Währungsreformen in allen Ländern - Die letzten Tage des Euro
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Vorsicht Währungsreform
Die europäische Schuldenkrise ist längst noch nicht überwunden. Mittlerweile wird an den Finanzmärkten schon als Erfolg gefeiert, wenn es Staaten gelingt, neue Schulden aufzunehmen. Gerade der aktuelle Problemfall Spanien zeigt: Mit Sparen allein ist es nicht getan. Eine ganze Armee von schwäbischen Hausfrauen würde es nicht schaffen, die billionenschwere Schuldenlast abzutragen.
Droht eine Währungsreform? Sind die Tage des Euro wirklich gezählt? Sind die Ersparnisse wirklich noch sicher? Noch vor ein paar Jahren hätte man Spekulationen über eine Währungsreform den kruden Phantasien von Verschwörungstheoretikern zugeordnet. Doch mittlerweile wird ein Währungsschnitt von ernsthaften Ökonomen diskutiert.
Der Mainzer Wirtschaftsjournalist und Buchautor Michael Brückner greift dieses heiße Eisen an. In seiner brisanten Neuerscheinung erklärt er zunächst, weshalb die Gefahr einer Währungsreform in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Er schildert, wie Währungsreformen in der Vergangenheit abliefen – beispielsweise in Deutschland, Russland, der Türkei und in Argentinien.
Ein ganzes Kapitel widmet Brückner dem Bürger als „gläserner Melkkuh“ des Staates. Die Kontrollen werden immer lückenloser, von Privacy kann kaum noch die Rede sein. Angesichts der sprunghaft gestiegenen anonymen Kontenabfragen schlägt nun auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Alarm. In Staaten wie Italien, Belgien und Schweden werden Bargeldtransaktionen bereits drastisch eingeschränkt.
Im zweiten Teil seines Buches gibt der Autor Praxistipps für ein ausgewogenes Sachwertportfolio. Obgleich sich Brückner als Gold-Fan outet, warnt er jedoch davor, zu einseitig in das gelbe Edelmetall zu investieren. Skeptisch ist Michael Brückner zudem bei vermieteten Immobilien. Dafür nennt er Alternativen, die im ersten Moment ein wenig exotisch anmuten, aber dennoch eine bemerkenswerte Performance aufweisen, darunter zum Beispiel Diamanten, Farbedelsteine, Perlen und Porzellan. Breit streuen – diese Devise gilt nach Ansicht Brückners für Geld- ebenso wie für Sachwerte.
Das Buch ist sehr verständlich, sogar spannend geschrieben. Keine Katastrophen-Prosa, aber auch kein Analysten-Fachchinesisch.
Pressemitteilung Redaktionsbuero Michael Brueckner
Droht eine Währungsreform? Sind die Tage des Euro wirklich gezählt? Sind die Ersparnisse wirklich noch sicher? Noch vor ein paar Jahren hätte man Spekulationen über eine Währungsreform den kruden Phantasien von Verschwörungstheoretikern zugeordnet. Doch mittlerweile wird ein Währungsschnitt von ernsthaften Ökonomen diskutiert.
Der Mainzer Wirtschaftsjournalist und Buchautor Michael Brückner greift dieses heiße Eisen an. In seiner brisanten Neuerscheinung erklärt er zunächst, weshalb die Gefahr einer Währungsreform in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist. Er schildert, wie Währungsreformen in der Vergangenheit abliefen – beispielsweise in Deutschland, Russland, der Türkei und in Argentinien.
Ein ganzes Kapitel widmet Brückner dem Bürger als „gläserner Melkkuh“ des Staates. Die Kontrollen werden immer lückenloser, von Privacy kann kaum noch die Rede sein. Angesichts der sprunghaft gestiegenen anonymen Kontenabfragen schlägt nun auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Alarm. In Staaten wie Italien, Belgien und Schweden werden Bargeldtransaktionen bereits drastisch eingeschränkt.
Im zweiten Teil seines Buches gibt der Autor Praxistipps für ein ausgewogenes Sachwertportfolio. Obgleich sich Brückner als Gold-Fan outet, warnt er jedoch davor, zu einseitig in das gelbe Edelmetall zu investieren. Skeptisch ist Michael Brückner zudem bei vermieteten Immobilien. Dafür nennt er Alternativen, die im ersten Moment ein wenig exotisch anmuten, aber dennoch eine bemerkenswerte Performance aufweisen, darunter zum Beispiel Diamanten, Farbedelsteine, Perlen und Porzellan. Breit streuen – diese Devise gilt nach Ansicht Brückners für Geld- ebenso wie für Sachwerte.
Das Buch ist sehr verständlich, sogar spannend geschrieben. Keine Katastrophen-Prosa, aber auch kein Analysten-Fachchinesisch.
Zitat
Michael Brückner, Vorsicht Währungsreform! Wenn die staatliche Schuldenblase platzt, Kopp-Verlag, Rottenburg, April 2012, 208 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, 19,90 Euro.
Pressemitteilung Redaktionsbuero Michael Brueckner
Beginnt 6. Mai das Ende des Euros?
Wahlen in Griechenland, Frankreich und Italien – der 6. Mai könnte zum Schicksalstag für den Euro werden. Was droht – und wie sich Anleger am besten positionieren
Gauner, Lügner, Clowns – vor der ersten Parlamentswahl seit dem Ausbruch der Schuldenkrise haben junge wie alte Griechen für die politische Elite ihres Landes nur noch Verachtung übrig. „Sie haben uns betrogen und jahrelang angelogen“, sagt Rentner Georgios Pasayannis. Die Menschen sind zutiefst enttäuscht von der konservativen Nea Dimokratia (ND) und der sozialistischen Pasok, die jahrzehntelang die Politik unter sich ausgemacht und das Euro-Land faktisch in die Pleite geführt haben.
Der 73-jährige Pasayannis gehörte zu den Stammwählern der Konservativen. Nach vierzig Jahren im öffentlichen Dienst wollte er seinen Lebensabend in Marathon verbringen. Doch dann strich der Staat seine Rente von 1500 Euro um ein Drittel zusammen und kassiert nun auch noch mehr Steuern, um die Schulden der vergangenen Jahrzehnte zu bezahlen. „Das ist eine Bande von Gaunern“, schimpft der Rentner. Wie Pasayannis wenden sich viele Ältere von ND und Pasok ab. Dabei waren sie einst ihre verlässlichste Klientel. Rund 30 Prozent der 9,85 Millionen Wahlberechtigten sind älter als 65 Jahre.
Hohe Jugendarbeitslosigkeit
Am anderen Ende des Wählerspektrums sieht es kaum anders aus: 1,4 Millionen Griechen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren zählen zu den Jungwählern, die ebenfalls nichts von den etablierten Parteien erwarten. Diese Generation leidet besonders unter der seit Jahren anhaltenden Rezession, die von den Sparprogrammen noch verschärft wurde. Nur jeder zweite Grieche unter 25 Jahren hat Arbeit. Vicki Karabela hat immerhin im Postamt von Marathon eine Stelle ergattert. Doch auch sie ist alles andere als zufrieden. „Niemand wird für die Regierungsparteien stimmen, sie sind nichts als ein Haufen Lügner“, sagt die 24-Jährige. „Niemand glaubt mehr auch nur ein einziges Wort, das sie sagen.“
Den Frust von Alt und Jung werden die großen Parteien bei den Parlamentswahlen am kommenden Wochenende zu spüren bekommen. Umfragen sagen deutliche Verluste für die Nea Dimokratia und Pasok voraus. Nicht nur deswegen ist der 6. Mai ein Tag voller Brisanz. Am selben Tag finden auch Wahlen in Frankreich und Italien statt. Dieser erste Sonntag im Mai könnte daher über die weitere Krisenstrategie in der Eurozone, das Vertrauen der Märkte und Zukunft des Euros entscheiden.
Großer Zuspruch für radikale Parteien
Die größte Bedeutung kommt der Wahl in Griechenland zu. Eine Mehrheit für eine Regierung aus ND und Pasok ist alles andere als sicher, auch wenn die ND Favorit auf den Wahlsieg ist. Stattdessen gewinnen die radikalen Parteien, die gegen eine Fortsetzung des Sparkurses sind, an Zuspruch. Die ultra-nationalistische Partei Goldene Morgenröte zum Beispiel kommt nach Umfragen auf fünf Prozent und würde damit die Drei-Prozent-Hürde deutlich überspringen. Die Goldene Morgenröte lehnt das Sparpaket ab und fordert die Ausweisung aller Einwanderer. Das Parteisymbol ähnelt einem Hakenkreuz. Auch die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) dürfte ins Parlament einziehen. Die Hardliner-Kommunisten sprechen sich offen für den Austritt Griechenlands aus der Eurozone und der EU aus. Kein Cent solle an die Gläubiger gezahlt werden. Die KKE kommt nach den letzten Prognosen auf gut neun Prozent der Stimmen.
Auf ein ähnlich gutes Abschneiden können die Unabhängigen Griechen (AE) hoffen. Die AE-Führung meint, das Land sei „besetzt“ von den Geldgebern und müsse „befreit“ werden. Athen sollte nichts an die Banken zurückzahlen. Die Partei ist ausländerfeindlich und fordert zudem deutsche Reparationszahlungen für die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Umfragen zeigen, dass auch diese Partei bis etwa acht bis neun Prozent bekommen könnte.
Der Sparkurs ist in Gefahr
Insgesamt zehn Parteien könnten am Sonntag ins Athener Parlament einziehen. Eine stabile, reformwillige Regierung ist unsicher, die Umsetzung der Strukturreformen und des mit Brüssel vereinbarten Sparprogrammes damit gefährdet. Die Wahl in Griechenland könnte somit zum Schicksalstag für den Euro werden. Die anderen Eurostaaten haben mehrfach klar gemacht: Ohne Kürzungen gibt es keine weiteren Kredite. Die Geduld der Geldgeber mit Griechenland ist wegen des schleppenden Reformtempos langsam aber sicher am Ende. Eine Regierung auf Konfrontationskurs könnte das Maß voll machen.
Die Folgen würden die Eurozone erschüttern: „Ohne Hilfsgelder müsste die griechische Regierung entweder drastische Einsparungen vornehmen – oder sie druckt ihr eigenes Geld“, schreibt die UBS in einer Studie. De facto wäre damit die Mitgliedschaft Griechenlands in der Währungsunion beendet. Den Finanzmärkten stünden in diesem Fall Chaos-Tage wenn nicht sogar Wochen bevor. Griechenland ist dabei gar nicht einmal das Hauptproblem. Das Land ist zu unbedeutend, um für sich genommen einen Einfluss auf die Wirtschaftskraft der Eurozone zu haben. Außerdem haben die Banken ihre Griechenland-Kredite weitestgehend abgeschrieben, so dass auch das Finanzsystem eine Pleite des Landes überstehen würde.
Das Problem für die Eurozone sind drohende Ansteckungseffekte. „Anleger würden sich fragen: Wenn in Griechenland die Sparmaßnahmen nicht durchsetzbar sind – wie geht es dann in den anderen Schuldenstaaten weiter?“, erklärt Jan Poser, Chefvolkswirt bei der Schweizer Bank Sarasin. Die Mitgliedschaft Portugals, Spaniens und sogar Italiens in der Währungsunion stünde plötzlich in Frage. Vor allem die zwei letztgenannten Staaten haben eine ganz andere Dimension als Griechenland.
Selbst wenn der Extremfall ausbleibt und Griechenland doch eine europafreundliche Regierung erhält – schließlich bekommt der Wahlsieger automatisch 50 Extrasitze im Parlament für eine regierungsfähige Mehrheit – könnte es zu Turbulenzen an den Finanzmärkten kommen. Denn in Frankreich steht die zweite Runde der Präsidentschaftswahl an. Favorit ist der Sozialist Francois Hollande. Gewinnt er, verliert Bundeskanzlerin Angela Merkel einen wichtigen Verbündeten im Ringen um einen europäischen Fiskalpakt. Zusammen mit Noch-Amtsinhaber Nicolas Sarkozy hatte sie die Richtung in der Schuldenkrise vorgeben. Im Wahlkampf hat Hollande allerdings schon deutlich gemacht, dass er mit der Route nicht einverstanden ist. „Es ist nicht Deutschland, das für ganz Europa entscheiden wird.“
Vor allem der Fiskalpakt, der für mehr Haushaltsdisziplin Europa sorgen soll, stört Hollande. Er möchte ihn neu verhandeln. Das Wachstum kommt ihm in dem Papier zu kurz. „Ich werde Merkel sagen, dass das französische Volk eine Wahl getroffen hat, die eine Neuverhandlung des Vertrages darstellt“, kündigt Hollande an. Seine Position zum Fiskalpakt und dessen Zielen sei bekannt: „Es wird nicht möglich sein, diese Ziele ohne Wachstum zu erreichen“. Viele andere europäische Länder warteten nur darauf, dass Frankreich die Initiative ergreife.
Damit befindet sich der Sozialist auf Konfrontationskurs mit Merkel. Zwar spricht sich die Kanzlerin mittlerweile auch für eine neue Wachstumsinitiative aus, ein Kompromiss scheint möglich. Merkel hat allerdings auch klargestellt: „Es wird beim Fiskalpakt keine Neuverhandlungen geben.“ 25 Regierungschefs hätten den Pakt unterzeichnet, Portugal und Griechenland haben ihn sogar bereits ratifiziert.
Ein Streit zwischen Frankreich und Deutschland wäre verhängnisvoll. Blockieren sich die zwei Schwergewichte der Eurozone, wäre eine Lösung der Schuldenkrise noch mühsamer. „Wenn Hollande knallhart gegen die Sparpläne vorgeht und Merkels Kurs verweigert, wird es im Euro-Gebälk schwer knirschen“, prophezeit Vermögensverwalter Flossbach.
Zusätzliche Brisanz gewinnt die Lage durch Wahlen in Italien am 6. und 7. Mai. Zwar entscheiden die Italiener nur über die Besetzung von Rathäusern in Gemeinden und Städten. „Der Ausgang könnte aber negative Folgen für Premierminister Mario Monti haben, der auf die Unterstützung der Parteien angewiesen ist“, schreibt die japanische Nomura-Bank. Denn der Verlierer der Wahl könnte den Konsens aufkündigen, um an Profil zu gewinnen. Montis Reformprojekte würden ins Stocken geraten – und Zweifel an Italien an den Märkten wieder wachsen. Der Eurozone stehen unruhige Tage bevor.
* Focus
Gauner, Lügner, Clowns – vor der ersten Parlamentswahl seit dem Ausbruch der Schuldenkrise haben junge wie alte Griechen für die politische Elite ihres Landes nur noch Verachtung übrig. „Sie haben uns betrogen und jahrelang angelogen“, sagt Rentner Georgios Pasayannis. Die Menschen sind zutiefst enttäuscht von der konservativen Nea Dimokratia (ND) und der sozialistischen Pasok, die jahrzehntelang die Politik unter sich ausgemacht und das Euro-Land faktisch in die Pleite geführt haben.
Der 73-jährige Pasayannis gehörte zu den Stammwählern der Konservativen. Nach vierzig Jahren im öffentlichen Dienst wollte er seinen Lebensabend in Marathon verbringen. Doch dann strich der Staat seine Rente von 1500 Euro um ein Drittel zusammen und kassiert nun auch noch mehr Steuern, um die Schulden der vergangenen Jahrzehnte zu bezahlen. „Das ist eine Bande von Gaunern“, schimpft der Rentner. Wie Pasayannis wenden sich viele Ältere von ND und Pasok ab. Dabei waren sie einst ihre verlässlichste Klientel. Rund 30 Prozent der 9,85 Millionen Wahlberechtigten sind älter als 65 Jahre.
Hohe Jugendarbeitslosigkeit
Am anderen Ende des Wählerspektrums sieht es kaum anders aus: 1,4 Millionen Griechen im Alter zwischen 18 und 29 Jahren zählen zu den Jungwählern, die ebenfalls nichts von den etablierten Parteien erwarten. Diese Generation leidet besonders unter der seit Jahren anhaltenden Rezession, die von den Sparprogrammen noch verschärft wurde. Nur jeder zweite Grieche unter 25 Jahren hat Arbeit. Vicki Karabela hat immerhin im Postamt von Marathon eine Stelle ergattert. Doch auch sie ist alles andere als zufrieden. „Niemand wird für die Regierungsparteien stimmen, sie sind nichts als ein Haufen Lügner“, sagt die 24-Jährige. „Niemand glaubt mehr auch nur ein einziges Wort, das sie sagen.“
Den Frust von Alt und Jung werden die großen Parteien bei den Parlamentswahlen am kommenden Wochenende zu spüren bekommen. Umfragen sagen deutliche Verluste für die Nea Dimokratia und Pasok voraus. Nicht nur deswegen ist der 6. Mai ein Tag voller Brisanz. Am selben Tag finden auch Wahlen in Frankreich und Italien statt. Dieser erste Sonntag im Mai könnte daher über die weitere Krisenstrategie in der Eurozone, das Vertrauen der Märkte und Zukunft des Euros entscheiden.
Großer Zuspruch für radikale Parteien
Die größte Bedeutung kommt der Wahl in Griechenland zu. Eine Mehrheit für eine Regierung aus ND und Pasok ist alles andere als sicher, auch wenn die ND Favorit auf den Wahlsieg ist. Stattdessen gewinnen die radikalen Parteien, die gegen eine Fortsetzung des Sparkurses sind, an Zuspruch. Die ultra-nationalistische Partei Goldene Morgenröte zum Beispiel kommt nach Umfragen auf fünf Prozent und würde damit die Drei-Prozent-Hürde deutlich überspringen. Die Goldene Morgenröte lehnt das Sparpaket ab und fordert die Ausweisung aller Einwanderer. Das Parteisymbol ähnelt einem Hakenkreuz. Auch die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) dürfte ins Parlament einziehen. Die Hardliner-Kommunisten sprechen sich offen für den Austritt Griechenlands aus der Eurozone und der EU aus. Kein Cent solle an die Gläubiger gezahlt werden. Die KKE kommt nach den letzten Prognosen auf gut neun Prozent der Stimmen.
Auf ein ähnlich gutes Abschneiden können die Unabhängigen Griechen (AE) hoffen. Die AE-Führung meint, das Land sei „besetzt“ von den Geldgebern und müsse „befreit“ werden. Athen sollte nichts an die Banken zurückzahlen. Die Partei ist ausländerfeindlich und fordert zudem deutsche Reparationszahlungen für die Zeit des Zweiten Weltkriegs. Umfragen zeigen, dass auch diese Partei bis etwa acht bis neun Prozent bekommen könnte.
Der Sparkurs ist in Gefahr
Insgesamt zehn Parteien könnten am Sonntag ins Athener Parlament einziehen. Eine stabile, reformwillige Regierung ist unsicher, die Umsetzung der Strukturreformen und des mit Brüssel vereinbarten Sparprogrammes damit gefährdet. Die Wahl in Griechenland könnte somit zum Schicksalstag für den Euro werden. Die anderen Eurostaaten haben mehrfach klar gemacht: Ohne Kürzungen gibt es keine weiteren Kredite. Die Geduld der Geldgeber mit Griechenland ist wegen des schleppenden Reformtempos langsam aber sicher am Ende. Eine Regierung auf Konfrontationskurs könnte das Maß voll machen.
Die Folgen würden die Eurozone erschüttern: „Ohne Hilfsgelder müsste die griechische Regierung entweder drastische Einsparungen vornehmen – oder sie druckt ihr eigenes Geld“, schreibt die UBS in einer Studie. De facto wäre damit die Mitgliedschaft Griechenlands in der Währungsunion beendet. Den Finanzmärkten stünden in diesem Fall Chaos-Tage wenn nicht sogar Wochen bevor. Griechenland ist dabei gar nicht einmal das Hauptproblem. Das Land ist zu unbedeutend, um für sich genommen einen Einfluss auf die Wirtschaftskraft der Eurozone zu haben. Außerdem haben die Banken ihre Griechenland-Kredite weitestgehend abgeschrieben, so dass auch das Finanzsystem eine Pleite des Landes überstehen würde.
Das Problem für die Eurozone sind drohende Ansteckungseffekte. „Anleger würden sich fragen: Wenn in Griechenland die Sparmaßnahmen nicht durchsetzbar sind – wie geht es dann in den anderen Schuldenstaaten weiter?“, erklärt Jan Poser, Chefvolkswirt bei der Schweizer Bank Sarasin. Die Mitgliedschaft Portugals, Spaniens und sogar Italiens in der Währungsunion stünde plötzlich in Frage. Vor allem die zwei letztgenannten Staaten haben eine ganz andere Dimension als Griechenland.
Selbst wenn der Extremfall ausbleibt und Griechenland doch eine europafreundliche Regierung erhält – schließlich bekommt der Wahlsieger automatisch 50 Extrasitze im Parlament für eine regierungsfähige Mehrheit – könnte es zu Turbulenzen an den Finanzmärkten kommen. Denn in Frankreich steht die zweite Runde der Präsidentschaftswahl an. Favorit ist der Sozialist Francois Hollande. Gewinnt er, verliert Bundeskanzlerin Angela Merkel einen wichtigen Verbündeten im Ringen um einen europäischen Fiskalpakt. Zusammen mit Noch-Amtsinhaber Nicolas Sarkozy hatte sie die Richtung in der Schuldenkrise vorgeben. Im Wahlkampf hat Hollande allerdings schon deutlich gemacht, dass er mit der Route nicht einverstanden ist. „Es ist nicht Deutschland, das für ganz Europa entscheiden wird.“
Vor allem der Fiskalpakt, der für mehr Haushaltsdisziplin Europa sorgen soll, stört Hollande. Er möchte ihn neu verhandeln. Das Wachstum kommt ihm in dem Papier zu kurz. „Ich werde Merkel sagen, dass das französische Volk eine Wahl getroffen hat, die eine Neuverhandlung des Vertrages darstellt“, kündigt Hollande an. Seine Position zum Fiskalpakt und dessen Zielen sei bekannt: „Es wird nicht möglich sein, diese Ziele ohne Wachstum zu erreichen“. Viele andere europäische Länder warteten nur darauf, dass Frankreich die Initiative ergreife.
Damit befindet sich der Sozialist auf Konfrontationskurs mit Merkel. Zwar spricht sich die Kanzlerin mittlerweile auch für eine neue Wachstumsinitiative aus, ein Kompromiss scheint möglich. Merkel hat allerdings auch klargestellt: „Es wird beim Fiskalpakt keine Neuverhandlungen geben.“ 25 Regierungschefs hätten den Pakt unterzeichnet, Portugal und Griechenland haben ihn sogar bereits ratifiziert.
Ein Streit zwischen Frankreich und Deutschland wäre verhängnisvoll. Blockieren sich die zwei Schwergewichte der Eurozone, wäre eine Lösung der Schuldenkrise noch mühsamer. „Wenn Hollande knallhart gegen die Sparpläne vorgeht und Merkels Kurs verweigert, wird es im Euro-Gebälk schwer knirschen“, prophezeit Vermögensverwalter Flossbach.
Zusätzliche Brisanz gewinnt die Lage durch Wahlen in Italien am 6. und 7. Mai. Zwar entscheiden die Italiener nur über die Besetzung von Rathäusern in Gemeinden und Städten. „Der Ausgang könnte aber negative Folgen für Premierminister Mario Monti haben, der auf die Unterstützung der Parteien angewiesen ist“, schreibt die japanische Nomura-Bank. Denn der Verlierer der Wahl könnte den Konsens aufkündigen, um an Profil zu gewinnen. Montis Reformprojekte würden ins Stocken geraten – und Zweifel an Italien an den Märkten wieder wachsen. Der Eurozone stehen unruhige Tage bevor.
* Focus
Pulverfass Euro-Zone
Wahlen in Frankreich und Griechenland lösen unter Top-Ökonomen Besorgnis aus. Das erhöht den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), „die Peripherieländer noch lange de facto mit der Notenpresse zu finanzieren“.
Führende Ökonomen in Deutschland schließen angesichts des Wahlausgangs in Frankreich und Griechenland Rückschläge für die Euro-Rettung nicht aus. Die Wahlen zeigten, dass sich im Euro-Raum eine Spar- und Reformmüdigkeit breitmache, obwohl die Staatsschuldenkrise noch lange nicht gelöst sei, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer Handelsblatt Online. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel werde es daher „noch schwieriger, sich mit Frankreich auf eine gemeinsame Linie für eine tragfähige Finanzverfassung des Euro-Raums zu einigen, ohne die die Staatsschuldenkrise nicht zu lösen ist“. Das erhöht nach Ansicht Krämers den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), „die Peripherieländer noch lange de facto mit der Notenpresse zu finanzieren“. Dieser Zwang zum Gelddrucken sei für sein Institut auch der Hauptgrund, warum man mittelfristig einen deutlich niedrigeren Euro/US-Dollar-Wechselkurs erwarte. „Der Euro ist heute Nacht zu recht gefallen“, so Krämer.
Auch Dekabank-Chefökonom Ulrich Kater hält Marktturbulenzen für möglich. Er begründete dies damit, dass bei demokratischen Regierungswechseln die neuen Akteure zunächst ihre Wahlkampfaussagen abarbeiten müssten. „Zu Beginn der Zusammenarbeit auf Euro-Ebene kann es daher durchaus zu Irritationen kommen, die die Kapitalmärkte in Schwankungen versetzen“, sagte Kater Handelsblatt Online. Am Ende müsse jedoch jede neue Regierung den Umständen und Herausforderungen Tribut zollen. „Unabhängig von neuen Regierungen gäbe es sowieso Handlungsbedarf, wenn sich in den kommenden Monaten herausstellen sollte, dass die südeuropäischen Länder deutlich stärker in die Rezession fallen als bislang erwartet“, gab Kater zu bedenken. „Dann wäre auch Nordeuropa so stark betroffen, dass der Konsolidierungskurs gestreckt werden müsste.! 93 Dabei sei die fiskalische Konsolidierung aber nicht die einzige Herausforderung. „Entscheidender sind die begonnenen Liberalisierungen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“, sagte der Dekabank-Ökonom. Hier sei trotz der Diskussionen um einzelne Reformabschnitte bereits einiges passiert.
Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, wertet die Wahlausgänge als schwere Niederlage für Merkel. „Die Politik der Bundesregierung erleidet gerade ihren absehbaren ökonomischen und politischen Bankrott“, sagte Horn Handelsblatt Online. „Ökonomisch, weil Austeritätspolitik zum wirtschaftlichen Absturz führt, politisch weil die hierfür verantwortlichen Regierungen abgewählt werden.“ Daher sei die Bundesregierung gezwungen, ihren Kurs zu ändern. Der Konjunktur im Euro-Raum werde dies helfen, ist sich Horn sicher.“ Denn ohne eine starke gesamtwirtschaftliche Nachfrage ist es unmöglich, die Schuldenlast zu reduzieren und das Vertrauen der Investoren zurückzuge! winnen.“
Widerspruch kommt von Commerzbank-Chefökomon Krämer, der vor allem mit Blick auf die Wahl von Francois Hollande zum neuen französischen Präsidenten keine keine positiven Impulse erwartet. „Ähnlich wie im Wahlkampf dürfte er auch als Präsident die Ursachen der wirtschaftlichen Probleme Frankreichs weitgehend ignorieren“, sagte Krämer. Statt die Probleme am Arbeitsmarkt wie Spanien oder Portugal anzugehen, wolle Hollande die Jugendarbeitslosigkeit kaschieren, indem er Jugendlichen subventionierte Stellen anbiete. Mit der geplanten öffentlichen Investitionsbank werde er zudem er die wahren Probleme des französischen Mittelstands nicht lösen. „Vielmehr dürfte er mit dem geplanten Steuersatz von 75 Prozent auf Einkommen über 1 Million Euro zahlreiche talentierte Unternehmer verschrecken“, warnte der Commerzbank-Ökonom.
Anders als von Hollande unterstellt, dürfte die französische Wirtschaft nach Krämers Einschätzung in den Jahren ab 2014 nicht jährlich um 2 Prozent wachsen. Hollande werde es daher wohl nicht gelingen, den französischen Staatshaushalt bis 2017 auszugleichen. „Unter seiner Präsidentschaft wird Frankreich innerhalb des Euro-Raums wohl weiter absteigen und gen Süden driften“, prophezeit Krämer. „Das schwächt den Euro-Raum als Ganzes und bürdet Deutschland im Kampf gegen die Staatsschuldenkrise noch mehr Lasten auf.“
Edelmetalle konnten von der Entwicklung heute kaum profitieren. Der Goldkurs wurde in Schach gehalten und bewegt sich um 1640 Dollar / Unze. Aufgrund eines niedrigeren Euros verzeichnete Gold in Euro anfangs jedoch leichte Gewinne.
* MMNEWS
Führende Ökonomen in Deutschland schließen angesichts des Wahlausgangs in Frankreich und Griechenland Rückschläge für die Euro-Rettung nicht aus. Die Wahlen zeigten, dass sich im Euro-Raum eine Spar- und Reformmüdigkeit breitmache, obwohl die Staatsschuldenkrise noch lange nicht gelöst sei, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer Handelsblatt Online. Für Bundeskanzlerin Angela Merkel werde es daher „noch schwieriger, sich mit Frankreich auf eine gemeinsame Linie für eine tragfähige Finanzverfassung des Euro-Raums zu einigen, ohne die die Staatsschuldenkrise nicht zu lösen ist“. Das erhöht nach Ansicht Krämers den Druck auf die Europäische Zentralbank (EZB), „die Peripherieländer noch lange de facto mit der Notenpresse zu finanzieren“. Dieser Zwang zum Gelddrucken sei für sein Institut auch der Hauptgrund, warum man mittelfristig einen deutlich niedrigeren Euro/US-Dollar-Wechselkurs erwarte. „Der Euro ist heute Nacht zu recht gefallen“, so Krämer.
Auch Dekabank-Chefökonom Ulrich Kater hält Marktturbulenzen für möglich. Er begründete dies damit, dass bei demokratischen Regierungswechseln die neuen Akteure zunächst ihre Wahlkampfaussagen abarbeiten müssten. „Zu Beginn der Zusammenarbeit auf Euro-Ebene kann es daher durchaus zu Irritationen kommen, die die Kapitalmärkte in Schwankungen versetzen“, sagte Kater Handelsblatt Online. Am Ende müsse jedoch jede neue Regierung den Umständen und Herausforderungen Tribut zollen. „Unabhängig von neuen Regierungen gäbe es sowieso Handlungsbedarf, wenn sich in den kommenden Monaten herausstellen sollte, dass die südeuropäischen Länder deutlich stärker in die Rezession fallen als bislang erwartet“, gab Kater zu bedenken. „Dann wäre auch Nordeuropa so stark betroffen, dass der Konsolidierungskurs gestreckt werden müsste.! 93 Dabei sei die fiskalische Konsolidierung aber nicht die einzige Herausforderung. „Entscheidender sind die begonnenen Liberalisierungen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“, sagte der Dekabank-Ökonom. Hier sei trotz der Diskussionen um einzelne Reformabschnitte bereits einiges passiert.
Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, wertet die Wahlausgänge als schwere Niederlage für Merkel. „Die Politik der Bundesregierung erleidet gerade ihren absehbaren ökonomischen und politischen Bankrott“, sagte Horn Handelsblatt Online. „Ökonomisch, weil Austeritätspolitik zum wirtschaftlichen Absturz führt, politisch weil die hierfür verantwortlichen Regierungen abgewählt werden.“ Daher sei die Bundesregierung gezwungen, ihren Kurs zu ändern. Der Konjunktur im Euro-Raum werde dies helfen, ist sich Horn sicher.“ Denn ohne eine starke gesamtwirtschaftliche Nachfrage ist es unmöglich, die Schuldenlast zu reduzieren und das Vertrauen der Investoren zurückzuge! winnen.“
Widerspruch kommt von Commerzbank-Chefökomon Krämer, der vor allem mit Blick auf die Wahl von Francois Hollande zum neuen französischen Präsidenten keine keine positiven Impulse erwartet. „Ähnlich wie im Wahlkampf dürfte er auch als Präsident die Ursachen der wirtschaftlichen Probleme Frankreichs weitgehend ignorieren“, sagte Krämer. Statt die Probleme am Arbeitsmarkt wie Spanien oder Portugal anzugehen, wolle Hollande die Jugendarbeitslosigkeit kaschieren, indem er Jugendlichen subventionierte Stellen anbiete. Mit der geplanten öffentlichen Investitionsbank werde er zudem er die wahren Probleme des französischen Mittelstands nicht lösen. „Vielmehr dürfte er mit dem geplanten Steuersatz von 75 Prozent auf Einkommen über 1 Million Euro zahlreiche talentierte Unternehmer verschrecken“, warnte der Commerzbank-Ökonom.
Anders als von Hollande unterstellt, dürfte die französische Wirtschaft nach Krämers Einschätzung in den Jahren ab 2014 nicht jährlich um 2 Prozent wachsen. Hollande werde es daher wohl nicht gelingen, den französischen Staatshaushalt bis 2017 auszugleichen. „Unter seiner Präsidentschaft wird Frankreich innerhalb des Euro-Raums wohl weiter absteigen und gen Süden driften“, prophezeit Krämer. „Das schwächt den Euro-Raum als Ganzes und bürdet Deutschland im Kampf gegen die Staatsschuldenkrise noch mehr Lasten auf.“
Edelmetalle konnten von der Entwicklung heute kaum profitieren. Der Goldkurs wurde in Schach gehalten und bewegt sich um 1640 Dollar / Unze. Aufgrund eines niedrigeren Euros verzeichnete Gold in Euro anfangs jedoch leichte Gewinne.
* MMNEWS
Euro: Wie lange noch?
Genau wie Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, fällt der Euro nicht an einem Tag. Doch unaufhaltsam schreitet er weiter seinem Todesschicksal entgegen. Welches von den Geschichtsschreibern auserkorenes Datum wird wohl das Endes des Euro markieren?
Genau wie Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, fällt der Euro nicht an einem Tag. Doch unaufhaltsam schreitet er weiter seinem Todesschicksal entgegen. Welches von den Geschichtsschreibern auserkorenes Datum wird wohl das Endes des Euro markieren?
Der Tag an dem Griechenland oder ein anderer Staat den Euro abschafft?
Die Wahlen vom 6. Mai 2012?
Der Tag an dem die Griechen nachträglich Collective Action Clauses ihren Staatsanleihen hinzufügten und somit eine neue Klasse von Anleihen für die EZB erschufen?
Der Tag an dem das Engagement des Privatsektors beendet war und neue Staatsanleihen bei nur 20 Prozent des Nennwerts gehandelt wurden?
Ich persönlich glaube, dass die Eurozone seit dem griechischen Schuldenschnitt verdammt ist. Griechenland hat zwar seine Schulden restrukturiert und für unterschiedliche Gläubiger unterschiedliche Regeln erstellt, nichtsdestotrotz werden die neuen Anleihen bei nur 20 Prozent gehandelt! Es ist wie mit alkoholfreiem Bier: Warum sollte man auf der einen Seite auf den besseren Geschmack verzichten, wenn man doch auf der anderen Seite nichts hinzugewinnt? Diese durchaus wichtigen Wahlen ordnen sich nur in eine mehrjährige Kaskade von Ereignissen ein, die letztendlich alle zum Untergang des Euro führen werden.
Wie die Märkte die Wahlen verdauen werden, können Sie in unserem wöchentlichen Bericht nachlesen. Wir sehen schon jetzt das Ende eines ersten kleinen Dämpfers. Nach einigen Reaktionen der Ohnmacht sind die Märkte schon wieder recht stabil und bedrohen schon einige Short-Positionen, die auf ein wirtschaftliches Desaster nach der Wahl wetten. Deutschland meinte, dass es gegenüber Frankreich eine gute Mine aufsetzen wird. Merkel scheint in dieser Konstellation wirklich die schwierigste Position zu besetzen. Während sie und ihre Befürworter immer weniger Unterstützung für die Bailouts erfahren, verlieren auch jene Griechen an Stimmen, die die Bailouts annahmen. Es ist schon eine gewisse Art von Komik, was da alle Welt glaubt. Sowohl der Gläubiger als auch der Schuldner haben das Falsche getan. Das wird im Laufe der Zeit noch mehr Signifikanz erfahren, aber nicht mehr diese Woche.
In den nächsten sieben Tagen wird jeder ganz lieb und freundlich mitspielen. Versöhnliche Worte werden zu hören sein. Wachstum wird das Hauptthema sein. Dann werden die Märkte sich über weitere Bankenhilfen überwerfen. Die Überschriften in den Zeitungen werden gegen Ende der ersten Wochenhälfte hauptsächlich einen Tenor a la „Alles ist okay – kauft weiter“ haben. Europa wird somit einen neues Bewusstsein der Zusammenarbeit erleben und ganz neue Perspektiven erkennen.
Wachstum, Wachstumspakete, Pläne für mehr Wachstum, Verbesserung der Infrastruktur etc. werden die Themen der nächsten Zeit sein. Es wird Diskussionsrunden geben und vielleicht sogar Anstrengungen bei der Rekapitalisierung der Banken. Es wird nur so an Good Banks und Bad Banks wimmeln. Die Regierungen werden den Banken Geld zu Konditionen anbieten, über die kein gesunder Investor jemals auch nur im Traum denken würde.
Am Ende werden diese Pläne natürlich alle erfolglos bleiben. Wir werden in diesem Jahr neue Tiefststände bei den Aktien sehen. Betroffen sein werden insbesondere die USA und Deutschland (beide Länder haben die anderen schon zu weit outperformt), weil:
Deutschland, Frankreich und die Niederlande werden in Erklärungsnot kommen. Warum sollen sie noch weiter in den Euro investieren? Die Regierungen werden durch das Wahlvolk gezwungen sein sich innenpolitischen Themen zu widmen. Den Märkten dürfte das nicht entgehen.
Wachstum kann nicht einfach realisiert werden. Wahrscheinlich werden sich die Investoren schlapp lachen, wenn aus dem Konzept „Wachstum“ ein ernstgemeinter Plan wird. Es wird schnell klar werden, dass mit den Plänen kein Langzeiteffekt erzielt werden kann. Und selbst wenn doch, dann nur auf Kosten neuer Schulden. Das wird dem Anleihenmarkt natürlich wenig helfen und zu einer Flucht in Aktien führen, da die Anleger realisieren werden, dass sie wieder von den Versprechungen der Politik hinter das Licht geführt worden.
Das Konzept der Good Bank/Bad Bank ist ein Lacher an sich. Die Rekapitalisierung führt erst recht zum Erhalt von Zombie-Banken. Wenn eine Bank staatliche Hilfen empfängt, ist das bis dahin geheim gehaltene Problem wohl ähnlich groß wie das offensichtliche. Die Manager scheren sich nicht um Schulden und Kredite. Sie wollen sichere Jobs und ein stabiles Gehalt. Sie häufen das Geld an und hoffen ihr Kapital vermehren zu können. Sie hoffen, dass die geheimen Probleme verschwinden, bevor sie jemand entdeckt. Eine neue Bank zu gründen wäre also ideal. Oder man kann auch ein paar Bad Banks pleite gehen lassen, um sie dann wieder frisch zu eröffnen. Den existierenden Banken Steuergelder zu sündhaften Zinssätzen zu leihen, bringt den Bürgern überhaupt nichts. Es bringt auch dem Staat nichts und wenn es überhaupt einen “Gewinner“ gibt, dann sind das die Banken.
* Peter Tchir, TF Market Advisors
Genau wie Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, fällt der Euro nicht an einem Tag. Doch unaufhaltsam schreitet er weiter seinem Todesschicksal entgegen. Welches von den Geschichtsschreibern auserkorenes Datum wird wohl das Endes des Euro markieren?
Der Tag an dem Griechenland oder ein anderer Staat den Euro abschafft?
Die Wahlen vom 6. Mai 2012?
Der Tag an dem die Griechen nachträglich Collective Action Clauses ihren Staatsanleihen hinzufügten und somit eine neue Klasse von Anleihen für die EZB erschufen?
Der Tag an dem das Engagement des Privatsektors beendet war und neue Staatsanleihen bei nur 20 Prozent des Nennwerts gehandelt wurden?
Ich persönlich glaube, dass die Eurozone seit dem griechischen Schuldenschnitt verdammt ist. Griechenland hat zwar seine Schulden restrukturiert und für unterschiedliche Gläubiger unterschiedliche Regeln erstellt, nichtsdestotrotz werden die neuen Anleihen bei nur 20 Prozent gehandelt! Es ist wie mit alkoholfreiem Bier: Warum sollte man auf der einen Seite auf den besseren Geschmack verzichten, wenn man doch auf der anderen Seite nichts hinzugewinnt? Diese durchaus wichtigen Wahlen ordnen sich nur in eine mehrjährige Kaskade von Ereignissen ein, die letztendlich alle zum Untergang des Euro führen werden.
Wie die Märkte die Wahlen verdauen werden, können Sie in unserem wöchentlichen Bericht nachlesen. Wir sehen schon jetzt das Ende eines ersten kleinen Dämpfers. Nach einigen Reaktionen der Ohnmacht sind die Märkte schon wieder recht stabil und bedrohen schon einige Short-Positionen, die auf ein wirtschaftliches Desaster nach der Wahl wetten. Deutschland meinte, dass es gegenüber Frankreich eine gute Mine aufsetzen wird. Merkel scheint in dieser Konstellation wirklich die schwierigste Position zu besetzen. Während sie und ihre Befürworter immer weniger Unterstützung für die Bailouts erfahren, verlieren auch jene Griechen an Stimmen, die die Bailouts annahmen. Es ist schon eine gewisse Art von Komik, was da alle Welt glaubt. Sowohl der Gläubiger als auch der Schuldner haben das Falsche getan. Das wird im Laufe der Zeit noch mehr Signifikanz erfahren, aber nicht mehr diese Woche.
In den nächsten sieben Tagen wird jeder ganz lieb und freundlich mitspielen. Versöhnliche Worte werden zu hören sein. Wachstum wird das Hauptthema sein. Dann werden die Märkte sich über weitere Bankenhilfen überwerfen. Die Überschriften in den Zeitungen werden gegen Ende der ersten Wochenhälfte hauptsächlich einen Tenor a la „Alles ist okay – kauft weiter“ haben. Europa wird somit einen neues Bewusstsein der Zusammenarbeit erleben und ganz neue Perspektiven erkennen.
Wachstum, Wachstumspakete, Pläne für mehr Wachstum, Verbesserung der Infrastruktur etc. werden die Themen der nächsten Zeit sein. Es wird Diskussionsrunden geben und vielleicht sogar Anstrengungen bei der Rekapitalisierung der Banken. Es wird nur so an Good Banks und Bad Banks wimmeln. Die Regierungen werden den Banken Geld zu Konditionen anbieten, über die kein gesunder Investor jemals auch nur im Traum denken würde.
Am Ende werden diese Pläne natürlich alle erfolglos bleiben. Wir werden in diesem Jahr neue Tiefststände bei den Aktien sehen. Betroffen sein werden insbesondere die USA und Deutschland (beide Länder haben die anderen schon zu weit outperformt), weil:
Deutschland, Frankreich und die Niederlande werden in Erklärungsnot kommen. Warum sollen sie noch weiter in den Euro investieren? Die Regierungen werden durch das Wahlvolk gezwungen sein sich innenpolitischen Themen zu widmen. Den Märkten dürfte das nicht entgehen.
Wachstum kann nicht einfach realisiert werden. Wahrscheinlich werden sich die Investoren schlapp lachen, wenn aus dem Konzept „Wachstum“ ein ernstgemeinter Plan wird. Es wird schnell klar werden, dass mit den Plänen kein Langzeiteffekt erzielt werden kann. Und selbst wenn doch, dann nur auf Kosten neuer Schulden. Das wird dem Anleihenmarkt natürlich wenig helfen und zu einer Flucht in Aktien führen, da die Anleger realisieren werden, dass sie wieder von den Versprechungen der Politik hinter das Licht geführt worden.
Das Konzept der Good Bank/Bad Bank ist ein Lacher an sich. Die Rekapitalisierung führt erst recht zum Erhalt von Zombie-Banken. Wenn eine Bank staatliche Hilfen empfängt, ist das bis dahin geheim gehaltene Problem wohl ähnlich groß wie das offensichtliche. Die Manager scheren sich nicht um Schulden und Kredite. Sie wollen sichere Jobs und ein stabiles Gehalt. Sie häufen das Geld an und hoffen ihr Kapital vermehren zu können. Sie hoffen, dass die geheimen Probleme verschwinden, bevor sie jemand entdeckt. Eine neue Bank zu gründen wäre also ideal. Oder man kann auch ein paar Bad Banks pleite gehen lassen, um sie dann wieder frisch zu eröffnen. Den existierenden Banken Steuergelder zu sündhaften Zinssätzen zu leihen, bringt den Bürgern überhaupt nichts. Es bringt auch dem Staat nichts und wenn es überhaupt einen “Gewinner“ gibt, dann sind das die Banken.
* Peter Tchir, TF Market Advisors
Währungsumstellung bereits im nächsten Jahr?
Nach der letzten Umfrage der Internetplattform GoldSeiten.de, bei welcher sich eine deutliche Zustimmung der Teilnehmer für eine neue D-Mark zeigte, wurden die User nun zu ihrer Meinung zum möglichen Zeitpunkt der Währungsumstellung befragt.
Die letzte repräsentative Umfrage hatte ergeben, dass 92,2% der Befragten eine Umstellung der Währung als sinnvoll erachten. Hiervon favorisierten 59,2% eine neue D-Mark.
An der neuen Umfrage, in welcher GoldSeiten seine Leser dazu befragte, wann eine Währungsumstellung erfolgen könnte, beteiligten sich insgesamt 1758 Personen. Davon haben 82,4% ihren Wohnsitz in Deutschland, 8,4% in Österreich und 5,3% leben in der Schweiz oder in Liechtenstein. Die Befragung erfolgte vom 11. Mai bis 16. Mai 2012 im direkten Anschluss an die Umfrage „Neue DM oder Nord/Süd-Euro?“.
32,7% der Befragten stimmen für eine Währungsumstellung im Jahr 2013. 24,1% der Befragten sind sogar der Meinung, dass eine Währungsumstellung noch im Jahr 2012 stattfinden könnte. Nur 19,5% erwarten eine neue Währung im Jahr 2014. Dagegen gehen 23,7% von der Einführung einer neuen Währung ab dem Jahr 2015 aus.
Die meisten Stimmen gaben Personen der Altersgruppen 31-40 (19,4%), 41-50 (33,6%) und 51-65 (32,8%) ab, zudem waren 90,6% der Umfrageteilnehmer männlich.
GoldSeiten.de
MarkusSchmidt
Die letzte repräsentative Umfrage hatte ergeben, dass 92,2% der Befragten eine Umstellung der Währung als sinnvoll erachten. Hiervon favorisierten 59,2% eine neue D-Mark.
An der neuen Umfrage, in welcher GoldSeiten seine Leser dazu befragte, wann eine Währungsumstellung erfolgen könnte, beteiligten sich insgesamt 1758 Personen. Davon haben 82,4% ihren Wohnsitz in Deutschland, 8,4% in Österreich und 5,3% leben in der Schweiz oder in Liechtenstein. Die Befragung erfolgte vom 11. Mai bis 16. Mai 2012 im direkten Anschluss an die Umfrage „Neue DM oder Nord/Süd-Euro?“.
32,7% der Befragten stimmen für eine Währungsumstellung im Jahr 2013. 24,1% der Befragten sind sogar der Meinung, dass eine Währungsumstellung noch im Jahr 2012 stattfinden könnte. Nur 19,5% erwarten eine neue Währung im Jahr 2014. Dagegen gehen 23,7% von der Einführung einer neuen Währung ab dem Jahr 2015 aus.
Die meisten Stimmen gaben Personen der Altersgruppen 31-40 (19,4%), 41-50 (33,6%) und 51-65 (32,8%) ab, zudem waren 90,6% der Umfrageteilnehmer männlich.
GoldSeiten.de
MarkusSchmidt
Die Euro-Länder bereiten sich auf einen möglichen Austritt Griechenlands vor. Das Gerücht, dass hohe Beamte der Euro-Staaten verabredet haben, jeder Mitgliedsstaat hätte einen nationalen Notfallplan zu entwickeln, wurde gestern offiziell bestätigt und über die Nachrichtenagentur Reuters verbreitet. Unsere Zeitung (*HB) hatte bereits am vergangenen Freitag vom "Plan B" berichtet, den Finanzministerium und Bundesbank ausarbeiten.
Doch dieser Plan B - das darf nicht verschwiegen werden - ist ein Plan, der nach Ansicht derer, die ihn ausarbeiten lassen, nie zum Einsatz kommen soll. Man will den Griechen drohen - und so die Wahlen am 17. Juni im Sinne der Sparpolitik beeinflussen. Es ist wohl der erste gesamteuropäische Wahlkampf, der da geführt wird. Angela Merkel steht nicht auf dem Wahlzettel. Und trotzdem wird vor allem über ihre Politik dort abgestimmt. Die Griechen haben - zugespitzt gesagt - die Wahl zwischen Merkel und Sarrazin
Doch dieser Plan B - das darf nicht verschwiegen werden - ist ein Plan, der nach Ansicht derer, die ihn ausarbeiten lassen, nie zum Einsatz kommen soll. Man will den Griechen drohen - und so die Wahlen am 17. Juni im Sinne der Sparpolitik beeinflussen. Es ist wohl der erste gesamteuropäische Wahlkampf, der da geführt wird. Angela Merkel steht nicht auf dem Wahlzettel. Und trotzdem wird vor allem über ihre Politik dort abgestimmt. Die Griechen haben - zugespitzt gesagt - die Wahl zwischen Merkel und Sarrazin
These: Es gibt zum Euro keine Alternative. Sein Scheitern würde eine Weltwirtschaftskrise auslösen
Glaubt man den meisten Ökonomen und Politikern, wäre das Auseinanderbrechen des Euro der GAU. Entsprechend apokalyptisch ist das Szenario, das sie für diesen Fall an die Wand malen: In den Euro-Krisenländern setzt ein Run auf die Banken ein, weil die Bürger versuchen, ihr Geld vor dem Umtausch in Drachme, Lira und Escudo zu retten.
Das Bankensystem bricht zusammen, die Finanzmärkte kollabieren, Handel und Wachstum kommen zum Erliegen, eine Klagewelle rollt über den Kontinent. Zudem machen Grenz- und Kapitalverkehrskontrollen die in Jahrzehnten erzielten Fortschritte der europäischen Integration binnen weniger Wochen zunichte. „Europas Wirtschaft würde in eine schwere Rezession stürzen und die Weltwirtschaft mit in den Abgrund reißen“, unkt Mark Cliffe, Chefökonom der niederländischen Bank ING. Seinen Berechnungen zufolge würde das Bruttoinlandsprodukt Europas beim Platzen des Euro bis 2014 um insgesamt 10 bis 13 Prozent schrumpfen – weitaus stärker als nach der Lehman-Pleite 2008.
Kein Spaziergang
Tatsächlich wäre der Abschied vom Euro kein Spaziergang und wirtschaftshistorisch allemal eine Zäsur. Doch er ist machbar. Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Probleme in den Krisenländern grübeln immer mehr Ökonomen darüber, wie ein Ausstieg aus dem Euro erfolgen könnte, ohne die Wirtschaft ins Chaos zu stürzen.
Noch konzentrieren sich ihre Überlegungen auf den Euro-Exit Griechenlands. So schlägt Thomas Mayer, Chefökonom der Deutschen Bank, vor, staatliche Schuldscheine als Parallelwährung in Griechenland einzuführen. Doch die Probleme der Währungsunion sind mit einem Euro-Austritt der Griechen allein nicht mehr zu lösen. Zu groß sind die wirtschaftlichen Verwerfungen auch in Spanien, Portugal und Italien, als dass sie sich unter dem Dach einer gemeinsamen Währung mit gemeinsamer Geldpolitik lösen ließen.
Nordo und Südo?
Einige Ökonomen fordern deshalb, den Währungsraum in eine Nord- und Südunion mit jeweils eigenen Währungen zu teilen. Eine eng definierte Nordunion aus Deutschland, Finnland, Niederlande, Österreich und Luxemburg erfüllt weitgehend die Kriterien eines optimalen Währungsraums. Doch für die Länder der südlichen Peripherie gilt das nicht. Ihre Wirtschaftsstrukturen sind zu heterogen, der Handel untereinander zu gering, die Arbeitskräfte zu wenig mobil, als dass ein „Südo“ Bestand haben könnte.
Ein zusätzliches Problem stellt Frankreich dar. Mit seiner Neigung zu Planwirtschaft und Inflation wäre das Land besser in einer Südunion aufgehoben, aus politischen Gründen müsste man es aber wohl in die Nordunion aufnehmen – die dann kein optimaler Währungsraum mehr wäre.
Die Alternative zum Euro lautet daher: Die Länder kehren zu nationalen Währungen zurück. Logistisch ist das ohne Weiteres möglich. Die umlaufenden Euro-Scheine und Münzen könnten abgestempelt und vorübergehend als nationale Währungen verwendet werden, bis genug neue Scheine und Münzen gedruckt sind. Entscheidend ist, dass die Pläne zur Währungsumstellung bis zuletzt geheim bleiben, sonst drohen Turbulenzen an den Finanzmärkten.
Um das Risiko der Kapitalflucht und jahrelanger Rechtsstreitigkeiten gering zu halten, könnte die Rückkehr zu eigenen Währungen mit der Bildung eines Währungskorbs nach dem Vorbild der European Currency Unit (Ecu) verbunden werden. Ebenso wie die damalige Ecu im Europäischen Währungssystem wäre die neue Ecu ein Währungskorb aus den gewichteten nationalen Währungen der EU-Länder.
Keine Entwertung
Alle bestehenden Verträge und Euro-Guthaben würden in Ecu umgerechnet. Kein Bürger und Gläubiger müsste fürchten, dass seine Euro-Forderungen auf Weichwährungen umgestellt und damit faktisch entwertet würden. Neue Geschäfte würden dagegen ab sofort in nationalen Währungen abgeschlossen, auch aus der Lohntüte gäbe es dann wieder D-Mark, Gulden oder Franc. Der Einfachheit halber böte sich ein Umstellungskurs von 1:1 zum Euro an.
Der Wert des Ecu gegenüber den nationalen Währungen würde sich entsprechend den gewichteten bilateralen Wechselkursen der Korb-Währungen entwickeln. Das hätte zur Folge, dass die auf Ecu umgestellten Guthaben der Griechen (gerechnet in Drachme) an Wert zulegten. Dagegen würden die Ecu-Guthaben der Deutschen wegen der starken Mark an Wert verlieren. Doch wäre der Wertverlust deutlich geringer als bei einer Rückkehr zu nationalen Währungen ohne Ecu. Denn der hohe Anteil der Mark im Währungskorb bremst dessen Wertverlust.
Keine Frage: Wenn es so kommt, tritt Europa einen Schritt zurück. Doch die ökonomischen Vorteile wären enorm. Die Länder könnten wieder auf- und abwerten, ihre Wechselkurse die wirtschaftlichen Unterschiede ausgleichen – und die Ecu bildete die Klammer für ein neues Währungsgefüge.
Fazit: These stimmt gar nicht
Gesamtfazit:
Der Euro hat ökonomische und politische Vorteile. Sein Ende wäre eine Blamage, die zunächst weltweit Zweifel an der politischen Handlungsfähigkeit Europas wecken dürfte. Allerdings wären viele positive Entwicklungen auch ohne Euro eingetreten – umgekehrt wurden viele Hoffnungen, die man an den Euro knüpfte, enttäuscht. Zudem deutet alles darauf hin, dass Euro-Land zu einer Transferunion verkommt, in der sich reformresistente Schuldenstaaten durchfüttern lassen. Die Währungsunion birgt für Deutschland somit hohe Risiken. Wahr ist: Es gibt keine Alternative zu Europa und zur Europäischen Union. Zum Euro schon.
* Auszug WIWO
Glaubt man den meisten Ökonomen und Politikern, wäre das Auseinanderbrechen des Euro der GAU. Entsprechend apokalyptisch ist das Szenario, das sie für diesen Fall an die Wand malen: In den Euro-Krisenländern setzt ein Run auf die Banken ein, weil die Bürger versuchen, ihr Geld vor dem Umtausch in Drachme, Lira und Escudo zu retten.
Das Bankensystem bricht zusammen, die Finanzmärkte kollabieren, Handel und Wachstum kommen zum Erliegen, eine Klagewelle rollt über den Kontinent. Zudem machen Grenz- und Kapitalverkehrskontrollen die in Jahrzehnten erzielten Fortschritte der europäischen Integration binnen weniger Wochen zunichte. „Europas Wirtschaft würde in eine schwere Rezession stürzen und die Weltwirtschaft mit in den Abgrund reißen“, unkt Mark Cliffe, Chefökonom der niederländischen Bank ING. Seinen Berechnungen zufolge würde das Bruttoinlandsprodukt Europas beim Platzen des Euro bis 2014 um insgesamt 10 bis 13 Prozent schrumpfen – weitaus stärker als nach der Lehman-Pleite 2008.
Kein Spaziergang
Tatsächlich wäre der Abschied vom Euro kein Spaziergang und wirtschaftshistorisch allemal eine Zäsur. Doch er ist machbar. Vor dem Hintergrund der sich zuspitzenden Probleme in den Krisenländern grübeln immer mehr Ökonomen darüber, wie ein Ausstieg aus dem Euro erfolgen könnte, ohne die Wirtschaft ins Chaos zu stürzen.
Noch konzentrieren sich ihre Überlegungen auf den Euro-Exit Griechenlands. So schlägt Thomas Mayer, Chefökonom der Deutschen Bank, vor, staatliche Schuldscheine als Parallelwährung in Griechenland einzuführen. Doch die Probleme der Währungsunion sind mit einem Euro-Austritt der Griechen allein nicht mehr zu lösen. Zu groß sind die wirtschaftlichen Verwerfungen auch in Spanien, Portugal und Italien, als dass sie sich unter dem Dach einer gemeinsamen Währung mit gemeinsamer Geldpolitik lösen ließen.
Nordo und Südo?
Einige Ökonomen fordern deshalb, den Währungsraum in eine Nord- und Südunion mit jeweils eigenen Währungen zu teilen. Eine eng definierte Nordunion aus Deutschland, Finnland, Niederlande, Österreich und Luxemburg erfüllt weitgehend die Kriterien eines optimalen Währungsraums. Doch für die Länder der südlichen Peripherie gilt das nicht. Ihre Wirtschaftsstrukturen sind zu heterogen, der Handel untereinander zu gering, die Arbeitskräfte zu wenig mobil, als dass ein „Südo“ Bestand haben könnte.
Ein zusätzliches Problem stellt Frankreich dar. Mit seiner Neigung zu Planwirtschaft und Inflation wäre das Land besser in einer Südunion aufgehoben, aus politischen Gründen müsste man es aber wohl in die Nordunion aufnehmen – die dann kein optimaler Währungsraum mehr wäre.
Die Alternative zum Euro lautet daher: Die Länder kehren zu nationalen Währungen zurück. Logistisch ist das ohne Weiteres möglich. Die umlaufenden Euro-Scheine und Münzen könnten abgestempelt und vorübergehend als nationale Währungen verwendet werden, bis genug neue Scheine und Münzen gedruckt sind. Entscheidend ist, dass die Pläne zur Währungsumstellung bis zuletzt geheim bleiben, sonst drohen Turbulenzen an den Finanzmärkten.
Um das Risiko der Kapitalflucht und jahrelanger Rechtsstreitigkeiten gering zu halten, könnte die Rückkehr zu eigenen Währungen mit der Bildung eines Währungskorbs nach dem Vorbild der European Currency Unit (Ecu) verbunden werden. Ebenso wie die damalige Ecu im Europäischen Währungssystem wäre die neue Ecu ein Währungskorb aus den gewichteten nationalen Währungen der EU-Länder.
Keine Entwertung
Alle bestehenden Verträge und Euro-Guthaben würden in Ecu umgerechnet. Kein Bürger und Gläubiger müsste fürchten, dass seine Euro-Forderungen auf Weichwährungen umgestellt und damit faktisch entwertet würden. Neue Geschäfte würden dagegen ab sofort in nationalen Währungen abgeschlossen, auch aus der Lohntüte gäbe es dann wieder D-Mark, Gulden oder Franc. Der Einfachheit halber böte sich ein Umstellungskurs von 1:1 zum Euro an.
Der Wert des Ecu gegenüber den nationalen Währungen würde sich entsprechend den gewichteten bilateralen Wechselkursen der Korb-Währungen entwickeln. Das hätte zur Folge, dass die auf Ecu umgestellten Guthaben der Griechen (gerechnet in Drachme) an Wert zulegten. Dagegen würden die Ecu-Guthaben der Deutschen wegen der starken Mark an Wert verlieren. Doch wäre der Wertverlust deutlich geringer als bei einer Rückkehr zu nationalen Währungen ohne Ecu. Denn der hohe Anteil der Mark im Währungskorb bremst dessen Wertverlust.
Keine Frage: Wenn es so kommt, tritt Europa einen Schritt zurück. Doch die ökonomischen Vorteile wären enorm. Die Länder könnten wieder auf- und abwerten, ihre Wechselkurse die wirtschaftlichen Unterschiede ausgleichen – und die Ecu bildete die Klammer für ein neues Währungsgefüge.
Fazit: These stimmt gar nicht
Gesamtfazit:
Der Euro hat ökonomische und politische Vorteile. Sein Ende wäre eine Blamage, die zunächst weltweit Zweifel an der politischen Handlungsfähigkeit Europas wecken dürfte. Allerdings wären viele positive Entwicklungen auch ohne Euro eingetreten – umgekehrt wurden viele Hoffnungen, die man an den Euro knüpfte, enttäuscht. Zudem deutet alles darauf hin, dass Euro-Land zu einer Transferunion verkommt, in der sich reformresistente Schuldenstaaten durchfüttern lassen. Die Währungsunion birgt für Deutschland somit hohe Risiken. Wahr ist: Es gibt keine Alternative zu Europa und zur Europäischen Union. Zum Euro schon.
* Auszug WIWO
Umfrage: keine Zukunft für den Euro
In fünf Jahren gibt es keinen Euro mehr. Das glaubt jeder fünfte Befragte einer repräsentativen TNS Infratest-Umfrage. Aus diesem Grund würde eine Mehrheit der Befragten Deutschland kein Geld leihen – doch gleichzeitig spart ein Großteil in an den Euro gebundenen Anlageformen
Jeder fünfte Deutsche geht davon aus, dass es in fünf Jahren keinen Euro mehr gibt. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest hervor, die ING Investment Management bestellt hat. Aufgrund des Misstrauens halten 62 Prozent der Befragten Deutschland nicht mehr für kreditwürdig – und würden ihr Geld nicht in Bundeswertpapiere anlegen. Doch widersinniger weise spart die Mehrheit der Deutschen in Anlageformen, die an den Euro gebunden sind.
65 Prozent aller Deutschen sparen mit Sparbüchern, Banksparplänen, Tages- oder Festgeldkonten und 44 Prozent mit Renten- oder Kapitallebensversicherungen. Diese Produkte wären vom Ende des Euros ebenso betroffen wie Staatsanleihen.
Aus diesem Grund raten Finanzexperten schon seit Längerem, Geldanlagen weiter zu streuen. Neben unterschiedlichen Anlageklassen, wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Immobilien, empfehlen Experten in verschiedene Regionen und Währungen zu investieren.
Susanne Hellmann, Deutschlandchefin von ING Investment Management, hält Schwellenländeranleihen in Fremdwährungen für besonders interessant: Bei diesen Produkten erhielten die Anleger nicht nur attraktive und sichere Zinszahlungen, sondern profitierten auch von Währungsaufwertungen. Das starke Wirtschaftswachstum der Schwellenländer führe zu Kapitalströmen in die betroffenen Länder, weshalb sie ihre Wechselkurse regelmäßig aufwerten müssten.
Jeder fünfte Deutsche geht davon aus, dass es in fünf Jahren keinen Euro mehr gibt. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest hervor, die ING Investment Management bestellt hat. Aufgrund des Misstrauens halten 62 Prozent der Befragten Deutschland nicht mehr für kreditwürdig – und würden ihr Geld nicht in Bundeswertpapiere anlegen. Doch widersinniger weise spart die Mehrheit der Deutschen in Anlageformen, die an den Euro gebunden sind.
65 Prozent aller Deutschen sparen mit Sparbüchern, Banksparplänen, Tages- oder Festgeldkonten und 44 Prozent mit Renten- oder Kapitallebensversicherungen. Diese Produkte wären vom Ende des Euros ebenso betroffen wie Staatsanleihen.
Aus diesem Grund raten Finanzexperten schon seit Längerem, Geldanlagen weiter zu streuen. Neben unterschiedlichen Anlageklassen, wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Immobilien, empfehlen Experten in verschiedene Regionen und Währungen zu investieren.
Susanne Hellmann, Deutschlandchefin von ING Investment Management, hält Schwellenländeranleihen in Fremdwährungen für besonders interessant: Bei diesen Produkten erhielten die Anleger nicht nur attraktive und sichere Zinszahlungen, sondern profitierten auch von Währungsaufwertungen. Das starke Wirtschaftswachstum der Schwellenländer führe zu Kapitalströmen in die betroffenen Länder, weshalb sie ihre Wechselkurse regelmäßig aufwerten müssten.
Euro-Zone muss schrumpfen
Der deutsche Ökonom Jürgen Stark erwartet eine "Konsolidierung des Euro-Gebiets". Schwächere Staaten müssten den Währungsraum verlassen
Die Europäische Währungsunion kann nach Einschätzung des früheren deutschen EZB-Chefökonomen Jürgen Stark nicht in ihrer bisherigen Zusammensetzung bestehen bleiben. "Ich sehe die Notwendigkeit einer Konsolidierung des Euro-Gebiets", sagte Stark dem "manager magazin" laut Vorabbericht. Schwächere Staaten müssten die Währungsunion verlassen.
Entscheidend für das Überleben der Euro-Zone und des Euro sei für ihn, dass die deutsch-französische Achse halte, sagte Stark. "Die Integration des Kerns darf nicht verloren gehen. Sonst bekommen wir ein politisches und ökonomisches Desaster historischen Ausmaßes."
Stark war bis Ende 2011 Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) und deren Chefvolkswirt. Er trat aus Protest gegen den Kurs der Notenbank, Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder aufzukaufen, zurück.
Die Europäische Währungsunion kann nach Einschätzung des früheren deutschen EZB-Chefökonomen Jürgen Stark nicht in ihrer bisherigen Zusammensetzung bestehen bleiben. "Ich sehe die Notwendigkeit einer Konsolidierung des Euro-Gebiets", sagte Stark dem "manager magazin" laut Vorabbericht. Schwächere Staaten müssten die Währungsunion verlassen.
Entscheidend für das Überleben der Euro-Zone und des Euro sei für ihn, dass die deutsch-französische Achse halte, sagte Stark. "Die Integration des Kerns darf nicht verloren gehen. Sonst bekommen wir ein politisches und ökonomisches Desaster historischen Ausmaßes."
Stark war bis Ende 2011 Mitglied im Direktorium der Europäischen Zentralbank (EZB) und deren Chefvolkswirt. Er trat aus Protest gegen den Kurs der Notenbank, Staatsanleihen angeschlagener Euro-Länder aufzukaufen, zurück.
Warum tritt Deutschland nicht selbst aus der Währungsunion aus?
Die Eurorettung strapaziert Deutschlands Finanzkraft und die Geduld seiner Bürger. Warum steigen wir nicht aus? Aus Sicht von Experten hat die Idee durchaus Charme – birgt aber auch große Sprengkraft.
Wenn es nach Angela Merkel geht, ist die Sache schon geritzt. Wenn an diesem Donnerstag der Bundestag zu einer Sondersitzung zusammenkommt, um über die 100-Milliarden-Euro-Kredite an Spanien zu beraten, wird die Regierung eine breite Mehrheit bekommen – glaubt die Kanzlerin. „Das, was ich an Signalen höre, stimmt mich optimistisch“, sagte sie am Mittwoch in Berlin.
Und beeilte sich hinzuzufügen: Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass es außer zur Spanien-Hilfe weitere Sondersitzungen des Parlaments während der Sommerpause geben werde – etwa wegen der Probleme in Zypern oder Griechenland.
Das ist dieser Tage in der Tat nicht so selbstverständlich. Denn die Schuldenkrise macht keine Sommerferien. Die prekäre Lage in diversen Euro-Ländern wird die Märkte, die Politiker und die Anleger weiterhin beschäftigen. Griechenland beispielsweise ist womöglich schon früher pleite als gedacht und braucht daher dringend neue Milliarden – trotzdem hat es das Land mit dem Sparen nicht gerade eilig. Und das ebenfalls geschwächte Italien hat neuerdings ein kleines Griechenland im eigenen Land: Sizilien steht kurz vor dem Kollaps.
Wenn Griechenland nicht austritt – warum nicht wir?
So scheint ausgemacht, dass sich die deutschen Politiker – ob per Sondersitzung oder ohne – schon bald mit den nächsten Tranchen für hilfebedürftige Euroländer beschäftigen müssen. Einige Euro-Partner scheinen stillschweigend davon auszugehen, dass Deutschland seine Anteile an den Rettungspaketen auch künftig ohne Widerstand überweisen wird, weil es der größte Profiteur des Euro ist und sich die Währungsunion keinen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum erlauben kann – geschweige denn einen Fall Italiens oder Spaniens. Sie vertrauen darauf, dass Deutschland ein Interesse daran hat, die Währungsunion in ihrer jetzigen Form zu erhalten. Die betreffenden Länder spielen diese Karte nur zu gern aus – und stellen immer neue Forderungen.
Die ständig neuen Lasten für die Bundesrepublik sind der Bevölkerung hierzulande allerdings zunehmend schwer zu vermitteln. Und so mehren sich die Stimmen, die fragen: Wer sagt eigentlich, dass Deutschland seine unzuverlässigen Europartner nicht abschütteln kann? Ist das Land wirklich so sehr auf sie angewiesen? Und wenn nicht: Was hindert die Bundesrepublik daran, selbst aus der Währungsunion auszutreten, ein paar solide Staaten mitzunehmen – und eine eigene Währungsgemeinschaft auf die Beine zu stellen?
Nord-Euro als Parallelwährung
Hans-Olaf Henkel, ehemaliger Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI)
... zu einem Euro-Austritt Deutschlands
„Ich bin schon lange der Meinung, dass Deutschland zusammen mit Holland, Finnland und Österreich aus der Eurozone austreten und eine neue Währung begründen sollte. Der Arbeitstitel wäre ´Nord-Euro´. Diese würde zunächst als Parallelwährung eingeführt und so funktionieren wie der alte Euro es einmal sollte: unter Einhaltung der Maastricht-Kriterien, mit einer No-Bail-Out-Klausel und einer Zentralbank nach dem Modell der Bundesbank. Aus Gesprächen in diesen Ländern weiß ich, dass Schweden, Tschechien und Dänemark schnell dabei sein würden; die wollen alle nicht mehr in den Einheitseuro. Irland käme bald hinzu. Eine ´flexible Mitgliedschaft´ würde auch einen Wechsel ermöglichen. Irgendwann einmal, vielleicht in 20 Jahren, wenn sich die Volkswirtschaften wirklich angeglichen haben, kämen wir dann wieder zusammen, wer weiß?“
... über die Konsequenzen eines solchen Szenarios
„Es gibt aus dem jetzigen Dilemma keinen leichten Ausweg mehr. Die Politik verbaut diesen bewusst immer mehr und macht einen Wechsel immer komplizierter. Aber der Nord-Euro wäre langfristig für den Süden und den Norden immer noch besser als ein ´weiter so´. Der Euro ist zu billig für den Norden und zu teuer für den Süden. Dem Süden würde ein abgewerteter Euro deshalb helfen, wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Ohne Abwertung haben diese Länder, einschließlich Frankreichs, keine Chance, den Anschluss an den Norden zu finden. Statt zu schrumpfen, könnten sie wieder wachsen. Für den Norden hieße das eine entsprechende Aufwertung. Vergessen wir dabei nicht: Wir sind inzwischen auch schon Import-Vizeweltmeister. 45 Prozent unserer Exporte werden heute vorher importiert – und auch diese bekämen wir zunächst einmal billiger. Außerdem könnte die Zentralbank für den Norden, ähnlich wie die Schweizer Nationalbank das jetzt auch gegenüber dem Euro macht, den Aufwertungseffekt in Grenzen halten. Im Übrigen halte ich es für ein groteskes, ja unmoralisches Subventionsprogramm, wenn die deutsche Industrie mit einem schwachen Euro immer bequemer exportiert und der Steuerzahler die finanziellen Folgen im Süden tragen muss.“
.... darüber, für wie wahrscheinlich er ein solches Szenario hält
„Immer noch für recht unwahrscheinlich. Eher bekommen wir den ´Nord-Euro´ über den sukzessiven Ausstieg der Südländer, erst Griechenlands, dann Spaniens, Italiens und so weiter – also als Folge einer chaotischen Entwicklung. Schon deshalb sollten wir versuchen, den ´Nord-Euro´ geordnet und im Einklang mit Frankreich einzuführen, denn eine Vertragsänderung ist sowieso die Voraussetzung für eine Änderung der derzeitigen unseligen Einheitseuropolitik.“
Wenn es nach Angela Merkel geht, ist die Sache schon geritzt. Wenn an diesem Donnerstag der Bundestag zu einer Sondersitzung zusammenkommt, um über die 100-Milliarden-Euro-Kredite an Spanien zu beraten, wird die Regierung eine breite Mehrheit bekommen – glaubt die Kanzlerin. „Das, was ich an Signalen höre, stimmt mich optimistisch“, sagte sie am Mittwoch in Berlin.
Und beeilte sich hinzuzufügen: Es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass es außer zur Spanien-Hilfe weitere Sondersitzungen des Parlaments während der Sommerpause geben werde – etwa wegen der Probleme in Zypern oder Griechenland.
Das ist dieser Tage in der Tat nicht so selbstverständlich. Denn die Schuldenkrise macht keine Sommerferien. Die prekäre Lage in diversen Euro-Ländern wird die Märkte, die Politiker und die Anleger weiterhin beschäftigen. Griechenland beispielsweise ist womöglich schon früher pleite als gedacht und braucht daher dringend neue Milliarden – trotzdem hat es das Land mit dem Sparen nicht gerade eilig. Und das ebenfalls geschwächte Italien hat neuerdings ein kleines Griechenland im eigenen Land: Sizilien steht kurz vor dem Kollaps.
Wenn Griechenland nicht austritt – warum nicht wir?
So scheint ausgemacht, dass sich die deutschen Politiker – ob per Sondersitzung oder ohne – schon bald mit den nächsten Tranchen für hilfebedürftige Euroländer beschäftigen müssen. Einige Euro-Partner scheinen stillschweigend davon auszugehen, dass Deutschland seine Anteile an den Rettungspaketen auch künftig ohne Widerstand überweisen wird, weil es der größte Profiteur des Euro ist und sich die Währungsunion keinen Austritt Griechenlands aus dem Euroraum erlauben kann – geschweige denn einen Fall Italiens oder Spaniens. Sie vertrauen darauf, dass Deutschland ein Interesse daran hat, die Währungsunion in ihrer jetzigen Form zu erhalten. Die betreffenden Länder spielen diese Karte nur zu gern aus – und stellen immer neue Forderungen.
Die ständig neuen Lasten für die Bundesrepublik sind der Bevölkerung hierzulande allerdings zunehmend schwer zu vermitteln. Und so mehren sich die Stimmen, die fragen: Wer sagt eigentlich, dass Deutschland seine unzuverlässigen Europartner nicht abschütteln kann? Ist das Land wirklich so sehr auf sie angewiesen? Und wenn nicht: Was hindert die Bundesrepublik daran, selbst aus der Währungsunion auszutreten, ein paar solide Staaten mitzunehmen – und eine eigene Währungsgemeinschaft auf die Beine zu stellen?
Nord-Euro als Parallelwährung
Hans-Olaf Henkel, ehemaliger Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI)
... zu einem Euro-Austritt Deutschlands
„Ich bin schon lange der Meinung, dass Deutschland zusammen mit Holland, Finnland und Österreich aus der Eurozone austreten und eine neue Währung begründen sollte. Der Arbeitstitel wäre ´Nord-Euro´. Diese würde zunächst als Parallelwährung eingeführt und so funktionieren wie der alte Euro es einmal sollte: unter Einhaltung der Maastricht-Kriterien, mit einer No-Bail-Out-Klausel und einer Zentralbank nach dem Modell der Bundesbank. Aus Gesprächen in diesen Ländern weiß ich, dass Schweden, Tschechien und Dänemark schnell dabei sein würden; die wollen alle nicht mehr in den Einheitseuro. Irland käme bald hinzu. Eine ´flexible Mitgliedschaft´ würde auch einen Wechsel ermöglichen. Irgendwann einmal, vielleicht in 20 Jahren, wenn sich die Volkswirtschaften wirklich angeglichen haben, kämen wir dann wieder zusammen, wer weiß?“
... über die Konsequenzen eines solchen Szenarios
„Es gibt aus dem jetzigen Dilemma keinen leichten Ausweg mehr. Die Politik verbaut diesen bewusst immer mehr und macht einen Wechsel immer komplizierter. Aber der Nord-Euro wäre langfristig für den Süden und den Norden immer noch besser als ein ´weiter so´. Der Euro ist zu billig für den Norden und zu teuer für den Süden. Dem Süden würde ein abgewerteter Euro deshalb helfen, wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Ohne Abwertung haben diese Länder, einschließlich Frankreichs, keine Chance, den Anschluss an den Norden zu finden. Statt zu schrumpfen, könnten sie wieder wachsen. Für den Norden hieße das eine entsprechende Aufwertung. Vergessen wir dabei nicht: Wir sind inzwischen auch schon Import-Vizeweltmeister. 45 Prozent unserer Exporte werden heute vorher importiert – und auch diese bekämen wir zunächst einmal billiger. Außerdem könnte die Zentralbank für den Norden, ähnlich wie die Schweizer Nationalbank das jetzt auch gegenüber dem Euro macht, den Aufwertungseffekt in Grenzen halten. Im Übrigen halte ich es für ein groteskes, ja unmoralisches Subventionsprogramm, wenn die deutsche Industrie mit einem schwachen Euro immer bequemer exportiert und der Steuerzahler die finanziellen Folgen im Süden tragen muss.“
.... darüber, für wie wahrscheinlich er ein solches Szenario hält
„Immer noch für recht unwahrscheinlich. Eher bekommen wir den ´Nord-Euro´ über den sukzessiven Ausstieg der Südländer, erst Griechenlands, dann Spaniens, Italiens und so weiter – also als Folge einer chaotischen Entwicklung. Schon deshalb sollten wir versuchen, den ´Nord-Euro´ geordnet und im Einklang mit Frankreich einzuführen, denn eine Vertragsänderung ist sowieso die Voraussetzung für eine Änderung der derzeitigen unseligen Einheitseuropolitik.“
Totgesagte leben länger!
Man gebe sich keinen Irrtümern hin: Der Euro ist de facto unabschaffbar. Warum? Er ist so groß, dass er nicht mehr abgeschafft werden kann, wie der US-$. Derzeit ist nur die Frage, wer das Desaster bezahlt. Es gibt im Unterschied zu 1929 eine leistungsfähige Wirtschaft, aber die demokratischen Politiker sind nicht in der Lage, das Geld-/Gutscheinsystem einigermaße ordentlich zu verwalten. Eine starke Währung resultiert nicht aus einer starken Wirtschaft, sondern aus einer ordentlichen Verwaltung der Staatsfinanzen, vom Geld über den Haushalt bis zu den Steuern. Derzeit denken alle, dass es im Gutscheinsystem den einen Spezialtrick geben muss, mit dem man sich aus dem Bezahlen herauswinden kann. Den gibt es aber leider nicht, sondern nur die Chance zum gemeinsamen Absturz.
Eine Einführung von DM oder Nord-€ hätte einen katastrophalen Wirtschaftseinbruch zur Folge. Der Grund liegt ganz einfach darin, dass allen längerlaufenden Verträgen die Kalkulationsbasis entzogen wird. Geld ist Wertermittlungsmittel, wenn es einfach ausgetauscht wird, bricht die Kalkulation zusammen mit völlig unabsehbaren Folgen. Dann würde es wohl zu massiven Kapitalverkehrskontrollen kommen wie in den 50ern -> viel Vergnügen als Exportweltmeister. Der dann zu befürchtende volkswirtschaftliche Stillstand oder nur das Knirschen im Getriebe würde abenteuerliche Summen kosten und gewaltige Werte vernichten. Schon der vergleichsweise kleine Betriebsunfall Lehman sorgte für eine Erhöhung der Staatsschuld von 60% des BIP auf 80% in D. Die Aufspaltung einer großen Währung in viele kleine ist in der Weltgeschichte noch nie passiert, die Folgen kennt niemand. Herr Henkel hat schon die Kosten der Wiedervereinigung massiv unterschätzt und gegenüber Kanzler Kohl falsche Angaben gemacht, was zu den "blühenden Landschaften" führte.
Der Euro ist eine historisch-wirtschaftliche Notwendigkeit. Im 19. Jahrhundert hat die Reichsmark den bayerischen Gulden abgelöst, weil der wirtschaftlich einfach obsolet und ein Hindernis für die weitere Entwicklung geworden war. Die Zeit von Zwergenwährungen ist angesichts der riesigen internationalen Kapitalströme vorbei, wie der Schweizer Franken zeigt, den man eigentlich Euken nennen müßte, da er fest an den Euro gekoppelt ist wie früher der österreichische Schilling an die DM. Wenn solche Kapitalverschiebungen gigantischen Ausmasses technisch und wirtschaftlich möglich sind, braucht amn entsprechend große Abrechnungseinheiten, wenn die kleineren Währungen nicht zum Spielball werden sollen.
Der Euro würde auch problemlos funktionieren, wenn man sich an den Vertrag von Maastricht gehalten hätte und wie die USA für die einzelnen Mitgliedsstaaten nicht haften würde, wie vertraglich eigentlich vorgesehen. Der Grund für die Rettungsmassnahmen ist in Wirklichkeit, dass das Banksystem einen Zusammenbruch von Staaten nicht verkraften würde und seinerseits zusammenbrechen würde. Die Banken haben schlicht und einfach trotz massiver Verschlechterung des Ratings mancher Länder die notwendigen Abschreibungen kollektiv nicht vorgenommen, so dass allein bei den europäischen Ländern 200 Mrd. € Abschreibungsbedarf - heute nach den Downgradings wahrscheinlich deutlich mehr - besteht, den man einfach ignoriert hat. Das alles ist die Folge einer fehlenden Finanzaufsicht und Finanzmarktsregelung, die die Banken ständig in die Lage versetzt, den Steuerzahler mit dem kollektiven Selbstmord zu erpressen.
Eine Einführung von DM oder Nord-€ hätte einen katastrophalen Wirtschaftseinbruch zur Folge. Der Grund liegt ganz einfach darin, dass allen längerlaufenden Verträgen die Kalkulationsbasis entzogen wird. Geld ist Wertermittlungsmittel, wenn es einfach ausgetauscht wird, bricht die Kalkulation zusammen mit völlig unabsehbaren Folgen. Dann würde es wohl zu massiven Kapitalverkehrskontrollen kommen wie in den 50ern -> viel Vergnügen als Exportweltmeister. Der dann zu befürchtende volkswirtschaftliche Stillstand oder nur das Knirschen im Getriebe würde abenteuerliche Summen kosten und gewaltige Werte vernichten. Schon der vergleichsweise kleine Betriebsunfall Lehman sorgte für eine Erhöhung der Staatsschuld von 60% des BIP auf 80% in D. Die Aufspaltung einer großen Währung in viele kleine ist in der Weltgeschichte noch nie passiert, die Folgen kennt niemand. Herr Henkel hat schon die Kosten der Wiedervereinigung massiv unterschätzt und gegenüber Kanzler Kohl falsche Angaben gemacht, was zu den "blühenden Landschaften" führte.
Der Euro ist eine historisch-wirtschaftliche Notwendigkeit. Im 19. Jahrhundert hat die Reichsmark den bayerischen Gulden abgelöst, weil der wirtschaftlich einfach obsolet und ein Hindernis für die weitere Entwicklung geworden war. Die Zeit von Zwergenwährungen ist angesichts der riesigen internationalen Kapitalströme vorbei, wie der Schweizer Franken zeigt, den man eigentlich Euken nennen müßte, da er fest an den Euro gekoppelt ist wie früher der österreichische Schilling an die DM. Wenn solche Kapitalverschiebungen gigantischen Ausmasses technisch und wirtschaftlich möglich sind, braucht amn entsprechend große Abrechnungseinheiten, wenn die kleineren Währungen nicht zum Spielball werden sollen.
Der Euro würde auch problemlos funktionieren, wenn man sich an den Vertrag von Maastricht gehalten hätte und wie die USA für die einzelnen Mitgliedsstaaten nicht haften würde, wie vertraglich eigentlich vorgesehen. Der Grund für die Rettungsmassnahmen ist in Wirklichkeit, dass das Banksystem einen Zusammenbruch von Staaten nicht verkraften würde und seinerseits zusammenbrechen würde. Die Banken haben schlicht und einfach trotz massiver Verschlechterung des Ratings mancher Länder die notwendigen Abschreibungen kollektiv nicht vorgenommen, so dass allein bei den europäischen Ländern 200 Mrd. € Abschreibungsbedarf - heute nach den Downgradings wahrscheinlich deutlich mehr - besteht, den man einfach ignoriert hat. Das alles ist die Folge einer fehlenden Finanzaufsicht und Finanzmarktsregelung, die die Banken ständig in die Lage versetzt, den Steuerzahler mit dem kollektiven Selbstmord zu erpressen.
Sigmar Gabriel (SPD) schießt sich auf die Banken als Krisen-Bösewichte ein. Doch sind Bankenpleiten nur die Folge, nicht aber die Ursache der Finanzkrise, meint der Ökonom Michael Hörl. Der Österreicher entlarvt den Euro als Täter – und zählt Gründe auf, warum dieser scheitern muss
Michael Hörl ist österreichischer Ökonom und Autor der „Gemeinwohl-Falle“- einer Antwort auf Globalisierungskritiker wie Jean Ziegler oder Christian Felber (von Attac Österreich).
Euro-Irrtum Eins: „Alle Menschen sind gleich“
In Bezug auf Menschenrechte oder –würde ist das richtig. Nicht aber in Bezug auf Kultur und Mentalität. Die Brüsseler Erfinder unserer Gemeinschaftswährung treibt die grundnaive Idee, mit hohen Zwangsabgaben aus Deutschland, Österreich und Holland nicht nur die Lebensstile aller anderen an erstgenannte anzupassen - sondern gleich auch deren Mentalitäten.
Tausende Tüftler probierten sich in der BRD der 1980er an Photovoltaik oder Windenergie, als an Subventionen noch nicht zu denken war. Griechenland und Portugal besitzen eine doppelt so hohe Sonneneinstrahlung und es sind ausgesprochene Starkwindgebiete. Und trotzdem hat sich in beiden Ländern bis heute nicht ein einziger einheimischer Tüftler gefunden, der irgendetwas mit neuen Energien ausprobieren wollte. Und das ist die (griechische) Tragödie:
Obwohl Europas Fördertöpfe prall gefüllt sind – kann Hellas davon nichts abrufen: Es gibt schlichtweg keine griechischen Unternehmer, die etwas Förderwürdiges herstellen.
Euro-Irrtum Zwei: „Billige Zinsen verbilligen Staatsschulden und fördern Wirtschaft“
Viele Jahre forderten Gewerkschaften und „linke“ SPD-Politiker um Oskar Lafontaine die Europäische Zentralbank (EZB) zu immer weiteren Zinssenkungen auf. Die Linke glaubt nicht an die Kraft des Individuums und so hält sie den Staat als Auftraggeber für die Wirtschaft unverzichtbar – auf Pump finanziert.
Es war aber gerade dieser keynesianische Grundirrtum, der Japan mit seinen ungezählten Konjunkturpaketen (auf Pump) zum höchstverschuldeten Land der Welt gemacht hat. Und es war die kluge Sparpolitik von Carl Bildt und Frederik Reinfeldt, die den Schuldenberg schwedischer Sozialdemokraten von 75% auf 38% am BIP halbierten – bei gleichzeitig hohem Wirtschaftswachstum.
Der Wechsel von Escudo, Drachme oder Lira hin zum Euro hatte deren Zinsniveau von 10% auf zwei pulverisiert. Anstatt die gesparten Zinszahlungen aber zur Schuldentilgung zu verwenden, wähnten sich Sozialisten nun im „Polit-Paradies“: Unbeschränkt Kredit für Protzbauten (Stichwort Themenpark am Nürburgring) und immer neue Wahlgeschenke garantierten eine permanente Wiederwahl.
In nur 10 Jahren hat Griechenland seine (Beamten-)Gehälter und Pensionen verdoppelt. Der dadurch ausgelöste Boom war aber auf Kredit begründet und betraf allein den Handel – importierter Güter. Denn Hellas verschlafene Privat-Wirtschaft ging derweil vollends vor die Hunde. Verdoppelten Arbeitskosten und Produkten aus den 1970ern stand deutsche Spitzentechnik zum gleichen (Euro-)Preis nun (zollfrei) gegenüber.
Euro-Irrtum Drei: „Ein Zinsniveau gleicht Unterschiede aus“
Spanische und irische Banken hätten sich verspekuliert? Mit dem Beitritt zu Euroland hatten Länder wie Spanien oder Irland ihre Weichwährungen mit hohen Zinsen (oft über 10%) und hohen Inflationsraten (oft über 10%) in eine Hartwährung mit niedrigen Zinsen (2%) und ebensolcher Inflation getauscht.
Die „privaten“ Banken dieser Länder konnten von nun an Geld bei der „staatlichen“ EZB in Frankfurt um bloß 2% borgen, um es dann an ihre Kunden weiter zu verleihen.
Wegen dem damals kriselnden Deutschland war der Zinssatz künstlich abgesenkt worden - und eigentlich war er selbst mit 2% noch viel zu hoch. Deutschlands milliardenschwere EU-Zahlungen hatten Spanien oder Irland aber künstlich boomen lassen. Als deren Inflation auf 3,5% gestiegen war, waren 2% für Eurokredite dort aber viel zu billig – so aus Bürgern wurden Spekulanten. Millionen Spanier und Iren kauften sich auf Pump, so viel es ging – fraß die Inflation doch ihre Zinsen auf. Hätten Spaniens Banken nicht der Kreditsucht ihrer Bürger nachgegeben, man hätte sie als Bösewichte vorgeführt.
Ohne Euro hätte Deutschlands (alte) Bundesbank den DM-Zins auf 1% gesenkt. Spanier und Iren hätten den für Peseten und für Pfund auf 6% angehoben. Die verbilligten Kredite hätten in Deutschland für Konsum und Boom gesorgt, die verteuerten in Spanien oder Irland selbige gebremst. Und nichts wäre passiert. Als die vom billigen Staatsgeld aufgeblasenen Immobilien- und Börsenwerte platzten, erklärte man es einer ökonomisch ungebildeten Bevölkerung mit der Schuld von Banken oder Spekulanten.
Euro-Irrtum Vier: „Eine Währung führt zu einem Lohnniveau“
Als die „lästige“ Geldwechslerei im Jahr 2000 weggefallen war, ging ein Aufatmen durch die Betriebe. Heute würde mancher lieber wechseln, denn der Euro hat die Löhne schwacher Länder nur für Kurz erhöht – und einen Kontinent dafür ins Chaos gestürzt.
„Schon immer“ lagen deutsche Autos in der Pannenstatistik vor der Konkurrenz aus Frankreich und Italien. Das war nicht weiter schlimm. Denn nach den ritualisierten Franc- und Lire-Abwertungen am Ende der Tourismussaison waren die Autos zwar nicht besser, aber billiger. So konnte man in Frankreich und Italien ein respektables Lohnniveau erhalten - zumindest in lokaler Währung. Nun ist der Vorteil aber weg: Für Autos „fabriquées en France“ zahlt man jetzt in Euro gleich viel wie für Konkurrenten aus „Allemagne“. Das ließ Frankreichs Autokunden wechseln, Werkschließungen (etwa bei Renault) sind jetzt die Folge.
Zu allem Überfluss zitieren Brüsseler Experten jetzt noch aus dem VWL-Lehrbuch: „Wenn Produkte teurer als das Qualitätsniveau geworden sind, braucht man nur das Lohnniveau solange abzusenken, bis Produktivität und Warenpreis wieder in Einklang sind“. Das ist töricht, denn eine solcherart gedemütigte Arbeitnehmerschaft sorgt nicht für ein Klima, das den Stimmungsumschwung bringt.
Das Spiel ist aus
Es ist verloren. Die Notenpressen fluten Staaten oder Banken (bzw. deren Bürger) immer hektischer mit Geld. Das ist ähnlich effizient, als löschte man einen Brand mit Benzin. Deutschland droht durch irreale Haftungszusagen für todgeweihte Länder selbst der Staatsbankrott. Und Europas Linke feiert mit der Hetze gegen Banken oder Spekulanten ein Come-Back wie in den 1920ern.
Hellas muss in Konkurs geschickt werden – zum sechsten Mal in 150 Jahren. Dann stellt man sukzessive auf alt(bewährte) Währungen um und beginnt endlich, Europas Bürger ökonomisch auszubilden. Dann treten an die Stelle populistischer Keynesianismus-Träumereien eines Tages automatisch seriöse Sparmodelle a la Schweden oder Schweiz
Michael Hörl ist österreichischer Ökonom und Autor der „Gemeinwohl-Falle“- einer Antwort auf Globalisierungskritiker wie Jean Ziegler oder Christian Felber (von Attac Österreich).
Euro-Irrtum Eins: „Alle Menschen sind gleich“
In Bezug auf Menschenrechte oder –würde ist das richtig. Nicht aber in Bezug auf Kultur und Mentalität. Die Brüsseler Erfinder unserer Gemeinschaftswährung treibt die grundnaive Idee, mit hohen Zwangsabgaben aus Deutschland, Österreich und Holland nicht nur die Lebensstile aller anderen an erstgenannte anzupassen - sondern gleich auch deren Mentalitäten.
Tausende Tüftler probierten sich in der BRD der 1980er an Photovoltaik oder Windenergie, als an Subventionen noch nicht zu denken war. Griechenland und Portugal besitzen eine doppelt so hohe Sonneneinstrahlung und es sind ausgesprochene Starkwindgebiete. Und trotzdem hat sich in beiden Ländern bis heute nicht ein einziger einheimischer Tüftler gefunden, der irgendetwas mit neuen Energien ausprobieren wollte. Und das ist die (griechische) Tragödie:
Obwohl Europas Fördertöpfe prall gefüllt sind – kann Hellas davon nichts abrufen: Es gibt schlichtweg keine griechischen Unternehmer, die etwas Förderwürdiges herstellen.
Euro-Irrtum Zwei: „Billige Zinsen verbilligen Staatsschulden und fördern Wirtschaft“
Viele Jahre forderten Gewerkschaften und „linke“ SPD-Politiker um Oskar Lafontaine die Europäische Zentralbank (EZB) zu immer weiteren Zinssenkungen auf. Die Linke glaubt nicht an die Kraft des Individuums und so hält sie den Staat als Auftraggeber für die Wirtschaft unverzichtbar – auf Pump finanziert.
Es war aber gerade dieser keynesianische Grundirrtum, der Japan mit seinen ungezählten Konjunkturpaketen (auf Pump) zum höchstverschuldeten Land der Welt gemacht hat. Und es war die kluge Sparpolitik von Carl Bildt und Frederik Reinfeldt, die den Schuldenberg schwedischer Sozialdemokraten von 75% auf 38% am BIP halbierten – bei gleichzeitig hohem Wirtschaftswachstum.
Der Wechsel von Escudo, Drachme oder Lira hin zum Euro hatte deren Zinsniveau von 10% auf zwei pulverisiert. Anstatt die gesparten Zinszahlungen aber zur Schuldentilgung zu verwenden, wähnten sich Sozialisten nun im „Polit-Paradies“: Unbeschränkt Kredit für Protzbauten (Stichwort Themenpark am Nürburgring) und immer neue Wahlgeschenke garantierten eine permanente Wiederwahl.
In nur 10 Jahren hat Griechenland seine (Beamten-)Gehälter und Pensionen verdoppelt. Der dadurch ausgelöste Boom war aber auf Kredit begründet und betraf allein den Handel – importierter Güter. Denn Hellas verschlafene Privat-Wirtschaft ging derweil vollends vor die Hunde. Verdoppelten Arbeitskosten und Produkten aus den 1970ern stand deutsche Spitzentechnik zum gleichen (Euro-)Preis nun (zollfrei) gegenüber.
Euro-Irrtum Drei: „Ein Zinsniveau gleicht Unterschiede aus“
Spanische und irische Banken hätten sich verspekuliert? Mit dem Beitritt zu Euroland hatten Länder wie Spanien oder Irland ihre Weichwährungen mit hohen Zinsen (oft über 10%) und hohen Inflationsraten (oft über 10%) in eine Hartwährung mit niedrigen Zinsen (2%) und ebensolcher Inflation getauscht.
Die „privaten“ Banken dieser Länder konnten von nun an Geld bei der „staatlichen“ EZB in Frankfurt um bloß 2% borgen, um es dann an ihre Kunden weiter zu verleihen.
Wegen dem damals kriselnden Deutschland war der Zinssatz künstlich abgesenkt worden - und eigentlich war er selbst mit 2% noch viel zu hoch. Deutschlands milliardenschwere EU-Zahlungen hatten Spanien oder Irland aber künstlich boomen lassen. Als deren Inflation auf 3,5% gestiegen war, waren 2% für Eurokredite dort aber viel zu billig – so aus Bürgern wurden Spekulanten. Millionen Spanier und Iren kauften sich auf Pump, so viel es ging – fraß die Inflation doch ihre Zinsen auf. Hätten Spaniens Banken nicht der Kreditsucht ihrer Bürger nachgegeben, man hätte sie als Bösewichte vorgeführt.
Ohne Euro hätte Deutschlands (alte) Bundesbank den DM-Zins auf 1% gesenkt. Spanier und Iren hätten den für Peseten und für Pfund auf 6% angehoben. Die verbilligten Kredite hätten in Deutschland für Konsum und Boom gesorgt, die verteuerten in Spanien oder Irland selbige gebremst. Und nichts wäre passiert. Als die vom billigen Staatsgeld aufgeblasenen Immobilien- und Börsenwerte platzten, erklärte man es einer ökonomisch ungebildeten Bevölkerung mit der Schuld von Banken oder Spekulanten.
Euro-Irrtum Vier: „Eine Währung führt zu einem Lohnniveau“
Als die „lästige“ Geldwechslerei im Jahr 2000 weggefallen war, ging ein Aufatmen durch die Betriebe. Heute würde mancher lieber wechseln, denn der Euro hat die Löhne schwacher Länder nur für Kurz erhöht – und einen Kontinent dafür ins Chaos gestürzt.
„Schon immer“ lagen deutsche Autos in der Pannenstatistik vor der Konkurrenz aus Frankreich und Italien. Das war nicht weiter schlimm. Denn nach den ritualisierten Franc- und Lire-Abwertungen am Ende der Tourismussaison waren die Autos zwar nicht besser, aber billiger. So konnte man in Frankreich und Italien ein respektables Lohnniveau erhalten - zumindest in lokaler Währung. Nun ist der Vorteil aber weg: Für Autos „fabriquées en France“ zahlt man jetzt in Euro gleich viel wie für Konkurrenten aus „Allemagne“. Das ließ Frankreichs Autokunden wechseln, Werkschließungen (etwa bei Renault) sind jetzt die Folge.
Zu allem Überfluss zitieren Brüsseler Experten jetzt noch aus dem VWL-Lehrbuch: „Wenn Produkte teurer als das Qualitätsniveau geworden sind, braucht man nur das Lohnniveau solange abzusenken, bis Produktivität und Warenpreis wieder in Einklang sind“. Das ist töricht, denn eine solcherart gedemütigte Arbeitnehmerschaft sorgt nicht für ein Klima, das den Stimmungsumschwung bringt.
Das Spiel ist aus
Es ist verloren. Die Notenpressen fluten Staaten oder Banken (bzw. deren Bürger) immer hektischer mit Geld. Das ist ähnlich effizient, als löschte man einen Brand mit Benzin. Deutschland droht durch irreale Haftungszusagen für todgeweihte Länder selbst der Staatsbankrott. Und Europas Linke feiert mit der Hetze gegen Banken oder Spekulanten ein Come-Back wie in den 1920ern.
Hellas muss in Konkurs geschickt werden – zum sechsten Mal in 150 Jahren. Dann stellt man sukzessive auf alt(bewährte) Währungen um und beginnt endlich, Europas Bürger ökonomisch auszubilden. Dann treten an die Stelle populistischer Keynesianismus-Träumereien eines Tages automatisch seriöse Sparmodelle a la Schweden oder Schweiz
11 Tage bis zum Euro Zusammenbruch?
Die Eurokrise greift um sich, fast wöchentlich treffen sich die EU-Spitzen zu neuen Krisengipfeln. Als Folge davon brechen die Märkte immer weiter ein. Es gibt kaum noch sichere Anlagen und jeder ist auf der Suche nach der richtigen Anlageform. Doch was früher als sicher und verlässlich galt, kann schon bald nicht mehr als wertloses Papier sein. Vergangene Generationen haben dies öfters erlebt.
Der Bankrott Griechenlands und der Untergang des Euros könnten nun unmittelbar bevorstehen. Manche Experten rechnen sogar innerhalb der nächsten 11 Tage mit dem Zusammenbruch. Selbst Wirtschaftsminister Philipp Rösler spricht schon offen vom Untergang.
Sie als Finanzberater haben bei Ihren Kunden sowohl das Vertrauen als auch die Verpflichtung bestmöglich zu beraten und dessen Vermögen zu schützen.
Doch was schützt das Vermögen Ihrer Kunden wirklich am besten?
Viele der bisherigen Lösungen erscheinen nur auf einen ersten Blick wirklich sicher, denn was bringen Gold, Silber, Platin und andere Edelmetalle in fernen Tresoren, die auch für Sie geschlossen bleiben könnten, wenn die Worte des Präsidenten des Europäischen Steuerzahlerbundes, Rolf von Hohenhau, wahr werden sollten:
„Wir stehen vor der finanziellen Atomexplosion“
Doch nicht ohne Grund dreht sich bei den Olympischen Spielen in London dieser Tage alles um das begehrte Gold. Gold gilt schließlich als das beständigste Edelmetall der letzten 1000 Jahre.
Doch bleibt Gold weiterhin auf der Siegerstraße oder kommt es zu Rückschlägen und Korrekturen? Wie können Vermittler und Kunden gleichermaßen vom Megatrend Gold profitieren?
Gold ist zwar als traditionelle Anlageform sehr beliebt, stabil im Wert und mit sicherer Kaufkraft. Der Nachteil von Gold wiederum ist, dass es keine festen Zinsen und Erträge bietet und im Wert selbstverständlich auch fallen kann.
Die Nachfrage nach Gold ist ungebremst und wird uns in den nächsten Jahren genauso begleiten, wie die Krisen auf der Welt, verbunden mit ständig steigenden Staatsverschuldungen.
Doch nun ist es einem bisher wenig bekannten Anbieter gelungen die einmalige Sicherheit des Goldes und attraktive (und zudem steuerfreie) Erträge in einem Produkt zu verbinden.
Deutsche Makler Consult Ltd
Der Bankrott Griechenlands und der Untergang des Euros könnten nun unmittelbar bevorstehen. Manche Experten rechnen sogar innerhalb der nächsten 11 Tage mit dem Zusammenbruch. Selbst Wirtschaftsminister Philipp Rösler spricht schon offen vom Untergang.
Sie als Finanzberater haben bei Ihren Kunden sowohl das Vertrauen als auch die Verpflichtung bestmöglich zu beraten und dessen Vermögen zu schützen.
Doch was schützt das Vermögen Ihrer Kunden wirklich am besten?
Viele der bisherigen Lösungen erscheinen nur auf einen ersten Blick wirklich sicher, denn was bringen Gold, Silber, Platin und andere Edelmetalle in fernen Tresoren, die auch für Sie geschlossen bleiben könnten, wenn die Worte des Präsidenten des Europäischen Steuerzahlerbundes, Rolf von Hohenhau, wahr werden sollten:
„Wir stehen vor der finanziellen Atomexplosion“
Doch nicht ohne Grund dreht sich bei den Olympischen Spielen in London dieser Tage alles um das begehrte Gold. Gold gilt schließlich als das beständigste Edelmetall der letzten 1000 Jahre.
Doch bleibt Gold weiterhin auf der Siegerstraße oder kommt es zu Rückschlägen und Korrekturen? Wie können Vermittler und Kunden gleichermaßen vom Megatrend Gold profitieren?
Gold ist zwar als traditionelle Anlageform sehr beliebt, stabil im Wert und mit sicherer Kaufkraft. Der Nachteil von Gold wiederum ist, dass es keine festen Zinsen und Erträge bietet und im Wert selbstverständlich auch fallen kann.
Die Nachfrage nach Gold ist ungebremst und wird uns in den nächsten Jahren genauso begleiten, wie die Krisen auf der Welt, verbunden mit ständig steigenden Staatsverschuldungen.
Doch nun ist es einem bisher wenig bekannten Anbieter gelungen die einmalige Sicherheit des Goldes und attraktive (und zudem steuerfreie) Erträge in einem Produkt zu verbinden.
Deutsche Makler Consult Ltd
Der Euro steht vor dem Abgrund – na und?
Es sieht nicht gut aus für die Eurozone, meint Christoph Leichtweiß, Geschäftsführer von Ypos Consulting. Welche Folgen ein Auseinanderfallen der Währungsunion für Anleger hätte, erklärt er in seinem Gastbeitrag
Mit der Einführung der Eurozone wurde das niedrige Zinsniveau wirtschaftlich erfolgreicher und stabiler Länder wie Deutschland in die europäische Peripherie exportiert. Auflagen, wie die Staaten mit der für sie ungewohnt billigen Refinanzierung umgehen sollten gab es nicht. Und es kam, wie es kommen musste: Das Geld wurde nicht sinnvoll investiert, um sich für die Zukunft und für einen globalen Wettbewerb besser aufzustellen.
Stattdessen passierte das genaue Gegenteil: Statt in Dinge wie Infrastruktur oder die Professionalisierung der Bürokratie zu investieren, begannen die Staaten die aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche fehlende private Nachfrage nach Arbeitsplätzen durch eine massive Erhöhung der Staatsausgaben und der Schaffung unproduktiver Beamtenstellen zu kompensieren.
Das führte nicht nur zu einer überbordenden, ineffizienten Bürokratie, es drückte auch das gesamte Lohnniveau nach oben. Der mit dem billigen Geld finanzierte Lebensstandard wuchs kontinuierlich – allerdings nicht nachhaltig. Wichtige Anpassungen fanden nicht statt, da die niedrigen Zinsen den Druck zu schmerzhaften Reformen genommen hatten. Statt zu steigen, fiel die Wettbewerbsfähigkeit sogar noch weiter.
Peripherie versus Schwellenländer
Die zunehmende Globalisierung zwang die Peripherie nun aber immer mehr in einen Wettbewerb mit aufstrebenden Schwellenländern, in denen die Arbeits- und Lohnkosten erheblich niedriger liegen. Seit die Refinanzierung sich wieder der realen Risikosituation angepasst hat, passt sich auch der Lebensstandard sukzessive der globalen Wettbewerbsfähigkeit an. Ohne die Möglichkeit zur Abwertung der eigenen Währung führt das in eine gesellschaftliche Katastrophe, deren Geschwindigkeit durch weitere Vermögenstransfers lediglich verlangsamt werden kann.
Schon jetzt kehren Kapital und Leistungsträger den Schuldenstaaten in Massen den Rücken zu. Die Frage, wer den Weg in die Zukunft bereiten soll und woher die dafür notwendigen Investitionen kommen sollen, ist völlig offen.
Die zu Beginn der Eurozone gemachten Fehler machen somit eines überdeutlich: Echte Anpassungen lassen sich aufschieben, aber nicht vermeiden. Trotzdem sucht die Politik, statt die Notbremse zu ziehen, immer neue Verpackungen, die das Ausmaß des Transfers zwischen den Ländern verschleiern. Waren es zuerst der unsichtbare Niedrigzinsexport und sichtbare, aber in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Subventionen, sind es jetzt, nachdem die Finanzkrise die massiven Probleme der Schuldenstaaten ans Licht gezerrt hat, sichtbare Garantien. Diese werden zwangsläufig schon bald zu echten Cash-Flows werden. Denn gezahlt wurde immer, nur die Offensichtlichkeit und das Volumen haben sich verändert.
Impliziten Staatsschulden aus den staatlichen Renten- und Pensionszusagen werden unterschätzt
Ein aktuell vollkommen unterschätzter Faktor sind die impliziten Staatsschulden aus den staatlichen Renten- und Pensionszusagen. Während Deutschland die zukünftigen Verbindlichkeiten durch das Alterseinkünftegesetz zu Lasten seiner Bürger reduzierte, gibt es in manchen Euroländern heute noch neue unfinanzierbare Versprechen für die Zukunft. Auch in diesem Bereich herrscht in Europa, genau wie etwa bei den Steuersystemen, Divergenz statt Konvergenz
Zusätzlicher Druck wird kurzfristig dadurch entstehen, dass die öffentliche Diskussion nicht mehr nur zwischen den sogenannten Geber- und Nehmerländern stattfindet, sondern auch die Einigkeit innerhalb der einzelnen Gruppen auseinanderbrechen wird. Betrachtet man hier die beiden für die Zukunft der Eurozone entscheidenden Länder Spanien und Italien, ist festzustellen, dass Italien zwar im vergangenen Jahr durch eine unpopuläre Grundsteuer zusätzlich 5 Milliarden Euro Einnahmen generiert hat, aber nun mit 18 Milliarden Euro an der Rettung spanischer Banken beteiligt ist.
Es wird nicht lange dauern, bis dies zu Verwerfungen in der öffentlichen Meinung führt. Das Feindbild disziplinfordernder Geberländer wie etwa Deutschland ist eben nur solange intakt, wie man selbst gefühlt nicht zu diesen gehört.
Für Deutschland ist ein Zurück zur D-Mark möglich
Aus diesen Gründen erscheint es sehr fraglich, dass der Euro in der heutigen Form dauerhaft existiert. Am wahrscheinlichsten erscheint ein „harter Euroraum“. Auch für Deutschland ist ein Zurück zur D-Mark nicht mehr auszuschließen. Für das Vermögen des einzelnen Anlegers spielt es aber keine Rolle ob das Szenario Zusammenhalt oder Auseinanderbrechen eintritt. Die Zeche werden in letzter Konsequenz immer die Steuerzahler und die privaten Gläubiger übernehmen müssen.
Die genauen Folgen für das Vermögen sind schwer abzuschätzen und stellen sich auf der Zeitachse wahrscheinlich mit starken Ausschlägen dar. Zugesagte Leistungen aus kapitalgedeckten Altersversorgungen werden ebenso leiden wie die Nettorenten nach Steuern und Inflation. Aktien werden im Rahmen des Fragmentierungsprozesses zumindest temporär aufgrund der Angst vor einem wirtschaftlichen Abschwung unter Druck kommen. Der Zahlungsverkehr könnte für eine kurze Dauer betroffen sein und die nachlassende Zirkulation von Geldern kann den Welthandel kurzfristig lähmen. Die Bemessungsgrundlage für verschiedene Steuerarten wird sich zu Ungunsten der Zahler verschieben und aktuell nicht erhobene Steuerarten könnten reaktiviert werden.
Vorerst wird aber weiter durchgewurstelt. Den Zeitgewinn sollte die Gläubiger der letzten Instanz, das sind die Bürger und nicht wie oft dargestellt die Notenbanken, nutzen, um sich sachlich und emotional auf unfreundliche Zeiten einzustellen. Ein Mix aus soliden Schuldnern, Währungen außerhalb des Euroraums und physischen Edelmetallen ist eine gute Mischung. Nicht fehlen sollten zudem dividendenstarke Aktien mit stabilem Geschäftsmodell.
Mit der Einführung der Eurozone wurde das niedrige Zinsniveau wirtschaftlich erfolgreicher und stabiler Länder wie Deutschland in die europäische Peripherie exportiert. Auflagen, wie die Staaten mit der für sie ungewohnt billigen Refinanzierung umgehen sollten gab es nicht. Und es kam, wie es kommen musste: Das Geld wurde nicht sinnvoll investiert, um sich für die Zukunft und für einen globalen Wettbewerb besser aufzustellen.
Stattdessen passierte das genaue Gegenteil: Statt in Dinge wie Infrastruktur oder die Professionalisierung der Bürokratie zu investieren, begannen die Staaten die aufgrund der wirtschaftlichen Schwäche fehlende private Nachfrage nach Arbeitsplätzen durch eine massive Erhöhung der Staatsausgaben und der Schaffung unproduktiver Beamtenstellen zu kompensieren.
Das führte nicht nur zu einer überbordenden, ineffizienten Bürokratie, es drückte auch das gesamte Lohnniveau nach oben. Der mit dem billigen Geld finanzierte Lebensstandard wuchs kontinuierlich – allerdings nicht nachhaltig. Wichtige Anpassungen fanden nicht statt, da die niedrigen Zinsen den Druck zu schmerzhaften Reformen genommen hatten. Statt zu steigen, fiel die Wettbewerbsfähigkeit sogar noch weiter.
Peripherie versus Schwellenländer
Die zunehmende Globalisierung zwang die Peripherie nun aber immer mehr in einen Wettbewerb mit aufstrebenden Schwellenländern, in denen die Arbeits- und Lohnkosten erheblich niedriger liegen. Seit die Refinanzierung sich wieder der realen Risikosituation angepasst hat, passt sich auch der Lebensstandard sukzessive der globalen Wettbewerbsfähigkeit an. Ohne die Möglichkeit zur Abwertung der eigenen Währung führt das in eine gesellschaftliche Katastrophe, deren Geschwindigkeit durch weitere Vermögenstransfers lediglich verlangsamt werden kann.
Schon jetzt kehren Kapital und Leistungsträger den Schuldenstaaten in Massen den Rücken zu. Die Frage, wer den Weg in die Zukunft bereiten soll und woher die dafür notwendigen Investitionen kommen sollen, ist völlig offen.
Die zu Beginn der Eurozone gemachten Fehler machen somit eines überdeutlich: Echte Anpassungen lassen sich aufschieben, aber nicht vermeiden. Trotzdem sucht die Politik, statt die Notbremse zu ziehen, immer neue Verpackungen, die das Ausmaß des Transfers zwischen den Ländern verschleiern. Waren es zuerst der unsichtbare Niedrigzinsexport und sichtbare, aber in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Subventionen, sind es jetzt, nachdem die Finanzkrise die massiven Probleme der Schuldenstaaten ans Licht gezerrt hat, sichtbare Garantien. Diese werden zwangsläufig schon bald zu echten Cash-Flows werden. Denn gezahlt wurde immer, nur die Offensichtlichkeit und das Volumen haben sich verändert.
Impliziten Staatsschulden aus den staatlichen Renten- und Pensionszusagen werden unterschätzt
Ein aktuell vollkommen unterschätzter Faktor sind die impliziten Staatsschulden aus den staatlichen Renten- und Pensionszusagen. Während Deutschland die zukünftigen Verbindlichkeiten durch das Alterseinkünftegesetz zu Lasten seiner Bürger reduzierte, gibt es in manchen Euroländern heute noch neue unfinanzierbare Versprechen für die Zukunft. Auch in diesem Bereich herrscht in Europa, genau wie etwa bei den Steuersystemen, Divergenz statt Konvergenz
Zusätzlicher Druck wird kurzfristig dadurch entstehen, dass die öffentliche Diskussion nicht mehr nur zwischen den sogenannten Geber- und Nehmerländern stattfindet, sondern auch die Einigkeit innerhalb der einzelnen Gruppen auseinanderbrechen wird. Betrachtet man hier die beiden für die Zukunft der Eurozone entscheidenden Länder Spanien und Italien, ist festzustellen, dass Italien zwar im vergangenen Jahr durch eine unpopuläre Grundsteuer zusätzlich 5 Milliarden Euro Einnahmen generiert hat, aber nun mit 18 Milliarden Euro an der Rettung spanischer Banken beteiligt ist.
Es wird nicht lange dauern, bis dies zu Verwerfungen in der öffentlichen Meinung führt. Das Feindbild disziplinfordernder Geberländer wie etwa Deutschland ist eben nur solange intakt, wie man selbst gefühlt nicht zu diesen gehört.
Für Deutschland ist ein Zurück zur D-Mark möglich
Aus diesen Gründen erscheint es sehr fraglich, dass der Euro in der heutigen Form dauerhaft existiert. Am wahrscheinlichsten erscheint ein „harter Euroraum“. Auch für Deutschland ist ein Zurück zur D-Mark nicht mehr auszuschließen. Für das Vermögen des einzelnen Anlegers spielt es aber keine Rolle ob das Szenario Zusammenhalt oder Auseinanderbrechen eintritt. Die Zeche werden in letzter Konsequenz immer die Steuerzahler und die privaten Gläubiger übernehmen müssen.
Die genauen Folgen für das Vermögen sind schwer abzuschätzen und stellen sich auf der Zeitachse wahrscheinlich mit starken Ausschlägen dar. Zugesagte Leistungen aus kapitalgedeckten Altersversorgungen werden ebenso leiden wie die Nettorenten nach Steuern und Inflation. Aktien werden im Rahmen des Fragmentierungsprozesses zumindest temporär aufgrund der Angst vor einem wirtschaftlichen Abschwung unter Druck kommen. Der Zahlungsverkehr könnte für eine kurze Dauer betroffen sein und die nachlassende Zirkulation von Geldern kann den Welthandel kurzfristig lähmen. Die Bemessungsgrundlage für verschiedene Steuerarten wird sich zu Ungunsten der Zahler verschieben und aktuell nicht erhobene Steuerarten könnten reaktiviert werden.
Vorerst wird aber weiter durchgewurstelt. Den Zeitgewinn sollte die Gläubiger der letzten Instanz, das sind die Bürger und nicht wie oft dargestellt die Notenbanken, nutzen, um sich sachlich und emotional auf unfreundliche Zeiten einzustellen. Ein Mix aus soliden Schuldnern, Währungen außerhalb des Euroraums und physischen Edelmetallen ist eine gute Mischung. Nicht fehlen sollten zudem dividendenstarke Aktien mit stabilem Geschäftsmodell.
Euro? Nein Danke! – "Wer setzt sich schon in ein brennendes Hotel?"
Ob Schweden, Norwegen oder die Türkei, niemand möchte dem Euro im Moment verständlicherweise beitreten. „Wer möchte sich schon in einem brennenden Hotel einmieten?“ erklärte etwa die isländische Präsidentschaftskandidatin Anórsdóttir.
Zwar brenne Europa in seinen Augen noch nicht, die im Hauptberuf populäre TV-Moderatorin bringe die derzeitige Lage der europäischen Gemeinschaftswährung allerdings sehr gut auf den Punkt, schreibt Torsten Gellert von Forex Capital Markets (FXCM) in seinem aktuellen Kommentar zum Devisenmarkt. Immer wieder hat er in seinen vergangenen Kommentaren auf die Chancen des skandinavischen Kronen-Duos aus Schweden und Norwegen, aber auch der Türkischen Lira hingewiesen. Der Trend beider Kronen stimmt für Gellert weiterhin, die Lira tendierte in den vergangenen sechs Wochen eher seitwärts:
Für alle drei Währungen gilt bei einem Engagement generell das gleiche Risiko: Kommt es zu einem starken Rebound im Euro, der die vielen Short positionierten Anleger auf dem falschen Fuß erwischt, wird die Gemeinschaftswährung auch kurzfristig wieder einigen Boden gegenüber den angesprochenen Währungen gut machen. „Mittel- bis langfristig halte ich aber sehr wohl das Erholungspotenzial des Euro für begrenzt und schätze die Chancen eines Investments sowohl in die Schweden- und Norwegen-Krone als auch in die Türkische Lira höher als die Risiken ein“, so die Meinung Gellerts.
Robustes Skandinavien
Gellert weißt in seinem Kommentar noch einmal auf die positive wirtschaftlichen Entwicklung der beiden Skandinaviern hin: Im zweiten Quartal überraschte Schweden mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent, nachdem die Volkswirte lediglich mit 0,6 Prozent gerechnet hatten. Und auch die Industrieproduktion punktete im Juni mit einem Plus von 0,4 Prozent zum Vormonat. Norwegen glänzte sogar mit einem Plus von 0,8 Prozent. Erwartet wurde in beiden Fällen ein Rückgang. Gellert betont aber, dass Anleger bei Norwegen die hohe Abhängigkeit von Öl und Gas und die entsprechenden Preisen im Auge behalten sollten, auch wenn das Juni-Plus von 1,3 Prozent im Monatsvergleich vorerst Entwarnung in diesem Sektor gab.
Türkei: Günstige geographische Lage
Anders sah es zuletzt bei den wirtschaftlichen Daten am Bosporus aus, hier musste zuletzt einen leichten Dämpfer hingenommen werden: Das Minus fiel mit zwei Prozent im Monatsvergleich höher aus als erwartet und unterbricht den seit Jahresbeginn andauernden Wachstumstrend. Damit erkläre sich auch die unterschiedliche Entwicklung von Kronen-Duo und Türkischer Lira gegenüber dem Euro. „Für die Türkische Lira bin ich auf mittlere Sicht aber weiterhin sehr positiv eingestellt“, ist Gellert aber überzeugt. Er weist auf die junge Altersstruktur der türkischen Bevölkerung hin, bei der er enormes Wachstumspotenzial der Wirtschaft sieht. Darüber hinaus könne sich die Türkei, dank ihrer geographischen Lage besser von Europa abkoppeln als viele andere Anrainer der Eurozone. So konzentriere sich die Türkei zunehmend auf Asien und den Nahen Osten, was sich nach Meinung von Gellert langfristig auszahlen sollte. Kurzfristig allerdings bestehe bei der Lira aber zusätzlich das Risiko einer Zinssenkung der Türkischen Notenbank, die nach den schlechten Zahlen wieder etwas wahrscheinlicher geworden ist.
Ob Schweden, Norwegen oder die Türkei, niemand möchte dem Euro im Moment verständlicherweise beitreten. „Wer möchte sich schon in einem brennenden Hotel einmieten?“ erklärte etwa die isländische Präsidentschaftskandidatin Anórsdóttir.
Zwar brenne Europa in seinen Augen noch nicht, die im Hauptberuf populäre TV-Moderatorin bringe die derzeitige Lage der europäischen Gemeinschaftswährung allerdings sehr gut auf den Punkt, schreibt Torsten Gellert von Forex Capital Markets (FXCM) in seinem aktuellen Kommentar zum Devisenmarkt. Immer wieder hat er in seinen vergangenen Kommentaren auf die Chancen des skandinavischen Kronen-Duos aus Schweden und Norwegen, aber auch der Türkischen Lira hingewiesen. Der Trend beider Kronen stimmt für Gellert weiterhin, die Lira tendierte in den vergangenen sechs Wochen eher seitwärts:
Für alle drei Währungen gilt bei einem Engagement generell das gleiche Risiko: Kommt es zu einem starken Rebound im Euro, der die vielen Short positionierten Anleger auf dem falschen Fuß erwischt, wird die Gemeinschaftswährung auch kurzfristig wieder einigen Boden gegenüber den angesprochenen Währungen gut machen. „Mittel- bis langfristig halte ich aber sehr wohl das Erholungspotenzial des Euro für begrenzt und schätze die Chancen eines Investments sowohl in die Schweden- und Norwegen-Krone als auch in die Türkische Lira höher als die Risiken ein“, so die Meinung Gellerts.
Robustes Skandinavien
Gellert weißt in seinem Kommentar noch einmal auf die positive wirtschaftlichen Entwicklung der beiden Skandinaviern hin: Im zweiten Quartal überraschte Schweden mit einem Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent, nachdem die Volkswirte lediglich mit 0,6 Prozent gerechnet hatten. Und auch die Industrieproduktion punktete im Juni mit einem Plus von 0,4 Prozent zum Vormonat. Norwegen glänzte sogar mit einem Plus von 0,8 Prozent. Erwartet wurde in beiden Fällen ein Rückgang. Gellert betont aber, dass Anleger bei Norwegen die hohe Abhängigkeit von Öl und Gas und die entsprechenden Preisen im Auge behalten sollten, auch wenn das Juni-Plus von 1,3 Prozent im Monatsvergleich vorerst Entwarnung in diesem Sektor gab.
Türkei: Günstige geographische Lage
Anders sah es zuletzt bei den wirtschaftlichen Daten am Bosporus aus, hier musste zuletzt einen leichten Dämpfer hingenommen werden: Das Minus fiel mit zwei Prozent im Monatsvergleich höher aus als erwartet und unterbricht den seit Jahresbeginn andauernden Wachstumstrend. Damit erkläre sich auch die unterschiedliche Entwicklung von Kronen-Duo und Türkischer Lira gegenüber dem Euro. „Für die Türkische Lira bin ich auf mittlere Sicht aber weiterhin sehr positiv eingestellt“, ist Gellert aber überzeugt. Er weist auf die junge Altersstruktur der türkischen Bevölkerung hin, bei der er enormes Wachstumspotenzial der Wirtschaft sieht. Darüber hinaus könne sich die Türkei, dank ihrer geographischen Lage besser von Europa abkoppeln als viele andere Anrainer der Eurozone. So konzentriere sich die Türkei zunehmend auf Asien und den Nahen Osten, was sich nach Meinung von Gellert langfristig auszahlen sollte. Kurzfristig allerdings bestehe bei der Lira aber zusätzlich das Risiko einer Zinssenkung der Türkischen Notenbank, die nach den schlechten Zahlen wieder etwas wahrscheinlicher geworden ist.
Finnland trifft Vorbereitungen für Zerbrechen der Euro-Zone
Finnlands Außenminister Erkki Tuomioja hat die Länder Europas aufgefordert, sich auf ein Ende der Euro-Zone vorzubereiten
Der finnische Außenminister Erkki Tuomioja ließ in einem Interview mit der britischen Tageszeitung "Daily Telegraph" aufhorchen, indem er behauptete, Finnlands Regierungsvertreter hätten bereits Vorbereitungen für ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone getroffen. Dies sei "nichts, was irgendjemand in Finnland befürwortet, geschweige denn die Regierung", so der Sozialdemokrat. "Aber wir müssen vorbereitet sein." Die finnische Regierung habe Vorbereitungen getroffen für diesen Fall, es gebe "eine Art Handlungsplan für jede mögliche Entwicklung". Ein Auseinanderbrechen des Euro würde aber nicht das Ende der Europäischen Union bedeuten. Es könne der EU sogar helfen, besser zu funktionieren.
Europa-Minister widerspricht
In der finnischen Regierung scheinen nicht alle vom Vorstoß ihres Außenministers begeistert zu sein. "Wir stehen zu 100 Prozent zum Euro", versicherte Europa-Minister Alexander Stubb der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich will deutlich machen, dass die Spekulationen des Außenministers nicht die Position der Regierung widerspiegeln".
Wahre Finnen: "Entweder Süder oder Norden wird wegbrechen"
Timo Soini, Chef der euroskeptischen Oppositionspartei "Wahre Finnen" meint, es gebe zwar keine Regeln dafür, wie ein Land den Euro verlassen könne, aber es sei nur eine Frage der Zeit: "Entweder der Süden oder der Norden wird wegbrechen." Die Gemeinschaftswährung sei wie eine Zwangsjacke, die Millionen Menschen in Not bringe und die Zukunft Europas zerstöre. "Aber niemand in Europa will der erste sein, der aus dem Euro aussteigt und die ganze Schuld auf sich ziehen", so der Chef der drittstärksten Kraft im Parlament von Helsinki
Der finnische Außenminister Erkki Tuomioja ließ in einem Interview mit der britischen Tageszeitung "Daily Telegraph" aufhorchen, indem er behauptete, Finnlands Regierungsvertreter hätten bereits Vorbereitungen für ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone getroffen. Dies sei "nichts, was irgendjemand in Finnland befürwortet, geschweige denn die Regierung", so der Sozialdemokrat. "Aber wir müssen vorbereitet sein." Die finnische Regierung habe Vorbereitungen getroffen für diesen Fall, es gebe "eine Art Handlungsplan für jede mögliche Entwicklung". Ein Auseinanderbrechen des Euro würde aber nicht das Ende der Europäischen Union bedeuten. Es könne der EU sogar helfen, besser zu funktionieren.
Europa-Minister widerspricht
In der finnischen Regierung scheinen nicht alle vom Vorstoß ihres Außenministers begeistert zu sein. "Wir stehen zu 100 Prozent zum Euro", versicherte Europa-Minister Alexander Stubb der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich will deutlich machen, dass die Spekulationen des Außenministers nicht die Position der Regierung widerspiegeln".
Wahre Finnen: "Entweder Süder oder Norden wird wegbrechen"
Timo Soini, Chef der euroskeptischen Oppositionspartei "Wahre Finnen" meint, es gebe zwar keine Regeln dafür, wie ein Land den Euro verlassen könne, aber es sei nur eine Frage der Zeit: "Entweder der Süden oder der Norden wird wegbrechen." Die Gemeinschaftswährung sei wie eine Zwangsjacke, die Millionen Menschen in Not bringe und die Zukunft Europas zerstöre. "Aber niemand in Europa will der erste sein, der aus dem Euro aussteigt und die ganze Schuld auf sich ziehen", so der Chef der drittstärksten Kraft im Parlament von Helsinki
Massenflucht aus dem Euro
Das Krisenmanagement der Politiker hat viele Anleger enttäuscht. Der Exodus aus der Gemeinschaftswährung hat bereits begonnen. Experten zeigen, wie man sein Vermögen noch retten kann.
Die weiße Limousine lässt die vermummten Demonstranten hinter sich. Schwarz abgedunkeltes Panzerglas verschluckt die Parolen und das Klirren der zerberstenden Schaufensterscheiben. Der Fondsmanager und Milliardär im Rückraum des Wagens lehnt sich im Ledersessel zurück und nimmt noch einen Schluck Wodka auf Eis, während draußen auf der Straße die Krise tobt.
Mit dieser Sequenz beginnt der Film "Cosmopolis", in dem Starregisseur David Cronenberg die Geschichte des maßlosen Spekulanten Eric Packer erzählt. Auf den Kinoplakaten steht auch der Name eines echten Milliardärs und Fondsmanagers: Edouard Carmignac (65), der den Film finanziert hat. Der Franzose gehört zu den erfolgreichsten Investoren der vergangenen 20 Jahre. Und hier vermischen sich Fiktion und Realität.
Ähnlich wie Cronenbergs Held wettet derzeit auch Carmignac im großen Stil gegen eine Weltwährung. Im Film ist es der chinesische Yuan, im wirklichen Leben spekuliert der Finanzier gegen seine Heimatwährung, den Euro.
So ausgesucht höflich der Mann im persönlichen Umgang ist, so entzückt er sich gibt, wenn ihm jemand vorgestellt wird ("Ravi, ravi", sagt er dann mit leiser Stimme), so radikal und rabiat wird er, wenn es um den Fall der europäischen Währung geht.
An Krisengipfel, Rettungsschirme oder Stabilitätsmechanismen glaubt er ohnehin nicht mehr. Und wie wenig er von den Sanierungsversuchen der Politiker hält, hat er Anfang Juli Frankreichs neu gewähltem Präsidenten François Hollande geschrieben. Damit "Monsieur le Président" die Botschaft auch wirklich erreicht, hat er für seinen offenen Brief gleich ganzseitige Anzeigen in der "Financial Times" und in "Le Monde" gebucht.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Carmignac längst vom Euro verabschiedet. In den Monaten davor tilgte er die europäische Leitwährung bis auf einen überschaubaren Restwert aus seinem Portfolio. Lediglich 21 Prozent seines 22,7 Milliarden Euro schweren Mischfonds Carmignac Patrimoine stecken noch in Euro-Land-Assets. Der Großteil liegt in US-Dollar und japanischen Yen.
Police gegen die Folgen der Euro-Krise
Der Manager aus Paris hat seinen Fonds zum realen Gegenstück der gepanzerten Limousine aus dem Film umgebaut. Mit anderen Worten: Carmignac managt keinen Investmentfonds mehr, sondern verkauft eine Police gegen die Folgen der eskalierenden Euro-Krise.
Sicherheit vor dem Zusammenbruch einer Währung, die noch vor wenigen Jahren den Dollar als Weltreservewährung ersetzen sollte, ist an den Kapitalmärkten derzeit ein gefragtes Gut.
"Wir sehen eine breit angelegte Abwanderung aus dem Euro", sagt Mansoor Mohiuddin, Chefwährungsstratege der Schweizer Großbank UBS : "Das Vertrauen, dass die Regierungen die Krise in den Griff bekommen, ist erschüttert. Zentralbanken, Staatsfonds sowie US-Aktien- und Pensionsfonds lösen ihre Euro-Positionen auf und kaufen Dollar-Anleihen."
Rund 50 Milliarden Dollar haben US-Anleger allein zwischen Anfang Dezember und Ende Mai zurück in die Heimat geholt. Konzerne wie Shell kaufen US-Staatspapiere und horten ihr Geld auf Dollar-Konten. Auch der britische Pharmamulti GlaxoSmithKline zieht Bargeld aus dem Krisengebiet ab.
Mittelgroße Devisen wie der Kanadische oder der Australische Dollar, aber auch Kleinwährungen wie die Norwegische oder die Schwedische Krone haben kräftig zugelegt. Um eine weitere Aufwertung des Franken zu verhindern, kauft die Schweizer Nationalbank wie wild Euro. Ihre Devisenreserven türmen sich inzwischen auf gigantische 340 Milliarden Euro - oder drei Viertel des eidgenössischen Bruttoinlandsprodukts.
Vier Anlageklassen schützen vor dem Niedergang des Euro
Die Fluchtbewegung wird mit jedem Krisengipfel stärker, mit jedem Rettungspaket größer. "Die Führer der Euro-Zone", sagt Mohamed El-Erian, Chef der Allianz-Fondstochter Pimco, "sitzen auf einem Floß, das auf einen lebensgefährlichen Wasserfall zutreibt. Ab einem gewissen Punkt ist die Frage nicht mehr, ob sich die Politiker auf die nötigen Reformen einigen können, sondern ob es dann nicht bereits zu spät ist, um den Euro zu retten."
Aber selbst wenn Europas Währungsverbund nicht auseinanderbricht, die Stützungsaktion wird immens teuer. Für mehr als 450 Milliarden Euro haftet Deutschland schon jetzt, schätzt der Chef des Ifo Instituts, Hans-Werner Sinn. Mindestens genauso groß wie diese Summe ist die Angst, dass sich der Staat das Geld von seinen Bürgern zurückholen wird: über Vermögensteuern oder Sonderabgaben für Reiche, über Inflation und Miniaturrenditen bei Betriebsrenten und Lebensversicherungen.
Allein die Furcht, für die Rettung des Euro zur Kasse gebeten zu werden, genügt bereits, um Sparer zu mobilisieren: Sie räumen Konten und schichten ihre Anlagen kräftig um. "Die heutige Euro-Zone erfährt durch viele Bürger ein völlig neuartiges Ausmaß an Ablehnung - aus wirtschaftlichen, finanziellen, politischen und sozialen Gründen", analysiert Allianz-Mann El-Erian: "Die Konsequenz sind Kapitalflüsse in zwei Richtungen: Vom Rand der Euro-Zone in relativ stabile Kernländer wie Deutschland, und von der Euro-Zone in den Rest der Welt, vor allem in die Schweiz und die Vereinigten Staaten."
Was aber können Anleger mit ihrem Geld tun? Welche Alternativen bieten sich zum Euro an?
manager magazin hat die Lage zusammen mit Vermögensverwaltern und Fondsmanagern analysiert. Es sind vor allem vier Anlageklassen, die sich als Schutz vor dem Niedergang der europäischen Währung aufdrängen:
■Rohstoffe und Edelmetalle wie Gold , Silber oder Platin ;
■Aktien von Unternehmen mit großem Geschäftsanteil außerhalb Europas;
■Immobilien aller Art in den wachstumsstarken Ländern der Dollar-Hemisphäre; und
■Anleihen von gering verschuldeten Ländern mit unabhängigen Notenbanken wie Norwegen, Australien oder der Schweiz.
Der beste Indikator für das Misstrauen gegenüber dem europäischen Geld ist die Renaissance des Goldmarktes. Seit 2006, dem letzten Jahr vor Beginn der großen Krise, hat sich der Preis pro Feinunze verdreifacht, von gut 400 auf mehr als 1300 Euro.
Goldbotschafter haben einiges zu zählen und zu rechnen
Das liegt auch an den Kunden von Thomas Fischer (50). "Die politischen Risiken für das Vermögen sind derzeit enorm", sagt der Chef des Family Office Marcard, Stein. Währungskrisen, Vermögensteuern, stille Enteignung durch Niedrigzinsen - all das treibt die Unternehmerfamilien um, die Fischer betreut. "Um unsere Kunden zu schützen, müssen wir weltweit anlegen. Gold ist dafür das ideale Mittel", sagt er.
Denn anders als Immobilien sind Edelmetalle nicht teurer, wenn man sie in besonders stabilen Ländern kauft. Deshalb ist eine Privatbank in Zeiten wie diesen auch ein Reisebüro. Als Erstes organisiert das Family Office Schließfächer in der Schweiz oder auch in Kanada und in Australien. Dann setzt sich einer von Fischers Leuten mit dem Kunden in den Flieger nach Sydney, um die Goldbarren bei einer australischen Bank in Empfang zu nehmen. Die Übergabe ist der einzige Teil des Deals, den der Kunde selbst erledigen muss. Kurz darauf nimmt er wieder in der First Class Platz, der Banker sitzt während des anstrengenden 24-Stunden-Flugs hinten im Economy-Abteil.
Auf der anderen Seite der Welt haben Fischers Goldbotschafter zuvor einiges zu zählen und zu rechnen: Was hat der Kunde wirklich bekommen, in welcher Stückelung? War der Abrechnungskurs fair? Sind die Gebühren im Rahmen geblieben?
Es sind im wahrsten Sinne des Wortes Luxusreisen. In dieser Preisklasse geht es nicht mehr um eine Handvoll Krügerrandmünzen. "Wir wickeln Ankäufe in der Größenordnung zweistelliger Millionenbeträge ab, da sollte es tunlichst keine Probleme geben", sagt Fischer.
Die weiße Limousine lässt die vermummten Demonstranten hinter sich. Schwarz abgedunkeltes Panzerglas verschluckt die Parolen und das Klirren der zerberstenden Schaufensterscheiben. Der Fondsmanager und Milliardär im Rückraum des Wagens lehnt sich im Ledersessel zurück und nimmt noch einen Schluck Wodka auf Eis, während draußen auf der Straße die Krise tobt.
Mit dieser Sequenz beginnt der Film "Cosmopolis", in dem Starregisseur David Cronenberg die Geschichte des maßlosen Spekulanten Eric Packer erzählt. Auf den Kinoplakaten steht auch der Name eines echten Milliardärs und Fondsmanagers: Edouard Carmignac (65), der den Film finanziert hat. Der Franzose gehört zu den erfolgreichsten Investoren der vergangenen 20 Jahre. Und hier vermischen sich Fiktion und Realität.
Ähnlich wie Cronenbergs Held wettet derzeit auch Carmignac im großen Stil gegen eine Weltwährung. Im Film ist es der chinesische Yuan, im wirklichen Leben spekuliert der Finanzier gegen seine Heimatwährung, den Euro.
So ausgesucht höflich der Mann im persönlichen Umgang ist, so entzückt er sich gibt, wenn ihm jemand vorgestellt wird ("Ravi, ravi", sagt er dann mit leiser Stimme), so radikal und rabiat wird er, wenn es um den Fall der europäischen Währung geht.
An Krisengipfel, Rettungsschirme oder Stabilitätsmechanismen glaubt er ohnehin nicht mehr. Und wie wenig er von den Sanierungsversuchen der Politiker hält, hat er Anfang Juli Frankreichs neu gewähltem Präsidenten François Hollande geschrieben. Damit "Monsieur le Président" die Botschaft auch wirklich erreicht, hat er für seinen offenen Brief gleich ganzseitige Anzeigen in der "Financial Times" und in "Le Monde" gebucht.
Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Carmignac längst vom Euro verabschiedet. In den Monaten davor tilgte er die europäische Leitwährung bis auf einen überschaubaren Restwert aus seinem Portfolio. Lediglich 21 Prozent seines 22,7 Milliarden Euro schweren Mischfonds Carmignac Patrimoine stecken noch in Euro-Land-Assets. Der Großteil liegt in US-Dollar und japanischen Yen.
Police gegen die Folgen der Euro-Krise
Der Manager aus Paris hat seinen Fonds zum realen Gegenstück der gepanzerten Limousine aus dem Film umgebaut. Mit anderen Worten: Carmignac managt keinen Investmentfonds mehr, sondern verkauft eine Police gegen die Folgen der eskalierenden Euro-Krise.
Sicherheit vor dem Zusammenbruch einer Währung, die noch vor wenigen Jahren den Dollar als Weltreservewährung ersetzen sollte, ist an den Kapitalmärkten derzeit ein gefragtes Gut.
"Wir sehen eine breit angelegte Abwanderung aus dem Euro", sagt Mansoor Mohiuddin, Chefwährungsstratege der Schweizer Großbank UBS : "Das Vertrauen, dass die Regierungen die Krise in den Griff bekommen, ist erschüttert. Zentralbanken, Staatsfonds sowie US-Aktien- und Pensionsfonds lösen ihre Euro-Positionen auf und kaufen Dollar-Anleihen."
Rund 50 Milliarden Dollar haben US-Anleger allein zwischen Anfang Dezember und Ende Mai zurück in die Heimat geholt. Konzerne wie Shell kaufen US-Staatspapiere und horten ihr Geld auf Dollar-Konten. Auch der britische Pharmamulti GlaxoSmithKline zieht Bargeld aus dem Krisengebiet ab.
Mittelgroße Devisen wie der Kanadische oder der Australische Dollar, aber auch Kleinwährungen wie die Norwegische oder die Schwedische Krone haben kräftig zugelegt. Um eine weitere Aufwertung des Franken zu verhindern, kauft die Schweizer Nationalbank wie wild Euro. Ihre Devisenreserven türmen sich inzwischen auf gigantische 340 Milliarden Euro - oder drei Viertel des eidgenössischen Bruttoinlandsprodukts.
Vier Anlageklassen schützen vor dem Niedergang des Euro
Die Fluchtbewegung wird mit jedem Krisengipfel stärker, mit jedem Rettungspaket größer. "Die Führer der Euro-Zone", sagt Mohamed El-Erian, Chef der Allianz-Fondstochter Pimco, "sitzen auf einem Floß, das auf einen lebensgefährlichen Wasserfall zutreibt. Ab einem gewissen Punkt ist die Frage nicht mehr, ob sich die Politiker auf die nötigen Reformen einigen können, sondern ob es dann nicht bereits zu spät ist, um den Euro zu retten."
Aber selbst wenn Europas Währungsverbund nicht auseinanderbricht, die Stützungsaktion wird immens teuer. Für mehr als 450 Milliarden Euro haftet Deutschland schon jetzt, schätzt der Chef des Ifo Instituts, Hans-Werner Sinn. Mindestens genauso groß wie diese Summe ist die Angst, dass sich der Staat das Geld von seinen Bürgern zurückholen wird: über Vermögensteuern oder Sonderabgaben für Reiche, über Inflation und Miniaturrenditen bei Betriebsrenten und Lebensversicherungen.
Allein die Furcht, für die Rettung des Euro zur Kasse gebeten zu werden, genügt bereits, um Sparer zu mobilisieren: Sie räumen Konten und schichten ihre Anlagen kräftig um. "Die heutige Euro-Zone erfährt durch viele Bürger ein völlig neuartiges Ausmaß an Ablehnung - aus wirtschaftlichen, finanziellen, politischen und sozialen Gründen", analysiert Allianz-Mann El-Erian: "Die Konsequenz sind Kapitalflüsse in zwei Richtungen: Vom Rand der Euro-Zone in relativ stabile Kernländer wie Deutschland, und von der Euro-Zone in den Rest der Welt, vor allem in die Schweiz und die Vereinigten Staaten."
Was aber können Anleger mit ihrem Geld tun? Welche Alternativen bieten sich zum Euro an?
manager magazin hat die Lage zusammen mit Vermögensverwaltern und Fondsmanagern analysiert. Es sind vor allem vier Anlageklassen, die sich als Schutz vor dem Niedergang der europäischen Währung aufdrängen:
■Rohstoffe und Edelmetalle wie Gold , Silber oder Platin ;
■Aktien von Unternehmen mit großem Geschäftsanteil außerhalb Europas;
■Immobilien aller Art in den wachstumsstarken Ländern der Dollar-Hemisphäre; und
■Anleihen von gering verschuldeten Ländern mit unabhängigen Notenbanken wie Norwegen, Australien oder der Schweiz.
Der beste Indikator für das Misstrauen gegenüber dem europäischen Geld ist die Renaissance des Goldmarktes. Seit 2006, dem letzten Jahr vor Beginn der großen Krise, hat sich der Preis pro Feinunze verdreifacht, von gut 400 auf mehr als 1300 Euro.
Goldbotschafter haben einiges zu zählen und zu rechnen
Das liegt auch an den Kunden von Thomas Fischer (50). "Die politischen Risiken für das Vermögen sind derzeit enorm", sagt der Chef des Family Office Marcard, Stein. Währungskrisen, Vermögensteuern, stille Enteignung durch Niedrigzinsen - all das treibt die Unternehmerfamilien um, die Fischer betreut. "Um unsere Kunden zu schützen, müssen wir weltweit anlegen. Gold ist dafür das ideale Mittel", sagt er.
Denn anders als Immobilien sind Edelmetalle nicht teurer, wenn man sie in besonders stabilen Ländern kauft. Deshalb ist eine Privatbank in Zeiten wie diesen auch ein Reisebüro. Als Erstes organisiert das Family Office Schließfächer in der Schweiz oder auch in Kanada und in Australien. Dann setzt sich einer von Fischers Leuten mit dem Kunden in den Flieger nach Sydney, um die Goldbarren bei einer australischen Bank in Empfang zu nehmen. Die Übergabe ist der einzige Teil des Deals, den der Kunde selbst erledigen muss. Kurz darauf nimmt er wieder in der First Class Platz, der Banker sitzt während des anstrengenden 24-Stunden-Flugs hinten im Economy-Abteil.
Auf der anderen Seite der Welt haben Fischers Goldbotschafter zuvor einiges zu zählen und zu rechnen: Was hat der Kunde wirklich bekommen, in welcher Stückelung? War der Abrechnungskurs fair? Sind die Gebühren im Rahmen geblieben?
Es sind im wahrsten Sinne des Wortes Luxusreisen. In dieser Preisklasse geht es nicht mehr um eine Handvoll Krügerrandmünzen. "Wir wickeln Ankäufe in der Größenordnung zweistelliger Millionenbeträge ab, da sollte es tunlichst keine Probleme geben", sagt Fischer.
Euro gibt es in der heutigen Form in 15 Jahren nicht mehr
«Kurz- und mittelfristig bleibt der Euro erhalten», glaubt der Schweizer Ökonom und Geldtheoretiker Ernst Baltensperger. Er glaubt aber nicht daran, «dass es ihn in der heutigen Form in 15 Jahren noch geben wird», wie er im Interview mit der «Handelszeitung» erläutert. Heute stünden alle wichtigen Politiker hinter dem Euro. Aber die schwerwiegenden Probleme würden nicht verschwinden. «Eine neue Politikergeneration wird möglicherwiese zum Schluss kommen, dass die Bevölkerung - und damit auch sie selber - den Euro in seiner jetzigen Form nicht mehr will.» Man sei nicht bereit, die für die langfristige Stabilität nötige Autonomie an Brüssel abzutreten. «Das nationale Souveränitätsbewusstsein in Europa ist viel zu stark.» Der Weg zu einer politischen Union, wie ihn die Schweiz oder die USA gegangen seien, wollten die Europäer nicht gehen.
Die Untergrenze von 1.20 Franken zum Euro sieht Baltensperger nicht gefährdet, selbst bei einem möglichen Austritt Griechenlands. Diese Risiken würden überschätzt: «Es gäbe sicher Turbulenzen. Aber es könnte durchaus sein, dass es befreiend und entlastend für den Euro wirkt. Ein Hauptproblem wäre ja dann weg.»
Risiken sieht Ernst Baltensperger dagegen bei den Zentralbanken. Er sei «sehr beunruhigt über die Geldpolitik, die jetzt in den USA betrieben wird». Es sei fraglich, ob die Zentralbanken die grosse Liquidität, die sie geschaffen haben, wieder rechtzeitig abschöpfen könnten. Technisch sei das zwar möglich. «Aber die viel wichtigere Frage ist, ob das auch politisch möglich sein wird.» Weil die Zentralbanken als einzige Instanzen in der Krise voll funktionsfähig geblieben seien, erwarte man von ihnen die Lösung aller Probleme. «Ich glaube, darin liegt eine grosse Gefahr. Man überlastet die Zentralbanken mit zu vielen Aufgaben.»
Die Untergrenze von 1.20 Franken zum Euro sieht Baltensperger nicht gefährdet, selbst bei einem möglichen Austritt Griechenlands. Diese Risiken würden überschätzt: «Es gäbe sicher Turbulenzen. Aber es könnte durchaus sein, dass es befreiend und entlastend für den Euro wirkt. Ein Hauptproblem wäre ja dann weg.»
Risiken sieht Ernst Baltensperger dagegen bei den Zentralbanken. Er sei «sehr beunruhigt über die Geldpolitik, die jetzt in den USA betrieben wird». Es sei fraglich, ob die Zentralbanken die grosse Liquidität, die sie geschaffen haben, wieder rechtzeitig abschöpfen könnten. Technisch sei das zwar möglich. «Aber die viel wichtigere Frage ist, ob das auch politisch möglich sein wird.» Weil die Zentralbanken als einzige Instanzen in der Krise voll funktionsfähig geblieben seien, erwarte man von ihnen die Lösung aller Probleme. «Ich glaube, darin liegt eine grosse Gefahr. Man überlastet die Zentralbanken mit zu vielen Aufgaben.»
Eurozone bald kürzeste Währungsunion der Geschichte?
Der Schweizer Investmentguru Felix Zulauf hat mit seinem Vortrag anlässlich einer vom CFA Institute organisierten European Investment Conference in Prag jeden Funken Restoptimismus erfolgreich ausgelöscht.
Der Präsident der Zulauf Asset Management AG strich heraus, dass Chinas Wachstumsschwäche erahnen lasse, dass die bevorstehende globale Wirtschaftskrise wirklich keinen Staat verschonen werde. Exzessive Boom-Zeiten, wie wir sie erlebten, würde zwangsläufig immer zu Zusammenbrüchen führen – und China sei dabei keine Ausnahme. Zulauf stellte in den Raum, das chinesische Wachstum liege heute vielmehr in der Gegend von drei Prozent als bei jenen offiziell vermeldeten Levels, die zwei bis dreimal so hoch seien (siehe auch "Chinas Wirtschaft nimmt endlich wieder Fahrt auf"). Kommentatoren würden die Probleme, mit denen China konfrontiert ist, unterschätzen. Daraus abgeleitet seien auch die Wachstumsschätzungen für Australien und Lateinamerika als Rohstofflieferanten zu hoch. Die neue Regierung werde wohl kurz nach der Machtübernahme zu stimulierenden Maßnahmen greifen, die aber wenig Wirkung entfalten werden.
Wenig Aufbauendes aus den USA
Was die USA anbelangt, so glaubt der Investmentguru, dass die Administration weitere fiskalpolitische Stimulierungsmaßnahmen als zu kostspielig erkennen werde, da der Schuldenstand von zehn auf 16 Billionen US-Dollar gestiegen sei und die Marke von 25 Billionen in vier Jahren in greifbare Nähe rücke, falls man so weiter mache wie bisher. Ausgabenbeschränkungen müssten implementiert werden, selbst wenn dies kurzfristig zu Lasten von Wachstum gehe. Obama habe keinen Plan, und der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan einen nicht plausiblen anzubieten. Kleine Maßnahmen seien wohl der wahrscheinlichste Fall, was zur Stagnation führe. Die einzig gute Nachricht, die Zulauf in Bezug auf die USA seiner Zuhörerschaft mitbrachte, bezogen sich auf die US-Privathaushalte, die ihr Deleveraging abgeschlossen haben.
Kürzeste Währungsunion der Geschichte?
Die Eurozone sei jedenfalls dabei, die kürzeste Währungsunion der Geschichte zu werden, wobei wohl die Vereinigten Staaten von Europa die einzige Alternative zu einem Auseinanderbrechen letztlich darstellten. Zusätzliche temporäre Austerity-Maßnahmen tragen das Risiko von sozialen Unruhen in sich und könnten zu Aufständen führen. Der krisenhafte Zustand sei offensichtlich und in sechs bis neun Monaten könnte der Markt sich dessen blitzartig bewusst werden, ein kleiner Anlassfall genüge in solchen Fällen.
Wenig gute Anlagemöglichkeiten
Die Anlagemöglichkeiten seien in diesem Umfeld düster. Während die Aktienmärkte noch ein bis zwei Jahre laufen können, kommt 2015 ein neuer siebenjähriger Aktienmarktzyklus an die Reihe, sodass Buy-and-Hold-Strategien auf Sicht von drei bis vier Jahren schmerzliche Erfahrungen bereiten werden. Dabei rechnet Zulauf allerdings nicht, dass es ganz so schlimm wie 2008 kommt. Zulauf fürchtet, dass es zu einem Währungsabwertungsrennen kommen wird, wobei die Initialzündung von den USA ausgeht. Die Eurostärke gegenüber dem Dollar werde bald zu einem Ende kommen, die Parität des Euro zum Dollar oder sogar noch niedrigere Kurse der Gemeinschaftswährung seien aufgrund der politischen Probleme in Europa durchaus möglich.
Inkompetente Notenbanker als Krisenmanager?
Wenn sich dann Aktien und Anleihen in einer Abwärtsbewegung befänden, sei Hyperinflation in den besonders stark krisengeschüttelten Ländern möglich. Die Zentralbanken der anderen Länder wünschten sich eine moderat höhere Inflation, die sich aber eher in höheren Preisen von Vermögenswerten als in Konsumenteninflation niederschlüge. Zulaufs Vertrauen in die Zentralbanken erwies sich als enden wollend: "Warum soll man Notenbankern vertrauen, diesen schwierigen Prozess kompetent zu managen, wenn die gleichen Leute es geschafft haben, Gold zu Tiefstpreisen zu verkaufen?"
Staaten setzen auf nachfrage- statt angebotsorientierte Politik
Auf die Frage aus dem Publikum betreffend das Szenario des "Muddling Through" – also des Durchwurstelns – meinte Felix Zulauf, nur eine moderate Inflation beinhalte ein Erfolgspotential. Er aber zweifle daran, dass, einmal in Gang gesetzt, die Inflation von den Notenbankern so gemanagt werden könne, dass ein Inflationsniveau von fünf bis sieben Prozent nicht erreicht werde, denn ab diesem Level sei eine Bondkrise unausweichlich. Er schloss seinen Vortrag mit makroökonomischen Überlegungen ab. So könne eine angebotsorientierte Politik mit Fokus auf steigender Produktivität und dem Abbau wirtschaftlicher Barrieren grundsätzlich helfen, doch würden die Regierungen genau in die entgegengesetzte Richtung tendieren.
Der Präsident der Zulauf Asset Management AG strich heraus, dass Chinas Wachstumsschwäche erahnen lasse, dass die bevorstehende globale Wirtschaftskrise wirklich keinen Staat verschonen werde. Exzessive Boom-Zeiten, wie wir sie erlebten, würde zwangsläufig immer zu Zusammenbrüchen führen – und China sei dabei keine Ausnahme. Zulauf stellte in den Raum, das chinesische Wachstum liege heute vielmehr in der Gegend von drei Prozent als bei jenen offiziell vermeldeten Levels, die zwei bis dreimal so hoch seien (siehe auch "Chinas Wirtschaft nimmt endlich wieder Fahrt auf"). Kommentatoren würden die Probleme, mit denen China konfrontiert ist, unterschätzen. Daraus abgeleitet seien auch die Wachstumsschätzungen für Australien und Lateinamerika als Rohstofflieferanten zu hoch. Die neue Regierung werde wohl kurz nach der Machtübernahme zu stimulierenden Maßnahmen greifen, die aber wenig Wirkung entfalten werden.
Wenig Aufbauendes aus den USA
Was die USA anbelangt, so glaubt der Investmentguru, dass die Administration weitere fiskalpolitische Stimulierungsmaßnahmen als zu kostspielig erkennen werde, da der Schuldenstand von zehn auf 16 Billionen US-Dollar gestiegen sei und die Marke von 25 Billionen in vier Jahren in greifbare Nähe rücke, falls man so weiter mache wie bisher. Ausgabenbeschränkungen müssten implementiert werden, selbst wenn dies kurzfristig zu Lasten von Wachstum gehe. Obama habe keinen Plan, und der republikanische Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan einen nicht plausiblen anzubieten. Kleine Maßnahmen seien wohl der wahrscheinlichste Fall, was zur Stagnation führe. Die einzig gute Nachricht, die Zulauf in Bezug auf die USA seiner Zuhörerschaft mitbrachte, bezogen sich auf die US-Privathaushalte, die ihr Deleveraging abgeschlossen haben.
Kürzeste Währungsunion der Geschichte?
Die Eurozone sei jedenfalls dabei, die kürzeste Währungsunion der Geschichte zu werden, wobei wohl die Vereinigten Staaten von Europa die einzige Alternative zu einem Auseinanderbrechen letztlich darstellten. Zusätzliche temporäre Austerity-Maßnahmen tragen das Risiko von sozialen Unruhen in sich und könnten zu Aufständen führen. Der krisenhafte Zustand sei offensichtlich und in sechs bis neun Monaten könnte der Markt sich dessen blitzartig bewusst werden, ein kleiner Anlassfall genüge in solchen Fällen.
Wenig gute Anlagemöglichkeiten
Die Anlagemöglichkeiten seien in diesem Umfeld düster. Während die Aktienmärkte noch ein bis zwei Jahre laufen können, kommt 2015 ein neuer siebenjähriger Aktienmarktzyklus an die Reihe, sodass Buy-and-Hold-Strategien auf Sicht von drei bis vier Jahren schmerzliche Erfahrungen bereiten werden. Dabei rechnet Zulauf allerdings nicht, dass es ganz so schlimm wie 2008 kommt. Zulauf fürchtet, dass es zu einem Währungsabwertungsrennen kommen wird, wobei die Initialzündung von den USA ausgeht. Die Eurostärke gegenüber dem Dollar werde bald zu einem Ende kommen, die Parität des Euro zum Dollar oder sogar noch niedrigere Kurse der Gemeinschaftswährung seien aufgrund der politischen Probleme in Europa durchaus möglich.
Inkompetente Notenbanker als Krisenmanager?
Wenn sich dann Aktien und Anleihen in einer Abwärtsbewegung befänden, sei Hyperinflation in den besonders stark krisengeschüttelten Ländern möglich. Die Zentralbanken der anderen Länder wünschten sich eine moderat höhere Inflation, die sich aber eher in höheren Preisen von Vermögenswerten als in Konsumenteninflation niederschlüge. Zulaufs Vertrauen in die Zentralbanken erwies sich als enden wollend: "Warum soll man Notenbankern vertrauen, diesen schwierigen Prozess kompetent zu managen, wenn die gleichen Leute es geschafft haben, Gold zu Tiefstpreisen zu verkaufen?"
Staaten setzen auf nachfrage- statt angebotsorientierte Politik
Auf die Frage aus dem Publikum betreffend das Szenario des "Muddling Through" – also des Durchwurstelns – meinte Felix Zulauf, nur eine moderate Inflation beinhalte ein Erfolgspotential. Er aber zweifle daran, dass, einmal in Gang gesetzt, die Inflation von den Notenbankern so gemanagt werden könne, dass ein Inflationsniveau von fünf bis sieben Prozent nicht erreicht werde, denn ab diesem Level sei eine Bondkrise unausweichlich. Er schloss seinen Vortrag mit makroökonomischen Überlegungen ab. So könne eine angebotsorientierte Politik mit Fokus auf steigender Produktivität und dem Abbau wirtschaftlicher Barrieren grundsätzlich helfen, doch würden die Regierungen genau in die entgegengesetzte Richtung tendieren.
Deutschland muss aus dem Euro austreten
Griechenland quält sich zu einem neuen Sparpaket – nur um die bisherige Rettungspolitik fortzuführen. Euro-Gegner Stefan Homburg schlägt im FOCUS-Online-Interview einen neuen Weg vor: Deutschland soll den Euro verlassen.
FOCUS Online: Herr Homburg, Griechenland wird heute wie gefordert ein weiteres hartes Sparpaket verabschieden. Hat sich das Land damit die weitere Unterstützung der Euro-Partnerländer verdient?
Stefan Homburg: Unsere Steuergelder kommen nicht Griechenland zugute, sondern den Gläubigern. Das erkennt man daran, dass die Gelder auf ein Sperrkonto gezahlt werden, auf das Griechenland keinen Zugriff hat. Meines Erachtens haben die Gläubiger keine Unterstützung durch uns Steuerzahler verdient, ganz gleich, was in Griechenland beschlossen wird.
Unter der Rezession und den Sparmaßnahmen leiden in Griechenland vor allem die kleinen Leute. Steuerflucht der Vermögenden ist dagegen immer noch verbreitet. Wie könnte man diese Schieflage beseitigen?
Homburg: Solche Probleme kann nur Griechenland selbst lösen. Wir sollten hier keine Ratschläge erteilen. Es ist doch paradox, dass Deutschland inzwischen allseits gehasst wird, obwohl wir riesige Beistandszahlungen leisten, um die Gewinne der Finanzindustrie zu stabilisieren.
Zwischenfazit: Seit drei Jahren herrscht Griechenland-Krise. Wie könnte man da Land noch retten?
Homburg: Deutschland kann wenig ausrichten. Der Schlüssel zur Lösung liegt in Griechenland selbst. Es ist eine Illusion, einen souveränen Staat durch äußeren Zwang gegen seinen Willen reformieren zu wollen.
Sollte man Griechenland Pleite gehen lassen?
Homburg: Ja. Staateninsolvenzen sind nichts Ungewöhnliches, die Wirtschaftsgeschichte kennt hunderte Beispiele. Allein Spanien ist 18-mal insolvent gewesen. In den letzten Jahrzehnten waren zwar hauptsächlich Schwellen- und Entwicklungsländer betroffen. Eine Staatspleite Griechenlands wäre aber ordnungspolitisch richtig und weniger gefährlich als die unendliche Fortsetzung der sogenannten Rettungspolitik.
Wie lässt sich im Fall eines griechischen Staatsbankrotts der befürchtete Domino-Effekt verhindern, der Spanien oder Italien mitreißen könnte?
Homburg: Für Spanien und Italien, aber auch für Irland, Portugal, Malta, Zypern und andere gilt dasselbe wie für Griechenland: Sie können sich nur selbst helfen. Die rechtswidrigen Beistandszahlungen verringern aber den Anreiz zur Selbsthilfe. Insofern werden Dominoeffekte durch die Rettungspolitik nicht verhindert, sondern geradezu herbeigeführt.
Sie plädieren für einen Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone. Warum?
Homburg: Bei Einführung des Euro hat man uns versichert, Beistandszahlungen seien genauso verboten wie eine Staatsfinanzierung durch die Europäische Zentralbank. Beide Versprechungen haben sich inzwischen als Lügen erwiesen. Damit ist die Geschäftsgrundlage für den Euro weggefallen.
Eine neu eingeführte D-Mark würde stark aufwerten und deutsche Exporte drastisch verteuern. Könnte Deutschlands Wirtschaft diesen Schock überhaupt verkraften?
Homburg: Volkswirtschaftlich sind hohe Exporte kein eigenständiges Ziel. Schon gar nicht, wenn auf Pump exportiert wird und wir die Kredite dann an uns selbst zurückzahlen. Dies ist ein unsinniges Schneeballsystem, eine Wohlstandsillusion. Im Grunde könnten wir viele Exportgüter gleich verschenken.
Wäre ein Austritt Deutschlands nicht viel teurer, als weiter Hilfszahlungen zu leisten?
Homburg: Auf Dauer gesehen ist ein Verbleib im Euro teurer als ein Ausscheiden, weil wir weiterhin gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen. Außerdem entstehen die Kosten nicht durch den Austritt. Die Kosten sind schon entstanden, sie werden beim Austritt nur aufgedeckt. Die Politik will die Kosten aber nicht aufdecken, weil sie den Zorn der Bürger fürchtet. Sie will die Probleme so lange wie möglich verschleiern und uns weismachen, durch den Fiskalpakt werde alles gut. Dabei ist klar, dass der Fiskalpakt ebenso wenig funktionieren wird wie der 20 Jahre alte Stabilitätspakt, der ständig gebrochen wurde.
Ein deutscher Euro-Austritt würde die europäische Einigung um Jahrzehnte zurückwerfen. Und das in einer Zeit, in der Europa geopolitisch ohnehin an Bedeutung verliert.
Homburg: Der Euro einigt Europa nicht, sondern er spaltet. Früher waren Hakenkreuzschmierereien in Athen und Rom oder die Darstellung der Bundeskanzlerin als Hitler unvorstellbar. Umgekehrt haben wir Deutschen die Mittelmeerländer geliebt. Derzeit nehmen die wechselseitigen Ressentiments zu. Das ist sehr beunruhigend, weil innereuropäische Konflikte und Kriege meist wirtschaftliche Ursachen hatten. Um derartige Gefahren abzuwenden, sollte man die Eurozone jetzt auflösen. Wir stünden dann so da wie vor zehn Jahren, als das politische Klima in Europa weit gedeihlicher war. Durch Aufgabe des überambitionierten Ziels einer gemeinsamen Währung könnten wir die Europäische Union stabilisieren.
FOCUS Online: Herr Homburg, Griechenland wird heute wie gefordert ein weiteres hartes Sparpaket verabschieden. Hat sich das Land damit die weitere Unterstützung der Euro-Partnerländer verdient?
Stefan Homburg: Unsere Steuergelder kommen nicht Griechenland zugute, sondern den Gläubigern. Das erkennt man daran, dass die Gelder auf ein Sperrkonto gezahlt werden, auf das Griechenland keinen Zugriff hat. Meines Erachtens haben die Gläubiger keine Unterstützung durch uns Steuerzahler verdient, ganz gleich, was in Griechenland beschlossen wird.
Unter der Rezession und den Sparmaßnahmen leiden in Griechenland vor allem die kleinen Leute. Steuerflucht der Vermögenden ist dagegen immer noch verbreitet. Wie könnte man diese Schieflage beseitigen?
Homburg: Solche Probleme kann nur Griechenland selbst lösen. Wir sollten hier keine Ratschläge erteilen. Es ist doch paradox, dass Deutschland inzwischen allseits gehasst wird, obwohl wir riesige Beistandszahlungen leisten, um die Gewinne der Finanzindustrie zu stabilisieren.
Zwischenfazit: Seit drei Jahren herrscht Griechenland-Krise. Wie könnte man da Land noch retten?
Homburg: Deutschland kann wenig ausrichten. Der Schlüssel zur Lösung liegt in Griechenland selbst. Es ist eine Illusion, einen souveränen Staat durch äußeren Zwang gegen seinen Willen reformieren zu wollen.
Sollte man Griechenland Pleite gehen lassen?
Homburg: Ja. Staateninsolvenzen sind nichts Ungewöhnliches, die Wirtschaftsgeschichte kennt hunderte Beispiele. Allein Spanien ist 18-mal insolvent gewesen. In den letzten Jahrzehnten waren zwar hauptsächlich Schwellen- und Entwicklungsländer betroffen. Eine Staatspleite Griechenlands wäre aber ordnungspolitisch richtig und weniger gefährlich als die unendliche Fortsetzung der sogenannten Rettungspolitik.
Wie lässt sich im Fall eines griechischen Staatsbankrotts der befürchtete Domino-Effekt verhindern, der Spanien oder Italien mitreißen könnte?
Homburg: Für Spanien und Italien, aber auch für Irland, Portugal, Malta, Zypern und andere gilt dasselbe wie für Griechenland: Sie können sich nur selbst helfen. Die rechtswidrigen Beistandszahlungen verringern aber den Anreiz zur Selbsthilfe. Insofern werden Dominoeffekte durch die Rettungspolitik nicht verhindert, sondern geradezu herbeigeführt.
Sie plädieren für einen Austritt Deutschlands aus der Euro-Zone. Warum?
Homburg: Bei Einführung des Euro hat man uns versichert, Beistandszahlungen seien genauso verboten wie eine Staatsfinanzierung durch die Europäische Zentralbank. Beide Versprechungen haben sich inzwischen als Lügen erwiesen. Damit ist die Geschäftsgrundlage für den Euro weggefallen.
Eine neu eingeführte D-Mark würde stark aufwerten und deutsche Exporte drastisch verteuern. Könnte Deutschlands Wirtschaft diesen Schock überhaupt verkraften?
Homburg: Volkswirtschaftlich sind hohe Exporte kein eigenständiges Ziel. Schon gar nicht, wenn auf Pump exportiert wird und wir die Kredite dann an uns selbst zurückzahlen. Dies ist ein unsinniges Schneeballsystem, eine Wohlstandsillusion. Im Grunde könnten wir viele Exportgüter gleich verschenken.
Wäre ein Austritt Deutschlands nicht viel teurer, als weiter Hilfszahlungen zu leisten?
Homburg: Auf Dauer gesehen ist ein Verbleib im Euro teurer als ein Ausscheiden, weil wir weiterhin gutes Geld dem schlechten hinterherwerfen. Außerdem entstehen die Kosten nicht durch den Austritt. Die Kosten sind schon entstanden, sie werden beim Austritt nur aufgedeckt. Die Politik will die Kosten aber nicht aufdecken, weil sie den Zorn der Bürger fürchtet. Sie will die Probleme so lange wie möglich verschleiern und uns weismachen, durch den Fiskalpakt werde alles gut. Dabei ist klar, dass der Fiskalpakt ebenso wenig funktionieren wird wie der 20 Jahre alte Stabilitätspakt, der ständig gebrochen wurde.
Ein deutscher Euro-Austritt würde die europäische Einigung um Jahrzehnte zurückwerfen. Und das in einer Zeit, in der Europa geopolitisch ohnehin an Bedeutung verliert.
Homburg: Der Euro einigt Europa nicht, sondern er spaltet. Früher waren Hakenkreuzschmierereien in Athen und Rom oder die Darstellung der Bundeskanzlerin als Hitler unvorstellbar. Umgekehrt haben wir Deutschen die Mittelmeerländer geliebt. Derzeit nehmen die wechselseitigen Ressentiments zu. Das ist sehr beunruhigend, weil innereuropäische Konflikte und Kriege meist wirtschaftliche Ursachen hatten. Um derartige Gefahren abzuwenden, sollte man die Eurozone jetzt auflösen. Wir stünden dann so da wie vor zehn Jahren, als das politische Klima in Europa weit gedeihlicher war. Durch Aufgabe des überambitionierten Ziels einer gemeinsamen Währung könnten wir die Europäische Union stabilisieren.
Zitat
Zur PersonStefan Homburg (Jahrgang 1961) hat Volkswirtschaftslehre, Mathematik und Philosophie studiert. Seit 1997 ist er Professor für Öffentliche Finanzen an der Leibniz-Universität Hannover.

