Finanzkrise-was geht wirklich ab
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Der Bankeninterne Geldmarkt scheint sich zu entspannen. Dafür spricht eine Ankündigung mehrerer europäischer Banken, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) gewährten Notkredite früher als geplant zurück führen zu wollen. Trotz des sehr günstigen Zinssatzes von nur einem Prozent bei einer Laufzeit von drei Jahren wollen die Großbanken schnellstmöglich ihre Verpflichtungen gegenüber der EZB reduzieren.
Quellen:
Spiegel
FTD
Zitat
Das größte italienische Geldhaus Unicredit Chart zeigen, BNP Paribas Chart zeigen und Société Générale aus Frankreich sowie das spanische Institut La Caixa bereiteten sich darauf vor, bereits nach Ablauf der zwölf Monate langen Sperrfrist ein Drittel der geliehenen Summe zurückzuerstatten, schreibt die "FT" unter Berufung auf Finanzkreise. Ein Bankchef habe zwei Gründe für das Vorhaben genannt. Zum einen sei es "nicht klug", die gesamte Summe in drei Jahren zu begleichen. Außerdem benötigten viele Institute Finanzierungen mit längeren Laufzeiten.
Solche Finanzierungen finden die Banken neuerdings wieder verstärkt bei privaten Investoren. Laut EZB-Chef Mario Draghi konnten die Institute zu Jahresbeginn bereits mehr eigene Anleihen am Markt unterbringen als in der gesamten zweiten Jahreshälfte 2011. Außerdem vergaben sie in den ersten Monaten des Jahres 70 Milliarden Euro an ungesicherten Krediten - ein Anzeichen dafür, dass sich die Lage auf dem Bankenmarkt wie erhofft entspannt.
Quellen:
Spiegel
FTD
Trauen Sie (noch) nicht dem Frieden beim Euro
Nach Ansicht vieler Beobachter war die hohe Liquidität entscheidend für die Entspannung bei der Eurokrise – laut Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater von direktanlage.at und Chefvolkswirt von Assenagon, wird das vermutlich aber nicht so bleiben. Liquidität kann manche Probleme zeitweise zudecken – die ökonomischen Gesetze kann sie aber nicht außer Kraft setzen. Die Märkte seien bei hoher Liquidität weniger verlässlich und insgesamt schwankungsanfälliger. In seinem aktuellen Kommentar nimmt Hüfner die Vor- und Nachteile der massiven Liquiditätsspritze durch die EZB etwas genauer unter die Lupe:
"Eigentlich müsste jetzt für die nächsten drei Jahre Ruhe in die Europäische Währungsunion einkehren. Denn der entscheidende Grund, weshalb sich die Lage seit Ende letzten Jahres entspannt hat, war nach Ansicht vieler Beobachter die massive Liquiditätszufuhr durch die Europäische Zentralbank. Dieses Geld hat die EZB den Märkten für 36 Monate zur Verfügung gestellt. Nach Adam Riese müsste solange also Ruhe herrschen. Oder?
Schön wär's. Leider kann man das aber so einfach nicht sagen. Vier Dinge können passieren:
Erstens könnten die Banken das Geld wieder zurückgeben. Die Überliquidität wäre dann wieder verschwunden. Anfang dieser Woche gab es Gerüchte, dass einige große Kreditinstitute das in der Tat planen. Sie wollten sich stattdessen längerfristige Refinanzierungsmittel besorgen. Ich glaube freilich nicht, dass dadurch die ganze Liquidität verschwindet – nicht einmal der größte Teil.
Zweitens könnte die EZB das Geld selbst wieder einsammeln. Juristisch kann sie die Vereinbarung mit den Banken zwar nicht kündigen wenn es jedoch Inflationsgefahren gibt – zum Beispiel durch weiter steigende Ölpreise – kann die Notenbank nicht untätig bleiben. Sie muss in einem solchen Fall Liquidität von den Banken zurückholen. Tun kann sie das dadurch, dass sie eigene Wertpapiere verkauft. Dann müssten die Banken mit weniger Geld auskommen. Sie müssten die erworbenen Staatsanleihen verkaufen. Die Krise würde erneut aufflammen. Freilich glaube ich nicht, dass die EZB in einem solchen Fall die ganzen 1.000 Milliarden Euro wieder einsammelt.
Drittens könnte das Geld aus dem Bankensektor in die Wirtschaft abfließen. Die Grafik zeigt, dass das Geld der Zentralbank ('Basisgeld') in den ersten Jahren der Währungs- union stets den Unternehmen und Haushalten zugute kam (gemessen an der Geldmenge M3). Das ist auch der Normalfall. Die Notenbank gibt Banken Geld, damit sie es der Wirtschaft zur Verfügung stellen. Erst seit Beginn der Finanzkrise 2008 und ganz drastisch in den letzten Monaten sind die Verhältnisse in Unordnung gekommen – die Kurven haben sich auseinander entwickelt.
Wenn die Banken mit Krediten an Unternehmen und private Haushalte wieder mehr verdienen als mit Staatsanleihen (und wenn sie darüberhinaus genügend Eigenkapital haben), würden die alten Verhältnisse wieder hergestellt. Die Banken würden ihre Bestände an Staatsanleihen verkaufen und der Wirtschaft wieder mehr Geld geben. Es gäbe weniger freie Liquidität bei den Banken. Für die Eurokrise wäre dies freilich nicht schlecht. Denn wenn die Wirtschaft Kredite bekommt, wächst die gesamtwirtschaftliche Leistung, die Verschuldung geht zurück und viele Probleme lösen sich von selbst.
Es wabert umher und geht mal hierhin, mal dorthin
Denkbar ist freilich noch ein vierter Fall (und er ist vermutlich der wahrscheinlichste): Die hohe Liquidität im Bankensektor fließt weder in die Wirtschaft ab, noch wird sie von der Notenbank eingesammelt oder von den Banken zurückgegeben. Vielmehr ändern die Banken ihre eigenen Dispositionen. Das Geld, das die Zentralbank ausgegeben hat, ist ja nicht fest angelegt. Es kann jederzeit verlagert werden, ohne dass die Zentralbank darauf einen Einfluss hat. Zynisch könnte man sagen: Es wabert umher und geht mal hierhin, mal dorthin.
Wenn sich zum Beispiel die Situation in Italien oder in Spanien stärker verschlechtern sollte, dann kann es passieren, dass die Banken die Papiere dieser Staaten trotz der insgesamt hohen Liquidität auf den Markt werfen. Sie vermeiden damit die Gefahr neuer Abschreibungen (oder gar einen erneuten Schuldenschnitt wie in Griechenland). Dann steigen die Zinsen dieser Staaten. Die Krise ist wieder da.
Solche Ausweichreaktionen können auch auf anderen Märkten entstehen. Ein Teil der Liquidität ist zum Beispiel in den Aktienmarkt gegangen. Wenn sich die konjunkturellen Aussichten (etwa durch eine Wachstumsabschwächung in China) verschlechtern sollten oder die Banken aus anderen Gründen "kalte Füße" bekommen, könnten sie sich schnell vom Aktienmarkt trennen und die Liquidität in andere Märkte umschichten. Sie könnten sie auch vorübergehend bei der Zentralbank parken. Das war in den letzten Wochen zu beobachten, als die Aktienmärkte eher schwächelten, obwohl die EZB 500 Milliarden Euro in den Markt gegeben hatte.
Liquidität ist alles andere als ein Ruhekissen für die Politik
Diese Zusammenhänge haben zwei Konsequenzen. Zum einen ist die ganze Verbesserung in der Eurokrise – anders als viele denken – nicht allein auf die massive Liquidität der EZB zurückzuführen. Banken kauften Staatsanleihen nicht nur, weil sie Geld hatten, sondern auch weil sie mehr Vertrauen in die Länder hatten. Der Fiskalpakt, der erweiterte Rettungsschirm und die Reformen in einzelnen Ländern haben sich also positiv ausgewirkt. Zum anderen ist die Liquidität alles andere als ein Ruhekissen für die Politik. Die Krise kann sich trotz hoher Liquidität jederzeit wieder zuspitzen, wenn die Reformen nicht weitergehen. Der zweite Teil der Sanierung des Euros, die Förderung des Wachstums in der Union und der Transfer von Souveränität an Gemeinschaftsinstitutionen, müssen weiter vorangetrieben werden.
Für Anleger
Seien Sie sich bewusst, dass Sie es durch die 1.000 Milliarden Euro mit ganz anderen Märkten zu tun haben. Grundsätzlich ist die Liquidität gut für die Investoren, weil Geld da ist. Andererseits kann das Geld bei Gerüchten in diese oder jene Richtung aber auch schnell umdisponiert werden. Die Märkte sind nicht mehr so verlässlich. Sie werden schwankungsanfälliger. Seien Sie also vorsichtig. Trauen Sie vor allem noch nicht dem Frieden beim Euro."
Quelle:FONDS professionell
"Eigentlich müsste jetzt für die nächsten drei Jahre Ruhe in die Europäische Währungsunion einkehren. Denn der entscheidende Grund, weshalb sich die Lage seit Ende letzten Jahres entspannt hat, war nach Ansicht vieler Beobachter die massive Liquiditätszufuhr durch die Europäische Zentralbank. Dieses Geld hat die EZB den Märkten für 36 Monate zur Verfügung gestellt. Nach Adam Riese müsste solange also Ruhe herrschen. Oder?
Schön wär's. Leider kann man das aber so einfach nicht sagen. Vier Dinge können passieren:
Erstens könnten die Banken das Geld wieder zurückgeben. Die Überliquidität wäre dann wieder verschwunden. Anfang dieser Woche gab es Gerüchte, dass einige große Kreditinstitute das in der Tat planen. Sie wollten sich stattdessen längerfristige Refinanzierungsmittel besorgen. Ich glaube freilich nicht, dass dadurch die ganze Liquidität verschwindet – nicht einmal der größte Teil.
Zweitens könnte die EZB das Geld selbst wieder einsammeln. Juristisch kann sie die Vereinbarung mit den Banken zwar nicht kündigen wenn es jedoch Inflationsgefahren gibt – zum Beispiel durch weiter steigende Ölpreise – kann die Notenbank nicht untätig bleiben. Sie muss in einem solchen Fall Liquidität von den Banken zurückholen. Tun kann sie das dadurch, dass sie eigene Wertpapiere verkauft. Dann müssten die Banken mit weniger Geld auskommen. Sie müssten die erworbenen Staatsanleihen verkaufen. Die Krise würde erneut aufflammen. Freilich glaube ich nicht, dass die EZB in einem solchen Fall die ganzen 1.000 Milliarden Euro wieder einsammelt.
Drittens könnte das Geld aus dem Bankensektor in die Wirtschaft abfließen. Die Grafik zeigt, dass das Geld der Zentralbank ('Basisgeld') in den ersten Jahren der Währungs- union stets den Unternehmen und Haushalten zugute kam (gemessen an der Geldmenge M3). Das ist auch der Normalfall. Die Notenbank gibt Banken Geld, damit sie es der Wirtschaft zur Verfügung stellen. Erst seit Beginn der Finanzkrise 2008 und ganz drastisch in den letzten Monaten sind die Verhältnisse in Unordnung gekommen – die Kurven haben sich auseinander entwickelt.
Wenn die Banken mit Krediten an Unternehmen und private Haushalte wieder mehr verdienen als mit Staatsanleihen (und wenn sie darüberhinaus genügend Eigenkapital haben), würden die alten Verhältnisse wieder hergestellt. Die Banken würden ihre Bestände an Staatsanleihen verkaufen und der Wirtschaft wieder mehr Geld geben. Es gäbe weniger freie Liquidität bei den Banken. Für die Eurokrise wäre dies freilich nicht schlecht. Denn wenn die Wirtschaft Kredite bekommt, wächst die gesamtwirtschaftliche Leistung, die Verschuldung geht zurück und viele Probleme lösen sich von selbst.
Es wabert umher und geht mal hierhin, mal dorthin
Denkbar ist freilich noch ein vierter Fall (und er ist vermutlich der wahrscheinlichste): Die hohe Liquidität im Bankensektor fließt weder in die Wirtschaft ab, noch wird sie von der Notenbank eingesammelt oder von den Banken zurückgegeben. Vielmehr ändern die Banken ihre eigenen Dispositionen. Das Geld, das die Zentralbank ausgegeben hat, ist ja nicht fest angelegt. Es kann jederzeit verlagert werden, ohne dass die Zentralbank darauf einen Einfluss hat. Zynisch könnte man sagen: Es wabert umher und geht mal hierhin, mal dorthin.
Wenn sich zum Beispiel die Situation in Italien oder in Spanien stärker verschlechtern sollte, dann kann es passieren, dass die Banken die Papiere dieser Staaten trotz der insgesamt hohen Liquidität auf den Markt werfen. Sie vermeiden damit die Gefahr neuer Abschreibungen (oder gar einen erneuten Schuldenschnitt wie in Griechenland). Dann steigen die Zinsen dieser Staaten. Die Krise ist wieder da.
Solche Ausweichreaktionen können auch auf anderen Märkten entstehen. Ein Teil der Liquidität ist zum Beispiel in den Aktienmarkt gegangen. Wenn sich die konjunkturellen Aussichten (etwa durch eine Wachstumsabschwächung in China) verschlechtern sollten oder die Banken aus anderen Gründen "kalte Füße" bekommen, könnten sie sich schnell vom Aktienmarkt trennen und die Liquidität in andere Märkte umschichten. Sie könnten sie auch vorübergehend bei der Zentralbank parken. Das war in den letzten Wochen zu beobachten, als die Aktienmärkte eher schwächelten, obwohl die EZB 500 Milliarden Euro in den Markt gegeben hatte.
Liquidität ist alles andere als ein Ruhekissen für die Politik
Diese Zusammenhänge haben zwei Konsequenzen. Zum einen ist die ganze Verbesserung in der Eurokrise – anders als viele denken – nicht allein auf die massive Liquidität der EZB zurückzuführen. Banken kauften Staatsanleihen nicht nur, weil sie Geld hatten, sondern auch weil sie mehr Vertrauen in die Länder hatten. Der Fiskalpakt, der erweiterte Rettungsschirm und die Reformen in einzelnen Ländern haben sich also positiv ausgewirkt. Zum anderen ist die Liquidität alles andere als ein Ruhekissen für die Politik. Die Krise kann sich trotz hoher Liquidität jederzeit wieder zuspitzen, wenn die Reformen nicht weitergehen. Der zweite Teil der Sanierung des Euros, die Förderung des Wachstums in der Union und der Transfer von Souveränität an Gemeinschaftsinstitutionen, müssen weiter vorangetrieben werden.
Für Anleger
Seien Sie sich bewusst, dass Sie es durch die 1.000 Milliarden Euro mit ganz anderen Märkten zu tun haben. Grundsätzlich ist die Liquidität gut für die Investoren, weil Geld da ist. Andererseits kann das Geld bei Gerüchten in diese oder jene Richtung aber auch schnell umdisponiert werden. Die Märkte sind nicht mehr so verlässlich. Sie werden schwankungsanfälliger. Seien Sie also vorsichtig. Trauen Sie vor allem noch nicht dem Frieden beim Euro."
Quelle:FONDS professionell
Griechenland: Ist alles in Wahrheit ganz anders?
Userzuschrift:
Torben Grombery
Werden wir beim Thema Griechenland von allen Politikern belogen? Immer mehr deutet jetzt darauf hin, dass eine angebliche Verschwörungstheorie Realität ist.
Steht hinter dem Milliardenpoker zur Rettung Griechenlands nicht nur die Angst um die Zukunft des Euro, sondern noch ein ganz anderer Plan? Im Boden unter dem Gebiet von Epanomi nahe der nordgriechischen Stadt Thessaloniki liegen nachweislich gewaltige bislang ungenutzteKohlenwasserstoffvorkommen: Erdgas im Wert von mehr als 300 Milliarden Euro. Allein dieses Gasfeld reicht aus, um die Schulden Griechenlands auf einen Schlag zurückzuzahlen. Vor dreißig Jahren wurde das Gasfeld gefunden, angebohrt – und wieder versiegelt.
Es ist allerdings nicht das einzige Feld: Vor den Küsten von Kreta, Rhodos und in zypriotischen Gewässern gibt es angeblich ebenfalls Gas- und Ölvorkommen. Erstaunlicherweise haben weder die EU, noch der Internationale Währungsfonds oder die Troika beim Schuldenpoker jemals mit Griechenland über die gewaltigen fossilen Brennstofflager gesprochen. Dabei geht es doch um gewaltige Summen. Wieso also wird Athen dazu gezwungen, den Rentnern die Bezüge zu kürzen und die Mindestlöhne zu senken, während die Gas- und Ölfelder mit keinem Wort erwähnt werden? Die Antwort könnte nun ein mit Spannung erwartetes Verfahren der Athener Staatsanwaltschaft liefern.
Torben Grombery
Werden wir beim Thema Griechenland von allen Politikern belogen? Immer mehr deutet jetzt darauf hin, dass eine angebliche Verschwörungstheorie Realität ist.
Steht hinter dem Milliardenpoker zur Rettung Griechenlands nicht nur die Angst um die Zukunft des Euro, sondern noch ein ganz anderer Plan? Im Boden unter dem Gebiet von Epanomi nahe der nordgriechischen Stadt Thessaloniki liegen nachweislich gewaltige bislang ungenutzteKohlenwasserstoffvorkommen: Erdgas im Wert von mehr als 300 Milliarden Euro. Allein dieses Gasfeld reicht aus, um die Schulden Griechenlands auf einen Schlag zurückzuzahlen. Vor dreißig Jahren wurde das Gasfeld gefunden, angebohrt – und wieder versiegelt.
Es ist allerdings nicht das einzige Feld: Vor den Küsten von Kreta, Rhodos und in zypriotischen Gewässern gibt es angeblich ebenfalls Gas- und Ölvorkommen. Erstaunlicherweise haben weder die EU, noch der Internationale Währungsfonds oder die Troika beim Schuldenpoker jemals mit Griechenland über die gewaltigen fossilen Brennstofflager gesprochen. Dabei geht es doch um gewaltige Summen. Wieso also wird Athen dazu gezwungen, den Rentnern die Bezüge zu kürzen und die Mindestlöhne zu senken, während die Gas- und Ölfelder mit keinem Wort erwähnt werden? Die Antwort könnte nun ein mit Spannung erwartetes Verfahren der Athener Staatsanwaltschaft liefern.
Studie zur impliziten Staatsverschuldung macht Angst
Griechenland, Italien, Belgien, Irland und Portugal – ihnen gemein ist eine Verschuldungsquote von teilweise deutlich über 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Auch vermeintlich stabile Staaten mit einer hohen Bonitätsbewertung wie Deutschland und Frankreich weisen eine Verschuldung von über 80 Prozent des BIPs auf. Welche Positionen in die Berechnung von Staatsschulden einfließen sollten, ist allerdings umstritten. Denn die offiziellen Quoten geben lediglich die derzeit bestehenden Verbindlichkeiten an. In ihrer aktuellen Studie "Ehrbare Staaten?" sprechen sich die beiden Autoren Stefan Moog und Bernd Raffelhüschen von der Stiftung Marktwirtschaft dafür aus, auch die impliziten Schulden zu berücksichtigen. Diese umfassen alle bereits heute absehbaren zukünftigen Verpflichtungen des Staates, wie etwa Renten- und Pflegeversicherung sowie Beamtengehälter. Das Argument: Über die kurz- und mittelfristige Haushaltsdisziplin hinaus müssen Länder auch langfristig in der Lage sein, ihre Ausgaben zu decken.
Sorgenkind Italien glänzt
Wie groß die finanziellen Belastungen sind, die durch staatlich garantierte Versorgungsleistungen bestehen, geben die Ergebnisse wider. Mit einer Ausnahme ist die Gesamtverbindlichkeit der Staaten unter Einbeziehung der impliziten Verschuldung zumindest doppelt so hoch im Vergleich zu den offiziellen Angaben. Bei den meisten Staaten verdreifachen sich die Schulden. Schlusslichter wie Luxemburg und Irland weisen sogar eine implizite Verschuldung auf, die zehn- bzw. 15-mal so hoch ist wie die offiziellen Angaben. Überraschenderweise glänzt besonders das Sorgenkind Italien: Mit einer impliziten Quote von 27,6 Prozent (etwa ein Viertel der expliziten Verschuldung) ist es langfristig am besten aufgestellt und hat entsprechend den geringsten Konsolidierungsbedarf.
Welche Schlüsse aber lassen sich aus der Studie ziehen? Zunächst einmal ist diese Studie ein Aufruf dazu, neben dem kurz- und mittelfristigen Denken die künftige finanzielle Lage nicht aus dem Blick zu verlieren. Vor allem aber verdeutlichen die Autoren viele Stellschrauben, mit denen die Situation einzelner Staaten individuell wiedergegeben wird und liefern Ansatzpunkte, wo dringender Handlungsbedarf besteht. Natürlich beruht die Berechnung auf Schätzungen und die künftige Entwicklung einer Bevölkerungsstruktur lässt sich nicht einfach fortschreiben. Aber die Studie bietet zwei herausragende Vorteile: Zum einen bildet sie quantitativ ab, was täglich diskutiert wird. Etwa welche Folgen der demografische Wandel für die finanzielle Situation von Staaten haben wird. Zum anderen liefert sie feste Parameter, anhand derer sich Veränderungen durch politische Reformen ablesen lassen. Denn um für die Zukunft tatsächlich gut aufgestellt zu sein, sollte es keinen Konsolidierungsbedarf geben, der höher ist als jede bisherige Sparanstrengung eines Landes.
Sorgenkind Italien glänzt
Wie groß die finanziellen Belastungen sind, die durch staatlich garantierte Versorgungsleistungen bestehen, geben die Ergebnisse wider. Mit einer Ausnahme ist die Gesamtverbindlichkeit der Staaten unter Einbeziehung der impliziten Verschuldung zumindest doppelt so hoch im Vergleich zu den offiziellen Angaben. Bei den meisten Staaten verdreifachen sich die Schulden. Schlusslichter wie Luxemburg und Irland weisen sogar eine implizite Verschuldung auf, die zehn- bzw. 15-mal so hoch ist wie die offiziellen Angaben. Überraschenderweise glänzt besonders das Sorgenkind Italien: Mit einer impliziten Quote von 27,6 Prozent (etwa ein Viertel der expliziten Verschuldung) ist es langfristig am besten aufgestellt und hat entsprechend den geringsten Konsolidierungsbedarf.
Welche Schlüsse aber lassen sich aus der Studie ziehen? Zunächst einmal ist diese Studie ein Aufruf dazu, neben dem kurz- und mittelfristigen Denken die künftige finanzielle Lage nicht aus dem Blick zu verlieren. Vor allem aber verdeutlichen die Autoren viele Stellschrauben, mit denen die Situation einzelner Staaten individuell wiedergegeben wird und liefern Ansatzpunkte, wo dringender Handlungsbedarf besteht. Natürlich beruht die Berechnung auf Schätzungen und die künftige Entwicklung einer Bevölkerungsstruktur lässt sich nicht einfach fortschreiben. Aber die Studie bietet zwei herausragende Vorteile: Zum einen bildet sie quantitativ ab, was täglich diskutiert wird. Etwa welche Folgen der demografische Wandel für die finanzielle Situation von Staaten haben wird. Zum anderen liefert sie feste Parameter, anhand derer sich Veränderungen durch politische Reformen ablesen lassen. Denn um für die Zukunft tatsächlich gut aufgestellt zu sein, sollte es keinen Konsolidierungsbedarf geben, der höher ist als jede bisherige Sparanstrengung eines Landes.
Der Selbstbetrug fliegt langsam auf
Schulden durch neue Schulden zu bekämpfen funktioniert nicht. Irgendwann geht das Geld aus. Die Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington wird zeigen, wie nah dieser Punkt schon ist
Wenn sich ab heute die Vertreter von 187 Staaten zur Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington treffen, werden sie eine Frage wieder nicht beantworten: Hat es einen Sinn, immer größere Rettungspakete schnüren und „Feuermauern“ zu errichten? Kann man Schulden mit immer mehr Schulden bekämpfen?
Die Antwort auf diese Frage haben sich die politischen Führer längst selbst gegeben: Ja, natürlich. Der Glaube der Politiker an die eigene Allmacht steigt seit Beginn der Finanzkrise genauso exponentiell an, wie die Schulden, die sie verursachen. Aber eine Frage wird man bald beantworten müssen: Wer kann eigentlich noch mitbasteln an der „Feuermauer“? Wer hat noch Geld oder kann noch ein bisschen mehr Schulden machen?
Es war ein Eingeständnis der sich verschärfenden Schuldenkrise, dass der IWF selbst kurz vor der Tagung seine Hoffnungen zurückgeschraubt hat. Statt 600 Mrd. Dollar würden auch 400 Mrd. für die Krisenbekämpfung reichen, hieß es. Seit Monaten tingelt IWF-Chefin Christin Lagarde um die Welt, um frisches Geld einzusammeln. Bekommen hat sie gut gemeinte Versprechen. So hat Japan 90 Mrd. Dollar zugesagt – sofern die anderen Staaten auch mitmachen. Und da liegt das Problem: Zu einer offiziellen Kapitalaufstockung des Fonds wird es bei der Frühjahrstagung kaum kommen. Die USA sind dagegen. Und der IWF ist eine Institution, die für das US-geführte Währungssystem „Bretton Woods“ 1944 gegründet wurde. Das System brach 1971 zusammen, aber der IWF blieb und mit ihm die de-facto-Sperrminorität der USA. Washington kontrolliert 16,75 Prozent der Stimmrechte. Ganze 85 Prozent wären für eine Kapitalaufstockung notwendig. Barack Obama hat schon mehrmals abgewunken. Neue Finanzhilfen für das Ausland sind in den USA unpopulär – und es ist ein Wahljahr.
Die EU-Staaten haben sich schon längst darauf geeinigt, dem IWF 200 Mrd. zuschießen zu wollen. Geld, dass dann für den Kampf gegen die europäische Schuldenkrise eingesetzt werden soll. Klingt kompliziert? Ist es auch. Anders als die offiziellen Euro-Rettungspakete innerhalb der EU soll das Geld für den IWF über „bilaterale Kreditlinien“ fließen – und zwar direkt aus den nationalen Notenbanken. So würde die Budgets der Staaten nicht zusätzlich belastet, denn das frische Geld würde buchstäblich aus dem Nichts geschaffen werden. Ein Umstand, dem vor allem die Deutsche Bundesbank wenig abgewinnen kann, denn die direkte Staatsfinanzierung durch die Notenpresse ist ein geldpolitisches Spiel mit dem Feuer. Die Bundesbank verlangt eine Zustimmung des Bundestages. Und diese liegt bisher nicht vor.
Stattdessen kommen aus Europa fast nur schlechte Nachrichten: Spanien wackelt, Portugal und Griechenland sind noch weit von einer Rückkehr an die Finanzmärkte (und damit in die Normalität) entfernt. Und der viel gepriesene „Fiskalpakt“ wird schon vor seiner Einführung gebrochen: Noch bevor die Iren am 31. Mai im einzigen europäischen Referendum über den Fiskalpakt entscheiden dürfen, hat Spanien die Nicht-Einhaltung der darin festgeschriebenen Defizitziele schon bekannt gegeben. Auch Italien hat in dieser Woche seine Nulldefizit-Pläne um zwei Jahre in die Zukunft verschoben. Und der wahlkämpfende französische Präsident Nicholas Sarkozy und sein Gegenkandidat François Hollande haben den Pakt bereits mit Worten untergraben. Zumindest bei Hollande ist sicher, dass er ihn im Falle eines Wahlsieges gänzlich neu verhandeln will.
Dann sind da noch die BRICS. Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika stören sich daran, dass ihre ökonomische Macht sich nicht im IWF widerspiegelt. Und weil die USA aus Angst vor Machtverlust jegliche echte Reform blockieren, sehen sich die BRICS nach Alternativen um. Die Errichtung eines eigenen Fonds ist im Gespräch. Die Europäer sind schon eine Spur weiter. Der umstrittene „permanente Rettungsschirm“ ESM wird eine Art IWF-Klon für Europa sein, wo das Prinzip „ein Land eine Stimme“ erstmals in der Geschichte der EU gebrochen wird: Im ESM wird bestimmen, wer am meisten zahlt. Bis auch Deutschland das Geld ausgeht.
*Die Presse
Wenn sich ab heute die Vertreter von 187 Staaten zur Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington treffen, werden sie eine Frage wieder nicht beantworten: Hat es einen Sinn, immer größere Rettungspakete schnüren und „Feuermauern“ zu errichten? Kann man Schulden mit immer mehr Schulden bekämpfen?
Die Antwort auf diese Frage haben sich die politischen Führer längst selbst gegeben: Ja, natürlich. Der Glaube der Politiker an die eigene Allmacht steigt seit Beginn der Finanzkrise genauso exponentiell an, wie die Schulden, die sie verursachen. Aber eine Frage wird man bald beantworten müssen: Wer kann eigentlich noch mitbasteln an der „Feuermauer“? Wer hat noch Geld oder kann noch ein bisschen mehr Schulden machen?
Es war ein Eingeständnis der sich verschärfenden Schuldenkrise, dass der IWF selbst kurz vor der Tagung seine Hoffnungen zurückgeschraubt hat. Statt 600 Mrd. Dollar würden auch 400 Mrd. für die Krisenbekämpfung reichen, hieß es. Seit Monaten tingelt IWF-Chefin Christin Lagarde um die Welt, um frisches Geld einzusammeln. Bekommen hat sie gut gemeinte Versprechen. So hat Japan 90 Mrd. Dollar zugesagt – sofern die anderen Staaten auch mitmachen. Und da liegt das Problem: Zu einer offiziellen Kapitalaufstockung des Fonds wird es bei der Frühjahrstagung kaum kommen. Die USA sind dagegen. Und der IWF ist eine Institution, die für das US-geführte Währungssystem „Bretton Woods“ 1944 gegründet wurde. Das System brach 1971 zusammen, aber der IWF blieb und mit ihm die de-facto-Sperrminorität der USA. Washington kontrolliert 16,75 Prozent der Stimmrechte. Ganze 85 Prozent wären für eine Kapitalaufstockung notwendig. Barack Obama hat schon mehrmals abgewunken. Neue Finanzhilfen für das Ausland sind in den USA unpopulär – und es ist ein Wahljahr.
Die EU-Staaten haben sich schon längst darauf geeinigt, dem IWF 200 Mrd. zuschießen zu wollen. Geld, dass dann für den Kampf gegen die europäische Schuldenkrise eingesetzt werden soll. Klingt kompliziert? Ist es auch. Anders als die offiziellen Euro-Rettungspakete innerhalb der EU soll das Geld für den IWF über „bilaterale Kreditlinien“ fließen – und zwar direkt aus den nationalen Notenbanken. So würde die Budgets der Staaten nicht zusätzlich belastet, denn das frische Geld würde buchstäblich aus dem Nichts geschaffen werden. Ein Umstand, dem vor allem die Deutsche Bundesbank wenig abgewinnen kann, denn die direkte Staatsfinanzierung durch die Notenpresse ist ein geldpolitisches Spiel mit dem Feuer. Die Bundesbank verlangt eine Zustimmung des Bundestages. Und diese liegt bisher nicht vor.
Stattdessen kommen aus Europa fast nur schlechte Nachrichten: Spanien wackelt, Portugal und Griechenland sind noch weit von einer Rückkehr an die Finanzmärkte (und damit in die Normalität) entfernt. Und der viel gepriesene „Fiskalpakt“ wird schon vor seiner Einführung gebrochen: Noch bevor die Iren am 31. Mai im einzigen europäischen Referendum über den Fiskalpakt entscheiden dürfen, hat Spanien die Nicht-Einhaltung der darin festgeschriebenen Defizitziele schon bekannt gegeben. Auch Italien hat in dieser Woche seine Nulldefizit-Pläne um zwei Jahre in die Zukunft verschoben. Und der wahlkämpfende französische Präsident Nicholas Sarkozy und sein Gegenkandidat François Hollande haben den Pakt bereits mit Worten untergraben. Zumindest bei Hollande ist sicher, dass er ihn im Falle eines Wahlsieges gänzlich neu verhandeln will.
Dann sind da noch die BRICS. Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika stören sich daran, dass ihre ökonomische Macht sich nicht im IWF widerspiegelt. Und weil die USA aus Angst vor Machtverlust jegliche echte Reform blockieren, sehen sich die BRICS nach Alternativen um. Die Errichtung eines eigenen Fonds ist im Gespräch. Die Europäer sind schon eine Spur weiter. Der umstrittene „permanente Rettungsschirm“ ESM wird eine Art IWF-Klon für Europa sein, wo das Prinzip „ein Land eine Stimme“ erstmals in der Geschichte der EU gebrochen wird: Im ESM wird bestimmen, wer am meisten zahlt. Bis auch Deutschland das Geld ausgeht.
*Die Presse
Europa begeht wirtschaftlichen Selbstmord
Europa begehe mit den Sparprogrammen wirtschaftlichen Selbstmord - und die Eurozone könnte auseinander brechen, waren die Kernaussagen des Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E.Stiglitz bei einer Diskussionsveranstaltung in Wien.
In Wachstum investieren anstatt zu sparen
Es gab niemals ein erfolgreiches Sparprogramm in der Geschichte eines großen Landes, meinte Stiglitz. Und der europäische Ansatz für einen solchen ist mit Bestimmtheit der am wenigsten erfolgversprechendste. Und weiters meint er, dass die Europäer einem Irrtum unterliegen. Die Wirtschaft komme nicht in Fahrt wenn die Schulden sinken, sondern: Wenn die Wirtschaft einbricht, steigen die Schulden. Weil es weniger Steuereinnahmen gibt, weil die Arbeitslosigkeit steigt und der Sozialstaat mehr Geld ausgeben muss.
Die Lösung, sei laut Stiglitz, in Wachstum zu investieren. Reiche Länder wie Deutschland könnten sich derzeit sehr günstig Geld ausleihen, sie sollten daher viel in Infrastruktur, Bildung und Technologie investieren, sagt Stieglitz. Der Gewinn, der damit zu machen sei, sei viel höher als die Kosten für die Kredite, die man dafür aufnehmen muss. Auch falsche Anreize müssten weg, etwa dass Spekulanten niedriger besteuert werden als Menschen die mit Arbeit ihr Geld verdienen, berichtet der Onlinedienst des ORF.
Falls die Konzentration weiter so dem Sparen gilt, wie auch mit dem Fiskalpakt im Dezember eindrucksvoll bewiesen wurde sieht Stiglitz die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Eurozone auseinander bricht: Nur wenige Länder werden den Euro behalten, Deutschland, Finnland, und Österreich vielleicht, glaubt Stieglitz
In Wachstum investieren anstatt zu sparen
Es gab niemals ein erfolgreiches Sparprogramm in der Geschichte eines großen Landes, meinte Stiglitz. Und der europäische Ansatz für einen solchen ist mit Bestimmtheit der am wenigsten erfolgversprechendste. Und weiters meint er, dass die Europäer einem Irrtum unterliegen. Die Wirtschaft komme nicht in Fahrt wenn die Schulden sinken, sondern: Wenn die Wirtschaft einbricht, steigen die Schulden. Weil es weniger Steuereinnahmen gibt, weil die Arbeitslosigkeit steigt und der Sozialstaat mehr Geld ausgeben muss.
Die Lösung, sei laut Stiglitz, in Wachstum zu investieren. Reiche Länder wie Deutschland könnten sich derzeit sehr günstig Geld ausleihen, sie sollten daher viel in Infrastruktur, Bildung und Technologie investieren, sagt Stieglitz. Der Gewinn, der damit zu machen sei, sei viel höher als die Kosten für die Kredite, die man dafür aufnehmen muss. Auch falsche Anreize müssten weg, etwa dass Spekulanten niedriger besteuert werden als Menschen die mit Arbeit ihr Geld verdienen, berichtet der Onlinedienst des ORF.
Falls die Konzentration weiter so dem Sparen gilt, wie auch mit dem Fiskalpakt im Dezember eindrucksvoll bewiesen wurde sieht Stiglitz die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Eurozone auseinander bricht: Nur wenige Länder werden den Euro behalten, Deutschland, Finnland, und Österreich vielleicht, glaubt Stieglitz
EZB fürchtet Spaltung der Eurozone
Die Europäische Zentralbank (EZB) und Finanzexperten sehen die Integration in Euro-Währungsraum gefährdet. Nach Medienberichten sorgen sie sich darüber, dass sich in Spanien und Italien ein bedenklicher Trend abzeichne: Während ausländische Investoren in großem Stil ihre Staatsanleihen dieser Länder abstoßen, kaufen heimische Banken diese auf. Die EZB fürchtet daher, dass sich die nationalen Finanzmärkte in der Euro-Zone zunehmend voneinander isolieren. In ihrem letzte Woche veröffentlichten Jahresbericht zur Finanzmarktintegration im Euro-Raum stellen die Zentralbanker fest, dass die grenzüberschreitenden Transaktionen zunehmend unter den Problemen im Währungsraum leiden. Das sei ein deutlicher Rückschlag für die Integration des Finanzsektors im Euro-Raum.
Große Umschichtungen in Spanien und Italien
Beispiel Spanien: Dort haben internationale Anleger allein im März Staatspapiere im Wert von 20 Milliarden Euro abgestoßen. Sie haben ihr Engagement damit um 9,3 Prozent reduziert, wie aus der jüngsten Statistik des spanischen Finanzministeriums hervorgehe. Gleichzeitig stockten inländische Banken ihre Bestände fast in gleicher Größenordnung auf. Spanische Banken halten inzwischen spanische Staatsanleihen im Wert von rund 263 Milliarden Euro, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Im November 2011 waren es noch 178 Milliarden. Am italienischen Anleihemarkt zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab. Dort stiegen die Investments der heimischen Banken zuletzt auf fast 324 Milliarden Euro, im November 2011 waren es noch 247 Milliarden. Dieser Trend alamiert Experten „Wenn sich die Anleihen ausschließlich in der Hand nationaler Investoren befinden, wird der Anreiz, Unterstützung zu liefern, für die anderen Länder immer geringer", wird Stéphane Monier, Experte der Investmentgesellschaft Lombard Odier, zitiert. Man bereite so den Boden für die Desintegration der Euro-Zone.
Geldspritzen der EZB als Ursache für Probleme
Als Ursache für diese bedenkliche Entwicklung haben Experten die Liquiditätsoffensive der EZB ausgemacht. Seit Dezember hat die Notenbank den europäischen Finanzsektor mit zwei Geldprogrammen in Höhe von über einer Billion Euro geflutet. Banken können das Zentralbankgeld, das sie von der EZB gegen Sicherheiten zum Mini-Zins von derzeit einem Prozent erhalten, drei Jahre lang verwenden. Das Geld geht offenbar vielfach in heimische Staatsanleihen.
Große Umschichtungen in Spanien und Italien
Beispiel Spanien: Dort haben internationale Anleger allein im März Staatspapiere im Wert von 20 Milliarden Euro abgestoßen. Sie haben ihr Engagement damit um 9,3 Prozent reduziert, wie aus der jüngsten Statistik des spanischen Finanzministeriums hervorgehe. Gleichzeitig stockten inländische Banken ihre Bestände fast in gleicher Größenordnung auf. Spanische Banken halten inzwischen spanische Staatsanleihen im Wert von rund 263 Milliarden Euro, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Im November 2011 waren es noch 178 Milliarden. Am italienischen Anleihemarkt zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab. Dort stiegen die Investments der heimischen Banken zuletzt auf fast 324 Milliarden Euro, im November 2011 waren es noch 247 Milliarden. Dieser Trend alamiert Experten „Wenn sich die Anleihen ausschließlich in der Hand nationaler Investoren befinden, wird der Anreiz, Unterstützung zu liefern, für die anderen Länder immer geringer", wird Stéphane Monier, Experte der Investmentgesellschaft Lombard Odier, zitiert. Man bereite so den Boden für die Desintegration der Euro-Zone.
Geldspritzen der EZB als Ursache für Probleme
Als Ursache für diese bedenkliche Entwicklung haben Experten die Liquiditätsoffensive der EZB ausgemacht. Seit Dezember hat die Notenbank den europäischen Finanzsektor mit zwei Geldprogrammen in Höhe von über einer Billion Euro geflutet. Banken können das Zentralbankgeld, das sie von der EZB gegen Sicherheiten zum Mini-Zins von derzeit einem Prozent erhalten, drei Jahre lang verwenden. Das Geld geht offenbar vielfach in heimische Staatsanleihen.
Crasht der Euro und Europa?
Banken, Börsen und Euro runter. Die Wahl in Frankreich und Griechenland war eine Richtungswahl für Euro und die Weltbörsen. Mit dem Fiskalpaket ist auch die Gemeinschaftswährung in Gefahr. Bricht jetzt nicht nur der Euro sondern auch Europa auseinander?
„Wer die Wahl hat, hat die Qual!“ Wissen Sie schon, wen Sie in 2013 wählen? Die Wahlen in Athen und in Frankreich wurden schon als Schicksalswahlen für den Euro bezeichnet. Der Euro ist eine politische Kunstwährung. Sie muss nicht so bleiben. Es wird sich bis 2013 noch viel verändern, einiges sogar radikal.
Europa könnte sich durch neue Politiker in Führungspositionen ändern und möglicherweise spalten. Wir haben jetzt auch wieder von der Politik bestimmte Kurse. Der DAX brach am Freitag um fast 2% auf 6561 Indexpunkte ein, weil es zu einem schlechte Konjunkturdaten in den USA gab – in den USA wurden im April mit 115.000 weit weniger Stellen geschaffen als erwartet, zum anderen weil die Anleger aber auch Angst vor einem Wahlsieg von Hollande und einem ungünstigen Wahlausgang in Griechenland Aktien vorsichtshalber verkauft haben. Wen es nach Hollande ginge hätten wir ein neues Europa der Eurobonds und der noch größeren Verschuldung oder der Spaltung. Wo soll das aber enden?
Hinzu kam die Wahl in Schleswig-Holstein, die Aufschluss über das Stimmungsbild in Deutschland gibt und ob es 2013 auch in Deutschland zu einem Machtverlust von Merkel kommen kann. In jedem fall lieferten sich CDU und SPD in Schleswig-Holstein ein Kopf-an Kopf-Rennen. Jetzt werden die Koalitionsverhandlungen schwierig werden. Die Piraten könnten auch in 2013 das Zünglein an der Waage sein oder es läuft wieder auf eine große Koalition hinaus. Wer auch immer an die Macht kommt, er wird es schwer haben, da die Politik von Verschuldungszwängen geprägt ist.
In der Tat war die Wahl in Frankreich auch so etwas wie eine Richtungswahl für den Euro und die Weltbörsen. Hollande hat wie erwartet die Wahl klar gewonnen. Er wird wohl mit Merkel auf Konfrontationskurs gehen. Er will eine Rente mit 60 einführen. Der Fiskalpakt ist in Gefahr und damit der Euro auch. Im Grundsatz hat aber Hollande zum Teil recht: ein Staat darf sich nicht kaputt sparen, es muss auch Wachstumsimpulse geben, aber er muss auch Haushaltsdisziplin wahren. Wird dies Hollande wohl schaffen? Es wird in jedem Fall zu Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich kommen.
In Griechenland stellten sich 32 Parteien zur Wahl. Die rechts- und linksextremen Gruppen bekamen Zukauf. Die beiden großen Volksparteien wurden abgestraft, müssen aber wohl eine Koalition bilden; es ist die Frage, ob dann auch alle Beschlüsse so durchgesetzt werden wie es die Troika fordert. Immerhin wurden zuvor griechische Anleihen von S&P um 4 Stufen herauf gestuft während spanische Anleihen um 2 Stufen herabgestuft wurden. Spanien wird also das neue Sorgenkind in Europa, neben Frankreich. So manch ein Experte befürchtet jetzt wieder, dass der Euro den Belastungen nicht standhalten kann und trotz erweitertem Rettungssschirm auseinanderbricht, wenn Griechenland und Frankreich nicht bei der Stange bleiben.
EZB-Chef Draghi machte schon in Barcelona klar, dass die EZB mit dem „give away“ von 1 Billion € ihren Job gemacht hat und nun die Politik gefordert sei. Wenn das heißt, dass die EZB keinen weiteren Liquiditätshilfen gibt, wäre dies schlecht für die Weltbörsen. Auch ist noch nicht klar, ob es ein QE3 bei der FED im Sommer geben wird. Auch der Wahlkampf in den USA wirft seine Schatten schon voraus. Es wird also ein heißer Sommer werden, wobei danach auch die noch offen Iran-frage in irgendeiner Form geklärt werden muss.
Er ergeben sich jetzt auf verschiedenen Märkten sehr brisante Marktkonstellationen. Neben dem DAX gab auch der Dow Jones wegen der schlechten Arbeitsmarktdaten in den USA um 0,62% auf 13.211 Indexpunkte nach. Der RTS-Index brach sogar um über 3% auf unter 1500 Indexpunkte ein, da zusätzlich auch der Ölpreis kräftig um 3,89% auf unter 100 USD/Barrel nachgab. Sehr wichtig ist jetzt, ob die 1,30 EUR/USD-Marke hält, für alle Rohstoff- und Aktienmärkte. Der einzige „sichere Hafen“ ist im Moment weiterhin den Bund-Future, der erstmals auf das neue Rekord-Hoch von 142 stieg. Hier zeichnet sich ein „bubble“ ab. Gold konnte sich leicht um 0,31% auf 1642 USD/Unze und Silber um 1,42% auf 30,43 USD/Unze erholen.
www.eaststock.de
„Wer die Wahl hat, hat die Qual!“ Wissen Sie schon, wen Sie in 2013 wählen? Die Wahlen in Athen und in Frankreich wurden schon als Schicksalswahlen für den Euro bezeichnet. Der Euro ist eine politische Kunstwährung. Sie muss nicht so bleiben. Es wird sich bis 2013 noch viel verändern, einiges sogar radikal.
Europa könnte sich durch neue Politiker in Führungspositionen ändern und möglicherweise spalten. Wir haben jetzt auch wieder von der Politik bestimmte Kurse. Der DAX brach am Freitag um fast 2% auf 6561 Indexpunkte ein, weil es zu einem schlechte Konjunkturdaten in den USA gab – in den USA wurden im April mit 115.000 weit weniger Stellen geschaffen als erwartet, zum anderen weil die Anleger aber auch Angst vor einem Wahlsieg von Hollande und einem ungünstigen Wahlausgang in Griechenland Aktien vorsichtshalber verkauft haben. Wen es nach Hollande ginge hätten wir ein neues Europa der Eurobonds und der noch größeren Verschuldung oder der Spaltung. Wo soll das aber enden?
Hinzu kam die Wahl in Schleswig-Holstein, die Aufschluss über das Stimmungsbild in Deutschland gibt und ob es 2013 auch in Deutschland zu einem Machtverlust von Merkel kommen kann. In jedem fall lieferten sich CDU und SPD in Schleswig-Holstein ein Kopf-an Kopf-Rennen. Jetzt werden die Koalitionsverhandlungen schwierig werden. Die Piraten könnten auch in 2013 das Zünglein an der Waage sein oder es läuft wieder auf eine große Koalition hinaus. Wer auch immer an die Macht kommt, er wird es schwer haben, da die Politik von Verschuldungszwängen geprägt ist.
In der Tat war die Wahl in Frankreich auch so etwas wie eine Richtungswahl für den Euro und die Weltbörsen. Hollande hat wie erwartet die Wahl klar gewonnen. Er wird wohl mit Merkel auf Konfrontationskurs gehen. Er will eine Rente mit 60 einführen. Der Fiskalpakt ist in Gefahr und damit der Euro auch. Im Grundsatz hat aber Hollande zum Teil recht: ein Staat darf sich nicht kaputt sparen, es muss auch Wachstumsimpulse geben, aber er muss auch Haushaltsdisziplin wahren. Wird dies Hollande wohl schaffen? Es wird in jedem Fall zu Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich kommen.
In Griechenland stellten sich 32 Parteien zur Wahl. Die rechts- und linksextremen Gruppen bekamen Zukauf. Die beiden großen Volksparteien wurden abgestraft, müssen aber wohl eine Koalition bilden; es ist die Frage, ob dann auch alle Beschlüsse so durchgesetzt werden wie es die Troika fordert. Immerhin wurden zuvor griechische Anleihen von S&P um 4 Stufen herauf gestuft während spanische Anleihen um 2 Stufen herabgestuft wurden. Spanien wird also das neue Sorgenkind in Europa, neben Frankreich. So manch ein Experte befürchtet jetzt wieder, dass der Euro den Belastungen nicht standhalten kann und trotz erweitertem Rettungssschirm auseinanderbricht, wenn Griechenland und Frankreich nicht bei der Stange bleiben.
EZB-Chef Draghi machte schon in Barcelona klar, dass die EZB mit dem „give away“ von 1 Billion € ihren Job gemacht hat und nun die Politik gefordert sei. Wenn das heißt, dass die EZB keinen weiteren Liquiditätshilfen gibt, wäre dies schlecht für die Weltbörsen. Auch ist noch nicht klar, ob es ein QE3 bei der FED im Sommer geben wird. Auch der Wahlkampf in den USA wirft seine Schatten schon voraus. Es wird also ein heißer Sommer werden, wobei danach auch die noch offen Iran-frage in irgendeiner Form geklärt werden muss.
Er ergeben sich jetzt auf verschiedenen Märkten sehr brisante Marktkonstellationen. Neben dem DAX gab auch der Dow Jones wegen der schlechten Arbeitsmarktdaten in den USA um 0,62% auf 13.211 Indexpunkte nach. Der RTS-Index brach sogar um über 3% auf unter 1500 Indexpunkte ein, da zusätzlich auch der Ölpreis kräftig um 3,89% auf unter 100 USD/Barrel nachgab. Sehr wichtig ist jetzt, ob die 1,30 EUR/USD-Marke hält, für alle Rohstoff- und Aktienmärkte. Der einzige „sichere Hafen“ ist im Moment weiterhin den Bund-Future, der erstmals auf das neue Rekord-Hoch von 142 stieg. Hier zeichnet sich ein „bubble“ ab. Gold konnte sich leicht um 0,31% auf 1642 USD/Unze und Silber um 1,42% auf 30,43 USD/Unze erholen.
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Stürzt der Euro ab?
Die Wahlen in Frankreich und Griechenland haben die Sorgen um die Euroschuldenkrise neu entfacht. Neben der Überschuldung wird mangelnde Wettbewerbsfähigkeit als das größte Hindernis für einen Aufschwung in der Währungsunion angesehen. So ist es kein Wunder, dass eine der größten Sorgen von Anlegern um die bange Frage kreist, ob der Euro als nächstes massiv an Wert verlieren wird, meinen die Finanzmarktexperten von Sarasin.
Ihnen zufolge stellt sich zunächst die Frage, gegenüber welcher Währung der Euro noch stark fallen sollte. Nachdem er gegenüber dem Yen von circa EUR-JPY 170 im Jahr 2008 auf knapp über 100 gefallen ist und auch gegenüber dem Schweizer Franken von circa 1,70 im Jahr 2007 auf 1,20 sank, sind die jeweiligen Zentralbanken zu massiven Interventionen übergegangen. Auch China und andere Schwellenländer intervenieren seit Jahren aktiv in den Devisenmärkten, um eine Aufwertung zu verhindern. Solange der Dollar nicht steigt, wird keine andere Zentralbank den Euro stark abwerten lassen.
Zum zweiten ist allein die Tatsache, dass eine Abwertung des Euros einige Probleme wie die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit und die schwache Binnennachfrage lösen würde, kein hinreichender Grund dafür, dass dies auch eintrifft, wie die Sarasin-Experten anmerken. Bei Währungen gehe es nämlich nicht um eine absolute, sondern immer nur um eine relative Betrachtung. Es komme also auf den Vergleich mit den anderen Währungen an. Betrachtet man den Euro relativ zu Dollar und Pfund, scheint er in diesem Hässlichkeitswettbewerb die am wenigsten hässliche Alternative zu sein, meinen die Sarasin-Experten.
Tatsächlich sei Euroland gemessen an den wichtigsten Fundamentaldaten noch immer besser aufgestellt als es die momentane Stimmung reflektiert. Erstens sind die Staatsschulden und -defizite im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) niedriger als in den USA. Und während der Schuldenstand in Euroland aufgrund der tiefgreifenden Austerität fallen sollte, wird er in den USA vorerst weiter steigen, sind die Sarasin-Experten überzeugt.
Zweitens sei die Wettbewerbsfähigkeit nur unter den Euroländern ein Thema. Euroland sei insgesamt gesehen wettbewerbsfähig, was sich auch an der ausgeglichenen Leistungsbilanz reflektiert. Dahingegen brauchen eher die USA eine Abwertung des Dollars, um ihr Handelsdefizit zu reduzieren. Drittens ist der Anstieg der Euro-Liquidität seit dem Beginn der Finanzkrise 2007 – trotz der massiven Geldspritzen der EZB – in Euroland geringer gewesen als in UK und den USA. Die Zentralbankbilanz und die breitgefasste Geldmenge M2 sind in Euroland weniger stark angestiegen.
Gemäß den Analysen der Bank Sarasin hat die Differenz der Realzinsen zwischen den USA und Deutschland, welche die Erwartungen über Inflation und Zinsverlauf widerspiegelt, den besten Zusammenhang mit dem EUR-USD-Wechselkurs. Wenn Erwartungen einer erneuten EZB-Zinssenkung aufkämen, würde der Euro tendenziell schwächer werden. Ein Großteil davon ist jedoch schon im momentanen Euro-Kurs enthalten. Angesichts der Tatsache, dass der Euro die am wenigsten hässliche Währung ist, erwarten die Sarasin-Experten, dass er vorerst gegenüber dem Dollar noch stärker wird.
Ihnen zufolge stellt sich zunächst die Frage, gegenüber welcher Währung der Euro noch stark fallen sollte. Nachdem er gegenüber dem Yen von circa EUR-JPY 170 im Jahr 2008 auf knapp über 100 gefallen ist und auch gegenüber dem Schweizer Franken von circa 1,70 im Jahr 2007 auf 1,20 sank, sind die jeweiligen Zentralbanken zu massiven Interventionen übergegangen. Auch China und andere Schwellenländer intervenieren seit Jahren aktiv in den Devisenmärkten, um eine Aufwertung zu verhindern. Solange der Dollar nicht steigt, wird keine andere Zentralbank den Euro stark abwerten lassen.
Zum zweiten ist allein die Tatsache, dass eine Abwertung des Euros einige Probleme wie die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit und die schwache Binnennachfrage lösen würde, kein hinreichender Grund dafür, dass dies auch eintrifft, wie die Sarasin-Experten anmerken. Bei Währungen gehe es nämlich nicht um eine absolute, sondern immer nur um eine relative Betrachtung. Es komme also auf den Vergleich mit den anderen Währungen an. Betrachtet man den Euro relativ zu Dollar und Pfund, scheint er in diesem Hässlichkeitswettbewerb die am wenigsten hässliche Alternative zu sein, meinen die Sarasin-Experten.
Tatsächlich sei Euroland gemessen an den wichtigsten Fundamentaldaten noch immer besser aufgestellt als es die momentane Stimmung reflektiert. Erstens sind die Staatsschulden und -defizite im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) niedriger als in den USA. Und während der Schuldenstand in Euroland aufgrund der tiefgreifenden Austerität fallen sollte, wird er in den USA vorerst weiter steigen, sind die Sarasin-Experten überzeugt.
Zweitens sei die Wettbewerbsfähigkeit nur unter den Euroländern ein Thema. Euroland sei insgesamt gesehen wettbewerbsfähig, was sich auch an der ausgeglichenen Leistungsbilanz reflektiert. Dahingegen brauchen eher die USA eine Abwertung des Dollars, um ihr Handelsdefizit zu reduzieren. Drittens ist der Anstieg der Euro-Liquidität seit dem Beginn der Finanzkrise 2007 – trotz der massiven Geldspritzen der EZB – in Euroland geringer gewesen als in UK und den USA. Die Zentralbankbilanz und die breitgefasste Geldmenge M2 sind in Euroland weniger stark angestiegen.
Gemäß den Analysen der Bank Sarasin hat die Differenz der Realzinsen zwischen den USA und Deutschland, welche die Erwartungen über Inflation und Zinsverlauf widerspiegelt, den besten Zusammenhang mit dem EUR-USD-Wechselkurs. Wenn Erwartungen einer erneuten EZB-Zinssenkung aufkämen, würde der Euro tendenziell schwächer werden. Ein Großteil davon ist jedoch schon im momentanen Euro-Kurs enthalten. Angesichts der Tatsache, dass der Euro die am wenigsten hässliche Währung ist, erwarten die Sarasin-Experten, dass er vorerst gegenüber dem Dollar noch stärker wird.
Prognose für die Euro-Zone: „Es bleiben nur sechs bis sieben Euro-Länder übrig“
FOCUS Online: Am Sonntag fanden in Frankreich und Griechenland Wahlen statt. Was würde passieren, wenn nun eine neue griechische Regierung den Euro-Raum verlässt und die Drachme wieder einführt?
Flossbach: Dass das passieren wird, ist eh klar. Der Schuldenschnitt hat natürlich nicht ausgereicht, weil das Land mit nun 260 statt 360 Milliarden Euro Schulden nicht beinahe pleite ist, sondern immer noch völlig bankrott. Es macht sich auch keiner die Illusion, dass Griechenland diese verbliebenen Schulden jemals zurückzahlen wird – zumal nun auch noch das Bruttoinlandsprodukt von 230 in Richtung 200 Milliarden Euro fällt. So ein Minus des BIP von 13 Prozent bei einer Schuldenquote von dann 130 Prozent haben die grotesken Rechnungen der Troika nie vorgesehen.
FOCUS Online: Werden sich Deutschland und seine Nachbarn weiter auseinanderentwickeln?
Flossbach: Wir erleben eine Sonderkonjunktur in Deutschland, getrieben durch die gerade erst beginnende Bautätigkeit und andererseits durch den Export. Getragen auch von Produkten, die weltweit nachgefragt werden. Nehmen Sie den Erfolg der Autoindustrie in China oder den Maschinenbau. Jetzt stehen wir wirklich glänzend da, und die anderen Euro-Länder haben große Schwierigkeiten. Die Divergenzen haben sich also umgekehrt, aber mit exponentieller Dynamik: Deutschland fliegt nach oben weg, und die anderen fallen nach unten in die Rezession. Das ist wie bei unterschiedlichen Temperaturen in einer Flasche, die es zu zerreißen droht.
FOCUS Online: Wenn Griechenland den Euro verlässt, wie groß ist dann die Gefahr, dass andere Länder angesteckt werden oder der Euro insgesamt kollabiert?
Flossbach: Wenn man aus einem Korb einen besonders faulen Apfel herausnimmt, dann wird der Rest dadurch ja noch nicht schlechter.
FOCUS Online: Aber im Korb sind ja auch Portugal und Spanien enthalten, das immer mehr zum Sorgenkind wird.
Flossbach: Ja, dort geht es mit Volldampf in die falsche Richtung. Allein die Arbeitslosigkeit ist ein Pulverfass. Ob das alles im Rahmen einer demokratischen Lösung endet, bezweifle ich. Was wir immer ausblenden: Durch die Sparpolitik säuft nicht nur die Wirtschaft ab und die Steuereinnahmen fallen drastisch. Durch ein sinkendes Sozialprodukt steigt aber auch die Schuldenquote zwangsläufig.
FOCUS Online: Hat der Euro überhaupt noch eine Zukunft?
Flossbach: Der Euro steht und fällt mit Deutschland. Wenn nicht 30 bis 40 Prozent D-Mark im Euro stecken würden, wäre er bereits kollabiert.
FOCUS Online: Viele in Deutschland wünschen sich ja 100 Prozent D-Mark mit null Prozent Euro . . .
Flossbach: Was sie dabei übersehen: Eine neue D-Mark würde heute – anders als früher – extrem aufwerten, weil sie eine Fluchtwährung für alle Besitzenden in den verbliebenen Euro-Ländern wäre. Das hat man im vergangenen Jahr am Schweizer Franken gesehen, der einen Tag lang sogar eins zu eins zum Euro notiert war. Das brächte uns zwar eine gigantische Kaufkraft im Ausland, aber für die deutsche Wirtschaft wäre es eine Katastrophe.
FOCUS Online: Wenn alles so bleibt, wie es ist, dann muss Deutschland also künftig für die Peripherie zahlen?
Flossbach: Allein kommen alle diese Länder einschließlich Spanien nicht mehr aus der Misere. Die EZB hat ja bereits massiv spanische Staatsanleihen gekauft und damit indirekt den Zins subventioniert. Das ist noch keine direkte Subventionierung, aber mit solchen Hilfspaketen durch die Rettungsschirme EFSF und ESM könnte es auf Dauer weiterlaufen. Wir haben also bereits eine Transferunion, und die wird sich weiter ausdehnen.
FOCUS Online: Wird das dann auch Deutschland infizieren, also zum Beispiel die Renditen der deutschen Staatsanleihen steigen lassen?
Flossbach: Wenn Deutschland die dauerhafte Subventionierung festschreibt – zum Beispiel in einem Gesetz -, dann werden sie steigen. Die Frage ist nur, wie weit.
FOCUS Online: Aber ist Deutschland denn dazu in der Lage, ganz Europa zu finanzieren?
Flossbach: Das ist die entscheidende Frage. Denn die starken Länder sind sicher nicht dazu in der Lage, alle anderen dauerhaft zu subventionieren. Allein schon psychologisch nicht. Das ist, wie wenn Sie allen Nachbarn in Ihrer Straße permanent aus der Patsche helfen, auch wenn die ständig zu spät kommen, Party machen und verschlafen. Das mag finanziell sogar noch gehen, aber irgendwann bekommen Sie Druck von Ihren eigenen Familienmitgliedern, die sagen werden: Du bist bescheuert. Alles, was wir haben und verdienen, geben wir aus, damit es den Nachbarn gut geht. Wir machen da nicht mehr mit, wir streiken. Und das werden die Wähler irgendwann an der Wahlurne tun. Denn die sehen die anderen auch eher als die eben beschriebenen Nachbarn und nicht uns alle als eine große Einheit.
FOCUS Online: Wie sieht die Euro-Zone in zehn Jahren aus?
Flossbach: Anders als heute. Es wird sechs oder sieben Kernländer geben, deren Ungleichgewichte man austarieren kann. Aber die Peripherieländer dürften dann nicht mehr dabei sein
* Auszug: Focus
FOCUS Online: Am Sonntag fanden in Frankreich und Griechenland Wahlen statt. Was würde passieren, wenn nun eine neue griechische Regierung den Euro-Raum verlässt und die Drachme wieder einführt?
Flossbach: Dass das passieren wird, ist eh klar. Der Schuldenschnitt hat natürlich nicht ausgereicht, weil das Land mit nun 260 statt 360 Milliarden Euro Schulden nicht beinahe pleite ist, sondern immer noch völlig bankrott. Es macht sich auch keiner die Illusion, dass Griechenland diese verbliebenen Schulden jemals zurückzahlen wird – zumal nun auch noch das Bruttoinlandsprodukt von 230 in Richtung 200 Milliarden Euro fällt. So ein Minus des BIP von 13 Prozent bei einer Schuldenquote von dann 130 Prozent haben die grotesken Rechnungen der Troika nie vorgesehen.
FOCUS Online: Werden sich Deutschland und seine Nachbarn weiter auseinanderentwickeln?
Flossbach: Wir erleben eine Sonderkonjunktur in Deutschland, getrieben durch die gerade erst beginnende Bautätigkeit und andererseits durch den Export. Getragen auch von Produkten, die weltweit nachgefragt werden. Nehmen Sie den Erfolg der Autoindustrie in China oder den Maschinenbau. Jetzt stehen wir wirklich glänzend da, und die anderen Euro-Länder haben große Schwierigkeiten. Die Divergenzen haben sich also umgekehrt, aber mit exponentieller Dynamik: Deutschland fliegt nach oben weg, und die anderen fallen nach unten in die Rezession. Das ist wie bei unterschiedlichen Temperaturen in einer Flasche, die es zu zerreißen droht.
FOCUS Online: Wenn Griechenland den Euro verlässt, wie groß ist dann die Gefahr, dass andere Länder angesteckt werden oder der Euro insgesamt kollabiert?
Flossbach: Wenn man aus einem Korb einen besonders faulen Apfel herausnimmt, dann wird der Rest dadurch ja noch nicht schlechter.
FOCUS Online: Aber im Korb sind ja auch Portugal und Spanien enthalten, das immer mehr zum Sorgenkind wird.
Flossbach: Ja, dort geht es mit Volldampf in die falsche Richtung. Allein die Arbeitslosigkeit ist ein Pulverfass. Ob das alles im Rahmen einer demokratischen Lösung endet, bezweifle ich. Was wir immer ausblenden: Durch die Sparpolitik säuft nicht nur die Wirtschaft ab und die Steuereinnahmen fallen drastisch. Durch ein sinkendes Sozialprodukt steigt aber auch die Schuldenquote zwangsläufig.
FOCUS Online: Hat der Euro überhaupt noch eine Zukunft?
Flossbach: Der Euro steht und fällt mit Deutschland. Wenn nicht 30 bis 40 Prozent D-Mark im Euro stecken würden, wäre er bereits kollabiert.
FOCUS Online: Viele in Deutschland wünschen sich ja 100 Prozent D-Mark mit null Prozent Euro . . .
Flossbach: Was sie dabei übersehen: Eine neue D-Mark würde heute – anders als früher – extrem aufwerten, weil sie eine Fluchtwährung für alle Besitzenden in den verbliebenen Euro-Ländern wäre. Das hat man im vergangenen Jahr am Schweizer Franken gesehen, der einen Tag lang sogar eins zu eins zum Euro notiert war. Das brächte uns zwar eine gigantische Kaufkraft im Ausland, aber für die deutsche Wirtschaft wäre es eine Katastrophe.
FOCUS Online: Wenn alles so bleibt, wie es ist, dann muss Deutschland also künftig für die Peripherie zahlen?
Flossbach: Allein kommen alle diese Länder einschließlich Spanien nicht mehr aus der Misere. Die EZB hat ja bereits massiv spanische Staatsanleihen gekauft und damit indirekt den Zins subventioniert. Das ist noch keine direkte Subventionierung, aber mit solchen Hilfspaketen durch die Rettungsschirme EFSF und ESM könnte es auf Dauer weiterlaufen. Wir haben also bereits eine Transferunion, und die wird sich weiter ausdehnen.
FOCUS Online: Wird das dann auch Deutschland infizieren, also zum Beispiel die Renditen der deutschen Staatsanleihen steigen lassen?
Flossbach: Wenn Deutschland die dauerhafte Subventionierung festschreibt – zum Beispiel in einem Gesetz -, dann werden sie steigen. Die Frage ist nur, wie weit.
FOCUS Online: Aber ist Deutschland denn dazu in der Lage, ganz Europa zu finanzieren?
Flossbach: Das ist die entscheidende Frage. Denn die starken Länder sind sicher nicht dazu in der Lage, alle anderen dauerhaft zu subventionieren. Allein schon psychologisch nicht. Das ist, wie wenn Sie allen Nachbarn in Ihrer Straße permanent aus der Patsche helfen, auch wenn die ständig zu spät kommen, Party machen und verschlafen. Das mag finanziell sogar noch gehen, aber irgendwann bekommen Sie Druck von Ihren eigenen Familienmitgliedern, die sagen werden: Du bist bescheuert. Alles, was wir haben und verdienen, geben wir aus, damit es den Nachbarn gut geht. Wir machen da nicht mehr mit, wir streiken. Und das werden die Wähler irgendwann an der Wahlurne tun. Denn die sehen die anderen auch eher als die eben beschriebenen Nachbarn und nicht uns alle als eine große Einheit.
FOCUS Online: Wie sieht die Euro-Zone in zehn Jahren aus?
Flossbach: Anders als heute. Es wird sechs oder sieben Kernländer geben, deren Ungleichgewichte man austarieren kann. Aber die Peripherieländer dürften dann nicht mehr dabei sein
* Auszug: Focus
Bundesfinanzminsterium - Griechenland soll auch nach Euro-Austritt Hilfsmilliarden bekommen
Max Josef Strauß dazu auf Facebook: Nun können wir davon ausgehen, dass Griechenland sicher die Euro-Zone verläßt, denn ein solcher Artikel ist vom Bundesfinanzministerium auf allerhöchste Weisung lanciert. Die griechischen Reichen und Steuerhinterzieher werden sich für ein Geschenk von mindestens 100 Mrd. € nicht einmal bedanken, der griechische Mittelstand und die Unterklasse werden die Party durch Verarmung bezahlen und uns Deutsche beschimpfen.
Spiegel Online:
Spiegel Online:
Quelle: Spiegel-Online
Zitat
Ein Euro-Austritt Griechenlands bedeutet nach SPIEGEL-Informationen nicht das Ende der Hilfszahlungen. Nach Plänen des Berliner Finanzministeriums soll Athen weiterhin Gelder aus dem EFSF-Rettungsschirm für seine Staatsanleihen bekommen - um die Folgen für die anderen Euro-Länder abzuschwächen.
Berlin - Griechenland kann nach SPIEGEL-Informationen auch im Falle eines Euro-Austritts mit weiteren Milliarden aus dem europäischen Rettungsschirm EFSF rechnen. Der europäische Rettungsschirm soll nach Plänen des Bundesfinanzministerium demnach nur jene Beträge streichen, die direkt an den Haushalt Griechenlands gehen. Jene Milliarden, mit denen die Staatsanleihen bedient werden, die die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen ihrer Rettungsmaßnahmen übernommen hat, sollen hingegen weiter fließen.
Damit sollen die Folgen eines möglichen Euro-Austritts gemildert werden. So könnten Verluste bei der Zentralbank verhindert werden, die letztlich auf die Haushalte der Mitgliedstaaten durchschlagen.
Weitere Überlegungen des Hauses von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sehen laut SPIEGEL vor, dass die Griechen, auch wenn sie keine Hilfen mehr aus den Rettungstöpfen der Euro-Länder bekommen, nicht sich selbst überlassen werden sollen. Bleibt Griechenland Mitglied in der EU, hätten sie Anspruch auf Hilfen aus Brüssel, wie sie auch anderen EU-Ländern mit eigener Währung in Schieflage zustehen. Diese würden dann nicht mehr nur von den Ländern der Euro-Zone finanziert, sondern von allen 27 EU-Mitgliedstaaten.
Nach den Wahlen vom vergangenen Sonntag und dem bisher erfolglosen Versuch, eine Regierung in Athen zustande zu bringen, wird in der schwarz-gelben Regierungskoalition immer offener über die Möglichkeit eines Euro-Austritts gesprochen - der Unmut wächst. Ein Ausstieg Athens aus dem Euro wäre "weder das Ende des Euro, noch das Ende der EU", sagt CSU-Chef Horst Seehofer: "Wir müssen Deutschlands ökonomische Stärke erhalten, das ist wichtiger, als ein Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone."
Auch Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) bleibt hart. "Ein Auf- oder Abweichen bei den festgelegten Programmen wird es nicht geben." Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) plädiert ebenfalls dafür, dass Griechenland am Sparkurs festhalte. "Griechenland hat bereits mehr Geld bekommen als vergleichsweise beim Marshall-Plan ausgezahlt wurde", sagt er. "Die Griechen müssen die Maßnahmen als Chance begreifen, sonst haben sie keine Chance."
Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker hat hingegen Geduld mit Griechenland gefordert. Er will Griechenland mehr Zeit zum Sparen geben. Die europäischen Partner müssten ihren Zeitplan überprüfen und die Verträge im Zweifel nachbessern, sagte der luxemburgische Regierungschef. Juncker warnte davor, den Druck auf Griechenland noch weiter zu erhöhen. "Ich rate dringend davon ab, dass wir den Griechen über den Zaun zurufen, was sie zu tun haben. Wir sollten die Griechen selbst entscheiden lassen."
Vor einer Woche durften Griechen und Franzosen wählen. So langsam zeichnet sich ab, was sich durch die Wahlergebnisse in Europa ändern wird. Robert Halver von der Baader Bank bleibt durchaus zuversichtlich, rechnet aber mit dem Euro-Aus für Griechenland.
Robert Halver ist Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG.
Spätestens nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland - bei denen die Gegner der Sparpolitik als Gewinner hervorgingen - ist die Eurokrise wieder in aller Munde.
Während der neue französische Präsident Hollande den euroländischen Fiskalpakt neu verhandeln will, sorgt vor allem das politische Chaos in Griechenland, wo eine Regierungsbildung extrem erschwert, wenn nicht sogar unmöglich ist, für Unruhe und Unsicherheit über die Zukunft Eurolands.
So wirkt die griechische Misere wie ein Katalysator für Krisenängste auch an den Finanzmärkten Italien und Spaniens, wo Befürchtungen aufkommen, dass dort die Reformprozesse auch ins Stocken geraten.
In das negative Euro-Bild passt zudem die Verstaatlichung der viertgrößten spanischen Bank, die die Abschreibung von Immobilienkredite nicht mehr aus eigener Kraft stemmen kann. Es ist davon auszugehen, dass weitere spanische Banken unter Regierungsschutz gestellt werden müssen, was ohne Frage die spanische Haushaltskonsolidierung gefährdet.
Als Konsequenz befinden sich die Ausfallprämien 5-jähriger italienischer und spanischer Staatsanleihen bereits wieder in einer klaren Aufwärtsbewegung.
Die Unsicherheit an den Finanzmärkten lässt sich nicht zuletzt an der Kreditvergabe der Banken an den privaten Sektor ablesen. Seit dem Beginn des vierten Quartals 2011 ist sie deutlich rückläufig.
Die Geschäftsbanken horten ihr Geld lieber weiterhin im sicheren Hafen der Europäischen Zentralbank (EZB), legen es aber mittlerweile aber auch zunehmend in schnell liquidierbaren, geldmarktnahen Papieren an, um eine höhere Verzinsung als die der EZB von 0,25 Prozent zu erhalten. Dies erklärt die - trotz rückläufiger Kreditvergabe - ansteigende Geldmenge in Euroland.
Merkollande muss es richten
Um einen erneuten massiven Unsicherheitsschocks wie im zweiten Halbjahr 2011 zu vermeiden, muss die Euro-Politik Präventivmaßnahmen ergreifen. Hier ist eine funktionsfähige, deutsch-französische Achse gefragt, die den Ton im euro-politischen Entscheidungsprozess angibt.
Bundeskanzlerin Merkel wird sich in Sachen Stabilitäts- und Sparüberzeugungen gegenüber dem neuen französischen Staatspräsidenten flexibel zeigen müssen, indem sie von ihren strikten Sparvorstellungen abrückt. Ihre Rhetorik tendiert bereits in diese Richtung.
Ohnehin ist (Kaputt-)Sparen allein kein Allheilmittel. Ihr Kalkül wird es sein, für eine vorübergehende Flexibilisierung der Sparaktivitäten als Gegenleistung verstärkte Wirtschaftsreformen zu verlangen. Aus eigener nationaler Erfahrung weiß sie, dass die Agenda 2010 die heutige Wirtschaftsstärke der deutschen Industrie beflügelte.
Zusätzlich scheint die Bundesregierung auch höhere Löhne zu propagieren, um einen stärkeren Importsog nach Deutschland zugunsten der anderen Euro-Länder zu begünstigen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, sofern die Produktivitätsfortschritte der deutschen Industrie nicht kompensiert werden.
Lockere EZB-Geldpolitik mit Segen der Bundesbank
Sicherlich werden diese Maßnahmen nicht allein zu einer Gesundung der offenen Wunden der Eurozone führen. Die EZB wird weiter massiv eingreifen müssen. Die Renditen der angeschlagenen Länder wird sie nicht unbegrenzt steigen lassen können. Neben einer fortschreitenden Unterstützung der euroländischen Banken wird sie dazu, wenn nötig, auch direkt an den Staatsanleihemärkten eingreifen.
Indirekte Unterstützung erhält die EZB von der Deutschen Bundesbank, die ihre stabilitätspolitische Grundhaltung überraschend einschränkte, in dem sie vorübergehend höheren Inflationsraten - die auch Folge einer üppigen Zentralbankpolitik sind - nicht widerspricht.
Der Zwist zwischen EZB und Deutscher Bundesbank über den richtigen geldpolitischen Weg dürfte damit zukünftig abebben. Die EZB kann sich jetzt ohne größeren Widerstand der Konjunktur- und Finanzmarktstabilisierung widmen.
Vor dem Hintergrund dieses Maßnahmenpakets insgesamt sind die Aussichten für einen erfolgreichen Neustart des deutsch-französischen Motors grundsätzlich positiv. Beide Seiten können ihr Gesicht wahren, die Zusammenarbeit verläuft harmonischer und - nicht zuletzt - wird die Zustimmung der nationalen Bevölkerungen zu Euro und Europäischer Union, die zuletzt arg gelitten hat, verbessert.
Die Funktionsfähigkeit eines deutsch-französischen Bündnisses spiegelt sich auch in dem Renditeaufschlag 2-jähriger französischer zu deutschen Staatsanleihen wider, der sich nach einer anfänglichen Ausweitung bis zur französischen Präsidentschaftswahl anschließend im Trend wieder zurückbildete. Und trotz Abschwächung hält sich der Euro gegenüber dem US-Dollar immer noch stabil.
Die Causa Griechenland angehen
Eine dringende Bringschuld des deutsch-französischen Duos ist die Lösung der griechischen Frage. Aufgrund der wirtschaftlichen und jetzt auch noch politischen Hindernisse ist die Sanierung Griechenlands in der Eurozone nicht zu schaffen.
An der weiter schrumpfenden griechischen Geldmenge erkennt man im Übrigen mühelos die fortgesetzte Kapitalflucht griechischer Anleger, die fraglos unterstreicht, dass sie kein Vertrauen mehr in die Wirtschaft und die Politik des Landes haben. Wer, wenn nicht sie, sollte die Situation besser beurteilen können.
Ohnehin haben die griechischen Sparbeteuerungen aus der Vergangenheit nach der Wahl keine große Bedeutung mehr. Denn die Gefahr einer neuen Regierung, die sich nicht mehr an die gegebenen Sparversprechen ihrer Vorgänger hält, ist groß.
Und wird nicht mehr gespart, so rückt auch die Auszahlung zukünftiger Hilfskredite in weite Ferne, was die Finanzmärkte wieder in Unruhe versetzt. Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone ist damit eine logische Maßnahme. An den Finanzmärkten geht man mittlerweile mehrheitlich von einem Austritt aus.
Dieser Austritt sollte schnellstmöglich und kontrolliert durchgeführt werden, um dem Land eine wettbewerbsgestärkte Wachstumsperspektive über Abwertung zu verschaffen.
Ab Juni, wenn die Kernkapitalquoten der Euro-Geschäftsbanken auf neun Prozent angehoben sind - zuletzt hatte die Commerzbank in ihrem Quartalsbericht sogar eine Quote von gut 11 Prozent bestätigt - und die Abschreckung eines vergrößerten Rettungsschirm mit Unterstützung der EZB zur Verfügung steht, kann das Austrittsprocedere beginnen.
Schwerwiegenden Turbulenzen an den Finanzmärkten kann man so entgegentreten. Diese würden den griechischen Austritt sogar als positiven Befreiungsschlag werten. Zu diesem Schluss kommt auch die Rating-Agentur Fitch
Die fundamentalen Rahmendaten sind grundsätzlich gut. Denn die Weltkonjunktur zeigt sich weiter robust. So bleibt eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft aus. Zwar verengte sich die Schere zwischen chinesischen Ex- und Importen zuletzt immer weiter, was Ängste über eine Abschwächung der chinesischen Wirtschaftsleistung befeuert.
Allerdings sind die im Trend steigenden chinesischen Importe Konsequenz einer verstärkten Konsumstimulierung der chinesischen Regierung. Und man vermeidet mit einem abnehmenden Außenhandelsüberschuss auch Blasenentwicklungen der Konjunktur, die sich beim Platzen als fatal für die Entwicklung der Weltwirtschaft erweisen würden.
In Amerika setzt die Wirtschaft ihren Erholungskurs fort. Dazu gehört auch die Beseitigung volkswirtschaftlicher Ungleichgewichte am Immobilienmarkt. Das Verhältnis der Haus- zur Mietpreisentwicklung liegt wieder unter dem langjährigen Durchschnittswert seit 1990. Das liegt vor allem an ansteigenden Mietspiegeln. Bei zu erwartender Fortsetzung bekommt der Kauf einer Immobilie wieder grundsätzlich Auftrieb.
Amerika konsumiert wieder
Die US-Konjunktur gewinnt zunehmend, aber auch über den US-Konsum an Bedeutung. So hat sich das Konsumentenvertrauen von dem Unsicherheitsschock des vergangenen Sommers erholt. Dem entsprechend verzeichnen auch die US-Konsumentenkredite eine beachtliche Steigerung und nahmen im März um satte 5 Prozent gegenüber Vorjahr zu.
Diese positive Entwicklung lässt sich deutlich bei den Handelswerten der USA ablesen. Nach ihrem Einbruch zum Höhepunkt der Finanzkrise 2009 hat sich deren Gewinntrend sichtbar erholt. Aktuell liegt die operative Gewinnentwicklung sogar deutlich über dem Vorkrisenniveau. Dabei folgt die Kursentwicklung der Handelstitel diesem Gewinntrend mustergültig.
Deutsche Konjunktur bleibt robust
Vor diesem weltwirtschaftlichen Hintergrund kann die deutsche Konjunktur weiterhin auf die Exportwirtschaft zählen. So haben sich die vom ifo-Institut erfassten Exporterwartungen der deutschen Industrie nach dem Höhepunkt der Eurokrise im November vergangenen Jahres wieder deutlich stabilisiert.
Trotz im Jahresvergleich rückläufiger Nachfrage aus dem Euroraum von 3,6 Prozent sorgt die außereuropäisch stabile Konjunkturlage für eine Verbesserung der Exporterwartungen von insgesamt fast einem Prozent.
Berichtsaison bleibt Aktienstütze
Die Berichtsaison spiegelt die positive konjunkturelle Großwetterlage wider. So konnten bislang 64 Prozent der berichtenden Unternehmen aus dem DAX positiv überraschen.
Die Deutsche Post konnte ihren Nettogewinn im Vorjahresvergleich um 64 Prozent steigern und profitiert von einem äußerst starken Asien-Geschäft sowie einem regen Online-Handel.
Die DHL-Bereiche Express, Fracht und die Lieferketten-Logistik waren die hauptsächlichen Gewinntreiber. Der Ausblick 2012 bleibt mit einem aufwärtsgerichteten Gewinnziel positiv.
Auch die Münchener Rück übertraf die Erwartungen der Analysten und schreibt im Gegensatz zum ersten Quartal 2011 wieder schwarze Zahlen. Ein katastrophenarmes erstes Quartal 2012 und stattliche Gewinne aus Kapitalanlagen waren die Gewinntreiber, so dass der Rückversicherer bereits jetzt mehr verdient hat als im Gesamtjahr 2011. Der Ausblick ist solide.
Unterdessen können sich die deutschen Versorger teilweise von den Belastungen des Atomausstiegs erholen. Mit der Neuverhandlung eines Großteils der zuletzt teuren Gashandelsverträge begegnet E.on dem Margendruck angesichts der zuletzt gefallenen Gaspreise.
Im Gegensatz dazu fiel der Nettogewinn von RWE um 28 Prozent niedriger als im Vorjahresquartal aus. Die Ausblicke beider Versorger sind allerdings stabil, man geht davon aus, dass die Talsohle nun durchschritten ist. Bei E.on plant man für 2013 sogar wieder eine Dividendenerhöhung.
Allerdings wird die fundamentale Stärke der deutschen Wirtschaft und Unternehmen von der wiedererstarkten Eurokrise aktuell in den Hintergrund gedrängt. Am deutschen Aktienmarkt geht diese negative Entwicklung nicht spurlos vorüber.
Aus charttechnischer Sicht sind die Aussichten für den Dax zumindest kurzfristig trüb. Sollte der deutsche Leitindex die Unterstützung bei 6430 Punkten unterschreiten, so ist mit weiteren Kursrückgängen bis hin zu den darunter liegenden Unterstützungen bei 6340 und 6250 Punkten zu rechnen.
Erst oberhalb der Marke von 6600 Punkten hellt sich das Chartbild wieder auf. Bei einem Anstieg über diese Marke sind weitere Kursgewinne bis 6650 und 6720 Punkte ins Auge zu fassen. Werden auch diese Widerstände durchbrochen, läge das nächste Kursziel bei 6820 Zählern.
Bei ordentlicher Lösung der Eurokrise ist aber ein Anstieg des DAX bis Jahresende auf 7500 möglich.
Und was passiert in der nächsten Woche?
Beim Treffen der Euro-Finanzminister wird hinter vorgehaltener Hand sicherlich über einen Plan zum kontrollierten Austritt Griechenlands aus der Eurozone beraten.
In Deutschland dürfte die zuletzt starke Aufwärtsentwicklung des ZEW-Indikators eine Pause einlegen und sich auf dem aktuellen Niveau stabilisieren, ohne dabei aber den fundamental soliden Ausblick für die deutsche Wirtschaft abzuschwächen. Dieser wird durch eine erste Schätzung des deutschen Bruttoinlandsprodukts für das erste Quartal 2012 bestätigt.
In Amerika zeichnen der Einkaufsmanagerindex der Philadelphia Fed sowie die Baubeginne und -genehmigungen weiterhin das Bild einer stetigen US-Konjunkturerholung. Trotzdem wird man auf der Zinssitzung der US-Notenbank nicht müde werden, zu betonen, dass der geldpolitische Finger am Abzug ist.
Auf Mikroebene stehen neben den Dax-Werten Allianz und Merck jetzt verstärkt die Werte aus der zweiten Reihe im Fokus. Die Industriewerte aus dem MDax, die in besonderem Maße durch die Weltkonjunktur gestützt werden, werden im Trend nicht enttäuschen.
Robert Halver ist Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG.
Spätestens nach den Wahlen in Frankreich und Griechenland - bei denen die Gegner der Sparpolitik als Gewinner hervorgingen - ist die Eurokrise wieder in aller Munde.
Während der neue französische Präsident Hollande den euroländischen Fiskalpakt neu verhandeln will, sorgt vor allem das politische Chaos in Griechenland, wo eine Regierungsbildung extrem erschwert, wenn nicht sogar unmöglich ist, für Unruhe und Unsicherheit über die Zukunft Eurolands.
So wirkt die griechische Misere wie ein Katalysator für Krisenängste auch an den Finanzmärkten Italien und Spaniens, wo Befürchtungen aufkommen, dass dort die Reformprozesse auch ins Stocken geraten.
In das negative Euro-Bild passt zudem die Verstaatlichung der viertgrößten spanischen Bank, die die Abschreibung von Immobilienkredite nicht mehr aus eigener Kraft stemmen kann. Es ist davon auszugehen, dass weitere spanische Banken unter Regierungsschutz gestellt werden müssen, was ohne Frage die spanische Haushaltskonsolidierung gefährdet.
Als Konsequenz befinden sich die Ausfallprämien 5-jähriger italienischer und spanischer Staatsanleihen bereits wieder in einer klaren Aufwärtsbewegung.
Die Unsicherheit an den Finanzmärkten lässt sich nicht zuletzt an der Kreditvergabe der Banken an den privaten Sektor ablesen. Seit dem Beginn des vierten Quartals 2011 ist sie deutlich rückläufig.
Die Geschäftsbanken horten ihr Geld lieber weiterhin im sicheren Hafen der Europäischen Zentralbank (EZB), legen es aber mittlerweile aber auch zunehmend in schnell liquidierbaren, geldmarktnahen Papieren an, um eine höhere Verzinsung als die der EZB von 0,25 Prozent zu erhalten. Dies erklärt die - trotz rückläufiger Kreditvergabe - ansteigende Geldmenge in Euroland.
Merkollande muss es richten
Um einen erneuten massiven Unsicherheitsschocks wie im zweiten Halbjahr 2011 zu vermeiden, muss die Euro-Politik Präventivmaßnahmen ergreifen. Hier ist eine funktionsfähige, deutsch-französische Achse gefragt, die den Ton im euro-politischen Entscheidungsprozess angibt.
Bundeskanzlerin Merkel wird sich in Sachen Stabilitäts- und Sparüberzeugungen gegenüber dem neuen französischen Staatspräsidenten flexibel zeigen müssen, indem sie von ihren strikten Sparvorstellungen abrückt. Ihre Rhetorik tendiert bereits in diese Richtung.
Ohnehin ist (Kaputt-)Sparen allein kein Allheilmittel. Ihr Kalkül wird es sein, für eine vorübergehende Flexibilisierung der Sparaktivitäten als Gegenleistung verstärkte Wirtschaftsreformen zu verlangen. Aus eigener nationaler Erfahrung weiß sie, dass die Agenda 2010 die heutige Wirtschaftsstärke der deutschen Industrie beflügelte.
Zusätzlich scheint die Bundesregierung auch höhere Löhne zu propagieren, um einen stärkeren Importsog nach Deutschland zugunsten der anderen Euro-Länder zu begünstigen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, sofern die Produktivitätsfortschritte der deutschen Industrie nicht kompensiert werden.
Lockere EZB-Geldpolitik mit Segen der Bundesbank
Sicherlich werden diese Maßnahmen nicht allein zu einer Gesundung der offenen Wunden der Eurozone führen. Die EZB wird weiter massiv eingreifen müssen. Die Renditen der angeschlagenen Länder wird sie nicht unbegrenzt steigen lassen können. Neben einer fortschreitenden Unterstützung der euroländischen Banken wird sie dazu, wenn nötig, auch direkt an den Staatsanleihemärkten eingreifen.
Indirekte Unterstützung erhält die EZB von der Deutschen Bundesbank, die ihre stabilitätspolitische Grundhaltung überraschend einschränkte, in dem sie vorübergehend höheren Inflationsraten - die auch Folge einer üppigen Zentralbankpolitik sind - nicht widerspricht.
Der Zwist zwischen EZB und Deutscher Bundesbank über den richtigen geldpolitischen Weg dürfte damit zukünftig abebben. Die EZB kann sich jetzt ohne größeren Widerstand der Konjunktur- und Finanzmarktstabilisierung widmen.
Vor dem Hintergrund dieses Maßnahmenpakets insgesamt sind die Aussichten für einen erfolgreichen Neustart des deutsch-französischen Motors grundsätzlich positiv. Beide Seiten können ihr Gesicht wahren, die Zusammenarbeit verläuft harmonischer und - nicht zuletzt - wird die Zustimmung der nationalen Bevölkerungen zu Euro und Europäischer Union, die zuletzt arg gelitten hat, verbessert.
Die Funktionsfähigkeit eines deutsch-französischen Bündnisses spiegelt sich auch in dem Renditeaufschlag 2-jähriger französischer zu deutschen Staatsanleihen wider, der sich nach einer anfänglichen Ausweitung bis zur französischen Präsidentschaftswahl anschließend im Trend wieder zurückbildete. Und trotz Abschwächung hält sich der Euro gegenüber dem US-Dollar immer noch stabil.
Die Causa Griechenland angehen
Eine dringende Bringschuld des deutsch-französischen Duos ist die Lösung der griechischen Frage. Aufgrund der wirtschaftlichen und jetzt auch noch politischen Hindernisse ist die Sanierung Griechenlands in der Eurozone nicht zu schaffen.
An der weiter schrumpfenden griechischen Geldmenge erkennt man im Übrigen mühelos die fortgesetzte Kapitalflucht griechischer Anleger, die fraglos unterstreicht, dass sie kein Vertrauen mehr in die Wirtschaft und die Politik des Landes haben. Wer, wenn nicht sie, sollte die Situation besser beurteilen können.
Ohnehin haben die griechischen Sparbeteuerungen aus der Vergangenheit nach der Wahl keine große Bedeutung mehr. Denn die Gefahr einer neuen Regierung, die sich nicht mehr an die gegebenen Sparversprechen ihrer Vorgänger hält, ist groß.
Und wird nicht mehr gespart, so rückt auch die Auszahlung zukünftiger Hilfskredite in weite Ferne, was die Finanzmärkte wieder in Unruhe versetzt. Ein Austritt Griechenlands aus der Eurozone ist damit eine logische Maßnahme. An den Finanzmärkten geht man mittlerweile mehrheitlich von einem Austritt aus.
Dieser Austritt sollte schnellstmöglich und kontrolliert durchgeführt werden, um dem Land eine wettbewerbsgestärkte Wachstumsperspektive über Abwertung zu verschaffen.
Ab Juni, wenn die Kernkapitalquoten der Euro-Geschäftsbanken auf neun Prozent angehoben sind - zuletzt hatte die Commerzbank in ihrem Quartalsbericht sogar eine Quote von gut 11 Prozent bestätigt - und die Abschreckung eines vergrößerten Rettungsschirm mit Unterstützung der EZB zur Verfügung steht, kann das Austrittsprocedere beginnen.
Schwerwiegenden Turbulenzen an den Finanzmärkten kann man so entgegentreten. Diese würden den griechischen Austritt sogar als positiven Befreiungsschlag werten. Zu diesem Schluss kommt auch die Rating-Agentur Fitch
Die fundamentalen Rahmendaten sind grundsätzlich gut. Denn die Weltkonjunktur zeigt sich weiter robust. So bleibt eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft aus. Zwar verengte sich die Schere zwischen chinesischen Ex- und Importen zuletzt immer weiter, was Ängste über eine Abschwächung der chinesischen Wirtschaftsleistung befeuert.
Allerdings sind die im Trend steigenden chinesischen Importe Konsequenz einer verstärkten Konsumstimulierung der chinesischen Regierung. Und man vermeidet mit einem abnehmenden Außenhandelsüberschuss auch Blasenentwicklungen der Konjunktur, die sich beim Platzen als fatal für die Entwicklung der Weltwirtschaft erweisen würden.
In Amerika setzt die Wirtschaft ihren Erholungskurs fort. Dazu gehört auch die Beseitigung volkswirtschaftlicher Ungleichgewichte am Immobilienmarkt. Das Verhältnis der Haus- zur Mietpreisentwicklung liegt wieder unter dem langjährigen Durchschnittswert seit 1990. Das liegt vor allem an ansteigenden Mietspiegeln. Bei zu erwartender Fortsetzung bekommt der Kauf einer Immobilie wieder grundsätzlich Auftrieb.
Amerika konsumiert wieder
Die US-Konjunktur gewinnt zunehmend, aber auch über den US-Konsum an Bedeutung. So hat sich das Konsumentenvertrauen von dem Unsicherheitsschock des vergangenen Sommers erholt. Dem entsprechend verzeichnen auch die US-Konsumentenkredite eine beachtliche Steigerung und nahmen im März um satte 5 Prozent gegenüber Vorjahr zu.
Diese positive Entwicklung lässt sich deutlich bei den Handelswerten der USA ablesen. Nach ihrem Einbruch zum Höhepunkt der Finanzkrise 2009 hat sich deren Gewinntrend sichtbar erholt. Aktuell liegt die operative Gewinnentwicklung sogar deutlich über dem Vorkrisenniveau. Dabei folgt die Kursentwicklung der Handelstitel diesem Gewinntrend mustergültig.
Deutsche Konjunktur bleibt robust
Vor diesem weltwirtschaftlichen Hintergrund kann die deutsche Konjunktur weiterhin auf die Exportwirtschaft zählen. So haben sich die vom ifo-Institut erfassten Exporterwartungen der deutschen Industrie nach dem Höhepunkt der Eurokrise im November vergangenen Jahres wieder deutlich stabilisiert.
Trotz im Jahresvergleich rückläufiger Nachfrage aus dem Euroraum von 3,6 Prozent sorgt die außereuropäisch stabile Konjunkturlage für eine Verbesserung der Exporterwartungen von insgesamt fast einem Prozent.
Berichtsaison bleibt Aktienstütze
Die Berichtsaison spiegelt die positive konjunkturelle Großwetterlage wider. So konnten bislang 64 Prozent der berichtenden Unternehmen aus dem DAX positiv überraschen.
Die Deutsche Post konnte ihren Nettogewinn im Vorjahresvergleich um 64 Prozent steigern und profitiert von einem äußerst starken Asien-Geschäft sowie einem regen Online-Handel.
Die DHL-Bereiche Express, Fracht und die Lieferketten-Logistik waren die hauptsächlichen Gewinntreiber. Der Ausblick 2012 bleibt mit einem aufwärtsgerichteten Gewinnziel positiv.
Auch die Münchener Rück übertraf die Erwartungen der Analysten und schreibt im Gegensatz zum ersten Quartal 2011 wieder schwarze Zahlen. Ein katastrophenarmes erstes Quartal 2012 und stattliche Gewinne aus Kapitalanlagen waren die Gewinntreiber, so dass der Rückversicherer bereits jetzt mehr verdient hat als im Gesamtjahr 2011. Der Ausblick ist solide.
Unterdessen können sich die deutschen Versorger teilweise von den Belastungen des Atomausstiegs erholen. Mit der Neuverhandlung eines Großteils der zuletzt teuren Gashandelsverträge begegnet E.on dem Margendruck angesichts der zuletzt gefallenen Gaspreise.
Im Gegensatz dazu fiel der Nettogewinn von RWE um 28 Prozent niedriger als im Vorjahresquartal aus. Die Ausblicke beider Versorger sind allerdings stabil, man geht davon aus, dass die Talsohle nun durchschritten ist. Bei E.on plant man für 2013 sogar wieder eine Dividendenerhöhung.
Allerdings wird die fundamentale Stärke der deutschen Wirtschaft und Unternehmen von der wiedererstarkten Eurokrise aktuell in den Hintergrund gedrängt. Am deutschen Aktienmarkt geht diese negative Entwicklung nicht spurlos vorüber.
Aus charttechnischer Sicht sind die Aussichten für den Dax zumindest kurzfristig trüb. Sollte der deutsche Leitindex die Unterstützung bei 6430 Punkten unterschreiten, so ist mit weiteren Kursrückgängen bis hin zu den darunter liegenden Unterstützungen bei 6340 und 6250 Punkten zu rechnen.
Erst oberhalb der Marke von 6600 Punkten hellt sich das Chartbild wieder auf. Bei einem Anstieg über diese Marke sind weitere Kursgewinne bis 6650 und 6720 Punkte ins Auge zu fassen. Werden auch diese Widerstände durchbrochen, läge das nächste Kursziel bei 6820 Zählern.
Bei ordentlicher Lösung der Eurokrise ist aber ein Anstieg des DAX bis Jahresende auf 7500 möglich.
Und was passiert in der nächsten Woche?
Beim Treffen der Euro-Finanzminister wird hinter vorgehaltener Hand sicherlich über einen Plan zum kontrollierten Austritt Griechenlands aus der Eurozone beraten.
In Deutschland dürfte die zuletzt starke Aufwärtsentwicklung des ZEW-Indikators eine Pause einlegen und sich auf dem aktuellen Niveau stabilisieren, ohne dabei aber den fundamental soliden Ausblick für die deutsche Wirtschaft abzuschwächen. Dieser wird durch eine erste Schätzung des deutschen Bruttoinlandsprodukts für das erste Quartal 2012 bestätigt.
In Amerika zeichnen der Einkaufsmanagerindex der Philadelphia Fed sowie die Baubeginne und -genehmigungen weiterhin das Bild einer stetigen US-Konjunkturerholung. Trotzdem wird man auf der Zinssitzung der US-Notenbank nicht müde werden, zu betonen, dass der geldpolitische Finger am Abzug ist.
Auf Mikroebene stehen neben den Dax-Werten Allianz und Merck jetzt verstärkt die Werte aus der zweiten Reihe im Fokus. Die Industriewerte aus dem MDax, die in besonderem Maße durch die Weltkonjunktur gestützt werden, werden im Trend nicht enttäuschen.
Kurssturz in Asien, Nervosität in Europa
Alarmsignale, wohin man blickt: In der Schuldenkrise rückt neben Griechenland auch Spanien wieder in den Fokus der Anleger – und die schlagen ihre Aktien los. Auch an den Rohstoffmärkten geht es hoch her. Doch es gibt Hoffnung
Schon Asiens Börsen hatten erahnen lassen, dass es kein schöner Wochenausklang wird: Der Nikkei-Index für 225 führende Werte sackte am Freitag auf den tiefsten Stand seit rund vier Monaten. Zum Handelsende notierte das Börsenbarometer in Tokio einen heftigen Abschlag von 2,99 Prozent beim Stand von 8611,31 Punkten – das war der bislang höchste Tagesverlust in diesem Jahr. Der breit gefasste Topix büßte ebenfalls stark um 2,89 Prozent ein.
Diesem Einfluss konnte sich der Dax nicht entziehen: Er gab am Freitagmittag um 0,39 Prozent auf 6284 Punkte nach und markierte den tiefsten Stand seit Mitte Januar. Damit droht dem deutschen Leitindex der fünfte Verlusttag in Folge und ein Wochenminus von viereinhalb Prozent. Seine Anfangsverluste von rund einem Prozent konnte der Dax allerdings eindämmen. Der MDax der mittelgroßen Werte büßte am Freitag 1,39 Prozent auf 10 064 Punkte ein. Der Technologiewerte-Index TecDax fiel um 0,83 Prozent auf 749 Punkte zurück.
Angesichts der neuen Entwicklungen in der Schuldenkrise vermag die Anspannung der Anleger nicht wirklich zu verwundern. Eine Zusammenfassung der Ereignisse und Reaktionen im Überblick:
Kein Ende des Griechen-Dramas in Sicht – oder doch?
Am Donnerstag senkte die Ratingagentur Fitch erneut die Bonität des Landes. Demnach verschlechterte sich die Bewertung der langfristigen Verbindlichkeiten von „B-„ auf „CCC“. Damit sieht die Ratingagentur ein substanzielles Ausfall-Risiko. Ein möglicher Austritt aus der Euro-Zone würde wahrscheinlich einen Kreditausfall nach sich ziehen.
Glaubt man einigen deutschen Politikern, ist das aber kein apokalyptisches Szenario. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hält ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum für verkraftbar. „Anders als vor zwei Jahren könnte die Eurozone einen Austritt Griechenlands heute eher verkraften“, sagte Brüderle dem „Handelsblatt“ vom Freitag – auch wenn dieser Austritt viel Geld kosten würde. Athen müsse aber selbst entscheiden, ob eine Rückkehr zur Drachme der wirtschaftlichen Gesundung mehr helfe als der Verbleib in der Eurozone, sagte Brüderle.
FDP-Generalsekretär Patrick Döring schloss sich dieser Aufforderung in der „Bild“ an. „Nach den Wahlen muss schnellstmöglich Klarheit über die künftige Regierung herrschen“, sagte er. Es gebe „dann nur zwei Möglichkeiten: Bekenntnis zum Sparkurs oder Euro-Austritt“. Der Vizechef der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs, sagte „Bild“, ohne eine stabile Regierung werde es keine weiteren Hilfszahlungen an Griechenland geben. Es dürfe „nur Geld ausgezahlt werden, wenn die Regierung sämtliche vereinbarten Sparprogramme einhält“.
Griechische Banker versuchen zu beschwichtigen
In Griechenland selbst kämpft der Verband der griechischen Bankangestellten derweil um den Ruf seiner Finanzindustrie – und wandte sich gegen Spekulationen, die Banken des Landes stünden vor dem Zusammenbruch, weil immer mehr Menschen ihre Einlagen abziehen. „Wir haben unglaubliche Gerüchte gehört, dass wir nur noch 50 Euro pro Person pro Tag auszahlen. Alles erfunden“, sagte ein hoher Angestellter einer der größten griechischen Banken der Nachrichtenagentur dpa. Vielmehr herrschte am Freitag laut Mitteilung des Verbandes wieder normaler Betrieb in den Banken. Es gebe keinen Ansturm auf Banken und die Bankautomaten funktionierten im Zentrum Athens normal, berichteten Augenzeugen.
Ein weiterer Hoffnungsschimmer: In Griechenland können sich die Unterstützer des umstrittenen Sparkurses einer Umfrage zufolge überraschend Hoffnungen auf einen Sieg bei der Parlamentswahl Mitte Juni machen. In der am Donnerstag veröffentlichten ersten Erhebung seit dem Scheitern der Regierungsgespräche und der Ausrufung von Neuwahlen kamen die konservative Neue Demokratie und die sozialistische Pasok zusammen auf genügend Mandate, um eine Regierungskoalition bilden zu können
Neben Griechenland ist Spanien das neue akute Sorgenkind der Eurozone.. In der Nacht zu Freitag hat die Ratingagentur Moody´s 16 spanische Banken herabgestuft. Die Möglichkeit der spanischen Regierung, einzelne Banken zu stützen, habe sich verschlechtert, begründeten die Bonitätswächter den Schritt. Die spanische Regierung will die Immobilienkrise des Landes mit Eingriffen in den Bankensektor ein für alle mal in den Griff bekommen.
Zu den betroffenen Kreditinstituten zählt auch die Banco Santander, die größte Bank in der Eurozone. Sie verloren 0,9 Prozent. Der spanische Leitindex gab um zwei Prozent nach, der europäische Bankensektor sank um 1,5 Prozent. Am Dienstag hatte die Agentur zu einem Rundumschlag in der italienischen Bankenbranche ausgeholt und 26 Geldhäuser um eine bis vier Stufen herabgestuft.
Die Furcht der Investoren vor einer Eskalation der Schuldenkrise wurde zusätzlich von einem Bericht angefacht, wonach Kunden der teilweise verstaatlichten spanischen Sparkasse Bankia allein in der vergangenen Woche über eine Milliarde Euro abgezogen hätten. Das spanische Wirtschaftsministerium dementierte den Bericht.
Sparprogramm auf dem Weg
Die spanische Regierung kämpft unterdessen um ihre Glaubwürdigkeit im Kampf gegen ihr Schuldendilemma: Das spanische Abgeordnetenhaus hat Einsparungen im Bildungs- und Gesundheitssystem im Umfang von zehn Milliarden Euro zugestimmt. Für die umstrittenen Kürzungen stimmten am Donnerstag nur die Parlamentarier der regierenden konservativen Volkspartei (PP), die im Abgeordnetenhaus die absolute Mehrheit stellt. Die sozialistische Opposition betrachtet die Sparmaßnahmen als Anschlag auf den Wohlfahrtsstaat.
Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte die Einsparungen damit begründet, dass Spanien sich ein Gesundheits- und Bildungssystem in der jetzigen Form nicht leisten könne. „Wir haben einfach kein Geld dafür“, sagte er. Der konservative Regierungschef hatte im Etatplan 2012 bereits die Schließung einer Finanzlücke von 27 Milliarden Euro vorgesehen. Dies soll durch Einsparungen in Rekordhöhe und zusätzliche Steuereinnahmen erreicht werden. Das Sparprogramm reichte aber nicht aus, um Spanien vom Druck der Finanzmärkte zu befreien.
Ölpreis auf Talfahrt, Gold legt zu
Die Ölpreise haben ihren Abwärtstrend am Freitag fortgesetzt. Am Freitagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Juli-Lieferung 106,87 US-Dollar. Das waren 62 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI zur Lieferung im Juni sank um 76 Cent auf 91,80 Dollar. Seit Anfang Mai haben die Ölpreise um mehr als zehn Prozent nachgegeben.
Vor einem Jahr kostete Brent-Öl rund drei Dollar weniger als derzeit, WTI-Öl war etwa fünf Dollar billiger. Generell ist amerikanisches Öl seit einiger Zeit deutlich günstiger, weil der Mittlere Westen der USA über ein Überangebot an Öl verfügt, das bislang nur schwer verteilt werden konnte. Nun wird eine neue Pipeline in Betrieb genommen – die Seaway-Pipeline, über die Öl an die Golfküste transportiert werden kann. Analysten gehen davon aus, dass sich der WTI-Preis wegen des neuen Transport-Weges erhöhen wird.
Angesichts der Unsicherheit ist nun auch wieder die Krisenwährung Gold verstärkt gefragt: Schnäppchenjäger ließen ihn um fast zehn Dollar anziehen auf 1547 Dollar je Feinunze. Am Vortag war der Preis auf ein Viereinhalb-Monats-Tief gefallen. Nach wie vor hielten sich aber viele Investoren wegen der unsicheren Perspektiven zurück und agierten sehr vorsichtig, sagte Analystin Lynette Tan von Phillip Futures.
Eurokurs verliert, Bundesanleihen-Renditen auf Rekordtief
Die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone hat auch die Stimmung am Renten- und Devisenmarkt getrübt. Der Euro fielbis auf 1,2643 Dollar; so günstig war er seit Mitte Januar nicht mehr. „Der Euro kann in dieser Gemengelage kaum einmal durchatmen“, schrieb die Commerzbank in einem Kommentar. „Das schon deswegen nicht, weil noch immer eine generelle Strategie zur Bekämpfung der Krise fehlt.“
Im Schlepptau von Griechenland und Spanien stiegen auch die Zweifel gegenüber der italienischen Reformfähigkeit. Zehnjährige Anleihen aus Rom rentierten knapp unter sechs Prozent, der Risikoaufschlag zur Bundesanleihe lag bei 465 Basispunkten.
Profiteure der unübersichtlichen Gemengelage waren wieder einmal die Bundesanleihen. Der richtungsweisende Bund-Future stieg erneut auf ein Rekordhoch von 144,06 Zählern. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf ein Rekordtief von 1,396 Prozent. Auch die Rendite kurzlaufender und 30-jähriger Papiere fiel auf Rekordtiefs. „Die Investoren sagen sich, Deutschland wird wohl seine Schulden zurückzahlen, und deshalb kaufen sie weiter die Anleihen. Rendite ist völlig egal, es geht nur noch um Sicherheit“, erklärte ein Händler den Ansturm
* Focus
Schon Asiens Börsen hatten erahnen lassen, dass es kein schöner Wochenausklang wird: Der Nikkei-Index für 225 führende Werte sackte am Freitag auf den tiefsten Stand seit rund vier Monaten. Zum Handelsende notierte das Börsenbarometer in Tokio einen heftigen Abschlag von 2,99 Prozent beim Stand von 8611,31 Punkten – das war der bislang höchste Tagesverlust in diesem Jahr. Der breit gefasste Topix büßte ebenfalls stark um 2,89 Prozent ein.
Diesem Einfluss konnte sich der Dax nicht entziehen: Er gab am Freitagmittag um 0,39 Prozent auf 6284 Punkte nach und markierte den tiefsten Stand seit Mitte Januar. Damit droht dem deutschen Leitindex der fünfte Verlusttag in Folge und ein Wochenminus von viereinhalb Prozent. Seine Anfangsverluste von rund einem Prozent konnte der Dax allerdings eindämmen. Der MDax der mittelgroßen Werte büßte am Freitag 1,39 Prozent auf 10 064 Punkte ein. Der Technologiewerte-Index TecDax fiel um 0,83 Prozent auf 749 Punkte zurück.
Angesichts der neuen Entwicklungen in der Schuldenkrise vermag die Anspannung der Anleger nicht wirklich zu verwundern. Eine Zusammenfassung der Ereignisse und Reaktionen im Überblick:
Kein Ende des Griechen-Dramas in Sicht – oder doch?
Am Donnerstag senkte die Ratingagentur Fitch erneut die Bonität des Landes. Demnach verschlechterte sich die Bewertung der langfristigen Verbindlichkeiten von „B-„ auf „CCC“. Damit sieht die Ratingagentur ein substanzielles Ausfall-Risiko. Ein möglicher Austritt aus der Euro-Zone würde wahrscheinlich einen Kreditausfall nach sich ziehen.
Glaubt man einigen deutschen Politikern, ist das aber kein apokalyptisches Szenario. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hält ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroraum für verkraftbar. „Anders als vor zwei Jahren könnte die Eurozone einen Austritt Griechenlands heute eher verkraften“, sagte Brüderle dem „Handelsblatt“ vom Freitag – auch wenn dieser Austritt viel Geld kosten würde. Athen müsse aber selbst entscheiden, ob eine Rückkehr zur Drachme der wirtschaftlichen Gesundung mehr helfe als der Verbleib in der Eurozone, sagte Brüderle.
FDP-Generalsekretär Patrick Döring schloss sich dieser Aufforderung in der „Bild“ an. „Nach den Wahlen muss schnellstmöglich Klarheit über die künftige Regierung herrschen“, sagte er. Es gebe „dann nur zwei Möglichkeiten: Bekenntnis zum Sparkurs oder Euro-Austritt“. Der Vizechef der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Fuchs, sagte „Bild“, ohne eine stabile Regierung werde es keine weiteren Hilfszahlungen an Griechenland geben. Es dürfe „nur Geld ausgezahlt werden, wenn die Regierung sämtliche vereinbarten Sparprogramme einhält“.
Griechische Banker versuchen zu beschwichtigen
In Griechenland selbst kämpft der Verband der griechischen Bankangestellten derweil um den Ruf seiner Finanzindustrie – und wandte sich gegen Spekulationen, die Banken des Landes stünden vor dem Zusammenbruch, weil immer mehr Menschen ihre Einlagen abziehen. „Wir haben unglaubliche Gerüchte gehört, dass wir nur noch 50 Euro pro Person pro Tag auszahlen. Alles erfunden“, sagte ein hoher Angestellter einer der größten griechischen Banken der Nachrichtenagentur dpa. Vielmehr herrschte am Freitag laut Mitteilung des Verbandes wieder normaler Betrieb in den Banken. Es gebe keinen Ansturm auf Banken und die Bankautomaten funktionierten im Zentrum Athens normal, berichteten Augenzeugen.
Ein weiterer Hoffnungsschimmer: In Griechenland können sich die Unterstützer des umstrittenen Sparkurses einer Umfrage zufolge überraschend Hoffnungen auf einen Sieg bei der Parlamentswahl Mitte Juni machen. In der am Donnerstag veröffentlichten ersten Erhebung seit dem Scheitern der Regierungsgespräche und der Ausrufung von Neuwahlen kamen die konservative Neue Demokratie und die sozialistische Pasok zusammen auf genügend Mandate, um eine Regierungskoalition bilden zu können
Neben Griechenland ist Spanien das neue akute Sorgenkind der Eurozone.. In der Nacht zu Freitag hat die Ratingagentur Moody´s 16 spanische Banken herabgestuft. Die Möglichkeit der spanischen Regierung, einzelne Banken zu stützen, habe sich verschlechtert, begründeten die Bonitätswächter den Schritt. Die spanische Regierung will die Immobilienkrise des Landes mit Eingriffen in den Bankensektor ein für alle mal in den Griff bekommen.
Zu den betroffenen Kreditinstituten zählt auch die Banco Santander, die größte Bank in der Eurozone. Sie verloren 0,9 Prozent. Der spanische Leitindex gab um zwei Prozent nach, der europäische Bankensektor sank um 1,5 Prozent. Am Dienstag hatte die Agentur zu einem Rundumschlag in der italienischen Bankenbranche ausgeholt und 26 Geldhäuser um eine bis vier Stufen herabgestuft.
Die Furcht der Investoren vor einer Eskalation der Schuldenkrise wurde zusätzlich von einem Bericht angefacht, wonach Kunden der teilweise verstaatlichten spanischen Sparkasse Bankia allein in der vergangenen Woche über eine Milliarde Euro abgezogen hätten. Das spanische Wirtschaftsministerium dementierte den Bericht.
Sparprogramm auf dem Weg
Die spanische Regierung kämpft unterdessen um ihre Glaubwürdigkeit im Kampf gegen ihr Schuldendilemma: Das spanische Abgeordnetenhaus hat Einsparungen im Bildungs- und Gesundheitssystem im Umfang von zehn Milliarden Euro zugestimmt. Für die umstrittenen Kürzungen stimmten am Donnerstag nur die Parlamentarier der regierenden konservativen Volkspartei (PP), die im Abgeordnetenhaus die absolute Mehrheit stellt. Die sozialistische Opposition betrachtet die Sparmaßnahmen als Anschlag auf den Wohlfahrtsstaat.
Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte die Einsparungen damit begründet, dass Spanien sich ein Gesundheits- und Bildungssystem in der jetzigen Form nicht leisten könne. „Wir haben einfach kein Geld dafür“, sagte er. Der konservative Regierungschef hatte im Etatplan 2012 bereits die Schließung einer Finanzlücke von 27 Milliarden Euro vorgesehen. Dies soll durch Einsparungen in Rekordhöhe und zusätzliche Steuereinnahmen erreicht werden. Das Sparprogramm reichte aber nicht aus, um Spanien vom Druck der Finanzmärkte zu befreien.
Ölpreis auf Talfahrt, Gold legt zu
Die Ölpreise haben ihren Abwärtstrend am Freitag fortgesetzt. Am Freitagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Juli-Lieferung 106,87 US-Dollar. Das waren 62 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI zur Lieferung im Juni sank um 76 Cent auf 91,80 Dollar. Seit Anfang Mai haben die Ölpreise um mehr als zehn Prozent nachgegeben.
Vor einem Jahr kostete Brent-Öl rund drei Dollar weniger als derzeit, WTI-Öl war etwa fünf Dollar billiger. Generell ist amerikanisches Öl seit einiger Zeit deutlich günstiger, weil der Mittlere Westen der USA über ein Überangebot an Öl verfügt, das bislang nur schwer verteilt werden konnte. Nun wird eine neue Pipeline in Betrieb genommen – die Seaway-Pipeline, über die Öl an die Golfküste transportiert werden kann. Analysten gehen davon aus, dass sich der WTI-Preis wegen des neuen Transport-Weges erhöhen wird.
Angesichts der Unsicherheit ist nun auch wieder die Krisenwährung Gold verstärkt gefragt: Schnäppchenjäger ließen ihn um fast zehn Dollar anziehen auf 1547 Dollar je Feinunze. Am Vortag war der Preis auf ein Viereinhalb-Monats-Tief gefallen. Nach wie vor hielten sich aber viele Investoren wegen der unsicheren Perspektiven zurück und agierten sehr vorsichtig, sagte Analystin Lynette Tan von Phillip Futures.
Eurokurs verliert, Bundesanleihen-Renditen auf Rekordtief
Die Furcht vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone hat auch die Stimmung am Renten- und Devisenmarkt getrübt. Der Euro fielbis auf 1,2643 Dollar; so günstig war er seit Mitte Januar nicht mehr. „Der Euro kann in dieser Gemengelage kaum einmal durchatmen“, schrieb die Commerzbank in einem Kommentar. „Das schon deswegen nicht, weil noch immer eine generelle Strategie zur Bekämpfung der Krise fehlt.“
Im Schlepptau von Griechenland und Spanien stiegen auch die Zweifel gegenüber der italienischen Reformfähigkeit. Zehnjährige Anleihen aus Rom rentierten knapp unter sechs Prozent, der Risikoaufschlag zur Bundesanleihe lag bei 465 Basispunkten.
Profiteure der unübersichtlichen Gemengelage waren wieder einmal die Bundesanleihen. Der richtungsweisende Bund-Future stieg erneut auf ein Rekordhoch von 144,06 Zählern. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel auf ein Rekordtief von 1,396 Prozent. Auch die Rendite kurzlaufender und 30-jähriger Papiere fiel auf Rekordtiefs. „Die Investoren sagen sich, Deutschland wird wohl seine Schulden zurückzahlen, und deshalb kaufen sie weiter die Anleihen. Rendite ist völlig egal, es geht nur noch um Sicherheit“, erklärte ein Händler den Ansturm
* Focus
OECD warnt vor schwerer Rezession in Euro-Zone
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihren halbjährigen Wirtschaftsausblick veröffentlicht und prognostiziert der Euro-Zone dabei düstere Aussichten, wie Nachrichtenagenturen berichten. So hat Organisation ihre Wachstumsprognose für den Euroraum gesenkt und warnt davor, dass der Euro-Zone womöglich eine „schweren Rezession” ins Haus stehen könnte. Laut OECD-Chefökonom Pier Carlo Padoan bestehe das Risiko, dass ein wirtschaftlicher Rückgang von zwei Prozent drohe, wie er heute in Paris sagte. Noch stärker zu erwarten sei indes ein leichterer Rückgang der Wirtschaftsleistung, wie die OECD-Experten in ihrem Bericht anmerken, in dem sie einen Rückgang der Wirtschaftskraft um 0,1 Prozent erwarten. Damit haben sie ihre eigene Prognose nach unten korrigiert, nachdem sie zuvor noch ein Wachstum von 0,2 Prozent erwartet hatten. Immerhin sehen sie den Trend für das kommende Jahr aber wieder im positiven Bereich: für 2013 rechnen sie mit einem leichten Wachstumsplus von 0,9 Prozent.
Schnelles Handeln ein Muss
Um eine mögliche „schwere Rezession“ abzuwenden und zudem ein Übergreifen auf die Weltwirtschaft zu verhindern, fordert Padoan die Regierungen der Eurostaaten und die Europäische Zentralbank zum schnellen Handeln auf, wobei auch Euro-Bond als eine Option thematisiert werden. Derzeit stelle sich die Situation so dar, dass sich die Abwärtsrisiken im Euro-Raum „zusätzlich erhöht“ haben und die Krise in der Währungsunion nach wie vor das größte Risiko für die Weltwirtschaft darstelle. Grund für die Zuspitzung der Situation seien „grundlegende wirtschaftliche, fiskalische und finanzielle Ungleichgewichte innerhalb des Euroraums“, die für etliche Länder die Gefahr eines Teufelskreises aus bleibender, hoher Verschuldung, schwachen Banken, zu starker fiskalischer Straffung, sprich straffer Sparpolitik und niedrigerem Wachstum berge.
Schnelles Handeln ein Muss
Um eine mögliche „schwere Rezession“ abzuwenden und zudem ein Übergreifen auf die Weltwirtschaft zu verhindern, fordert Padoan die Regierungen der Eurostaaten und die Europäische Zentralbank zum schnellen Handeln auf, wobei auch Euro-Bond als eine Option thematisiert werden. Derzeit stelle sich die Situation so dar, dass sich die Abwärtsrisiken im Euro-Raum „zusätzlich erhöht“ haben und die Krise in der Währungsunion nach wie vor das größte Risiko für die Weltwirtschaft darstelle. Grund für die Zuspitzung der Situation seien „grundlegende wirtschaftliche, fiskalische und finanzielle Ungleichgewichte innerhalb des Euroraums“, die für etliche Länder die Gefahr eines Teufelskreises aus bleibender, hoher Verschuldung, schwachen Banken, zu starker fiskalischer Straffung, sprich straffer Sparpolitik und niedrigerem Wachstum berge.
Europa am Scheideweg
Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Berlin, und Sprecher des Vorstands, HSBC Trinkaus & Burkhardt AG, Düsseldorf, anlässlich einer Veranstaltung im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten in Frankfurt.
Sehr geehrter Herr Landgraf,
werte Club-Mitglieder!
Vielen Dank für die freundliche Einladung heute Abend. Es ist schön wieder bei Ihnen zu sein.
Der Krisenzustand, meine Damen und Herren, ist in Europa mittlerweile schon fast zum Normalzustand geworden. Die Staatsschuldenkrise hat uns auf schmerzliche Art und Weise die Unvollkommenheit der Währungsunion vor Augen geführt. Aus unterschiedlichen Gründen haben einige, ja zu viele, Länder der Eurozone untragbare Haushaltsdefizite aufgebaut, die sie nicht länger zu vertretbaren Zinsen finanzieren können. Ohne die Hilfen durch den Euro-Rettungsschirm und die Interventionen der EZB, wäre die Finanzierung der Staatshauhalte in einigen Ländern Europas nicht mehr vollständig aufrecht zu erhalten. Die verhängnisvolle Abhängigkeit zwischen den klammen Staaten und ihren nationalen Banken hat sich sogar weiter erhöht. Als Folge daraus ist der Interbankenmarkt in Europa nach wie vor schwer beeinträchtigt.
Die vollständige Rede können Sie hier abrufen
Sehr geehrter Herr Landgraf,
werte Club-Mitglieder!
Vielen Dank für die freundliche Einladung heute Abend. Es ist schön wieder bei Ihnen zu sein.
Der Krisenzustand, meine Damen und Herren, ist in Europa mittlerweile schon fast zum Normalzustand geworden. Die Staatsschuldenkrise hat uns auf schmerzliche Art und Weise die Unvollkommenheit der Währungsunion vor Augen geführt. Aus unterschiedlichen Gründen haben einige, ja zu viele, Länder der Eurozone untragbare Haushaltsdefizite aufgebaut, die sie nicht länger zu vertretbaren Zinsen finanzieren können. Ohne die Hilfen durch den Euro-Rettungsschirm und die Interventionen der EZB, wäre die Finanzierung der Staatshauhalte in einigen Ländern Europas nicht mehr vollständig aufrecht zu erhalten. Die verhängnisvolle Abhängigkeit zwischen den klammen Staaten und ihren nationalen Banken hat sich sogar weiter erhöht. Als Folge daraus ist der Interbankenmarkt in Europa nach wie vor schwer beeinträchtigt.
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Globales Geldsystem ist in Gefahr
Der Schuldenabbau in den Industrieländern stellt eine Bedrohung für das globale Geldsystem dar, warnt Bill Gross, Mitgründer und Managing Director des weltgrößten Bondinvestors Pimco. So konnten zwar durch fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen substanzielle Haircuts bei den weltweiten Finanzvermögen vorerst abgewendet werden. Gleichzeitig stieg jedoch das Risiko bei den Staatsanleihen und die Renditen sanken, schreibt Gross in einem aktuellen Brief an die Investoren.
Im Verlauf des letzten Jahrhunderts wurde der Zugang zu Geld „immer einfacher, billiger“, so Gross. „Jetzt dürfte jedoch ein Punkt erreicht worden sein, an dem es nicht mehr effizient und gerecht funktionieren kann.“ Anleger werden das gestiegene Kreditrisiko der Industriestaaten und die teils negativen Realzinsen nicht länger akzeptieren, sie flüchten in Sachwerte. Unterdessen sollten Investoren auf US-Treasuries oder Bonds aus Ländern wie Mexiko und Brasilien setzen, rät Gross. Zudem sollten sie im Verlauf der nächsten Jahre Anleihen mit mittleren Laufzeiten bevorzugen. Wer hingegen in Aktien investiert, dem empfiehlt Gross Unternehmen mit einem stabilen Cashflow, die in Wachstumsmärkten engagiert sind.
Der von Gross verwaltete rund 260 Milliarden US-Dollar schwere Total Return Fund hat in diesem Jahr 5,27 Prozent zugelegt und damit 99 Prozent der Konkurrenz hinter sich gelassen. Insgesamt verwaltet Pimco, eine Tochtergesellschaft des deutschen Versicherers Allianz, per 31. März 1,77 Billionen US-Dollar.
Im Verlauf des letzten Jahrhunderts wurde der Zugang zu Geld „immer einfacher, billiger“, so Gross. „Jetzt dürfte jedoch ein Punkt erreicht worden sein, an dem es nicht mehr effizient und gerecht funktionieren kann.“ Anleger werden das gestiegene Kreditrisiko der Industriestaaten und die teils negativen Realzinsen nicht länger akzeptieren, sie flüchten in Sachwerte. Unterdessen sollten Investoren auf US-Treasuries oder Bonds aus Ländern wie Mexiko und Brasilien setzen, rät Gross. Zudem sollten sie im Verlauf der nächsten Jahre Anleihen mit mittleren Laufzeiten bevorzugen. Wer hingegen in Aktien investiert, dem empfiehlt Gross Unternehmen mit einem stabilen Cashflow, die in Wachstumsmärkten engagiert sind.
Der von Gross verwaltete rund 260 Milliarden US-Dollar schwere Total Return Fund hat in diesem Jahr 5,27 Prozent zugelegt und damit 99 Prozent der Konkurrenz hinter sich gelassen. Insgesamt verwaltet Pimco, eine Tochtergesellschaft des deutschen Versicherers Allianz, per 31. März 1,77 Billionen US-Dollar.
Ökonom warnt vor Kollaps der Eurozone
Der Wirtschaftswissenschaftler Nouriel Roubini sieht die Eurozone in Gefahr
Der frühere Präsidentenberater Nouriel Roubini hat vor einem völligen Zusammenbruch gewarnt, sollten die Finanzhilfen an Griechenland nach der Wahl am Sonntag eingestellt werden.
Der Ökonom sagte der „Bild“: „Wer den Griechen den Stecker zieht, provoziert den totalen Zusammenbruch der Eurozone.“ Kollabiere Griechenland, würden viele Anleger in Panik geraten: „Dann gibt es einen Run auf die Banken in Portugal, Spanien und Italien.“ Deshalb müsse das Land entweder in der Eurozone gehalten werden oder finanzielle Unterstützung für einen geregelten Ausstieg erhalten. „Beides ist für Deutschlands Steuerzahler billiger, als die Eurozone kaputt gehen zu lassen.“
Roubini zählt zu den renommiertesten Wirtschaftswissenschaftlern der USA, seit er 2006 die Weltfinanzkrise präzise vorhersagte.
Zweite Baustelle Spanien
Die Eurozone wird nach Angaben von EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn „bald“ entscheiden, aus welchem europäischen Rettungsfonds die Milliardenhilfen für Spanien gezahlt werden sollen. „Die Entscheidung wird in Kürze fallen“, sagte Rehn am Montag vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. In den kommenden Wochen werde entschieden, ob die Hilfen aus dem bisherigen Rettungsschirm EFSF kommen oder aus dem künftigen dauerhaften Hilfsfonds ESM. Auch eine Kombination aus beiden Fonds sei nicht ausgeschlossen, sagte Rehn
Die Eurozone will den angeschlagenen spanischen Banken mit bis zu 100 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Der ESM soll am 1. Juli in Kraft treten, der Fonds muss aber noch von einem halben Dutzend europäischer Länder ratifiziert werden, darunter Deutschland. Rehn drängte dazu, die Ratifizierung schnell abzuschließen. Kreisen zufolge soll der ESM nicht vor dem 9. Juli einsatzbereit sein. Aus welchem Rettungsschirm die Spanien-Hilfen kommen, hängt vor allem davon ab, wann Spanien den formellen Hilfsantrag stellt. Der ESM gilt wegen seiner Bareinlagen als stabiler als der mit Garantien arbeitende EFSF
Der frühere Präsidentenberater Nouriel Roubini hat vor einem völligen Zusammenbruch gewarnt, sollten die Finanzhilfen an Griechenland nach der Wahl am Sonntag eingestellt werden.
Der Ökonom sagte der „Bild“: „Wer den Griechen den Stecker zieht, provoziert den totalen Zusammenbruch der Eurozone.“ Kollabiere Griechenland, würden viele Anleger in Panik geraten: „Dann gibt es einen Run auf die Banken in Portugal, Spanien und Italien.“ Deshalb müsse das Land entweder in der Eurozone gehalten werden oder finanzielle Unterstützung für einen geregelten Ausstieg erhalten. „Beides ist für Deutschlands Steuerzahler billiger, als die Eurozone kaputt gehen zu lassen.“
Roubini zählt zu den renommiertesten Wirtschaftswissenschaftlern der USA, seit er 2006 die Weltfinanzkrise präzise vorhersagte.
Zweite Baustelle Spanien
Die Eurozone wird nach Angaben von EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn „bald“ entscheiden, aus welchem europäischen Rettungsfonds die Milliardenhilfen für Spanien gezahlt werden sollen. „Die Entscheidung wird in Kürze fallen“, sagte Rehn am Montag vor dem Europäischen Parlament in Straßburg. In den kommenden Wochen werde entschieden, ob die Hilfen aus dem bisherigen Rettungsschirm EFSF kommen oder aus dem künftigen dauerhaften Hilfsfonds ESM. Auch eine Kombination aus beiden Fonds sei nicht ausgeschlossen, sagte Rehn
Die Eurozone will den angeschlagenen spanischen Banken mit bis zu 100 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Der ESM soll am 1. Juli in Kraft treten, der Fonds muss aber noch von einem halben Dutzend europäischer Länder ratifiziert werden, darunter Deutschland. Rehn drängte dazu, die Ratifizierung schnell abzuschließen. Kreisen zufolge soll der ESM nicht vor dem 9. Juli einsatzbereit sein. Aus welchem Rettungsschirm die Spanien-Hilfen kommen, hängt vor allem davon ab, wann Spanien den formellen Hilfsantrag stellt. Der ESM gilt wegen seiner Bareinlagen als stabiler als der mit Garantien arbeitende EFSF
Das Horror-Szenario der Weltbank
Euro-Austritt der Griechen könnte Schockwellen rund um den Globus auslösen +++ Banken rechnen mit dem Schlimmsten +++ Deutschland gerät in den Sog der Krise
Noch vier Tage – dann droht der Eurozone der Kollaps: Sonntag wählen die Griechen. Den Linksextremisten winkt der Wahlsieg, mit vermutlich dramatischen Folgen. Wenn er gewinnt, will Alexis Tsipras (Chef der Links-Partei Syriza) den Reformprozess stoppen. Das wäre der GAU für die griechische Wirtschaft. Die Geldgeber von EU und IWF würden die Kredite sofort stoppen. Griechenland wäre pleite, müsste aus dem Euro austreten...
Die Weltbank rechnet in einer neuen Studie mit dem Schlimmsten – die Wirtschafts-Experten haben ein Horror-Szenario entworfen!
Wenn ausgelöst durch den Griechen-Gau die Eurokrise eskaliert, drohen regelrechte Schockwellen:
DAS HORROR-SZENARIO
• Rund um den Globus stürzt die Konjunktur ab, in der Eurozone sinkt das Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr um 8,5 Prozent.
• Selbst aufstrebende Schwellenländer fahren voll gegen die Wand, ihre Wirtschaftsleistung schrumpft um 4,0 Prozent.
• 2014 wird ähnlich katastrophal, die gerade zurückliegende schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg wirkt dagegen fast harmlos.
• Auslöser ist die Schuldenkrise in Europa, sie reißt alle anderen Regionen mit in den Abgrund.
Es handelt sich um eine Simulation, die die Welt wachrütteln soll
DEUTSCHLAND RÜSTET SICH FÜR EURO-AUSSTIEG
Die deutschen Banken rüsten sich vor der entscheidenden Griechenland-Wahl am Sonntag für den Ernstfall – den erstmaligen Austritt eines Landes aus der Euro-Zone. Sollten die Sparreform- und Euro-Gegner in dem Krisenstaat die Oberhand gewinnen, gilt ein Ausscheiden des Mittelmeerlandes als wahrscheinlich.
„Wenn sich ein solches Ergebnis abzeichnet, glühen in den Frankfurter Bankentürmen am Sonntagabend die Telefondrähte“, sagte ein Manager eines großen deutschen Geldhauses voraus. Kernfrage: Wie reagiert man, wenn die Märkte am Montag einbrechen?
BANK-RUN DROHT
Der berühmte New Yorker Ökonom Prof. Nouriel Roubini rechnet mit einem kolossalen Crash! „Kollabiert Griechenland, werden viele Anleger in Panik geraten. Dann gibt es einen Run auf die Banken in Portugal, Spanien und Italien. Das heißt: Wer den Griechen den Stecker zieht, provoziert den totalen Zusammenbruch der Euro-Zone“, sagte Roubini zu BILD.de.
DEUTSCHLAND GERÄT IN DEN SOG DER KRISE
Für die kriselnden Euro-Staaten wie Italien und Spanien wird es von Tag zu Tag schwieriger, sich an den Finanzmärkten frisches Geld zu leihen. Die Zinsen steigen ins Unermessliche. Offenbar gibt es eine Spekulationswelle gegen den Euro. Sogar Deutschland gerät jetzt in den Sog der Krise.
An den Finanzmärkten steigt die Sorge um die Kreditwürdigkeit Deutschlands: Die Fondsmanager des weltgrößten Anleihe-Investors Pimco trennen sich gerade von deutschen Staatspapieren – eine Trendwende bahnt sich an. Bislang hatten Investoren wegen wackeliger Lagen in anderen Eurostaaten deutsche Anleihen geradezu gesucht.
Deutschland konnte sich praktisch zu Null-Zinsen Geld leihen. Das ist jetzt offenbar vorbei. Die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen kletterten am Mittwoch auf bis zu 1,530 Prozent, nachdem sie am 1. Juni noch auf einem historischen Tief von 1,127 Prozent gelegen hatten.
Investoren fürchten, dass wegen der milliardenschweren Rettungsschirme immer höhere Kosten auf Deutschland zukommen und darunter letztlich auch die Top-Bonität der Bundesrepublik leiden dürfte.
Bislang war Deutschland in punkto Eurokrise eine Insel der Glückseeligen. Wenn der Domino-Effekt weiter anhält, wird es auch hier sehr ungemütlich...
Noch vier Tage – dann droht der Eurozone der Kollaps: Sonntag wählen die Griechen. Den Linksextremisten winkt der Wahlsieg, mit vermutlich dramatischen Folgen. Wenn er gewinnt, will Alexis Tsipras (Chef der Links-Partei Syriza) den Reformprozess stoppen. Das wäre der GAU für die griechische Wirtschaft. Die Geldgeber von EU und IWF würden die Kredite sofort stoppen. Griechenland wäre pleite, müsste aus dem Euro austreten...
Die Weltbank rechnet in einer neuen Studie mit dem Schlimmsten – die Wirtschafts-Experten haben ein Horror-Szenario entworfen!
Wenn ausgelöst durch den Griechen-Gau die Eurokrise eskaliert, drohen regelrechte Schockwellen:
DAS HORROR-SZENARIO
• Rund um den Globus stürzt die Konjunktur ab, in der Eurozone sinkt das Bruttoinlandsprodukt im kommenden Jahr um 8,5 Prozent.
• Selbst aufstrebende Schwellenländer fahren voll gegen die Wand, ihre Wirtschaftsleistung schrumpft um 4,0 Prozent.
• 2014 wird ähnlich katastrophal, die gerade zurückliegende schwerste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg wirkt dagegen fast harmlos.
• Auslöser ist die Schuldenkrise in Europa, sie reißt alle anderen Regionen mit in den Abgrund.
Es handelt sich um eine Simulation, die die Welt wachrütteln soll
DEUTSCHLAND RÜSTET SICH FÜR EURO-AUSSTIEG
Die deutschen Banken rüsten sich vor der entscheidenden Griechenland-Wahl am Sonntag für den Ernstfall – den erstmaligen Austritt eines Landes aus der Euro-Zone. Sollten die Sparreform- und Euro-Gegner in dem Krisenstaat die Oberhand gewinnen, gilt ein Ausscheiden des Mittelmeerlandes als wahrscheinlich.
„Wenn sich ein solches Ergebnis abzeichnet, glühen in den Frankfurter Bankentürmen am Sonntagabend die Telefondrähte“, sagte ein Manager eines großen deutschen Geldhauses voraus. Kernfrage: Wie reagiert man, wenn die Märkte am Montag einbrechen?
BANK-RUN DROHT
Der berühmte New Yorker Ökonom Prof. Nouriel Roubini rechnet mit einem kolossalen Crash! „Kollabiert Griechenland, werden viele Anleger in Panik geraten. Dann gibt es einen Run auf die Banken in Portugal, Spanien und Italien. Das heißt: Wer den Griechen den Stecker zieht, provoziert den totalen Zusammenbruch der Euro-Zone“, sagte Roubini zu BILD.de.
DEUTSCHLAND GERÄT IN DEN SOG DER KRISE
Für die kriselnden Euro-Staaten wie Italien und Spanien wird es von Tag zu Tag schwieriger, sich an den Finanzmärkten frisches Geld zu leihen. Die Zinsen steigen ins Unermessliche. Offenbar gibt es eine Spekulationswelle gegen den Euro. Sogar Deutschland gerät jetzt in den Sog der Krise.
An den Finanzmärkten steigt die Sorge um die Kreditwürdigkeit Deutschlands: Die Fondsmanager des weltgrößten Anleihe-Investors Pimco trennen sich gerade von deutschen Staatspapieren – eine Trendwende bahnt sich an. Bislang hatten Investoren wegen wackeliger Lagen in anderen Eurostaaten deutsche Anleihen geradezu gesucht.
Deutschland konnte sich praktisch zu Null-Zinsen Geld leihen. Das ist jetzt offenbar vorbei. Die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen kletterten am Mittwoch auf bis zu 1,530 Prozent, nachdem sie am 1. Juni noch auf einem historischen Tief von 1,127 Prozent gelegen hatten.
Investoren fürchten, dass wegen der milliardenschweren Rettungsschirme immer höhere Kosten auf Deutschland zukommen und darunter letztlich auch die Top-Bonität der Bundesrepublik leiden dürfte.
Bislang war Deutschland in punkto Eurokrise eine Insel der Glückseeligen. Wenn der Domino-Effekt weiter anhält, wird es auch hier sehr ungemütlich...
EZB-Direktor Jörg Asmussen verspricht = Ihr Geld ist sicher
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Zitat
Seine engen Kontakte in die Politik pflegt Jörg Asmussen auch in der neuen Rolle als Notenbanker der Europäischen Zentralbank. Als wir ihn im FOCUS-Hauptstadtbüro treffen, ist er eigentlich auf dem Weg vom Dienstsitz in Frankfurt zu seiner Familie, die noch in Berlin wohnt. Eine Stunde lang diskutieren wir mit ihm über den Euro und die Sorgen der deutschen Sparer. Asmussen kennt die Ängste, hält sie aber für unbegründet. Seine Zuversicht ist mit viel Sachkenntnis und Detailwissen begründet – ein beruhigender Kontrast im Meer der Europa-Zweifler
FOCUS: Angeblich werden in einer britischen Druckerei bereits Drachmen für den Fall gedruckt, dass Griechenland den Euro verlässt. Die Vorbereitung auf den Ernstfall?
Jörg Asmussen: Ich höre das Gerücht zum ersten Mal und glaube nicht, dass das stimmt.
FOCUS: Aber wie soll denn Vorsorge getroffen werden für den Fall der Fälle?
Asmussen: Es ist bekanntlich meine und auch die klare Präferenz der EZB, dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt
FOCUS: Hat die Troika aus EZB, Kommission und IWF denn einen Plan B für Griechenland?
Asmussen: Wenn wir öffentlich über Plan B, C und D spekulieren, geht Plan A kaputt. Wir wollen, dass Plan A funktioniert.
FOCUS: Die Mehrheit der Deutschen ist für einen Ausstieg Athens aus dem Euro. Machen sich die Befürworter da falsche Vorstellungen über die Konsequenzen?
Asmussen: Ich glaube in der Tat, dass manche Leute sehr leichtfertig darüber reden, was es für uns alle bedeutet, wenn ein Land eine Währungsunion verlässt.
FOCUS: Die spanischen Banken sollen Hilfen bis zu 100 Milliarden Euro erhalten, aber die Zinsen für spanische Staatsanleihen sind dennoch wieder stark gestiegen. Ist der Effekt der Hilfe verpufft?
Asmussen: Nicht so schnell – Spanien hat noch kein Geld erhalten, die Euro-Gruppe hat bislang lediglich in Aussicht gestellt, dass sie bereit ist, bis zu 100 Milliarden Euro für die Lösung der Probleme im spanischen Bankensektor bereitzustellen. Einen konkreten Antrag hat Spanien bislang nicht gestellt, weil noch nicht im Detail bekannt ist, wie hoch der Mittelbedarf für den Bankensektor exakt sein wird.
FOCUS: Darauf reagieren die Märkte...
Asmussen: Diese Unklarheit verunsichert Marktteilnehmer, nachdem die Grundsatzzusage zunächst positiv aufgenommen wurde. Als Folge steigen die Zinsen. Auch wenn man sich nicht von jedem Ausschlag auf der Fieberkurve der Märkte treiben lassen darf, ist es jetzt sehr wichtig, dass die Buchprüfungen im spanischen Bankensektor schnellstmöglich abgeschlossen werden, damit dann Klarheit über das genaue Volumen des Hilfspakets herrscht. Dann kann auch rasch ein Programm mit Auflagen zur nachhaltigen Sanierung des spanischen Bankensektors beschlossen und in Angriff genommen werden. Ein glaubwürdiges Sanierungsprogramm wird dann auch wieder einen positiven Effekt auf den Märkten haben.
FOCUS: Die EU denkt jetzt über eine Bankenunion nach. Ist das nicht in Wahrheit eine trickreiche Umgehung der EU-Verträge?
Asmussen: Wir müssen uns entscheiden, ob wir die Währungsunion durch weitere Elemente vervollständigen wollen und sie dadurch stabilisieren oder nicht. Ich glaube, dass der Weg zu mehr Europa in der Summe mehr Wohlstand bringt, als einen Schritt zurückzugehen. Wenn wir wollen, dass jemand zehnjährige europäische Staatsanleihen kauft, dann müssen wir auch erklären, wo Europa in zehn Jahren steht.
FOCUS: Soll man die Währungsunion vertiefen?
Asmussen: Will man sie weiter vertiefen, was ich zur Stabilisierung der Währungsunion für notwendig halte, gibt es drei große Bereiche: Erstens eine Fiskalunion, zweitens eine Finanzmarktunion – ich glaube nicht, dass der Ausdruck Bankenunion treffend ist. Und drittens brauchen wir eine politische Union, die demokratisch legitimiert ist. Diese Finanzmarktunion hat drei wesentliche Elemente: eine zentralisierte Bankenaufsicht für die großen Institute, eine europäische Einlagensicherung und schließlich eine Abwicklungseinrichtung mit angeschlossenem Fonds.
FOCUS: Das heißt, eine Bankenunion ist ohne Änderung der EU-Verträge möglich?
Asmussen: Ja, für eine Finanzmarktunion sehe ich die Notwendigkeit einer Änderung der EU-Verträge nicht.
FOCUS: Wer soll in einen solchen EU-weiten Fonds zur Einlagensicherung einzahlen?
Asmussen: Er bezieht sich auf die Länder der Euro-Zone. Die Banken sollen, wie wir das auch national kennen, entsprechend ihrer Größe einzahlen.
FOCUS: Spanische und irische Banken haben doch das Geld gar nicht dafür?
Asmussen: Spanische Banken zahlen ja auch in nationale Einlagensicherungssysteme ein. Das wäre ja ein grenzüberschreitender Ersatz in ganz Europa. Damit hätten wir eine europäische Auffanglösung, die wir heute nicht haben
FOCUS: Führt eine Bankenunion nicht dazu, dass letztlich deutsche Sparer für marode südeuropäische Bankhäuser haften?
Asmussen: Die deutschen Banken sind nicht immer die Guten. Auch hier gab es Schieflagen, die durch massive Garantien des SoFFin beseitigt wurden. Der europäische Bankenmarkt ist eng vernetzt. Die Beziehung zwischen Banken und Staaten können sich in Krisenzeiten wechselseitig negativ verschärfen. Wenn wir aber eine entsprechende Auffanglösung schaffen, gewinnen wir große zusätzliche Stabilität. Deshalb muss sich der Sparer in Deutschland auch keine Sorgen über die Sicherheit seines Geldes machen. Im Gegenteil.
FOCUS: Die Mehrheit der Deutschen fürchten dennoch um ihre Spareinlagen. Was tun Sie als Zentralbanker dagegen?
Asmussen: Die EZB hat eine wichtige, aber auch begrenzte Rolle. Wir sichern Preisstabilität im Euro-Raum. Das ist wichtig für alle Sparer: Ihr Geld ist sicher vor Inflation. Und wir tragen zur Finanzmarktstabilität bei. Es gibt andere Aufgaben für einen stabilen Bankensektor wie ausreichendes Kapital, saubere Bilanzen. Dafür sind wir nicht zuständig, wir sind keine Aufsichtsbehörde. Aufseher der deutschen Banken zum Beispiel ist die Bundesbank gemeinsam mit der BaFin. Wenn private Mittel zur Rekapitalisierung deutscher Banken nicht reichen, gibt es die Finanzmarktstabilisierungsanstalt.
FOCUS: Geht es in Europa nicht nur noch ums Geld?
Asmussen: Es ist schon bedauerlich, wenn wir in Europa immer nur fragen, was kostet uns das Dabei wird manchmal auch vorschnell gerechnet, und manche tun so, als sei Geld, das für Kredite oder Garantien zur Verfügung gestellt wurde, schon verloren. Das ist falsch. Deutschland ist der größte Profiteur des Binnenmarkts und des Euro. 40 Prozent unseres Handels gehen in die Euro-Zone, frei von Wechselkursrisiken. Uns ist im Verlauf der Krise eine Zukunftsvision für Europa verloren gegangen. Und es fehlt eine Debatte über Ziele. Wir müssen die Frage beantworten, wo wir in zehn Jahren in Europa stehen wollen.
FOCUS: Darüber gibt es keinerlei Konsens.
Asmussen: Wir haben eine unvollständige Währungsunion, und wir sind faktisch Teil einer politischen Union. Das haben wir aber nie offen gesagt, und darüber hat es nie eine offene Diskussion gegeben. Wir haben gesagt, es gibt neue Scheine und neue Münzen, und sonst ändert sich nicht viel.
FOCUS: Hatten die Deutschen falsche Vorstellungen vom Euro?
Asmussen: Die Defizite bei der Konstruktion des Euro sind in wirtschaftlich guten Zeiten bis 2007 nicht aufgefallen. Seitdem ist uns schmerzlich bewusst, dass wir in einem unfertigen Haus namens Europa leben. Dieses Gebäude müssen wir jetzt vollenden. Das bedeutet aber auch Verzicht auf nationale Souveränitätsrechte.
FOCUS: Das heißt konkret?
Asmussen: Wir brauchen eine demokratisch legitimierte politische Union. Die Krisenmaßnahmen der letzten zwei Jahre sind alle zwischen den nationalen Regierungen vereinbart worden, und das Europäische Parlament blieb außen vor. Wir müssen wieder zurückkehren in das normale Gemeinschaftsverfahren der EU und darüber nachdenken, wie wir die Euro-Zone vertiefen. Man kann beispielsweise über eine stärkere parlamentarische Kontrolle nachdenken durch einen Ausschuss des Europäischen Parlaments, in dem die Euro-Zone vertreten ist. Die gewählten Abgeordneten aus der Euro-Zone sollten die Entscheidungen treffen.
FOCUS: Kann die Jugend die europäische Idee weitertragen, wenn sie entweder arbeitslos ist oder Europa nur noch als Krisenfall erlebt?
Asmussen: Ich glaube, dass sich die europäische Idee immer wieder erneuert. Jacques Delors hat einmal gesagt: „Die europäische Idee ist wie ein Fahrrad. Wenn man anhält, kippt es um.“ Integration ist aber kein Selbstzweck. Man muss beweisen, dass diese Union Wohlstand, Freiheit und Sicherheit bieten kann.
FOCUS: In Südeuropa ist die Hälfte der jungen Leute ohne Job...
Asmussen: . . . ja, es stimmt: Der Gesellschaftsvertrag ist mit dauerhafter Jugendarbeitslosigkeit nicht mehr erfüllt. Darauf müssen wir eine Antwort finden. Darum gibt es neben dieser 10-Jahres-Vision, die wir entwickeln müssen, auch kurzfristige Aufgaben. Dazu gehört, dass wir den Fiskalpakt um ein Wachstumspaket ergänzen. Es wird eine Weile dauern, bis diese Strukturreformen wirken. Es geht nicht darum, durch kreditfinanzierte Ausgabenprogramme Wachstum in den nächsten ein, zwei Quartalen zu schaffen. Wir müssen das Potenzialwachstum erhöhen. Wir brauchen in der Zwischenzeit sicher eine aktive Arbeitsmarktpolitik. Man wird Mittel brauchen, um Wachstumsinitiativen zu finanzieren. Hier kann man Kredite der Europäischen Investitionsbank nehmen oder Projektbonds. Projektbonds sind aber keine Euro-Bonds.
FOCUS: Sondern?
Asmussen: Eine Anleihe der Europäischen Investitionsbank, die zweckgerichtet ein bestimmtes Projekt finanziert wie beispielsweise den Breitbandausbau in einem bestimmten Gebiet. Sie ist also zweckgebunden und nach oben begrenzt. Und man kann auch bestehende Mittel des EU-Haushalts in Struktur- und Regionalfonds umwidmen und in Regionen lenken, in denen sie am dringendsten benötigt werden.
FOCUS: Sind wir in Deutschland besonders geizig, wenn es um Hilfen geht?
Asmussen: Deutschland hat schon viel Solidarität gezeigt. Dafür hat es aber gesagt, dass Solidarität keine Einbahnstraße ist. Es ist vernünftig, Solidarität mit der Einhaltung von Regeln zu verbinden. Ich glaube, dass diese Mischung aus Solidarität und Solidität der richtige Ansatz ist.
FOCUS: Muss die Bundesregierung nicht ehrlich ansprechen, dass uns die Zukunft Europas noch viel Geld kosten wird?
Asmussen: In der Tat müssen wir eine offene politische Diskussion über die Zukunft Europas führen. Wir hatten bisher keine Volksabstimmung in Deutschland darüber, weil unsere Verfassung das nicht vorsieht. Insofern empfinden viele, dass sie faktisch schon Teil einer politischen Union sind, ohne nach ihrer Meinung gefragt worden zu sein.
FOCUS: Viele retten sich in Immobilien und Sachwerte. Was tun Sie gegen das schwindende Vertrauen in den Euro?
Asmussen: Die Inflationsrate ist in den vergangenen 14 Jahren des Euro niedriger ausgefallen als zu D-Mark-Zeiten. Das vergessen in Deutschland viele sehr gerne.
FOCUS: Sie haben für viele Milliarden Euro Staatsanleihen und von Krisenländern gekauft. Wird die EZB nicht schritt weise in eine Helferrolle gedrängt?
Asmussen: Wir haben unsere Verantwortung erfüllt und damit die Euro-Zone in der Krise vor Schlimmerem bewahrt. Das muss aber Krisenmanagement bleiben und darf kein Dauerzustand werden, sonst laufen wir als EZB Gefahr, Vertrauen zu verlieren. Und das ist das Schlimmste, was einer Notenbank passieren könnte. Nun müssen auch die Mitgliedsstaaten ihrer politischen Verantwortung gerecht werden, Wege aus der Krise zu finden: durch konsequente Sparmaßnahmen in Kombination mit Wachstumsimpulsen.
FOCUS: Wann rechnen Sie mit dem Ende der Krise? Gibt es den Euro in zehn Jahren noch?
Asmussen: Wann die Krise beendet ist, kann ich Ihnen nicht sagen. Es wird allerdings noch ökonomische Anpassungsprozesse in einzelnen Mitgliedsländern geben, die uns noch einige Jahre beschäftigen werden. Aber ich bin mir sicher, dass es den Euro in zehn Jahren noch gibt. Und zwar mit einer größeren Zahl von Mitgliedsländern als bisher.
So sieht das Mad-Max-Szenario der Eurokrise aus
Jochen Felsenheimer, Investmentstratege der Fondsboutique assénagon, zeichnet in der jüngsten Ausgabe seines "Credit Newsletter" die Wors-Case-Szenarien für den Ausgang der Euro-Krise und kommt dabei zu einem überraschend beruhigenden Ergebnis
Für den Rentenmarktexperten sind Befürchtungen, dass die Finanzmärkte im Falle eines Zerfalls des Euro vollständing kollabieren könnten und sozusagen "Anarchie" ausbricht, unsinnig. Er weist vor allem darauf hin, dass die aktuelle Schuldenkrise Europas grundsätzlich von historischen Vorbildern wie etwa Argentinien unterscheidet. Nicht die Solvenz einer Volkswirtschaft sei hier aufgrund ihrer geringen Leistungsfähigkeit in Frage gestellt, das Problem rühre vielmehr von der Umverteilung zwischen Staaten bzw. Sektoren innerhalb der Volkswirtschaften her. Der aktuellen Staatsverschuldung der Euro-Zone von rund 7800 Milliarden Euro steht ein Geldvermögen von 18.800 Millarden Euro gegenüber. "Europa" könnte seine Schulden also theoretisch problemlos bezahlen.
Gefahr von hohen Abhebungen in Krisenländern
Felsenheimer nimmt die Probleme dabei keineswegs auf die leichte Schulter, er zitiert Berichte, wonach in Portugal und Griechenland die Nachfrage nach Schusswaffen zu steigen scheint und weist auch darauf hin, dass es in einigen Krisenländern zu besorgniserregend hohen Abhebungen von Bankkonten kommt. Letzteres berge stets die Gefahr einer Kettenreakion: Kunden heben ab, weil sie sich bezüglich der Liquidität ihre Banken Sorgen machen, was deren Liquidität tatsächlich verschlechtert, noch mehr Kunden heben ab etc.
Interessant sind vor allem seine Schlussfolgerungen aus vorstellbaren weiteren Entwicklungen.
1. Szenario: Griechenland scheidet aus dem Euro aus. Was für das Land selbst ernste Folgen haben dürfte, ist für den Rest der Welt weniger dramatisch. 95 Prozent der Anleihen sind bereits restrukturiert, eine beträchtliche Wertminderung hat schon stattgefunden. Realwirtschaftlich spielen die Griechen keine nenneswerte Rolle, sodass auch kaum Gefahr besteht, dass irgendwo Exporte zusammenbrechen. Die Gefahr einer "Ansteckung" anderer Schuldenstaaten ist deshalb kein Problem, weil das ja längst passiert ist. Selbst die 100 Milliarden Forderungsausfall im Target 2 System im Fall eines Euro-Abschieds der Griechen seien für Europa verkraftbar. Anarchie? Fehlanzeige
2. Szenario: Mehrerer Krisenländer scheiden aus dem Euro aus. Hier läge das Problem im Bankenbereich, weil nach Einschätzung Felsenheimers in so einer Situation praktisch alle europäischen Banken pleite wären. Zu retten wäre die Lage nur durch einen massiven Eingriff der EZB. Kurioserweise würde der Euro davon profitieren, weil die Länder, die ihm heute Probleme bereite, dann ja nicht länger dabei sind. Der "neue" Euro wäre härter als der aktuelle. Target-2-Forderungen blieben bestehen, müssten aber restrukturiert werden. Anarchie müsste auch hier nicht ausbrechen.
3. Szenario: Es kommt zu einer vollständigen Währungsreform, was eine Rückkehr zu den alten Landeswährungen notwendig macht. Für Anleger aus "Hartwährungsstaaten" wie Deutschland oder Österreich ähnelt das Ergebnis jenem des Szenarios 2. Felsenheimer: "Auch in diesem wohl schlimmsten anzunehmenden Unfall aus Sicht Europas bedeutet das in keinster Weise, dass die logische Alternative Anarchie heißt. Letztlich werden alle Länder ihre Währungen frei floaten lassen, womit der Anpassungsdruck von den Faktormärkten (zum Beispiel Arbeitsmarkt) dieser Ökonomien weicht."
Den "Credit Newsletter" von assenagon-Investmentstratege Jochen Felsenheimer als PDF-Dokument zum Download.
Für den Rentenmarktexperten sind Befürchtungen, dass die Finanzmärkte im Falle eines Zerfalls des Euro vollständing kollabieren könnten und sozusagen "Anarchie" ausbricht, unsinnig. Er weist vor allem darauf hin, dass die aktuelle Schuldenkrise Europas grundsätzlich von historischen Vorbildern wie etwa Argentinien unterscheidet. Nicht die Solvenz einer Volkswirtschaft sei hier aufgrund ihrer geringen Leistungsfähigkeit in Frage gestellt, das Problem rühre vielmehr von der Umverteilung zwischen Staaten bzw. Sektoren innerhalb der Volkswirtschaften her. Der aktuellen Staatsverschuldung der Euro-Zone von rund 7800 Milliarden Euro steht ein Geldvermögen von 18.800 Millarden Euro gegenüber. "Europa" könnte seine Schulden also theoretisch problemlos bezahlen.
Gefahr von hohen Abhebungen in Krisenländern
Felsenheimer nimmt die Probleme dabei keineswegs auf die leichte Schulter, er zitiert Berichte, wonach in Portugal und Griechenland die Nachfrage nach Schusswaffen zu steigen scheint und weist auch darauf hin, dass es in einigen Krisenländern zu besorgniserregend hohen Abhebungen von Bankkonten kommt. Letzteres berge stets die Gefahr einer Kettenreakion: Kunden heben ab, weil sie sich bezüglich der Liquidität ihre Banken Sorgen machen, was deren Liquidität tatsächlich verschlechtert, noch mehr Kunden heben ab etc.
Interessant sind vor allem seine Schlussfolgerungen aus vorstellbaren weiteren Entwicklungen.
1. Szenario: Griechenland scheidet aus dem Euro aus. Was für das Land selbst ernste Folgen haben dürfte, ist für den Rest der Welt weniger dramatisch. 95 Prozent der Anleihen sind bereits restrukturiert, eine beträchtliche Wertminderung hat schon stattgefunden. Realwirtschaftlich spielen die Griechen keine nenneswerte Rolle, sodass auch kaum Gefahr besteht, dass irgendwo Exporte zusammenbrechen. Die Gefahr einer "Ansteckung" anderer Schuldenstaaten ist deshalb kein Problem, weil das ja längst passiert ist. Selbst die 100 Milliarden Forderungsausfall im Target 2 System im Fall eines Euro-Abschieds der Griechen seien für Europa verkraftbar. Anarchie? Fehlanzeige
2. Szenario: Mehrerer Krisenländer scheiden aus dem Euro aus. Hier läge das Problem im Bankenbereich, weil nach Einschätzung Felsenheimers in so einer Situation praktisch alle europäischen Banken pleite wären. Zu retten wäre die Lage nur durch einen massiven Eingriff der EZB. Kurioserweise würde der Euro davon profitieren, weil die Länder, die ihm heute Probleme bereite, dann ja nicht länger dabei sind. Der "neue" Euro wäre härter als der aktuelle. Target-2-Forderungen blieben bestehen, müssten aber restrukturiert werden. Anarchie müsste auch hier nicht ausbrechen.
3. Szenario: Es kommt zu einer vollständigen Währungsreform, was eine Rückkehr zu den alten Landeswährungen notwendig macht. Für Anleger aus "Hartwährungsstaaten" wie Deutschland oder Österreich ähnelt das Ergebnis jenem des Szenarios 2. Felsenheimer: "Auch in diesem wohl schlimmsten anzunehmenden Unfall aus Sicht Europas bedeutet das in keinster Weise, dass die logische Alternative Anarchie heißt. Letztlich werden alle Länder ihre Währungen frei floaten lassen, womit der Anpassungsdruck von den Faktormärkten (zum Beispiel Arbeitsmarkt) dieser Ökonomien weicht."
Den "Credit Newsletter" von assenagon-Investmentstratege Jochen Felsenheimer als PDF-Dokument zum Download.

