Der "Grüne" Anlagebetrüger
In diesem Thema wurden schon 0 Auszeichnungen vergeben!
Dieses Thema wurde 750 mal besucht und hat 5 Antworten.

Der "Grüne" Anlagebetrüger
Anlagebetrug in großem Stil?
Bereits seit ende der 90er Jahre soll der - 59-Jährige diplomierte Ingenieur der Elektrotechnik - bei Informationsveranstaltungen zu alternativen Energien aufgetreten sein.
Schon seit 2006 wird er mit internationalem Haftbefehl gesucht, berichtet der Leitende Oberstaatsanwalt Rainer Vogt von der Staatsanwaltschaft Schweinfurt der Main-Post.
Der Ingenieur habe mit zwei Gesellschaften seit Mitte der 90er Jahre zahlreiche Anleger in der Region Main-Rhön getäuscht, indem er vorgab, intensiv in alternative Energien investieren zu wollen, erläuterte Vogt den Anklagevorwurf. „Tatsächlich hat der Mann jedoch die Gelder verzockt“, so Vogt, der das Vorgehen des Festgenommenen als „besonders dreist“ bezeichnete.
Der Schaden aus betrügerischen Machenschaften seit dem Jahr 1997 beträgt laut Staatsanwaltschaft insgesamt 1,6 Millionen Mark, also rund 0,8 Millionen Euro
Aufgefallen und dann letztlich auch zur Anzeige gebracht worden sei das betrügerische Gebaren erst nach einigen Jahren. „Die einzelnen Gesellschafter haben sich lange hinhalten lassen“, so Vogt weiter.
Hans-Josef Fell bezeichnet den 59-Jährigen als einen „technisch und wirtschaftlich sehr kompetenten Experten, der begeistert reden konnte, andere aber mit seiner scheinbaren Ehrlichkeit geblendet hat“
* Auszüge Main-Post
Bereits seit ende der 90er Jahre soll der - 59-Jährige diplomierte Ingenieur der Elektrotechnik - bei Informationsveranstaltungen zu alternativen Energien aufgetreten sein.
Schon seit 2006 wird er mit internationalem Haftbefehl gesucht, berichtet der Leitende Oberstaatsanwalt Rainer Vogt von der Staatsanwaltschaft Schweinfurt der Main-Post.
Zitat
„Wir haben mittlerweile zwei Waschkörbe voll mit Akten.“
Der Ingenieur habe mit zwei Gesellschaften seit Mitte der 90er Jahre zahlreiche Anleger in der Region Main-Rhön getäuscht, indem er vorgab, intensiv in alternative Energien investieren zu wollen, erläuterte Vogt den Anklagevorwurf. „Tatsächlich hat der Mann jedoch die Gelder verzockt“, so Vogt, der das Vorgehen des Festgenommenen als „besonders dreist“ bezeichnete.
Der Schaden aus betrügerischen Machenschaften seit dem Jahr 1997 beträgt laut Staatsanwaltschaft insgesamt 1,6 Millionen Mark, also rund 0,8 Millionen Euro
Aufgefallen und dann letztlich auch zur Anzeige gebracht worden sei das betrügerische Gebaren erst nach einigen Jahren. „Die einzelnen Gesellschafter haben sich lange hinhalten lassen“, so Vogt weiter.
Zitat
„Es gibt einen Haufen Geschädigte, darunter einige Prominente“, bestätigte auch ein Rechtsanwalt aus dem Landkreis Bad Neustadt der Main-Post auf Anfrage. Der Jurist vertritt eine geschädigte Person.
Hans-Josef Fell bezeichnet den 59-Jährigen als einen „technisch und wirtschaftlich sehr kompetenten Experten, der begeistert reden konnte, andere aber mit seiner scheinbaren Ehrlichkeit geblendet hat“
Zitat
Der Ingenieur sah die Zeit offenbar dann auch für sich reif, Kasse zu machen. Er gründete mindestens eine Gesellschaft, deren vordergründiges Ziel es war, Windräder und Blockheizkraftwerke zu errichten. In diese Gesellschaft kauften sich dann die späteren Geschädigten mit zum Teil erheblichen Geldbeträgen ein
* Auszüge Main-Post
Mutmaßlicher Millionenbetrüger vor Gericht
Seit Juni vergangenen Jahres sitzt der Mann in Untersuchungshaft, in Kürze wird dem diplomierten Elektroingenieur aus dem Landkreis Bad Kissingen nun der Prozess vor dem Landgericht Schweinfurt gemacht. Der 60-Jährige muss sich vom 10. Mai an wegen Betrugs in fünf verschiedenen Fällen verantworten. Die Staatsanwaltschaft schätzt den Schaden auf rund eine Million Euro.
Die Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt hat für den Fall zwölf Prozesstage angesetzt. „Der Sachverhalt ist sehr komplex“, sagt Konrad Scheckenbach auf Anfrage der Main-Post. Der Würzburger Verteidiger des Beschuldigten hofft allerdings, dass nicht alle Prozesstermine wahrgenommen werden müssen, bevor es zu einem Urteil kommt. „Mein Mandant wird umfassende Angaben zur Sache machen.“
Dem Ingenieur wird Anlagebetrug im großen Stil zur Last gelegt. Er soll als Geschäftsführer zweier Gesellschaften zahlreiche Anleger aus den Regionen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Thüringen, darunter auch prominente Lokalpolitiker, im Bereich der Erneuerbaren Energien geprellt haben. Der Mann hatte für Projekte wie den Bau von Blockheizkraftwerken offensiv geworben. In der Folge flossen hohe Beträge auf sein Konto. Verwirklicht wurde jedoch keines der Projekte.
Um bei den Gesellschaftern keinen Verdacht aufkommen zu lassen, soll der Beschuldigte auch Schriftstücke gefälscht haben. Im Jahr 2006 war er schließlich untergetaucht und seitdem mit internationalem Haftbefehl gesucht worden. Im Juni vergangenen Jahres wurde er im thüringischen Suhl festgenommen, nachdem ihm die Kriminalpolizei eine Falle gestellt hatte. Das Landgericht Schweinfurt hat Verhandlungstage bis Ende Juli angesetzt. Nach Recherchen unserer Redaktion sind unter den zahlreichen geladenen Zeugen auch amtierende und ehemalige Lokalpolitiker der Region Main-Rhön. Zwei der Geschädigten wollen sich auf Anfrage der Main-Post allerdings erst wieder vor Gericht zu dem Sachverhalt äußern, nicht mehr im Vorfeld des Prozesses.
Neben den strafrechtlichen Ermittlungen beziehungsweise der Anklageerhebung liefen in den vergangenen Monaten parallel auch zivilrechtliche Verfahren.
Wie ein Anwalt aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld im Gespräch mit unserer Redaktion mitteilte, wurden die Prozesse aber nicht gegen den 60-Jährigen selbst, sondern gegen dritte Personen beziehungsweise Firmen geführt, die als Geschäftspartner des Ingenieurs fungiert hatten. Man habe sich auf diese Weise größere Chancen auf Schadenswiedergutmachung errechnet, die sich zumindest teilweise auch erfüllt hätten, so der Anwalt.
Möglicherweise kommt es im Rahmen des Prozesses zu einer juristischen Absprache zwischen Verteidiger, Staatsanwaltschaft und Gericht, einem so genannten Deal. Unabhängig davon dürfte der Prozess von den Beteiligten mit Spannung erwartet werden, attestierten doch selbst Geschädigte dem Ingenieur Eigenschaften wie enormes Fachwissen, Genialität und Charisma. Doch es ist anzunehmen, dass Letzteres in der Untersuchungshaft zumindest verblasst sein dürfte. „Alle Untersuchungshäftlinge belastet die Ungewissheit, was noch alles auf sie zukommt“, so Verteidiger Scheckenbach. Die Staatsanwaltschaft hatte im Zuge ihrer Ermittlungen immer wieder von einem dreisten kriminellen Gebaren des Beschuldigten gesprochen.
Autor: Susanne Wahler-Göbel
Die Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt hat für den Fall zwölf Prozesstage angesetzt. „Der Sachverhalt ist sehr komplex“, sagt Konrad Scheckenbach auf Anfrage der Main-Post. Der Würzburger Verteidiger des Beschuldigten hofft allerdings, dass nicht alle Prozesstermine wahrgenommen werden müssen, bevor es zu einem Urteil kommt. „Mein Mandant wird umfassende Angaben zur Sache machen.“
Dem Ingenieur wird Anlagebetrug im großen Stil zur Last gelegt. Er soll als Geschäftsführer zweier Gesellschaften zahlreiche Anleger aus den Regionen Bad Kissingen, Rhön-Grabfeld und Thüringen, darunter auch prominente Lokalpolitiker, im Bereich der Erneuerbaren Energien geprellt haben. Der Mann hatte für Projekte wie den Bau von Blockheizkraftwerken offensiv geworben. In der Folge flossen hohe Beträge auf sein Konto. Verwirklicht wurde jedoch keines der Projekte.
Um bei den Gesellschaftern keinen Verdacht aufkommen zu lassen, soll der Beschuldigte auch Schriftstücke gefälscht haben. Im Jahr 2006 war er schließlich untergetaucht und seitdem mit internationalem Haftbefehl gesucht worden. Im Juni vergangenen Jahres wurde er im thüringischen Suhl festgenommen, nachdem ihm die Kriminalpolizei eine Falle gestellt hatte. Das Landgericht Schweinfurt hat Verhandlungstage bis Ende Juli angesetzt. Nach Recherchen unserer Redaktion sind unter den zahlreichen geladenen Zeugen auch amtierende und ehemalige Lokalpolitiker der Region Main-Rhön. Zwei der Geschädigten wollen sich auf Anfrage der Main-Post allerdings erst wieder vor Gericht zu dem Sachverhalt äußern, nicht mehr im Vorfeld des Prozesses.
Neben den strafrechtlichen Ermittlungen beziehungsweise der Anklageerhebung liefen in den vergangenen Monaten parallel auch zivilrechtliche Verfahren.
Wie ein Anwalt aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld im Gespräch mit unserer Redaktion mitteilte, wurden die Prozesse aber nicht gegen den 60-Jährigen selbst, sondern gegen dritte Personen beziehungsweise Firmen geführt, die als Geschäftspartner des Ingenieurs fungiert hatten. Man habe sich auf diese Weise größere Chancen auf Schadenswiedergutmachung errechnet, die sich zumindest teilweise auch erfüllt hätten, so der Anwalt.
Möglicherweise kommt es im Rahmen des Prozesses zu einer juristischen Absprache zwischen Verteidiger, Staatsanwaltschaft und Gericht, einem so genannten Deal. Unabhängig davon dürfte der Prozess von den Beteiligten mit Spannung erwartet werden, attestierten doch selbst Geschädigte dem Ingenieur Eigenschaften wie enormes Fachwissen, Genialität und Charisma. Doch es ist anzunehmen, dass Letzteres in der Untersuchungshaft zumindest verblasst sein dürfte. „Alle Untersuchungshäftlinge belastet die Ungewissheit, was noch alles auf sie zukommt“, so Verteidiger Scheckenbach. Die Staatsanwaltschaft hatte im Zuge ihrer Ermittlungen immer wieder von einem dreisten kriminellen Gebaren des Beschuldigten gesprochen.
Autor: Susanne Wahler-Göbel
Prozessbeginn
Ein mutmaßlicher Millionenbetrüger steht ab heute in Schweinfurt vor Gericht.
Beim Geschäft mit erneuerbaren Energien soll er riesige Beträge in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.
Für verschiedene Projekte habe er zahlreiche Investoren aus der Region gewonnen – die Umsetzung blieb jedoch aus.
Im Jahr 2006 war der 60 Jahre alte Ingenieur aus Bad Kissingen zunächst untergetaucht.
Im Juni letzten Jahres konnte er dann aber festgenommen werden, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind zunächst zwölf Prozesstage angesetzt.
Beim Geschäft mit erneuerbaren Energien soll er riesige Beträge in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.
Für verschiedene Projekte habe er zahlreiche Investoren aus der Region gewonnen – die Umsetzung blieb jedoch aus.
Im Jahr 2006 war der 60 Jahre alte Ingenieur aus Bad Kissingen zunächst untergetaucht.
Im Juni letzten Jahres konnte er dann aber festgenommen werden, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind zunächst zwölf Prozesstage angesetzt.
Millionen-Betrugsprozess geht weiter
Der Angeklagte soll hohe Investitionen für Projekte aus dem Bereich Erneuerbare Energien in die eigene Tasche gewirtschaftet haben
Der Prozess gegen einen mutmaßlichen Millionenbetrüger wird heute vor dem Schweinfurter Landgericht fortgesetzt. Ihm wird vorgeworfen, Projekte mit erneuerbaren Energien angeschoben, aber nie realisiert zu haben. Das Geld, das er von seinen Investoren erhalten hat, soll er in die eigene Tasche gesteckt haben. Bereits zu Beginn des Prozesses hatte der Mann ein umfassendes Geständnis abgelegt.
Heute werden der Hauptsachbearbeiter der Polizei und ein Angehöriger des Angeklagten vernommen. Außerdem soll ein weiterer Zeuge Hinweise darauf geben, welchen Weg das mutmaßlich unterschlagene Geld genommen hat
Der Prozess gegen einen mutmaßlichen Millionenbetrüger wird heute vor dem Schweinfurter Landgericht fortgesetzt. Ihm wird vorgeworfen, Projekte mit erneuerbaren Energien angeschoben, aber nie realisiert zu haben. Das Geld, das er von seinen Investoren erhalten hat, soll er in die eigene Tasche gesteckt haben. Bereits zu Beginn des Prozesses hatte der Mann ein umfassendes Geständnis abgelegt.
Heute werden der Hauptsachbearbeiter der Polizei und ein Angehöriger des Angeklagten vernommen. Außerdem soll ein weiterer Zeuge Hinweise darauf geben, welchen Weg das mutmaßlich unterschlagene Geld genommen hat
Vor gut sechs Jahren flog der ganze Schwindel auf. Seitdem hatten sie sich nicht mehr gesehen: Der 59-jährige Ingenieur, der aus einem Dorf im Landkreis Bad Kissingen stammt, und der gleichaltrige Facharzt aus dem Raum Bad Kissingen – einer jener, die der Energie-Experte übers Ohr gehauen hatte. 1,1 Millionen Euro habe ihn die Zusammenarbeit mit dem Ingenieur gekostet, bilanzierte der Arzt beim vierten Verhandlungstag im Betrugsprozess am Landgericht Schweinfurt. Eine Millionensumme für zwei Blockheizkraftwerke in Bad Königshofen und im westlichen Landkreis Rhön-Grabfeld, die nie gebaut wurden.
Der Ingenieur, der fünf Jahre lang per internationalem Haftbefehl gesucht worden war und seit einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, ist geständig (wir berichteten). Das erste Zusammentreffen der ehemaligen Geschäftspartner hatte schon etwas Besonderes: Da saß der Angeklagte in dunkelgrauem Anzug, weißem Hemd, roter Krawatte, ruhig, aufgeräumt, konzentriert. „Ich seh' ihn heute das erste Mal im Anzug“, so der Arzt. Nach dem ersten Kontakt vor 13 Jahren sei er stets in Jeans, im Holzfällerhemd und mit einem ausgelutschten Ford Mondeo aufgekreuzt, also als „das Gegenteil von dem, was man sich unter einem klassischen Verkäufer vorstellt“, so der Betrogene in seiner zweistündigen Vernehmung.
Als Lokalpatriot habe er zunächst in Windräder auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken investieren wollen. Da habe ihm ein Energieberater aus der Region den Angeklagten als erfahrenen Elektroingenieur und ausgewiesenen Energieexperten vorgestellt, der Windkraftprojekte in Polen betreute und Kontakt zu vielen Politgrößen in der Region habe.
Das gleiche Alter, eine ähnliche Vita, die gleiche Sozialisation habe gleich Sympathiepunkte eingebracht, so der technikaffine Arzt. Der Angeklagte sei bei ihm zuhause ein- und ausgegangen.
Was er erst im Mai 2006 erfuhr: Alles Geld, das er und andere für Windräder investiert hatten, hatte der Ingenieur an der Börse verzockt. Um die Schulden zu begleichen, sattelte dieser um auf Blockheizkraftwerke. 2002 stellte er die Weichen: Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit dem Facharzt als 40-prozentigem Teilhaber übernahm einen Vertrag der Energie Main-Rhön GmbH. Die Mehrheitsanteile der GbR zeichnete der Bruder des Ingenieurs, ein Landwirt. Als dieser 2003 bei einem Arbeitsunfall starb, übernahm dessen Witwe diese Anteile. Dargestellt habe sich der Ingenieur als reich und wohlhabend. Tatsächlich hauste er in einem ehemaligen Bunker in Frankfurt, in dem er sich selbst ein Fenster freigesprengt hatte. Er lebte von 400 Euro im Monat.
Einige Facetten seiner ausgefeilten Betrugsmasche wurden vor Gericht deutlich: Grundlage war eine starke Vertrauensbasis zu den Geldgebern. Das Vertrauen der Banken genoss der Arzt, als solventer Kunde und zugleich Aufsichtsratsmitglied einer lokalen Bank.
Das Königshofener Blockheizkraftwerk war mit 864 000 Euro kalkuliert. Eine Firma bei Kassel sollte es liefern für die Kurbetriebs-GmbH, die Stadtwerke garantierten die Abnahme von Strom und Wärme – auf einem Dokument, das der Ingenieur gefälscht hatte. Dies und die Einlagen der Teilhaber sicherten den Kredit bei der Bank.
Der Ingenieur bot an, ein von der Firma nicht geführtes Blockheizkraftwerk zu vermitteln und an die GbR zu verkaufen. Als das Geld geflossen war, gaukelte er der Firma vor, das Kraftwerk sei in Königshofen installiert. Den Investoren machte er weis, es stehe im Probebetrieb bei der Firma, was diese ihm auch abnahmen. Tatsächlich existierte die Anlage gar nicht.
Mit denselben Partnern plante er noch ein zweites Blockheizkraftwerk, diesmal auf Grund und Boden seiner Schwägerin und über eine Leasing-Gesellschaft. Doch als diese eine Rechnung überprüfte, erwies sich diese als Fälschung: Der Betrug war aufgeflogen, der Ingenieur tauchte unter.
* mainpost.de
Der Ingenieur, der fünf Jahre lang per internationalem Haftbefehl gesucht worden war und seit einem Jahr in Untersuchungshaft sitzt, ist geständig (wir berichteten). Das erste Zusammentreffen der ehemaligen Geschäftspartner hatte schon etwas Besonderes: Da saß der Angeklagte in dunkelgrauem Anzug, weißem Hemd, roter Krawatte, ruhig, aufgeräumt, konzentriert. „Ich seh' ihn heute das erste Mal im Anzug“, so der Arzt. Nach dem ersten Kontakt vor 13 Jahren sei er stets in Jeans, im Holzfällerhemd und mit einem ausgelutschten Ford Mondeo aufgekreuzt, also als „das Gegenteil von dem, was man sich unter einem klassischen Verkäufer vorstellt“, so der Betrogene in seiner zweistündigen Vernehmung.
Als Lokalpatriot habe er zunächst in Windräder auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken investieren wollen. Da habe ihm ein Energieberater aus der Region den Angeklagten als erfahrenen Elektroingenieur und ausgewiesenen Energieexperten vorgestellt, der Windkraftprojekte in Polen betreute und Kontakt zu vielen Politgrößen in der Region habe.
Das gleiche Alter, eine ähnliche Vita, die gleiche Sozialisation habe gleich Sympathiepunkte eingebracht, so der technikaffine Arzt. Der Angeklagte sei bei ihm zuhause ein- und ausgegangen.
Was er erst im Mai 2006 erfuhr: Alles Geld, das er und andere für Windräder investiert hatten, hatte der Ingenieur an der Börse verzockt. Um die Schulden zu begleichen, sattelte dieser um auf Blockheizkraftwerke. 2002 stellte er die Weichen: Eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts mit dem Facharzt als 40-prozentigem Teilhaber übernahm einen Vertrag der Energie Main-Rhön GmbH. Die Mehrheitsanteile der GbR zeichnete der Bruder des Ingenieurs, ein Landwirt. Als dieser 2003 bei einem Arbeitsunfall starb, übernahm dessen Witwe diese Anteile. Dargestellt habe sich der Ingenieur als reich und wohlhabend. Tatsächlich hauste er in einem ehemaligen Bunker in Frankfurt, in dem er sich selbst ein Fenster freigesprengt hatte. Er lebte von 400 Euro im Monat.
Einige Facetten seiner ausgefeilten Betrugsmasche wurden vor Gericht deutlich: Grundlage war eine starke Vertrauensbasis zu den Geldgebern. Das Vertrauen der Banken genoss der Arzt, als solventer Kunde und zugleich Aufsichtsratsmitglied einer lokalen Bank.
Das Königshofener Blockheizkraftwerk war mit 864 000 Euro kalkuliert. Eine Firma bei Kassel sollte es liefern für die Kurbetriebs-GmbH, die Stadtwerke garantierten die Abnahme von Strom und Wärme – auf einem Dokument, das der Ingenieur gefälscht hatte. Dies und die Einlagen der Teilhaber sicherten den Kredit bei der Bank.
Der Ingenieur bot an, ein von der Firma nicht geführtes Blockheizkraftwerk zu vermitteln und an die GbR zu verkaufen. Als das Geld geflossen war, gaukelte er der Firma vor, das Kraftwerk sei in Königshofen installiert. Den Investoren machte er weis, es stehe im Probebetrieb bei der Firma, was diese ihm auch abnahmen. Tatsächlich existierte die Anlage gar nicht.
Mit denselben Partnern plante er noch ein zweites Blockheizkraftwerk, diesmal auf Grund und Boden seiner Schwägerin und über eine Leasing-Gesellschaft. Doch als diese eine Rechnung überprüfte, erwies sich diese als Fälschung: Der Betrug war aufgeflogen, der Ingenieur tauchte unter.
* mainpost.de
Vor gut sechs Jahren flog der ganze Schwindel auf. Seitdem hatten sie sich nicht mehr gesehen: Der 59-jährige Ingenieur, der aus einem Dorf im Landkreis Bad Kissingen stammt, und der gleichaltrige Facharzt aus dem Raum Bad Kissingen – einer jener, die der Energie-Experte übers Ohr gehauen hatte. 1,1 Millionen Euro habe ihn die Zusammenarbeit mit dem Ingenieur gekostet, bilanzierte der Arzt beim vierten Verhandlungstag im Betrugsprozess am Landgericht Schweinfurt. Eine Millionensumme für zwei Blockheizkraftwerke in Bad Königshofen und im westlichen Landkreis Rhön-Grabfeld, die nie gebaut wurden

