Sicherheit für Anleger - der US-Dollar
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Sicherheit für Anleger - der US-Dollar
Brandywine: "Sicherheit" für Anleger gibt nur der US-Dollar
Trotz fundamentaler Probleme der USA, wird der US-Dollar weiter gestärkt werden. Ein Grund hierfür ist, dass immer mehr Anleger das Vertrauen in andere Währungen verlieren, so die Meinung von Jack McIntyre, Portfoliomanager bei der Legg Mason-Tochter Brandywine Global Investment Management. "Auch wir sind nicht sicher, ob die USA derzeit überhaupt den politischen Willen haben, die Probleme zu lösen. Aber solange die Märkte das Risiko scheuen, profitiert der US-Dollar von der Flucht in Qualität." Das gelte zwar auch für den Yen, aber hier sieht McIntyre eher Japan gezwungen zu intervenieren: "Wenn Japan etwas nicht braucht, dann eine starke Währung. Bereits jetzt macht sie Geschäfte in diesem Land beinahe unerschwinglich."
Ob sicherheitshungrige Anleger auch in Zukunft weiter ihr Heil im Schweizer Franken suchen, hält McIntyre für fraglich, nachdem die Schweizerische Nationalbank jüngst einen Höchstkurs gegen den Euro definiert hat. "Weitere Interventionen der SNB sind nun nicht mehr auszuschließen. Daher muss der US-Dollar in angespannten Märkten praktisch zwangsläufig profitieren", meint McIntyre.
Zwar könnten sich die Dinge anders entwickeln, sollten die USA weitere quantitative Lockerungsmaßnahmen ergreifen und damit den Wert des US-Dollar drücken. Probleme erwartet McIntyre aus dieser Richtung jedoch nicht, da die Lockerungsmaßnahmen dieses Mal einen anderen Ansatz haben würden als zuvor.
US-Dollar-Übergewichtung als taktische Position
"Unsere Übergewichtung im US-Dollar ist eine taktische Position", erläutert McIntyre. Nach eigenen Angaben hält Brandywine Global derzeit eine Übergewichtung des US-Dollar. Die Kapitalanlagegesellschaft, die (per September 2011) insgesamt 31 Milliarden US-Dollar in Anleihen verwaltet, zieht den US-Dollar anderen traditionellen Fluchtwährungen, wie etwa dem japanischen Yen und dem Schweizer Franken, vor.
In jedem Fall, so McIntyre, lässt die US-Notenbank (Fed) angesichts der schwachen US-Konjunktur und der anstehenden Maßnahmen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits Vorsicht walten. "Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass es den USA so ergeht wie Japan, denn die US-Notenbank hat aus den Fehlern Japans gelernt", erläutert er.
"Wir wissen, dass die USA ihre Ausgaben kürzen und ihre Steuern erhöhen werden. Das kann irgendwann zu Deflation führen. Ich schätze die Fed wird alles tun, um nachhaltigen Deflationsdruck auf die US-Wirtschaft zu vermeiden", sagt McIntyre. "2011 haben wir in unseren globalen Anleihenportfolios meist eine Übergewichtung in US-Staatsanleihen gehalten - mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Wertentwicklung. Da jetzt aber immer mehr dafür spricht, dass den USA eine Rezession erspart bleibt und Europa möglicherweise eine Insolvenz nach dem 'Lehman-Muster' vermeiden kann, haben wir kürzlich unser Portfolioengagement in hochwertigen Anleihen reduziert", fügt McIntyre abschließend an.
Quelle: FONDS professionell
Trotz fundamentaler Probleme der USA, wird der US-Dollar weiter gestärkt werden. Ein Grund hierfür ist, dass immer mehr Anleger das Vertrauen in andere Währungen verlieren, so die Meinung von Jack McIntyre, Portfoliomanager bei der Legg Mason-Tochter Brandywine Global Investment Management. "Auch wir sind nicht sicher, ob die USA derzeit überhaupt den politischen Willen haben, die Probleme zu lösen. Aber solange die Märkte das Risiko scheuen, profitiert der US-Dollar von der Flucht in Qualität." Das gelte zwar auch für den Yen, aber hier sieht McIntyre eher Japan gezwungen zu intervenieren: "Wenn Japan etwas nicht braucht, dann eine starke Währung. Bereits jetzt macht sie Geschäfte in diesem Land beinahe unerschwinglich."
Ob sicherheitshungrige Anleger auch in Zukunft weiter ihr Heil im Schweizer Franken suchen, hält McIntyre für fraglich, nachdem die Schweizerische Nationalbank jüngst einen Höchstkurs gegen den Euro definiert hat. "Weitere Interventionen der SNB sind nun nicht mehr auszuschließen. Daher muss der US-Dollar in angespannten Märkten praktisch zwangsläufig profitieren", meint McIntyre.
Zwar könnten sich die Dinge anders entwickeln, sollten die USA weitere quantitative Lockerungsmaßnahmen ergreifen und damit den Wert des US-Dollar drücken. Probleme erwartet McIntyre aus dieser Richtung jedoch nicht, da die Lockerungsmaßnahmen dieses Mal einen anderen Ansatz haben würden als zuvor.
US-Dollar-Übergewichtung als taktische Position
"Unsere Übergewichtung im US-Dollar ist eine taktische Position", erläutert McIntyre. Nach eigenen Angaben hält Brandywine Global derzeit eine Übergewichtung des US-Dollar. Die Kapitalanlagegesellschaft, die (per September 2011) insgesamt 31 Milliarden US-Dollar in Anleihen verwaltet, zieht den US-Dollar anderen traditionellen Fluchtwährungen, wie etwa dem japanischen Yen und dem Schweizer Franken, vor.
In jedem Fall, so McIntyre, lässt die US-Notenbank (Fed) angesichts der schwachen US-Konjunktur und der anstehenden Maßnahmen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits Vorsicht walten. "Damit sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass es den USA so ergeht wie Japan, denn die US-Notenbank hat aus den Fehlern Japans gelernt", erläutert er.
"Wir wissen, dass die USA ihre Ausgaben kürzen und ihre Steuern erhöhen werden. Das kann irgendwann zu Deflation führen. Ich schätze die Fed wird alles tun, um nachhaltigen Deflationsdruck auf die US-Wirtschaft zu vermeiden", sagt McIntyre. "2011 haben wir in unseren globalen Anleihenportfolios meist eine Übergewichtung in US-Staatsanleihen gehalten - mit entsprechend positiven Auswirkungen auf die Wertentwicklung. Da jetzt aber immer mehr dafür spricht, dass den USA eine Rezession erspart bleibt und Europa möglicherweise eine Insolvenz nach dem 'Lehman-Muster' vermeiden kann, haben wir kürzlich unser Portfolioengagement in hochwertigen Anleihen reduziert", fügt McIntyre abschließend an.
Quelle: FONDS professionell
Warum der US-Dollar Weltleitwährung bleibt
Der Dollar ist am Ende? Nicht ganz. Ein Vorteil macht ihn noch immer unentbehrlich.
Doch in Asien regt sich Widerstand
Dieses Weihnachtsgeschenk dürfte US-Präsident Barack Obama nicht gefreut haben. Denn was am 26. Dezember aus China und Japan über den Pazifik wehte, heißt nichts anderes als: Dollars müssen draußen bleiben. Bisher bezahlen die erfahrene (Japan) und die neue (China) Wirtschaftssupermacht 60 Prozent ihres Handels miteinander in der Weltleitwährung US-Dollar. Ein teurer Umweg.
Jetzt kündigten die Regierungschefs Wen Jiabao und Yoshihiko Noda an: Bald soll es ohne Dollar in den eigenen Währungen Yuan und Yen laufen. Einen Termin nennen sie nicht. China exportiert derzeit jährlich Waren für 150 Milliarden Dollar nach Japan. Knapp 8 Prozent seiner gesamten Ausfuhren. Umgekehrt gibt es jährlich Güter für 195 Milliarden Dollar von Japan für China.
Der Währungs-Deal wird den Dollar als Weltleitwährung schwächen. Der Status ist ohnehin schon umstritten. Seit der Schuldenkrise in Europa und USA beten Star-Investoren das Ende des Dollar als Leitwährung herbei.
Anleger fliehen in vermeintlich sichere Häfen, wie Schweizer Franken, Norwegische Krone, Australischer Dollar oder Gold. Das ist aber nicht ungefährlich. „Die Norwegische Krone ist eine merkwürdige Währung“, sagt etwa Kathleen Brooks, Chef- Analystin beim Währungshändler Forex.com. „Das Land hat zwar ein Dreifach-A-Rating und eine stabile Schuldensituation, die Währung neigt aber zur Schwäche, wenn die Angst im Markt wächst.“
Ähnlich die Schwellenländer. Natürlich sind Wirtschafts- und Schuldenlage dort deutlich attraktiver als in der Eurozone und den USA. Die Zinsen sind hoch, Währungen dagegen unterbewertet. Das macht sie zweifellos zu einer spannenden Wachstums-Story.
Aber: „Investoren müssen auch verstehen, dass die Straße zur Rendite sehr holprig ist“, stellt Ignacio Sosa fest, Produktmanager beim größten Rentenfondsmanager Pimco. Das gilt auch für alle anderen neumodischen Fluchtorte. „Ein sicherer Hafen muss extrem liquide sein, und das sind Schwellenländerwährungen einfach nicht“, sagt Brooks. Schnell rein und wieder raus, und das mit Billionenbeträgen. Märkte können darunter zusammenbrechen, wie die Krise 2008 gezeigt hat.
Der US-Schuldenmarkt kann es verkraften und hat noch immer ein Top-Rating. Trotz desolater Wirtschaft und Politik und obwohl seine Rolle als Reservewährung kleiner geworden ist, bleibt der Dollar die Leitwährung. Mangels Alternative.
„In ausgeprägten Krisen führt der Weg zurück in den Dollar, egal was für eine Krise es ist“, sagt Dirk Aufderheide, Währungsexperte bei der DWS. Das sieht mitunter seltsam aus: Als die Agentur Standard & Poor’s (S&P) am 5. August 2011 das Rating für die USA von AAA auf AA+ senkte, passierte mit dem Dollar – gar nichts.
Später wertete er gegen den Euro sogar auf. Die Kurse von US-Anleihen zogen an, obwohl die Notenbank in jenen Wochen nicht mehr kaufte als sonst (Grafik). Anleger waren genau in das herabgestufte Land geflohen.
Als einziger möglicher Konkurrent zum Dollar gilt der chinesische Yuan. Entsprechende Marktgröße und -liquidität seien nur eine Frage der Zeit, sind sich Experten einig.
Einen anderen Mangel kann die chinesische Regierung per Dekret beheben. „Man kann mit dem chinesischen Yuan außerhalb Chinas noch nichts bezahlen“ sagt Antonio Divita vom Denkmann Family Office. Aber immerhin gebe es schon den Markt für Hongkonger Yuan, eine Art abgegrenzten Parallelmarkt. Unternehmen wie VW und McDonald’s haben dort schon Anleihen ausgegeben, um ihr China- Geschäft zu finanzieren.
Yuan jagt Dollar
Mehr als 24 Milliarden Euro ist der Hongkonger Yuan-Anleihe-Markt inzwischen schwer. Denkbar ist Folgendes: Chinas Regierung verfolgt das Geschehen auf diesem Markt. Bei Wohlgefallen vereint sie ihn mit dem heimischen Anleihe - und Währungsmarkt. Um Singapur wie geplant zum internationalen Finanzplatz auszubauen, gibt sie den Wechselkurs des Yuan nach und nach frei.
Derzeit ist er noch an den Dollar gebunden. Der Japan-China-Währungspakt wäre ein wichtiger Schritt in diese Richtung Freiheit. Als mögliches Ziel für diese Fiktion gelten die 20er Jahre. Dann hätte die Welt tatsächlich eine neue Leitwährung neben oder sogar anstelle des Dollar. Vorausgesetzt, Amerika kippt nicht vorher wirtschaftlich um. Dann geht es natürlich schneller. Aber das alles wäre nicht mehr Obamas Problem
Das Investment
Doch in Asien regt sich Widerstand
Dieses Weihnachtsgeschenk dürfte US-Präsident Barack Obama nicht gefreut haben. Denn was am 26. Dezember aus China und Japan über den Pazifik wehte, heißt nichts anderes als: Dollars müssen draußen bleiben. Bisher bezahlen die erfahrene (Japan) und die neue (China) Wirtschaftssupermacht 60 Prozent ihres Handels miteinander in der Weltleitwährung US-Dollar. Ein teurer Umweg.
Jetzt kündigten die Regierungschefs Wen Jiabao und Yoshihiko Noda an: Bald soll es ohne Dollar in den eigenen Währungen Yuan und Yen laufen. Einen Termin nennen sie nicht. China exportiert derzeit jährlich Waren für 150 Milliarden Dollar nach Japan. Knapp 8 Prozent seiner gesamten Ausfuhren. Umgekehrt gibt es jährlich Güter für 195 Milliarden Dollar von Japan für China.
Der Währungs-Deal wird den Dollar als Weltleitwährung schwächen. Der Status ist ohnehin schon umstritten. Seit der Schuldenkrise in Europa und USA beten Star-Investoren das Ende des Dollar als Leitwährung herbei.
Anleger fliehen in vermeintlich sichere Häfen, wie Schweizer Franken, Norwegische Krone, Australischer Dollar oder Gold. Das ist aber nicht ungefährlich. „Die Norwegische Krone ist eine merkwürdige Währung“, sagt etwa Kathleen Brooks, Chef- Analystin beim Währungshändler Forex.com. „Das Land hat zwar ein Dreifach-A-Rating und eine stabile Schuldensituation, die Währung neigt aber zur Schwäche, wenn die Angst im Markt wächst.“
Ähnlich die Schwellenländer. Natürlich sind Wirtschafts- und Schuldenlage dort deutlich attraktiver als in der Eurozone und den USA. Die Zinsen sind hoch, Währungen dagegen unterbewertet. Das macht sie zweifellos zu einer spannenden Wachstums-Story.
Aber: „Investoren müssen auch verstehen, dass die Straße zur Rendite sehr holprig ist“, stellt Ignacio Sosa fest, Produktmanager beim größten Rentenfondsmanager Pimco. Das gilt auch für alle anderen neumodischen Fluchtorte. „Ein sicherer Hafen muss extrem liquide sein, und das sind Schwellenländerwährungen einfach nicht“, sagt Brooks. Schnell rein und wieder raus, und das mit Billionenbeträgen. Märkte können darunter zusammenbrechen, wie die Krise 2008 gezeigt hat.
Der US-Schuldenmarkt kann es verkraften und hat noch immer ein Top-Rating. Trotz desolater Wirtschaft und Politik und obwohl seine Rolle als Reservewährung kleiner geworden ist, bleibt der Dollar die Leitwährung. Mangels Alternative.
„In ausgeprägten Krisen führt der Weg zurück in den Dollar, egal was für eine Krise es ist“, sagt Dirk Aufderheide, Währungsexperte bei der DWS. Das sieht mitunter seltsam aus: Als die Agentur Standard & Poor’s (S&P) am 5. August 2011 das Rating für die USA von AAA auf AA+ senkte, passierte mit dem Dollar – gar nichts.
Später wertete er gegen den Euro sogar auf. Die Kurse von US-Anleihen zogen an, obwohl die Notenbank in jenen Wochen nicht mehr kaufte als sonst (Grafik). Anleger waren genau in das herabgestufte Land geflohen.
Als einziger möglicher Konkurrent zum Dollar gilt der chinesische Yuan. Entsprechende Marktgröße und -liquidität seien nur eine Frage der Zeit, sind sich Experten einig.
Einen anderen Mangel kann die chinesische Regierung per Dekret beheben. „Man kann mit dem chinesischen Yuan außerhalb Chinas noch nichts bezahlen“ sagt Antonio Divita vom Denkmann Family Office. Aber immerhin gebe es schon den Markt für Hongkonger Yuan, eine Art abgegrenzten Parallelmarkt. Unternehmen wie VW und McDonald’s haben dort schon Anleihen ausgegeben, um ihr China- Geschäft zu finanzieren.
Yuan jagt Dollar
Mehr als 24 Milliarden Euro ist der Hongkonger Yuan-Anleihe-Markt inzwischen schwer. Denkbar ist Folgendes: Chinas Regierung verfolgt das Geschehen auf diesem Markt. Bei Wohlgefallen vereint sie ihn mit dem heimischen Anleihe - und Währungsmarkt. Um Singapur wie geplant zum internationalen Finanzplatz auszubauen, gibt sie den Wechselkurs des Yuan nach und nach frei.
Derzeit ist er noch an den Dollar gebunden. Der Japan-China-Währungspakt wäre ein wichtiger Schritt in diese Richtung Freiheit. Als mögliches Ziel für diese Fiktion gelten die 20er Jahre. Dann hätte die Welt tatsächlich eine neue Leitwährung neben oder sogar anstelle des Dollar. Vorausgesetzt, Amerika kippt nicht vorher wirtschaftlich um. Dann geht es natürlich schneller. Aber das alles wäre nicht mehr Obamas Problem
Das Investment
CONTRA: Die Tage der Leitwährung Dollar sind gezählt
Nicht nur ihr "AAA" haben die Amerikaner verloren. Auch die Ära der unangefochtenen Leitwährung US-Dollar neigt sich dem Ende zu
Die USA führen die Welt finanzpolitisch an. Immer noch werden deutlich mehr als 60 Prozent der Weltwährungsreserven in Dollar gehalten. Dennoch, es mehren sich die Zeichen, dass die Tage des Dollar als weltweite Leitwährung gezählt sind: Bei der Ratingagentur S&P haben die USA ihre Bestnote "AAA" verloren. Und mit China und Japan haben die zweit- und drittgrößte Volkswirtschaft der Erde beschlossen, künftig vermehrt in ihren eigenen Währungen zu handeln. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Folgende Argumente erklären, warum die Leitwährung US-Dollar ein Ablaufdatum hat.
Desaströser Staatshaushalt
Eine Leitwährung basiert vor allem auf Vertrauen in die Stabilität der dahinter stehenden Volkswirtschaft. US-Ökonom Jim Angel brachte es in der "Washington Post" auf den Punkt: "Es ist nicht so, dass Gott vor Moses auf dem Berg Sinai erschienen ist und sagte: Die USA werden immer 'AAA' sein. Unsere Reputation ist etwas, das wir uns verdient haben." Und der Ruf der USA hat sich während des Schuldenstreits im Jahr 2011 nicht gerade verbessert. Der Vertrauensverlust gipfelte darin, dass die USA bei der Ratingagentur S&P die Bestnote "AAA" verloren haben.
Damit schwindet auch das Vertrauen in den Dollar: Der desaströse US-Haushalt zwingt Inhaber von Dollar-Reserven, die Anlagen stärker zu streuen und auf andere Währungen zu verteilen. Im Zuge der US-Schuldenkrise könnte der Dollar innerhalb der kommenden 25 Jahren daher den Stellenwert als internationale Leitwährung verlieren. Zu diesem Fazit kam auch eine Befragung der Schweizer Bank UBS unter 80 Zentralbankern und Staatsfondsmanagern.
Gelddruckmaschine Fed schwächt Dollar
Die laxe Geldpolitik der US-Notenbank schwächt den Dollar. "Quantitative Easing" heißt das Werkzeug, mit dem die Fed seit Ausbruch der Finanzkrise hantiert. Es bedeutet nichts anderes, als dass die Fed mit frisch gedruckten Dollar Staatsanleihen aufkauft und so zusätzlich Liquidität in die Finanzmärkte pumpt. Mit jeder Banknote, den die Notenbanker in den Geldkreislauf bringen, verliert der Dollar an Wert.
Diese Dollar-Schwäche ist für den Rest der Welt ein Problem. Die Nationen, deren Währungen dadurch an Wert gewinnen, sind weniger konkurrenzfähig - was diese nicht hinnehmen wollen. Der Dollar hat in den vergangenen Jahren schon deutlich an Wert verloren - gegenüber fast allen wichtigen Währungen. Das zeigt auch ein Blick auf die Zehnjahres-Charts. Rund 33 Prozent hat der Dollar beispielsweise seit 2002 gegenüber dem Euro verloren - und das trotz Euro-Schuldenkrise.
Größter Gläubiger China verliert die Geduld
Ende 2011 kündigten China und Japan an, untereinander verstärkt in ihren eigenen Währungen zu handeln. Lassen sie Taten folgen, würde das den Dollar schwer treffen. Schließlich handelt es sich um die zweit- und die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Waren im Wert von 570 Milliarden Dollar werden jährlich zwischen Tokio und Peking ausgetauscht. Das entspricht rund vier Prozent des Welthandels.
Mit fast 1,2 Billionen Dollar US-Anleihen ist China zudem der größte Gläubiger der USA. Ein schwacher Dollar kostet der Volksrepublik also bares Geld, das sie in einem sicheren Hafen geparkt sehen will - und als solcher taugen die USA möglicherweise nicht mehr.
China macht schon länger keinen Hehl daraus, dass es eine neue globale Leitwährung unter Aufsicht des IWF für erforderlich hält. Die chinesische Zentralbank erklärte, die Krise habe gezeigt, wie gefährlich es sei, sich auf die Währung eines einzigen Landes zu verlassen. Anstelle einer Leitwährung soll daher ein Währungskorb eingeführt werden.
Mehrere ebenbürtige Währungen
Nicht nur China schlägt in diese Kerbe, auch die Weltbank - die mit Robert Zoellick immerhin von einem Amerikaner geführt wird. "Die gegenwärtige Dominanz des Dollars könnte um das Jahr 2025 herum zu Ende gehen und durch ein Währungssystem ersetzt werden, in dem der Dollar, der Euro und der Yuan als ebenbürtige Währungen gelten", prognostizieren Weltbank-Experten in einer Studie. Auch der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen spricht schon seit längerem von einem "Währungssystem im Übergang".
Die "Süddeutsche Zeitung" blickt in einer Analyse ähnlich in die Zukunft. Wahrscheinlich sei folgendes Szenario: „Die Zentralbanken lösen ihre allzu enge Bindung an den Dollar und schichten um - in Euro (heute), Yuan (morgen) und auch ein wenig in Gold. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits, dass Schwellenländer ihre Edelmetallreserven aufstocken."
Und damit wären wir wieder am Anfang: Eine Leitwährung basiert vor allem auf Vertrauen in die dahinter stehenden Volkswirtschaft. Und eine Volkswirtschaft, der am Markt uneingeschränkt Vertrauen entgegengebracht wird, gibt es heute nicht mehr.
***
PRO: Die Vorherrschaft des Dollar bleibt
PRODem "Greenback" wurde zuletzt das Ende als Leitwährung Nummer eins vorhergesagt. Vier Gründe, wieso auch Experten irren können
Die Diskussion kehrt in schöner Regelmäßigkeit wieder. Dann fragen sich Ökonomen, ob der Dollar seine Nummer-eins-Position halten kann oder sein Sturz bevorsteht. 2011 hat die Weltbank in einem Bericht die Debatte wieder neu entflammt. Danach soll die chinesische Regierung seit Monaten an einer Strategie arbeiten, die Bedeutung des Yuan weltweit auszuweiten und den Dollar als Leitwährung abzulösen. Im Dezember kündigten Japan und China an, ihren Handel miteinander auf die eigenen Währungen Yuan und Yen umzustellen. Einen Termin dafür nennen die beiden Länder aber nicht.
Das hat gute Gründe. Denn es gibt starke Argumente dafür, dass sich die Vorherrschaft des Dollar auch langfristig nicht ändern wird:
"Dollar-Falle"
China ist nach Daten des US-Finanzministeriums der größte Gläubiger der USA. Das Reich der Mitte hat bis zu 70 Prozent der Devisenreserven von umgerechnet etwa 2400 Milliarden Euro in auf Dollar lautenden Vermögenswerten angelegt. Und Peking weiß, dass es kaum eine andere Wahl hat. Denn nur auf dem Dollar-Markt sei das Angebot groß genug, um die hohen Summen aus China ohne Verwerfungen zu verkraften. Damit helfen sie der US-Regierung, ihr Haushaltsdefizit zu finanzieren. Ein umfangreicher Verkauf von US-Staatsanleihen oder die Konzentration der Neuinvestitionen auf andere Währungen würde sich direkt auf den Wert des Dollar auswirken. Würde das US-Finanzsystem crashen, geriete auch das chinesische Wirtschaftswunder in ernste Gefahr. Und diese Situation wollen die Chinesen sicherlich vermeiden.
Die Verrechnungseinheit
Der Dollar hat derzeit mit 60 Prozent den mit Abstand größten Anteil an den internationalen Währungsreserven. Darauf folgt der Euro mit 27 Prozent. Das britische Pfund und der japanische Yen halten einen Anteil von etwa vier Prozent an den internationalen Währungsreserven, den Rest teilen sich sonstige Währungen. Mit Blick auf diese Zahlen bleibe der US-Dollar "mindestens die nächsten zehn Jahre" die wichtigste Leitwährung der Welt, sagte Russlands Vizepremier und Finanzminister Alexej Kudrin am Rande einer UN-Konferenz, die dem Kampf gegen die globale Wirtschaftskrise gewidmet war. "Der Dollar ist heute die wichtigste Leitwährung in der Welt vor dem Euro. Es ist nicht leicht, diese Struktur zu ändern. Denn alle Verrechnungen in der Welt erfolgen entweder in Dollar oder in Euro", führte Kudrin aus. Selbst zwischen den Ländern, die den bilateralen Handel nicht in Dollar betreiben, erfolgen die Verrechnungen in Dollar. Die großen Konkurrenten Japan und China zahlen 60 Prozent ihres Handels miteinander mit US-Dollar. Und es gibt keine Idee, wie Verrechnungen tatsächlich anders abgewickelt werden können.
Welche Krise?
Die US-Wirtschaft ist nicht nur die weltgrößte, sondern doppelt so groß wie die auf Platz zwei rangierende chinesische. Das Pro-Kopf-Einkommen ist höher als das der BRIC-Staaten China, Indien, Russland und Brasilien zusammen. Trotz aller Bedenken über die Bonität der USA – Standard & Poor’s hat die Top-Bonität AAA entzogen - haben die Schwankungen des Weltmarkts die Dominanz des Dollar als Leitwährung nur gestärkt. Die Nachfrage nach US-Anleihen ist nach der Herabstufung sogar gestiegen. Natürlich stehen die USA vor gewaltigen Herausforderungen. Die Staatsverschuldung wächst, die Arbeitslosigkeit ist groß, die Reallöhne sind gesunken - all das nagt am Selbstwertgefühl des Landes. Dennoch: In keinem Land gibt es mehr Elitehochschulen, mehr multinationale Konzerne, mehr Innovationen an vorderster Technologiefront. Startups aus dem Silicon Valley haben stark an Fahrt aufgenommen. Bei den wirtschaftlich wichtigen Entwicklung unkonventioneller Fördertechnologien für Erdgas sind Amerikas Firmen führend. All das lässt den Schluss zu: Das Land bewältigt auch die aktuelle Krise.
Stärke der USA
Das Staatsdefizit der USA ist höher als das der Euroländer, auch das Leistungsbilanzdefizit der USA. Das sollte den Dollar eigentlich schwächen, aber das Gegenteil ist der Fall. In den USA reagiert die Wirtschaftspolitik einfach schneller auf Fehlentwicklungen als etwa Europa. Das zeigt auch der Blick in die Vergangenheit: So wurde das hohe Staatsdefizit der Reagan-Regierung durch eine aggressiv expansive Geldpolitik, begleitet auch von Steuererhöhungen, unter Nachfolger Clinton in einen Überschuss gewandelt. Warum sollte das nicht auch diesmal gelingen?
* DiePresse.com
Nicht nur ihr "AAA" haben die Amerikaner verloren. Auch die Ära der unangefochtenen Leitwährung US-Dollar neigt sich dem Ende zu
Die USA führen die Welt finanzpolitisch an. Immer noch werden deutlich mehr als 60 Prozent der Weltwährungsreserven in Dollar gehalten. Dennoch, es mehren sich die Zeichen, dass die Tage des Dollar als weltweite Leitwährung gezählt sind: Bei der Ratingagentur S&P haben die USA ihre Bestnote "AAA" verloren. Und mit China und Japan haben die zweit- und drittgrößte Volkswirtschaft der Erde beschlossen, künftig vermehrt in ihren eigenen Währungen zu handeln. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Folgende Argumente erklären, warum die Leitwährung US-Dollar ein Ablaufdatum hat.
Desaströser Staatshaushalt
Eine Leitwährung basiert vor allem auf Vertrauen in die Stabilität der dahinter stehenden Volkswirtschaft. US-Ökonom Jim Angel brachte es in der "Washington Post" auf den Punkt: "Es ist nicht so, dass Gott vor Moses auf dem Berg Sinai erschienen ist und sagte: Die USA werden immer 'AAA' sein. Unsere Reputation ist etwas, das wir uns verdient haben." Und der Ruf der USA hat sich während des Schuldenstreits im Jahr 2011 nicht gerade verbessert. Der Vertrauensverlust gipfelte darin, dass die USA bei der Ratingagentur S&P die Bestnote "AAA" verloren haben.
Damit schwindet auch das Vertrauen in den Dollar: Der desaströse US-Haushalt zwingt Inhaber von Dollar-Reserven, die Anlagen stärker zu streuen und auf andere Währungen zu verteilen. Im Zuge der US-Schuldenkrise könnte der Dollar innerhalb der kommenden 25 Jahren daher den Stellenwert als internationale Leitwährung verlieren. Zu diesem Fazit kam auch eine Befragung der Schweizer Bank UBS unter 80 Zentralbankern und Staatsfondsmanagern.
Gelddruckmaschine Fed schwächt Dollar
Die laxe Geldpolitik der US-Notenbank schwächt den Dollar. "Quantitative Easing" heißt das Werkzeug, mit dem die Fed seit Ausbruch der Finanzkrise hantiert. Es bedeutet nichts anderes, als dass die Fed mit frisch gedruckten Dollar Staatsanleihen aufkauft und so zusätzlich Liquidität in die Finanzmärkte pumpt. Mit jeder Banknote, den die Notenbanker in den Geldkreislauf bringen, verliert der Dollar an Wert.
Diese Dollar-Schwäche ist für den Rest der Welt ein Problem. Die Nationen, deren Währungen dadurch an Wert gewinnen, sind weniger konkurrenzfähig - was diese nicht hinnehmen wollen. Der Dollar hat in den vergangenen Jahren schon deutlich an Wert verloren - gegenüber fast allen wichtigen Währungen. Das zeigt auch ein Blick auf die Zehnjahres-Charts. Rund 33 Prozent hat der Dollar beispielsweise seit 2002 gegenüber dem Euro verloren - und das trotz Euro-Schuldenkrise.
Größter Gläubiger China verliert die Geduld
Ende 2011 kündigten China und Japan an, untereinander verstärkt in ihren eigenen Währungen zu handeln. Lassen sie Taten folgen, würde das den Dollar schwer treffen. Schließlich handelt es sich um die zweit- und die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Waren im Wert von 570 Milliarden Dollar werden jährlich zwischen Tokio und Peking ausgetauscht. Das entspricht rund vier Prozent des Welthandels.
Mit fast 1,2 Billionen Dollar US-Anleihen ist China zudem der größte Gläubiger der USA. Ein schwacher Dollar kostet der Volksrepublik also bares Geld, das sie in einem sicheren Hafen geparkt sehen will - und als solcher taugen die USA möglicherweise nicht mehr.
China macht schon länger keinen Hehl daraus, dass es eine neue globale Leitwährung unter Aufsicht des IWF für erforderlich hält. Die chinesische Zentralbank erklärte, die Krise habe gezeigt, wie gefährlich es sei, sich auf die Währung eines einzigen Landes zu verlassen. Anstelle einer Leitwährung soll daher ein Währungskorb eingeführt werden.
Mehrere ebenbürtige Währungen
Nicht nur China schlägt in diese Kerbe, auch die Weltbank - die mit Robert Zoellick immerhin von einem Amerikaner geführt wird. "Die gegenwärtige Dominanz des Dollars könnte um das Jahr 2025 herum zu Ende gehen und durch ein Währungssystem ersetzt werden, in dem der Dollar, der Euro und der Yuan als ebenbürtige Währungen gelten", prognostizieren Weltbank-Experten in einer Studie. Auch der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen spricht schon seit längerem von einem "Währungssystem im Übergang".
Die "Süddeutsche Zeitung" blickt in einer Analyse ähnlich in die Zukunft. Wahrscheinlich sei folgendes Szenario: „Die Zentralbanken lösen ihre allzu enge Bindung an den Dollar und schichten um - in Euro (heute), Yuan (morgen) und auch ein wenig in Gold. Erste Anzeichen dafür gibt es bereits, dass Schwellenländer ihre Edelmetallreserven aufstocken."
Und damit wären wir wieder am Anfang: Eine Leitwährung basiert vor allem auf Vertrauen in die dahinter stehenden Volkswirtschaft. Und eine Volkswirtschaft, der am Markt uneingeschränkt Vertrauen entgegengebracht wird, gibt es heute nicht mehr.
***
PRO: Die Vorherrschaft des Dollar bleibt
PRODem "Greenback" wurde zuletzt das Ende als Leitwährung Nummer eins vorhergesagt. Vier Gründe, wieso auch Experten irren können
Die Diskussion kehrt in schöner Regelmäßigkeit wieder. Dann fragen sich Ökonomen, ob der Dollar seine Nummer-eins-Position halten kann oder sein Sturz bevorsteht. 2011 hat die Weltbank in einem Bericht die Debatte wieder neu entflammt. Danach soll die chinesische Regierung seit Monaten an einer Strategie arbeiten, die Bedeutung des Yuan weltweit auszuweiten und den Dollar als Leitwährung abzulösen. Im Dezember kündigten Japan und China an, ihren Handel miteinander auf die eigenen Währungen Yuan und Yen umzustellen. Einen Termin dafür nennen die beiden Länder aber nicht.
Das hat gute Gründe. Denn es gibt starke Argumente dafür, dass sich die Vorherrschaft des Dollar auch langfristig nicht ändern wird:
"Dollar-Falle"
China ist nach Daten des US-Finanzministeriums der größte Gläubiger der USA. Das Reich der Mitte hat bis zu 70 Prozent der Devisenreserven von umgerechnet etwa 2400 Milliarden Euro in auf Dollar lautenden Vermögenswerten angelegt. Und Peking weiß, dass es kaum eine andere Wahl hat. Denn nur auf dem Dollar-Markt sei das Angebot groß genug, um die hohen Summen aus China ohne Verwerfungen zu verkraften. Damit helfen sie der US-Regierung, ihr Haushaltsdefizit zu finanzieren. Ein umfangreicher Verkauf von US-Staatsanleihen oder die Konzentration der Neuinvestitionen auf andere Währungen würde sich direkt auf den Wert des Dollar auswirken. Würde das US-Finanzsystem crashen, geriete auch das chinesische Wirtschaftswunder in ernste Gefahr. Und diese Situation wollen die Chinesen sicherlich vermeiden.
Die Verrechnungseinheit
Der Dollar hat derzeit mit 60 Prozent den mit Abstand größten Anteil an den internationalen Währungsreserven. Darauf folgt der Euro mit 27 Prozent. Das britische Pfund und der japanische Yen halten einen Anteil von etwa vier Prozent an den internationalen Währungsreserven, den Rest teilen sich sonstige Währungen. Mit Blick auf diese Zahlen bleibe der US-Dollar "mindestens die nächsten zehn Jahre" die wichtigste Leitwährung der Welt, sagte Russlands Vizepremier und Finanzminister Alexej Kudrin am Rande einer UN-Konferenz, die dem Kampf gegen die globale Wirtschaftskrise gewidmet war. "Der Dollar ist heute die wichtigste Leitwährung in der Welt vor dem Euro. Es ist nicht leicht, diese Struktur zu ändern. Denn alle Verrechnungen in der Welt erfolgen entweder in Dollar oder in Euro", führte Kudrin aus. Selbst zwischen den Ländern, die den bilateralen Handel nicht in Dollar betreiben, erfolgen die Verrechnungen in Dollar. Die großen Konkurrenten Japan und China zahlen 60 Prozent ihres Handels miteinander mit US-Dollar. Und es gibt keine Idee, wie Verrechnungen tatsächlich anders abgewickelt werden können.
Welche Krise?
Die US-Wirtschaft ist nicht nur die weltgrößte, sondern doppelt so groß wie die auf Platz zwei rangierende chinesische. Das Pro-Kopf-Einkommen ist höher als das der BRIC-Staaten China, Indien, Russland und Brasilien zusammen. Trotz aller Bedenken über die Bonität der USA – Standard & Poor’s hat die Top-Bonität AAA entzogen - haben die Schwankungen des Weltmarkts die Dominanz des Dollar als Leitwährung nur gestärkt. Die Nachfrage nach US-Anleihen ist nach der Herabstufung sogar gestiegen. Natürlich stehen die USA vor gewaltigen Herausforderungen. Die Staatsverschuldung wächst, die Arbeitslosigkeit ist groß, die Reallöhne sind gesunken - all das nagt am Selbstwertgefühl des Landes. Dennoch: In keinem Land gibt es mehr Elitehochschulen, mehr multinationale Konzerne, mehr Innovationen an vorderster Technologiefront. Startups aus dem Silicon Valley haben stark an Fahrt aufgenommen. Bei den wirtschaftlich wichtigen Entwicklung unkonventioneller Fördertechnologien für Erdgas sind Amerikas Firmen führend. All das lässt den Schluss zu: Das Land bewältigt auch die aktuelle Krise.
Stärke der USA
Das Staatsdefizit der USA ist höher als das der Euroländer, auch das Leistungsbilanzdefizit der USA. Das sollte den Dollar eigentlich schwächen, aber das Gegenteil ist der Fall. In den USA reagiert die Wirtschaftspolitik einfach schneller auf Fehlentwicklungen als etwa Europa. Das zeigt auch der Blick in die Vergangenheit: So wurde das hohe Staatsdefizit der Reagan-Regierung durch eine aggressiv expansive Geldpolitik, begleitet auch von Steuererhöhungen, unter Nachfolger Clinton in einen Überschuss gewandelt. Warum sollte das nicht auch diesmal gelingen?
* DiePresse.com
Die Tage des Dollar-Privilegs sind gezählt
US-Starökonom Barry Eichengreen
Das Feld der Währungspolitik ist politisch vermint. Berkeley-Ökonom Barry Eichengreen erklärt im Interview mit manager magazin Online, was das Privileg der Weltleitwährung wert ist, warum am Abstieg des Dollar kein Weg vorbeiführt - und er immer noch große Hoffnungen auf den Euro setzt.
mm: Professor Eichengreen, die meisten US-Ökonomen sehen den Euro als gescheitertes Experiment an. Sie nicht.
Eichengreen: Wahrscheinlich bin ich momentan sogar der einzige US-Ökonom, der darauf vertraut, dass der Euro Erfolg haben und auch in naher Zukunft dem Dollar auf globaler Ebene Konkurrenz machen wird. Wir können diskutieren, ob seine Einführung in dieser Form eine gute Idee war. Aber da es ihn nun mal gibt, ist jetzt Wasser unter der Brücke, wie wir in Amerika sagen.
mm: Also wäre es nutzlos zu überlegen, ob wir ohne den Euro besser fahren könnten?
Eichengreen: Ökonomisch gesehen ist es sehr teuer, die Währungsunion zum Funktionieren zu bringen. Sie aufzulösen, wäre aber noch teurer. Daher wird Europa alles Nötige tun, um den Euro voranzubringen. Politisch gesehen ist der Euro eine Investition in die europäische Einigung und sein Scheitern wäre ein gewaltiger Schock. Der Euro ist hier, um zu bleiben. Der Prozess, der zu seiner Einführung 1999 führte, lässt sich nicht umkehren. So ist das mit manchen historischen Entwicklungen.
mm: Komisch, dass Sie als Ökonom das politische Motiv betonen. In Ihrem neuen Buch über "Das Dollar-Privileg" erscheint die Weltgeschichte der Währungspolitik vor allem politisch getrieben.
Eichengreen: Na ja, wirtschaftliche Gründe spielen genauso eine Rolle. Aber tatsächlich haben Währungen einen hohen symbolischen Wert. Die europäische Währung ist wie die europäische Flagge. Die Schöpfer des Euro und vorher des Gemeinsamen Markts haben darin vor allem ein Mittel gesehen, die politische Integration zu befördern.
Auf der anderen Seite sind gerade deshalb Europas Mühen, die Krise zu lösen, so schwierig, weil es großen Widerstand gegen die politische Integration gibt. Es gibt Widerstand gegen Euro-Bonds, gegen die Idee eines starken EU-Präsidenten, eines starken Europaparlaments, das ein politisches Gegengewicht zu stärkerer fiskalischer und wirtschaftlicher Union sein könnte. Aber das alles wird kommen und Europa wird im Lauf der Zeit seine Währungsunion vervollständigen. Dann wird auch der Euro seinen Platz auf der globalen Bühne einnehmen.
mm: Die Europäische Union verfolgt offiziell das Ziel, dem Dollar den Rang als Weltleitwährung abzulaufen. Das erscheint derzeit ganz schön vermessen, oder?
Eichengreen: Der Dollar ist immer noch die mit weitem Abstand führende Weltwährung. Das gesamte Finanzsystem dreht sich um ihn, 60 Prozent der Währungsreserven werden in Dollar gehalten und in ganzen 85 Prozent der Devisentransaktionen wird mit Dollar gehandelt. Eine Flucht in Sicherheit bedeutet immer noch eine Flucht in den Dollar; selbst wenn Probleme wie in der Finanzkrise von den USA ausgehen, fliehen die Leute in den Dollar statt hinaus, weil er so liquide ist. Der Markt für US-Staatsanleihen ist wohl der liquideste Kapitalmarkt der Welt, und daher brauchen Zentralbanken und Unternehmen für ihre Reserven und Handelsfinanzierung den Dollar. Daher genießen die USA ein unverschämtes Privileg.
"Die USA haben kein Monopol auf Wirtschaftswachstum"
mm: Was genau ist dieses Privileg der Weltleitwährung wert?
Eichengreen: Ich schätze, dass das US-Volkseinkommen dank dieses Privilegs 2 Prozent höher ist als es sonst wäre, das entspricht dem Wert des Wirtschaftswachstums eines Jahres. Das ist nicht die Welt, aber schon eine beachtliche Zahl, und wenn die Wirtschaft mal nicht wächst, merken wir schnell, wie wichtig dieses Wachstum ist.
Wir können BMWs kaufen, indem wir ausländischen Zentralbanken grüne Papierscheine schicken. Dank des Dollar-Privilegs können wir uns höhere Haushaltsdefizite zu niedrigeren Zinskosten und höhere Handelsdefizite leisten. Außerdem genießen die USA eine Art automatischer Versicherung: Immer wenn die Anleger Angst bekommen, steigt der Dollar und damit unser Vermögen - auch wenn die Ursache bei uns liegt, wie im Fall Lehman Brothers oder dem Streit um die Schuldenobergrenze im vergangenen Sommer.
mm: Nun behaupten Sie, dass die USA dieses Privileg zu verlieren drohen.
Eichengreen: So kann es nicht ewig weitergehen. Die Welt braucht Liquidität und sichere Geldanlagen. Zentralbanken und Unternehmen brauchen Barreserven, Händler brauchen liquide Schuldscheine, um sich Geld zu leihen und Importe zu finanzieren. Die USA können diese Liquidität nicht in dem Maß liefern, das die wachsende Weltwirtschaft braucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Vormacht des Dollars noch sinnvoll, da standen die USA für die halbe Industrieproduktion der Welt. Heute machen wir noch 20 Prozent der Weltwirtschaft aus. Schwellenländer wachsen schneller als wir, weil sie im Wohlstand aufholen, weil die USA kein Monopol auf Wirtschaftswachstum haben. Die Tage des Dollar-Privilegs sind gezählt.
mm: Das Ende der Vormacht des Dollars wurde aber schon oft ausgerufen, wie auch in Ihrem Buch zu lesen ist. Eingetreten ist es bisher nicht.
Eichengreen: Es wird andere Quellen für internationale Liquidität geben müssen, wenn die Globalisierung des 21. Jahrhunderts bestehen soll. Die einzigen möglichen Lieferanten von ausreichend liquiden Mitteln sind die Euro-Zone und China. Mein Hoffnungsszenario besteht darin, dass beide ihre jeweiligen Probleme bewältigen, die Euro-Zone aus ihrer Krise herauswächst und China seine Währung erfolgreich internationalisiert. Wenn das passiert, dann gibt es eine Vielfalt von Quellen für liquide Mittel, und falls die USA einmal als Führungsmacht versagen, kann die Welt sich auf andere verlassen. Davon hätten wir alle etwas.
mm: Dann gibt es wohl noch ein pessimistisches Szenario …
Eichengreen: … wenn Europa und China nicht in die Pötte kommen. Sollten die Anleger dann einmal das Vertrauen in den US-Dollar verlieren, dann käme es zu einem globalen Liquiditätsmangel, einer Klemme wie in den 30er Jahren. Das würde einen Kollaps der Globalisierung bedeuten, genau wie damals. Das steht auf dem Spiel.
"Wir reden über einen dramatischen Wandel des chinesischen Modells"
mm: In jüngster Zeit war oft von Währungskriegen die Rede. Länder wie Brasilien, die Schweiz oder auch China versuchten aber nicht ihre Währungen zu stärken sondern sie zu schwächen, um ihrer Exportindustrie zu helfen oder Kapitalzufluss zu bremsen. Müssten besonders die Chinesen diese Strategie aufgeben?
Eichengreen: Um seine Währung zu internationalisieren, braucht China eine ganze Menge wirtschaftlicher Reformen. Es hat schon begonnen, den Yuan für Handelsgeschäfte nutzbar zu machen, und in vorsichtigen Schritten auch für Kapitalanleger in Hongkong. Es wird den Zugang zu seinen Finanzmärkten, zur Anlage in Aktien und Schuldpapiere in China selbst öffnen müssen, und das verlangt auch einen flexibleren Wechselkurs. Die Kapitalströme von und nach China werden wachsen.
Wir reden hier über einen dramatischen Wandel des chinesischen Wirtschaftsmodells, eine ausgeglichenere Handelsbilanz, mehr Abstand zwischen chinesischen Banken und der Regierung, und so weiter. Genau das hat die chinesische Führung im Sinn. Wie schnell sie das erreichen kann, wissen wir nicht.
mm: China hat auch schon eine weitere Alternative zum Dollar ins Spiel gebracht, die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds. Sind die als Weltwährung geeignet?
Eichengreen: Das sehe ich nicht, und ich denke, die chinesische Führung hat von der Idee Abstand genommen. Vor drei Jahren hat der Gouverneur der Volksbank die These veröffentlicht, dass die Sonderziehungsrechte eine Alternative zum Dollar sein könnten, das war die Idee eines einzelnen chinesischen Amtsträgers. Seitdem ist aber nichts mehr in dieser Richtung aus Peking gekommen. Sie sehen die Internationalisierung des Yuan als Lösung ihrer eigenen Probleme und der Probleme der Welt an. Sie sehen, dass amerikanische Banken und Firmen einen Wettbewerbsvorteil genießen, weil sie ihre eigene Währung im Handel nutzen können, und das wollen sie auch für chinesische Banken und Firmen. Darum kreist ihr Denken und Handeln der vergangenen drei Jahre.
mm: Bedeutet Ihr optimistisches Szenario für das Weltwährungssystem auch, dass die globalen Ungleichgewichte verschwinden?
Eichengreen: Mich kümmert mehr die Liquiditätsnot des Welthandels in den kommenden Jahrzehnten als die momentanen Ungleichgewichte im Handel. Aber ja, neben den Herausforderungen für China und Europa gibt es auch welche für Amerika. Wir müssen das internationale Vertrauen in unsere Währung erhalten. Dazu gehört auch, mit unserem Doppeldefizit, dem Haushaltsdefizit und dem Handelsdefizit, fertig zu werden. In den vergangenen fünf Jahren haben wir schon Fortschritte in der Handelsbilanz gesehen, da der Wechselkurs des Dollar nachgab.
"Steuersenkungen in Deutschland würden helfen"
mm: Deutschland dagegen fährt weiterhin hohe Handelsüberschüsse ein.
Eichengreen: Bisher ja. Das ist ein Hinweis darauf, wie stark Deutschland vom Euro profitiert. Seine günstigen Wechselkurse haben dazu beigetragen, das Exportwunder zu ermöglichen. Aber diese positive Handelsbilanz ist Teil dessen, was Südeuropa gerade das Leben so schwer macht. Nicht nur auf weltweiter Ebene brauchen wir einen Ausgleich der Ungleichgewichte, sondern auch innerhalb Europas. Wenn Südeuropa weniger ausgeben kann, dann muss Nordeuropa mehr ausgeben. Wenn Südeuropa mehr exportieren soll, muss Nordeuropa mehr importieren. Jeder, der einfache Arithmetik beherrscht, versteht das. Aber diese Dinge werden nicht diskutiert.
mm: Was genau müsste passieren?
Eichengreen: Mehr Ausgaben in Nordeuropa bedeuten sowohl mehr Investitionen - Deutschland hatte in den vergangenen zehn Jahren eine sehr niedrige Investitionsquote, es gibt aber Anzeichen für Fortschritte - als auch mehr privaten Konsum. Um den in Gang zu bringen, könnten Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben helfen, ein ganz anderer Kurs in der Fiskalpolitik, als ihn Deutschland bisher geht. Ohne das ist es schwer sich vorzustellen, wie Europa wieder ins Gleichgewicht kommt.
mm: Hier sehen wir wieder, wie politische Interessen mit der ökonomischen Logik in Konflikt geraten. Wie kommen Sie dazu, Europa auf dem Weg in die Fiskalunion zu sehen?
Eichengreen: Ich erwarte nicht, dass 2012 eine volle politische oder Fiskalunion zustande kommt. Aber manche Aufgaben stellen sich einfach aus der Notwendigkeit. In den kommenden Jahren wird es nötig sein, die Bankenkontrolle stärker der Europäischen Bankenaufsicht zu übertragen. Europa braucht eine gemeinsame Einlagensicherung, um mit grenzüberschreitenden Bankpleiten umgehen zu können, und ausreichende, dauerhafte Notfallfonds im Europäischen Stabilitätsmechanismus. Man kann keine halbe Währungsunion betreiben, nur mit einer Zentralbank, Münzen und Scheinen, aber ohne die anderen Elemente. Europa muss sich bewegen, vor oder zurück. In der bisherigen Geschichte hat es sich an solchen Punkten immer für den Weg nach vorn entschieden.
mm: Wenn auch in kleinen Schritten …
Eichengreen: Ja. Viele fordern einen Quantensprung in der europäischen Integration. Frau Merkel hat aber klar gemacht, dass es einen solchen Quantensprung nicht geben wird. Es wird Jahre dauern, die europäischen Institutionen zu stärken. Aber Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut.
* MM
Das Feld der Währungspolitik ist politisch vermint. Berkeley-Ökonom Barry Eichengreen erklärt im Interview mit manager magazin Online, was das Privileg der Weltleitwährung wert ist, warum am Abstieg des Dollar kein Weg vorbeiführt - und er immer noch große Hoffnungen auf den Euro setzt.
mm: Professor Eichengreen, die meisten US-Ökonomen sehen den Euro als gescheitertes Experiment an. Sie nicht.
Eichengreen: Wahrscheinlich bin ich momentan sogar der einzige US-Ökonom, der darauf vertraut, dass der Euro Erfolg haben und auch in naher Zukunft dem Dollar auf globaler Ebene Konkurrenz machen wird. Wir können diskutieren, ob seine Einführung in dieser Form eine gute Idee war. Aber da es ihn nun mal gibt, ist jetzt Wasser unter der Brücke, wie wir in Amerika sagen.
mm: Also wäre es nutzlos zu überlegen, ob wir ohne den Euro besser fahren könnten?
Eichengreen: Ökonomisch gesehen ist es sehr teuer, die Währungsunion zum Funktionieren zu bringen. Sie aufzulösen, wäre aber noch teurer. Daher wird Europa alles Nötige tun, um den Euro voranzubringen. Politisch gesehen ist der Euro eine Investition in die europäische Einigung und sein Scheitern wäre ein gewaltiger Schock. Der Euro ist hier, um zu bleiben. Der Prozess, der zu seiner Einführung 1999 führte, lässt sich nicht umkehren. So ist das mit manchen historischen Entwicklungen.
mm: Komisch, dass Sie als Ökonom das politische Motiv betonen. In Ihrem neuen Buch über "Das Dollar-Privileg" erscheint die Weltgeschichte der Währungspolitik vor allem politisch getrieben.
Eichengreen: Na ja, wirtschaftliche Gründe spielen genauso eine Rolle. Aber tatsächlich haben Währungen einen hohen symbolischen Wert. Die europäische Währung ist wie die europäische Flagge. Die Schöpfer des Euro und vorher des Gemeinsamen Markts haben darin vor allem ein Mittel gesehen, die politische Integration zu befördern.
Auf der anderen Seite sind gerade deshalb Europas Mühen, die Krise zu lösen, so schwierig, weil es großen Widerstand gegen die politische Integration gibt. Es gibt Widerstand gegen Euro-Bonds, gegen die Idee eines starken EU-Präsidenten, eines starken Europaparlaments, das ein politisches Gegengewicht zu stärkerer fiskalischer und wirtschaftlicher Union sein könnte. Aber das alles wird kommen und Europa wird im Lauf der Zeit seine Währungsunion vervollständigen. Dann wird auch der Euro seinen Platz auf der globalen Bühne einnehmen.
mm: Die Europäische Union verfolgt offiziell das Ziel, dem Dollar den Rang als Weltleitwährung abzulaufen. Das erscheint derzeit ganz schön vermessen, oder?
Eichengreen: Der Dollar ist immer noch die mit weitem Abstand führende Weltwährung. Das gesamte Finanzsystem dreht sich um ihn, 60 Prozent der Währungsreserven werden in Dollar gehalten und in ganzen 85 Prozent der Devisentransaktionen wird mit Dollar gehandelt. Eine Flucht in Sicherheit bedeutet immer noch eine Flucht in den Dollar; selbst wenn Probleme wie in der Finanzkrise von den USA ausgehen, fliehen die Leute in den Dollar statt hinaus, weil er so liquide ist. Der Markt für US-Staatsanleihen ist wohl der liquideste Kapitalmarkt der Welt, und daher brauchen Zentralbanken und Unternehmen für ihre Reserven und Handelsfinanzierung den Dollar. Daher genießen die USA ein unverschämtes Privileg.
"Die USA haben kein Monopol auf Wirtschaftswachstum"
mm: Was genau ist dieses Privileg der Weltleitwährung wert?
Eichengreen: Ich schätze, dass das US-Volkseinkommen dank dieses Privilegs 2 Prozent höher ist als es sonst wäre, das entspricht dem Wert des Wirtschaftswachstums eines Jahres. Das ist nicht die Welt, aber schon eine beachtliche Zahl, und wenn die Wirtschaft mal nicht wächst, merken wir schnell, wie wichtig dieses Wachstum ist.
Wir können BMWs kaufen, indem wir ausländischen Zentralbanken grüne Papierscheine schicken. Dank des Dollar-Privilegs können wir uns höhere Haushaltsdefizite zu niedrigeren Zinskosten und höhere Handelsdefizite leisten. Außerdem genießen die USA eine Art automatischer Versicherung: Immer wenn die Anleger Angst bekommen, steigt der Dollar und damit unser Vermögen - auch wenn die Ursache bei uns liegt, wie im Fall Lehman Brothers oder dem Streit um die Schuldenobergrenze im vergangenen Sommer.
mm: Nun behaupten Sie, dass die USA dieses Privileg zu verlieren drohen.
Eichengreen: So kann es nicht ewig weitergehen. Die Welt braucht Liquidität und sichere Geldanlagen. Zentralbanken und Unternehmen brauchen Barreserven, Händler brauchen liquide Schuldscheine, um sich Geld zu leihen und Importe zu finanzieren. Die USA können diese Liquidität nicht in dem Maß liefern, das die wachsende Weltwirtschaft braucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Vormacht des Dollars noch sinnvoll, da standen die USA für die halbe Industrieproduktion der Welt. Heute machen wir noch 20 Prozent der Weltwirtschaft aus. Schwellenländer wachsen schneller als wir, weil sie im Wohlstand aufholen, weil die USA kein Monopol auf Wirtschaftswachstum haben. Die Tage des Dollar-Privilegs sind gezählt.
mm: Das Ende der Vormacht des Dollars wurde aber schon oft ausgerufen, wie auch in Ihrem Buch zu lesen ist. Eingetreten ist es bisher nicht.
Eichengreen: Es wird andere Quellen für internationale Liquidität geben müssen, wenn die Globalisierung des 21. Jahrhunderts bestehen soll. Die einzigen möglichen Lieferanten von ausreichend liquiden Mitteln sind die Euro-Zone und China. Mein Hoffnungsszenario besteht darin, dass beide ihre jeweiligen Probleme bewältigen, die Euro-Zone aus ihrer Krise herauswächst und China seine Währung erfolgreich internationalisiert. Wenn das passiert, dann gibt es eine Vielfalt von Quellen für liquide Mittel, und falls die USA einmal als Führungsmacht versagen, kann die Welt sich auf andere verlassen. Davon hätten wir alle etwas.
mm: Dann gibt es wohl noch ein pessimistisches Szenario …
Eichengreen: … wenn Europa und China nicht in die Pötte kommen. Sollten die Anleger dann einmal das Vertrauen in den US-Dollar verlieren, dann käme es zu einem globalen Liquiditätsmangel, einer Klemme wie in den 30er Jahren. Das würde einen Kollaps der Globalisierung bedeuten, genau wie damals. Das steht auf dem Spiel.
"Wir reden über einen dramatischen Wandel des chinesischen Modells"
mm: In jüngster Zeit war oft von Währungskriegen die Rede. Länder wie Brasilien, die Schweiz oder auch China versuchten aber nicht ihre Währungen zu stärken sondern sie zu schwächen, um ihrer Exportindustrie zu helfen oder Kapitalzufluss zu bremsen. Müssten besonders die Chinesen diese Strategie aufgeben?
Eichengreen: Um seine Währung zu internationalisieren, braucht China eine ganze Menge wirtschaftlicher Reformen. Es hat schon begonnen, den Yuan für Handelsgeschäfte nutzbar zu machen, und in vorsichtigen Schritten auch für Kapitalanleger in Hongkong. Es wird den Zugang zu seinen Finanzmärkten, zur Anlage in Aktien und Schuldpapiere in China selbst öffnen müssen, und das verlangt auch einen flexibleren Wechselkurs. Die Kapitalströme von und nach China werden wachsen.
Wir reden hier über einen dramatischen Wandel des chinesischen Wirtschaftsmodells, eine ausgeglichenere Handelsbilanz, mehr Abstand zwischen chinesischen Banken und der Regierung, und so weiter. Genau das hat die chinesische Führung im Sinn. Wie schnell sie das erreichen kann, wissen wir nicht.
mm: China hat auch schon eine weitere Alternative zum Dollar ins Spiel gebracht, die Sonderziehungsrechte des Internationalen Währungsfonds. Sind die als Weltwährung geeignet?
Eichengreen: Das sehe ich nicht, und ich denke, die chinesische Führung hat von der Idee Abstand genommen. Vor drei Jahren hat der Gouverneur der Volksbank die These veröffentlicht, dass die Sonderziehungsrechte eine Alternative zum Dollar sein könnten, das war die Idee eines einzelnen chinesischen Amtsträgers. Seitdem ist aber nichts mehr in dieser Richtung aus Peking gekommen. Sie sehen die Internationalisierung des Yuan als Lösung ihrer eigenen Probleme und der Probleme der Welt an. Sie sehen, dass amerikanische Banken und Firmen einen Wettbewerbsvorteil genießen, weil sie ihre eigene Währung im Handel nutzen können, und das wollen sie auch für chinesische Banken und Firmen. Darum kreist ihr Denken und Handeln der vergangenen drei Jahre.
mm: Bedeutet Ihr optimistisches Szenario für das Weltwährungssystem auch, dass die globalen Ungleichgewichte verschwinden?
Eichengreen: Mich kümmert mehr die Liquiditätsnot des Welthandels in den kommenden Jahrzehnten als die momentanen Ungleichgewichte im Handel. Aber ja, neben den Herausforderungen für China und Europa gibt es auch welche für Amerika. Wir müssen das internationale Vertrauen in unsere Währung erhalten. Dazu gehört auch, mit unserem Doppeldefizit, dem Haushaltsdefizit und dem Handelsdefizit, fertig zu werden. In den vergangenen fünf Jahren haben wir schon Fortschritte in der Handelsbilanz gesehen, da der Wechselkurs des Dollar nachgab.
"Steuersenkungen in Deutschland würden helfen"
mm: Deutschland dagegen fährt weiterhin hohe Handelsüberschüsse ein.
Eichengreen: Bisher ja. Das ist ein Hinweis darauf, wie stark Deutschland vom Euro profitiert. Seine günstigen Wechselkurse haben dazu beigetragen, das Exportwunder zu ermöglichen. Aber diese positive Handelsbilanz ist Teil dessen, was Südeuropa gerade das Leben so schwer macht. Nicht nur auf weltweiter Ebene brauchen wir einen Ausgleich der Ungleichgewichte, sondern auch innerhalb Europas. Wenn Südeuropa weniger ausgeben kann, dann muss Nordeuropa mehr ausgeben. Wenn Südeuropa mehr exportieren soll, muss Nordeuropa mehr importieren. Jeder, der einfache Arithmetik beherrscht, versteht das. Aber diese Dinge werden nicht diskutiert.
mm: Was genau müsste passieren?
Eichengreen: Mehr Ausgaben in Nordeuropa bedeuten sowohl mehr Investitionen - Deutschland hatte in den vergangenen zehn Jahren eine sehr niedrige Investitionsquote, es gibt aber Anzeichen für Fortschritte - als auch mehr privaten Konsum. Um den in Gang zu bringen, könnten Steuersenkungen und höhere Staatsausgaben helfen, ein ganz anderer Kurs in der Fiskalpolitik, als ihn Deutschland bisher geht. Ohne das ist es schwer sich vorzustellen, wie Europa wieder ins Gleichgewicht kommt.
mm: Hier sehen wir wieder, wie politische Interessen mit der ökonomischen Logik in Konflikt geraten. Wie kommen Sie dazu, Europa auf dem Weg in die Fiskalunion zu sehen?
Eichengreen: Ich erwarte nicht, dass 2012 eine volle politische oder Fiskalunion zustande kommt. Aber manche Aufgaben stellen sich einfach aus der Notwendigkeit. In den kommenden Jahren wird es nötig sein, die Bankenkontrolle stärker der Europäischen Bankenaufsicht zu übertragen. Europa braucht eine gemeinsame Einlagensicherung, um mit grenzüberschreitenden Bankpleiten umgehen zu können, und ausreichende, dauerhafte Notfallfonds im Europäischen Stabilitätsmechanismus. Man kann keine halbe Währungsunion betreiben, nur mit einer Zentralbank, Münzen und Scheinen, aber ohne die anderen Elemente. Europa muss sich bewegen, vor oder zurück. In der bisherigen Geschichte hat es sich an solchen Punkten immer für den Weg nach vorn entschieden.
mm: Wenn auch in kleinen Schritten …
Eichengreen: Ja. Viele fordern einen Quantensprung in der europäischen Integration. Frau Merkel hat aber klar gemacht, dass es einen solchen Quantensprung nicht geben wird. Es wird Jahre dauern, die europäischen Institutionen zu stärken. Aber Rom wurde auch nicht an einem Tag gebaut.
* MM
Dollar-Dominanz: "Totgesagte leben länger"
Währungsexperte Wolfgang Filc von der deutschen Uni Trier erklärt im DiePresse.com-Interview, warum die Vorhersage vom Niedergang des Dollar übertrieben ist
1971 brüskierte der damalige US-Finanzminister John Connally seine Amtskollegen aus den Industrienationen: Der Dollar sei "zwar unsere Währung – aber euer Problem". Hat dieser Satz auch heute noch Gültigkeit?
Ja, sicher. 1971 begann die Endphase des Festkurssystems von Bretton Woods. Der US-Dollar war gegenüber dem Gold fixiert - eine Feinmünze gleich 35 Dollar - alle anderen Währungen gegenüber dem Dollar. Damals war der Dollar als Folge eines hohen Leistungsbilanzdefizits der USA überbewertet. Der Ratschlag der USA war es, dass alle anderen Währungen gegenüber dem Dollar aufwerten sollten. Eine einseitige Abwertung des Dollar kam nicht in Frage. Das war Dominanz. Auch heute ist der Dollar noch der Hegemon im Weltfinanzsystem. Internationale Kooperation in Währungsfragen wird in den USA nur akzeptiert, wenn sich sofort messbare Vorteile für die amerikanische Wirtschaft ergeben. Der Dollar regiert.
In 25 Jahren könnte der Dollar seinen Status als Reservewährung der Welt verloren haben. Das geht aus einer Umfrage unter Zentralbankmanagern und Staatsfondsmanager hervor. Als Grund werden die negative Entwicklung der US-Finanzen und Defizite der Leistungsbilanzen genannt. Wie sehen Sie das?
Wer heute bei den anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten eine Prognose über das Währungssystem in 25 Jahren macht, gehört auf die Couch. Alles ist möglich. Was spricht gegenwärtig gegen den Dollar? Das Staatsdefizit der USA ist höher als das der Euroländer, auch das Leistungsbilanzdefizit der USA. Das sollte den Dollar schwächen, aber das Gegenteil ist der Fall. Warum? Einmal ist der Dollar nach wie vor der Dominator der Weltfinanzmärkte. Zum anderen reagiert die Wirtschaftspolitik in den USA auf Fehlentwicklungen rascher und flexibler als in der EU. Das Leistungsbilanzdefizit der USA geht seit drei Jahren kontinuierlich zurück. Das hohe Staatsdefizit der Reagan-Administration wurde mit dem Greenspan-Clinton-Policy-Mix, durch eine aggressiv expansive Geldpolitik, Steuererhöhungen und Ausgabekürzungen in wenigen Jahren in einen Überschuss gewandelt. Das kann sich wiederholen und das stützt das Vertrauen hinsichtlich des Dollars als wichtigste Reservewährung.
Die hohen US-Staatsschulden zwingen Investoren ihre Anlagen stärker zu streuen, also auch auf andere Währungen zu verteilen. Was passiert, wenn China seine Dollar-Positionen schlagartig verkauft?
Ein Anreiz ergibt sich hierfür nur, wenn Anleger die Ertrags-Risiko-Konstellation amerikanischer Staatsschuldtitel schlechter einschätzen als alternative Anlagen. Gegenwärtig ist das nicht zu erkennen. Aber klar ist auch, dass die Finanzierung amerikanischer Defizite ebenso am Tropf Chinas hängt wie europäische Krisenländer am Tropf Deutschlands. China verfügt über Währungsreserven von mehr als zwei Billionen Dollar, angelegt in amerikanischen Staatsschuldtiteln. Ein schlagartiges Abstoßen eines Großteils dieser Dollar-Reserven würde eine weltweite Katastrophe auslösen - steil steigende Zinssätze, denen sich kein Land entziehen könnte, ein rapider Kursrutsch an den Wertpapiermärkten und ein Einbruch des Dollarkurses. Daran kann niemand interessiert sein, zuletzt China, weil sich der Wert ihrer Währungsreserven halbieren könnte.
Weltbank-Chef Robert Zoellick hat schon vor längerem ein neues Währungssystem vorgeschlagen, das auf verschiedenen Leitwährungen basieren sollte. Kann das funktionieren?
Das ist eine realistische Perspektive, wären die USA bereit, sich von ihrer Position als Finanzhegemon zu trennen. Vielfach wurde ein tripolares Währungssystem im Dreieck USA-EU-Asien mit Japan und China als Führungsmächte vorgeschlagen. An diese Währungsräume könnten sich Währungen anderer Länder in einer ihnen als geeignet erscheinenden Form ankoppeln. Das wäre eine Konstellation aus regionaler Kooperation und Globalisierung der Finanzbeziehungen, die das Finanzystem stabiler machen könnte. Aber das scheitert bislang an dem Widerstand der USA.
Könnten Renminbi oder Euro den Dollar in naher Zukunft tatsächlich als Leitwährung ablösen?
Der Renminbi ist eine lokal geltende Währung, die allein von der Zentralbank Chinas in andere Währungen getauscht werden kann. Daneben ist das chinesische Bankensystem weit entfernt von einer marktwirtschaftlichen Ordnung mit entsprechender Bankenaufsicht. Bis der Renminbi zu einer Leitwährung aufsteigen kann, wird es wohl noch viele Jahre brauchen. Der Euro hat diese Defizite nicht. Er ist bereits zweitwichtigste Reservewährung. Aber die Verwerfungen im Euro-Raum haben Unzulänglichkeiten deutlich gemacht. Eine Währungsunion wird wohl nur in einer Wirtschaftsunion bestehen können, die diese Bezeichnung auch verdient. Dazu bedarf es einer sehr viel stärkeren Kooperation der Teilnehmerländer bei der Fiskal- und Lohnpolitik. Wird das erreicht, so wird das Potenzial des Euro als zweite Leitwährung neben dem Dollar besser genutzt werden.
Die UNO hat 2010 die Rolle der US-Notenbank scharf kritisiert. Deren Politik habe weltweit zu einer massiven Ausweitung der Geldmenge geführt. Dadurch könnten neue Vermögensblasen entstehen. Wie sehen sie die Rolle der Fed?
Diese Kritik bezieht sich wohl eher auf die Hypothekenkrise in den USA 2008. Gegenwärtig wurde in vielen großen Wirtschaftsräumen der Welt die Bankenliquidität als Folge expansiver Geldpolitik sehr stark ausgeweitet, weniger die Geldmenge, also den Banknotenumlauf und Guthaben der Nicht-Banken bei Geschäftsbanken. So steigt die Geldmenge M3 in der Eurozone gerade einmal um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Geldmenge wird erst steigen, wenn die Bankenliquidität in Kredite an Nicht-Banken transformiert wird. Dann müssen Zentralbanken rasch reagieren und Liquidität absaugen, um Preisblasen an Vermögensmärkten auszuschließen.
Immer wieder wird das Ende des Papiergelds, also auch des Dollars, prophezeit. Auch von einer Rückkehr zum Goldstandard ist zu hören. Welche Rolle spielt Gold angesichts solcher Szenarien?
Die Akzeptanz einer Währung basiert auf dem Vertrauen der Menschen. Fehlt es hieran, so werden andere Güter als Mittel zum Tausch und zur Wertaufbewahrung herangezogen - so in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg Zigaretten, in Polen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks Dieselöl, heute eben Betongold und Feingold. Aber immer wieder hat sich nach einer Wiederherstellung des Vertrauens in einen stabilen Geldwert Papiergeld als Standard durchgesetzt. Ich wüsste nicht warum es diesmal anders kommen sollte, vorausgesetzt die augenfälligen Bauarbeiten im Welt-Finanzsystem werden erledigt.
Der Anteil der US-Währung an den weltweiten Devisenreserven hat zuletzt wieder stark zugenommen. Die Nachfrage nach US-Staatsanleihen boomt. Ist also die Vorhersage des Niedergangs des Dollars übertrieben?
Ja, übertrieben. Totgesagte leben länger, zumal es, siehe oben, gegenwärtig kein besseres Substitut für den Dollar gibt.
1971 brüskierte der damalige US-Finanzminister John Connally seine Amtskollegen aus den Industrienationen: Der Dollar sei "zwar unsere Währung – aber euer Problem". Hat dieser Satz auch heute noch Gültigkeit?
Ja, sicher. 1971 begann die Endphase des Festkurssystems von Bretton Woods. Der US-Dollar war gegenüber dem Gold fixiert - eine Feinmünze gleich 35 Dollar - alle anderen Währungen gegenüber dem Dollar. Damals war der Dollar als Folge eines hohen Leistungsbilanzdefizits der USA überbewertet. Der Ratschlag der USA war es, dass alle anderen Währungen gegenüber dem Dollar aufwerten sollten. Eine einseitige Abwertung des Dollar kam nicht in Frage. Das war Dominanz. Auch heute ist der Dollar noch der Hegemon im Weltfinanzsystem. Internationale Kooperation in Währungsfragen wird in den USA nur akzeptiert, wenn sich sofort messbare Vorteile für die amerikanische Wirtschaft ergeben. Der Dollar regiert.
In 25 Jahren könnte der Dollar seinen Status als Reservewährung der Welt verloren haben. Das geht aus einer Umfrage unter Zentralbankmanagern und Staatsfondsmanager hervor. Als Grund werden die negative Entwicklung der US-Finanzen und Defizite der Leistungsbilanzen genannt. Wie sehen Sie das?
Wer heute bei den anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten eine Prognose über das Währungssystem in 25 Jahren macht, gehört auf die Couch. Alles ist möglich. Was spricht gegenwärtig gegen den Dollar? Das Staatsdefizit der USA ist höher als das der Euroländer, auch das Leistungsbilanzdefizit der USA. Das sollte den Dollar schwächen, aber das Gegenteil ist der Fall. Warum? Einmal ist der Dollar nach wie vor der Dominator der Weltfinanzmärkte. Zum anderen reagiert die Wirtschaftspolitik in den USA auf Fehlentwicklungen rascher und flexibler als in der EU. Das Leistungsbilanzdefizit der USA geht seit drei Jahren kontinuierlich zurück. Das hohe Staatsdefizit der Reagan-Administration wurde mit dem Greenspan-Clinton-Policy-Mix, durch eine aggressiv expansive Geldpolitik, Steuererhöhungen und Ausgabekürzungen in wenigen Jahren in einen Überschuss gewandelt. Das kann sich wiederholen und das stützt das Vertrauen hinsichtlich des Dollars als wichtigste Reservewährung.
Die hohen US-Staatsschulden zwingen Investoren ihre Anlagen stärker zu streuen, also auch auf andere Währungen zu verteilen. Was passiert, wenn China seine Dollar-Positionen schlagartig verkauft?
Ein Anreiz ergibt sich hierfür nur, wenn Anleger die Ertrags-Risiko-Konstellation amerikanischer Staatsschuldtitel schlechter einschätzen als alternative Anlagen. Gegenwärtig ist das nicht zu erkennen. Aber klar ist auch, dass die Finanzierung amerikanischer Defizite ebenso am Tropf Chinas hängt wie europäische Krisenländer am Tropf Deutschlands. China verfügt über Währungsreserven von mehr als zwei Billionen Dollar, angelegt in amerikanischen Staatsschuldtiteln. Ein schlagartiges Abstoßen eines Großteils dieser Dollar-Reserven würde eine weltweite Katastrophe auslösen - steil steigende Zinssätze, denen sich kein Land entziehen könnte, ein rapider Kursrutsch an den Wertpapiermärkten und ein Einbruch des Dollarkurses. Daran kann niemand interessiert sein, zuletzt China, weil sich der Wert ihrer Währungsreserven halbieren könnte.
Weltbank-Chef Robert Zoellick hat schon vor längerem ein neues Währungssystem vorgeschlagen, das auf verschiedenen Leitwährungen basieren sollte. Kann das funktionieren?
Das ist eine realistische Perspektive, wären die USA bereit, sich von ihrer Position als Finanzhegemon zu trennen. Vielfach wurde ein tripolares Währungssystem im Dreieck USA-EU-Asien mit Japan und China als Führungsmächte vorgeschlagen. An diese Währungsräume könnten sich Währungen anderer Länder in einer ihnen als geeignet erscheinenden Form ankoppeln. Das wäre eine Konstellation aus regionaler Kooperation und Globalisierung der Finanzbeziehungen, die das Finanzystem stabiler machen könnte. Aber das scheitert bislang an dem Widerstand der USA.
Könnten Renminbi oder Euro den Dollar in naher Zukunft tatsächlich als Leitwährung ablösen?
Der Renminbi ist eine lokal geltende Währung, die allein von der Zentralbank Chinas in andere Währungen getauscht werden kann. Daneben ist das chinesische Bankensystem weit entfernt von einer marktwirtschaftlichen Ordnung mit entsprechender Bankenaufsicht. Bis der Renminbi zu einer Leitwährung aufsteigen kann, wird es wohl noch viele Jahre brauchen. Der Euro hat diese Defizite nicht. Er ist bereits zweitwichtigste Reservewährung. Aber die Verwerfungen im Euro-Raum haben Unzulänglichkeiten deutlich gemacht. Eine Währungsunion wird wohl nur in einer Wirtschaftsunion bestehen können, die diese Bezeichnung auch verdient. Dazu bedarf es einer sehr viel stärkeren Kooperation der Teilnehmerländer bei der Fiskal- und Lohnpolitik. Wird das erreicht, so wird das Potenzial des Euro als zweite Leitwährung neben dem Dollar besser genutzt werden.
Die UNO hat 2010 die Rolle der US-Notenbank scharf kritisiert. Deren Politik habe weltweit zu einer massiven Ausweitung der Geldmenge geführt. Dadurch könnten neue Vermögensblasen entstehen. Wie sehen sie die Rolle der Fed?
Diese Kritik bezieht sich wohl eher auf die Hypothekenkrise in den USA 2008. Gegenwärtig wurde in vielen großen Wirtschaftsräumen der Welt die Bankenliquidität als Folge expansiver Geldpolitik sehr stark ausgeweitet, weniger die Geldmenge, also den Banknotenumlauf und Guthaben der Nicht-Banken bei Geschäftsbanken. So steigt die Geldmenge M3 in der Eurozone gerade einmal um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Geldmenge wird erst steigen, wenn die Bankenliquidität in Kredite an Nicht-Banken transformiert wird. Dann müssen Zentralbanken rasch reagieren und Liquidität absaugen, um Preisblasen an Vermögensmärkten auszuschließen.
Immer wieder wird das Ende des Papiergelds, also auch des Dollars, prophezeit. Auch von einer Rückkehr zum Goldstandard ist zu hören. Welche Rolle spielt Gold angesichts solcher Szenarien?
Die Akzeptanz einer Währung basiert auf dem Vertrauen der Menschen. Fehlt es hieran, so werden andere Güter als Mittel zum Tausch und zur Wertaufbewahrung herangezogen - so in Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg Zigaretten, in Polen nach dem Zusammenbruch des Ostblocks Dieselöl, heute eben Betongold und Feingold. Aber immer wieder hat sich nach einer Wiederherstellung des Vertrauens in einen stabilen Geldwert Papiergeld als Standard durchgesetzt. Ich wüsste nicht warum es diesmal anders kommen sollte, vorausgesetzt die augenfälligen Bauarbeiten im Welt-Finanzsystem werden erledigt.
Der Anteil der US-Währung an den weltweiten Devisenreserven hat zuletzt wieder stark zugenommen. Die Nachfrage nach US-Staatsanleihen boomt. Ist also die Vorhersage des Niedergangs des Dollars übertrieben?
Ja, übertrieben. Totgesagte leben länger, zumal es, siehe oben, gegenwärtig kein besseres Substitut für den Dollar gibt.
Dollar steht vor Rally
Für John Kicklighter, Analyst bei der FXCM-Partnerseite DailyFX.com, ist die vorwöchige Aufholjagd des Dollars gegenüber allen seinen liquiden Gegenwerten bemerkenswert, wenn man bedenkt, welchen fundamentalen Gegenwind die Währung auszuhalten hatte. Erstens schien der Euro eine große Hürde genommen zu haben, um seine finanzielle Gesundheit zurückzuerlangen – das theoretisch verminderte Bedürfnis nach einem primären Gegenpart. Darüber hinaus waren die Arbeitsmarktzahlen (ex Landwirtschaft) im Februar besser als erwartet und könnten dazu beitragen, den besten Sechs-Monats-Jobanstieg seit 2006 noch auszuweiten. "Diejenigen, die die Performance des Dollars über einen beliebigen Zeitraum verfolgt haben, wissen, dass eine positive Lesart der wirtschaftlichen Leistung in Wirklichkeit eine Last für die Safe-Haven-Währung ist. Während der Euro und die Benchmarks für Risikotrends – ich bevorzuge den S&P 500 – normalerweise höher ansteigen, übertrifft der Dollar sie immer noch ganz klar. Und wenn negative Nachrichten heruntergespielt werden, während die positiven überhöht werden, haben wir die Basis für einen optimistischen Markt. Jetzt brauchen wir nur noch die 'positive Nachricht', um eine echte Rally zu befeuern", ist Kicklighter überzeugt.
Märkte können nun aktiv über Ausblick für Risikotrends nachdenken
Obwohl es kontraintuitiv erscheinen mag, war die dichte Runde an Ereignisrisiko, die die Märkte in der letzten Woche dominierte, mehr ein Dämpfer für die Kursentwicklung als ein Katalyst, so der DailyFX-Analyst. Das Zusteuern auf eine Freigabe oder Event, die die fundamentale Landschaft dramatisch verändern und Volatilität befeuern können, sei ein klarer Dämpfer für die Trendentwicklung. "Hinzu kommt, dass nachdem wir die langerwarteten Schlagzeilen ausgewertet hatten, sich herausstellte, dass die Ergebnisse im allgemeinen mit den Erwartungen übereinstimmten und der Markt daher gut aufgestellt war. Dadurch, dass diese disruptiven (und letztendlich ineffizienten) Episoden hinter uns liegen, werden die Kursbewegungen produktiv. Nun können die Märkte aktiv über einen langfristigen Ausblick für Risikotrends nachdenken", meint Kicklighter.
Meinung der Marktteilnehmer-Mehrheit basiert nicht immer auf Vernunft
Der Experte hatte zeitweise Bedenken bezüglich der jüngsten Aktienkuranstiege, der Kapitalmärkte und allgemeiner Investitionsstimmung – aber die Meinung der Mehrheit der Marktteilnehmer basiere nicht immer auf Vernunft. "Wenn die Hoffnung auf höhere Erträge und Wachstum fehlt, dann können Anreizprogramme eine Sucht nach Kapitalzuwächsen befriedigen. Jedoch ist es diese Abhängigkeit, in der wir letztlich den Zusammenbruch des aktuellen Bullenmarktes erkennen könnten", so Kicklighter. Unter der Annahme, dass der Anstieg bei wachstumsgebundenen Vermögensklassen auf mehrjährige Höchststände vor allem durch die kollektive Unterstützung der Notenbanken und Regierungen aus aller Welt befeuert wurde, dürfte der Grenznutzen verschwindend gering sein. Kicklighters Ansicht nach braucht es mehr Anreize, um den entscheidenden nächsten Schritt zu machen und uns symbolisch auf neue Höchststände zu heben – den S&P 500 über 1.400 Punkte, den Dow Jones Index über die 13.000 Punkte-Marke sowie zu neuen Rekordhöhen bei den Wechselkursen für AUD/USD, usw.
Fed trifft ins Herz des globalen Spekulationsmarktes
Im Umfeld eines Rückgangs des moralischen Risikos, haben die Spekulanten begonnen, Monate vorauszuschauen, um die mögliche Einführung eines weiteren Anreizprogramms der US-Notenbank einzupreisen. Warum die US-Notenbank? Da die Programme am umfangreichsten sind, trifft die Fed laut Kicklighter damit ins Herz des globalen Spekulationsmarktes – die mit diesen Programmen verbundenen niedrigen Zinsen nähren eine attraktive Quelle für Finanzierungen über Zinsunterschiede. Doch ist die Diskussion um die dritte quantitative Lockerung vernünftig oder übertrieben? "Zweifel daran, dass es diese Überlegung überhaupt gibt, sollten durch die negative Reaktion auf die Tatsache, dass US-Notenbankchef Ben Bernanke in seiner jüngsten Stellungnahme dieses Thema ausgespart hat, ausgeräumt sein. Wir werden sehen, wie selbstbewusst die Märkte durch die Zinsentscheidung des Offenmarktausschuss der US-Notenbank in der kommenden Woche sein werden", erklärt der DailyFX-Experte. "Wir sollten Ausschau halten nach Begriffen wie 'Umfang' oder 'Möglichkeit' einer weiteren Lockerung 'wenn es notwendig ist'. Wenn die Stimulus-Pumpe nicht vorgesehen ist und die Zentralbank am verbesserten wirtschaftlichen Ausblick, wie im Konjunkturbericht definiert, festhält, dann werden die Hoffnungen für ein drittes Quantitatives Lockerungs-Programm der US-Notenbank später im Jahr bald seltsam erscheinen."
Nach Meinung von Kicklighter wäre eine negative Reaktion der Kapitalmärkte, auf eine Entscheidung kein Anreizprogramm aufzulegen, ein Segen für den Dollar. Wenn Aktien- und andere spekulationsgetriebene Märkte überschuldet sind, könnte eine Abwicklung durchaus ungeordnet sein – besonders bei diesem hohen Niveau. Volatilität und Risikoscheu seien die Stärke des Dollars. Außerdem wird laut Kicklighter eine Abkehr von weiteren Anreizprogrammen den Fokus zurück auf den Ausgleich von Wachstum und Inflation lenken. "Und nach den Arbeitsmarktzahlen (ex Landwirtschaft) vom letzten Freitag, wird es ein starkes Interesse am Verbraucherpreisindex geben, der nächsten Freitag veröffentlicht wird. Während schon jetzt die Schlagzeilen einen Anstieg von 2,9 Prozent ankündigen – und die Kerninflation oberhalb der eigenen Zielvorgabe – könnte die Aussicht auf eine weitere quantitative Lockerung sich in eine Angst vor einem Anziehen der geldpolitischen Zügel wandeln", so Kicklighter abschließend
Märkte können nun aktiv über Ausblick für Risikotrends nachdenken
Obwohl es kontraintuitiv erscheinen mag, war die dichte Runde an Ereignisrisiko, die die Märkte in der letzten Woche dominierte, mehr ein Dämpfer für die Kursentwicklung als ein Katalyst, so der DailyFX-Analyst. Das Zusteuern auf eine Freigabe oder Event, die die fundamentale Landschaft dramatisch verändern und Volatilität befeuern können, sei ein klarer Dämpfer für die Trendentwicklung. "Hinzu kommt, dass nachdem wir die langerwarteten Schlagzeilen ausgewertet hatten, sich herausstellte, dass die Ergebnisse im allgemeinen mit den Erwartungen übereinstimmten und der Markt daher gut aufgestellt war. Dadurch, dass diese disruptiven (und letztendlich ineffizienten) Episoden hinter uns liegen, werden die Kursbewegungen produktiv. Nun können die Märkte aktiv über einen langfristigen Ausblick für Risikotrends nachdenken", meint Kicklighter.
Meinung der Marktteilnehmer-Mehrheit basiert nicht immer auf Vernunft
Der Experte hatte zeitweise Bedenken bezüglich der jüngsten Aktienkuranstiege, der Kapitalmärkte und allgemeiner Investitionsstimmung – aber die Meinung der Mehrheit der Marktteilnehmer basiere nicht immer auf Vernunft. "Wenn die Hoffnung auf höhere Erträge und Wachstum fehlt, dann können Anreizprogramme eine Sucht nach Kapitalzuwächsen befriedigen. Jedoch ist es diese Abhängigkeit, in der wir letztlich den Zusammenbruch des aktuellen Bullenmarktes erkennen könnten", so Kicklighter. Unter der Annahme, dass der Anstieg bei wachstumsgebundenen Vermögensklassen auf mehrjährige Höchststände vor allem durch die kollektive Unterstützung der Notenbanken und Regierungen aus aller Welt befeuert wurde, dürfte der Grenznutzen verschwindend gering sein. Kicklighters Ansicht nach braucht es mehr Anreize, um den entscheidenden nächsten Schritt zu machen und uns symbolisch auf neue Höchststände zu heben – den S&P 500 über 1.400 Punkte, den Dow Jones Index über die 13.000 Punkte-Marke sowie zu neuen Rekordhöhen bei den Wechselkursen für AUD/USD, usw.
Fed trifft ins Herz des globalen Spekulationsmarktes
Im Umfeld eines Rückgangs des moralischen Risikos, haben die Spekulanten begonnen, Monate vorauszuschauen, um die mögliche Einführung eines weiteren Anreizprogramms der US-Notenbank einzupreisen. Warum die US-Notenbank? Da die Programme am umfangreichsten sind, trifft die Fed laut Kicklighter damit ins Herz des globalen Spekulationsmarktes – die mit diesen Programmen verbundenen niedrigen Zinsen nähren eine attraktive Quelle für Finanzierungen über Zinsunterschiede. Doch ist die Diskussion um die dritte quantitative Lockerung vernünftig oder übertrieben? "Zweifel daran, dass es diese Überlegung überhaupt gibt, sollten durch die negative Reaktion auf die Tatsache, dass US-Notenbankchef Ben Bernanke in seiner jüngsten Stellungnahme dieses Thema ausgespart hat, ausgeräumt sein. Wir werden sehen, wie selbstbewusst die Märkte durch die Zinsentscheidung des Offenmarktausschuss der US-Notenbank in der kommenden Woche sein werden", erklärt der DailyFX-Experte. "Wir sollten Ausschau halten nach Begriffen wie 'Umfang' oder 'Möglichkeit' einer weiteren Lockerung 'wenn es notwendig ist'. Wenn die Stimulus-Pumpe nicht vorgesehen ist und die Zentralbank am verbesserten wirtschaftlichen Ausblick, wie im Konjunkturbericht definiert, festhält, dann werden die Hoffnungen für ein drittes Quantitatives Lockerungs-Programm der US-Notenbank später im Jahr bald seltsam erscheinen."
Nach Meinung von Kicklighter wäre eine negative Reaktion der Kapitalmärkte, auf eine Entscheidung kein Anreizprogramm aufzulegen, ein Segen für den Dollar. Wenn Aktien- und andere spekulationsgetriebene Märkte überschuldet sind, könnte eine Abwicklung durchaus ungeordnet sein – besonders bei diesem hohen Niveau. Volatilität und Risikoscheu seien die Stärke des Dollars. Außerdem wird laut Kicklighter eine Abkehr von weiteren Anreizprogrammen den Fokus zurück auf den Ausgleich von Wachstum und Inflation lenken. "Und nach den Arbeitsmarktzahlen (ex Landwirtschaft) vom letzten Freitag, wird es ein starkes Interesse am Verbraucherpreisindex geben, der nächsten Freitag veröffentlicht wird. Während schon jetzt die Schlagzeilen einen Anstieg von 2,9 Prozent ankündigen – und die Kerninflation oberhalb der eigenen Zielvorgabe – könnte die Aussicht auf eine weitere quantitative Lockerung sich in eine Angst vor einem Anziehen der geldpolitischen Zügel wandeln", so Kicklighter abschließend
Dollar steht vor neuem Aufschwung
Die Maßnahmen der Schweiz und Japans gegen Aufwertungen machen die derzeit unterbewertete US-Währung zum ertragreichsten „sicheren Hafen“. Die Hedgefonds reagieren unterdessen schon auf die neue Lage
Hatten Experten noch vor ein paar Monaten überwiegend eine weitere Abschwächung der US-Währung angenommen, so bekommen jetzt jene, die von einer Stärkung des Dollar ausgehen, immer mehr die Oberhand. Durch die vergleichsweise bessere Wirtschaftsentwicklung in den USA gilt der Dollar unterdessen nämlich gegenüber den meisten Weltwährungen als unterbewertet.
Nach Zahlen der OECD, die Währungsrelationen anhand von Vergleichen der relativen Kosten von Gütern und Dienstleistungen bewertet, ist die US-Währung gegenüber dem Euro um 5,6 Prozent unterbewertet. Gegenüber dem japanischen Yen besteht laut OECD eine Unterbewertung von 31 Prozent, gegenüber dem kanadischen Dollar eine solche von 24 Prozent.
Von Bloomberg befragte Währungsexperten meinten zu Wochenbeginn, der Dollar werde derzeit unter seinem Wert geschlagen und sollte in den nächsten Monaten unter anderem gegenüber Euro und Yen deutlich zulegen.
Bald 1,20 Dollar für einen Euro
Sara Yates, Devisenstrategin bei Barclays, rechnet damit, dass ein Euro, der derzeit rund 1,31 Dollar kostet, in sechs Monaten um 1,25 und gegen Jahresende um 1,20 Dollar zu haben sein wird. Das wird im Übrigen nicht zuletzt die Autofahrer treffen, denn Rohöl wird weltweit auf Dollarbasis gehandelt. Ein höherer Dollarkurs verteuert also Treibstoffpreise auch dann, wenn sich die Dollar-Ölnotierungen selbst nicht ändern.
Eine starke Stütze für den Dollar ist derzeit, dass die Notenbanken der Schweiz und Japans Maßnahmen gegen weitere Aufwertungen ihrer Währungen vornehmen. Das führt dazu, dass der Dollar zum ertragreichsten „sicheren Hafen“ für „Euroflüchtlinge“ wird. Sollte die Eurokrise wieder aufblühen, wird das dem „Greenback“ also beträchtlichen Aufwärtsschwung verleihen.
Die Hedgefonds reagieren auf die neue Lage bereits: In jüngster Zeit haben die Wetten auf einen Anstieg des Dollarkurses drastisch zugenommen.
* Die Presse
Hatten Experten noch vor ein paar Monaten überwiegend eine weitere Abschwächung der US-Währung angenommen, so bekommen jetzt jene, die von einer Stärkung des Dollar ausgehen, immer mehr die Oberhand. Durch die vergleichsweise bessere Wirtschaftsentwicklung in den USA gilt der Dollar unterdessen nämlich gegenüber den meisten Weltwährungen als unterbewertet.
Nach Zahlen der OECD, die Währungsrelationen anhand von Vergleichen der relativen Kosten von Gütern und Dienstleistungen bewertet, ist die US-Währung gegenüber dem Euro um 5,6 Prozent unterbewertet. Gegenüber dem japanischen Yen besteht laut OECD eine Unterbewertung von 31 Prozent, gegenüber dem kanadischen Dollar eine solche von 24 Prozent.
Von Bloomberg befragte Währungsexperten meinten zu Wochenbeginn, der Dollar werde derzeit unter seinem Wert geschlagen und sollte in den nächsten Monaten unter anderem gegenüber Euro und Yen deutlich zulegen.
Bald 1,20 Dollar für einen Euro
Sara Yates, Devisenstrategin bei Barclays, rechnet damit, dass ein Euro, der derzeit rund 1,31 Dollar kostet, in sechs Monaten um 1,25 und gegen Jahresende um 1,20 Dollar zu haben sein wird. Das wird im Übrigen nicht zuletzt die Autofahrer treffen, denn Rohöl wird weltweit auf Dollarbasis gehandelt. Ein höherer Dollarkurs verteuert also Treibstoffpreise auch dann, wenn sich die Dollar-Ölnotierungen selbst nicht ändern.
Eine starke Stütze für den Dollar ist derzeit, dass die Notenbanken der Schweiz und Japans Maßnahmen gegen weitere Aufwertungen ihrer Währungen vornehmen. Das führt dazu, dass der Dollar zum ertragreichsten „sicheren Hafen“ für „Euroflüchtlinge“ wird. Sollte die Eurokrise wieder aufblühen, wird das dem „Greenback“ also beträchtlichen Aufwärtsschwung verleihen.
Die Hedgefonds reagieren auf die neue Lage bereits: In jüngster Zeit haben die Wetten auf einen Anstieg des Dollarkurses drastisch zugenommen.
* Die Presse
Wie stark ist der Dollar wirklich?
Vieles an den Märkten spricht im Moment für einen starken US-Dollar, doch das nicht unbedingt, weil sich die US-Wirtschaft in einem starken und stabilen Aufschwung befindet, der diese Stärke von allein rechtfertigen würde, schreibt Torsten Gellert, Managing Director beim Forex Broker FXCM, in einem aktuellen Kommentar. Für Gellert ist der starke US-Dollar vielmehr auf die Schwäche des Euro, der durch die finanzielle und zunehmend politische Krise in Europa immer weiter in die Knie gezwungen wird, zurückzuführen.
Langfristig stellt sich für Gellert allerdings auch die Frage, in wie weit die Krise in Europa die US-Wirtschaft belasten wird. Der steigende Dollar, der die Wettbewerbsfähigkeit der Exportnation im internationalen Vergleich schwächt, könne zu einem Belastungsfaktor für die amerikanische Konjunktur werden. „Auch würde der mit seinen Folgen noch nicht kalkulierbarer Austritt Griechenlands aus der Eurozone Europa noch tiefer in die Rezession treiben und damit den Euroraum auch als Importeur von weltweiten Waren, und damit auch aus den USA, zurückwerfen“, so Gellert.
Bei der zweiten Veröffentlichung des Wirtschaftswachstums für das erste Quartal erwarten die Analysten von FXCM eine Korrektur nach unten: Auf 1,9 Prozent nach zuvor berichteten 2,2 Prozent. „Umso stärker die Korrektur und damit die Enttäuschung ausfällt, desto mehr werden die Marktteilnehmer aber auch wieder die Möglichkeit einer dritten Stufe der Lockerung der Geldpolitik durch die Notenbanker der Fed in Betracht ziehen. Dies würde den Dollar schwächen, eine positive Überraschung könnte den Aufwärtstrend des Greenback hingegen beschleunigen“, erläutert Gellert. Als weiteres Puzzle-Stück nennt er die Belebung am amerikanischen Arbeitsmarkt, die weiter auf sich warten lässt, wie er anmerkt, und die über die weitere Strategie in der Geldpolitik entscheiden wird.
„Ich erwarte bei beiden veröffentlichten Indikatoren keine wirklich positive Überraschung. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass der Euro diese Woche zum Anlass nimmt, sich gegenüber dem US-Dollar zu stabilisieren und dieser im Gegenzug etwas von seiner Stärke verliert. Zwar ist das Terrain beim Euro unterhalb des Januar-Tiefs von 1,2650 Dollar sehr anfällig für weitere Kursverluste. Allerdings bestehen in meinen Augen gute Chancen, dass er diese Marke schon bald wieder in Angriff nimmt und weiter Boden gut macht“, resümiert Gellert.
Langfristig stellt sich für Gellert allerdings auch die Frage, in wie weit die Krise in Europa die US-Wirtschaft belasten wird. Der steigende Dollar, der die Wettbewerbsfähigkeit der Exportnation im internationalen Vergleich schwächt, könne zu einem Belastungsfaktor für die amerikanische Konjunktur werden. „Auch würde der mit seinen Folgen noch nicht kalkulierbarer Austritt Griechenlands aus der Eurozone Europa noch tiefer in die Rezession treiben und damit den Euroraum auch als Importeur von weltweiten Waren, und damit auch aus den USA, zurückwerfen“, so Gellert.
Bei der zweiten Veröffentlichung des Wirtschaftswachstums für das erste Quartal erwarten die Analysten von FXCM eine Korrektur nach unten: Auf 1,9 Prozent nach zuvor berichteten 2,2 Prozent. „Umso stärker die Korrektur und damit die Enttäuschung ausfällt, desto mehr werden die Marktteilnehmer aber auch wieder die Möglichkeit einer dritten Stufe der Lockerung der Geldpolitik durch die Notenbanker der Fed in Betracht ziehen. Dies würde den Dollar schwächen, eine positive Überraschung könnte den Aufwärtstrend des Greenback hingegen beschleunigen“, erläutert Gellert. Als weiteres Puzzle-Stück nennt er die Belebung am amerikanischen Arbeitsmarkt, die weiter auf sich warten lässt, wie er anmerkt, und die über die weitere Strategie in der Geldpolitik entscheiden wird.
„Ich erwarte bei beiden veröffentlichten Indikatoren keine wirklich positive Überraschung. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass der Euro diese Woche zum Anlass nimmt, sich gegenüber dem US-Dollar zu stabilisieren und dieser im Gegenzug etwas von seiner Stärke verliert. Zwar ist das Terrain beim Euro unterhalb des Januar-Tiefs von 1,2650 Dollar sehr anfällig für weitere Kursverluste. Allerdings bestehen in meinen Augen gute Chancen, dass er diese Marke schon bald wieder in Angriff nimmt und weiter Boden gut macht“, resümiert Gellert.
Bleibt der Dollar Reservewährung?
Die Schuldenkrise und die Politik des leichten Geldes schwächen die Reservewährungen der großen Industrieländer. Simon Foster meint, dass Anleihen von kleineren, soliden Staaten einen Ausweg bieten
Die amerikanische Ein-Dollar-Note ist Legende: Vorne prangt das Porträt des altehrwürdigen George Washington, auf der Rückseite der US-Wahlspruch „In God we trust“.
Der nostalgisch anmutende Schein verkörpert ein wenig das, was viele Investoren heute über den Greenback denken mögen: Es braucht schon etwas Gottvertrauen, dass der US-Dollar auch weiterhin eine starke Leitwährung bleibt, die nichts so schnell trüben kann. Denn derzeit kämpft der US-Dollar um seine Rolle als Reservewährung.
Ähnlich geht es den anderen großen Reservewährungen wie Euro, Yen und Pfund: Zwar dominieren die „großen Vier“ nach wie vor den internationalen Währungsumsatz und dürften auch auf absehbare Zeit den Großteil der globalen Währungsengagements auf sich vereinen. Doch was sich drastisch verändert hat, ist die Risikowahrnehmung der Investoren bei diesen Währungen.
Die USA, die Eurozone, aber auch Japan und Großbritannien stehen wegen ihrer hohen Verschuldung, schwacher Bankbilanzen und anfälliger Immobilienmärkte vor großen Herausforderungen. Die geldpolitischen Maßnahmen der Industrieländer und ihrer Notenbanken, etwa die Zinssenkung und die Ausweitung der Geldmenge, gehen mit einer Schwächung der jeweiligen Währung einher.
Dies wird zudem noch dadurch verstärkt, dass exportstarke Industriestaaten wie die USA oder Japan darum bemüht sind, ihre Währung zu schwächen, um ihre Güter und Waren für ausländische Kunden attraktiver zu machen.
Diversifikation mit kleineren Währungen
Was Exporteure freut, ist für Währungsanleger eine echte Herausforderung, wenn sie ihren Wunsch nach hoher Liquidität, ausreichender Diversifikation und erstklassiger Bonität über Investments in Anleihen der klassischen Industrieländer erfüllen wollen.
Einen Ausweg bieten Staatsanleihen kleinerer Industrienationen mit soliden Staatsfinanzen. Dazu zählen etwa Australien, Schweden, Kanada oder Singapur. Anleger können auf diese Weise ihre Währungsinvestments breiter streuen und sich unabhängiger von der Entwicklung der großen Leitwährungen machen.
Diese kleineren Industriestaaten mit stabilen fiskalischen Rahmenbedingungen verzeichnen zum Teil erhebliche Mittelzuflüsse, was wiederum die Landeswährungen stark aufwertet. Es ist zu erwarten, dass der Mittelzufluss in diesen Ländern andauern wird – zumindest solange die Schuldenkrise auf den Währungen der großen Industriestaaten lastet.
Wer also den Währungen der kleineren Industrieländer Aufwärtspotenzial zutraut, für den gibt es durchaus Alternativen zum Greenback sowie seinen Pendants aus Europa und Japan. So sind beispielsweise der Kanadische und Australische Dollar auch nicht mehr das, was sie einmal waren: nämlich kleine, unwichtige Währungen.
Die amerikanische Ein-Dollar-Note ist Legende: Vorne prangt das Porträt des altehrwürdigen George Washington, auf der Rückseite der US-Wahlspruch „In God we trust“.
Der nostalgisch anmutende Schein verkörpert ein wenig das, was viele Investoren heute über den Greenback denken mögen: Es braucht schon etwas Gottvertrauen, dass der US-Dollar auch weiterhin eine starke Leitwährung bleibt, die nichts so schnell trüben kann. Denn derzeit kämpft der US-Dollar um seine Rolle als Reservewährung.
Ähnlich geht es den anderen großen Reservewährungen wie Euro, Yen und Pfund: Zwar dominieren die „großen Vier“ nach wie vor den internationalen Währungsumsatz und dürften auch auf absehbare Zeit den Großteil der globalen Währungsengagements auf sich vereinen. Doch was sich drastisch verändert hat, ist die Risikowahrnehmung der Investoren bei diesen Währungen.
Die USA, die Eurozone, aber auch Japan und Großbritannien stehen wegen ihrer hohen Verschuldung, schwacher Bankbilanzen und anfälliger Immobilienmärkte vor großen Herausforderungen. Die geldpolitischen Maßnahmen der Industrieländer und ihrer Notenbanken, etwa die Zinssenkung und die Ausweitung der Geldmenge, gehen mit einer Schwächung der jeweiligen Währung einher.
Dies wird zudem noch dadurch verstärkt, dass exportstarke Industriestaaten wie die USA oder Japan darum bemüht sind, ihre Währung zu schwächen, um ihre Güter und Waren für ausländische Kunden attraktiver zu machen.
Diversifikation mit kleineren Währungen
Was Exporteure freut, ist für Währungsanleger eine echte Herausforderung, wenn sie ihren Wunsch nach hoher Liquidität, ausreichender Diversifikation und erstklassiger Bonität über Investments in Anleihen der klassischen Industrieländer erfüllen wollen.
Einen Ausweg bieten Staatsanleihen kleinerer Industrienationen mit soliden Staatsfinanzen. Dazu zählen etwa Australien, Schweden, Kanada oder Singapur. Anleger können auf diese Weise ihre Währungsinvestments breiter streuen und sich unabhängiger von der Entwicklung der großen Leitwährungen machen.
Diese kleineren Industriestaaten mit stabilen fiskalischen Rahmenbedingungen verzeichnen zum Teil erhebliche Mittelzuflüsse, was wiederum die Landeswährungen stark aufwertet. Es ist zu erwarten, dass der Mittelzufluss in diesen Ländern andauern wird – zumindest solange die Schuldenkrise auf den Währungen der großen Industriestaaten lastet.
Wer also den Währungen der kleineren Industrieländer Aufwärtspotenzial zutraut, für den gibt es durchaus Alternativen zum Greenback sowie seinen Pendants aus Europa und Japan. So sind beispielsweise der Kanadische und Australische Dollar auch nicht mehr das, was sie einmal waren: nämlich kleine, unwichtige Währungen.
Zitat
Simon Foster ist Rentenexperte bei UBS Global Asset Management und Mitglied des Portfoliomanagement-Teams des UBS Currency Diversifier Funds.
Wird USA als sicherster Hafen bald abgelöst?
Viele Investoren machen sich derzeit mehr Gedanken über die Rückzahlung des investierten Kapitals als über die Rendite des angelegten Geldes, schreibt Bill Gross, Mitgründer des weltgrößten Bondinvestors Pimco in seinem monatlichen Investmentbrief
Investoren verschieben ihre Anleiheninvestments trotz realer Renditen von Null Prozent in Länder wie Deutschland, Großbritannien oder die USA. Wie sicher diese, als „sauber“ bezeichneten Länder sind, ihre Schulden zurückzuzahlen hängt von einigen Faktoren ab, so Gross. So sind einige dieser „sauberen“ Länder, in ihrer Kreditwürdigkeit besser als andere. Faktoren dabei sind u.a. ob die derzeitige Schuldenlast die historischen Zahlen übersteigt, ob die Länder in der Lage sind ihre Schulden in ihrer eigenen Währung auszugeben und zu drucken (Weginflationieren der Schulden).
Weiters sind Länder mit einer vernünftigen Handelsbilanz, Länder die für die Eigentumsrechte eintreten und Länder mit hohem Innovations- und Bildungsniveau im Vorteil. Alle diese Bedingungen bringen Investoren immer wieder dazu, die USA als den ultimativen "sicheren Hafen" zu sehen. Doch wie sicher ist das in US-Staatsanleihen angelegte Geld wirklich?
Erdrückende Schuldenlast der USA
Das derzeitige Verhältnis Schulden/BIP von etwa 100 Prozent scheint noch nicht bedrohlich, so Gross. Die neue Kranken- und Sozialversicherung Obamas, berechnet zum Barwert – wie auch die offiziellen Schulden– verfünffacht aber die offizielle Schuldenlast (15 Billionen US-Dollar) auf 81 Billionen US-Dollar, gemäß den unabhängigen Berechnungen des Office of Management and Budget (OMB).
Zusätzlich, schätzen Studien die Verbindlichkeiten der Bundesstaaten sowie der lokalen Regierungen auf 38 Billionen US-Dollar. Alles in allem wäre das eine Gesamtschuldenlast von 800 Prozent des BIPs. Eine solche Schuldenlast kann nur unter bestimmten Bedingungen bewältigt werden und wird mit der Aufnahme immer neuer Schulden (Bonds) bezahlt. Somit könnte auch die USA bald abgelöst werden als der ultimative „sichere Hafen“, so Gross.
Investoren verschieben ihre Anleiheninvestments trotz realer Renditen von Null Prozent in Länder wie Deutschland, Großbritannien oder die USA. Wie sicher diese, als „sauber“ bezeichneten Länder sind, ihre Schulden zurückzuzahlen hängt von einigen Faktoren ab, so Gross. So sind einige dieser „sauberen“ Länder, in ihrer Kreditwürdigkeit besser als andere. Faktoren dabei sind u.a. ob die derzeitige Schuldenlast die historischen Zahlen übersteigt, ob die Länder in der Lage sind ihre Schulden in ihrer eigenen Währung auszugeben und zu drucken (Weginflationieren der Schulden).
Weiters sind Länder mit einer vernünftigen Handelsbilanz, Länder die für die Eigentumsrechte eintreten und Länder mit hohem Innovations- und Bildungsniveau im Vorteil. Alle diese Bedingungen bringen Investoren immer wieder dazu, die USA als den ultimativen "sicheren Hafen" zu sehen. Doch wie sicher ist das in US-Staatsanleihen angelegte Geld wirklich?
Erdrückende Schuldenlast der USA
Das derzeitige Verhältnis Schulden/BIP von etwa 100 Prozent scheint noch nicht bedrohlich, so Gross. Die neue Kranken- und Sozialversicherung Obamas, berechnet zum Barwert – wie auch die offiziellen Schulden– verfünffacht aber die offizielle Schuldenlast (15 Billionen US-Dollar) auf 81 Billionen US-Dollar, gemäß den unabhängigen Berechnungen des Office of Management and Budget (OMB).
Zusätzlich, schätzen Studien die Verbindlichkeiten der Bundesstaaten sowie der lokalen Regierungen auf 38 Billionen US-Dollar. Alles in allem wäre das eine Gesamtschuldenlast von 800 Prozent des BIPs. Eine solche Schuldenlast kann nur unter bestimmten Bedingungen bewältigt werden und wird mit der Aufnahme immer neuer Schulden (Bonds) bezahlt. Somit könnte auch die USA bald abgelöst werden als der ultimative „sichere Hafen“, so Gross.
Der Dollar ist die beste Währung der Welt
Starker Tobak, den ein Londoner Anleihemanager von M&G im Pressegespräch bringt. Er geht mit China und anderen Schwellenländern hart ins Gericht und lobt den Dollar – hat aber gute Argumente.
Der Mann in dem Londoner Besprechungsraum sieht ganz anders aus als auf dem Pressefoto: locker und ziemlich cool, offener Hemdkragen, Dreitagebart, die Haare ein bisschen zerwuschelt. Aber das, was er sagt, ist überhaupt nicht locker. Er ist misstrauisch und stellt gängige Meinungen auf den Kopf. Michael Riddell ist Fondsmanager und Mitglied des Anleiheteams der englischen Fondsgesellschaft M&G
„Der Hype um Anleihen aus globalen Schwellenländern ist gefährlich“, sagt Riddell. Diese Märkte seien doch nur durch heißes Geld („Hot Money“) getrieben. Einheimische Anleger stellten noch die Minderheit. „Schauen Sie sich Schwellenländeranleihen in lokalen Währungen an und vergleichen Sie sie mit dem Dax“, empfiehlt der Manager. „Die Korrelation ist fast perfekt.“
Bitte sehr, wir machen das mal und bemerken in der Tat einen frappierenden Gleichlauf. Vor allem bei den Wochen- und Tagesschwankungen (siehe Chart). Der Grund: Diese exotischen Anleihen fallen in jeder westlichen Asset Allocation in die Kategorie „Risikoanlagen“ – genau wie Aktien. Also werden sie gemeinsam mit Aktien verkauft, sobald die Erde mal wieder brennt. Und gekauft, wenn die Flammen wieder erloschen sind. Hot Money eben.
Junge Leute? Gute Wirtschaft? Mag ja sein, aber ...
Zweifellos zeigen die Länder tolle Wirtschaftsdaten und demografische Vorteile. Aber das ständige Gerede darüber und die andauernden Wiederholungen kanzelt Riddell als glatten Unsinn ab. Als Gegenbeispiel erzählt er von einem Land mit Staatsverschuldung unter 40 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP), mit guten demografischen Voraussetzungen und einer starken Regierung. Nur blöd, dass er damit gar kein Schwellenland meint. „Das war Irland Anfang 2007“, grinst er. Alle im Raum wissen, was mit Irland in den folgenden Jahren passierte. Es war das erste Land, das unter den Euro-Rettungsschirm musste.
Selbst das Land der Länder, China, kann Riddell nur mäßig beeindrucken. Denn es hat seinen Worten zufolge schon vor acht oder neun Jahren den sogenannten Lewis Turning Point überschritten.
Exkurs: Der Lewis Turning Point ist nach dem englischen Volkswirt Sir William Arthur Lewis benannt. Der fand heraus, dass jede stark wachsende Wirtschaft irgendwann an einen Punkt kommt, an dem Arbeitskräfte knapper werden. Die Folge sind steigende Löhne, die das Land international als Produktionsstandort teurer machen. Damit lässt das Wirtschaftswachstum zwangsläufig nach.
Im Netz laufen Diskussionen, an welchem Punkt China jetzt steht. Für Michael Riddell ist die Sache klar: „Wir machen uns Sorgen um China.“ Das Land verliere stetig Wettbewerbsvorteile. Die Regierung habe mit einer künstlichen Kreditblase reagiert, allerdings nicht im staatlichen, sondern im privaten Sektor. Was die Sache nicht besser mache. Und deshalb leiht Riddell dem Land auch kein Geld und lässt die Anleihen links liegen. Von Rest-Asien erwartet er ebenfalls keine Rettungs-Taten. „Das asiatische BIP korreliert perfekt mit dem europäischen. Wenn also Europa einbricht, dann kommt Asien direkt mit“, so Riddell.
Nur was kauft er dann überhaupt in solchen Zeiten?
Und dann sagt er diesen Satz: „Ich halte den Dollar für die beste Währung der Welt.“
Allgemeines Staunen und die Reflex-Frage: Aber wie kann eine Währung stark sein, wenn sie einem hochverschuldeten Land gehört, das sie andauernd nachdruckt?
Schwer zu sagen, räumt er ein. Trotzdem ist es so. Immerhin fließt in Krisen weltweites Geld nur in eine einzige Richtung: in den Dollar. Damit profitieren die Amerikaner auch von der Eurokrise. In Sachen Staatshaushalt hofft Riddell auf die neue Energiesituation in den USA. Immerhin sind durch neue Fördermethoden riesige neue Erdgas-Lagerstätten verfügbar geworden. „Vielleicht brauchen die USA in zehn Jahren gar kein Erdöl mehr zu importieren“, meint der Fondsmanager. Dann würde ein Handelsüberschuss entstehen, der die Schuldensituation entspannen und den Dollar somit aufwerten könnte. Im M&G Global Macro Bond Fund (WKN: A1JPJR), dessen Co-Manager er ist, liegen 42 Prozent des Fondsvermögens in der Weltleitwährung.
Der Mann in dem Londoner Besprechungsraum sieht ganz anders aus als auf dem Pressefoto: locker und ziemlich cool, offener Hemdkragen, Dreitagebart, die Haare ein bisschen zerwuschelt. Aber das, was er sagt, ist überhaupt nicht locker. Er ist misstrauisch und stellt gängige Meinungen auf den Kopf. Michael Riddell ist Fondsmanager und Mitglied des Anleiheteams der englischen Fondsgesellschaft M&G
„Der Hype um Anleihen aus globalen Schwellenländern ist gefährlich“, sagt Riddell. Diese Märkte seien doch nur durch heißes Geld („Hot Money“) getrieben. Einheimische Anleger stellten noch die Minderheit. „Schauen Sie sich Schwellenländeranleihen in lokalen Währungen an und vergleichen Sie sie mit dem Dax“, empfiehlt der Manager. „Die Korrelation ist fast perfekt.“
Bitte sehr, wir machen das mal und bemerken in der Tat einen frappierenden Gleichlauf. Vor allem bei den Wochen- und Tagesschwankungen (siehe Chart). Der Grund: Diese exotischen Anleihen fallen in jeder westlichen Asset Allocation in die Kategorie „Risikoanlagen“ – genau wie Aktien. Also werden sie gemeinsam mit Aktien verkauft, sobald die Erde mal wieder brennt. Und gekauft, wenn die Flammen wieder erloschen sind. Hot Money eben.
Junge Leute? Gute Wirtschaft? Mag ja sein, aber ...
Zweifellos zeigen die Länder tolle Wirtschaftsdaten und demografische Vorteile. Aber das ständige Gerede darüber und die andauernden Wiederholungen kanzelt Riddell als glatten Unsinn ab. Als Gegenbeispiel erzählt er von einem Land mit Staatsverschuldung unter 40 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP), mit guten demografischen Voraussetzungen und einer starken Regierung. Nur blöd, dass er damit gar kein Schwellenland meint. „Das war Irland Anfang 2007“, grinst er. Alle im Raum wissen, was mit Irland in den folgenden Jahren passierte. Es war das erste Land, das unter den Euro-Rettungsschirm musste.
Selbst das Land der Länder, China, kann Riddell nur mäßig beeindrucken. Denn es hat seinen Worten zufolge schon vor acht oder neun Jahren den sogenannten Lewis Turning Point überschritten.
Exkurs: Der Lewis Turning Point ist nach dem englischen Volkswirt Sir William Arthur Lewis benannt. Der fand heraus, dass jede stark wachsende Wirtschaft irgendwann an einen Punkt kommt, an dem Arbeitskräfte knapper werden. Die Folge sind steigende Löhne, die das Land international als Produktionsstandort teurer machen. Damit lässt das Wirtschaftswachstum zwangsläufig nach.
Im Netz laufen Diskussionen, an welchem Punkt China jetzt steht. Für Michael Riddell ist die Sache klar: „Wir machen uns Sorgen um China.“ Das Land verliere stetig Wettbewerbsvorteile. Die Regierung habe mit einer künstlichen Kreditblase reagiert, allerdings nicht im staatlichen, sondern im privaten Sektor. Was die Sache nicht besser mache. Und deshalb leiht Riddell dem Land auch kein Geld und lässt die Anleihen links liegen. Von Rest-Asien erwartet er ebenfalls keine Rettungs-Taten. „Das asiatische BIP korreliert perfekt mit dem europäischen. Wenn also Europa einbricht, dann kommt Asien direkt mit“, so Riddell.
Nur was kauft er dann überhaupt in solchen Zeiten?
Und dann sagt er diesen Satz: „Ich halte den Dollar für die beste Währung der Welt.“
Allgemeines Staunen und die Reflex-Frage: Aber wie kann eine Währung stark sein, wenn sie einem hochverschuldeten Land gehört, das sie andauernd nachdruckt?
Schwer zu sagen, räumt er ein. Trotzdem ist es so. Immerhin fließt in Krisen weltweites Geld nur in eine einzige Richtung: in den Dollar. Damit profitieren die Amerikaner auch von der Eurokrise. In Sachen Staatshaushalt hofft Riddell auf die neue Energiesituation in den USA. Immerhin sind durch neue Fördermethoden riesige neue Erdgas-Lagerstätten verfügbar geworden. „Vielleicht brauchen die USA in zehn Jahren gar kein Erdöl mehr zu importieren“, meint der Fondsmanager. Dann würde ein Handelsüberschuss entstehen, der die Schuldensituation entspannen und den Dollar somit aufwerten könnte. Im M&G Global Macro Bond Fund (WKN: A1JPJR), dessen Co-Manager er ist, liegen 42 Prozent des Fondsvermögens in der Weltleitwährung.
Zitat
„Schauen Sie sich Schwellenländeranleihen in lokalen Währungen an und vergleichen Sie sie mit dem Dax“,
Dann schauen wir doch mal auf den DAX:
Performance dieses Jahr: +11.24%
Das wars auch schon mit den guten Nachrichten.
Performance: 1 Jahr -11.85%, die letzten 5 Jahre: -18.75%.
Im letzten Jahr (7/2011-7/2012) haben 2/3 der 30 Firmen an Wert verloren, u.a. Daimler -29.31%, Deutsche Bank -29.77%, Siemens -28.50% nur um die "kleineren" zu nennen.
Die Krise von 2008 ist nicht im mindesten verdaut, die naechste steht aber schon der Tuer.
mcd
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Die Flucht in den US-Dollar beginnt
Der US-Dollar wird nach der Wiederwahl von Barack Obama zunehmend als sicherer Hafen angesteuert. Das beschleunigt den Negativtrend beim Euro. Aus Sicht des Devisenexperten Torsten Gellert werde die Situation der Gemeinschaftswährung immer kritischer.
Aktuell spreche wenig dafür, dass der Euro bald wieder an Stärke zulegt – sagt Torsten Gellert, Managing Director bei Forex Capital Markets (FXCM). Der negative Trend werde nach der Wahl in den USA noch beschleunigt, weil immer mehr Menschen den US-Dollar als sicheren Hafen ansteuern. Für Gellert ist die zunehmende Nervosität an den Finanzmärkten mehr als gerechtfertigt: "Wir sind nach der Wiederwahl Obamas um nur genau eine Erkenntnis reicher. Alles bleibt vorerst wie es ist." Insgesamt 16 Billionen US-Dollar Schulden hat das Land angehäuft. "Damit es nicht unkontrolliert und schnell sehr viel mehr werden, tritt zum Jahresende eine Schuldenbremse in Kraft, die es in sich hat.", erklärt Gellert und bezieht sich dabei auf das drohende "Fiscal Cliff".
Zwar glaubt Gellert nicht daran, dass es so schlimm kommen und man sich stattdessen wieder in letzter Minute einigen wird. Gespart werden müsse dennoch. Und da befänden sich die USA ihm zufolge in dem gleichen Dilemma wie die Griechen. "Wer spart, wächst nicht, zumindest nicht in dem Maße wie wenn er das Geld weiter ausgeben würde. Und das hat bei einem Land wie den USA auch Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, welche sich selbst gerade nicht im besten Zustand befindet."
Grundstein für lockere Geldpolitik
Die Verhandlungen im US-Kongress dürften die Finanzmärkte also bis Jahreswechsel auf Trab halten. Danach werde die Frage bewegen, wie viel Prozent Wirtschaftswachstum die verabschiedeten Maßnahmen zum Schuldenabbau in den USA kosten. "Diese Gemengelage gepaart mit dem immer noch sehr hohen Optimismus an den Aktienmärkten lässt mich vermuten, dass die nächsten Monate eher durch den Sicherheitsaspekt und damit eine Flucht in den US-Dollar geprägt sein werden", begründet Gellert.
Einen entscheidenden Vorteil hätten die US-Amerikaner allerdings in Sachen Schulden gegenüber den Griechen. Sie verschulden sich in ihrer eigenen Währung und begleichen – vereinfacht gesagt – mit neu gedruckten Greenbacks ihre Schulden. Und dafür sei der Grundstein nach der Wiederwahl Obamas auf jeden Fall gelegt, glaubt Gellert. "Ben Bernanke, oder wer ihm auch immer aus seinem Gremium in 2014 folgt, darf und wird mit der lockeren Geldpolitik weitermachen." Das begrenze zum einen zwar die Stärke des US-Dollar, der in den nächsten Monaten zu erwartende Kapitalstrom dürfte dadurch aber nicht zu stoppen sein
Aktuell spreche wenig dafür, dass der Euro bald wieder an Stärke zulegt – sagt Torsten Gellert, Managing Director bei Forex Capital Markets (FXCM). Der negative Trend werde nach der Wahl in den USA noch beschleunigt, weil immer mehr Menschen den US-Dollar als sicheren Hafen ansteuern. Für Gellert ist die zunehmende Nervosität an den Finanzmärkten mehr als gerechtfertigt: "Wir sind nach der Wiederwahl Obamas um nur genau eine Erkenntnis reicher. Alles bleibt vorerst wie es ist." Insgesamt 16 Billionen US-Dollar Schulden hat das Land angehäuft. "Damit es nicht unkontrolliert und schnell sehr viel mehr werden, tritt zum Jahresende eine Schuldenbremse in Kraft, die es in sich hat.", erklärt Gellert und bezieht sich dabei auf das drohende "Fiscal Cliff".
Zwar glaubt Gellert nicht daran, dass es so schlimm kommen und man sich stattdessen wieder in letzter Minute einigen wird. Gespart werden müsse dennoch. Und da befänden sich die USA ihm zufolge in dem gleichen Dilemma wie die Griechen. "Wer spart, wächst nicht, zumindest nicht in dem Maße wie wenn er das Geld weiter ausgeben würde. Und das hat bei einem Land wie den USA auch Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, welche sich selbst gerade nicht im besten Zustand befindet."
Grundstein für lockere Geldpolitik
Die Verhandlungen im US-Kongress dürften die Finanzmärkte also bis Jahreswechsel auf Trab halten. Danach werde die Frage bewegen, wie viel Prozent Wirtschaftswachstum die verabschiedeten Maßnahmen zum Schuldenabbau in den USA kosten. "Diese Gemengelage gepaart mit dem immer noch sehr hohen Optimismus an den Aktienmärkten lässt mich vermuten, dass die nächsten Monate eher durch den Sicherheitsaspekt und damit eine Flucht in den US-Dollar geprägt sein werden", begründet Gellert.
Einen entscheidenden Vorteil hätten die US-Amerikaner allerdings in Sachen Schulden gegenüber den Griechen. Sie verschulden sich in ihrer eigenen Währung und begleichen – vereinfacht gesagt – mit neu gedruckten Greenbacks ihre Schulden. Und dafür sei der Grundstein nach der Wiederwahl Obamas auf jeden Fall gelegt, glaubt Gellert. "Ben Bernanke, oder wer ihm auch immer aus seinem Gremium in 2014 folgt, darf und wird mit der lockeren Geldpolitik weitermachen." Das begrenze zum einen zwar die Stärke des US-Dollar, der in den nächsten Monaten zu erwartende Kapitalstrom dürfte dadurch aber nicht zu stoppen sein
Akute Burnout-Gefahr beim US-Dollar
Die Abgesänge auf den Greenback nehmen zu: Im Asienhandel und in der Ölwirtschaft werden Umwege um die Weltleitwährung gelegt. Im Handel fallen die USA sogar hinter China zurück. Und immer mehr Beobachter in den USA fürchten ein Desaster als Folge der ultra-lockeren Geldpolitik der Fed.
China rechnet seine Handelsbilanz erstmals auch in der Landeswährung, dem Yuan, ab. In Asien wird die größte Freihandelszone der Welt ohne Einbindung der USA in Angriff genommen. Und London steht kurz vor einem Währungs-Swap-Abkommen mit den Chinesen. Es ist das erste außerhalb Asiens.
Gleichzeitig basteln die großen Schwellenländer der Brics-Gruppe - Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika - an ihrer eigenen Entwicklungsbank mit 50 Milliarden Dollar Startkapital. Es ist eine mögliche Konkurrenz zum Internationalen Währungsfonds, wo die USA regieren. China selbst forciert immer stärker die Ausbreitung des Yuan. Dieser steigt im innerasiatischen Handel zu einer bevorzugten Abrechnungswährung auf.
Währenddessen quält sich Europa durch eine schmerzhafte Schuldenkrise. Den USA droht nach dem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Schlussquartal 2012 wieder eine Rezession. Doch China stieg 2012 trotz weniger Wachstums zur größten Handelsnation der Welt auf und nahm den USA diese Krone ab.
Im Klartext: Nach Jahrzehnten, in denen die Supermacht USA über die Globalisierung sowie über strategische Verträge und expandierende Wall Street-Giganten wie Coca-Cola , General Electric und IBM im Rest der Welt den Taktstock schwang, wendet sich jetzt das Blatt. Und zwar dramatisch. Im Welthandel entsteht eine neue Infrastruktur, die zunehmend bereit ist, auf die Weltleitwährung Dollar zu verzichten. Die neuen Spitzenspieler in der rasant veränderten ökonomischen Champions-League kommen aus Asien, Lateinamerika und Afrika.
Die Apples und Volkswagen der Zukunft
Die Boston Consulting Group hat in dieser Woche zum fünften Mal seit 2006 eine Liste der 100 größten Herausforderer aus den Schwellenländern aufgestellt. Von den "100 Global Challengers" kommen 30 aus China, 20 aus Indien. Satte 1.000 Firmen aus den aufsteigenden Schwellenmärkten haben seit 2006 die Schallmauer von einer Milliarde Dollar Jahresumsatz durchbrochen. Sie sind die Volkswagen , Wal-Marts und Apples der Zukunft.
Jetzt sind sie auf dem Sprung, dem Westen das Fürchten zu lehren. Und die Leitwährung für ihre weltweite Attacke auf das etablierte globale Wirtschaftssystem heißt nicht mehr automatisch Dollar, sondern immer öfter Renminbi. Die USA könnten sich in naher Zukunft gezwungen sehen, einen Yuan-Vorrat anzulegen, um im Welthandel voll mitzuhalten.
Die Nervosität in den USA angesichts dieser Wachablösung schlägt mancherorts bereits in Zynismus um. "Wir sehen einen Währungskrieg", sagt der CEO von Euro Pacific Capital, Peter Schiff. "Was Währungskriege von anderen Kriegen unterscheidet", fügt er hinzu, "ist die Tatsache, dass man sich dabei selbst umbringt, und die USA scheinen in diesem Sinne als Sieger bereits festzustehen."
Auch dem Medien-Tycoon und Milliardär Steve Forbes wird es langsam mulmig: "Die US-Notenbank produziert wie ein Süchtiger immer wieder Desaster", sagt er und fürchtet, die aktuelle Geldpolitik könne die US-Wirtschaft ruinieren.
Genau dagegen kämpft die Administration von Barack Obama in zähem Ringen mit den Republikanern in Washington an. Bislang vergeblich. Denn im laufenden Fiskaljahr wird sich das Budgetdefizit in den USA bestenfalls von 7 Prozent des BIP auf 4 Prozent reduzieren lassen.
Seit der Finanzkrise ist der Schuldenberg der USA um 100 Prozent auf jetzt über 16 Billionen Dollar gewachsen, künftige Verbindlichkeiten im Rentensystem und Gesundheitswesen nicht mitgerechnet.
Wird das Problem nicht gelöst, droht dem Greenback wirklich irgendwann ein Infarkt. Der US-Dollar hat in den vergangenen fünf Jahren gegenüber dem Euro schon 15 Prozent an Wert eingebüßt. Der breiter gefasste US-Dollar-Index hat gegenüber den anderen wichtigen Währungen seit der Finanzkrise Anfang 2009 rund 11 Prozent verloren.
Putin hamstert Gold
Finanzminister Wolfgang Schäuble, sein französischer Amtskollege Pierre Moscovic und EU-Kommissar Olli Rehn werden langsam nervös, ob des hohen Wechselkurses für den Euro. Und Russlands Präsident Vladimir Putin wirft den USA vor, "die Weltwirtschaft in Gefahr" zu bringen, weil sie "ihr Dollar-Monopol missbrauchen." Putin hat Russlands Goldkäufe massiv in die Höhe getrieben. "Je mehr Gold ein Land hat, desto besser ist es geschützt, wenn der Dollar implodiert", sagt der Abgeordnete Evgeny Fedorov, ein Mitglied von Putins Partei United Russia.
Das Official Monetary and Financial Institutions Forum (OMFIF) in London stellte Ende Januar die These auf, die Welt brauche eine zweite, und vielleicht dritte Reservewährung. "Der Status des Dollars als Weltleitwährung verleiht den USA einen eingebauten Vorteil, weil das Land immer Käufer für seine Schuld-Titel findet, der Umfang der Staatsschulden in den USA ist ein Beweis dafür, wie das die Budget-Disziplin der USA schwächt", heißt es in einem Papier des OMFIF vom Januar.
China baut Dollar-Bestände ab
Dennoch konnte der US-Dollar seine Position als Weltleitwährung in den 12 Monaten bis September 2012 laut dem US-Finanzministerium sogar leicht um knapp einen Prozentpunkt auf 61,7 Prozent ausbauen.
Neun der zehn größten ausländischen US-Gläubiger, die Treasuries halten - darunter Japan, Brasilien, Russland und Großbritannien - haben ihre Bestände an Dollar-Schuldpapieren in dieser Zeit weiter ausgebaut. Doch der größte Gläubiger von allen, China, hat seine Treasury-Position um 7 Prozent reduziert. Das ist eine Gelbe Karte für die USA. China investiert stattdessen jetzt lieber in Rohstoffvorkommen und westliche Firmen, um gegen einen möglichen Dollar-Burnout besser gewappnet zu sein.
Darauf bereiten sich die Chinesen auch mit der Verbreitung ihrer eigenen Währung vor. Sie rüsten ein Offshore-Zentrum nach dem anderen für den Renminbi-Handel auf. Zuerst Hong Kong, dann London, jetzt Singapur. In der vorigen Woche bekam Chinas größte staatliche Geschäftsbank nach Aktiva - die Industrial and Commercial Bank (ICBC) - ihre Genehmigung als Clearing-Bank für den Yuan-Handel in Singapur.
Offshore-Yuan-Geschäft boomt
Unter Chinas Großbanken hatte bisher die Bank of China das Monopol, außerhalb der Volksrepublik als Clearingstelle für die Landeswährung zu fungieren. Mit der Wahl der ICBC signalisiert Peking jedoch den Wunsch, noch mehr große Finanzdienstleister in das Offshore-Yuan-Geschäft einzubeziehen. Bei der ICBC macht das grenzüberschreitende Yuan-Geschäft bereits 20 Prozent vom jährlichen Einkommen aus.
Für Singapur wiederum bedeutet die Entscheidung zu Gunsten der ICBC eine Festigung der Führungsposition als Finanzzentrum von Südostasien. Die Yuan-Einlagen des Inselstaates sind binnen kürzester Zeit auf umgerechnet 16 Milliarden Dollar explodiert.
Im bislang führenden Offshore-Zentrum für den Yuan-Handel, in Hong Kong, hat sich der tägliche Devisenumsatz mit Chinas Währung binnen eines Jahres auf sechs Milliarden Dollar verdoppelt, sagt der Anleihechef bei der Standard Chartered Bank in Hong Kong, Charles Feng. Laut der HSBC Bank werden die Yuan-Einlagen in der Ex-Kolonie im laufenden Jahr um 43 Prozent weiter zunehmen. Inzwischen werden Volumina erreicht, bei denen auch Notenbanken einsteigen können, erklärt der Research-Chef bei der Bank of Toyko-Mitsubishi in Hong Kong, Cliff Tan.
Und in London, wo die Bank of England im Januar "prinzipiell" ihre Unterstützung für ein Swap-Abkommen mit China signalisierte, freut man sich, besonders. Denn aus dem Yuan-Geschäft könnte ein Schub für die Finanzmetropole entstehen, wie einst bei der Explosion des Dollarmarktes in den 60er und 70er Jahren. Das wäre für viele Firmen in Europa ein großer Vorteil. Sie könnten sich leichter und günstiger als bisher Yuan zur Bezahlung ihrer Importe aus China besorgen.
Auch der rasant wachsende Handel deutscher Firmen mit chinesischen Kunden würde davon profitieren. Laut dem Goldman Sachs-Strategen Jim O'Neill, der 2001 die BRICS "erfand" - und der vorige Woche seine Pensionierung bekanntgab - werden bis zum Ende des Jahrzehnts einige europäische Länder mehr Handel mit China betreiben als mit großen Absatzmärkten in der EU.
Ein Vertrag zwischen Peking und London wäre das erste Swap-Abkommen, das China mit einem großen Industrieland schließt, nach 15 Verträgen mit Schwellenländern. Nach Angaben des globalen Transaktions-Netzwerkes SWIFT ist der Yuan in der Rangliste der führenden Handelswährungen zwar erst an 16. Stelle. Doch wie vielversprechend eine frühe Einbindung in das expandierende Yuan-Universum sein kann, zeigt gerade das Beispiel Großbritannien: Dort wird mit 28 Prozent bereits der größte Teil des globalen Yuan-Handels außerhalb von China und Hong Kong abgewickelt.
China schmiedet größte Freihandelszone der Welt - ohne die USA
Die USA kommen laut SWIFT nur auf 4 Prozent dieses explosionsartig wachsenden Marktes. Das ist ein gewaltiger Startvorteil für London auch bei den Emissionen von Yuan-Anleihen, deren Volumen laut Standard Chartered in 2013 um 20 bis 30 Prozent wachsen soll.
Auf tönernen Füßen stehen der Dollar und die USA auch in Asien, wo der Großteil des künftigen globalen Wachstums erwartet wird. Barack Obama wollte den Handelspartnern der USA in Fernost bei seinem Besuch gleich nach der Wiederwahl im November das Konzept einer Transpazifischen Partnerschaft (TPP) schmackhaft machen, ein Plan, der die Teilnahme Chinas bislang nicht vorsieht.
Doch die Zurückhaltung der Asiaten ist deutlich sichtbar. Das Gegenkonzept, für das sich immer mehr Länder in der Region entscheiden, ist die von China forcierte Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), die wiederum ohne die USA stattfinden soll. Die RCEP wurde im November in Kambodscha vorgestellt und soll 16 Länder - neben den zehn ASEAN-Staaten auch China, Indien, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland - umfassen. Wenn sie in den kommenden Jahren errichtet wird, repräsentiert sie mit der Hälfte der Weltbevölkerung die größte Freihandelszone auf dem Planeten.
Die USA und ihre Landeswährung verlieren damit in der am schnellsten wachsenden Region der Welt weiter an Einfluss.
Laut einer neuen Studie der United Overseas Bank of Singapore (UOB) wird die Weltwirtschaft im laufenden Jahrzehnt um 73 Prozent wachsen. Die drei am schnellsten expandierenden Handelskorridore auf dem Planeten werden sich dabei zwischen Indien und dem Nahen Osten, zwischen China und Afrika sowie zwischen Lateinamerika und China erstrecken. Asien wird dann schon ein Drittel der Weltwirtschaft repräsentieren. Der Dollar wird dabei kein Heimspiel haben.
* MM
Die Abgesänge auf den Greenback nehmen zu: Im Asienhandel und in der Ölwirtschaft werden Umwege um die Weltleitwährung gelegt. Im Handel fallen die USA sogar hinter China zurück. Und immer mehr Beobachter in den USA fürchten ein Desaster als Folge der ultra-lockeren Geldpolitik der Fed.
China rechnet seine Handelsbilanz erstmals auch in der Landeswährung, dem Yuan, ab. In Asien wird die größte Freihandelszone der Welt ohne Einbindung der USA in Angriff genommen. Und London steht kurz vor einem Währungs-Swap-Abkommen mit den Chinesen. Es ist das erste außerhalb Asiens.
Gleichzeitig basteln die großen Schwellenländer der Brics-Gruppe - Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika - an ihrer eigenen Entwicklungsbank mit 50 Milliarden Dollar Startkapital. Es ist eine mögliche Konkurrenz zum Internationalen Währungsfonds, wo die USA regieren. China selbst forciert immer stärker die Ausbreitung des Yuan. Dieser steigt im innerasiatischen Handel zu einer bevorzugten Abrechnungswährung auf.
Währenddessen quält sich Europa durch eine schmerzhafte Schuldenkrise. Den USA droht nach dem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im Schlussquartal 2012 wieder eine Rezession. Doch China stieg 2012 trotz weniger Wachstums zur größten Handelsnation der Welt auf und nahm den USA diese Krone ab.
Im Klartext: Nach Jahrzehnten, in denen die Supermacht USA über die Globalisierung sowie über strategische Verträge und expandierende Wall Street-Giganten wie Coca-Cola , General Electric und IBM im Rest der Welt den Taktstock schwang, wendet sich jetzt das Blatt. Und zwar dramatisch. Im Welthandel entsteht eine neue Infrastruktur, die zunehmend bereit ist, auf die Weltleitwährung Dollar zu verzichten. Die neuen Spitzenspieler in der rasant veränderten ökonomischen Champions-League kommen aus Asien, Lateinamerika und Afrika.
Die Apples und Volkswagen der Zukunft
Die Boston Consulting Group hat in dieser Woche zum fünften Mal seit 2006 eine Liste der 100 größten Herausforderer aus den Schwellenländern aufgestellt. Von den "100 Global Challengers" kommen 30 aus China, 20 aus Indien. Satte 1.000 Firmen aus den aufsteigenden Schwellenmärkten haben seit 2006 die Schallmauer von einer Milliarde Dollar Jahresumsatz durchbrochen. Sie sind die Volkswagen , Wal-Marts und Apples der Zukunft.
Jetzt sind sie auf dem Sprung, dem Westen das Fürchten zu lehren. Und die Leitwährung für ihre weltweite Attacke auf das etablierte globale Wirtschaftssystem heißt nicht mehr automatisch Dollar, sondern immer öfter Renminbi. Die USA könnten sich in naher Zukunft gezwungen sehen, einen Yuan-Vorrat anzulegen, um im Welthandel voll mitzuhalten.
Die Nervosität in den USA angesichts dieser Wachablösung schlägt mancherorts bereits in Zynismus um. "Wir sehen einen Währungskrieg", sagt der CEO von Euro Pacific Capital, Peter Schiff. "Was Währungskriege von anderen Kriegen unterscheidet", fügt er hinzu, "ist die Tatsache, dass man sich dabei selbst umbringt, und die USA scheinen in diesem Sinne als Sieger bereits festzustehen."
Auch dem Medien-Tycoon und Milliardär Steve Forbes wird es langsam mulmig: "Die US-Notenbank produziert wie ein Süchtiger immer wieder Desaster", sagt er und fürchtet, die aktuelle Geldpolitik könne die US-Wirtschaft ruinieren.
Genau dagegen kämpft die Administration von Barack Obama in zähem Ringen mit den Republikanern in Washington an. Bislang vergeblich. Denn im laufenden Fiskaljahr wird sich das Budgetdefizit in den USA bestenfalls von 7 Prozent des BIP auf 4 Prozent reduzieren lassen.
Seit der Finanzkrise ist der Schuldenberg der USA um 100 Prozent auf jetzt über 16 Billionen Dollar gewachsen, künftige Verbindlichkeiten im Rentensystem und Gesundheitswesen nicht mitgerechnet.
Wird das Problem nicht gelöst, droht dem Greenback wirklich irgendwann ein Infarkt. Der US-Dollar hat in den vergangenen fünf Jahren gegenüber dem Euro schon 15 Prozent an Wert eingebüßt. Der breiter gefasste US-Dollar-Index hat gegenüber den anderen wichtigen Währungen seit der Finanzkrise Anfang 2009 rund 11 Prozent verloren.
Putin hamstert Gold
Finanzminister Wolfgang Schäuble, sein französischer Amtskollege Pierre Moscovic und EU-Kommissar Olli Rehn werden langsam nervös, ob des hohen Wechselkurses für den Euro. Und Russlands Präsident Vladimir Putin wirft den USA vor, "die Weltwirtschaft in Gefahr" zu bringen, weil sie "ihr Dollar-Monopol missbrauchen." Putin hat Russlands Goldkäufe massiv in die Höhe getrieben. "Je mehr Gold ein Land hat, desto besser ist es geschützt, wenn der Dollar implodiert", sagt der Abgeordnete Evgeny Fedorov, ein Mitglied von Putins Partei United Russia.
Das Official Monetary and Financial Institutions Forum (OMFIF) in London stellte Ende Januar die These auf, die Welt brauche eine zweite, und vielleicht dritte Reservewährung. "Der Status des Dollars als Weltleitwährung verleiht den USA einen eingebauten Vorteil, weil das Land immer Käufer für seine Schuld-Titel findet, der Umfang der Staatsschulden in den USA ist ein Beweis dafür, wie das die Budget-Disziplin der USA schwächt", heißt es in einem Papier des OMFIF vom Januar.
China baut Dollar-Bestände ab
Dennoch konnte der US-Dollar seine Position als Weltleitwährung in den 12 Monaten bis September 2012 laut dem US-Finanzministerium sogar leicht um knapp einen Prozentpunkt auf 61,7 Prozent ausbauen.
Neun der zehn größten ausländischen US-Gläubiger, die Treasuries halten - darunter Japan, Brasilien, Russland und Großbritannien - haben ihre Bestände an Dollar-Schuldpapieren in dieser Zeit weiter ausgebaut. Doch der größte Gläubiger von allen, China, hat seine Treasury-Position um 7 Prozent reduziert. Das ist eine Gelbe Karte für die USA. China investiert stattdessen jetzt lieber in Rohstoffvorkommen und westliche Firmen, um gegen einen möglichen Dollar-Burnout besser gewappnet zu sein.
Darauf bereiten sich die Chinesen auch mit der Verbreitung ihrer eigenen Währung vor. Sie rüsten ein Offshore-Zentrum nach dem anderen für den Renminbi-Handel auf. Zuerst Hong Kong, dann London, jetzt Singapur. In der vorigen Woche bekam Chinas größte staatliche Geschäftsbank nach Aktiva - die Industrial and Commercial Bank (ICBC) - ihre Genehmigung als Clearing-Bank für den Yuan-Handel in Singapur.
Offshore-Yuan-Geschäft boomt
Unter Chinas Großbanken hatte bisher die Bank of China das Monopol, außerhalb der Volksrepublik als Clearingstelle für die Landeswährung zu fungieren. Mit der Wahl der ICBC signalisiert Peking jedoch den Wunsch, noch mehr große Finanzdienstleister in das Offshore-Yuan-Geschäft einzubeziehen. Bei der ICBC macht das grenzüberschreitende Yuan-Geschäft bereits 20 Prozent vom jährlichen Einkommen aus.
Für Singapur wiederum bedeutet die Entscheidung zu Gunsten der ICBC eine Festigung der Führungsposition als Finanzzentrum von Südostasien. Die Yuan-Einlagen des Inselstaates sind binnen kürzester Zeit auf umgerechnet 16 Milliarden Dollar explodiert.
Im bislang führenden Offshore-Zentrum für den Yuan-Handel, in Hong Kong, hat sich der tägliche Devisenumsatz mit Chinas Währung binnen eines Jahres auf sechs Milliarden Dollar verdoppelt, sagt der Anleihechef bei der Standard Chartered Bank in Hong Kong, Charles Feng. Laut der HSBC Bank werden die Yuan-Einlagen in der Ex-Kolonie im laufenden Jahr um 43 Prozent weiter zunehmen. Inzwischen werden Volumina erreicht, bei denen auch Notenbanken einsteigen können, erklärt der Research-Chef bei der Bank of Toyko-Mitsubishi in Hong Kong, Cliff Tan.
Und in London, wo die Bank of England im Januar "prinzipiell" ihre Unterstützung für ein Swap-Abkommen mit China signalisierte, freut man sich, besonders. Denn aus dem Yuan-Geschäft könnte ein Schub für die Finanzmetropole entstehen, wie einst bei der Explosion des Dollarmarktes in den 60er und 70er Jahren. Das wäre für viele Firmen in Europa ein großer Vorteil. Sie könnten sich leichter und günstiger als bisher Yuan zur Bezahlung ihrer Importe aus China besorgen.
Auch der rasant wachsende Handel deutscher Firmen mit chinesischen Kunden würde davon profitieren. Laut dem Goldman Sachs-Strategen Jim O'Neill, der 2001 die BRICS "erfand" - und der vorige Woche seine Pensionierung bekanntgab - werden bis zum Ende des Jahrzehnts einige europäische Länder mehr Handel mit China betreiben als mit großen Absatzmärkten in der EU.
Ein Vertrag zwischen Peking und London wäre das erste Swap-Abkommen, das China mit einem großen Industrieland schließt, nach 15 Verträgen mit Schwellenländern. Nach Angaben des globalen Transaktions-Netzwerkes SWIFT ist der Yuan in der Rangliste der führenden Handelswährungen zwar erst an 16. Stelle. Doch wie vielversprechend eine frühe Einbindung in das expandierende Yuan-Universum sein kann, zeigt gerade das Beispiel Großbritannien: Dort wird mit 28 Prozent bereits der größte Teil des globalen Yuan-Handels außerhalb von China und Hong Kong abgewickelt.
China schmiedet größte Freihandelszone der Welt - ohne die USA
Die USA kommen laut SWIFT nur auf 4 Prozent dieses explosionsartig wachsenden Marktes. Das ist ein gewaltiger Startvorteil für London auch bei den Emissionen von Yuan-Anleihen, deren Volumen laut Standard Chartered in 2013 um 20 bis 30 Prozent wachsen soll.
Auf tönernen Füßen stehen der Dollar und die USA auch in Asien, wo der Großteil des künftigen globalen Wachstums erwartet wird. Barack Obama wollte den Handelspartnern der USA in Fernost bei seinem Besuch gleich nach der Wiederwahl im November das Konzept einer Transpazifischen Partnerschaft (TPP) schmackhaft machen, ein Plan, der die Teilnahme Chinas bislang nicht vorsieht.
Doch die Zurückhaltung der Asiaten ist deutlich sichtbar. Das Gegenkonzept, für das sich immer mehr Länder in der Region entscheiden, ist die von China forcierte Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP), die wiederum ohne die USA stattfinden soll. Die RCEP wurde im November in Kambodscha vorgestellt und soll 16 Länder - neben den zehn ASEAN-Staaten auch China, Indien, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland - umfassen. Wenn sie in den kommenden Jahren errichtet wird, repräsentiert sie mit der Hälfte der Weltbevölkerung die größte Freihandelszone auf dem Planeten.
Die USA und ihre Landeswährung verlieren damit in der am schnellsten wachsenden Region der Welt weiter an Einfluss.
Laut einer neuen Studie der United Overseas Bank of Singapore (UOB) wird die Weltwirtschaft im laufenden Jahrzehnt um 73 Prozent wachsen. Die drei am schnellsten expandierenden Handelskorridore auf dem Planeten werden sich dabei zwischen Indien und dem Nahen Osten, zwischen China und Afrika sowie zwischen Lateinamerika und China erstrecken. Asien wird dann schon ein Drittel der Weltwirtschaft repräsentieren. Der Dollar wird dabei kein Heimspiel haben.
* MM
seit ca. 30 Jahren hoere und lese ich ueber den Niedergang des US Dollar.
Bis jetzt hat er sich ganz gut gehalten. Totgesagte leben ja bekanntlich laenger.
Selbiges gilt ebenso fuer den Euro. Hier ist die aktuelle Stellungnahme des Saxo Bank Chefs:
Saxo Bank CEO Says Euro Is Doomed as Currency Woes Resurface
By Mahmoud Kassem -
Feb 18, 2013 1:10 PM GMT+0100
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[url='http://www.linkedin.com/shareArticle?mini=true&url=http://www.bloomberg.com/news/2013-02-17/saxo-bank-ceo-says-euro-doomed-as-single-currency-woes-resurface.html&title=Saxo Bank CEO Says Euro Is Doomed as Currency Woes Resurface&summary=Lars Seier Christensen, co-chief
executive officer of Danish bank Saxo Bank A/S, said the euroâs
recent rally is illusory and the shared currency is set to fail
because the continent hasnât supported it with a fiscal union.&source=Bloomberg.com']LinkedIn[/url]
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QUEUE
Q
[/list]
Lars Seier Christensen, co-chief
executive officer of Danish bank Saxo Bank A/S, said the euro’s
recent rally is illusory and the shared currency is set to fail
because the continent hasn’t supported it with a fiscal union.
“The whole thing is doomed,” Christensen said yesterday
in an interview at the bank’s Dubai office. “Right now we’re in
one of those fake solutions where people think that the problem
is contained or being addressed, which it isn’t at all.”
So mag sich jeder nehmen, was er mag.
mcd
Bis jetzt hat er sich ganz gut gehalten. Totgesagte leben ja bekanntlich laenger.
Selbiges gilt ebenso fuer den Euro. Hier ist die aktuelle Stellungnahme des Saxo Bank Chefs:
Saxo Bank CEO Says Euro Is Doomed as Currency Woes Resurface
By Mahmoud Kassem -
Feb 18, 2013 1:10 PM GMT+0100
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executive officer of Danish bank Saxo Bank A/S, said the euroâs
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Lars Seier Christensen, co-chief
executive officer of Danish bank Saxo Bank A/S, said the euro’s
recent rally is illusory and the shared currency is set to fail
because the continent hasn’t supported it with a fiscal union.
“The whole thing is doomed,” Christensen said yesterday
in an interview at the bank’s Dubai office. “Right now we’re in
one of those fake solutions where people think that the problem
is contained or being addressed, which it isn’t at all.”
So mag sich jeder nehmen, was er mag.
mcd
Morgan Stanley prophezeit Euro-Dollar-Parität bis 2015
Hans-Günter Redeker, Devisenexperte der US-Großbank, sagt dem Euro eine düstere Zukunft voraus. Verantwortlich dafür macht er auch die Zypern-Politik
Der US-Großbank Morgan Stanley zufolge droht in zweieinhalb Jahren eine Euro-Dollar-Parität. Das berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg" unter Berufung auf ein Interview mit Analyst Hans-Günter Redeker. Die langfristigen Folgen der Maßnahmenpaketes in Zypern seien "sehr negativ", sagt der Leiter der Devisenstrategie von Morgan Stanley. Auch die politische Krise in Italien schwäche den Euro. Es steige die Skepsis, in der Peripherie Geld anzulegen. Redeker prognostiziert eine Kreditklemme und schwaches Wirtschaftswachstum.
"In zweieinhalb Jahren könnten wir der Parität sehr nahe kommen", so der Devisenexperte. Der Euro liegt derzeit bei 1,28 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit November 2012. Redeker sieht die Gemeinschaftswährung zum Jahresende bei 1,25 Dollar und bis Ende 2014 bei 1,19 Dollar. "Europa wird es im Herbst wie Japan machen", ist Redeker überzeugt. Er spielt damit auf eine Politik zur Schwächung der Landeswährung an, um das Wachstum zu fördern
Der US-Großbank Morgan Stanley zufolge droht in zweieinhalb Jahren eine Euro-Dollar-Parität. Das berichtet die Nachrichtenagentur "Bloomberg" unter Berufung auf ein Interview mit Analyst Hans-Günter Redeker. Die langfristigen Folgen der Maßnahmenpaketes in Zypern seien "sehr negativ", sagt der Leiter der Devisenstrategie von Morgan Stanley. Auch die politische Krise in Italien schwäche den Euro. Es steige die Skepsis, in der Peripherie Geld anzulegen. Redeker prognostiziert eine Kreditklemme und schwaches Wirtschaftswachstum.
"In zweieinhalb Jahren könnten wir der Parität sehr nahe kommen", so der Devisenexperte. Der Euro liegt derzeit bei 1,28 Dollar. Das ist der tiefste Stand seit November 2012. Redeker sieht die Gemeinschaftswährung zum Jahresende bei 1,25 Dollar und bis Ende 2014 bei 1,19 Dollar. "Europa wird es im Herbst wie Japan machen", ist Redeker überzeugt. Er spielt damit auf eine Politik zur Schwächung der Landeswährung an, um das Wachstum zu fördern
Drei gute Gründe, warum der US-Dollar weiter zulegen sollte...
Christophe Bernard, Chefstratege von Vontobel, nennt in einem aktuellen Kommentar drei gute Gründe, warum der US-Dollar gegen Währungen wie Euro, Yen und Schweizer Franken an Wert gewinnen sollte.
"Der Dollar ist unsere Währung, aber er ist euer Problem", so der berühmte Ausspruch von John Connally, US-Finanzminister unter Präsident Richard Nixon, gegenüber einer Delegation europäischer Finanzminister Ende 1971 in Rom. Die anschließende, jahrzehntelange Schwäche der weltweit wichtigsten Reservewährung könnte sich nun jedoch ihrem Ende zuneigen und antizyklisch denkenden Investoren eine gute Einstiegsgelegenheit bieten.
Seit den späten 1960er-Jahren nahmen die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Handelspartnern über das nach Ende des Zweiten Weltkriegs etablierte Bretton-Woods-System zu. Nachdem die US-amerikanische Regierung die Goldkonvertibilität des US-Dollars am 15. August 1971 einseitig aufgekündigt und damit das Festkurssystem im Rahmen des Bretton-Woods-Mechanismus beendet hatte, folgte eine Phase anhaltender US-Dollar-Schwäche.
Zwei markante Beobachtungen unterstreichen diese Entwicklung: Im März 2013 benötigte ein Anleger für den Kauf einer Feinunze Gold 1.600 US-Dollar, gegenüber 35 US-Dollar vor August 1971 (siehe die Grafik unten). Nach Ansicht von Vontobel dürfte der US-Dollar nun aber von seinem "Totenbett" auferstehen.
Eine neue Phase der Stärke?
Es gibt kaum Zweifel, dass der Doppelauftrag der US-Notenbank, sowohl für Beschäftigung als auch für eine niedrige Inflation zu sorgen, zu einer expansiven Geldpolitik geführt hat, zumindest relativ zu anderen bedeutenden Zentralbanken. Diese Ausrichtung, die zur Schwäche des US-Dollars beitrug, wurde zum Markenzeichen von Alan Greenspans Amtsperiode als Notenbankchef, die von 1987-2006 reichte, sowie auch seines Nachfolgers Ben Bernanke. Darüber hinaus hat das hohe, strukturelle US-Leistungsbilanzdefizit zur Talfahrt des "Greenback" beigetragen. Seit dem Ende der Konvertibilität gab es jedoch auch zwei Phasen, in denen der US-Dollar Stärke zeigte: Die erste fiel mit der Zinserhöhungspolitik zur Ausmerzung der Inflation (1980 bis 1984) durch den früheren US-Notenbankpräsidenten Paul Volcker zusammen, die zweite war die Folge von massiven Kapitalzuflüssen in die USA während des Technologiebooms von 1995 bis 1999.
Die Experten von Vontobel glauben, dass die US-Währung vor einer erneuten Stärkephase steht. Die Prognose basiert auf folgenden Annahmen:
1) Mit dem kräftigen Wachstum der Öl- und Gasproduktion aus unkonventionellen Quellen könnten die USA bis 2020 bei der Energieversorgung autark werden. Das Leistungsbilanzdefizit könnte sich dadurch in einen Überschuss verwandeln;
2) Dank deutlich niedrigerer Energieeinstandskosten werden die USA in wichtigen verarbeitenden Industrien wettbewerbsfähiger, ziehen Auslandskapital an und geben Unternehmen Anlass, ihre Outsourcing-Pläne zu überdenken.
3) Das Pfund, der Yen und der Euro dürften auf mittlere Sicht mit ernsten Problemen zu kämpfen haben. Zudem ist der Schweizer Franken "nolens volens" an die europäische Währung gebunden. Es gibt daher laut Vontobel keine wirkliche Alternative zum US-Dollar als Weltreservewährung, zumindest im Bereich der Papierwährungen
Seit Beginn der 70er Jahre wäre ein Investment in Gold sinnvoll gewesen. Dazwischen konnte jedoch der US-Dollar gegenüber Gold an Wert gewinnen
Christophe Bernard, Chefstratege von Vontobel, nennt in einem aktuellen Kommentar drei gute Gründe, warum der US-Dollar gegen Währungen wie Euro, Yen und Schweizer Franken an Wert gewinnen sollte.
"Der Dollar ist unsere Währung, aber er ist euer Problem", so der berühmte Ausspruch von John Connally, US-Finanzminister unter Präsident Richard Nixon, gegenüber einer Delegation europäischer Finanzminister Ende 1971 in Rom. Die anschließende, jahrzehntelange Schwäche der weltweit wichtigsten Reservewährung könnte sich nun jedoch ihrem Ende zuneigen und antizyklisch denkenden Investoren eine gute Einstiegsgelegenheit bieten.
Seit den späten 1960er-Jahren nahmen die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Handelspartnern über das nach Ende des Zweiten Weltkriegs etablierte Bretton-Woods-System zu. Nachdem die US-amerikanische Regierung die Goldkonvertibilität des US-Dollars am 15. August 1971 einseitig aufgekündigt und damit das Festkurssystem im Rahmen des Bretton-Woods-Mechanismus beendet hatte, folgte eine Phase anhaltender US-Dollar-Schwäche.
Zwei markante Beobachtungen unterstreichen diese Entwicklung: Im März 2013 benötigte ein Anleger für den Kauf einer Feinunze Gold 1.600 US-Dollar, gegenüber 35 US-Dollar vor August 1971 (siehe die Grafik unten). Nach Ansicht von Vontobel dürfte der US-Dollar nun aber von seinem "Totenbett" auferstehen.
Eine neue Phase der Stärke?
Es gibt kaum Zweifel, dass der Doppelauftrag der US-Notenbank, sowohl für Beschäftigung als auch für eine niedrige Inflation zu sorgen, zu einer expansiven Geldpolitik geführt hat, zumindest relativ zu anderen bedeutenden Zentralbanken. Diese Ausrichtung, die zur Schwäche des US-Dollars beitrug, wurde zum Markenzeichen von Alan Greenspans Amtsperiode als Notenbankchef, die von 1987-2006 reichte, sowie auch seines Nachfolgers Ben Bernanke. Darüber hinaus hat das hohe, strukturelle US-Leistungsbilanzdefizit zur Talfahrt des "Greenback" beigetragen. Seit dem Ende der Konvertibilität gab es jedoch auch zwei Phasen, in denen der US-Dollar Stärke zeigte: Die erste fiel mit der Zinserhöhungspolitik zur Ausmerzung der Inflation (1980 bis 1984) durch den früheren US-Notenbankpräsidenten Paul Volcker zusammen, die zweite war die Folge von massiven Kapitalzuflüssen in die USA während des Technologiebooms von 1995 bis 1999.
Die Experten von Vontobel glauben, dass die US-Währung vor einer erneuten Stärkephase steht. Die Prognose basiert auf folgenden Annahmen:
1) Mit dem kräftigen Wachstum der Öl- und Gasproduktion aus unkonventionellen Quellen könnten die USA bis 2020 bei der Energieversorgung autark werden. Das Leistungsbilanzdefizit könnte sich dadurch in einen Überschuss verwandeln;
2) Dank deutlich niedrigerer Energieeinstandskosten werden die USA in wichtigen verarbeitenden Industrien wettbewerbsfähiger, ziehen Auslandskapital an und geben Unternehmen Anlass, ihre Outsourcing-Pläne zu überdenken.
3) Das Pfund, der Yen und der Euro dürften auf mittlere Sicht mit ernsten Problemen zu kämpfen haben. Zudem ist der Schweizer Franken "nolens volens" an die europäische Währung gebunden. Es gibt daher laut Vontobel keine wirkliche Alternative zum US-Dollar als Weltreservewährung, zumindest im Bereich der Papierwährungen
Seit Beginn der 70er Jahre wäre ein Investment in Gold sinnvoll gewesen. Dazwischen konnte jedoch der US-Dollar gegenüber Gold an Wert gewinnen

