Mutmaßliche Manipulation des Interbankenzinses Libor?
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Mutmaßliche Manipulation des Interbankenzinses Libor?
Gleich 12 internationale Großbanken sollen sich demnächst vor einem Gericht in New York rechtfertigen müssen. Der österreichische Finanzdienstleister FTC Capital verdächtigt die Geldinstitute der mutmaßlichen Manipulation des Interbankenzinses Libor. Laut FTC hätte der Libor während der Finanzkrise signifikant steigen müssen. Die beklagten Banken sind Bank of America, Barclays, Citigroup, Credit Suisse, Deutsche Bank, HSBC, JPMorgan Chase, Lloyds Bank, Norinchukin Bank, Royal Bank of Scotland, UBS und West LB.
Rolf Majcen, Mitglied der Geschäftsführung der FTC Capital, bestätigte im Gespräch mit dem Standard die Klage und betonte, dass FTC Capital der Wahrung der Kundeninteressen verpflichtet sei. Mögliche Schädigungen müssten daher rechtlich bestritten werden.
Von der mutmaßlichen Manipulation könnten im Falle von FTC Euro-Dollar-Kontrakte betroffen sein, die über die Chicagoer Handelsbörse (CME) gehandelt wurden.
Der Libor wird zur Bewertung von mehr als 244 Billionen Euro an Derivaten und anderen Finanzprodukten herangezogen. Zur Ermittlung des Interbankenzinses Libor (London Interbank Offered Rate) fragt die British Bankers Association 20 Geldinstitute, zu welchem Zins sie sich Geld leihen können. Die höchsten und niedrigsten fünf Werte werden gestrichen, der Schnitt der mittleren zehn ergibt den Libor. Regulatoren untersuchen laut dem Standard derzeit, ob Banken bei der Libor-Festsetzung in den vergangenen Jahren getrickst haben. UBS, Bank of America, Citigroup, Barclays und JP Morgan Chase wurden bereits von Aufsichtsbehörden vorgeladen, der Standard berichtete
*Quelle: FONDS professionell
Rolf Majcen, Mitglied der Geschäftsführung der FTC Capital, bestätigte im Gespräch mit dem Standard die Klage und betonte, dass FTC Capital der Wahrung der Kundeninteressen verpflichtet sei. Mögliche Schädigungen müssten daher rechtlich bestritten werden.
Von der mutmaßlichen Manipulation könnten im Falle von FTC Euro-Dollar-Kontrakte betroffen sein, die über die Chicagoer Handelsbörse (CME) gehandelt wurden.
Der Libor wird zur Bewertung von mehr als 244 Billionen Euro an Derivaten und anderen Finanzprodukten herangezogen. Zur Ermittlung des Interbankenzinses Libor (London Interbank Offered Rate) fragt die British Bankers Association 20 Geldinstitute, zu welchem Zins sie sich Geld leihen können. Die höchsten und niedrigsten fünf Werte werden gestrichen, der Schnitt der mittleren zehn ergibt den Libor. Regulatoren untersuchen laut dem Standard derzeit, ob Banken bei der Libor-Festsetzung in den vergangenen Jahren getrickst haben. UBS, Bank of America, Citigroup, Barclays und JP Morgan Chase wurden bereits von Aufsichtsbehörden vorgeladen, der Standard berichtete
*Quelle: FONDS professionell
Hat die New Yorker Fed schon 2007 von Libor-Manipulationen gewusst? Die US-Gesetzgeber wollen nun Ben Bernanke und Timothy Geithner befragen
Die jahrelange Manipulation des Libor-Zinssatzes – von US-Medien bereits „Betrug des Jahrhunderts“ tituliert – zieht nun auch die Zentralbank Federal Reserve in ihren Bann. Zahlreiche E-Mails und Briefe zwischen dem New Yorker Ableger der Notenbank und der britischen Barclays-Bank sollen belegen, dass das Institut schon 2007 auf das Problem hingewiesen habe – daran wollen sich zumindest ranghohe Barclays-Mitarbeiter erinnern können.
„Wir müssen mehr über diese Anschuldigungen herausfinden“, sagte Tim Johnson, der Vorsitzende des Bankenkomitees des US-Senats. Deshalb wolle er Timothy Geithner und Ben Bernanke in der Causa befragen. Geithner ist US-Finanzminister und war zum fraglichen Zeitpunkt Chef der New Yorker Fed, Bernanke ist Zentralbankchef. Wann genau der Kongress die beiden „grillen“ wird, ist noch nicht bekannt – jedenfalls noch im Juli.
Fed veröffentlicht Dokumente
Die New Yorker Fed weist die Vorwürfe zurück. Sie will heute, Freitag, Licht ins Dunkel bringen und Dokumente veröffentlichen, die beweisen, dass die Zentralbank schon 2007 auf Probleme beim Libor-Zinssatz hingewiesen und auf nötige Reformen bestanden habe. Außerdem wolle die Fed beweisen, dass Barclays keineswegs zu verstehen gegeben habe, dass der Libor in großem Stil manipuliert werde. Lediglich von „gelegentlichen anekdotischen Berichten“ sprach die New Yorker Fed in einer Aussendung am Donnerstag.
Barclays war kürzlich zu einer Geldstrafe von 450 Mio. Dollar (370 Mio. Euro) verurteilt worden. Das Institut habe den Libor-Zinssatz von 2005 bis 2009 nach Belieben nach unten oder oben manipuliert. Ermittelt wird gegen Dutzende andere Banken weltweit. Sie sollen ein Zinskartell gebildet und sich bei der Festsetzung der Zinssätze abgesprochen haben.
Der Libor zählt zu den wichtigsten Zinssätzen der Welt. Kredite, Derivate und sonstige Finanzprodukte im Umfang von mindestens 360 Billionen Dollar hängen von ihm ab.
Die jahrelange Manipulation des Libor-Zinssatzes – von US-Medien bereits „Betrug des Jahrhunderts“ tituliert – zieht nun auch die Zentralbank Federal Reserve in ihren Bann. Zahlreiche E-Mails und Briefe zwischen dem New Yorker Ableger der Notenbank und der britischen Barclays-Bank sollen belegen, dass das Institut schon 2007 auf das Problem hingewiesen habe – daran wollen sich zumindest ranghohe Barclays-Mitarbeiter erinnern können.
„Wir müssen mehr über diese Anschuldigungen herausfinden“, sagte Tim Johnson, der Vorsitzende des Bankenkomitees des US-Senats. Deshalb wolle er Timothy Geithner und Ben Bernanke in der Causa befragen. Geithner ist US-Finanzminister und war zum fraglichen Zeitpunkt Chef der New Yorker Fed, Bernanke ist Zentralbankchef. Wann genau der Kongress die beiden „grillen“ wird, ist noch nicht bekannt – jedenfalls noch im Juli.
Fed veröffentlicht Dokumente
Die New Yorker Fed weist die Vorwürfe zurück. Sie will heute, Freitag, Licht ins Dunkel bringen und Dokumente veröffentlichen, die beweisen, dass die Zentralbank schon 2007 auf Probleme beim Libor-Zinssatz hingewiesen und auf nötige Reformen bestanden habe. Außerdem wolle die Fed beweisen, dass Barclays keineswegs zu verstehen gegeben habe, dass der Libor in großem Stil manipuliert werde. Lediglich von „gelegentlichen anekdotischen Berichten“ sprach die New Yorker Fed in einer Aussendung am Donnerstag.
Barclays war kürzlich zu einer Geldstrafe von 450 Mio. Dollar (370 Mio. Euro) verurteilt worden. Das Institut habe den Libor-Zinssatz von 2005 bis 2009 nach Belieben nach unten oder oben manipuliert. Ermittelt wird gegen Dutzende andere Banken weltweit. Sie sollen ein Zinskartell gebildet und sich bei der Festsetzung der Zinssätze abgesprochen haben.
Der Libor zählt zu den wichtigsten Zinssätzen der Welt. Kredite, Derivate und sonstige Finanzprodukte im Umfang von mindestens 360 Billionen Dollar hängen von ihm ab.
Weitere 11 Banken in Libor-Skandal verstrickt
Der Skandal um die Manipulation des Libor-Zinssatzes weitet sich aus. Nach der britischen Barclays-Bank gerieten nun 11 weitere Institute ins Visier der Behörden. Laut Medienberichten handelt es sich dabei um die Deutsche Bank, die Bank of America, die Citigroup, JP Morgan, Credit Suisse, UBS, die Societe General sowie die britischen Institute RBS, HSBC und Lloyds. Schätzungen zufolge könnte die Affäre bis 2014 Kosten von mehr als 11 Milliarden Euro verursachen.
Der Skandal um manipulierte Zinssätze zieht immer größere Kreise: Kein geringerer als der heutige US-Finanzminister Geithner warnte bereits vor vier Jahren die Bank of England vor geschönten Zinsen. Damit geraten die britischen Währungshüter zunehmend in Erklärungsnot, denn bisher haben sie Andeutungen von Verstrickungen stets von sich gewiesen
Neue Enthüllungen im Libor-Skandal: Die britischen Notenbanker wurden schon im Jahr 2008 von ihren New Yorker Kollegen der Federal Reserve davor gewarnt, die Geldinstitute zu Falschauskünften über Interbank-Zinsen zu ermutigen. Das geht aus einer privaten Notiz hervor, die Timothy Geithner vor vier Jahren an die Bank of England schrieb.
Geithner, heute US-Finanzminister, fungierte damals als Präsident der New Yorker Notenbank. Die Finanzindustrie stand kurz vor einer der schlimmsten Phasen der Finanzkrise. Zur selben Zeit tauchten in den Gremien der US-Regulierungsbehörden laut Insidern erste Sorgen über mögliche Manipulationen des Interbanken-Zinssatzes und deren Konsequenzen auf.
Brisante Aktennotiz
In dem Memo riet Geithner dem Chef der Bank of England, Mervyn King, "Anreize für falsche Berichte" für die Banken abzuschaffen. Die Nachricht wirft ein neues Licht auf den Skandal um die Manipulation des Libor-Zinssatzes.
Nachdem die britische Barclays-Bank von der englischen und US-amerikanischen Finanzaufsicht zu einer Geldstrafe von 450 Mio. US-Dollar verdonnert worden war, ergriff das traditionsreiche Geldhaus die Flucht nach vorne. Die Bank veröffentlichte Memos aus dem Jahr 2008. Die lassen den Schluss zu, dass die Notenbanker die Geldhäuser aufgefordert haben, nicht die tatsächlichen Refinanzierungskosten im Interbankenhandel an den Bankenverband zu melden, sondern niedrigere. Die Bank of England bestreitet die Vorwürfe. Verschiedene ehemalige Führungskräfte der Bank haben im Zuge des Skandals ihren Hut genommen.
In dem Memo empfahl Geithner der BBA auch, den Libor-Zins von zufällig ausgewählten Banken statt von immer den gleichen großen Geldhäusern abzufragen, um Manipulation zu verhindern. Ebenso verlangte er eine "glaubwürdigere Berichtsstruktur" bei der Erhebung der Kreditraten. Mehr US-Banken sollten in die Libor-Maßnahmen einbezogen werden, außerdem sollten die Banken die berichteten Zinsraten mit mehr Details zur Höhe der getätigten Transaktionen untermauern.
Eine Frage des Kredits
Falsche Angaben zu den Krediten zwischen den Geldinstituten hätten Vorteile sowohl für die privaten Banken als auch für die Notenbanken gehabt: Die privaten Banken hätten durch nach unten verfälschte Zahlen den Vorteil, kreditwürdiger zu wirken als sie es tatsächlich sind. Die Notenbanken wiederum könnten mit derartigen Manipulationen das Ziel verfolgt haben, das System zu stabilisieren.
Das Memo zeigt, dass die amerikanischen Notenbanker von den Schwächen im System wussten, die potenziell Einfluss auf die Zinsen für die verschiedensten Finanzprodukte weltweit hatten. Unklar ist aber, wie weit Geithner und Kollegen gingen, um das Problem auf die Agenda zu bringen. Aus Kreisen erfuhr das Wall Street Journal, dass King sich empfänglich für Geithners Argumente zeigte. Inwieweit er die Aufforderungen in die Tat umsetzte, ist aber unklar
Den Druck erhöht auch die EU: Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia drohte mit eingreifenden Maßnahmen in den Bankensektor, sollte sich der Manipulationsverdacht bestätigen. Die Untersuchungen konzentrierten sich auf ein mutmaßliches Kartell, das bei der Feststellung von Interbanken-Zinsen zusammengearbeitet habe, erklärte er. Sollte sich der Verdacht der Beeinflussung bestätigen, "werden wir die notwendigen Schritte unternehmen, um einen Kulturwechsel im Bankensektor anzutreiben", sagte Almunia. Die EU räume der Untersuchung eine hohe Priorität ein. Es gehe neben dem Libor auch um den Euribor und den Bankenzinssatz in Tokio.
Der Libor ist zwar der weltweit bedeutendere Satz, in Europa jedoch spielt der Euribor für einige Produkte eine wichtigere Rolle. Die EU-Kommission hatte vergangenes Jahr Untersuchungen gegen zahlreiche europäische Großbanken wegen mutmaßlicher Manipulationen des Euribor eingeleitet.
Der Euribor steht auch im Fokus von Untersuchungen der deutschen Finanzaufsicht BaFin, die Regulierungskreisen zufolge mehrere hiesige Banken unter die Lupe nimmt. Laut informierten Personen gibt es keine konkreten Anhaltspunkte, dass deutsche Banken versucht haben, den Euribor zu manipulieren. Die Prüfung beziehe sich auf die Organisationsstrukturen der Häuser.
Analysten der US-Großbank Morgan Stanley schätzen, dass auf die in den Skandal verwickelten Institute bis 2014 Zahlungen von 14 Mrd. Dollar zukommen könnten
Der Skandal um manipulierte Zinssätze zieht immer größere Kreise: Kein geringerer als der heutige US-Finanzminister Geithner warnte bereits vor vier Jahren die Bank of England vor geschönten Zinsen. Damit geraten die britischen Währungshüter zunehmend in Erklärungsnot, denn bisher haben sie Andeutungen von Verstrickungen stets von sich gewiesen
Neue Enthüllungen im Libor-Skandal: Die britischen Notenbanker wurden schon im Jahr 2008 von ihren New Yorker Kollegen der Federal Reserve davor gewarnt, die Geldinstitute zu Falschauskünften über Interbank-Zinsen zu ermutigen. Das geht aus einer privaten Notiz hervor, die Timothy Geithner vor vier Jahren an die Bank of England schrieb.
Geithner, heute US-Finanzminister, fungierte damals als Präsident der New Yorker Notenbank. Die Finanzindustrie stand kurz vor einer der schlimmsten Phasen der Finanzkrise. Zur selben Zeit tauchten in den Gremien der US-Regulierungsbehörden laut Insidern erste Sorgen über mögliche Manipulationen des Interbanken-Zinssatzes und deren Konsequenzen auf.
Brisante Aktennotiz
In dem Memo riet Geithner dem Chef der Bank of England, Mervyn King, "Anreize für falsche Berichte" für die Banken abzuschaffen. Die Nachricht wirft ein neues Licht auf den Skandal um die Manipulation des Libor-Zinssatzes.
Nachdem die britische Barclays-Bank von der englischen und US-amerikanischen Finanzaufsicht zu einer Geldstrafe von 450 Mio. US-Dollar verdonnert worden war, ergriff das traditionsreiche Geldhaus die Flucht nach vorne. Die Bank veröffentlichte Memos aus dem Jahr 2008. Die lassen den Schluss zu, dass die Notenbanker die Geldhäuser aufgefordert haben, nicht die tatsächlichen Refinanzierungskosten im Interbankenhandel an den Bankenverband zu melden, sondern niedrigere. Die Bank of England bestreitet die Vorwürfe. Verschiedene ehemalige Führungskräfte der Bank haben im Zuge des Skandals ihren Hut genommen.
In dem Memo empfahl Geithner der BBA auch, den Libor-Zins von zufällig ausgewählten Banken statt von immer den gleichen großen Geldhäusern abzufragen, um Manipulation zu verhindern. Ebenso verlangte er eine "glaubwürdigere Berichtsstruktur" bei der Erhebung der Kreditraten. Mehr US-Banken sollten in die Libor-Maßnahmen einbezogen werden, außerdem sollten die Banken die berichteten Zinsraten mit mehr Details zur Höhe der getätigten Transaktionen untermauern.
Eine Frage des Kredits
Falsche Angaben zu den Krediten zwischen den Geldinstituten hätten Vorteile sowohl für die privaten Banken als auch für die Notenbanken gehabt: Die privaten Banken hätten durch nach unten verfälschte Zahlen den Vorteil, kreditwürdiger zu wirken als sie es tatsächlich sind. Die Notenbanken wiederum könnten mit derartigen Manipulationen das Ziel verfolgt haben, das System zu stabilisieren.
Das Memo zeigt, dass die amerikanischen Notenbanker von den Schwächen im System wussten, die potenziell Einfluss auf die Zinsen für die verschiedensten Finanzprodukte weltweit hatten. Unklar ist aber, wie weit Geithner und Kollegen gingen, um das Problem auf die Agenda zu bringen. Aus Kreisen erfuhr das Wall Street Journal, dass King sich empfänglich für Geithners Argumente zeigte. Inwieweit er die Aufforderungen in die Tat umsetzte, ist aber unklar
Den Druck erhöht auch die EU: Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia drohte mit eingreifenden Maßnahmen in den Bankensektor, sollte sich der Manipulationsverdacht bestätigen. Die Untersuchungen konzentrierten sich auf ein mutmaßliches Kartell, das bei der Feststellung von Interbanken-Zinsen zusammengearbeitet habe, erklärte er. Sollte sich der Verdacht der Beeinflussung bestätigen, "werden wir die notwendigen Schritte unternehmen, um einen Kulturwechsel im Bankensektor anzutreiben", sagte Almunia. Die EU räume der Untersuchung eine hohe Priorität ein. Es gehe neben dem Libor auch um den Euribor und den Bankenzinssatz in Tokio.
Der Libor ist zwar der weltweit bedeutendere Satz, in Europa jedoch spielt der Euribor für einige Produkte eine wichtigere Rolle. Die EU-Kommission hatte vergangenes Jahr Untersuchungen gegen zahlreiche europäische Großbanken wegen mutmaßlicher Manipulationen des Euribor eingeleitet.
Der Euribor steht auch im Fokus von Untersuchungen der deutschen Finanzaufsicht BaFin, die Regulierungskreisen zufolge mehrere hiesige Banken unter die Lupe nimmt. Laut informierten Personen gibt es keine konkreten Anhaltspunkte, dass deutsche Banken versucht haben, den Euribor zu manipulieren. Die Prüfung beziehe sich auf die Organisationsstrukturen der Häuser.
Analysten der US-Großbank Morgan Stanley schätzen, dass auf die in den Skandal verwickelten Institute bis 2014 Zahlungen von 14 Mrd. Dollar zukommen könnten
Der Skandal um die Manipulation international bedeutender Zinssätze zieht weitere Kreise. Die Staatsanwaltschaft der süditalienischen Stadt Trani hat eine Untersuchung wegen möglicher Libor- und Euribor-Manipulationen in die Wege geleitet. Die Untersuchung wurde aufgrund von Anzeigen italienischer Konsumentenschutzverbände in die Wege geleitet. Wegen Marktmanipulationen drohten in Italien zwölf Jahre Haft, berichteten italienische Medien am Freitag.
Die Staatsanwälte von Trani führen bereits Ermittlungen gegen die US-Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch. Fünf Managern von S&P droht in Italien ein Prozess. Der bis vergangenem August amtierenden S&P-Chef Deven Sharma, sowie vier Analysten der Ratingagentur in den Londoner und Frankfurter Filialen droht ein Gerichtsverfahren, weil sie mit ihren Berichten über die Lage im Land versucht haben sollen, "Italiens Ansehen, Prestige und Kreditwürdigkeit auf den Finanzmärkten zu destabilisieren", lauteten die Vorwürfe der Staatsanwälte von Trani, welche die Untersuchung abgeschlossen haben. Die Ermittler vermuten, dass dahinter ein Plan steckte, um Italiens Politik und Wirtschaft zu beeinflussen.
Die Staatsanwälte von Trani führen bereits Ermittlungen gegen die US-Ratingagenturen Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch. Fünf Managern von S&P droht in Italien ein Prozess. Der bis vergangenem August amtierenden S&P-Chef Deven Sharma, sowie vier Analysten der Ratingagentur in den Londoner und Frankfurter Filialen droht ein Gerichtsverfahren, weil sie mit ihren Berichten über die Lage im Land versucht haben sollen, "Italiens Ansehen, Prestige und Kreditwürdigkeit auf den Finanzmärkten zu destabilisieren", lauteten die Vorwürfe der Staatsanwälte von Trani, welche die Untersuchung abgeschlossen haben. Die Ermittler vermuten, dass dahinter ein Plan steckte, um Italiens Politik und Wirtschaft zu beeinflussen.
Erste Festnahmen stehen kurz bevor
In der Affäre um den manipulierten Libor-Zinssatz haben US-Staatsanwälte den Verdächtigen Strafanträge und Festnahmen angekündigt.
Nachrichtenagentur Reuters haben haben mehrere Staatsanwälte aus Washington kürzlich Kontakt mit den Rechtsvertretern der verdächtigen Personen aufgenommen und ihnen mitgeteilt, dass die Strafanträge und Festnahmen in den nächsten Wochen bevorstehen könnten.
Die Wettbewerbsbehörden arbeiten zeitgleich zu den Strafanträgen in der Affäre um Zinsmanipulationen daran, die Großbanken zu überführen und mit Strafen zu belegen. Ein aus Europa stammender Informant teilte Reuters mit, die Geldhäuser hofften darauf, dass die Regulierungsbehörden die Hauptschuld in dem Fehlverhalten einzelner Händler sähen. In Europa konzentrierten sie sich auf einen Ring aus Händlern verschiedener Banken, die offenbar an der Manipulation des Libor und anderer Zinse beteiligt waren – es seien mehr als eine Handvoll betroffen.
Wie FONDS professionell ONLINE berichtete, wird weltweit gegen mehr als ein Dutzend Großbanken ermittelt, weil sie in der Finanzkrise ab 2007 den Libor manipuliert haben sollen. Der Zinssatz wird einmal täglich in London ermittelt und basiert auf den Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten. Er dient als Basis für Finanztransaktionen im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar – von Hypotheken über Kreditkarten bis hin zu Derivaten. Die Ermittlungen in dem Skandal haben angezogen, seit Barclays ein Fehlverhalten von Händlern einräumte
Nachrichtenagentur Reuters haben haben mehrere Staatsanwälte aus Washington kürzlich Kontakt mit den Rechtsvertretern der verdächtigen Personen aufgenommen und ihnen mitgeteilt, dass die Strafanträge und Festnahmen in den nächsten Wochen bevorstehen könnten.
Die Wettbewerbsbehörden arbeiten zeitgleich zu den Strafanträgen in der Affäre um Zinsmanipulationen daran, die Großbanken zu überführen und mit Strafen zu belegen. Ein aus Europa stammender Informant teilte Reuters mit, die Geldhäuser hofften darauf, dass die Regulierungsbehörden die Hauptschuld in dem Fehlverhalten einzelner Händler sähen. In Europa konzentrierten sie sich auf einen Ring aus Händlern verschiedener Banken, die offenbar an der Manipulation des Libor und anderer Zinse beteiligt waren – es seien mehr als eine Handvoll betroffen.
Wie FONDS professionell ONLINE berichtete, wird weltweit gegen mehr als ein Dutzend Großbanken ermittelt, weil sie in der Finanzkrise ab 2007 den Libor manipuliert haben sollen. Der Zinssatz wird einmal täglich in London ermittelt und basiert auf den Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten. Er dient als Basis für Finanztransaktionen im Volumen von mehr als 500 Billionen Dollar – von Hypotheken über Kreditkarten bis hin zu Derivaten. Die Ermittlungen in dem Skandal haben angezogen, seit Barclays ein Fehlverhalten von Händlern einräumte
Reaktion auf Libor-Skandal: EU-Kommission will Zinsmanipulation unter Strafe stellen
Die Europäische Kommission will Zinsmanipulationen unter Strafe stellen. Als Reaktion auf den Skandal um den manipulierten Referenzzins Libor hat sie am 25.07.2012 Änderungen an ihren Gesetzesvorschlägen zu Insider-Geschäften und Markmanipulationen vom Oktober 2011 vorgeschlagen. Die tatsächliche oder versuchte Manipulation von Benchmarks, einschließlich Libor und Euribor, würde danach offiziell verboten und zu einem Straftatbestand erklärt.
Kriminellen Aktivitäten im Bankensektor soll Ende gesetzt werden
Durch die jüngsten Skandale im Zusammenhang mit den Zinsmanipulationen im Interbankengeschäft habe das Vertrauen der Öffentlichkeit schwer gelitten, betonte EU-Justizkommissarin und Kommissionsvizepräsidentin Viviane Reding. Es seien Maßnahmen auf EU-Ebene erforderlich, um kriminellen Aktivitäten im Bankensektor ein Ende zu setzen. Die laufenden internationalen Ermittlungen zu Manipulationen beim Libor hätten ein weiteres Beispiel für skandalöses Verhalten von Banken ans Licht gebracht, fügte Binnenmarkt- und Dienstleistungskommissar Michel Barnier hinzu. Er wolle sicherstellen, dass die vorgeschlagenen Gesetzesakte zum Marktmissbrauch derartige Auswüchse ausnahmslos untersagen.
Parlament und Rat müssen Vorschlägen noch zustimmen
Benchmarks oder Referenzzinsen dienen als Grundlage für zahlreiche Finanzmarktgeschäfte. Ihre Manipulation, versuchte Manipulation sowie die Anstiftung oder Beihilfe dazu würden nach den Vorschlägen der Kommission Straftatbestände. Die Kommission fordert die EU-Staaten auf, in ihren nationalen Rechtsordnungen entsprechende Sanktionen festzulegen. Das Europäische Parlament und der Rat der EU-Mitgliedstaaten müssen den Vorschlägen noch zustimmen
Die Europäische Kommission will Zinsmanipulationen unter Strafe stellen. Als Reaktion auf den Skandal um den manipulierten Referenzzins Libor hat sie am 25.07.2012 Änderungen an ihren Gesetzesvorschlägen zu Insider-Geschäften und Markmanipulationen vom Oktober 2011 vorgeschlagen. Die tatsächliche oder versuchte Manipulation von Benchmarks, einschließlich Libor und Euribor, würde danach offiziell verboten und zu einem Straftatbestand erklärt.
Kriminellen Aktivitäten im Bankensektor soll Ende gesetzt werden
Durch die jüngsten Skandale im Zusammenhang mit den Zinsmanipulationen im Interbankengeschäft habe das Vertrauen der Öffentlichkeit schwer gelitten, betonte EU-Justizkommissarin und Kommissionsvizepräsidentin Viviane Reding. Es seien Maßnahmen auf EU-Ebene erforderlich, um kriminellen Aktivitäten im Bankensektor ein Ende zu setzen. Die laufenden internationalen Ermittlungen zu Manipulationen beim Libor hätten ein weiteres Beispiel für skandalöses Verhalten von Banken ans Licht gebracht, fügte Binnenmarkt- und Dienstleistungskommissar Michel Barnier hinzu. Er wolle sicherstellen, dass die vorgeschlagenen Gesetzesakte zum Marktmissbrauch derartige Auswüchse ausnahmslos untersagen.
Parlament und Rat müssen Vorschlägen noch zustimmen
Benchmarks oder Referenzzinsen dienen als Grundlage für zahlreiche Finanzmarktgeschäfte. Ihre Manipulation, versuchte Manipulation sowie die Anstiftung oder Beihilfe dazu würden nach den Vorschlägen der Kommission Straftatbestände. Die Kommission fordert die EU-Staaten auf, in ihren nationalen Rechtsordnungen entsprechende Sanktionen festzulegen. Das Europäische Parlament und der Rat der EU-Mitgliedstaaten müssen den Vorschlägen noch zustimmen
Drei Großbanken im Visier
Im Skandal um Zinsmanipulationen stehen Gerichtsunterlagen zufolge Händler von drei europäischen Großbanken im Zentrum der Untersuchungen. Durch Arbeitsplatzwechsel entstand ein Netzwerk zwischen zwei britischen und einer Schweizer Bank.
Es kristallisierte sich demnach heraus, dass neben Barclays auch die britische Royal Bank of Scotland sowie die Schweizer UBS eine zentrale Rolle in dem Skandal spielten. Das geht aus verschiedenen Dokumenten hervor, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte
Bislang konzentrierte sich die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die britische Barclays , die als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einräumte. Mit den Aufsichtsbehörden aus Großbritannien und den USA einigte sich die Bank auf eine Strafzahlung von knapp einer halben Milliarde Dollar. Die drei Institute beschäftigten mehr als ein Dutzend Händler, die Referenz-Zinssätze in Dollar, Euro oder Yen beeinflussen wollten. Da einige dieser Händler für mehrere in den Skandal involvierte Banken gearbeitet haben, entstand offenbar ein Netzwerk, mit dem sich die Manipulationen mit jedem Arbeitsplatzwechsel weiter manifestierten.
Einer dieser Händler arbeitete beispielsweise von März 2006 bis Oktober 2009 bei Barclays. Derzeit hat er eine ähnliche Position bei UBS in den USA inne. Und zwei Händler bei der Royal Bank of Scotland sollen einem UBS-Kollegen bei der Manipulation des Zinssatzes Libor in Yen geholfen haben. Keiner der in den Papieren genannten Händler war für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch die Banken wollten sich nicht dazu äußern.
Bei den Ermittlungen geht es um den internationalen Referenz-Zinssatz Libor, den insgesamt mehr als ein Dutzend Banken in den Jahren 2005 bis 2009 zu ihrem eigenen Vorteil manipuliert haben sollen. Der Referenzsatz wird einmal täglich in London in verschiedenen Währungen ermittelt und liegt quasi allen Finanztransaktionen am Markt zugrund. Der Satz beruht auf den von den Banken gemeldeten Refinanzierungskosten.
Zu den Dokumenten, die Reuters einsehen konnte, gehörten Gerichtsunterlagen der kanadischen Regulierungsbehörden, Unterlagen zum Vergleich von Barclays mit dem Justizministerium und Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien sowie eine Privatklage eines früheren Angestellten der Royal Bank of Scotland in Singapur. Anfang der Woche verlautete aus Justizkreisen, dass Ermittler in Europa und den USA vor den ersten Festnahmen von Händlern stehen. Die Anklagen würden vorbereitet.
Rund um den Globus gehen Regulierer derzeit der Frage nach, ob einzelne Händler-Ringe hinter den Tricksereien stehen oder ob die Führungsebene in den jeweiligen Banken in die Vorgänge eingeweiht war. Auch die Deutsche Bank ist von den Ermittlungen betroffen
Es kristallisierte sich demnach heraus, dass neben Barclays auch die britische Royal Bank of Scotland sowie die Schweizer UBS eine zentrale Rolle in dem Skandal spielten. Das geht aus verschiedenen Dokumenten hervor, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte
Bislang konzentrierte sich die Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die britische Barclays , die als erstes Geldhaus ein Fehlverhalten einräumte. Mit den Aufsichtsbehörden aus Großbritannien und den USA einigte sich die Bank auf eine Strafzahlung von knapp einer halben Milliarde Dollar. Die drei Institute beschäftigten mehr als ein Dutzend Händler, die Referenz-Zinssätze in Dollar, Euro oder Yen beeinflussen wollten. Da einige dieser Händler für mehrere in den Skandal involvierte Banken gearbeitet haben, entstand offenbar ein Netzwerk, mit dem sich die Manipulationen mit jedem Arbeitsplatzwechsel weiter manifestierten.
Einer dieser Händler arbeitete beispielsweise von März 2006 bis Oktober 2009 bei Barclays. Derzeit hat er eine ähnliche Position bei UBS in den USA inne. Und zwei Händler bei der Royal Bank of Scotland sollen einem UBS-Kollegen bei der Manipulation des Zinssatzes Libor in Yen geholfen haben. Keiner der in den Papieren genannten Händler war für eine Stellungnahme zu erreichen. Auch die Banken wollten sich nicht dazu äußern.
Bei den Ermittlungen geht es um den internationalen Referenz-Zinssatz Libor, den insgesamt mehr als ein Dutzend Banken in den Jahren 2005 bis 2009 zu ihrem eigenen Vorteil manipuliert haben sollen. Der Referenzsatz wird einmal täglich in London in verschiedenen Währungen ermittelt und liegt quasi allen Finanztransaktionen am Markt zugrund. Der Satz beruht auf den von den Banken gemeldeten Refinanzierungskosten.
Zu den Dokumenten, die Reuters einsehen konnte, gehörten Gerichtsunterlagen der kanadischen Regulierungsbehörden, Unterlagen zum Vergleich von Barclays mit dem Justizministerium und Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien sowie eine Privatklage eines früheren Angestellten der Royal Bank of Scotland in Singapur. Anfang der Woche verlautete aus Justizkreisen, dass Ermittler in Europa und den USA vor den ersten Festnahmen von Händlern stehen. Die Anklagen würden vorbereitet.
Rund um den Globus gehen Regulierer derzeit der Frage nach, ob einzelne Händler-Ringe hinter den Tricksereien stehen oder ob die Führungsebene in den jeweiligen Banken in die Vorgänge eingeweiht war. Auch die Deutsche Bank ist von den Ermittlungen betroffen
Auf die Banken, die in den Libor-Skandal verwickelt sind, rollt eine Klagewelle zu. Auch Privatanleger sind zu Schaden gekommen, allerdings dürfte es für sie schwierig werden, an ihr Geld zu kommen
Die Juristen scharren schon mit den Hufen - mit der angeblichen Manipulation der Banken-Referenzzinsen könnte eine Klagewelle auf die Geldhäuser zurollen. Doch selbst die auf Prozesse gegen Banken spezialisierten Anlegeranwälte machen Privatanlegern und Häuslebauern wenig Hoffnung auf einen Geldregen. "Das ist kein Selbstläufer", räumt Klaus Nieding von der Frankfurter Kanzlei Nieding + Barth ein. "Das ist eine schwierige Geschichte." So groß der Profit für die Banken selbst gewesen sein mag, so klein sind die Schäden beim einzelnen Kläger. Und selbst wenn der Libor-Zins nachweislich manipuliert wurde, muss der Kunde bei Schadenersatzklagen erst belegen, dass ihm wirklich ein Schaden entstanden ist, und zwar nur durch die Tricksereien
"Das Problem für Privatanleger ist es schon, den Schaden zu beziffern", sagt Jürgen Kurz von der Anlegerschutzvereinigung DSW. "Wir raten erst einmal abzuwarten, wie sich die Beweislage entwickelt." Schließlich verjährten die Ansprüche erst drei Jahre nach Bekanntwerden der Affäre. Kreditnehmer sind auf den ersten Blick ohnehin kaum betroffen, auch wenn ihre variablen Darlehen sich nach dem Libor richten - denn die Zinsen wurden nach bisherigen Erkenntnissen nach unten manipuliert
Aber auch Tages- oder Termingeld-Zinsen waren mitunter an Libor oder Euribor geknüpft. Doch selbst wer eine Million Euro auf einem solchen Konto angelegt hat, hat bei einer Veränderung um 0,01 Prozent nur 100 Euro verloren - über ein ganzes Jahr. "Da werden sie niemanden finden, der seine Bank dafür verklagt", räumt Jochen Weck von Rössner Rechtsanwälte in München ein. "Da hat sich auch bei uns bislang keiner gemeldet", sagt Nieding.
Mehr Futter für die Anwälte geben komplizierter konstruierte Produkte wie Bonus-Zertifikate oder Derivate wie Zinsswaps her. Hier kann es einen großen Unterschied machen, ob der Euribor bei 1,50 oder 1,51 Prozent liegt. Denn das kann entscheiden, ob der Käufer einen Bonus erhält oder nicht oder - noch extremer - ob die Zinswette an die Bank geht oder an ihn. "Da sind schon ambitioniertere Privatanleger betroffen", sagt Anlegerschützer Kurz. In der Mehrheit sind aber institutionelle Investoren wie Fondsgesellschaften, Versicherer und reiche Familien, wie Nieding beim Blick auf seine Kundenkartei sagt
Auf diese Fälle stürzen sich denn auch die Anwälte. "Wenn da alle klagen, die bei uns angefragt haben, sind etwa 600 Klagen zu erwarten, die zusammen dreistellige Millionenbeträge umfassen können", sagt Nieding. Weck schätzt das Volumen möglicher Klagen in Deutschland sogar auf Milliardensummen.
Mit einfachen Klagen auf Schadenersatz sind solche Beträge aber kaum erreichbar. Deshalb schielen viele Juristen auf eine Rückabwicklung der jeweiligen Verträge. "Das kann sich beim derzeit niedrigen Zinssatz schon lohnen, wenn man vor einigen Jahren Kredite zu sechs oder acht Prozent abgeschlossen hat", sagt Nieding. Doch die Argumentation vor Gericht macht das nicht einfacher: Denn der Kläger muss dann nachweisen, dass er nie einen etwa vom Libor abhängigen Kredit abgeschlossen hätte, wenn er von Manipulationen gewusst hätte. Anders gesagt: Seine Bank habe versäumt, ihn aufzuklären, dass dem Libor nicht zu trauen sei.
Deshalb suchen viele Investoren auf die USA. Dort haben sich mehrere Fondsgesellschaften aus Deutschland - unter anderem die der Privatbank Metzler - Sammelklagen gegen die verdächtigten Banken angeschlossen. Das erleichtert die Vorbereitung, denn in diesen Fällen ermittelt die US-Justiz dann von Amts wegen. "Aber das oberste US-Bundesgericht hat die Zuständigkeit für Klagen aus dem Ausland zuletzt stark eingeschränkt", gibt Anlegeranwalt Nieding zu bedenken. Wer als Anleger nicht in den USA aktiv war, hat dort kaum Chancen
Die Juristen scharren schon mit den Hufen - mit der angeblichen Manipulation der Banken-Referenzzinsen könnte eine Klagewelle auf die Geldhäuser zurollen. Doch selbst die auf Prozesse gegen Banken spezialisierten Anlegeranwälte machen Privatanlegern und Häuslebauern wenig Hoffnung auf einen Geldregen. "Das ist kein Selbstläufer", räumt Klaus Nieding von der Frankfurter Kanzlei Nieding + Barth ein. "Das ist eine schwierige Geschichte." So groß der Profit für die Banken selbst gewesen sein mag, so klein sind die Schäden beim einzelnen Kläger. Und selbst wenn der Libor-Zins nachweislich manipuliert wurde, muss der Kunde bei Schadenersatzklagen erst belegen, dass ihm wirklich ein Schaden entstanden ist, und zwar nur durch die Tricksereien
"Das Problem für Privatanleger ist es schon, den Schaden zu beziffern", sagt Jürgen Kurz von der Anlegerschutzvereinigung DSW. "Wir raten erst einmal abzuwarten, wie sich die Beweislage entwickelt." Schließlich verjährten die Ansprüche erst drei Jahre nach Bekanntwerden der Affäre. Kreditnehmer sind auf den ersten Blick ohnehin kaum betroffen, auch wenn ihre variablen Darlehen sich nach dem Libor richten - denn die Zinsen wurden nach bisherigen Erkenntnissen nach unten manipuliert
Aber auch Tages- oder Termingeld-Zinsen waren mitunter an Libor oder Euribor geknüpft. Doch selbst wer eine Million Euro auf einem solchen Konto angelegt hat, hat bei einer Veränderung um 0,01 Prozent nur 100 Euro verloren - über ein ganzes Jahr. "Da werden sie niemanden finden, der seine Bank dafür verklagt", räumt Jochen Weck von Rössner Rechtsanwälte in München ein. "Da hat sich auch bei uns bislang keiner gemeldet", sagt Nieding.
Mehr Futter für die Anwälte geben komplizierter konstruierte Produkte wie Bonus-Zertifikate oder Derivate wie Zinsswaps her. Hier kann es einen großen Unterschied machen, ob der Euribor bei 1,50 oder 1,51 Prozent liegt. Denn das kann entscheiden, ob der Käufer einen Bonus erhält oder nicht oder - noch extremer - ob die Zinswette an die Bank geht oder an ihn. "Da sind schon ambitioniertere Privatanleger betroffen", sagt Anlegerschützer Kurz. In der Mehrheit sind aber institutionelle Investoren wie Fondsgesellschaften, Versicherer und reiche Familien, wie Nieding beim Blick auf seine Kundenkartei sagt
Auf diese Fälle stürzen sich denn auch die Anwälte. "Wenn da alle klagen, die bei uns angefragt haben, sind etwa 600 Klagen zu erwarten, die zusammen dreistellige Millionenbeträge umfassen können", sagt Nieding. Weck schätzt das Volumen möglicher Klagen in Deutschland sogar auf Milliardensummen.
Mit einfachen Klagen auf Schadenersatz sind solche Beträge aber kaum erreichbar. Deshalb schielen viele Juristen auf eine Rückabwicklung der jeweiligen Verträge. "Das kann sich beim derzeit niedrigen Zinssatz schon lohnen, wenn man vor einigen Jahren Kredite zu sechs oder acht Prozent abgeschlossen hat", sagt Nieding. Doch die Argumentation vor Gericht macht das nicht einfacher: Denn der Kläger muss dann nachweisen, dass er nie einen etwa vom Libor abhängigen Kredit abgeschlossen hätte, wenn er von Manipulationen gewusst hätte. Anders gesagt: Seine Bank habe versäumt, ihn aufzuklären, dass dem Libor nicht zu trauen sei.
Deshalb suchen viele Investoren auf die USA. Dort haben sich mehrere Fondsgesellschaften aus Deutschland - unter anderem die der Privatbank Metzler - Sammelklagen gegen die verdächtigten Banken angeschlossen. Das erleichtert die Vorbereitung, denn in diesen Fällen ermittelt die US-Justiz dann von Amts wegen. "Aber das oberste US-Bundesgericht hat die Zuständigkeit für Klagen aus dem Ausland zuletzt stark eingeschränkt", gibt Anlegeranwalt Nieding zu bedenken. Wer als Anleger nicht in den USA aktiv war, hat dort kaum Chancen
LIBOR-Manipulationen laufen seit Jahrzehnten
Die Manipulation des Londoner Interbankenzins Libor könnte möglicherweise schon viel länger andauern als geglaubt. Ein ehemaliger Morgan-Stanley-Händler berichtet von Manipulationen des Zinssatzes bereits im Jahr 1991.
Unter dem Titel „Wie ich versuchte, den Libor-Skandal aufzudecken“ schildert Douglas Keenan in der „Financial Times Deutschland“ seine Erfahrungen im Jahr 1991. Dabei erzählt er davon, dass erfahrene Kollegen zu ihm sagten den Libor falsch anzugeben um davon zu profitieren. „Und auch wenn der Unterschied zwischen dem ausgewiesenen und den tatsächlichen Wert sehr gering ist, führt dies insgesamt zu einer beträchtlichen Summe, denn am Libor hängen Kontrakte im Wert von mehreren Hundert Billionen“, so der ehemalige Händler.
Keenan vermutet weiter, dass Bob Diamond, der als Chef der britischen Bank Barclays wegen der Libor-Zinsmanipulationen zurückgetreten war, schon damals 1991 von den Falschausweisen des Libors wusste. Denn zu dieser Zeit war Diamond für den Zinshandel bei Morgan Stanley zuständig.
Keenan geht auch davon aus, dass die Ermittlungsbehörden seit Jahrzehnten von der Praxis wußten. „Ich vermute, dass sie nach der Finanzkrise von 2008 zu dem Schluss kamen, dass sie ihre Pflichten besser erfüllen sollten. Das würde erklären, warum die Ermittlungen offenbar Falschausweisungen aus der Zeit vor 2005 außen vor lassen: Sie wollten die Versäumnisse ihrer früheren Arbeit vertuschen", schreibt Keenan.
Er habe Anfang Juli mit einem Experten gesprochen, der an den Ermittlungen des Finanzausschusses des britischen Unterhauses beteiligt ist, und ihm angeboten unter Eid auszusagen. Als sich nach bekundetem Interessen aber niemand mehr bei ihm meldete, rief er an und fragte nach, was los sei. "Der Experte sagte mir, meine Aussage sei nicht erwünscht, denn sie widerspreche der offiziellen Version", behauptet Keenan.
Royal Bank of Scotland entlässt Mitarbeiter
Auch die Royal Bank of Scotland (RBS) hat nun im Zuge des internationalen LIBOR-Skandals mehrere Beschäftigte entlassen. Grund für die Entlassungen sei ein Fehlverhalten der Mitarbeiter, wie das Geldinstitut mitteilte.
RBS-Chef Stephen Hester bestätigte, dass die Angelegenheit weiter von den Aufsichtsbehörden untersucht wird. „Der Fall zeige, welcher Schaden durch das Fehlverhalten einzelner sowie inadäquater Systeme und Kontrollen entstehen könne.“ Einer Reihe von Großbanken wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Londoner Interbankenzins Libor mit falschen Angaben zu ihren Gunsten manipuliert zu haben. (cs)
Unter dem Titel „Wie ich versuchte, den Libor-Skandal aufzudecken“ schildert Douglas Keenan in der „Financial Times Deutschland“ seine Erfahrungen im Jahr 1991. Dabei erzählt er davon, dass erfahrene Kollegen zu ihm sagten den Libor falsch anzugeben um davon zu profitieren. „Und auch wenn der Unterschied zwischen dem ausgewiesenen und den tatsächlichen Wert sehr gering ist, führt dies insgesamt zu einer beträchtlichen Summe, denn am Libor hängen Kontrakte im Wert von mehreren Hundert Billionen“, so der ehemalige Händler.Keenan vermutet weiter, dass Bob Diamond, der als Chef der britischen Bank Barclays wegen der Libor-Zinsmanipulationen zurückgetreten war, schon damals 1991 von den Falschausweisen des Libors wusste. Denn zu dieser Zeit war Diamond für den Zinshandel bei Morgan Stanley zuständig.
Keenan geht auch davon aus, dass die Ermittlungsbehörden seit Jahrzehnten von der Praxis wußten. „Ich vermute, dass sie nach der Finanzkrise von 2008 zu dem Schluss kamen, dass sie ihre Pflichten besser erfüllen sollten. Das würde erklären, warum die Ermittlungen offenbar Falschausweisungen aus der Zeit vor 2005 außen vor lassen: Sie wollten die Versäumnisse ihrer früheren Arbeit vertuschen", schreibt Keenan.
Er habe Anfang Juli mit einem Experten gesprochen, der an den Ermittlungen des Finanzausschusses des britischen Unterhauses beteiligt ist, und ihm angeboten unter Eid auszusagen. Als sich nach bekundetem Interessen aber niemand mehr bei ihm meldete, rief er an und fragte nach, was los sei. "Der Experte sagte mir, meine Aussage sei nicht erwünscht, denn sie widerspreche der offiziellen Version", behauptet Keenan.
Royal Bank of Scotland entlässt Mitarbeiter
Auch die Royal Bank of Scotland (RBS) hat nun im Zuge des internationalen LIBOR-Skandals mehrere Beschäftigte entlassen. Grund für die Entlassungen sei ein Fehlverhalten der Mitarbeiter, wie das Geldinstitut mitteilte.
RBS-Chef Stephen Hester bestätigte, dass die Angelegenheit weiter von den Aufsichtsbehörden untersucht wird. „Der Fall zeige, welcher Schaden durch das Fehlverhalten einzelner sowie inadäquater Systeme und Kontrollen entstehen könne.“ Einer Reihe von Großbanken wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Londoner Interbankenzins Libor mit falschen Angaben zu ihren Gunsten manipuliert zu haben. (cs)
Die Zahl der Beklagten im Libor-Manipulationsskandal wird heute möglicherweise anwachsen. US-Staranwalt Michael Hausfeld, der die Sammelklage gegen die Banken anführt, sagte im Interview mit dem Handelsblatt: "Wir wollen den Kreis der Beklagten ausweiten." Dazu ist für heute in New York eine Gerichtsanhörung angesetzt. Hausfeld will dabei nach eigenen Worten die Klage inhaltlich erweitern und mehr Institutionen anklagen. Bislang sind 16 Banken als Beklagte in dem Verfahren benannt. Die unbequeme Wahrheit bahnt sich erkennbar ihren Weg
Die schottische Royal Bank of Scotland wird wegen Libor-Manipulationen bis zu 375 Mio. Euro zahlen müssen
Die Royal Bank of Scotland (RBS) muss im Skandal um Zinsmanipulationen mit einer Strafzahlung zwischen 200 und 300Mio. Pfund (rund 250 bis 375Mio. Euro) rechnen. Dem teilverstaatlichten Geldhaus würde eine ähnlich hohe Zahlung wie dem Konkurrenten Barclays drohen, berichtete die „Financial Times“ am Samstag.
Barclays hatte als erstes Institut ein Fehlverhalten von Händlern eingeräumt und mit den Behörden einen Vergleich geschlossen. Das Institut musste eine Strafe von 290Millionen Pfund (rund 360Millionen Euro) zahlen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte Ende August berichtet, dass die RBS kurz vor einem Vergleich mit den Behörden in den USA und Großbritannien stehe. Auch die Barclays-Strafe war das Ergebnis eines Vergleichs. Die Royal Bank of Scotland, die zu 82Prozent dem Staat gehört, wollte sich am Samstag weder dazu äußern, wann eine Einigung mit den Behörden erzielt werden könnte, noch, in welcher Höhe die Strafe ausfallen könnte.
Auch die britische Finanzaufsicht FSA lehnte eine Stellungnahme ab. Im Skandal um eine Manipulation des Libor-Satzes haben Behörden aus den USA, Europa und Asien mehr als ein Dutzend Banken im Visier.
Die Untersuchungen konzentrieren sich auf mehrere Ringe von Händlern, die den Libor und andere Referenzzinssätze verzerrt haben sollen, um Gewinne einzustreichen. Die Sätze, die auf den Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten beruhen, sind die Basis für Finanztransaktionen in Billionenhöhe
Die Royal Bank of Scotland (RBS) muss im Skandal um Zinsmanipulationen mit einer Strafzahlung zwischen 200 und 300Mio. Pfund (rund 250 bis 375Mio. Euro) rechnen. Dem teilverstaatlichten Geldhaus würde eine ähnlich hohe Zahlung wie dem Konkurrenten Barclays drohen, berichtete die „Financial Times“ am Samstag.
Barclays hatte als erstes Institut ein Fehlverhalten von Händlern eingeräumt und mit den Behörden einen Vergleich geschlossen. Das Institut musste eine Strafe von 290Millionen Pfund (rund 360Millionen Euro) zahlen. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte Ende August berichtet, dass die RBS kurz vor einem Vergleich mit den Behörden in den USA und Großbritannien stehe. Auch die Barclays-Strafe war das Ergebnis eines Vergleichs. Die Royal Bank of Scotland, die zu 82Prozent dem Staat gehört, wollte sich am Samstag weder dazu äußern, wann eine Einigung mit den Behörden erzielt werden könnte, noch, in welcher Höhe die Strafe ausfallen könnte.
Auch die britische Finanzaufsicht FSA lehnte eine Stellungnahme ab. Im Skandal um eine Manipulation des Libor-Satzes haben Behörden aus den USA, Europa und Asien mehr als ein Dutzend Banken im Visier.
Die Untersuchungen konzentrieren sich auf mehrere Ringe von Händlern, die den Libor und andere Referenzzinssätze verzerrt haben sollen, um Gewinne einzustreichen. Die Sätze, die auf den Angaben der Institute zu ihren Refinanzierungskosten beruhen, sind die Basis für Finanztransaktionen in Billionenhöhe
.. wie Mitarbeiter von RBS und Deutscher Bank den Skandal entfacht haben
Der Händler Tan Chi Min von der Royal Bank of Scotland (RBS) hat offenbar vor Kollegen erklärt, die Bank sei in der Lage, weltweit gültige Zinssätze bewegen. Das gehe aus elektronischen Botschaften hervor, deren Veröffentlichung die Bank zu verhindern versuche, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg
Eine 231 Seiten umfassenden eidesstattlichen Erklärung, die Tan am 19. September abgegeben hat, enthält die Abschriften interner Instant Messages. Über diesen Weg kommunizierten die Händler. Tan, früher Leiter des sogenannten Delta-Handels für Asien bei der RBS in Singapur, verklagt die nach Bilanzsumme drittgrößte britische Bank wegen unrechtmäßiger Entlassung. Er war im letzten Jahr unter dem Vorwurf gefeuert worden, er habe versucht, den Londoner Interbankensatz Libor zu manipulieren.
„Netter Libor“, schrieb Tan am 2. April 2008 in einer Instant Message mit Händlern, darunter David Pieri sowie der ebenfalls von der RBS entlassene Neil Danziger. „Unser Sechsmonats-Fixing hat das gesamte Fixing bewegt, hahaha.“
Die Kommunikation zwischen Händlern der RBS und Gesellschaften wie Deutsche Bank belegt, dass das Risiko eines Missbrauchs bereits im Verfahren für die Festsetzung des Libor angelegt war. Der Satz gilt als Vergleichsmaßstab für Wertpapiere im Volumen von mehr als 300 Billionen Dollar. RBS, die sich zu 81 Prozent in britischem Staatsbesitz befindet, ist eine von mindestens einem Dutzend Banken, bei denen ermittelt wird, ob sie kollaboriert haben, um die Benchmark zu manipulieren, so dass sie von Wetten auf Zinsderivate profitieren konnten.
Der Libor-Satz wird in einer Umfrage ermittelt, die täglich im Auftrag des Britischen Bankenverbands BBA durchgeführt wird und bei der die Banken angeben, was es sie kosten würde, wenn sie voneinander für bestimmte Zeiträume und Geld in bestimmten Währungen ausleihen würden. RBS ist eine der 13 Banken, die den Yen-Libor festsetzen.
„Wie lautet die Eingabe für den Libor“, fragte Jezri Mohideen, damals bei der RBS Leiter Yen-Produkte in Singapur, am 21. August 2007 Danziger in einem Chat. „Wo hättest du ihn gerne, den Libor meine ich“, fragte Danziger laut der Abschrift. „Weiß nicht genau, aber vor allem hätte ich ihn gern niedriger, damit die Welt wieder etwas mehr Sinn ergibt“, antwortete ein anderer Händler.
„Die ganze Hedge-Fonds-Branche wird dich küssen statt mich anzurufen, wenn der Libor nach unten geht“, sagte Tan. „Okay, dann werde ich die Kurve um einen Basispunkt nach unten bringen, vielleicht mehr, wenn ich kann“, antwortete Danziger.
In einer anderen Konversation am 27. März 2008 forderte Tan eine höhere Libor-Eingabe der RBS. Die von der Bank zuvor eingegebene niedrigere Zahl würde sein Team rund 250.000 Euro kosten. „Wir müssen ihn kräftig nach oben treiben, so hoch wie möglich“, erklärte Tan.
RBS-Händler sprachen auch mit ihren Kollegen bei anderen Gesellschaften über den Libor, geht aus den Unterlagen von Tan hervor. „Es ist schon erstaunlich, wie man durch das Libor-Fixing so viel Geld verdienen oder verlieren kann, wenn es in die andere Richtung geht“, sagte Tan am 19. August 2007 in einem Gespräch mit Händlern anderer Banken, darunter Mark Wong von der Deutschen Bank. „Es ist nun ein Kartell in London. Muss wohl verdammt schwierig sein zu handeln, Mann“, antwortete Wong. „Insbesondere wenn man nicht eingeklinkt ist.“
Eine 231 Seiten umfassenden eidesstattlichen Erklärung, die Tan am 19. September abgegeben hat, enthält die Abschriften interner Instant Messages. Über diesen Weg kommunizierten die Händler. Tan, früher Leiter des sogenannten Delta-Handels für Asien bei der RBS in Singapur, verklagt die nach Bilanzsumme drittgrößte britische Bank wegen unrechtmäßiger Entlassung. Er war im letzten Jahr unter dem Vorwurf gefeuert worden, er habe versucht, den Londoner Interbankensatz Libor zu manipulieren.
„Netter Libor“, schrieb Tan am 2. April 2008 in einer Instant Message mit Händlern, darunter David Pieri sowie der ebenfalls von der RBS entlassene Neil Danziger. „Unser Sechsmonats-Fixing hat das gesamte Fixing bewegt, hahaha.“
Die Kommunikation zwischen Händlern der RBS und Gesellschaften wie Deutsche Bank belegt, dass das Risiko eines Missbrauchs bereits im Verfahren für die Festsetzung des Libor angelegt war. Der Satz gilt als Vergleichsmaßstab für Wertpapiere im Volumen von mehr als 300 Billionen Dollar. RBS, die sich zu 81 Prozent in britischem Staatsbesitz befindet, ist eine von mindestens einem Dutzend Banken, bei denen ermittelt wird, ob sie kollaboriert haben, um die Benchmark zu manipulieren, so dass sie von Wetten auf Zinsderivate profitieren konnten.
Der Libor-Satz wird in einer Umfrage ermittelt, die täglich im Auftrag des Britischen Bankenverbands BBA durchgeführt wird und bei der die Banken angeben, was es sie kosten würde, wenn sie voneinander für bestimmte Zeiträume und Geld in bestimmten Währungen ausleihen würden. RBS ist eine der 13 Banken, die den Yen-Libor festsetzen.
„Wie lautet die Eingabe für den Libor“, fragte Jezri Mohideen, damals bei der RBS Leiter Yen-Produkte in Singapur, am 21. August 2007 Danziger in einem Chat. „Wo hättest du ihn gerne, den Libor meine ich“, fragte Danziger laut der Abschrift. „Weiß nicht genau, aber vor allem hätte ich ihn gern niedriger, damit die Welt wieder etwas mehr Sinn ergibt“, antwortete ein anderer Händler.
„Die ganze Hedge-Fonds-Branche wird dich küssen statt mich anzurufen, wenn der Libor nach unten geht“, sagte Tan. „Okay, dann werde ich die Kurve um einen Basispunkt nach unten bringen, vielleicht mehr, wenn ich kann“, antwortete Danziger.
In einer anderen Konversation am 27. März 2008 forderte Tan eine höhere Libor-Eingabe der RBS. Die von der Bank zuvor eingegebene niedrigere Zahl würde sein Team rund 250.000 Euro kosten. „Wir müssen ihn kräftig nach oben treiben, so hoch wie möglich“, erklärte Tan.
RBS-Händler sprachen auch mit ihren Kollegen bei anderen Gesellschaften über den Libor, geht aus den Unterlagen von Tan hervor. „Es ist schon erstaunlich, wie man durch das Libor-Fixing so viel Geld verdienen oder verlieren kann, wenn es in die andere Richtung geht“, sagte Tan am 19. August 2007 in einem Gespräch mit Händlern anderer Banken, darunter Mark Wong von der Deutschen Bank. „Es ist nun ein Kartell in London. Muss wohl verdammt schwierig sein zu handeln, Mann“, antwortete Wong. „Insbesondere wenn man nicht eingeklinkt ist.“
Die Ermittlungen konzentrieren sich derzeit auf das Jahr 2008, als sich die Finanzkrise zuspitzte. Damals trugen 16 Großbanken zur Festsetzung des Libor bei.
Banken die in den Libor-Skandal verwickelt sind
Bank of America
Barclays
BTMU
Citigroup
Credit Suisse
Deutsche Bank
HBOS
HSBC
JP Morgan
Lloyds
Norinchuckin
Rabobank
RBC
RBS
UBS
WestLB
Banken die in den Libor-Skandal verwickelt sind
Bank of America
Barclays
BTMU
Citigroup
Credit Suisse
Deutsche Bank
HBOS
HSBC
JP Morgan
Lloyds
Norinchuckin
Rabobank
RBC
RBS
UBS
WestLB
Libor-Skandal: Ex-UBS-Händler soll unter Festgenommenen sein
Die britischen Behörden haben drei Personen festgenommen, die unter Verdacht stehen, den Referenzzinssatz Libor manipuliert zu haben. Darunter soll sich ein ehemaliger Händler der UBS befinden.
In den Libor-Skandal könnte bald Bewegung kommen: In Grossbritannien hat die Ermittlungsbehörde für besonders schwere Betrugsfälle (Serious Fraud Office) drei Männer festgenommen. Diese stehen unter Verdacht, den Referenzinssatz Libor manipuliert zu haben.
Die drei britischen Staatsbürger werden derzeit wegen der Vorwürfe verhört, teilte die Behörde in London mit. Die Männer seien 33, 41 und 47 Jahre alt. Mehr wurde nicht mitgeteilt.
Einer von ihnen soll der ehemalige UBS- und Citigroup-Angstellte Thomas oder Tom Hayes sein, berichten «Financial Times» und «Wall Street Journal» unter Berufung auf Personen, die mit den Ermittlungen vertraute sind. Haye und sein Anwalt seien für eine Stellungsnahme nicht erreichbar gewesen, so die Zeitungen.
Bei den anderen beiden Festgenommen handelt es sich laut «Financial Times» um Angestellte des Broker-Hauses RP Martin.
Libor-Ermittlungen sehr komplex
UBS und Citigroup wollten sich nicht zu den Festnahmen äussern. Bei der Credit Suisse hiess es, es sei kein Mitarbeiter der Bank betroffen.
Nachdem die britische Grossbank Barclays im Sommer eingeräumt hatte, den Libor zumindest teilweise manipuliert zu haben, ermitteln die Behörden weltweit gegen zahlreiche Banken. Darunter auch die Credit Suisse, UBS oder Deutsche Bank.
Die Ermittlungen sind jedoch sehr komplex. Eine Betrugsabsicht ist den Instituten wegen der intransparenten Methoden zur Festsetzung des Libors schwer nachzuweisen.
* handelszeitung.ch
Die britischen Behörden haben drei Personen festgenommen, die unter Verdacht stehen, den Referenzzinssatz Libor manipuliert zu haben. Darunter soll sich ein ehemaliger Händler der UBS befinden.
In den Libor-Skandal könnte bald Bewegung kommen: In Grossbritannien hat die Ermittlungsbehörde für besonders schwere Betrugsfälle (Serious Fraud Office) drei Männer festgenommen. Diese stehen unter Verdacht, den Referenzinssatz Libor manipuliert zu haben.
Die drei britischen Staatsbürger werden derzeit wegen der Vorwürfe verhört, teilte die Behörde in London mit. Die Männer seien 33, 41 und 47 Jahre alt. Mehr wurde nicht mitgeteilt.
Einer von ihnen soll der ehemalige UBS- und Citigroup-Angstellte Thomas oder Tom Hayes sein, berichten «Financial Times» und «Wall Street Journal» unter Berufung auf Personen, die mit den Ermittlungen vertraute sind. Haye und sein Anwalt seien für eine Stellungsnahme nicht erreichbar gewesen, so die Zeitungen.
Bei den anderen beiden Festgenommen handelt es sich laut «Financial Times» um Angestellte des Broker-Hauses RP Martin.
Libor-Ermittlungen sehr komplex
UBS und Citigroup wollten sich nicht zu den Festnahmen äussern. Bei der Credit Suisse hiess es, es sei kein Mitarbeiter der Bank betroffen.
Nachdem die britische Grossbank Barclays im Sommer eingeräumt hatte, den Libor zumindest teilweise manipuliert zu haben, ermitteln die Behörden weltweit gegen zahlreiche Banken. Darunter auch die Credit Suisse, UBS oder Deutsche Bank.
Die Ermittlungen sind jedoch sehr komplex. Eine Betrugsabsicht ist den Instituten wegen der intransparenten Methoden zur Festsetzung des Libors schwer nachzuweisen.
* handelszeitung.ch
Libor-Skandal: Höchststrafe für UBS
Die Schweizer Großbank hat einer Vergleichszahlung in der Höhe von 1,4 Milliarden Schweizer Franken zugestimmt.
Die Finanzmarktbehörden in Großbritanniens, in den USA und in der Schweiz haben am Mittwoch die Ergebnisse ihrer Untersuchungen rund um die Manipulationen des Libor-Zinssatzes veröffentlicht – mit kostspieligen Folgen für die UBS: Die Großbank muss insgesamt 1,4 Milliarden Schweizer Franken (rund 1,16 Milliarden Euro) an die Behörden bezahlen. Wie das Institut mitteilte, hat der Verwaltungsrat hat in entsprechende Vergleiche eingewilligt.
Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal einen Reinverlust von 2,0 bis 2,5 Milliarden Schweizer Franken schreiben wird – das Institut erwartet dennoch über das ganze Jahr hinweg einen Vorsteuergewinn von 2,5 bis 3,0 Milliarden Schweizer Franken. (mb)
Die Finanzmarktbehörden in Großbritanniens, in den USA und in der Schweiz haben am Mittwoch die Ergebnisse ihrer Untersuchungen rund um die Manipulationen des Libor-Zinssatzes veröffentlicht – mit kostspieligen Folgen für die UBS: Die Großbank muss insgesamt 1,4 Milliarden Schweizer Franken (rund 1,16 Milliarden Euro) an die Behörden bezahlen. Wie das Institut mitteilte, hat der Verwaltungsrat hat in entsprechende Vergleiche eingewilligt.
Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal einen Reinverlust von 2,0 bis 2,5 Milliarden Schweizer Franken schreiben wird – das Institut erwartet dennoch über das ganze Jahr hinweg einen Vorsteuergewinn von 2,5 bis 3,0 Milliarden Schweizer Franken. (mb)
Jetzt ermittelt auch Hongkong gegen UBS
Die Schweizer UBS kommt im Zusammenhang mit den Zinsmanipulationen nicht zur Ruhe und muss nun auch Untersuchungen in Hongkong über sicher ergehen lassen
Nachdem sich die UBS im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal mit den Aufsichtsbehörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz auf eine Vergleichszahlung von 1,4 Milliarden Schweizer Franken geeinigt hat, leitete nun auch die Währungsbehörde Hongkongs (HKMA) eine Untersuchung gegen die Schweizer Großbank ein. Wie aus einer Mitteilung der Behörde hervorgeht, möchte diese klären, ob bei der UBS ein Fehlverhalten bei ihren Angaben zur Ermittlung der Hong Kong Interbank Offered Rate vorliege und in Folge der Interbankensatz tatsächlich beeinflusst wurde.
Ausländische Regulierer haben die HKMA auf die mögliche Manipulation der örtlichen Interbankensätze und anderer Benchmark-Sätze in der Region hingewiesen. Im Zuge der neuen Entwicklung befinden sich die größten Banken der Welt nun in weiteren asiatischen Ländern im Visier der Behörden.
"Mahnung an die Regulierer weltweit"
"Die ganze Angelegenheit ist eine Mahnung an die Regulierer weltweit. Sie zeigt, dass die Märkte sich schneller bewegen als Regulierer. Wir brauchen nicht noch mehr Regulierung, aber besonders die großen Unternehmen müssen ihre internen Kontrollen verbessern", forderte Sandy Mehta, CEO von Value Investment Principals Inc. in Hongkong, in einem Bloomberg-Bericht. Ein Sprecher der UBS bekräftigte zwar die enge Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden, wollte jedoch die laufenden Ermittlungen nicht kommentieren.
Nachdem sich die UBS im Zusammenhang mit dem Libor-Skandal mit den Aufsichtsbehörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz auf eine Vergleichszahlung von 1,4 Milliarden Schweizer Franken geeinigt hat, leitete nun auch die Währungsbehörde Hongkongs (HKMA) eine Untersuchung gegen die Schweizer Großbank ein. Wie aus einer Mitteilung der Behörde hervorgeht, möchte diese klären, ob bei der UBS ein Fehlverhalten bei ihren Angaben zur Ermittlung der Hong Kong Interbank Offered Rate vorliege und in Folge der Interbankensatz tatsächlich beeinflusst wurde.
Ausländische Regulierer haben die HKMA auf die mögliche Manipulation der örtlichen Interbankensätze und anderer Benchmark-Sätze in der Region hingewiesen. Im Zuge der neuen Entwicklung befinden sich die größten Banken der Welt nun in weiteren asiatischen Ländern im Visier der Behörden.
"Mahnung an die Regulierer weltweit"
"Die ganze Angelegenheit ist eine Mahnung an die Regulierer weltweit. Sie zeigt, dass die Märkte sich schneller bewegen als Regulierer. Wir brauchen nicht noch mehr Regulierung, aber besonders die großen Unternehmen müssen ihre internen Kontrollen verbessern", forderte Sandy Mehta, CEO von Value Investment Principals Inc. in Hongkong, in einem Bloomberg-Bericht. Ein Sprecher der UBS bekräftigte zwar die enge Zusammenarbeit mit den Aufsichtsbehörden, wollte jedoch die laufenden Ermittlungen nicht kommentieren.
Royal Bank of Scotland vor Einigung
Die großteils verstaatlichte britische Großbank Royal Bank of Scotland steht im Skandal um manipulierte Libor-Zinssätze vor einer Einigung mit den Behörden in den USA und Großbritannien. "Noch haben wir keinem Vergleich zugestimmt", sagte eine Sprecherin der Bank am Donnerstag. Die Gespräche mit den Behörden seien jedoch im Gange. "Wir kooperieren voll", sagte sie.
Die BBC hatte am Donnerstag berichtet, die Bank habe sich bereits mit den Behörden geeinigt. Die zu zahlende Strafe sei höher als die 290 Mio. Pfund, die die britische Barclays Bank in gleicher Angelegenheit berappen musste. Sie bewege sich aber unterhalb der 940 Mio. Pfund, die die Aufsichtsbehörden der Schweizer Großbank UBS aufgebrummt hatten. Auch die Deutsche Bank ist Gegenstand von Untersuchungen.
Händler mehrerer Großbanken auf mehreren Kontinenten hatten den Zinssatz über Jahre zu ihren Gunsten manipuliert. Der täglich in London festgestellte Liborsatz gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Er wird aber auch als Referenz-Zinssatz für eine große Zahl von Finanztransaktionen herangezogen, von Hypotheken für Häuslebauer bis zu komplexen Derivatgeschäften. Eine kleine Veränderung des Satzes kann Finanzschwankungen in Milliarden- bis Billionen-Höhe auslösen.
Die BBC hatte am Donnerstag berichtet, die Bank habe sich bereits mit den Behörden geeinigt. Die zu zahlende Strafe sei höher als die 290 Mio. Pfund, die die britische Barclays Bank in gleicher Angelegenheit berappen musste. Sie bewege sich aber unterhalb der 940 Mio. Pfund, die die Aufsichtsbehörden der Schweizer Großbank UBS aufgebrummt hatten. Auch die Deutsche Bank ist Gegenstand von Untersuchungen.
Händler mehrerer Großbanken auf mehreren Kontinenten hatten den Zinssatz über Jahre zu ihren Gunsten manipuliert. Der täglich in London festgestellte Liborsatz gibt an, zu welchen Konditionen sich Banken gegenseitig Geld leihen. Er wird aber auch als Referenz-Zinssatz für eine große Zahl von Finanztransaktionen herangezogen, von Hypotheken für Häuslebauer bis zu komplexen Derivatgeschäften. Eine kleine Veränderung des Satzes kann Finanzschwankungen in Milliarden- bis Billionen-Höhe auslösen.
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Im internationalen Skandal um Zinsmanipulationen können die beschuldigten Banken – unter ihnen die Deutsche Bank – aufatmen: Die Richterin wies einen „substanziellen Teil“ der Vorwürfe zurück.
Im Libor-Prozess in den USA sicherten sich die Geldhäuser – darunter die Deutsche Bank – einen wichtigen Erfolg. Die Richterin wies am Freitag einen „substanziellen Teil“ der Vorwürfe zurück. Dies könnte dazu führen, dass die Institute den Klägern deutlich weniger Schadenersatz bezahlen müssen als bislang befürchtet.
Im wesentlichen wird den Banken vorgehalten, den Referenzzinssatz Libor manipuliert zu haben. Richterin Naomi Reice Buchwald vom Bezirksgericht in Manhattan räumte zwar ein, dass dadurch Finanzmarkthändlern, die auf Zinssätze wetten, Schaden entstanden sein könnte. Eine Reihe anderer Anklagepunkte ließ sie aber nicht zu. Dazu gehörten Vorwürfe von Kartellverstößen und von kriminellen Geschäften.
Kläger wollen Klageschrift erweitern oder in Berufung gehen
Für die Kläger bedeutet die Entscheidung einen erheblichen Rückschlag. Ihre Gruppe setzt sich sehr unterschiedlich zusammen, sie umfasst etwa Anleihebesitzer ebenso wie die Stadt Baltimore. Zusätzlich zu den Privatklagen laufen gegen die Banken Ermittlungen der Behörden. Bislang stimmten bereits drei Institute Zahlungen über insgesamt 2,6 Milliarden Dollar zu: die Schweizer UBS sowie Royal Bank of Scotland und Barclays aus Großbritannien.
Richterin Buchwald machte deutlich, dass Privatkläger trotz dieser Geldbußen eine ganze Reihe von Anforderungen erfüllen müssen, um ihren Fall vor Gericht zu bringen. Allerdings könnten die im Rahmen der Vergleichsverhandlungen bekanntgewordenen Dokumente – wie interne E-Mails der Banken – nun in den Schadenersatzprozessen genutzt werden, ergänzte sie. Klägeranwalt Michael Hausfeld sagte: „Wir erwägen, eine erweiterte Klageschrift einzureichen oder Berufung einzulegen.“ Von den Banken waren zunächst keine Stellungnahmen zu bekommen.
Mehr als ein Dutzend Institute machten falsche Angaben
Der Libor-Satz wird einmal täglich ermittelt und ist Basis für Finanztransaktionen in Höhe von Hunderten von Billionen Dollar rund um den Globus. Er beruht auf Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten. Händler von mehr als einem Dutzend Instituten sollen vor und während der Finanzkrise durch falsche Meldungen die Zinsen zu ihren Gunsten verzerrt und dadurch Handelsgewinne eingestrichen haben. Zu den Geldhäusern gehören neben den bereits genannten Bank of America, Citigroup, Credit Suisse, HSBC, JPMorgan Chase und die ehemalige WestLB
Im Libor-Prozess in den USA sicherten sich die Geldhäuser – darunter die Deutsche Bank – einen wichtigen Erfolg. Die Richterin wies am Freitag einen „substanziellen Teil“ der Vorwürfe zurück. Dies könnte dazu führen, dass die Institute den Klägern deutlich weniger Schadenersatz bezahlen müssen als bislang befürchtet.
Im wesentlichen wird den Banken vorgehalten, den Referenzzinssatz Libor manipuliert zu haben. Richterin Naomi Reice Buchwald vom Bezirksgericht in Manhattan räumte zwar ein, dass dadurch Finanzmarkthändlern, die auf Zinssätze wetten, Schaden entstanden sein könnte. Eine Reihe anderer Anklagepunkte ließ sie aber nicht zu. Dazu gehörten Vorwürfe von Kartellverstößen und von kriminellen Geschäften.
Kläger wollen Klageschrift erweitern oder in Berufung gehen
Für die Kläger bedeutet die Entscheidung einen erheblichen Rückschlag. Ihre Gruppe setzt sich sehr unterschiedlich zusammen, sie umfasst etwa Anleihebesitzer ebenso wie die Stadt Baltimore. Zusätzlich zu den Privatklagen laufen gegen die Banken Ermittlungen der Behörden. Bislang stimmten bereits drei Institute Zahlungen über insgesamt 2,6 Milliarden Dollar zu: die Schweizer UBS sowie Royal Bank of Scotland und Barclays aus Großbritannien.
Richterin Buchwald machte deutlich, dass Privatkläger trotz dieser Geldbußen eine ganze Reihe von Anforderungen erfüllen müssen, um ihren Fall vor Gericht zu bringen. Allerdings könnten die im Rahmen der Vergleichsverhandlungen bekanntgewordenen Dokumente – wie interne E-Mails der Banken – nun in den Schadenersatzprozessen genutzt werden, ergänzte sie. Klägeranwalt Michael Hausfeld sagte: „Wir erwägen, eine erweiterte Klageschrift einzureichen oder Berufung einzulegen.“ Von den Banken waren zunächst keine Stellungnahmen zu bekommen.
Mehr als ein Dutzend Institute machten falsche Angaben
Der Libor-Satz wird einmal täglich ermittelt und ist Basis für Finanztransaktionen in Höhe von Hunderten von Billionen Dollar rund um den Globus. Er beruht auf Angaben der Banken zu ihren Refinanzierungskosten. Händler von mehr als einem Dutzend Instituten sollen vor und während der Finanzkrise durch falsche Meldungen die Zinsen zu ihren Gunsten verzerrt und dadurch Handelsgewinne eingestrichen haben. Zu den Geldhäusern gehören neben den bereits genannten Bank of America, Citigroup, Credit Suisse, HSBC, JPMorgan Chase und die ehemalige WestLB
Ein Klima der Kumpanei unter Investmentbankern und Maklern am Finanzplatz London leistete dem Libor-Skandal Vorschub. Neben Drogen und Bordellbesuchen zählten offenbar auch die Zinsmanipulationen zu den Gefälligkeiten, mit denen man sich gegenseitig zu Diensten war
Neil Danziger war gut fürs Geschäft. Die Deals, die der Händler für die Royal Bank of Scotland Group (RBS) abschloss, brachten den Maklern, die sie abwickelten, üppige Provisionen ein. Im Gegenzug luden ihn die Broker der Londoner Firma Tullett Prebon in die Striplokale der Stadt ein und verbrachten verlängerte Wochenenden in Las Vegas mit ihm, berichten Personen, die wissen, wie die Geschäftsbeziehungen aussahen. Makler von R.P. Martin Holdings, einem weiteren Londoner Handelshaus, gewährten ihm wiederum frühzeitigen Zugang zu lukrativen Abschlüssen, erzählen die Insider.
Branchenwächter gehen mittlerweile davon aus, dass dieser Austausch von Gefälligkeiten sehr viel weiter ging. Die US-Aufsichtsbehörden sind davon überzeugt, dass Danziger und verschiedene Makler auch bei der mutmaßlichen Manipulation des Libor ihre Finger im Spiel hatten.
Der London Interbank Offered Rate, oder kurz Libor, ist der Zinssatz, zu dem sich international agierende Banken am Finanzplatz London Gelder bei anderen Banken beschaffen. Der maßgebliche Referenzsatz liegt weltweit Hypothekendarlehen und anderen Krediten in Billionenhöhe zugrunde. Die Beamten der Aufsicht gehen davon aus, dass Danziger Makler darum gebeten hat, ihn bei der Manipulation des Libor zu unterstützen, und dass die Broker ihn in ein Komplott der Zinsabsprechen mit einbezogen haben, dem ein weiterer Händler angehörte, berichten mit den Ermittlungen vertraute Personen.
Ausflüge nach Saint-Tropez
Händler und Makler waren sich schon immer wärmstens verbunden, die Kumpel verbindet eine symbiotische Beziehung. Die Untersuchungen über die mögliche Libor-Zinsschiebung bringen allerdings ans Tageslicht, wie die wechselseitigen Einschmeichelungsversuche eskalierten. Offenbar beschränkte sich das Geben und Nehmen nicht auf Essenseinladungen und nächtliche Zechtouren, die als Spesen verbucht wurden, sondern erstreckte sich auch auf rechtlich weitaus zweifelhaftere Unternehmungen.
Makler honorierten die Dienste geschätzter Händler regelmäßig, indem sie ihnen einen Anteil an ihren Provisionen in der Form von Unterhaltung zurückzahlten, berichten Makler und Händler dem "Wall Street Journal". Die Broker sind so freundlich, den Händlern Wochenendausflüge in die Alpen oder nach Saint-Tropez zu finanzieren. Gelegentlich schleppen sie für ihre Handelsstars sogar auch Kokain oder Prostituierte herbei, erzählen Insider.
Und vor ein paar Jahren waren einige Makler nach der Überzeugung amerikanischer und britischer Regulierer so erpicht darauf, die Händler in den Banken bei Laune zu halten, dass sie sie bei der illegalen Beeinflussung des Libor unterstützten.
Danzigers ehemaliger Arbeitgeber, die britische Bank RBS, hatte im Februar in einem Vergleich mit amerikanischen und britischen Behörden eingestanden, dass Händler der Bank versucht hätten, den Libor zu manipulieren. Danziger, Tullett oder R.P. Martin wurden im Zuge der Beilegung zwar nicht namentlich genannt. Vielmehr wurden die Namen mehrerer Händler und Makler anonymisiert und durch Buchstaben und Zahlen verschlüsselt wiedergegeben. In die Untersuchungen Eingeweihte berichten allerdings, die Ermittler gingen davon aus, dass Danziger an den Betrugsversuchen beteiligt war. Er habe sich bei Maklern von Tullett und R.P. Martin für deren Entgegenkommen revanchiert, indem er Transaktionen einging, die nur darauf abzielten, den Brokern Gebühren einzuspielen.
Der 38-jährige Südafrikaner wurde bisher von den Behörden noch nicht belangt. Ein Sprecher von Tullett teilte mit, die Firma sei von den Aufsichtsbehörden nicht darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass gegen sie ermittelt wird. Ein Sprecher von R.P. Martin wollte sich nicht zu der Angelegenheit äußern.
Nach Ansicht amerikanischer und britischer Aufsichtsbeamter konnte es erst durch die mutmaßliche Mitwirkung der Makler so weit kommen, dass die versuchten Zinsschiebereien sich von einem kleinen Zirkel von Bankhändlern zu einer umfassenderen Intrige ausweiteten, mit deren Hilfe schließlich erfolgreich am Libor gedreht werden konnte.
Makler halfen angeblich bei der Manipulation
Den Ermittlern zufolge hätten Makler von R.P. Martin und ICAP im Auftrag von Bankhändlern gehandelt, die davon ausgehen konnten, von den Libor-Bewegungen zu profitieren, sagen Untersuchungsinsider. Broker der genannten Firmen hätten demnach andere Banken darin bestärkt, inakkurate Libor-Daten zu liefern und falsche Marktinformationen zu verbreiten, um den Libor in ihrem Sinne zu beeinflussen. Als Ausgleich für die Mithilfe der Makler hätten nach der These der Ermittler Händler bei der UBS und der RBS und möglicherweise weitere Akteure den Brokern neben anderen Zahlungen Geschäfte zugeschustert, die zusätzliche Provisionen abwarfen.
Britische Betrugsermittler hatten im Dezember zwei Mitarbeiter von R.P. Martin und den ehemaligen UBS-Händler Tom Hayes festgenommen. Die Beamten gehen davon aus, dass Hayes in dem Manipulationsskandal eine zentrale Rolle zukommt. Gegen keinen der Betroffenen wurde bisher in Großbritannien Anklage erhoben.
Die UBS war im Dezember einen 1,5 Milliarden Dollar schweren Vergleich mit der britischen Finanzmarktaufsicht Financial Services Authority (FSA), dem US-Justizministerium und der US-Aufsicht für den Warenterminhandel, der Commodity Futures Trading Commission, eingegangen. Die schweizerische Großbank hatte dabei zugegeben, dass Bankmitarbeiter versucht hätten, den Libor zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Hayes, der in den USA wegen Betrugs angeklagt wurde, hatte Anfang des Jahres in einer SMS an das "Wall Street Journal" angedeutet, dass in den Skandal höherrangige Bankvertreter verstrickt seien. "Das geht weit, weit über mich hinaus", hatte er geschrieben. Eine ICAP-Sprecherin teilte mit, die Firma kooperiere mit den unterschiedlichen Aufsichtsbehörden.
So genannte Interdealer-Brokerhäuser wie Tullett, R.P. Martin und ICAP fungieren vorwiegend als Mittler für Banken, für die sie Finanzprodukte kaufen und verkaufen und dabei einen kleinen Anteil als Provision einbehalten. Ist ein Bankhändler gut im Geschäft, zahlt er möglicherweise Provisionen von bis zu einer Million Dollar im Jahr an einen einzigen Makler.
In London werden die Händler besonders verwöhnt
Der Anreiz für die Broker ist daher äußerst hoch, die Händler in den Banken dazu zu überreden, ihre Transaktionen über sie abzuwickeln. Rund fünf Prozent der Maklerprovisionen, die ein Händler generiert, fließen häufig in Form von unterschiedlichen Vergünstigungen wieder an den Händler zurück, schätzen Londoner Makler und Händler, die das "Wall Street Journal" befragt hat. Es falle ganz und gar nicht aus dem Rahmen, wenn ein Brokerhaus im Jahr 50.000 Dollar dafür aufwendet, einen einzigen Händler mit Freizeitvergnügungen bei der Stange zu halten, sagen sie. Kundenpflege werde zwar auch an der Wall Street groß geschrieben. Aber in London lege man im Vergleich noch viel mehr Wert darauf, die Geschäftspartner zu verwöhnen, sagen sie.
In Amerika hat die Financial Industry Regulatory Authority (Finra), ein Gremium zur freiwilligen Selbstkontrolle der Wall Street, dem Umwerben der Kunden strenge Grenzen gesetzt. Nur 100 Dollar pro Person und Jahr dürfen Makler für Geschenke oder andere Aufwendungen locker machen, wenn sie um mehr Geschäft oder bessere Konditionen buhlen. Geschäftsessen oder andere Unterhaltungsangebote seitens der Unternehmen werden laut Finra von dieser Obergrenze nicht tangiert, solange "sie nicht so häufig stattfinden oder so reichhaltig ausfallen, dass sie Fragen nach der Angemessenheit aufwerfen."
Derlei Einschränkungen gibt es in Großbritannien nicht.
Es sei nichts Verkehrtes daran, wenn ein Makler einen Händler bewirtet, um eine Geschäftsbeziehung zu fördern, sagen britische Rechtsanwälte. Aber extravagante Anreize zu bieten, um im Gegenzug explizit zusätzliche Handelsgeschäfte zu ergattern, könnte gegen die Anti-Korruptionsgesetze verstoßen, warnen sie.
Dabei ließe sich über die Definition des Wörtchens "extravagant" wohl trefflich streiten. Erst letzten Sommer ließ das New Yorker Brokerhaus BGC Partners Limousinen vor den Häusern von Spitzenhändlern in Londoner Banken vorfahren. Die Chauffeure eskortierten die Ehefrauen und Freundinnen der umschmeichelten Herren zu den Wagen und brachten sie zu einem Hubschrauberlandeplatz. Per Helikopter wurden die Damen nach Ascot verbracht, um mit der Elite der Londoner Gesellschaft einen Tag an der Pferderennbahn zu erleben, berichten mit dem Großereignis Vertraute.
"Hin und wieder nimmt BGC an ausgesuchten Firmenveranstaltungen für Mitarbeiter und Kunden teil", kommentiert eine Sprecherin des Unternehmens. "Wir haben strikte Regeln und Verfahrensweisen etabliert, um Unterhaltungsveranstaltungen zu kontrollieren."
Die Firma ICAP lud Händler ins französische Chamonix ein, damit sie sich dort übers Wochenende beim Skifahren erholen konnten, erzählt ein ehemaliger Bankhändler, der dort zu Gast war.
ICAP verfolge "seit mehr als einem Jahrzehnt einen strikten Kurs bezüglich der Firmenbewirtung, der die Art und das Ausmaß jeder Veranstaltung abdeckt. Jede Zuwiderhandlung wird als disziplinarische Angelegenheit behandelt", teilt eine Unternehmenssprecherin mit.
Kunden sollen mit Kokain und Prostituierten versorgt worden sein
Doch die Dankbarkeit der Makler erschöpft sich nicht in Reisen und Pferderennen. Manche Vertreter der Zunft sollen Kunden sogar mit Kokain oder Prostituierten versorgt haben. Mehrere ehemalige Makler und Händler beteuern, den Austausch dieser ungewöhnlichen Aufmerksamkeiten bezeugen zu können.
In manchen Brokerhäusern kontrollieren die Mitarbeiter, die für die Einhaltung der unternehmensinternen Regeln zuständig sind, ob die spendierfreudigen Makler der Firma auch wirklich in standesgemäßen Etablissements für die Zerstreuung ihrer Gäste gesorgt haben. Dazu gleichen sie die Spesenbelege der Gastgeber mit einer "Verbotsliste" ab, auf der bekannte Striplokale aufgeführt sind.
Das halte die Makler jedoch mitnichten davon ab, Händler dennoch in Strip-Clubs zu entführen, berichten frühere Händler und Broker. Mitarbeiter von Tullett hätten bei einigen dieser Gelegenheiten einfach bar aus ihrer eigene Tasche bezahlt, sagt ein Händler, der an einem dieser Vergnügungsausflüge teilnahm. Um ihr Geld zurückzubekommen, hätten die Makler dann eben künstlich aufgeblähte Taxi-Quittungen eingereicht, erzählt er.
In den Augen einiger Broker scheint das Verwöhnen der Kunden ausdrücklich dazuzugehören, wenn es darum geht, sich ein Geschäft zu sichern. Diese Grundhaltung erschloss sich den Ermittlern, die im Zuge der Libor-Untersuchungen die Abschriften elektronischer Korrespondenzen durchforsteten. In einem Fall versuchte ein Makler einen Händler dazu zu überreden, bei bestimmten Transaktionen mitzumachen, indem er in Aussicht stellte, der gesamten Handelsabteilung ein Mittagessen auszugeben. In einem anderen Fall hatte ein Makler einen Händler mit einer Reise nach Las Vegas beschenkt. Doch der Händler vergab dennoch eine Reihe von Ordern an die Konkurrenz. Daraufhin schickte der Makler eine wütende Mail an den Händler und wollte wissen, warum er das getan habe, sagt eine Person, die die Mitteilung gelesen hat.
Jedes Mal, wenn er einem Händler abends einen Kneipentrip spendiert habe, hätte am Morgen danach "eine Reihe von Abschlüssen für mich parat gelegen. Ich musste nicht einmal danach fragen", erzählt ein ehemaliger Derivate-Makler von ICAP.
Es sei schwierig, nachzuweisen, ob etwas nur gegeben wird, um dafür eine angemessene Gegenleistung zu erhalten. Das erkläre auch, warum die britischen Behörden bei den Maklern nur selten nachhaken, wenn diese ihre Kunden allzu großzügig umhegen, sagen Branchenvertreter und Rechtsexperten.
In einem der seltenen Fälle, die tatsächlich verfolgt wurden, verbannte die britische Finanzmarktaufsicht FSA im Jahr 2010 Fabio De Biase aus der Zunft. Der Makler von Tradition Financial Services hatte einen wahren Geldregen über einen Händler eines Hedgefonds niedergehen lassen. Bargeld, Geschenkgutscheine und Goldbarren im Wert von ungefähr 131.000 Pfund Sterling schüttete De Biase über dem Händler aus, um sich höhere Provisionen zu angeln. Er habe damit gegen eine Richtlinie der FSA verstoßen, die besagt, dass professionelle Vertreter der Finanzindustrie "mit Integrität handeln" müssen, hatten die Aufseher ihre Entscheidung begründet.
Tradition Financial Services, die mehrheitlich dem französischen Finanzdienstleister Viel & Cie gehört, wurde daraufhin einer eingehenderen Untersuchung unterzogen, wie es denn bei anderen Maklern der Firma um die Pflege ihrer Beziehungen zu Händlern bestellt sei. Wie sich herausstellte, heuerten einige Tradition-Broker Prostituierte für Händler an und besuchten mit ihnen ein Etablissement namens "Lady Marmalade Adult Parties", berichten mit den Ermittlungen Vertraute. Gemäß der Website von Lady Marmalade steht den Kunden ein Apartment mit vier Schlafzimmern im Herzen Londons zur Verfügung, in dem auch eine "erotische Liebesschaukel" nicht fehlt. Den Besuchern winke eine "orgastische Zeit".
Die FSA unterließ zwar weitere Schritte, doch mittlerweile beschäftige sich die Londoner Polizei mit dem Fall. Sie untersuche, ob die Makler illegale Schmiergeldzahlungen vorgenommen hätten, heißt es. "Es gibt keine speziellen Richtlinien darüber, ob man seine Kunden zu Prostituierten schicken kann", sagt ein FSA-Sprecher. "Als Aufsichtsbehörde muss man genau auswählen, welche Art von Dingen man untersucht." Die Prostitution an sich ist in Großbritannien zwar nicht illegal, wohl aber, in der Öffentlichkeit um die Dienste einer Prostituierten zu werben.
"Eine kleine Zahl früherer Mitarbeiter" werde verdächtigt, "betrügerische Spesenforderungen" eingereicht zu haben, sagt ein Tradition-Sprecher. Die meisten hätten sich auf persönliche Vergnügungen bezogen, aber einige davon hätten "nicht im Einklang mit der Firmenpolitik" gestanden. Gegen die Firma selbst werde nicht ermittelt, fügt er hinzu. Der Feuereifer der Broker, ihre Handelskunden zufrieden zu stellen, habe eine maßgebliche Rolle beim Libor-Skandal gespielt. Davon sind amerikanische und britische Aufsichtsbeamte überzeugt. Einige Händler konnten erwarten, davon zu profitieren, wenn der Libor leicht nach oben oder nach unten ging. Aber um den Libor berechnen zu können, sind mehr als ein Dutzend Banken nötig, die die Daten zu ihren Kreditkosten einreichen. Um den Satz wirksam manipulieren zu können, müssten sich also zahlreiche Banken an dem Komplott beteiligen.
Libor-Manipulationen als Gefälligkeit
Um den ehemaligen UBS-Trader Hayes vollführten die Broker einen regelrechten Eiertanz, denn er setzte enorm viel um. Die Makler bombardierten ihn mit Marketingbroschüren und luden ihn fortwährend zum Essen ein. Diese Angebote schlug Hayes in schöner Regelmäßigkeit aus.
Die Gefälligkeit, auf die Hayes aus war, spielte sich auf einer anderen Ebene ab. Er versuchte, Makler zu rekrutieren, um den Libor zu beeinflussen, sagen die Ermittler aus den USA und Großbritannien. Wiederholt habe Hayes Makler gebeten, bestimmte Daten zu frisieren, die sie an andere Banken weitergaben und die diese Banken wiederum dazu verwendeten, um ihre Libor-Eingaben zu berechnen, berichten die Aufseher.
Im Februar 2009 bat Hayes einen Makler, er solle versuchen, die Yen-Variante des Libor nach oben zu treiben. "So hoch wie ein Drogenabhängiger high ist", wolle er den Zins sehen, schrieb Hayes in einer der elektronischen Nachrichten an den Broker, deren Abschrift vom US-Justizministerium veröffentlicht wurde. "Hahahha gefällt mir", bejubelte der Makler den Wortwitz seines Großkunden in seiner Antwort. "Tu mein Bestes", versprach er noch.
Im weiteren Verlauf des Morgens leitete der Makler Hayes' Aufforderung an einen Mitarbeiter einer anderen Bank weiter, der mit den Libor-Eingaben betraut war. Hayes willigte ein, ein große Transaktion über den Makler laufen zu lassen, so dass dieser sein monatliches Umsatzziel erreichen konnte, wie aus der Abschrift hervorgeht. "Lieb dich, Kumpel", schrieb der Broker beglückt zurück.
Mit dem Fall Vertraute haben den Makler identifiziert. Es handele sich um Terry Farr von R.P. Martin. Farrs Rechtsanwalt teilt mit, sein Klient kooperiere mit den Behörden. Laut den Regulierern hätten sich Händler bei einigen Maklern mit so genannten "Wash Trades" für ihre Unterstützung bei der Libor-Schiebung bedankt. Dabei handelt es sich um Transaktionen, die sich gegenseitig eliminieren. So springt zwar für beide Seiten kein Gewinn heraus, aber für den Makler fallen dennoch Provisionen ab. Mit den Abschlüssen Vertraute berichten, Hayes bei der UBS und Farr bei R.P. Martin hätten derartige Nullsummengeschäfte aufgebaut, um zusätzliche Provisionen für R.P. Martin hervorzubringen. Nach Angaben des US-Justizministeriums hat Hayes' Vorgesetzter die Transaktionen abgezeichnet.
Mehrmals im Jahr brachten Broker von R.P. Martin den RBS-Händler Danziger dazu, die Gegenposition bei den Wash Trades zu beziehen, heißt es. So schrieb Farr etwa im September 2008 an Danziger: "Nimm es von der UBS und gib es der UBS zurück. Er will ein paar Pro zahlen", ist in einer Abschrift der CFTC zu lesen, wobei "Pro" in der Sprache der Zunft für Maklerprovisionen steht. Im Gegenzug wollte Farr sich aber auch nicht lumpen lassen: "Wir schicken Mittagessen für die ganze Abteilung rüber", versprach er.
Danziger ließ sich auf die Liebesdienste für R.P. Martin ein, um sich künftige Handelsgelegenheiten zu sichern, sagt eine mit den Geschäften vertraute Person. Mindestens einmal allerdings, nämlich im Juni 2009, versuchte er, R.P. Martin auch dazu zu bewegen, die Libor-Eingaben anderer Banken zu manipulieren, sagen mit den Vergleichsdokumenten der CFTC Vertraute. Dort wird der Vorfall beschreiben, die Beteiligten werden allerdings nicht identifiziert. Um sich erkenntlich zu zeigen, führte Danziger einen Nullsummenhandel aus - und Hayes stellte die Gegenpartei. Dabei kamen Provisionen über rund 20.000 Dollar für R.P. Martin heraus.
Davon unabhängig erging sich Danziger in einer Reihe von Wash Trades, mit denen er die Makler von Tullet mit Provisionen beglückte. Mit einem von ihnen, einem Makler namens Mark Jones, hatte Danziger Striplokale frequentiert und sie seien auch zusammen nach Las Vegas geflogen, sagen Insider. Hayes habe bei diesen Transaktionen das Gegenüber gespielt, weil Danziger bei den Geschäften von R.P. Martin mitgemischt habe, heißt es. Diese Abschlüsse würden jetzt von den britischen Aufsichtsbehörden untersucht. Hayes wechselte 2009 von der UBS zur Citigroup. Dort arbeitete er nicht einmal ein ganzes Jahr, bevor er gefeuert wurde.
Farr ist weiterhin bei R.P. Martin angestellt, wurde aber in bezahlten Urlaub geschickt. Im Dezember verhaftete ihn die britische Polizei, Anklage wurde allerdings nicht gegen ihn erhoben. Die RBS setzte Danziger im Jahr 2011 vor die Tür. Mark Jones verließ Tullet ebenfalls im Jahr 2011 und arbeitet jetzt als Makler bei BGC Partners.
Originalartikel bei Wall Street Journal Deutschland
Neil Danziger war gut fürs Geschäft. Die Deals, die der Händler für die Royal Bank of Scotland Group (RBS) abschloss, brachten den Maklern, die sie abwickelten, üppige Provisionen ein. Im Gegenzug luden ihn die Broker der Londoner Firma Tullett Prebon in die Striplokale der Stadt ein und verbrachten verlängerte Wochenenden in Las Vegas mit ihm, berichten Personen, die wissen, wie die Geschäftsbeziehungen aussahen. Makler von R.P. Martin Holdings, einem weiteren Londoner Handelshaus, gewährten ihm wiederum frühzeitigen Zugang zu lukrativen Abschlüssen, erzählen die Insider.
Branchenwächter gehen mittlerweile davon aus, dass dieser Austausch von Gefälligkeiten sehr viel weiter ging. Die US-Aufsichtsbehörden sind davon überzeugt, dass Danziger und verschiedene Makler auch bei der mutmaßlichen Manipulation des Libor ihre Finger im Spiel hatten.
Der London Interbank Offered Rate, oder kurz Libor, ist der Zinssatz, zu dem sich international agierende Banken am Finanzplatz London Gelder bei anderen Banken beschaffen. Der maßgebliche Referenzsatz liegt weltweit Hypothekendarlehen und anderen Krediten in Billionenhöhe zugrunde. Die Beamten der Aufsicht gehen davon aus, dass Danziger Makler darum gebeten hat, ihn bei der Manipulation des Libor zu unterstützen, und dass die Broker ihn in ein Komplott der Zinsabsprechen mit einbezogen haben, dem ein weiterer Händler angehörte, berichten mit den Ermittlungen vertraute Personen.
Ausflüge nach Saint-Tropez
Händler und Makler waren sich schon immer wärmstens verbunden, die Kumpel verbindet eine symbiotische Beziehung. Die Untersuchungen über die mögliche Libor-Zinsschiebung bringen allerdings ans Tageslicht, wie die wechselseitigen Einschmeichelungsversuche eskalierten. Offenbar beschränkte sich das Geben und Nehmen nicht auf Essenseinladungen und nächtliche Zechtouren, die als Spesen verbucht wurden, sondern erstreckte sich auch auf rechtlich weitaus zweifelhaftere Unternehmungen.
Makler honorierten die Dienste geschätzter Händler regelmäßig, indem sie ihnen einen Anteil an ihren Provisionen in der Form von Unterhaltung zurückzahlten, berichten Makler und Händler dem "Wall Street Journal". Die Broker sind so freundlich, den Händlern Wochenendausflüge in die Alpen oder nach Saint-Tropez zu finanzieren. Gelegentlich schleppen sie für ihre Handelsstars sogar auch Kokain oder Prostituierte herbei, erzählen Insider.
Und vor ein paar Jahren waren einige Makler nach der Überzeugung amerikanischer und britischer Regulierer so erpicht darauf, die Händler in den Banken bei Laune zu halten, dass sie sie bei der illegalen Beeinflussung des Libor unterstützten.
Danzigers ehemaliger Arbeitgeber, die britische Bank RBS, hatte im Februar in einem Vergleich mit amerikanischen und britischen Behörden eingestanden, dass Händler der Bank versucht hätten, den Libor zu manipulieren. Danziger, Tullett oder R.P. Martin wurden im Zuge der Beilegung zwar nicht namentlich genannt. Vielmehr wurden die Namen mehrerer Händler und Makler anonymisiert und durch Buchstaben und Zahlen verschlüsselt wiedergegeben. In die Untersuchungen Eingeweihte berichten allerdings, die Ermittler gingen davon aus, dass Danziger an den Betrugsversuchen beteiligt war. Er habe sich bei Maklern von Tullett und R.P. Martin für deren Entgegenkommen revanchiert, indem er Transaktionen einging, die nur darauf abzielten, den Brokern Gebühren einzuspielen.
Der 38-jährige Südafrikaner wurde bisher von den Behörden noch nicht belangt. Ein Sprecher von Tullett teilte mit, die Firma sei von den Aufsichtsbehörden nicht darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass gegen sie ermittelt wird. Ein Sprecher von R.P. Martin wollte sich nicht zu der Angelegenheit äußern.
Nach Ansicht amerikanischer und britischer Aufsichtsbeamter konnte es erst durch die mutmaßliche Mitwirkung der Makler so weit kommen, dass die versuchten Zinsschiebereien sich von einem kleinen Zirkel von Bankhändlern zu einer umfassenderen Intrige ausweiteten, mit deren Hilfe schließlich erfolgreich am Libor gedreht werden konnte.
Makler halfen angeblich bei der Manipulation
Den Ermittlern zufolge hätten Makler von R.P. Martin und ICAP im Auftrag von Bankhändlern gehandelt, die davon ausgehen konnten, von den Libor-Bewegungen zu profitieren, sagen Untersuchungsinsider. Broker der genannten Firmen hätten demnach andere Banken darin bestärkt, inakkurate Libor-Daten zu liefern und falsche Marktinformationen zu verbreiten, um den Libor in ihrem Sinne zu beeinflussen. Als Ausgleich für die Mithilfe der Makler hätten nach der These der Ermittler Händler bei der UBS und der RBS und möglicherweise weitere Akteure den Brokern neben anderen Zahlungen Geschäfte zugeschustert, die zusätzliche Provisionen abwarfen.
Britische Betrugsermittler hatten im Dezember zwei Mitarbeiter von R.P. Martin und den ehemaligen UBS-Händler Tom Hayes festgenommen. Die Beamten gehen davon aus, dass Hayes in dem Manipulationsskandal eine zentrale Rolle zukommt. Gegen keinen der Betroffenen wurde bisher in Großbritannien Anklage erhoben.
Die UBS war im Dezember einen 1,5 Milliarden Dollar schweren Vergleich mit der britischen Finanzmarktaufsicht Financial Services Authority (FSA), dem US-Justizministerium und der US-Aufsicht für den Warenterminhandel, der Commodity Futures Trading Commission, eingegangen. Die schweizerische Großbank hatte dabei zugegeben, dass Bankmitarbeiter versucht hätten, den Libor zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Hayes, der in den USA wegen Betrugs angeklagt wurde, hatte Anfang des Jahres in einer SMS an das "Wall Street Journal" angedeutet, dass in den Skandal höherrangige Bankvertreter verstrickt seien. "Das geht weit, weit über mich hinaus", hatte er geschrieben. Eine ICAP-Sprecherin teilte mit, die Firma kooperiere mit den unterschiedlichen Aufsichtsbehörden.
So genannte Interdealer-Brokerhäuser wie Tullett, R.P. Martin und ICAP fungieren vorwiegend als Mittler für Banken, für die sie Finanzprodukte kaufen und verkaufen und dabei einen kleinen Anteil als Provision einbehalten. Ist ein Bankhändler gut im Geschäft, zahlt er möglicherweise Provisionen von bis zu einer Million Dollar im Jahr an einen einzigen Makler.
In London werden die Händler besonders verwöhnt
Der Anreiz für die Broker ist daher äußerst hoch, die Händler in den Banken dazu zu überreden, ihre Transaktionen über sie abzuwickeln. Rund fünf Prozent der Maklerprovisionen, die ein Händler generiert, fließen häufig in Form von unterschiedlichen Vergünstigungen wieder an den Händler zurück, schätzen Londoner Makler und Händler, die das "Wall Street Journal" befragt hat. Es falle ganz und gar nicht aus dem Rahmen, wenn ein Brokerhaus im Jahr 50.000 Dollar dafür aufwendet, einen einzigen Händler mit Freizeitvergnügungen bei der Stange zu halten, sagen sie. Kundenpflege werde zwar auch an der Wall Street groß geschrieben. Aber in London lege man im Vergleich noch viel mehr Wert darauf, die Geschäftspartner zu verwöhnen, sagen sie.
In Amerika hat die Financial Industry Regulatory Authority (Finra), ein Gremium zur freiwilligen Selbstkontrolle der Wall Street, dem Umwerben der Kunden strenge Grenzen gesetzt. Nur 100 Dollar pro Person und Jahr dürfen Makler für Geschenke oder andere Aufwendungen locker machen, wenn sie um mehr Geschäft oder bessere Konditionen buhlen. Geschäftsessen oder andere Unterhaltungsangebote seitens der Unternehmen werden laut Finra von dieser Obergrenze nicht tangiert, solange "sie nicht so häufig stattfinden oder so reichhaltig ausfallen, dass sie Fragen nach der Angemessenheit aufwerfen."
Derlei Einschränkungen gibt es in Großbritannien nicht.
Es sei nichts Verkehrtes daran, wenn ein Makler einen Händler bewirtet, um eine Geschäftsbeziehung zu fördern, sagen britische Rechtsanwälte. Aber extravagante Anreize zu bieten, um im Gegenzug explizit zusätzliche Handelsgeschäfte zu ergattern, könnte gegen die Anti-Korruptionsgesetze verstoßen, warnen sie.
Dabei ließe sich über die Definition des Wörtchens "extravagant" wohl trefflich streiten. Erst letzten Sommer ließ das New Yorker Brokerhaus BGC Partners Limousinen vor den Häusern von Spitzenhändlern in Londoner Banken vorfahren. Die Chauffeure eskortierten die Ehefrauen und Freundinnen der umschmeichelten Herren zu den Wagen und brachten sie zu einem Hubschrauberlandeplatz. Per Helikopter wurden die Damen nach Ascot verbracht, um mit der Elite der Londoner Gesellschaft einen Tag an der Pferderennbahn zu erleben, berichten mit dem Großereignis Vertraute.
"Hin und wieder nimmt BGC an ausgesuchten Firmenveranstaltungen für Mitarbeiter und Kunden teil", kommentiert eine Sprecherin des Unternehmens. "Wir haben strikte Regeln und Verfahrensweisen etabliert, um Unterhaltungsveranstaltungen zu kontrollieren."
Die Firma ICAP lud Händler ins französische Chamonix ein, damit sie sich dort übers Wochenende beim Skifahren erholen konnten, erzählt ein ehemaliger Bankhändler, der dort zu Gast war.
ICAP verfolge "seit mehr als einem Jahrzehnt einen strikten Kurs bezüglich der Firmenbewirtung, der die Art und das Ausmaß jeder Veranstaltung abdeckt. Jede Zuwiderhandlung wird als disziplinarische Angelegenheit behandelt", teilt eine Unternehmenssprecherin mit.
Kunden sollen mit Kokain und Prostituierten versorgt worden sein
Doch die Dankbarkeit der Makler erschöpft sich nicht in Reisen und Pferderennen. Manche Vertreter der Zunft sollen Kunden sogar mit Kokain oder Prostituierten versorgt haben. Mehrere ehemalige Makler und Händler beteuern, den Austausch dieser ungewöhnlichen Aufmerksamkeiten bezeugen zu können.
In manchen Brokerhäusern kontrollieren die Mitarbeiter, die für die Einhaltung der unternehmensinternen Regeln zuständig sind, ob die spendierfreudigen Makler der Firma auch wirklich in standesgemäßen Etablissements für die Zerstreuung ihrer Gäste gesorgt haben. Dazu gleichen sie die Spesenbelege der Gastgeber mit einer "Verbotsliste" ab, auf der bekannte Striplokale aufgeführt sind.
Das halte die Makler jedoch mitnichten davon ab, Händler dennoch in Strip-Clubs zu entführen, berichten frühere Händler und Broker. Mitarbeiter von Tullett hätten bei einigen dieser Gelegenheiten einfach bar aus ihrer eigene Tasche bezahlt, sagt ein Händler, der an einem dieser Vergnügungsausflüge teilnahm. Um ihr Geld zurückzubekommen, hätten die Makler dann eben künstlich aufgeblähte Taxi-Quittungen eingereicht, erzählt er.
In den Augen einiger Broker scheint das Verwöhnen der Kunden ausdrücklich dazuzugehören, wenn es darum geht, sich ein Geschäft zu sichern. Diese Grundhaltung erschloss sich den Ermittlern, die im Zuge der Libor-Untersuchungen die Abschriften elektronischer Korrespondenzen durchforsteten. In einem Fall versuchte ein Makler einen Händler dazu zu überreden, bei bestimmten Transaktionen mitzumachen, indem er in Aussicht stellte, der gesamten Handelsabteilung ein Mittagessen auszugeben. In einem anderen Fall hatte ein Makler einen Händler mit einer Reise nach Las Vegas beschenkt. Doch der Händler vergab dennoch eine Reihe von Ordern an die Konkurrenz. Daraufhin schickte der Makler eine wütende Mail an den Händler und wollte wissen, warum er das getan habe, sagt eine Person, die die Mitteilung gelesen hat.
Jedes Mal, wenn er einem Händler abends einen Kneipentrip spendiert habe, hätte am Morgen danach "eine Reihe von Abschlüssen für mich parat gelegen. Ich musste nicht einmal danach fragen", erzählt ein ehemaliger Derivate-Makler von ICAP.
Es sei schwierig, nachzuweisen, ob etwas nur gegeben wird, um dafür eine angemessene Gegenleistung zu erhalten. Das erkläre auch, warum die britischen Behörden bei den Maklern nur selten nachhaken, wenn diese ihre Kunden allzu großzügig umhegen, sagen Branchenvertreter und Rechtsexperten.
In einem der seltenen Fälle, die tatsächlich verfolgt wurden, verbannte die britische Finanzmarktaufsicht FSA im Jahr 2010 Fabio De Biase aus der Zunft. Der Makler von Tradition Financial Services hatte einen wahren Geldregen über einen Händler eines Hedgefonds niedergehen lassen. Bargeld, Geschenkgutscheine und Goldbarren im Wert von ungefähr 131.000 Pfund Sterling schüttete De Biase über dem Händler aus, um sich höhere Provisionen zu angeln. Er habe damit gegen eine Richtlinie der FSA verstoßen, die besagt, dass professionelle Vertreter der Finanzindustrie "mit Integrität handeln" müssen, hatten die Aufseher ihre Entscheidung begründet.
Tradition Financial Services, die mehrheitlich dem französischen Finanzdienstleister Viel & Cie gehört, wurde daraufhin einer eingehenderen Untersuchung unterzogen, wie es denn bei anderen Maklern der Firma um die Pflege ihrer Beziehungen zu Händlern bestellt sei. Wie sich herausstellte, heuerten einige Tradition-Broker Prostituierte für Händler an und besuchten mit ihnen ein Etablissement namens "Lady Marmalade Adult Parties", berichten mit den Ermittlungen Vertraute. Gemäß der Website von Lady Marmalade steht den Kunden ein Apartment mit vier Schlafzimmern im Herzen Londons zur Verfügung, in dem auch eine "erotische Liebesschaukel" nicht fehlt. Den Besuchern winke eine "orgastische Zeit".
Die FSA unterließ zwar weitere Schritte, doch mittlerweile beschäftige sich die Londoner Polizei mit dem Fall. Sie untersuche, ob die Makler illegale Schmiergeldzahlungen vorgenommen hätten, heißt es. "Es gibt keine speziellen Richtlinien darüber, ob man seine Kunden zu Prostituierten schicken kann", sagt ein FSA-Sprecher. "Als Aufsichtsbehörde muss man genau auswählen, welche Art von Dingen man untersucht." Die Prostitution an sich ist in Großbritannien zwar nicht illegal, wohl aber, in der Öffentlichkeit um die Dienste einer Prostituierten zu werben.
"Eine kleine Zahl früherer Mitarbeiter" werde verdächtigt, "betrügerische Spesenforderungen" eingereicht zu haben, sagt ein Tradition-Sprecher. Die meisten hätten sich auf persönliche Vergnügungen bezogen, aber einige davon hätten "nicht im Einklang mit der Firmenpolitik" gestanden. Gegen die Firma selbst werde nicht ermittelt, fügt er hinzu. Der Feuereifer der Broker, ihre Handelskunden zufrieden zu stellen, habe eine maßgebliche Rolle beim Libor-Skandal gespielt. Davon sind amerikanische und britische Aufsichtsbeamte überzeugt. Einige Händler konnten erwarten, davon zu profitieren, wenn der Libor leicht nach oben oder nach unten ging. Aber um den Libor berechnen zu können, sind mehr als ein Dutzend Banken nötig, die die Daten zu ihren Kreditkosten einreichen. Um den Satz wirksam manipulieren zu können, müssten sich also zahlreiche Banken an dem Komplott beteiligen.
Libor-Manipulationen als Gefälligkeit
Um den ehemaligen UBS-Trader Hayes vollführten die Broker einen regelrechten Eiertanz, denn er setzte enorm viel um. Die Makler bombardierten ihn mit Marketingbroschüren und luden ihn fortwährend zum Essen ein. Diese Angebote schlug Hayes in schöner Regelmäßigkeit aus.
Die Gefälligkeit, auf die Hayes aus war, spielte sich auf einer anderen Ebene ab. Er versuchte, Makler zu rekrutieren, um den Libor zu beeinflussen, sagen die Ermittler aus den USA und Großbritannien. Wiederholt habe Hayes Makler gebeten, bestimmte Daten zu frisieren, die sie an andere Banken weitergaben und die diese Banken wiederum dazu verwendeten, um ihre Libor-Eingaben zu berechnen, berichten die Aufseher.
Im Februar 2009 bat Hayes einen Makler, er solle versuchen, die Yen-Variante des Libor nach oben zu treiben. "So hoch wie ein Drogenabhängiger high ist", wolle er den Zins sehen, schrieb Hayes in einer der elektronischen Nachrichten an den Broker, deren Abschrift vom US-Justizministerium veröffentlicht wurde. "Hahahha gefällt mir", bejubelte der Makler den Wortwitz seines Großkunden in seiner Antwort. "Tu mein Bestes", versprach er noch.
Im weiteren Verlauf des Morgens leitete der Makler Hayes' Aufforderung an einen Mitarbeiter einer anderen Bank weiter, der mit den Libor-Eingaben betraut war. Hayes willigte ein, ein große Transaktion über den Makler laufen zu lassen, so dass dieser sein monatliches Umsatzziel erreichen konnte, wie aus der Abschrift hervorgeht. "Lieb dich, Kumpel", schrieb der Broker beglückt zurück.
Mit dem Fall Vertraute haben den Makler identifiziert. Es handele sich um Terry Farr von R.P. Martin. Farrs Rechtsanwalt teilt mit, sein Klient kooperiere mit den Behörden. Laut den Regulierern hätten sich Händler bei einigen Maklern mit so genannten "Wash Trades" für ihre Unterstützung bei der Libor-Schiebung bedankt. Dabei handelt es sich um Transaktionen, die sich gegenseitig eliminieren. So springt zwar für beide Seiten kein Gewinn heraus, aber für den Makler fallen dennoch Provisionen ab. Mit den Abschlüssen Vertraute berichten, Hayes bei der UBS und Farr bei R.P. Martin hätten derartige Nullsummengeschäfte aufgebaut, um zusätzliche Provisionen für R.P. Martin hervorzubringen. Nach Angaben des US-Justizministeriums hat Hayes' Vorgesetzter die Transaktionen abgezeichnet.
Mehrmals im Jahr brachten Broker von R.P. Martin den RBS-Händler Danziger dazu, die Gegenposition bei den Wash Trades zu beziehen, heißt es. So schrieb Farr etwa im September 2008 an Danziger: "Nimm es von der UBS und gib es der UBS zurück. Er will ein paar Pro zahlen", ist in einer Abschrift der CFTC zu lesen, wobei "Pro" in der Sprache der Zunft für Maklerprovisionen steht. Im Gegenzug wollte Farr sich aber auch nicht lumpen lassen: "Wir schicken Mittagessen für die ganze Abteilung rüber", versprach er.
Danziger ließ sich auf die Liebesdienste für R.P. Martin ein, um sich künftige Handelsgelegenheiten zu sichern, sagt eine mit den Geschäften vertraute Person. Mindestens einmal allerdings, nämlich im Juni 2009, versuchte er, R.P. Martin auch dazu zu bewegen, die Libor-Eingaben anderer Banken zu manipulieren, sagen mit den Vergleichsdokumenten der CFTC Vertraute. Dort wird der Vorfall beschreiben, die Beteiligten werden allerdings nicht identifiziert. Um sich erkenntlich zu zeigen, führte Danziger einen Nullsummenhandel aus - und Hayes stellte die Gegenpartei. Dabei kamen Provisionen über rund 20.000 Dollar für R.P. Martin heraus.
Davon unabhängig erging sich Danziger in einer Reihe von Wash Trades, mit denen er die Makler von Tullet mit Provisionen beglückte. Mit einem von ihnen, einem Makler namens Mark Jones, hatte Danziger Striplokale frequentiert und sie seien auch zusammen nach Las Vegas geflogen, sagen Insider. Hayes habe bei diesen Transaktionen das Gegenüber gespielt, weil Danziger bei den Geschäften von R.P. Martin mitgemischt habe, heißt es. Diese Abschlüsse würden jetzt von den britischen Aufsichtsbehörden untersucht. Hayes wechselte 2009 von der UBS zur Citigroup. Dort arbeitete er nicht einmal ein ganzes Jahr, bevor er gefeuert wurde.
Farr ist weiterhin bei R.P. Martin angestellt, wurde aber in bezahlten Urlaub geschickt. Im Dezember verhaftete ihn die britische Polizei, Anklage wurde allerdings nicht gegen ihn erhoben. Die RBS setzte Danziger im Jahr 2011 vor die Tür. Mark Jones verließ Tullet ebenfalls im Jahr 2011 und arbeitet jetzt als Makler bei BGC Partners.
Originalartikel bei Wall Street Journal Deutschland

