut einer Statistik der Generalstaatsanwaltschaft haben die Richter des Landes im vergangenen Jahr rund 42.000 Verdächtige wegen Wirtschaftsverbrechen verurteilt. Wer überführt wird, darf nicht auf Gnade hoffen: Die Richter lassen bestechliche Beamte per Kopfschuss hinrichten.
Passen Sie auf China auf
Für Marc Faber ist es kein Wunder, dass die Emerging Markets immer mehr Investoren anziehen. Dort herrscht Wachstum, während die meisten Industrienationen stagnieren. In den USA seien die Nettoinvestitionen jetzt sogar negativ, meint der Investment-Profi. Dass es in Schwellenländern wie China so gut läuft, liegt auch an der Politik der westlichen Welt. „Die US-Geldpolitik hat China erst so richtig angekurbelt. Die Amerikaner haben gedacht: Wir übernehmen die Welt und verkaufen unser Coca-Cola und die Sachen von Procter & Gamble einfach überall. Das hat in den 90er-Jahren vielleicht noch funktioniert – danach nicht mehr“, sagt Faber. Jetzt haben sich die Kräfteverhältnisse verschoben. Die Volkswirtschaften der Schwellenländer sind in den vergangenen Jahren massiv gewachsen. „China verbraucht heute deutlich mehr an manchem Rohstoff als die westliche Welt. Wenn also der Chinese hustet, werden wir das sofort an den Preisen spüren.“ Die USA hätten einen Großteil ihrer Wirtschaftskraft im Bereich der Dienstleistungen. „Ob die abgenommen werden oder nicht, das werden wir nicht merken. Aber ob die Chinesen beispielsweise Nickel brauchen oder nicht, das werden wir sehr wohl merken.“
Das wird die Märkte verändern. Die meisten Kriege wurden um Rohstoffe geführt, so Faber. „Die Chinesen, die Inder haben in den letzten 15 Jahren ihren Ölverbrauch verdreifacht. Dennoch ist der Pro-Kopf-Ölverbrauch in China und Indien noch lächerlich niedrig. Ich rechne mit einer Nachfrageverdopplung in fünf bis zehn Jahren. Ich glaube, dass der Ölpreis in ein paar Jahren eher höher steht als heute.“ Geopolitische Risiken könnten ihn weiter befeuern. „Wollen die USA China eindämmen, geht das am ehesten über das Öl.“ 95 Prozent von Chinas Ölbedarf kommen aus dem Nahen und Mittleren Osten. „Die Amerikaner werden versuchen, die Chinesen über das Öl zu kontrollieren. Der Einfall in Libyen und die Beseitigung von Saddam Hussein waren hier nur der Anfang. Deshalb darf man auch davon ausgehen, dass es dort deutlich mehr Kriege geben wird. Diese Region wird früher oder später in Flammen aufgehen.“ Elf Flugzeugträger hätten die Amerikaner bereits in Position gebracht. Historisch betrachtet, haben Kriegszyklen hohe Rohstoffpreise bedeutet, so Faber. Auch künstlich niedrige Zinsen würden zu steigenden Preisen beitragen.
Ansonsten rät der Experte in Bezug auf China aber zur Vorsicht. „Das Wirtschaftswachstum, das wir in China sehen, ist völlig unhaltbar auf längere Sicht. Und das Kreditwachstum hat sich seit dem Jahr 2008 stark über den Trend beschleunigt. Es gibt ganz sicher eine Kreditblase im Untergrund.“ Doch niemand wisse, wie groß diese sei. Ein möglicher Crash hätte auf die Weltwirtschaft einen viel stärkeren Einfluss als ein Zusammenbruch der USA. Das wäre eine Katastrophe. „Amerika erlebte während seines Aufstiegs eine zweistellige Zahl von Finanzkrisen – das wird China auch blühen“, fürchtet Faber. Es sei nur eine Frage der Zeit. „Nehmen Sie die Immobilienblase in China“, so Faber. „Wird sie in einem halben Jahr platzen? Vielleicht. Ich dachte bereits 1988, dass Japan zusammenbrechen würde. Es dauerte dann doch noch zwei Jahre. Ich vermutete 1998, dass die Dotcom-Blase platzen würde. Es passierte im Jahr 2000.“
* Auszug Focus
Für Marc Faber ist es kein Wunder, dass die Emerging Markets immer mehr Investoren anziehen. Dort herrscht Wachstum, während die meisten Industrienationen stagnieren. In den USA seien die Nettoinvestitionen jetzt sogar negativ, meint der Investment-Profi. Dass es in Schwellenländern wie China so gut läuft, liegt auch an der Politik der westlichen Welt. „Die US-Geldpolitik hat China erst so richtig angekurbelt. Die Amerikaner haben gedacht: Wir übernehmen die Welt und verkaufen unser Coca-Cola und die Sachen von Procter & Gamble einfach überall. Das hat in den 90er-Jahren vielleicht noch funktioniert – danach nicht mehr“, sagt Faber. Jetzt haben sich die Kräfteverhältnisse verschoben. Die Volkswirtschaften der Schwellenländer sind in den vergangenen Jahren massiv gewachsen. „China verbraucht heute deutlich mehr an manchem Rohstoff als die westliche Welt. Wenn also der Chinese hustet, werden wir das sofort an den Preisen spüren.“ Die USA hätten einen Großteil ihrer Wirtschaftskraft im Bereich der Dienstleistungen. „Ob die abgenommen werden oder nicht, das werden wir nicht merken. Aber ob die Chinesen beispielsweise Nickel brauchen oder nicht, das werden wir sehr wohl merken.“
Das wird die Märkte verändern. Die meisten Kriege wurden um Rohstoffe geführt, so Faber. „Die Chinesen, die Inder haben in den letzten 15 Jahren ihren Ölverbrauch verdreifacht. Dennoch ist der Pro-Kopf-Ölverbrauch in China und Indien noch lächerlich niedrig. Ich rechne mit einer Nachfrageverdopplung in fünf bis zehn Jahren. Ich glaube, dass der Ölpreis in ein paar Jahren eher höher steht als heute.“ Geopolitische Risiken könnten ihn weiter befeuern. „Wollen die USA China eindämmen, geht das am ehesten über das Öl.“ 95 Prozent von Chinas Ölbedarf kommen aus dem Nahen und Mittleren Osten. „Die Amerikaner werden versuchen, die Chinesen über das Öl zu kontrollieren. Der Einfall in Libyen und die Beseitigung von Saddam Hussein waren hier nur der Anfang. Deshalb darf man auch davon ausgehen, dass es dort deutlich mehr Kriege geben wird. Diese Region wird früher oder später in Flammen aufgehen.“ Elf Flugzeugträger hätten die Amerikaner bereits in Position gebracht. Historisch betrachtet, haben Kriegszyklen hohe Rohstoffpreise bedeutet, so Faber. Auch künstlich niedrige Zinsen würden zu steigenden Preisen beitragen.
Ansonsten rät der Experte in Bezug auf China aber zur Vorsicht. „Das Wirtschaftswachstum, das wir in China sehen, ist völlig unhaltbar auf längere Sicht. Und das Kreditwachstum hat sich seit dem Jahr 2008 stark über den Trend beschleunigt. Es gibt ganz sicher eine Kreditblase im Untergrund.“ Doch niemand wisse, wie groß diese sei. Ein möglicher Crash hätte auf die Weltwirtschaft einen viel stärkeren Einfluss als ein Zusammenbruch der USA. Das wäre eine Katastrophe. „Amerika erlebte während seines Aufstiegs eine zweistellige Zahl von Finanzkrisen – das wird China auch blühen“, fürchtet Faber. Es sei nur eine Frage der Zeit. „Nehmen Sie die Immobilienblase in China“, so Faber. „Wird sie in einem halben Jahr platzen? Vielleicht. Ich dachte bereits 1988, dass Japan zusammenbrechen würde. Es dauerte dann doch noch zwei Jahre. Ich vermutete 1998, dass die Dotcom-Blase platzen würde. Es passierte im Jahr 2000.“
* Auszug Focus
Chinas Wachstum wird weiterhin kräftig sein
Mark Mobius, Fondsmanager-Star von Franklin Templeton, schätzt im Citywire-Interview die Entwicklung der Bric-Länder 2012 ein. Ein eher optimistischer Ausblick
Sie sind die Power-Häuser der Schwellenländer. Gemeint sind die Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China). Gegenüber dem Finanz-Portal Citywire hat sich Mark Mobius von Franklin Templeton über deren Ausblick 2012 geäußert.
Das Reich der Mitte
„Eine Menge Leute äußern sich derzeit sehr negativ über die wirtschaftliche Entwicklung Chinas. Wir nicht. Auch wenn die Höhe des Wirtschaftswachstums etwas zurückgehen wird, so wird es immer noch ein kräftiges Wachstum sein“, so Mobius. 2011 werde die Wirtschaft wohl um 9 Prozent wachsen, 2012 dann um 8 Prozent zulegen.
Der aktuelle Pessimismus rühre von einer schweren Situation der chinesischen Banken her. Aber diese hätten bereits Vorsichtsmaßnahmen getroffen und selbst wenn es hart auf hart komme, stünden der Regierung Währungsreserven von 2 Billionen US-Dollar (knapp 1,5 Billionen Euro) zur Rettung der Banken zur Verfügung, so der Fondsmanager -Star.
Mobius zum Rückgang der Immobilienpreise im Reich der Mitte: Wenn sie noch weiter fallen, würden Immobilien für viele Chinesen bezahlbar werden. Das würde dann einen neuen Impuls für die Baubranche geben. „Die Themen Urbanisierung und Immobilienpreise werden auch 2012 eine große Rolle spielen.“
* Auszug: Das Investment
Sie sind die Power-Häuser der Schwellenländer. Gemeint sind die Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China). Gegenüber dem Finanz-Portal Citywire hat sich Mark Mobius von Franklin Templeton über deren Ausblick 2012 geäußert.
Das Reich der Mitte
„Eine Menge Leute äußern sich derzeit sehr negativ über die wirtschaftliche Entwicklung Chinas. Wir nicht. Auch wenn die Höhe des Wirtschaftswachstums etwas zurückgehen wird, so wird es immer noch ein kräftiges Wachstum sein“, so Mobius. 2011 werde die Wirtschaft wohl um 9 Prozent wachsen, 2012 dann um 8 Prozent zulegen.
Der aktuelle Pessimismus rühre von einer schweren Situation der chinesischen Banken her. Aber diese hätten bereits Vorsichtsmaßnahmen getroffen und selbst wenn es hart auf hart komme, stünden der Regierung Währungsreserven von 2 Billionen US-Dollar (knapp 1,5 Billionen Euro) zur Rettung der Banken zur Verfügung, so der Fondsmanager -Star.
Mobius zum Rückgang der Immobilienpreise im Reich der Mitte: Wenn sie noch weiter fallen, würden Immobilien für viele Chinesen bezahlbar werden. Das würde dann einen neuen Impuls für die Baubranche geben. „Die Themen Urbanisierung und Immobilienpreise werden auch 2012 eine große Rolle spielen.“
* Auszug: Das Investment
China lockert Geldkontrolle
Worauf Investoren seit Jahren warten, scheint nun Wirklichkeit zu werden. China erleichtert Investitionen im eigenen Land. Aber bisher nur heimlich
Es sind Anrufe von höchster Stelle, dann kommt eine Frist, in der sich die angerufenen Fondsmanager zu entscheiden haben. Einer von ihnen spricht mit der „New York Times“, die die Geschichte bringt: Chinas Regierung erlaubt ausländischen Investoren, ihre Geldanlagen im Land kräftig zu erhöhen.
„Die Anrufe kamen gegen 4 Uhr, und du hattest bis 5 Uhr 30 zu antworten“, sagte der Chef einer stark in China investierten Finanzfirma dem Blatt. Dessen Redakteure deuten das als Zeichen für Chinas Eile, die Finanzmärkte zu beruhigen. In den Anrufen sei es darum gegangen, dass die geneigten Investoren alle angefragten Anlagen tatsächlich abschließen können und ihre Gesamtinvestments sogar verdoppeln könnten.
Fremdes Geld könnte jene Abflüsse aufwiegen, die reiche Chinesen derzeit verursachen, indem sie Finanzen verstärkt ins Ausland schaffen. Hinzu kommt, dass die Aktienmärkte ein schwaches Jahr 2011 hinter sich haben. Der Shenzhen Composite verlor in Renminbi gerechnet mehr als ein Drittel seines Wertes. Beim Shanghai Composite war es fast ein Viertel. Dann nahm auch noch Regierungschef Wen Jiabao das Wachstumsziel für das laufende Jahr zuletzt auf 7,5 Prozent zurück. Ebenso sorgen fallende Immobilienpreise und ein überraschendes Handelsdefizit von 31,5 Milliarden Dollar im Februar für Sorgenfalten auf chinesischen Stirnen. Es zeigt, dass der Import – wahrscheinlich zu stark – zugenommen hatte und der Export trotz Wachstums damit nicht mithalten konnte.
Bisher kontrolliert China alles Geld, das offiziell ins Land kommt. Wer rein will, braucht eine Lizenz. Goldman Sachs hat eine, die Deutsche Bank auch, und auch der Investmentfonds der Eliteuniversität Yale. Aber viele haben keine und schieben ihr Geld mitunter über Lizenzträger – natürlich gegen Gebühr – ins Land.
Die eigene Währung, Renminbi, haben Chinas Obere an den Dollar gekoppelt und werten sie seit Jahren schrittweise auf. Sie wollen verhindern, dass er unkontrolliert an Wert gewinnt und so den Export bremst. In den vergangenen Wochen hat der Renminbi allerdings sogar ohne Chinas Zutun gegenüber dem Dollar verloren. Es war nur ganz wenig, die Unruhe erhöht es trotzdem, schreibt die „New York Times“.
Es sind Anrufe von höchster Stelle, dann kommt eine Frist, in der sich die angerufenen Fondsmanager zu entscheiden haben. Einer von ihnen spricht mit der „New York Times“, die die Geschichte bringt: Chinas Regierung erlaubt ausländischen Investoren, ihre Geldanlagen im Land kräftig zu erhöhen.
„Die Anrufe kamen gegen 4 Uhr, und du hattest bis 5 Uhr 30 zu antworten“, sagte der Chef einer stark in China investierten Finanzfirma dem Blatt. Dessen Redakteure deuten das als Zeichen für Chinas Eile, die Finanzmärkte zu beruhigen. In den Anrufen sei es darum gegangen, dass die geneigten Investoren alle angefragten Anlagen tatsächlich abschließen können und ihre Gesamtinvestments sogar verdoppeln könnten.
Fremdes Geld könnte jene Abflüsse aufwiegen, die reiche Chinesen derzeit verursachen, indem sie Finanzen verstärkt ins Ausland schaffen. Hinzu kommt, dass die Aktienmärkte ein schwaches Jahr 2011 hinter sich haben. Der Shenzhen Composite verlor in Renminbi gerechnet mehr als ein Drittel seines Wertes. Beim Shanghai Composite war es fast ein Viertel. Dann nahm auch noch Regierungschef Wen Jiabao das Wachstumsziel für das laufende Jahr zuletzt auf 7,5 Prozent zurück. Ebenso sorgen fallende Immobilienpreise und ein überraschendes Handelsdefizit von 31,5 Milliarden Dollar im Februar für Sorgenfalten auf chinesischen Stirnen. Es zeigt, dass der Import – wahrscheinlich zu stark – zugenommen hatte und der Export trotz Wachstums damit nicht mithalten konnte.
Bisher kontrolliert China alles Geld, das offiziell ins Land kommt. Wer rein will, braucht eine Lizenz. Goldman Sachs hat eine, die Deutsche Bank auch, und auch der Investmentfonds der Eliteuniversität Yale. Aber viele haben keine und schieben ihr Geld mitunter über Lizenzträger – natürlich gegen Gebühr – ins Land.
Die eigene Währung, Renminbi, haben Chinas Obere an den Dollar gekoppelt und werten sie seit Jahren schrittweise auf. Sie wollen verhindern, dass er unkontrolliert an Wert gewinnt und so den Export bremst. In den vergangenen Wochen hat der Renminbi allerdings sogar ohne Chinas Zutun gegenüber dem Dollar verloren. Es war nur ganz wenig, die Unruhe erhöht es trotzdem, schreibt die „New York Times“.
Branche für Branche treten chinesische Unternehmen einen Siegeszug an
Große Halle des Volkes. 3,34 Quadratmeter blitzsaubere LCD-Technik, eine Diagonale von 2,79 Metern. Die neuen, ultramodernen 3-D-Bildschirme im Parlamentsgebäude sind nur wenige Quadratzentimeter größer als ihre Vorgänger. Doch sie symbolisieren einen gewaltigen Umbruch: Größere gibt es derzeit nicht.
TCL hat sie gefertigt, ein chinesischer Elektronikkonzern. Die vorherigen Bildschirme kamen aus Japan und waren von Panasonic . Das Signal der Tauschaktion ist klar: Wir sind jetzt Weltspitze.
Düsseldorf, Zentrale des Mobilfunkanbieters E-Plus. Lange hatte der Vorstand debattiert. Konnte man es riskieren, den Netzausbau Chinesen zu überlassen? Dann auch noch ZTE? Einem Newcomer, bekannt vor allem als billig? Aber der Neuling bot Hightech, er versprach erstklassigen Service, er unterbot - so heißt es in der Branche - die Angebote der Platzhirsche Ericsson und Nokia Siemens Networks um fast die Hälfte. Und er bekam den Zuschlag.
Das bisherige Fazit: Alles läuft rund. Dafür sorgte ZTEs Entwicklungschef persönlich. Als die Chinesen 2010 mit dem Aufbau des Netzes begannen, blieb er volle drei Monate am Rhein.
Sany: Besuch beim potenziellen Weltmarktführer
Changsha, Provinz Hunan, Zentrale des Baumaschinenherstellers Sany. Unternehmensberater Hermann Simon sah sein Weltbild erschüttert. Lkw-Chassis von Mercedes, Hydraulik von Bosch Rexroth, Steuerungen von Siemens - "Wir verwenden nur die besten Komponenten, die es auf der Welt gibt", klärte der stellvertretende Vorstandschef Xiang Wenbo den Consultant aus Deutschland auf. Mehr als 5 Prozent des Umsatzes fließen Jahr für Jahr in Forschung und Entwicklung; die Quote ließe sich auch in Deutschland sehen. Simon musste anerkennen: Er besuchte einen potenziellen Weltmarktführer.
Flachbildschirme, Mobilfunktechnik, Baumaschinen; genauso könnte man auch Züge, Hightechhandys oder Solarzellen nennen. Die Zeiten, in denen China für westliche Konzerne die verlängerte Werkbank war und gleichzeitig der größte Nachfrager, sind vorbei.
Es waren goldene Jahre. Gerade Deutsche scheffelten mit ihren Spitzenbranchen wie Maschinenbau, Autoindustrie und Spezialchemie Hunderte Millionen Euro, erzielten häufig sogar Milliardengewinne. In der Rezession der Jahre 2008 und 2009 wurde China für viele Unternehmen zum Rettungsanker. Rund 1,5 Billionen Euro Konjunkturhilfe verordnete der Staat und ließ das Wirtschaftswachstum so inmitten des weltweiten Niedergangs nicht unter 9 Prozent sinken. Die angeschlagenen Westkonzerne waren dankbar.
Sicher, die Chinesen galten stets auch als gefährliche Partner. Schließlich, so klagten Westkonzerne, kopierten sie Spitzentechnik. Es gab keine Rechtssicherheit. Aber das Risiko, technologisch eingeholt zu werden, schien begrenzt.
Noch vor fünf Jahren habe er geglaubt, der chinesischen Konkurrenz um viele Jahre voraus zu sein, erzählt der ehemalige Leiter einer deutschen Plastikspritzgussfabrik. Dann investierten und wuchsen die Chinesen so stark, dass die Deutschen binnen kürzester Zeit eingeholt, überholt und abgehängt wurden. Und die Fabrik des einst so selbstgewissen Werkleiters? Geschlossen.
Nur in wenigen Branchen, zum Beispiel in der Auto- und der Pharmaindustrie, werden chinesische Firmen vermutlich noch über Jahrzehnte hinterherhinken
In anderen herrscht längst beinharter Wettbewerb: Die besten chinesischen Telekomausrüster schlossen vor fünf bis zehn Jahren zur Weltspitze auf; Solarzellenproduzenten, inzwischen gar global dominierend, vor zwei bis fünf Jahren; Windturbinenhersteller, Flugzeugbauer und Hersteller miteinander verknüpfter Steuergeräte für Energienetze (Smart Grids) dürften laut einer Prognose der Investmentbank Goldman Sachs binnen weniger Jahre so weit sein.
Die Zeit des Kopierens ist in vielen Branchen vorbei
Und übermorgen? Beherrschen die Chinesen dann die Wirtschaftswelt?
Die Zeit des Kopierens jedenfalls ist in vielen Branchen vorbei. Der Computerhersteller Lenovo ist für Hewlett-Packard und Dell zum mindestens gleichwertigen Wettbewerber geworden. Noch 2012 will Konzernchef Yang Yuanqing zur internationalen Nummer eins aufsteigen.
Konzerne wie Huawei und ZTE überraschen die Konkurrenz regelmäßig mit Innovationen, die früher wie selbstverständlich von Ericsson oder Nokia erwartet worden wären.
"Vor allem dank Chinas Rolle als globaler Wachstumstreiber kämpfen die internationalen Konzerne zwar um einen immer größeren Kuchen", sagt Sharon Bell, Finanzanalystin bei Goldman Sachs, "aber sie kämpfen gegen chinesische Konkurrenten, die sich gefährlich schnell verbessern."
Die Treiber der chinesischen Wirtschaft
Schon bislang halfen den Chinesen zwei Faktoren: Die Lohnkosten vor Ort sind so niedrig, dass viele arbeitsintensive Branchen fast chancenlos sind, wenn sie weiter im Westen fertigen. Das gilt - trotz stark steigender chinesischer Gehälter - weiterhin.
Auch die gewaltige Nachfrage der mehr als eine Milliarde Chinesen hilft der heimischen Wirtschaft. Die Unternehmen wachsen so relativ mühelos. Sie produzieren in immer größeren Fabriken - und werden nicht nur besser. Sie bleiben auch billig.
Hinzu kommen neue Treiber.
■Die wachsende technische Stärke: Die Ausgaben für Innovationen steigen rasant. Dazu fügt sich die Armee der jährlich mehr als 500.000 Ingenieure und Naturwissenschaftler, die Chinas Universitäten verlassen und - auch heute noch - die Kopierkunst.
Da kann es Unternehmen schon mal so gehen wie Siemens vor einigen Jahren: Die Münchener hatten den Chinesen im Gegenzug für einen milliardenschweren Gasturbinenauftrag ihre Technologie überlassen. Das Kalkül: Bis der Auftrag abgewickelt sei, werde man die eigenen Turbinen entscheidend weiterentwickelt haben. Ein Fehlschluss, wie sich zeigte. Die Abnehmer waren mit der Technik made in China zufrieden.
"Irgendwann stoßen Sie bei den Kunden an eine Grenze", hat ein Siemens-Manager erfahren. "Die sagen dann: ,Es reicht'; sie wollen gar nichts noch Besseres."
■Die staatliche Hilfe: Der Staat gewährt Steuerrabatte, gibt den Branchen in seinen Fünfjahresplänen sehr detaillierte Technologie- und Wachstumsziele vor und hält, teils direkt, teils über Regionalregierungen, noch immer hohe Beteiligungen an zahlreichen Konzernen. Chinas Unternehmen sind gleichzeitig frei und gesteuert, ein System, das SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner vor Kurzem als "die bessere Marktwirtschaft" bezeichnete.
Als die Pekinger Regierung vor gut zehn Jahren erneuerbare Energien zu einem maßgeblichen Wirtschaftsfeld ernannte, investierte sie sogleich massiv in den Aufbau einer Solar- und Windkraftindustrie. Das Ergebnis ist frappierend: Chinas Solarzellenhersteller dominieren heute den Weltmarkt. Die Hersteller von Windrädern liegen zwar technisch noch ein paar Jahre hinter der globalen Elite zurück. Den in Sachen Hightech nicht ganz so anspruchsvollen heimischen Markt, und damit den größten der Welt, aber haben sie an sich gerissen. Noch 2008 hielten ausländische Anbieter hier mehr als 90 Prozent Marktanteil. 2011 waren es weniger als 10 Prozent.
Jetzt hat Premierminister Wen Jiabao angekündigt, er wolle das Monopol der großen Staatsbanken aufbrechen. Sollte die Regierung den Plan umsetzen, kämen in Zukunft wohl auch kleine, privat geführte Unternehmen leichter an niedrig verzinste Kredite - so wie sie die Branchengrößen schon seit Jahren von den vier großen Staatsbanken erhalten.
■Die steigende Zahl der Übernahmen: der Autohersteller Geely kaufte Volvo ("Sicherheit aus Schwedenstahl"), der Baumaschinenkonzern Sany den ehemaligen deutschen Betonpumpen-Weltmarktführer Putzmeister. Für nahezu jeden Autozulieferer, der hierzulande zum Verkauf steht, bieten chinesische Rivalen oder Finanzinvestoren - kein anderes Land hat in Deutschland 2011 in mehr Projekte investiert. Gestützt werden die Interessenten und Käufer stets vom Staat. Die Wirtschaftsbehörde NDRC steuert, wer wen übernehmen darf und soll.
Als beispielhaft für den Aufstieg chinesischer Konzerne gilt der Netzinfrastrukturhersteller Huawei. Ren Zhengfei (67), ein Ingenieur und ehemaliger Militär, hat das Unternehmen in zwei Dekaden an die internationale Spitze katapultiert. Die Liste seiner Opfer ist lang: Nortel aus Kanada ging pleite, Nokia Siemens Networks siecht dahin. Allein der schwedische Weltmarktführer Ericsson wehrt sich noch halbwegs erfolgreich gegen Huaweis Ansturm.
Rens Rezept für den Aufstieg zum globalen Angstgegner ist typisch für die China Inc.: ein Mix aus staatlicher Unterstützung, niedrigen Kosten, dem absoluten Willen zur Macht - bei Huawei allerdings noch zusätzlich befeuert durch modernste Technologie.
Huaweis Aufstieg begann mit dem Aufbau von Chinas mobiler Netzinfrastruktur und kräftigen Steuernachlässen. Nortel , Nokia und Co. hatten den Gegner unterschätzt. Statt die Preise ein wenig zu senken, verteidigten sie ihre üppigen Margen - und verloren so immer mehr Geschäft.
An Geld mangelt es den Angreifern nicht
Dann nahm Huawei die Schwellenländer in Angriff. Insbesondere in Afrika koppelt China Kredite an Verträge für heimische Firmen. Das Resultat: Bei Mobilfunknetzen sind die Chinesen auf dem Kontinent unangefochtene Marktführer.
Von Afrika aus gelang erst der Sprung nach Osteuropa, dann in den Westen. Huawei wurde immer stärker, investierte massiv in Forschung und Entwicklung und meldete schon 2008 weltweit die meisten Patente an. Eine Hitliste, die vorher Philips angeführt hatte. Seine anfängliche Billigstrategie hat Konzernchef Ren inzwischen nicht mehr nötig.
Die Rolle des Preisdrückers übernahm ZTE - und macht den westlichen Wettbewerbern so zusätzlich zu schaffen. Das Unternehmen aus Shenzhen erkauft sich seine Aufträge so aggressiv, dass seine Bruttorendite seit dem Beginn der Expansion nach Europa um fast 10 Prozentpunkte sank.
An Geld mangelt es den Chinesen nicht. Während westliche Telekom-Manager grübeln, woher sie das Geld für die anstehende Aufrüstung ihrer Netze nehmen sollen, können ZTE und Huawei Milliarden aufbringen. Die chinesische Import-Export Bank habe gerade ein frisches Regierungsmandat erhalten, die beiden heimischen Konzerne in Europa zu unterstützen, heißt es in Peking.
Deutscher Weltmarktführer geschluckt: Wie Sany Putzmeister übernahm
Liang Wengen, Eigentümer des Baumaschinenkonzerns Sany, benötigt die staatliche Unterstützung gar nicht mehr. Als der deutsche Marktführer Putzmeister zum Verkauf stand, griff er kurz entschlossen zu und sicherte sich 90 Prozent am Unternehmen: ohne Prüfung der Finanzen, ohne Besuch in der Aichtaler Putzmeister-Zentrale, ohne staatliche Zustimmung. Die 324 Millionen Euro Kaufpreis sind für Liang ein Klacks. Er ist einer der reichsten Chinesen mit einem Vermögen von geschätzten sechs Milliarden Euro.
Gegenüber der neuen Tochter zeigt Liang sich großzügig. Gerade erst hat Putzmeister eine Standortgarantie abgegeben, wie sie auch die mächtigen Betriebsräte bei Volkswagen Vz. , BMW oder Daimler gern hätten: keine betriebsbedingten Kündigungen im Zusammenhang mit der Übernahme bis 2020.
Ähnlich wie Ren oder Liang drängt es die meisten chinesischen Unternehmen im Eiltempo an die Weltspitze. Marktforscher Shaun Rein hat 500 Vorstandsmitglieder in 100 Unternehmen zu ihren Expansionsplänen befragt. Das Ergebnis: 70 Prozent der Befragten wollen die Finanzkrise und die Schwächephase westlicher Konkurrenten nutzen und binnen drei Jahren zu Global Playern aufrücken. Zwar wächst die chinesische Wirtschaft gerade selbst so langsam wie lange nicht mehr, an den Zukunftsaussichten für Topkonzerne ändert das aber nichts.
Und Chinas Regierung gibt wieder den Weg vor: Sie legt den Schwerpunkt im aktuellen Fünfjahresplan auf Innovationen und Marken. Sieben Schlüsselindustrien wie Biotechnologie, IT, nachhaltige Energieerzeugung und alternative Automobilantriebe sollen bis 2015 rund 8 Prozent und bis 2020 sogar 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. 2011 waren es gerade einmal 2 Prozent.
"Die neuen Vorgaben aus Peking sind ein Frontalangriff auf deutsche Unternehmen", sagt ein VW-Topmanager. Schließlich seien Innovationsführerschaft, Marken- und Technologiemanagement Stärken der teutonischen Industrie.
Chinas Defizite im internationalen Vergleich
Noch sind die meisten Konzerne aus China nicht an der Weltspitze angekommen. Noch können die Deutschen und andere westliche Firmen gegenhalten. Denn bei allen Stärken zeigen sich auch eklatante chinesische Defizite:
■Die Schwäche ihrer Marken: Was den Chinesen bei westlichen Unternehmen längst gelungen ist, fällt ihnen bei Endverbrauchern noch schwer - ihre Marken auf den Einkaufslisten zu platzieren. Nur 17 Prozent der Verbraucher konnten bei einer Umfrage außerhalb Chinas jüngst eine chinesische Marke nennen. Noch am häufigsten genannt wurden Tsingtao, Bank of China und Lenovo - Bier, eine Bank und, immerhin, Computer. "Das sagt eine Menge über die Qualität aus", urteilt Jörg Wuttke, ehemaliger Präsident der Europäischen Handelskammer in Peking.
■Die Konzentration auf den heimischen Markt: Viele Unternehmen kommen schlicht nicht dazu, sich auf die Expansion ins Ausland zu konzentrieren. Regelmäßig 10 Prozent Wirtschaftswachstum im eigenen Land erfordern ihre komplette Aufmerksamkeit.
■Schwächen im Management: "Stark sind die Chinesen im Ausland vor allem da, wo sie ihr heimisches Geschäftsmodell exportieren können", sagt Ben Simpfendorfer, Gründer der Hongkonger Unternehmensberatung Silk Road Associates. Wenn sie nicht mit vorwiegend chinesischen Mitarbeitern antreten könnten, gebe es häufig Probleme. Als Saudi-Arabien beim Bau einer Bahnverbindung zwischen den Pilgerorten Mekka und Medina nur muslimische Arbeiter und Ingenieure zuließ, geriet das 1,8-Milliarden-Dollar-Projekt für die beauftragte China Railway Construction Corporation zum Desaster. Die Chinesen mussten 616 Millionen Dollar auf den Auftrag abschreiben.
■Politische Unwägbarkeiten: China gilt als politisch stabilstes Land der Welt, aber die ökonomische Liberalisierung bleibt in der Kommunistischen Partei umstritten. Aktuell wird die Polit-Elite, die sich auf einen Führungswechsel vorbereitet, von einem brutalen Machtkampf erschüttert. Noch ist unklar, wie weit sich die Reformer um den amtierenden Premier Wen durchsetzen werden.
■Der Mangel an Innovations- und Qualitätskultur: Die hohe Zahl der chinesischen Ingenieure sei nur bedingt aussagekräftig, sagt ein Manager eines deutschen Autoherstellers. Es fehle die Klasse: Die meisten Chinesen scheuten sich, Probleme offen anzusprechen; sie arbeiteten kaum disziplinenübergreifend; und sie dächten zu wenig voraus.
Tatsächlich können die internationalen Automobilkonzerne als Vorbild für die Abwehr chinesischer Konkurrenten gelten. Seit Jahren werden sie mal gehätschelt, dann wieder unter Druck gesetzt; und immer wieder geht es den Behörden vor allem um ein Thema: Technologie. Egal ob FAW oder SAIC, Brilliance oder BAIC: Die Autobauer rumpeln Volkswagen, BMW und Mercedes mit weitem Abstand hinterher; und die Deutschen - so verlangt es die Regierung - sollen ihre Joint-Venture-Partner endlich konkurrenzfähig machen.
Doch die Teutonen wehren sich geschickt. Sie produzieren gemeinsam mit den Chinesen, beteiligen sie am Vertrieb und lassen sogar kleinere Entwicklungsstäbe zu. Viel mehr als die Westmodelle an den lokalen Markt anzupassen aber dürfen die Entwickler vor Ort selten. Die Schlüsseltechnologien bleiben tabu.
Wie sich die West-Konzerne wehren
Und wenn VW sich jetzt doch darauf einlässt, mit SAIC und FAW Elektromobile unter eigenen Marken zu entwickeln, dann nur mit halber Kraft. In die Projekte wird bislang nicht mehr Zeit, Know-how und Geld investiert als unbedingt nötig.
Andere deutsche Industriegrößen setzen auf Früherkennung. Siemens etwa, nach bösen Erfahrungen mit Gasturbinen und Windrädern gewarnt, bekämpft Rivalen mittlerweile in einem Stadium, in dem der Konzern sie früher nicht ernst genommen hätte. "Wir greifen aufstrebende Unternehmen auf ihren Märkten mit eigens entwickelten, günstigen Produkten an", erzählt ein Siemens-Topmann. Die Logik hinter der neuen Strategie: "Wenn wir abwarten, kann es ganz schnell zu spät sein."
Auch SAP attackiert. Der Softwarekonzern will 1,5 Milliarden Euro nach China pumpen - die größte Auslandsinvestition seit Langem. 2000 neue Mitarbeiter wollen die Walldorfer einstellen, ihre Belegschaft in Shanghai fast verdoppeln. Und sie wollen neue Partner suchen, die auch aus artverwandten Branchen wie der Internetwirtschaft kommen können.
Zwar glauben Experten, dass es in der Softwarebranche noch zehn Jahre dauern dürfte, bis chinesische Unternehmen reif fürs internationale Geschäft sind. "Es kann aber auch schneller gehen", warnt Alex Atzberger, SAPs neuer Strategiechef in China.
Als Atzberger Ende vergangenen Jahres von New York nach Shanghai zog, erlebte er einen digitalen Kulturschock: Menschen, die an U-Bahn-Haltestellen in Scharen vor Werbeplakaten standen und per Smartphone und Barcode Lebensmittel bestellten. Läden, die die georderte Ware zwei Stunden später auslieferten. Gefährliche Konkurrenten wie der im Westen kaum bekannte chinesische Softwaremarktführer Ufida, der im Verbund mit dem französischen IT-Konzern Atos auch in Europa angreifen will.
Die Branchen, die verloren gingen, kamen nie wieder zurück
Selbst die Gefahr einer Übernahme beschäftigt die SAP-Oberen. "Der chinesische Staat hat angekündigt, er wolle 10 Prozent an SAP erwerben", ließ Aufsichtsratschef Hasso Plattner US-Mitarbeiter in Palo Alto im Februar wissen.
Die chinesischen Spitzenunternehmen haben prall gefüllte Kassen, sie rüsten technisch auf und kommen der Weltspitze immer näher. Wie gefährlich die Situation für viele Westkonzerne ist, zeigt ein Blick zurück in die 80er und 90er Jahre.
Damals galt Japan als die künftige ökonomische Übermacht. Und tatsächlich: Die Branchen, die für die deutsche Wirtschaft verloren gingen, zum Beispiel Unterhaltungselektronik oder Textilindustrie, kamen nie wieder zurück.
Aber das Beispiel Japan belegt auch, dass sich der Kampf lohnt: Die Branchen, die rechtzeitig reagierten, etwa die Autoindustrie, stehen heute stärker da als jemals zuvor. Von der scheinbaren japanischen Übermacht ist wenig geblieben.
Die Putzmeister-Angestellten indes dürften darauf setzen, dass die chinesische Wirtschaft rund läuft. Mitte April schaute ihr neuer Firmeneigentümer Liang Wengen bei seinem ersten Besuch vorbei. Die Putzmeister-Leute bereiteten alles auf den großen Tag vor. Sie strichen Geländer, verspachtelten Risse, kurz: Sie brachten die Fabrik zum Glänzen, alles auf Anweisung der deutschen Geschäftsführung. "Das ist ein bisschen wie in der DDR früher, wenn der Erich vorbeikam", stichelt ein Gewerkschafter.
Ganz unrecht hat er nicht: Sany-Chef Liang dürfte im Herbst als erster Unternehmer ins Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas einziehen
Angstgegner made in China >> Tabelle / Übersicht
TCL hat sie gefertigt, ein chinesischer Elektronikkonzern. Die vorherigen Bildschirme kamen aus Japan und waren von Panasonic . Das Signal der Tauschaktion ist klar: Wir sind jetzt Weltspitze.
Düsseldorf, Zentrale des Mobilfunkanbieters E-Plus. Lange hatte der Vorstand debattiert. Konnte man es riskieren, den Netzausbau Chinesen zu überlassen? Dann auch noch ZTE? Einem Newcomer, bekannt vor allem als billig? Aber der Neuling bot Hightech, er versprach erstklassigen Service, er unterbot - so heißt es in der Branche - die Angebote der Platzhirsche Ericsson und Nokia Siemens Networks um fast die Hälfte. Und er bekam den Zuschlag.
Das bisherige Fazit: Alles läuft rund. Dafür sorgte ZTEs Entwicklungschef persönlich. Als die Chinesen 2010 mit dem Aufbau des Netzes begannen, blieb er volle drei Monate am Rhein.
Sany: Besuch beim potenziellen Weltmarktführer
Changsha, Provinz Hunan, Zentrale des Baumaschinenherstellers Sany. Unternehmensberater Hermann Simon sah sein Weltbild erschüttert. Lkw-Chassis von Mercedes, Hydraulik von Bosch Rexroth, Steuerungen von Siemens - "Wir verwenden nur die besten Komponenten, die es auf der Welt gibt", klärte der stellvertretende Vorstandschef Xiang Wenbo den Consultant aus Deutschland auf. Mehr als 5 Prozent des Umsatzes fließen Jahr für Jahr in Forschung und Entwicklung; die Quote ließe sich auch in Deutschland sehen. Simon musste anerkennen: Er besuchte einen potenziellen Weltmarktführer.
Flachbildschirme, Mobilfunktechnik, Baumaschinen; genauso könnte man auch Züge, Hightechhandys oder Solarzellen nennen. Die Zeiten, in denen China für westliche Konzerne die verlängerte Werkbank war und gleichzeitig der größte Nachfrager, sind vorbei.
Es waren goldene Jahre. Gerade Deutsche scheffelten mit ihren Spitzenbranchen wie Maschinenbau, Autoindustrie und Spezialchemie Hunderte Millionen Euro, erzielten häufig sogar Milliardengewinne. In der Rezession der Jahre 2008 und 2009 wurde China für viele Unternehmen zum Rettungsanker. Rund 1,5 Billionen Euro Konjunkturhilfe verordnete der Staat und ließ das Wirtschaftswachstum so inmitten des weltweiten Niedergangs nicht unter 9 Prozent sinken. Die angeschlagenen Westkonzerne waren dankbar.
Sicher, die Chinesen galten stets auch als gefährliche Partner. Schließlich, so klagten Westkonzerne, kopierten sie Spitzentechnik. Es gab keine Rechtssicherheit. Aber das Risiko, technologisch eingeholt zu werden, schien begrenzt.
Noch vor fünf Jahren habe er geglaubt, der chinesischen Konkurrenz um viele Jahre voraus zu sein, erzählt der ehemalige Leiter einer deutschen Plastikspritzgussfabrik. Dann investierten und wuchsen die Chinesen so stark, dass die Deutschen binnen kürzester Zeit eingeholt, überholt und abgehängt wurden. Und die Fabrik des einst so selbstgewissen Werkleiters? Geschlossen.
Nur in wenigen Branchen, zum Beispiel in der Auto- und der Pharmaindustrie, werden chinesische Firmen vermutlich noch über Jahrzehnte hinterherhinken
In anderen herrscht längst beinharter Wettbewerb: Die besten chinesischen Telekomausrüster schlossen vor fünf bis zehn Jahren zur Weltspitze auf; Solarzellenproduzenten, inzwischen gar global dominierend, vor zwei bis fünf Jahren; Windturbinenhersteller, Flugzeugbauer und Hersteller miteinander verknüpfter Steuergeräte für Energienetze (Smart Grids) dürften laut einer Prognose der Investmentbank Goldman Sachs binnen weniger Jahre so weit sein.
Die Zeit des Kopierens ist in vielen Branchen vorbei
Und übermorgen? Beherrschen die Chinesen dann die Wirtschaftswelt?
Die Zeit des Kopierens jedenfalls ist in vielen Branchen vorbei. Der Computerhersteller Lenovo ist für Hewlett-Packard und Dell zum mindestens gleichwertigen Wettbewerber geworden. Noch 2012 will Konzernchef Yang Yuanqing zur internationalen Nummer eins aufsteigen.
Konzerne wie Huawei und ZTE überraschen die Konkurrenz regelmäßig mit Innovationen, die früher wie selbstverständlich von Ericsson oder Nokia erwartet worden wären.
"Vor allem dank Chinas Rolle als globaler Wachstumstreiber kämpfen die internationalen Konzerne zwar um einen immer größeren Kuchen", sagt Sharon Bell, Finanzanalystin bei Goldman Sachs, "aber sie kämpfen gegen chinesische Konkurrenten, die sich gefährlich schnell verbessern."
Die Treiber der chinesischen Wirtschaft
Schon bislang halfen den Chinesen zwei Faktoren: Die Lohnkosten vor Ort sind so niedrig, dass viele arbeitsintensive Branchen fast chancenlos sind, wenn sie weiter im Westen fertigen. Das gilt - trotz stark steigender chinesischer Gehälter - weiterhin.
Auch die gewaltige Nachfrage der mehr als eine Milliarde Chinesen hilft der heimischen Wirtschaft. Die Unternehmen wachsen so relativ mühelos. Sie produzieren in immer größeren Fabriken - und werden nicht nur besser. Sie bleiben auch billig.
Hinzu kommen neue Treiber.
■Die wachsende technische Stärke: Die Ausgaben für Innovationen steigen rasant. Dazu fügt sich die Armee der jährlich mehr als 500.000 Ingenieure und Naturwissenschaftler, die Chinas Universitäten verlassen und - auch heute noch - die Kopierkunst.
Da kann es Unternehmen schon mal so gehen wie Siemens vor einigen Jahren: Die Münchener hatten den Chinesen im Gegenzug für einen milliardenschweren Gasturbinenauftrag ihre Technologie überlassen. Das Kalkül: Bis der Auftrag abgewickelt sei, werde man die eigenen Turbinen entscheidend weiterentwickelt haben. Ein Fehlschluss, wie sich zeigte. Die Abnehmer waren mit der Technik made in China zufrieden.
"Irgendwann stoßen Sie bei den Kunden an eine Grenze", hat ein Siemens-Manager erfahren. "Die sagen dann: ,Es reicht'; sie wollen gar nichts noch Besseres."
■Die staatliche Hilfe: Der Staat gewährt Steuerrabatte, gibt den Branchen in seinen Fünfjahresplänen sehr detaillierte Technologie- und Wachstumsziele vor und hält, teils direkt, teils über Regionalregierungen, noch immer hohe Beteiligungen an zahlreichen Konzernen. Chinas Unternehmen sind gleichzeitig frei und gesteuert, ein System, das SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner vor Kurzem als "die bessere Marktwirtschaft" bezeichnete.
Als die Pekinger Regierung vor gut zehn Jahren erneuerbare Energien zu einem maßgeblichen Wirtschaftsfeld ernannte, investierte sie sogleich massiv in den Aufbau einer Solar- und Windkraftindustrie. Das Ergebnis ist frappierend: Chinas Solarzellenhersteller dominieren heute den Weltmarkt. Die Hersteller von Windrädern liegen zwar technisch noch ein paar Jahre hinter der globalen Elite zurück. Den in Sachen Hightech nicht ganz so anspruchsvollen heimischen Markt, und damit den größten der Welt, aber haben sie an sich gerissen. Noch 2008 hielten ausländische Anbieter hier mehr als 90 Prozent Marktanteil. 2011 waren es weniger als 10 Prozent.
Jetzt hat Premierminister Wen Jiabao angekündigt, er wolle das Monopol der großen Staatsbanken aufbrechen. Sollte die Regierung den Plan umsetzen, kämen in Zukunft wohl auch kleine, privat geführte Unternehmen leichter an niedrig verzinste Kredite - so wie sie die Branchengrößen schon seit Jahren von den vier großen Staatsbanken erhalten.
■Die steigende Zahl der Übernahmen: der Autohersteller Geely kaufte Volvo ("Sicherheit aus Schwedenstahl"), der Baumaschinenkonzern Sany den ehemaligen deutschen Betonpumpen-Weltmarktführer Putzmeister. Für nahezu jeden Autozulieferer, der hierzulande zum Verkauf steht, bieten chinesische Rivalen oder Finanzinvestoren - kein anderes Land hat in Deutschland 2011 in mehr Projekte investiert. Gestützt werden die Interessenten und Käufer stets vom Staat. Die Wirtschaftsbehörde NDRC steuert, wer wen übernehmen darf und soll.
Als beispielhaft für den Aufstieg chinesischer Konzerne gilt der Netzinfrastrukturhersteller Huawei. Ren Zhengfei (67), ein Ingenieur und ehemaliger Militär, hat das Unternehmen in zwei Dekaden an die internationale Spitze katapultiert. Die Liste seiner Opfer ist lang: Nortel aus Kanada ging pleite, Nokia Siemens Networks siecht dahin. Allein der schwedische Weltmarktführer Ericsson wehrt sich noch halbwegs erfolgreich gegen Huaweis Ansturm.
Rens Rezept für den Aufstieg zum globalen Angstgegner ist typisch für die China Inc.: ein Mix aus staatlicher Unterstützung, niedrigen Kosten, dem absoluten Willen zur Macht - bei Huawei allerdings noch zusätzlich befeuert durch modernste Technologie.
Huaweis Aufstieg begann mit dem Aufbau von Chinas mobiler Netzinfrastruktur und kräftigen Steuernachlässen. Nortel , Nokia und Co. hatten den Gegner unterschätzt. Statt die Preise ein wenig zu senken, verteidigten sie ihre üppigen Margen - und verloren so immer mehr Geschäft.
An Geld mangelt es den Angreifern nicht
Dann nahm Huawei die Schwellenländer in Angriff. Insbesondere in Afrika koppelt China Kredite an Verträge für heimische Firmen. Das Resultat: Bei Mobilfunknetzen sind die Chinesen auf dem Kontinent unangefochtene Marktführer.
Von Afrika aus gelang erst der Sprung nach Osteuropa, dann in den Westen. Huawei wurde immer stärker, investierte massiv in Forschung und Entwicklung und meldete schon 2008 weltweit die meisten Patente an. Eine Hitliste, die vorher Philips angeführt hatte. Seine anfängliche Billigstrategie hat Konzernchef Ren inzwischen nicht mehr nötig.
Die Rolle des Preisdrückers übernahm ZTE - und macht den westlichen Wettbewerbern so zusätzlich zu schaffen. Das Unternehmen aus Shenzhen erkauft sich seine Aufträge so aggressiv, dass seine Bruttorendite seit dem Beginn der Expansion nach Europa um fast 10 Prozentpunkte sank.
An Geld mangelt es den Chinesen nicht. Während westliche Telekom-Manager grübeln, woher sie das Geld für die anstehende Aufrüstung ihrer Netze nehmen sollen, können ZTE und Huawei Milliarden aufbringen. Die chinesische Import-Export Bank habe gerade ein frisches Regierungsmandat erhalten, die beiden heimischen Konzerne in Europa zu unterstützen, heißt es in Peking.
Deutscher Weltmarktführer geschluckt: Wie Sany Putzmeister übernahm
Liang Wengen, Eigentümer des Baumaschinenkonzerns Sany, benötigt die staatliche Unterstützung gar nicht mehr. Als der deutsche Marktführer Putzmeister zum Verkauf stand, griff er kurz entschlossen zu und sicherte sich 90 Prozent am Unternehmen: ohne Prüfung der Finanzen, ohne Besuch in der Aichtaler Putzmeister-Zentrale, ohne staatliche Zustimmung. Die 324 Millionen Euro Kaufpreis sind für Liang ein Klacks. Er ist einer der reichsten Chinesen mit einem Vermögen von geschätzten sechs Milliarden Euro.
Gegenüber der neuen Tochter zeigt Liang sich großzügig. Gerade erst hat Putzmeister eine Standortgarantie abgegeben, wie sie auch die mächtigen Betriebsräte bei Volkswagen Vz. , BMW oder Daimler gern hätten: keine betriebsbedingten Kündigungen im Zusammenhang mit der Übernahme bis 2020.
Ähnlich wie Ren oder Liang drängt es die meisten chinesischen Unternehmen im Eiltempo an die Weltspitze. Marktforscher Shaun Rein hat 500 Vorstandsmitglieder in 100 Unternehmen zu ihren Expansionsplänen befragt. Das Ergebnis: 70 Prozent der Befragten wollen die Finanzkrise und die Schwächephase westlicher Konkurrenten nutzen und binnen drei Jahren zu Global Playern aufrücken. Zwar wächst die chinesische Wirtschaft gerade selbst so langsam wie lange nicht mehr, an den Zukunftsaussichten für Topkonzerne ändert das aber nichts.
Und Chinas Regierung gibt wieder den Weg vor: Sie legt den Schwerpunkt im aktuellen Fünfjahresplan auf Innovationen und Marken. Sieben Schlüsselindustrien wie Biotechnologie, IT, nachhaltige Energieerzeugung und alternative Automobilantriebe sollen bis 2015 rund 8 Prozent und bis 2020 sogar 15 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt beitragen. 2011 waren es gerade einmal 2 Prozent.
"Die neuen Vorgaben aus Peking sind ein Frontalangriff auf deutsche Unternehmen", sagt ein VW-Topmanager. Schließlich seien Innovationsführerschaft, Marken- und Technologiemanagement Stärken der teutonischen Industrie.
Chinas Defizite im internationalen Vergleich
Noch sind die meisten Konzerne aus China nicht an der Weltspitze angekommen. Noch können die Deutschen und andere westliche Firmen gegenhalten. Denn bei allen Stärken zeigen sich auch eklatante chinesische Defizite:
■Die Schwäche ihrer Marken: Was den Chinesen bei westlichen Unternehmen längst gelungen ist, fällt ihnen bei Endverbrauchern noch schwer - ihre Marken auf den Einkaufslisten zu platzieren. Nur 17 Prozent der Verbraucher konnten bei einer Umfrage außerhalb Chinas jüngst eine chinesische Marke nennen. Noch am häufigsten genannt wurden Tsingtao, Bank of China und Lenovo - Bier, eine Bank und, immerhin, Computer. "Das sagt eine Menge über die Qualität aus", urteilt Jörg Wuttke, ehemaliger Präsident der Europäischen Handelskammer in Peking.
■Die Konzentration auf den heimischen Markt: Viele Unternehmen kommen schlicht nicht dazu, sich auf die Expansion ins Ausland zu konzentrieren. Regelmäßig 10 Prozent Wirtschaftswachstum im eigenen Land erfordern ihre komplette Aufmerksamkeit.
■Schwächen im Management: "Stark sind die Chinesen im Ausland vor allem da, wo sie ihr heimisches Geschäftsmodell exportieren können", sagt Ben Simpfendorfer, Gründer der Hongkonger Unternehmensberatung Silk Road Associates. Wenn sie nicht mit vorwiegend chinesischen Mitarbeitern antreten könnten, gebe es häufig Probleme. Als Saudi-Arabien beim Bau einer Bahnverbindung zwischen den Pilgerorten Mekka und Medina nur muslimische Arbeiter und Ingenieure zuließ, geriet das 1,8-Milliarden-Dollar-Projekt für die beauftragte China Railway Construction Corporation zum Desaster. Die Chinesen mussten 616 Millionen Dollar auf den Auftrag abschreiben.
■Politische Unwägbarkeiten: China gilt als politisch stabilstes Land der Welt, aber die ökonomische Liberalisierung bleibt in der Kommunistischen Partei umstritten. Aktuell wird die Polit-Elite, die sich auf einen Führungswechsel vorbereitet, von einem brutalen Machtkampf erschüttert. Noch ist unklar, wie weit sich die Reformer um den amtierenden Premier Wen durchsetzen werden.
■Der Mangel an Innovations- und Qualitätskultur: Die hohe Zahl der chinesischen Ingenieure sei nur bedingt aussagekräftig, sagt ein Manager eines deutschen Autoherstellers. Es fehle die Klasse: Die meisten Chinesen scheuten sich, Probleme offen anzusprechen; sie arbeiteten kaum disziplinenübergreifend; und sie dächten zu wenig voraus.
Tatsächlich können die internationalen Automobilkonzerne als Vorbild für die Abwehr chinesischer Konkurrenten gelten. Seit Jahren werden sie mal gehätschelt, dann wieder unter Druck gesetzt; und immer wieder geht es den Behörden vor allem um ein Thema: Technologie. Egal ob FAW oder SAIC, Brilliance oder BAIC: Die Autobauer rumpeln Volkswagen, BMW und Mercedes mit weitem Abstand hinterher; und die Deutschen - so verlangt es die Regierung - sollen ihre Joint-Venture-Partner endlich konkurrenzfähig machen.
Doch die Teutonen wehren sich geschickt. Sie produzieren gemeinsam mit den Chinesen, beteiligen sie am Vertrieb und lassen sogar kleinere Entwicklungsstäbe zu. Viel mehr als die Westmodelle an den lokalen Markt anzupassen aber dürfen die Entwickler vor Ort selten. Die Schlüsseltechnologien bleiben tabu.
Wie sich die West-Konzerne wehren
Und wenn VW sich jetzt doch darauf einlässt, mit SAIC und FAW Elektromobile unter eigenen Marken zu entwickeln, dann nur mit halber Kraft. In die Projekte wird bislang nicht mehr Zeit, Know-how und Geld investiert als unbedingt nötig.
Andere deutsche Industriegrößen setzen auf Früherkennung. Siemens etwa, nach bösen Erfahrungen mit Gasturbinen und Windrädern gewarnt, bekämpft Rivalen mittlerweile in einem Stadium, in dem der Konzern sie früher nicht ernst genommen hätte. "Wir greifen aufstrebende Unternehmen auf ihren Märkten mit eigens entwickelten, günstigen Produkten an", erzählt ein Siemens-Topmann. Die Logik hinter der neuen Strategie: "Wenn wir abwarten, kann es ganz schnell zu spät sein."
Auch SAP attackiert. Der Softwarekonzern will 1,5 Milliarden Euro nach China pumpen - die größte Auslandsinvestition seit Langem. 2000 neue Mitarbeiter wollen die Walldorfer einstellen, ihre Belegschaft in Shanghai fast verdoppeln. Und sie wollen neue Partner suchen, die auch aus artverwandten Branchen wie der Internetwirtschaft kommen können.
Zwar glauben Experten, dass es in der Softwarebranche noch zehn Jahre dauern dürfte, bis chinesische Unternehmen reif fürs internationale Geschäft sind. "Es kann aber auch schneller gehen", warnt Alex Atzberger, SAPs neuer Strategiechef in China.
Als Atzberger Ende vergangenen Jahres von New York nach Shanghai zog, erlebte er einen digitalen Kulturschock: Menschen, die an U-Bahn-Haltestellen in Scharen vor Werbeplakaten standen und per Smartphone und Barcode Lebensmittel bestellten. Läden, die die georderte Ware zwei Stunden später auslieferten. Gefährliche Konkurrenten wie der im Westen kaum bekannte chinesische Softwaremarktführer Ufida, der im Verbund mit dem französischen IT-Konzern Atos auch in Europa angreifen will.
Die Branchen, die verloren gingen, kamen nie wieder zurück
Selbst die Gefahr einer Übernahme beschäftigt die SAP-Oberen. "Der chinesische Staat hat angekündigt, er wolle 10 Prozent an SAP erwerben", ließ Aufsichtsratschef Hasso Plattner US-Mitarbeiter in Palo Alto im Februar wissen.
Die chinesischen Spitzenunternehmen haben prall gefüllte Kassen, sie rüsten technisch auf und kommen der Weltspitze immer näher. Wie gefährlich die Situation für viele Westkonzerne ist, zeigt ein Blick zurück in die 80er und 90er Jahre.
Damals galt Japan als die künftige ökonomische Übermacht. Und tatsächlich: Die Branchen, die für die deutsche Wirtschaft verloren gingen, zum Beispiel Unterhaltungselektronik oder Textilindustrie, kamen nie wieder zurück.
Aber das Beispiel Japan belegt auch, dass sich der Kampf lohnt: Die Branchen, die rechtzeitig reagierten, etwa die Autoindustrie, stehen heute stärker da als jemals zuvor. Von der scheinbaren japanischen Übermacht ist wenig geblieben.
Die Putzmeister-Angestellten indes dürften darauf setzen, dass die chinesische Wirtschaft rund läuft. Mitte April schaute ihr neuer Firmeneigentümer Liang Wengen bei seinem ersten Besuch vorbei. Die Putzmeister-Leute bereiteten alles auf den großen Tag vor. Sie strichen Geländer, verspachtelten Risse, kurz: Sie brachten die Fabrik zum Glänzen, alles auf Anweisung der deutschen Geschäftsführung. "Das ist ein bisschen wie in der DDR früher, wenn der Erich vorbeikam", stichelt ein Gewerkschafter.
Ganz unrecht hat er nicht: Sany-Chef Liang dürfte im Herbst als erster Unternehmer ins Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas einziehen
Angstgegner made in China >> Tabelle / Übersicht
Checkliste zur Feststellung der Seriosität chinesischer Firmen
Wenn Sie die unten aufgeführten weitgehend Fragen mit „Ja“ beantworten können, sollten Sie davon ausgehen, dass es sich um eine Scheinfirma handelt und Ihnen jemand nur das Geld aus den Taschen ziehen will:
Wenn Sie diese Fragen zum größten Teil bejahen können, dann sollten Sie den Kontakt zu der chinesischen Firma abbrechen. Ebenfalls können Sie sich an die Auslandshandelskammer wenden, um die Existenz der Firma überprüfen zu lassen
Zitat
•Hat sich die chinesische Firma unaufgefordert an Sie gewandt, ohne dass Sie vorher jemals Kontakt nach China hatten?
• Kam die Anfrage von einer Email Adresse, die in China kostenlos angelegt werden kann (z.B. 163.com, sohu.com, Yahoo, Hotmail etc.)?
• Ist der Vertrag auffällig vorteilhaft für Sie gestaltet?
•Wurde dem Vertragsentwurf innerhalb kurzer Zeit zugestimmt?
•Konnten Sie keine Englischsprachige Webseite der Firma finden?
•Wurde Ihnen eine großzügige Vorabzahlung angeboten, die Ihre Erwartung von fairen Zahlungskonditionen sogar übersteigt?
•Wurde Ihnen vorgeschlagen mit einem Touristen-Visum zu reisen?
•Wurden Sie gefragt hohe Notarisierungskosten zu zahlen?
•Wurde Ihnen vorgeschlagen ein angemessenes Geschenk in Form von teuren Goldplatten oder Goldschmuck zu kaufen?
Wenn Sie diese Fragen zum größten Teil bejahen können, dann sollten Sie den Kontakt zu der chinesischen Firma abbrechen. Ebenfalls können Sie sich an die Auslandshandelskammer wenden, um die Existenz der Firma überprüfen zu lassen
Wirtschaftskammer warnt vor chinesischen Scheinfirmen
Scheinfirmen aus China zocken immer öfter Unternehmen aus Deutschland und Österreich ab. Immer mehr chinesische Scheinfirmen zocken mittelständische Unternehmen aus Deutschland und Österreich ab. Sie locken die KMU mit der Vergabe lukrativer Aufträge, lassen dann Geschäftsleute einfliegen und kassieren vor Ort ab, schreibt die "Süddeutsche Zeitung" am Montag. Korrupte Beamte in den Provinzverwaltungen deckten die Betrüger. Die deutsche Außenhandelskammer in Shanghai warnt seit Jahren vor den Tricks. Auch die österreichische Wirtschaftskammer in Peking schlägt Alarm und hat bereits eine Liste von Scheinfirmen veröffentlicht.
In letzter Zeit würden vermehrt österreichische Unternehmen von Scheinfirmen aus China kontaktiert, "wobei es auch immer wieder zu konkreten Schadensfällen kommt", warnte die WKÖ erst vorige Woche. Meist bekunden die Scheinfirmen per E-Mail eine Bestellungs- oder Kooperationsabsicht; in die Korrespondenz stecken sie "sehr viel Zeit und auch Detailarbeit" - bis hin zu technischen Skizzen. Das Angebot der österreichischen Firma wird ohne größere Nachverhandlungen angenommen.
Zur angeblichen Vertragsunterzeichnung wird die ausländische Firma dann nach China eingeladen, wo die Österreicher allerdings Kosten für Notare, Vertragsvorarbeiten und dergleichen übernehmen sollen. Oft sollen ausländische Unternehmer sogar Geldgeschenke für einen misslaunigen Beamten in der Verwaltung bezahlen, schreibt die "SZ". Die Gelder sollen - unter einem Vorwand - jedoch auf ein privates Konto überwiesen werden. Von dort werden sie freilich sofort behoben, und die Chinesen haben plötzlich kein Interesse mehr an einer Geschäftspartnerschaft
In letzter Zeit würden vermehrt österreichische Unternehmen von Scheinfirmen aus China kontaktiert, "wobei es auch immer wieder zu konkreten Schadensfällen kommt", warnte die WKÖ erst vorige Woche. Meist bekunden die Scheinfirmen per E-Mail eine Bestellungs- oder Kooperationsabsicht; in die Korrespondenz stecken sie "sehr viel Zeit und auch Detailarbeit" - bis hin zu technischen Skizzen. Das Angebot der österreichischen Firma wird ohne größere Nachverhandlungen angenommen.
Zur angeblichen Vertragsunterzeichnung wird die ausländische Firma dann nach China eingeladen, wo die Österreicher allerdings Kosten für Notare, Vertragsvorarbeiten und dergleichen übernehmen sollen. Oft sollen ausländische Unternehmer sogar Geldgeschenke für einen misslaunigen Beamten in der Verwaltung bezahlen, schreibt die "SZ". Die Gelder sollen - unter einem Vorwand - jedoch auf ein privates Konto überwiesen werden. Von dort werden sie freilich sofort behoben, und die Chinesen haben plötzlich kein Interesse mehr an einer Geschäftspartnerschaft
China Geschäfte: Rechtliche Rahmenbedingungen bei Marketing und Vertrieb
China ist und bleibt ein interessanter Absatzmarkt für deutsche Unternehmen, auch wenn die aktuellen Wachstumsraten momentan etwas rückläufig sind. Angesichts der Größe der Einwohnerzahl, der demographischen Veränderungen von der Land- zur Stadtbevölkerung und der anhaltenden Bildung und Verfestigung mittlerer Einkommensschichten liegt es auf der Hand, dass der Konsum in allen Segmenten weiterhin steigen wird. Davon sind zunehmend auch Städte und Regionen betroffen, die bisher nicht wie Peking oder Shanghai im Fokus deutscher Exporteure standen.
Es ist deshalb für deutsche Unternehmer geradezu fahrlässig, die sich daraus ergebenden Chancen nicht zu nutzen und die Entwicklung van sich orbeiziehen zu lassen.
Gleichwohl ist es angesichts der kulturellen, rechtlichen und wirtschaftlichen Unterschiede schwierig, ein geschäftliches Engagement in China mit all seinen Risiken zu beurteilen und einschätzen zu können. Einschlägig erfahrene Fachleute, die sich sowohl vor Ort in China als auch im Westen auskennen, sind unverzichtbare Begleiter und können mit ihren Kenntnissen helfen, unvorbereitete Fehlentscheidungen zu vermeiden.
Als Einführung in das China Geschäft veranstaltet die in Hongkong, Peking und in Europa ansässige CHEURAM Consulting Group Ltd. am 25., 26. und 27. September in Hamburg, Berlin und München jeweils eine Vortragsveranstaltung, in der deutsche und chinesische Juristen über die rechtlichen Rahmenbedingungen bei unternehmerischen Aktivitäten in China, einschließlich Marketing und Vertrieb referieren und praktische Hinweise im Hinblick auf die kulturellen Unterschiede vermitteln werden.
Im Einzelnen geht es um
• Gesellschaftsformen und rechtliche Rahmenbedingungen
• Schutz von Urheberrechten, Patenten, Markenzeichen
• Technisch Standards und Normen für den chinesischen Marketingerfolg
• Vertriebsstrategien für Konsumgüter- und Investitionsgüterhersteller
• Marktmittler auf dem chinesischen Markt zu identifizieren und bewerten
• Maßnahmen zur Absicherung gegen Produkt- und Markenpiraterie vornehmen
Pressemitteilung von: CHEURAM Consulting Group Ltd
China ist und bleibt ein interessanter Absatzmarkt für deutsche Unternehmen, auch wenn die aktuellen Wachstumsraten momentan etwas rückläufig sind. Angesichts der Größe der Einwohnerzahl, der demographischen Veränderungen von der Land- zur Stadtbevölkerung und der anhaltenden Bildung und Verfestigung mittlerer Einkommensschichten liegt es auf der Hand, dass der Konsum in allen Segmenten weiterhin steigen wird. Davon sind zunehmend auch Städte und Regionen betroffen, die bisher nicht wie Peking oder Shanghai im Fokus deutscher Exporteure standen.
Es ist deshalb für deutsche Unternehmer geradezu fahrlässig, die sich daraus ergebenden Chancen nicht zu nutzen und die Entwicklung van sich orbeiziehen zu lassen.
Gleichwohl ist es angesichts der kulturellen, rechtlichen und wirtschaftlichen Unterschiede schwierig, ein geschäftliches Engagement in China mit all seinen Risiken zu beurteilen und einschätzen zu können. Einschlägig erfahrene Fachleute, die sich sowohl vor Ort in China als auch im Westen auskennen, sind unverzichtbare Begleiter und können mit ihren Kenntnissen helfen, unvorbereitete Fehlentscheidungen zu vermeiden.
Als Einführung in das China Geschäft veranstaltet die in Hongkong, Peking und in Europa ansässige CHEURAM Consulting Group Ltd. am 25., 26. und 27. September in Hamburg, Berlin und München jeweils eine Vortragsveranstaltung, in der deutsche und chinesische Juristen über die rechtlichen Rahmenbedingungen bei unternehmerischen Aktivitäten in China, einschließlich Marketing und Vertrieb referieren und praktische Hinweise im Hinblick auf die kulturellen Unterschiede vermitteln werden.
Im Einzelnen geht es um
• Gesellschaftsformen und rechtliche Rahmenbedingungen
• Schutz von Urheberrechten, Patenten, Markenzeichen
• Technisch Standards und Normen für den chinesischen Marketingerfolg
• Vertriebsstrategien für Konsumgüter- und Investitionsgüterhersteller
• Marktmittler auf dem chinesischen Markt zu identifizieren und bewerten
• Maßnahmen zur Absicherung gegen Produkt- und Markenpiraterie vornehmen
Pressemitteilung von: CHEURAM Consulting Group Ltd
Wenn es um die Expansion nach China geht, tun sich selbst international erfahrene Unternehmen schwer. Der erfolgreiche China-Internetunternehmer und Investor Frederick Demopoulos über die Komplexität des chinesischen Marktes, über "Guanxi" und den richtigen Umgang mit Regierungsvertretern.
mm: Herr Demopoulos, Sie haben mehrere Internet-Unternehmen in China aufgezogen und erfolgreich verkauft - zuletzt die größte chinesische Reiseseite Qunar an den Suchmaschinenbetreiber Baidu . Was ist es, was den chinesischen Markt zu einer solch großen Herausforderung macht?
Demopoulos: Die Wirtschaftsgrundsätze gelten hier genau so wie sonst auf der Welt. Man muss ein Produkt haben, das die Kunden wollen, man muss Gewinn machen - und man muss die Interessen der Beteiligten - von Regierung bis hin zu den Arbeitnehmern - im Blick haben. Vor allem muss man sich aber bewusst sein, dass China kein einheitlicher Markt ist, sondern ein ganzes Bündel von Märkten.
mm: Was bedeutet das?
Demopoulos: Da sind zum einen die sogenannten Tier-1-Städte, in denen die Konsumenten sehr aufgeklärt und erfahren sind, und viele auch englisch sprechen. Dann gibt es die Tier- 2-Städte, bei denen dies weniger der Fall ist, dafür aber mehr Menschen leben und die Wachstumsraten größer sind, und dann die Gebiete, in denen die Entwicklung noch nicht so weit ist, die Wachstumsraten aber umso höher.
mm: Und das verkennen viele?
Demopoulos: Einige. Man muss als ausländischer Investor einfach anerkennen: China ist kein homogenes Land. Auch wenn man ethisch und kulturell viele Gemeinsamkeiten beobachten kann. Sozial und wirtschaftlich ist das nicht der Fall. Dafür spielen Beziehungen - "Guanxi" - kulturell noch einmal eine ganz andere Rolle als in anderen Ländern. Und auch das Geschichtsgefühl ist ein anderes. In China können - anders als im Westen - Dinge eine Rolle spielen, die vor 100 Jahren passiert sind. Darüber muss man sich im Klaren sein.
mm.de: Sie haben das Thema "Guanxi" angesprochen. Wie wichtig sind Beziehungen zum Staat?
Demopoulos: Als Investor muss man sich darüber klar sein, dass der Staat als Akteur einen viel größeren Einfluss hat als wir das aus vielen anderen Ländern gewohnt sind. Allerdings har man es in China nicht mit einer Regierung zu tun. Es sind 10.000 einzelne Regierungs-Instanzen, die einen enormen Einfluss haben. Das macht andere Strategien und Herangehensweisen nötig.
mm.de: Die da wären? Muss man, wenn man in China erfolgreich Geschäfte machen will, seine Fühler in Richtung politische Elite ausstrecken?
Demopoulos: Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Regierung eine wichtige Rolle in der Wirtschaft spielt. In einigen Unternehmen decken sich daher Public Relations und Regierungsbeziehungen. Das heißt aber nicht, dass man die Hälfte seines Unternehmens der Regierung überantwortet. Man darf nicht vergessen dass es in China 10.000 Entitäten gibt, die um Ressourcen ringen. Und 10.000 von irgendetwas bedeutet für mich immer, dass es ein Käufermarkt ist. Und dieser Käufer kann eine deutsche Firma sein, die Geld in China verdienen will. Und sie hat 10.000 potenzielle Partner.
Es ist ein Mythos, dass alle in der chinesischen Regierung eine Meinung sind. Tatsächlich gibt es Liberale, Konservative und Befürworter eines freien Marktes und strenger staatlicher Kontrolle wie in jedem anderen politischen System auf der Welt. Und es ist kompliziert - es gibt unterschiedlichste Allianzen.
mm: Angesichts soviel Komplexität. Was raten sie Unternehmern?
Demopoulos: Erstens: Firmen brauchen einen systematischen und organisierten Weg, mit dem großen Akteur Staat umzugehen. Zweitens: Man darf sich in China nie auf nur eine Beziehung verlassen und darauf hoffen, dass diese alle Probleme löst.
Im Verhältnis zu Regierung gibt es drei Ebenen: Die erste besteht darin, als Firma so etwas wie ein guter Staatsbürger zu sein. Manchmal braucht man aber etwas Hilfe und Schutz. Besonders multinationale Unternehmen sollten daher darüber nachdenken, wie sie die eigenen Interessen mit denen von Regierungsinstanzen etwas mehr auf Linie bringen können. Beispielsweise in Form von Initiativen, die nicht alle wirtschaftlicher Natur sein müssen.
mm: Das klingt gefährlich nah zur Korruption.
Demopoulos: Das ist die dritte Ebene - die "dunkle Seite der Macht". Jeder muss zugeben, dass die meisten Märkte, China eingeschlossen, ein Korruptionsproblem haben. Das sollte vermieden werden. Allerdings lässt sich in den Bereichen, die davon betroffen sind, oft mehr Geld verdienen als anderswo, zum Beispiel im Immobiliengeschäft.
mm: Kann man denn in China überhaupt erfolgreich Geschäfte machen, ohne mit Korruption zu tun zu haben?
Demopoulos: Ja. Etwa die Hälfte aller Deals in China ist unsauber - aber weil die Margen hoch sind, ist auch das Interesse daran größer. Und das wiederum macht es leichter, die sauberen Deals zu verfolgen. In jedem Fall hilft es, wenn man einen Ruf als guter Staatsbürger hat und sich auf das konzentriert, was das eigene Unternehmen gut macht.
mm: Sie haben in Deutschland studiert, kennen die deutsche Mentalität. Gibt es Fehler, die besonders Deutschen häufig unterlaufen.
Demopoulos: Der chinesische Markt wandelt sich rasant. Ständig gibt es neue Konsumentengruppen, das Kundenverhalten und die Erwartungen wandeln sich, die Mittelklasse wächst. Da haben deutsche Unternehmen manchmal ein Flexibilitätsproblem. Aber damit stehen sie nicht alleine. Auch Amerikaner haben das. Eigentlich alle. Auf der anderen Seite kann eine gewissen Sturheit auch Vorteil sein - wenn man sich auf sein Produkt konzentriert und darauf, es zu verbessern.
So sind in China in Deutschland gebaute 3er BMW viel beliebter als diejenigen, die in heimischer Produktion montiert worden sind. Das bedeutet: Qualität - und viele andere Faktoren - die deutsche Unternehmen groß gemacht haben, zählen auch hier.
mm: Herr Demopoulos, Sie haben mehrere Internet-Unternehmen in China aufgezogen und erfolgreich verkauft - zuletzt die größte chinesische Reiseseite Qunar an den Suchmaschinenbetreiber Baidu . Was ist es, was den chinesischen Markt zu einer solch großen Herausforderung macht?
Demopoulos: Die Wirtschaftsgrundsätze gelten hier genau so wie sonst auf der Welt. Man muss ein Produkt haben, das die Kunden wollen, man muss Gewinn machen - und man muss die Interessen der Beteiligten - von Regierung bis hin zu den Arbeitnehmern - im Blick haben. Vor allem muss man sich aber bewusst sein, dass China kein einheitlicher Markt ist, sondern ein ganzes Bündel von Märkten.
mm: Was bedeutet das?
Demopoulos: Da sind zum einen die sogenannten Tier-1-Städte, in denen die Konsumenten sehr aufgeklärt und erfahren sind, und viele auch englisch sprechen. Dann gibt es die Tier- 2-Städte, bei denen dies weniger der Fall ist, dafür aber mehr Menschen leben und die Wachstumsraten größer sind, und dann die Gebiete, in denen die Entwicklung noch nicht so weit ist, die Wachstumsraten aber umso höher.
mm: Und das verkennen viele?
Demopoulos: Einige. Man muss als ausländischer Investor einfach anerkennen: China ist kein homogenes Land. Auch wenn man ethisch und kulturell viele Gemeinsamkeiten beobachten kann. Sozial und wirtschaftlich ist das nicht der Fall. Dafür spielen Beziehungen - "Guanxi" - kulturell noch einmal eine ganz andere Rolle als in anderen Ländern. Und auch das Geschichtsgefühl ist ein anderes. In China können - anders als im Westen - Dinge eine Rolle spielen, die vor 100 Jahren passiert sind. Darüber muss man sich im Klaren sein.
mm.de: Sie haben das Thema "Guanxi" angesprochen. Wie wichtig sind Beziehungen zum Staat?
Demopoulos: Als Investor muss man sich darüber klar sein, dass der Staat als Akteur einen viel größeren Einfluss hat als wir das aus vielen anderen Ländern gewohnt sind. Allerdings har man es in China nicht mit einer Regierung zu tun. Es sind 10.000 einzelne Regierungs-Instanzen, die einen enormen Einfluss haben. Das macht andere Strategien und Herangehensweisen nötig.
mm.de: Die da wären? Muss man, wenn man in China erfolgreich Geschäfte machen will, seine Fühler in Richtung politische Elite ausstrecken?
Demopoulos: Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Regierung eine wichtige Rolle in der Wirtschaft spielt. In einigen Unternehmen decken sich daher Public Relations und Regierungsbeziehungen. Das heißt aber nicht, dass man die Hälfte seines Unternehmens der Regierung überantwortet. Man darf nicht vergessen dass es in China 10.000 Entitäten gibt, die um Ressourcen ringen. Und 10.000 von irgendetwas bedeutet für mich immer, dass es ein Käufermarkt ist. Und dieser Käufer kann eine deutsche Firma sein, die Geld in China verdienen will. Und sie hat 10.000 potenzielle Partner.
Es ist ein Mythos, dass alle in der chinesischen Regierung eine Meinung sind. Tatsächlich gibt es Liberale, Konservative und Befürworter eines freien Marktes und strenger staatlicher Kontrolle wie in jedem anderen politischen System auf der Welt. Und es ist kompliziert - es gibt unterschiedlichste Allianzen.
mm: Angesichts soviel Komplexität. Was raten sie Unternehmern?
Demopoulos: Erstens: Firmen brauchen einen systematischen und organisierten Weg, mit dem großen Akteur Staat umzugehen. Zweitens: Man darf sich in China nie auf nur eine Beziehung verlassen und darauf hoffen, dass diese alle Probleme löst.
Im Verhältnis zu Regierung gibt es drei Ebenen: Die erste besteht darin, als Firma so etwas wie ein guter Staatsbürger zu sein. Manchmal braucht man aber etwas Hilfe und Schutz. Besonders multinationale Unternehmen sollten daher darüber nachdenken, wie sie die eigenen Interessen mit denen von Regierungsinstanzen etwas mehr auf Linie bringen können. Beispielsweise in Form von Initiativen, die nicht alle wirtschaftlicher Natur sein müssen.
mm: Das klingt gefährlich nah zur Korruption.
Demopoulos: Das ist die dritte Ebene - die "dunkle Seite der Macht". Jeder muss zugeben, dass die meisten Märkte, China eingeschlossen, ein Korruptionsproblem haben. Das sollte vermieden werden. Allerdings lässt sich in den Bereichen, die davon betroffen sind, oft mehr Geld verdienen als anderswo, zum Beispiel im Immobiliengeschäft.
mm: Kann man denn in China überhaupt erfolgreich Geschäfte machen, ohne mit Korruption zu tun zu haben?
Demopoulos: Ja. Etwa die Hälfte aller Deals in China ist unsauber - aber weil die Margen hoch sind, ist auch das Interesse daran größer. Und das wiederum macht es leichter, die sauberen Deals zu verfolgen. In jedem Fall hilft es, wenn man einen Ruf als guter Staatsbürger hat und sich auf das konzentriert, was das eigene Unternehmen gut macht.
mm: Sie haben in Deutschland studiert, kennen die deutsche Mentalität. Gibt es Fehler, die besonders Deutschen häufig unterlaufen.
Demopoulos: Der chinesische Markt wandelt sich rasant. Ständig gibt es neue Konsumentengruppen, das Kundenverhalten und die Erwartungen wandeln sich, die Mittelklasse wächst. Da haben deutsche Unternehmen manchmal ein Flexibilitätsproblem. Aber damit stehen sie nicht alleine. Auch Amerikaner haben das. Eigentlich alle. Auf der anderen Seite kann eine gewissen Sturheit auch Vorteil sein - wenn man sich auf sein Produkt konzentriert und darauf, es zu verbessern.
So sind in China in Deutschland gebaute 3er BMW viel beliebter als diejenigen, die in heimischer Produktion montiert worden sind. Das bedeutet: Qualität - und viele andere Faktoren - die deutsche Unternehmen groß gemacht haben, zählen auch hier.

