Die Fifa - der Vorstand und die Korruption
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Die Fifa - der Vorstand und die Korruption
Zwei Vorstandsherren suspendiert, hinzu kommen jetzt die Sünder Teixeira, Leoz, Hayatou. Addiert man noch WM-Tickethändler Jack Warner hinzu, so findet die Fifa Tage vor der WM-Kür 2018/2022 ein Viertel ihrer Vorstandschaft in Korruptionsakten wieder.
Aber der erste Eindruck täuscht:
Wer die Netzwerke um den Weltverband studiert, stellt fest, dass es weit schlimmer und das Wort von der Fußballfamilie keineswegs nur dahergesagt ist. Söhne, Brüder, Neffen tummeln sich im Umfeld des Milliardengeschäfts, das zu allen anderen Industriezweigen einen eklatanten Unterschied aufweist: Hier, im global umworbenen Topsegment des Profifußballs, ist Geld und Profit nichts, was erarbeitet werden müsste. Es ist ein Naturgesetz. All die Euro, Dollar, Fränkli sind wie die Milliarden Schneeflocken, die jeden Winter von selbst vom Himmel fallen.
Das prägt die wirtschaftliche Selbstwahrnehmung von Sepp Blatters Fifa-Familie. Dazu kommt eine leicht irrwitzige Überhöhung im politischen Bereich: Wenn,...
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Aber der erste Eindruck täuscht:
Wer die Netzwerke um den Weltverband studiert, stellt fest, dass es weit schlimmer und das Wort von der Fußballfamilie keineswegs nur dahergesagt ist. Söhne, Brüder, Neffen tummeln sich im Umfeld des Milliardengeschäfts, das zu allen anderen Industriezweigen einen eklatanten Unterschied aufweist: Hier, im global umworbenen Topsegment des Profifußballs, ist Geld und Profit nichts, was erarbeitet werden müsste. Es ist ein Naturgesetz. All die Euro, Dollar, Fränkli sind wie die Milliarden Schneeflocken, die jeden Winter von selbst vom Himmel fallen.
Das prägt die wirtschaftliche Selbstwahrnehmung von Sepp Blatters Fifa-Familie. Dazu kommt eine leicht irrwitzige Überhöhung im politischen Bereich: Wenn,...
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Sie haben es tatsächlich getan!
Zitat
Um 16.43 Uhr zog Fifa-Boss Sepp Blatter (74) gestern in Zürich den Zettel mit dem Ausrichter der WM 2022 aus dem Umschlag. Darauf fünf Buchstaben, die die Fußball-Welt schocken: Qatar, die internationale Schreibweise für Katar.
WM im Wüsten-Zwergstaat! Zum Vergleich: Das Bundesland Hessen (21.115 Quadratkilometer) ist fast doppelt so groß wie Katar (11.531 km2). Bitte klicken Sie auf das Das Wort Katastrophe schreibt man seit gestern so: KATARstrophe!
Katar setzte sich im vierten Wahlgang gegen die USA durch (14:8). Australien, Japan und Südkorea waren vorher ausgeschieden.
Dass Katar den Vorzug erhielt, lässt sich nur so erklären: Die Fifa hat die WM an die Scheichs des Mini-Wüstenstaats (1,7 Mio Einwohner) verkauft! Ein anderes Argument gibt es nicht. Blatter: „Wir betreten Neuland.“ Oder besser: vergoldeten Wüstensand!
Dass in Zürich die Kohle regiert, war schon vor der Wahl klar. Zwei der 24 Mitglieder des Exekutivkomitees wurden wegen Bestechlichkeit suspendiert. Drei weitere stehen unter Verdacht wegen älterer Vergehen. Mauscheleien zwischen Spanien/Portugal (Bewerber für 2018) und Katar wurden offen zugegeben.
DFB-Boss Dr. Theo Zwanziger, der im März 2011 für den frei werdenden Sitz von Franz Beckenbauer kandidiert: „Die Entscheidung für Katar hat mich ein wenig überrascht.“
Die Katarstrophe in absurden Fakten.
• Die WM wird in einem Land stattfinden, dass nur halb so groß wie Hessen ist.
• Die zwölf Stadien in sieben Städten liegen nur rund 30 Kilometer auseinander.
• Im Juni/Juli, zum Zeitpunkt der WM, liegt die Durchschnitts-Temperatur bei 40 Grad! Zwar wird versprochen, die Stadien auf 27 Grad runterzukühlen. Aber außerhalb der Stadien werden Teams und vor allem Fans in einer Hitze-Hölle leben müssen. Mittlerweile wird überlegt, die WM im Januar (!) stattfinden zu lassen. Da sind die Temperaturen erträglich (Schnitt 20 Grad).
Eine Winter-WM? Geht gar nicht! Hinzu kommt:
• Katar hat null Fußball-Tradition. WM-Teilnahmen bisher: null. Weltranglisten-Platz: 113.
DFB-Manager Oliver Bierhoff: „Ich betrachte Katar nicht als optimale Lösung.“ ABER: Das suspendierte Exekutivmitglied Reynald Temarii (Tahiti) kündigte eine Klage gegen die Abstimmung an, weil sein Rauswurf von der Fifa nicht begründet worden sei.
Ausgerechnet ein Korruptions-Verdächtiger kann die Katarstrophe verhindern. Das gibt’s nur bei der Fifa...
Warners Beweise zu Korruptionsvorwürfen gegen Blatter
Als Jack Warner, früherer FIFA-Vizepräsident, im Sommer letzten Jahres zurücktrat, kündigte er einen "Tsunami" an und meinte damit Korruptionsenthüllungen gegen Weltverbandschef Sepp Blatter. Die Vorwürfe die Fifa habe ihm die Fernseh-WM-Rechte für die Karibik seit 1990 zu Billigpreisen zugeschoben, scheint Warner nun zu belegen.
Jack Warner hat eine handschriftliche Notiz von Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke vorgelegt, die einen Insider-Deal mit Blatter beweisen soll. Die Notiz, die angeblich den TV-Verträgen für die WM-Turniere 2010 und 2014 beilag, lautet: "Hier ist die Vereinbarung, unterschrieben vom P. Dieses Geschäft ist nicht durch alle üblichen Gremien und Kommission gegangen. Deshalb bitte ich, es vorläufig nicht öffentlich zu machen." P. ist in der Fifa die Abkürzung für Präsident.
Die Fifa erklärt dazu: "Ja, das Papier scheint authentisch zu sein. Die Frage ist: Um welches Agreement handelt es sich? " Grundsätzlich dürfe der Präsident Verträge allein unterzeichnen und erst später den Gremien vorlegen. "Wenn Warner gebeten wird, noch nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, dann nur, um die entsprechenden Gremien vorher zu informieren", teilt die Fifa mit.
Das nährt jedoch den Eindruck, dass Blatter sogar über TV-Rechtevergaben allein entscheiden könnte - und den Vorstand erst nachträglich darüber "informiert". Falls die Rechtevergaben an Warner seit 1990 mit der Fifa-Exekutive nie vorher abgestimmt, sondern dieser jeweils nur später mitgeteilt wurde, wäre dies kaum mit den Fifa-Statuten vereinbar. Die TV-Rechte sind das höchste Wirtschaftsgut des Weltfußballs.
Zugleich verkündet der Chef des karibischen Fernsehsenders CSTN, Selby Browne, er wolle im Februar eine öffentliche Anhörung zum Fall dieser Fernsehrechte mit Zeugen und Juristen in London veranstalten. CSTN hatte 1999 die Karibik-Rechte für die WM 2002 gekauft, sie wurden dem Sender wieder weggenommen und Warner zugeschoben. Nicht einmal eine Entschädigung habe der Sender erhalten; die Rechte hatten 2,5 Millionen US-Dollar gekostet. Den Rechteerwerb von CSTN belegen Dokumente der damaligen Fifa-Partneragentur ISL.
Browne legt auch einen Briefverkehr mit Blatter vor. Von dem hatte er im November 2002 eine Kompensation verlangt. Blatter versichert ihm, er habe bereits die Fifa-Finanzabteilung mit der Prüfung beauftragt, "in welchem Umfang unsere Unterstützung machbar ist". Ende Januar 2003 bekräftigte Blatter, "positive Bewegungen" in Brownes TV-Sache seien eingeleitet.
* DRadio
Jack Warner hat eine handschriftliche Notiz von Fifa-Generalsekretär Jerome Valcke vorgelegt, die einen Insider-Deal mit Blatter beweisen soll. Die Notiz, die angeblich den TV-Verträgen für die WM-Turniere 2010 und 2014 beilag, lautet: "Hier ist die Vereinbarung, unterschrieben vom P. Dieses Geschäft ist nicht durch alle üblichen Gremien und Kommission gegangen. Deshalb bitte ich, es vorläufig nicht öffentlich zu machen." P. ist in der Fifa die Abkürzung für Präsident.
Die Fifa erklärt dazu: "Ja, das Papier scheint authentisch zu sein. Die Frage ist: Um welches Agreement handelt es sich? " Grundsätzlich dürfe der Präsident Verträge allein unterzeichnen und erst später den Gremien vorlegen. "Wenn Warner gebeten wird, noch nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, dann nur, um die entsprechenden Gremien vorher zu informieren", teilt die Fifa mit.
Das nährt jedoch den Eindruck, dass Blatter sogar über TV-Rechtevergaben allein entscheiden könnte - und den Vorstand erst nachträglich darüber "informiert". Falls die Rechtevergaben an Warner seit 1990 mit der Fifa-Exekutive nie vorher abgestimmt, sondern dieser jeweils nur später mitgeteilt wurde, wäre dies kaum mit den Fifa-Statuten vereinbar. Die TV-Rechte sind das höchste Wirtschaftsgut des Weltfußballs.
Zugleich verkündet der Chef des karibischen Fernsehsenders CSTN, Selby Browne, er wolle im Februar eine öffentliche Anhörung zum Fall dieser Fernsehrechte mit Zeugen und Juristen in London veranstalten. CSTN hatte 1999 die Karibik-Rechte für die WM 2002 gekauft, sie wurden dem Sender wieder weggenommen und Warner zugeschoben. Nicht einmal eine Entschädigung habe der Sender erhalten; die Rechte hatten 2,5 Millionen US-Dollar gekostet. Den Rechteerwerb von CSTN belegen Dokumente der damaligen Fifa-Partneragentur ISL.
Browne legt auch einen Briefverkehr mit Blatter vor. Von dem hatte er im November 2002 eine Kompensation verlangt. Blatter versichert ihm, er habe bereits die Fifa-Finanzabteilung mit der Prüfung beauftragt, "in welchem Umfang unsere Unterstützung machbar ist". Ende Januar 2003 bekräftigte Blatter, "positive Bewegungen" in Brownes TV-Sache seien eingeleitet.
* DRadio
Korruption bei Fifa-Exponenten: Weitere Verzögerungstaktik
Die «Handelszeitung» hatte Ende 2011 die Veröffentlichung eines Dokuments erstritten, das Schmiergeldzahlungen an Exponenten des Weltfussballverbands Fifa beweist. Die Betroffenen bewirkten nun vor Bundesgericht eine weitere Verzögerung der Offenlegung
Die «Handelszeitung» hatte Ende 2011 die Veröffentlichung eines Dokuments erstritten, das Schmiergeldzahlungen an Exponenten des Weltfussballverbands Fifa beweist. Die Betroffenen bewirkten nun vor Bundesgericht eine weitere Verzögerung der Offenlegung
Fußball WM 2006: das gekaufte Sommermärchen
Lesen Sie auch die Schiebung bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland, die der investigative Journalist Jürgen Roth aus Frankfurt recherchierte:
Fußball WM 2006: das gekaufte Sommermärchen
Fußball WM 2006: das gekaufte Sommermärchen
Havelange und Teixeira mit Millionen geschmiert
Joao Havelange und Ricardo Teixeira waren Spitzenfunktionäre der Fifa. Wie Dokumente der Staatsanwaltschaft Zug belegen, waren die beiden Brasilianer auch klasse im Einstreichen von Schmiergeld
Der Fußball-Weltverband (Fifa) war lange Jahre ein Selbstbedienungsladen. Dies belegen Dokumente der Staatsanwaltschaft Zug, die nach einem Urteil des Schweizer Bundesgerichts veröffentlicht wurden. Demnach haben der ehemalige Fifa-Präsident Joao Havelange und sein früherer Schwiegersohn Ricardo Teixeira in der Korruptionsaffäre des Weltverbandes Schmiergeld in Millionenhöhe kassiert.
Den Angaben zufolge erhielt der heute 96 Jahre alte Havelange, der von 1974 bis 1998 Fifa-Boss war, im Rahmen von Geschäften mit dem mittlerweile insolventen Medien- und Marketingunternehmen ISMM/ISL im März 1997 1.500.000 Schweizer Franken (heute umgerechnet rund 1,25 Millionen Euro).
Der ehemalige brasilianische Verbandschef Teixeira kassierte zwischen August 1992 und November 1997 mindestens 12.740.000 Schweizer Franken (heute rund 10,6 Millionen Euro). Erst im März dieses Jahres war er aus dem Fifa-Exekutivkomitee zurückgetreten. Der heute 65-Jährige hatte den brasilianischen Fußball-Verband CBF 23 Jahre lang geführt.
Die Verfahren wurden eingestellt
Havelange und Teixeira verwendeten bei Deals zur Verwertung von Übertragungsrechten mehrfach ihnen "anvertraute Vermögenswerte unrechtmäßig", um sich zu bereichern, wie es in den Dokumenten heißt. Ihnen wurde zudem vorgeworfen, der Fifa Provisionen nicht offen gelegt zu haben und den Verband dadurch geschädigt zu haben.
Die Verfahren gegen die beiden früheren Funktionäre waren allerdings nach Zahlung von hohen Geldsummen eingestellt worden. Havelange und Teixeira wiesen die Anschuldigungen stets zurück. Die Unterlagen belegen, dass die Provisionszahlungen der ISMM/ISL-Gruppe bis in die 80er Jahre zurückgehen.
Wie es in dem Dokument weiter heißt, könne nicht infrage gestellt werden, "dass die Fifa Kenntnis von Schmiergeldzahlungen an Personen ihrer Organe hatte". Dem Weltverband "wird die mangelhafte Organisation ihres Unternehmens" vorgeworfen. Es habe "eine strikte interne Reglementierung" gefehlt, um mögliche verbotene Zahlungen offenlegen zu können.
Der heutige Fifa-Chef Joseph Blatter war zur Zeit der Schmiergeldzahlungen Generalsekretär des Weltverbands. 1998 trat er die Nachfolge von Havelange an.
Schweizer Unternehmen zahlte 114 Millionen Euro
Die Dokumente waren ans Licht gekommen, nachdem das Schweizer Bundesgericht den Anspruch auf Einsicht in die brisanten Akten bestätigt hatte. Wie die Kammer am Mittwoch in Lausanne mitteilte, wurde eine Beschwerde von zwei Funktionären des Fußball-Weltverbandes abgewiesen.
Die Einsicht von Journalisten in die Einstellungsverfügung der Zuger Staatsanwaltschaft sei die Voraussetzung zur Berichterstattung über die in der Öffentlichkeit erhobenen Korruptionsvorwürfe. Die Behörde hatte am 11. Mai 2010 Ermittlungen gegen die Fifa und zwei ihrer Mitarbeiter wegen Korruptionsvorwürfen endgültig beendet.
Eine der beteiligten Parteien hatte gegen die Öffnung der Akten Einspruch eingelegt. Zahlreiche weitere hochrangige Funktionäre sollen in den Bestechungsskandal verwickelt gewesen sein.
Das insolvente Schweizer Marketing-Unternehmen ISMM/ISL soll über Jahre Fifa-Funktionäre systematisch bestochen haben. 2008 vor Gericht dokumentiert wurden 138 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet heute rund 114 Millionen Euro), die zwischen 1989 und 2001 gezahlt wurden.
Der Fußball-Weltverband (Fifa) war lange Jahre ein Selbstbedienungsladen. Dies belegen Dokumente der Staatsanwaltschaft Zug, die nach einem Urteil des Schweizer Bundesgerichts veröffentlicht wurden. Demnach haben der ehemalige Fifa-Präsident Joao Havelange und sein früherer Schwiegersohn Ricardo Teixeira in der Korruptionsaffäre des Weltverbandes Schmiergeld in Millionenhöhe kassiert.
Den Angaben zufolge erhielt der heute 96 Jahre alte Havelange, der von 1974 bis 1998 Fifa-Boss war, im Rahmen von Geschäften mit dem mittlerweile insolventen Medien- und Marketingunternehmen ISMM/ISL im März 1997 1.500.000 Schweizer Franken (heute umgerechnet rund 1,25 Millionen Euro).
Der ehemalige brasilianische Verbandschef Teixeira kassierte zwischen August 1992 und November 1997 mindestens 12.740.000 Schweizer Franken (heute rund 10,6 Millionen Euro). Erst im März dieses Jahres war er aus dem Fifa-Exekutivkomitee zurückgetreten. Der heute 65-Jährige hatte den brasilianischen Fußball-Verband CBF 23 Jahre lang geführt.
Die Verfahren wurden eingestellt
Havelange und Teixeira verwendeten bei Deals zur Verwertung von Übertragungsrechten mehrfach ihnen "anvertraute Vermögenswerte unrechtmäßig", um sich zu bereichern, wie es in den Dokumenten heißt. Ihnen wurde zudem vorgeworfen, der Fifa Provisionen nicht offen gelegt zu haben und den Verband dadurch geschädigt zu haben.
Die Verfahren gegen die beiden früheren Funktionäre waren allerdings nach Zahlung von hohen Geldsummen eingestellt worden. Havelange und Teixeira wiesen die Anschuldigungen stets zurück. Die Unterlagen belegen, dass die Provisionszahlungen der ISMM/ISL-Gruppe bis in die 80er Jahre zurückgehen.
Wie es in dem Dokument weiter heißt, könne nicht infrage gestellt werden, "dass die Fifa Kenntnis von Schmiergeldzahlungen an Personen ihrer Organe hatte". Dem Weltverband "wird die mangelhafte Organisation ihres Unternehmens" vorgeworfen. Es habe "eine strikte interne Reglementierung" gefehlt, um mögliche verbotene Zahlungen offenlegen zu können.
Der heutige Fifa-Chef Joseph Blatter war zur Zeit der Schmiergeldzahlungen Generalsekretär des Weltverbands. 1998 trat er die Nachfolge von Havelange an.
Schweizer Unternehmen zahlte 114 Millionen Euro
Die Dokumente waren ans Licht gekommen, nachdem das Schweizer Bundesgericht den Anspruch auf Einsicht in die brisanten Akten bestätigt hatte. Wie die Kammer am Mittwoch in Lausanne mitteilte, wurde eine Beschwerde von zwei Funktionären des Fußball-Weltverbandes abgewiesen.
Die Einsicht von Journalisten in die Einstellungsverfügung der Zuger Staatsanwaltschaft sei die Voraussetzung zur Berichterstattung über die in der Öffentlichkeit erhobenen Korruptionsvorwürfe. Die Behörde hatte am 11. Mai 2010 Ermittlungen gegen die Fifa und zwei ihrer Mitarbeiter wegen Korruptionsvorwürfen endgültig beendet.
Eine der beteiligten Parteien hatte gegen die Öffnung der Akten Einspruch eingelegt. Zahlreiche weitere hochrangige Funktionäre sollen in den Bestechungsskandal verwickelt gewesen sein.
Das insolvente Schweizer Marketing-Unternehmen ISMM/ISL soll über Jahre Fifa-Funktionäre systematisch bestochen haben. 2008 vor Gericht dokumentiert wurden 138 Millionen Schweizer Franken (umgerechnet heute rund 114 Millionen Euro), die zwischen 1989 und 2001 gezahlt wurden.
Nach der Aufdeckung des internationalen Wettsumpfes, könnte es nun das zweite Fußball-Beben geben. Die „Sport Bild“ berichtet, dass es wegen eines Betrugsverdachts zur Neuvergabe der WM 2022 kommen könnte.
Dabei beruft sich das Sport-Magazin auf Informationen aus dem Fifa-Exekutivkommitee. Demnach steht auch die Vergabe der WM 2018 nach Russland unter Verdacht. Die Fifa-Ethik-Kommission vermutet, dass einige Stimmen im Vorfeld gekauft wurden. Ein Ermittlungsverfahren ist bereits eingeleitet.
Auch in der Schusslinie: Uefa-Boss Michel Platini (57). Der soll sich im Winter 2010 – kurz vor der WM-Vergabe nach Katar – mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, dem Emir von Katar und der Klubspitze von Paris St-Germain.
Bei diesem Abendessen soll Sarkozy Platini überzeugt haben, für Katar zu stimmen. Das tat Platini dann auch. Im Gegenzug soll Scheich Hamad Al Thani Millionen-Investitionen in den französischen Fußball zugesagt haben. Ein Jahr später wurde Platinis Sohn Lauren Europa-Chef einer Investoren-Gruppe aus Katar.
Solch ein Treffen hätte Platini aber laut Fifa-Ethikkodex melden müssen. Er bestreitet die Vorwürfe.
Im Mai trifft sich die Fifa zu einem Kongress auf Mauritius. Laut „Sport Bild“ wird die Ethik-Kommission zu diesem Anlass wohl empfehlen, die WM neu zu vergeben. Sonst müsste die Fifa wohl Schadensersatzklagen der Mitbewerber (USA, Australien, Japan und Südkorea) fürchten
Dabei beruft sich das Sport-Magazin auf Informationen aus dem Fifa-Exekutivkommitee. Demnach steht auch die Vergabe der WM 2018 nach Russland unter Verdacht. Die Fifa-Ethik-Kommission vermutet, dass einige Stimmen im Vorfeld gekauft wurden. Ein Ermittlungsverfahren ist bereits eingeleitet.
Auch in der Schusslinie: Uefa-Boss Michel Platini (57). Der soll sich im Winter 2010 – kurz vor der WM-Vergabe nach Katar – mit dem damaligen französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, dem Emir von Katar und der Klubspitze von Paris St-Germain.
Bei diesem Abendessen soll Sarkozy Platini überzeugt haben, für Katar zu stimmen. Das tat Platini dann auch. Im Gegenzug soll Scheich Hamad Al Thani Millionen-Investitionen in den französischen Fußball zugesagt haben. Ein Jahr später wurde Platinis Sohn Lauren Europa-Chef einer Investoren-Gruppe aus Katar.
Solch ein Treffen hätte Platini aber laut Fifa-Ethikkodex melden müssen. Er bestreitet die Vorwürfe.
Im Mai trifft sich die Fifa zu einem Kongress auf Mauritius. Laut „Sport Bild“ wird die Ethik-Kommission zu diesem Anlass wohl empfehlen, die WM neu zu vergeben. Sonst müsste die Fifa wohl Schadensersatzklagen der Mitbewerber (USA, Australien, Japan und Südkorea) fürchten
Der Korruptionsskandal um den Weltfußballverband Fifa zieht weitere Kreise. SPIEGEL ONLINE hat erstmals die komplette Liste der Schmiergeldempfänger der Marketingfirma ISL veröffentlicht. Neben dem langjährigen Verbandschef João Havelange tauchen weitere prominente Namen auf.
Zwölf Jahre, rund 142 Millionen Schweizer Franken: Für mehr als ein Jahrzehnt sind Schmiergeldzahlungen der ehemaligen Marketingfirma ISL an Vertreter wichtiger Sportverbände dokumentiert. SPIEGEL ONLINE hat erstmals komplett die geheime Bestechungsliste veröffentlicht.
Es geht um insgesamt 216 Transaktionen an weltweite Stiftungen und Tarnfirmen, von denen die meisten selbst nach jahrelangen Ermittlungen der Schweizer Staatsanwaltschaft noch immer keinem Klarnamen zugeordnet werden können. Doch schillernde Namen sind darunter:
So haben der langjährige Fifa-Präsident João Havelange (Brasilien) und sein ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Terra Teixeira dem Bericht zufolge mindestens 21,9 Millionen Schweizer Franken (17,8 Millionen Euro) über eine gemeinsame Firma, eine Stiftung oder direkt von der ISL erhalten. Ein Strafverfahren gegen die beiden wurde 2010 in einem Vergleich eingestellt.
Der gerade aus der Fifa-Exekutive zurückgetretene Fußball-Boss Südamerikas Nicolas Leoz steht laut SPIEGEL ONLINE mit mehr als einer Million Schweizer Franken in den Akten.
In Kürze soll der Münchener Richter Hans-Joachim Eckert sein mit Spannung erwartetes Urteil zum ISL-Schmiergeldskandal veröffentlichen. Ehemals wichtige Fifa-Bosse müssen fürchten, als Bestechungsempfänger enttarnt zu werden. Eckert wird unter anderem darüber entscheiden, ob Havelange seine Ehrenpräsidentschaft verliert - und ob sogar der amtierende Fifa-Präsident Joseph Blatter belangt wird. Blatter selbst hatte sich von Havelange distanziert, war den Enthüllungen zufolge aber ebenfalls in das Bestechungssystem verstrickt.
Das Schmiergeldsystem der einstigen Sportmarketing-Agentur ISL war gigantisch, knapp 142 Millionen Schweizer Franken (115,5 Millionen Euro) sind für den Zeitraum 1989 bis 2001 gerichtsfest bestätigt, der wahre Betrag dürfte weit größer sein. Der Verbleib von 110 Millionen Schweizer Franken ist weiter unklar.
* MM
Zwölf Jahre, rund 142 Millionen Schweizer Franken: Für mehr als ein Jahrzehnt sind Schmiergeldzahlungen der ehemaligen Marketingfirma ISL an Vertreter wichtiger Sportverbände dokumentiert. SPIEGEL ONLINE hat erstmals komplett die geheime Bestechungsliste veröffentlicht.
Es geht um insgesamt 216 Transaktionen an weltweite Stiftungen und Tarnfirmen, von denen die meisten selbst nach jahrelangen Ermittlungen der Schweizer Staatsanwaltschaft noch immer keinem Klarnamen zugeordnet werden können. Doch schillernde Namen sind darunter:
So haben der langjährige Fifa-Präsident João Havelange (Brasilien) und sein ehemaliger Schwiegersohn Ricardo Terra Teixeira dem Bericht zufolge mindestens 21,9 Millionen Schweizer Franken (17,8 Millionen Euro) über eine gemeinsame Firma, eine Stiftung oder direkt von der ISL erhalten. Ein Strafverfahren gegen die beiden wurde 2010 in einem Vergleich eingestellt.
Der gerade aus der Fifa-Exekutive zurückgetretene Fußball-Boss Südamerikas Nicolas Leoz steht laut SPIEGEL ONLINE mit mehr als einer Million Schweizer Franken in den Akten.
In Kürze soll der Münchener Richter Hans-Joachim Eckert sein mit Spannung erwartetes Urteil zum ISL-Schmiergeldskandal veröffentlichen. Ehemals wichtige Fifa-Bosse müssen fürchten, als Bestechungsempfänger enttarnt zu werden. Eckert wird unter anderem darüber entscheiden, ob Havelange seine Ehrenpräsidentschaft verliert - und ob sogar der amtierende Fifa-Präsident Joseph Blatter belangt wird. Blatter selbst hatte sich von Havelange distanziert, war den Enthüllungen zufolge aber ebenfalls in das Bestechungssystem verstrickt.
Das Schmiergeldsystem der einstigen Sportmarketing-Agentur ISL war gigantisch, knapp 142 Millionen Schweizer Franken (115,5 Millionen Euro) sind für den Zeitraum 1989 bis 2001 gerichtsfest bestätigt, der wahre Betrag dürfte weit größer sein. Der Verbleib von 110 Millionen Schweizer Franken ist weiter unklar.
* MM

