Ulrich Engler - Daytrader - PRIVATE COMMERCIAL OFFICE INC. (PCO)
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Vier Vermittler von Schneeballbetrüger Ulrich Engler angeklagt
Vier Vermittler von Schneeballbetrüger Ulrich Engler angeklagt
Endstation Las Vegas: Ein mutmaßlicher deutscher Millionenbetrüger ist in den USA nach fünfjähriger Flucht gefasst worden. Der 51-Jährige lebte unter falscher Identität im Bundesstaat Nevada
Ein Fingerabdruck bei einer Verkehrskontrolle wurde ihm zum Verhängnis
Nach fünf Jahren auf der Flucht ist der mutmaßliche deutsche Millionenbetrüger Ulrich E. in Las Vegas festgenommen worden. Der 51-Jährige sei bereits am Mittwoch gefasst worden und werde wegen eines Verstoßes gegen die Einwanderungsgesetze festgehalten, sagte die Sprecherin der US-Einwanderungsbehörde Ice, Nicole Navas.
E. soll mit einem Schneeballsystem zwischen Juni 2003 und Dezember 2004 über 3.500 Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz um mehr als 100 Millionen Dollar betrogen haben. Dafür benutzte er eine Marketingfirma mit Sitz in Florida. Sobald das Geld in den USA angekommen war, sahen es die Investoren nie wieder.
Kunstwerke sichergestellt
Im Dezember 2007 wurde gegen ihn in Mannheim und Hamburg ein Haftbefehl wegen Betrugs ausgestellt. Auch die Interpol suchte nach dem Deutschen, der offenbar im US-Staat Nevada unter dem falschen Namen Joseph Miller lebte.
Das FBI und die örtliche Polizei stellten auch 1.000 Kunstwerke sicher, die E. in einer Lagerhalle außerhalb von Las Vegas aufbewahrt hatte. FBI-Agent Patrick Turner sagte, mit dem Erfolg bei der Durchsuchung könnten die mutmaßlichen Opfer von E. entschädigt werden
Ein Fingerabdruck bei einer Verkehrskontrolle wurde ihm zum Verhängnis
Nach fünf Jahren auf der Flucht ist der mutmaßliche deutsche Millionenbetrüger Ulrich E. in Las Vegas festgenommen worden. Der 51-Jährige sei bereits am Mittwoch gefasst worden und werde wegen eines Verstoßes gegen die Einwanderungsgesetze festgehalten, sagte die Sprecherin der US-Einwanderungsbehörde Ice, Nicole Navas.
E. soll mit einem Schneeballsystem zwischen Juni 2003 und Dezember 2004 über 3.500 Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz um mehr als 100 Millionen Dollar betrogen haben. Dafür benutzte er eine Marketingfirma mit Sitz in Florida. Sobald das Geld in den USA angekommen war, sahen es die Investoren nie wieder.
Kunstwerke sichergestellt
Im Dezember 2007 wurde gegen ihn in Mannheim und Hamburg ein Haftbefehl wegen Betrugs ausgestellt. Auch die Interpol suchte nach dem Deutschen, der offenbar im US-Staat Nevada unter dem falschen Namen Joseph Miller lebte.
Das FBI und die örtliche Polizei stellten auch 1.000 Kunstwerke sicher, die E. in einer Lagerhalle außerhalb von Las Vegas aufbewahrt hatte. FBI-Agent Patrick Turner sagte, mit dem Erfolg bei der Durchsuchung könnten die mutmaßlichen Opfer von E. entschädigt werden
Zitat
Der wegen des Verdachts der Trunkenheit am Steuer 2011 im Raum Las Vegas genommene Fingerabdruck habe E. auffliegen lassen, teilten die Behörden am Freitag mit. Der Zusammenhang sei erst jetzt hergestellt worden. Demnach erfolgte die Festnahme bereits am Mittwoch. E. wird von der Polizei- und Zollbehörde Immigration and Customs Enforcement (ICE) wegen Verletzung der Einwanderungsbestimmungen festgehalten.
E. habe sich zuvor mit wechselnden Identitäten fünf Jahre dem Zugriff der Behörden entzogen. In den USA benutzte er laut Polizei die Namen Joseph Miller und Joseph Walter. Der Mann sei "sehr versiert im Verbergen seiner wahren Identität" gewesen, sagte ein Polizeisprecher in Las Vegas. Die Auslieferung des 51-Jährigen an Deutschland werde vorbereitet. Es liefen Ermittlungen, ob E. auch in Nevada in kriminelle Aktivitäten verwickelt gewesen sei.
E. soll mit einem Schneeballsystem zwischen Juni 2003 und Dezember 2004 über 3500 Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz um mehr als hundert Millionen Dollar betrogen haben. Dafür benutzte er eine Marketingfirma mit Sitz in Florida. Sobald das Geld in den USA angekommen war, sahen es die Investoren nie wieder.
Im Dezember 2007 wurde gegen ihn in Mannheim und Hamburg ein Haftbefehl wegen Betrugs ausgestellt. Zu dieser Zeit soll E. in Florida gelebt haben. Auch Interpol suchte nach dem Deutschen. Im vergangenen Jahr hatten Ermittler Verdacht geschöpft, E. lebe in Nevada. Dort bekam er am 11. Februar 2011 auch wegen Fahrens in der falschen Spur und Trunkenheit am Steuer den Strafzettel, der letztlich zu seiner Festnahme führte.
Das FBI und die örtliche Polizei stellten am Freitag auch rund tausend Kunstwerke sicher, die E. in einer Lagerhalle in der Stadt Boulder, etwa 40 Kilometer östlich von Las Vegas, aufbewahrt hatte. Laut FBI könnten damit die mutmaßlichen Opfer von E. entschädigt werden. ICE-Chef John Morton sagte, die Festnahme von E. sei ein wichtiger Schritt, seinen Opfern Erleichterung und Gerechtigkeit zu verschaffen.
Nach Verhaftung Ulrich Englers: 1.000 Gemälde beschlagnahmt
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Nach der Verhaftung von Ulrich Engler 1.000 Gemälde beschlagnahmt
Nach der Verhaftung von Ulrich Engler 1.000 Gemälde beschlagnahmt
Fluchtpunkt USA Die Kunst des Untertauchens
Zitat
Dass die USA ein geeignetes Land sind, um als Krimineller unterzutauchen, hat sich noch nicht weit herumgesprochen. Fünf Jahre lang lebte der deutsche Anlagebetrüger Ulrich E. in den USA. Zum Verhängnis wurde ihm eine Alkoholkontrolle – jetzt soll er ausgeliefert werden.
Auf der Flucht lässt es sich offenbar gut leben, wenn man es geschickt organisiert. Der Deutsche Ulrich E. war fünf Jahre lang in den USA untergetaucht. Dort soll er unter anderem eine beachtliche Kunstsammlung aufgebaut und unter mehreren falschen Namen munter weitergetrieben haben, weshalb ihn die deutsche Justiz mit internationalem Haftbefehl sucht. Es geht um Anlagebetrug. E. soll mit einem Schneeballsystem zwischen Juni 2003 und Dezember 2004 über 3500 Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz betrogen haben. Dafür benutzte er eine Marketingfirma mit Sitz in Florida. Sobald das Geld in den USA angekommen war, sahen es die Investoren nie wieder.
Wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Mannheim sagte, soll der ermittelte Schaden bei 37 Millionen Euro liegen. Vermutlich sei der wahre Schaden aber sehr viel höher. In anderen Berichten wird der Schaden auf bis zu 80 Millionen Euro geschätzt.
Zum Verhängnis wurde dem Mann, dass er in Las Vegas in eine Verkehrskontrolle geriet und wegen Alkohol am Steuer Fingerabdrücke abgeben musste. Als das inzwischen eingeschaltete FBI mit der lokalen Polizei seine Lagerhäuser in Boulder City, 40 Kilometer östlich von Las Vegas, durchsuchte, stießen die Fahnder auf mehr als tausend Kunstwerke. Was es damit auf sich hat, wie er zu den Kunstwerken kam und ob er damit handelte, ist unklar. Auf amerikanischen Pressefotos von der Beschlagnahme war unter anderem ein Werk von Kandinsky zu sehen. Es könnte sein, dass er Kunstliebhaber ist, andererseits ist Kunst ein gutes Vehikel, um Geld zu waschen.
Fahnder aus Baden-Württemberg stehen bereit, den Mann im Falle einer Auslieferung nach Deutschland zu überführen, heißt es bei der Staatsanwaltschaft Mannheim. Die US-Behörden ließen nach Zeitungsberichten verlauten, dass er ausgeliefert werde. In den USA werden ihm Verstöße gegen die Einwanderungsbestimmungen vorgeworfen.
Dass die USA ein geeignetes Land sind, um als Krimineller unterzutauchen, hat sich noch nicht weit herumgesprochen. Offenbar arbeiten die Behörden dort nicht sehr effektiv. Die Fingerabdrücke waren ihm schon im Februar 2011 abgenommen worden. Sie wurden aber offenkundig nicht sofort mit internationalen Fahndungsdaten abgeglichen, jedenfalls dauerte es fast eineinhalb Jahre, bis er jetzt verhaftet wurde. Der internationale Haftbefehl datiert von 2007.
Offenbar vertraute er auf sein Glück. Spätestens als er seine Fingerabdrücke abgeben musste, hätte er erneut abtauchen müssen, weil klar war, dass er irgendwann gefasst wird.
Der 51-Jährige soll wie vorher in Europa auch in Nevada offensiv ein Schneeballsystem betrieben haben und Anleger um ihr Geld gebracht haben. Genaue Einzelheiten über sein Schneeballsystem wurden nicht mitgeteilt. Laut Staatsanwaltschaft Mannheim soll er Anlegern lukrative Aktiengeschäfte an der Wall Street vorgespiegelt haben. Über ein System von Vermittlern wurden Anleger geködert, die bereitwillig ihr Geld überwiesen. Laut Staatsanwaltschaft sind 1295 Geschädigte bekannt. Vermutlich aber sind es viel mehr. Anleger, die unversteuertes Geld vor dem Finanzamt ins Ausland in Sicherheit bringen wollten, melden sich ungerne bei der Polizei.
Die beschlagnahmten Kunstwerke könnten dazu verwendet werden, geprellte Anleger zu entschädigen. Da Kunst in den vergangenen Jahren an Wert gewonnen hat, könnte vielleicht ein beachtlicher Profit dabei herauskommen. Der Kriminelle als guter Anleger – er hätte es komfortabler haben können.
Er versprach 72 Prozent Rendite, legte Tausende Anleger rein, Ermittler rechnen mit 500 Mio. Euro Schaden.
Am Wochenende musste Ulrich Engler (52,Spitzname Richie) nach jahrelanger Flucht vor einen deutschen Haftrichter treten!
Der Sohn eines Straßenbauarbeiters, der nie bei einer Bank gearbeitet hat, gab sich jahrelang als Investmentexperte aus, der mit einem Computerprogramm die Entwicklung von Aktien als Erster erkennen könne.
Allein in Deutschland vertrauten ihm rund 3500 Menschen Geld an, darunter Exboxer Axel Schulz.
Das Geld nutzte Engler für sein Luxusleben und um andere Anleger auszuzahlen. Ein Schneeballsystem! 2007 erging Haftbefehl, Ulrich Engler tauchte in den USA unter.
Anfang 2011 musste er nach einer Trunkenheitsfahrt einen Fingerabdruck abgeben, der die US-Behörden auf seine Spur führte.
Im Juli wurde er in Las Vegas festgenommen, das FBI beschlagnahmte bei ihm mehr als tausend wertvolle Kunstwerke, darunter ein Bild von Wassily Kandinsky.
Am Freitag wurde Deutschlands schlimmster Betrüger ausgeliefert, heute soll er zur U-Haft ins Gefängnis nach Mannheim überführt werden.
Über seinen Anwalt, den renommierten Mannheimer Strafrechtler Steffen Lindberg, erklärte Ulrich Engler: „Ich weiß, dass ich ganz unten angelangt bin. Doch ich bin froh, dass die Flucht ein Ende hat und ich wieder auf deutschem Boden bin.“ Verteidiger Lindberg zu BILD: „Mein Mandant ist bereit, die Verantwortung zu übernehmen und will mit den Behörden kooperieren.“
Ulrich Engler drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Foto: Jürgen Mahnke, U.S. Immigration and Customs Enforcement
Am Wochenende musste Ulrich Engler (52,Spitzname Richie) nach jahrelanger Flucht vor einen deutschen Haftrichter treten!
Der Sohn eines Straßenbauarbeiters, der nie bei einer Bank gearbeitet hat, gab sich jahrelang als Investmentexperte aus, der mit einem Computerprogramm die Entwicklung von Aktien als Erster erkennen könne.
Allein in Deutschland vertrauten ihm rund 3500 Menschen Geld an, darunter Exboxer Axel Schulz.
Das Geld nutzte Engler für sein Luxusleben und um andere Anleger auszuzahlen. Ein Schneeballsystem! 2007 erging Haftbefehl, Ulrich Engler tauchte in den USA unter.
Anfang 2011 musste er nach einer Trunkenheitsfahrt einen Fingerabdruck abgeben, der die US-Behörden auf seine Spur führte.
Im Juli wurde er in Las Vegas festgenommen, das FBI beschlagnahmte bei ihm mehr als tausend wertvolle Kunstwerke, darunter ein Bild von Wassily Kandinsky.
Am Freitag wurde Deutschlands schlimmster Betrüger ausgeliefert, heute soll er zur U-Haft ins Gefängnis nach Mannheim überführt werden.
Über seinen Anwalt, den renommierten Mannheimer Strafrechtler Steffen Lindberg, erklärte Ulrich Engler: „Ich weiß, dass ich ganz unten angelangt bin. Doch ich bin froh, dass die Flucht ein Ende hat und ich wieder auf deutschem Boden bin.“ Verteidiger Lindberg zu BILD: „Mein Mandant ist bereit, die Verantwortung zu übernehmen und will mit den Behörden kooperieren.“
Ulrich Engler drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Foto: Jürgen Mahnke, U.S. Immigration and Customs Enforcement
Die unglaubliche Geschichte eines Betrügers
Ulrich Engler ist der dreisteste Dieb Deutschlands: 500 Millionen Dollar zockte er in Rekordzeit bei 5.000 Anlegern ab. Was Engler, seine Helfer und seine Kunden einte: die Gier nach schnellem Reichtum. Eine Spurensuche
Der schwarze Koffer ist alles, was Ulrich Engler bleibt. Ein paar Jogginganzüge, ein paar T-Shirts, ein Dutzend loser Blätter. Dabei hatte Engler einmal Hunderte Millionen auf der Bank, Tausende Kunstwerke in einer Lagerhalle, Luxuskarossen vor seiner Villa. Jetzt dreht der Koffer einsam Runde um Runde auf dem Gepäckband. Denn die Beamten des Landeskriminalamts haben es eilig, legen ihm direkt am Gate Handschellen an, führen ihn durch die Flughafenhallen

Es ist Sonntag, der 19. August 2012, 13.50 Uhr in Frankfurt am Main. Zwei US-Marschalls haben Engler über den Atlantik gebracht. Condor Flug 7083 aus Las Vegas. Amerika hat Engler abgeschoben. Diesen groß gewachsenen Mann, dessen wichtigstes Kapital über Jahre hinweg sein Auftreten war. Die LKA-Ermittler führen Engler in einen Raum der Bundespolizei, grüne Polster unter Neonlicht. Seine blonden Haare sind rasiert bis auf den Schädel, statt Maßanzug trägt er Jeans und T-Shirt. Er kauert auf dem Stuhl wie ein kleiner Junge, den man beim Stehlen erwischt hat.
Drei Jahre lang glänzte Engler so hell, dass er um sich herum alle blendete. Er versprach seinen Anlegern Rendite ohne Risiko, gaukelte ihnen vor, er könne mit einem Computerprogramm die Märkte überlisten. Durch Day-Trading - Käufe und Verkäufe im Minutentakt - Gewinne von sechs Prozent erzielen. Nicht im Jahr, sondern im Monat. Verstehen konnte das niemand, aber mehr Geld, das wollten sie alle: Engler, seine Vermittler, die Kunden.
Vom Geld, das ihm die Menschen überwiesen, machte sich Engler ein schönes Leben. Leistete sich nur das Beste. Einen kleinen Teil zahlte er den Anlegern jeden Monat zurück - insgesamt nur 3,8 Millionen - als angeblichen Gewinn. Solange immer neue Kunden kamen, funktionierte das System. Die Anleger dachten, Engler sei ein Genie, folgten ihm, weil er vorlebte, was sie ersehnten: Reichtum, Status, Unbeschwertheit. Kein deutscher Anlagebetrüger war je so schnell beim Geld einsammeln wie Engler.
Auf 500 Millionen Dollar schätzen US-Wirtschaftsprüfer den Schaden. Deutsche Ermittler fanden bisher Belege für 180 Millionen Euro, die Engler bei Kunden eingesammelt hat. Drei Jahre, von Januar 2005 bis September 2007, brauchte er dazu. Ulrich Engler war der dreisteste Dieb Deutschlands.

Der pensionierte Ingenieur Lothar Ritter hat 600.000 Dollar an Engler verloren. Seinen richtigen Namen will er nicht in der Zeitung lesen - er schämt sich für seine Dummheit. „Die Gier hat mein Gehirn gefressen“, sagt der 74-Jährige heute. „Ich habe nicht verstanden, was Engler da macht, aber ich wollte das Geld. Ich wollte mehr.“ Ritter ist nur einer von über 5000 Anlegern, die Engler vertrauten. Dabei waren Englers Kunden oft besser gebildet als er, viele mit akademischen Titeln bestückt - vielleicht sogar klüger.
Warum fielen sie auf ihn rein? Vielleicht, weil Engler keiner dieser aalglatten Finanzhaie war. Nicht braun gegerbt, als läge er nur am Strand. Nicht durchtrainiert, sondern leicht untersetzt, die Hose immer einen Handbreit unter der Hüfte hängend. Seine Genialität lag darin, als Typ durchschnittlich zu sein. Aber vor allem kapierte Engler: Dass Intelligenz nicht vor Gier schützt. Englers Geschichte ist daher auch ein Spiegel unserer Gesellschaft, in der die meisten glauben: Wer mehr hat, ist mehr. Ein Sinnbild für den um sich greifenden Wahn, dass sich Geld aus dem Nichts schaffen und grenzenlos vermehren lässt. Durch Finanzgeschäfte, die selbst Experten nicht mehr durchschauen, aber bei denen trotzdem jeder mitmischen will.
Ulrich Felix Anton Engler wurde am 28. März 1961 Andelfingen geboren, einem Kaff auf der schwäbischen Alb. Sohn von Otto und Antonie, eines Straßenbauarbeiters und einer Hausfrau. Der Älteste von drei Geschwistern, der Junge mit der Rechtschreibschwäche, ein starker Rechtsaußen im SV Andelfingen. Einer, dem die anderen Jungs hinterherrannten, der sie zum Rauchen verführen konnte - oder dazu, es zu lassen. Groß, strohblond, quirlig. Und reden konnte er - reden
„Er sagte, wo's lang ging“, erzählt ein ehemaliger Nachbar. „Er erklärte uns die Welt, und wir folgten fasziniert.“ Und dennoch - Ulli, wie sie ihn zu Hause nennen, brachte ansonsten nicht viel zustande. Er machte einen durchschnittlichen Hauptschulabschluss, verpflichtete sich bei der Bundeswehr, wo er eine Ausbildung zum Bürokaufmann begann. Aber Engler befahl lieber, als Befehle zu empfangen. Nach zwei Jahren gab er ohne Abschluss auf. Er zog nach Ulm, verkaufte für die BHW Bausparverträge. Tingelte von Vertrieb zu Vertrieb.
Einer seiner Chefs war Gerhard Reeg. Dessen Firma verkaufte Pressedossiers an Unternehmen. Und keiner verkaufte mehr als Engler. „Wir hatten eine Vertriebstagung. Engler ging nach vorne. Er trug einen Zweireiher, aber nicht geschlossen, wie man das machte, sondern offen - betont lässig“, erinnert sich Reeg. Engler habe den anderen erzählt, wie gut er verkaufe, wie einfach das alles sei. Reeg: „Er war ein absoluter Selbstdarsteller.“
Engler waren die Honorare aus dem Vertrieb nicht genug. Er wollte mehr, wollte reich sein. Mit Partnern kaufte er ein Haus, verkaufte die einzelnen Wohnungen. Vom Erlös kaufte er einen BMW. 750i, der größte damals. Er fuhr in die Heimat und zu seinem alten Chef. „Engler parkte so, dass ich das Auto sah. Mitten ins Halteverbot“, sagt Reeg. „Er prahlte, er verdiene jetzt richtig viel Geld.“
Nehme Geld, biete Fantasie
Später habe er gehört, dass Englers Firma pleiteging. Es muss damals gewesen sein, Anfang der 90er-Jahre, als Engler klar wurde, dass sein Traum vom Reichtum für ihn mit ehrlicher Arbeit nicht zu schaffen war. Er begann eine Karriere als Krimineller. 1993 bekam er eine Bewährungsstrafe von drei Monaten wegen Kreditkartenbetrugs, zwei Jahre später 3600 Mark Geldstrafe aus dem gleichen Grund, 1996 linkte er 14 Menschen mit falschen Verträgen: zehn Monate auf Bewährung.
1997 setzte sich Engler in die USA ab. Er ließ sich in Florida nieder, meldete verschiedene Unternehmen an. Über Zeitungsanzeigen in Deutschland suchte er nach Komplizen. Er bot wenig Arbeit und großen Gewinn.
Ein Gerichtsurteil erzählt, wie Englers Abzocke damals lief: Engler mimte den erfolgreichen Geschäftsmann in Amerika, sein Komplize den deutschen Generalrepräsentanten. Sie verkauften wertlose Investments in Telefonzellen, Wandelanleihen bereits gelöschter Firmen und Porno-Webseiten. Engler dachte sich einen Fantasiestaat in der Karibik aus, fälschte sogar eine Banklizenz. Den selbst gedruckten Anteilschein an der „Dominion of Melchizedek“ verkaufte er für 146.890 Euro.
Das Geld steckte er einfach ein. Die Masche zog. Ende der 90er-Jahre herrschte Goldgräberstimmung in der Finanzwelt. Millionen Menschen investierten in Aktien, Anleihen, Beteiligungen. Jeder wollte dabei sein beim großen Roulettespiel. All-in. Egal worein, egal an wen. Noch einmal erhöhte der Berufsbetrüger Engler den Einsatz. Ende 2004 kaufte er ein Computerprogramm, mit dem sich Aktien handeln ließen. Vielleicht wollte er es anfangs wirklich benutzen - aber dazu kam es nie.
Wieder schaltete Engler Zeitungsanzeigen in Deutschland, wieder suchte er nach Vermittlern, die seine Botschaft unter die Menschen brachten: „Day-Trading. Sechs Prozent Rendite pro Monat.“ Johannes Huber antwortete auf Englers Annonce. Rein aus Interesse, wie er heute sagt: „Engler rief mich damals, im Herbst 2004, jeden Tag an. Er erzählte mir vom Day-Trading und von sich. Ich fand das alles spannend.“
Engler redete wieder. Er hatte sich einen neuen Lebenslauf verpasst - einen, der zu seinem jetzigen Auftritt passte: Er sei im Schwäbischen aufgewachsen, mit 18 Jahren nach Amerika abgehauen, samt Freundin. Jahrelang habe er sich mit Hilfsarbeiten durchgeschlagen: Autos poliert, Rasen gemäht, Teller gewaschen. Über einen Kontakt sei er zur Chase Manhattan Bank gekommen. An seinem ersten Arbeitstag habe er vor dem Bankturm gestanden, habe die Hand seiner Freundin gedrückt und gesagt: „Heute fange ich im vierten Stock an, aber irgendwann will ich ganz oben arbeiten.“
Immer weiter sei er aufgestiegen, bis er schließlich zehn Jahre lang als Chefhändler für das internationale Derivategeschäft und die Bankanleihen verantwortlich gewesen sei. Nach 21 Jahren habe er die Bank verlassen. Es war die Geschichte vom amerikanischen Traum. Seine Vermittler sogen Englers Legende auf und spuckten sie bei den Kunden wieder aus. Alle wollten sie reich werden. Engler, die Vermittler, die Kunden. Und Engler fütterte ihre Wünsche mit seiner Fantasie.
Er war jetzt Ulrich Engler der Börsenspezialist, das Finanzgenie, der Reichmacher. Liest man sich heute die Tausenden Seiten Akten durch, die Englers Fall bei Anwälten, Insolvenzverwaltern, dem LKA und der Staatsanwaltschaft angehäuft hat, stellt sich unweigerlich die Frage, wie so etwas sein kann. Wie konnte Engler so viele Menschen reinlegen? Wieso glaubten so viele seine Mär von sechs Prozent Gewinn im Monat?
„Englers Plan war simpel - er hatte kaum Fehler“, sagt Andreas Warkentin, Kapitalrechtsexperte der Frankfurter Anwaltskanzlei Winheller, die Hunderte geschädigte Anleger vertritt. „Die Broschüren waren überzeugend, sein Auftritt war überzeugend, und das Geld, das er Anlegern monatlich ausbezahlte, war es erst recht.“ Seine Firma nannte Engler PCO - Private Commercial Office. Ein allgegenwärtiger Name in Florida, da Makler damit zu vermietenden Büroraum anpriesen.
Engler richtete sich ein Konto bei der Suntrust Bank ein, einer amerikanischen Privatkundenbank. Nichts an seinem System war auffällig. Engler warb seine ersten Kunden durch Anzeigen im Handelsblatt, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der „Welt“. Besuche waren kaum nötig. 72 Prozent Gewinn pro Jahr knipsten den Kunden ihren Verstand aus. „Ich habe nur die Anzeigen geschaltet“, sagt Englers Ur-Vermittler Huber heute. „Hätt' ich gewusst, dass alles ein Betrug ist, wäre ich nie eingestiegen.“
Engler fand weitere Vermittler. Immer mehr Kunden kamen jetzt, und von deren frischem Geld bezahlte Engler die Zinsen der bestehenden Kunden. Im März 2005 floss das erste Geld. Das Schneeballsystem Engler kam ins Rollen.
Huber wird heute von den Ermittlern des Landeskriminalamts als Europa-Chef im System Engler geführt. Neben ihm sind noch drei weitere Topvermittler wegen Betrugs angeklagt: Roland J. Renner aus Bruchsal, Gabriele Balsiger aus der Schweiz, Wilhelm Huber aus Wangen im Allgäu. Engler nannte sie die „Fantastic Four“ - die Fantastischen Vier. Keiner außer Huber wollte mit dem Handelsblatt sprechen, einige drohten sogar mit rechtlichen Schritten, sollten sie im Zusammenhang mit Engler genannt werden. Aber Rechnungen und Passagierlisten beweisen, dass Engler im Oktober 2006 sogar einen Lear-Jet mietete, um seine Fantastic Four nach Las Vegas zu fliegen: Spielen, Schlemmen und Schlafen - alles auf Englers Kosten.
Unter den Fantastic Four arbeitete ein Heer von Vermittlern - am Ende mehr als 120. Darunter Karola und Jürgen Kuprath. Über 1000 Kunden hatten allein die beiden mit ihren Helfershelfern für Engler geworben. Sie waren seine besten Botschafter. „Wir waren 2006 sogar in Florida, haben Engler getroffen und alles überprüft“, sagen die Kupraths. „Ob es das Bankkonto gibt, ob die Notarin existiert. Und er hat uns gezeigt, was er am Vortag gehandelt hat, damit wir verstehen, wie das Day-Trading funktioniert.“
Haben Sie es verstanden? „Ja“, sagt Jürgen Kuprath, ehemaliges Vorstandsmitglied der LBS Bausparkasse, über 30 Jahre im Immobiliengeschäft. „Engler hat mir erklärt, dass er vorbörslich handelt, Aktien kauft, bevor die Börse aufmacht. Dass er beim ersten Kursanstieg verkauft, auch wenn die Aktie weiter steigt. Eine konservative Trading-Strategie nannte er das.“ Und Sie haben das alles kapiert? „Ich war ja selbst lange Zeit im Bankgeschäft“, sagt Jürgen Kuprath. „Ich dachte, wenn es über eine Bank läuft, ist das Geschäft sauber. Ich habe ja das Konto mit den Namen und Kontoständen der Anleger gesehen.“
„Engler wirkte immer so vertrauenswürdig“, sagt Karola Kuprath. „Aus heutiger Sicht ist es einfach zu sagen, man hätte es wissen müssen“, sagt Jürgen Kuprath. „Wie denn?“ Keiner der Vermittler verstand so richtig, was Engler ihnen erzählte. Seine Sätze klangen schlüssig, aber die Vermittler waren ja keine Börsenexperten. Und trotzdem wiederholten sie bei den Kunden Englers Worte wie gleichgeschaltete Papageien, plapperten seine Lügen nach. Und warum sollten die Vermittler nachhaken? Warum sollten sie kaputt machen, woran sie alle so gut verdienten? Warum sollten sie sich fragen, wie ein System jeden Monat sechs Prozent Gewinn für die Kunden abwerfen konnte, üppige Provisionen für die Vermittler und Luxuskarossen für Engler?
Ab Ende 2006 flossen allein bei den Kupraths Provisionen aufs Konto so hoch, dass die Gedanken stillstanden. Erst 30.000, dann 50.000, irgendwann 8. 000 Dollar im Monat. 80.000 gute Gründe für Englers Ehrlichkeit. Wer Engler in Florida besuchte, den führte er in die besten Restaurants. Ins Roy's, wo man ihn zur Begrüßung umarmte. Er ließ die Namen seiner Gäste mit Schokolade auf Teller schreiben, ließ Garnelen und Champagner servieren. Er führte seine Vertrauten durch seine Villa - über den Marmorboden, am Pool entlang zur Garage, wo der Bentley stand und manchmal ein Rolls Royce.
Im November 2006 ließ der Multimillionär seine 60 besten Vermittler nach Florida einfliegen. Es erwarteten sie drei Tage Show nach Engler'scher Art: Schlafen im besten Hotel, Abendessen für Tausende Dollar und ein Geschenk im einzigen Format, das Engler noch kannte: XXL. Den besten Vertretern spendierte er einen Mercedes S600, das protzigste Modell. Die Gegenleistung der Vermittler: totale Unterwerfung.
Als einer von ihnen bei Englers Vortrag auf die Toilette wollte, raunzte der ihn zurecht: Er solle es sich gefälligst verkneifen. Engler stand jetzt im Mittelpunkt. Er führte seine angeblichen Trading-Ergebnisse vom Vortag vor. Tat, als sei er ein Mix aus Gordon Gekko und Warren Buffet. Der Einzige mit Verstand für den Markt. Zeigte Schaubilder und Kurskurven. Es gab nur einen Haken: Engler hatte gar nicht gehandelt. Genau genommen handelte er nie.
Richard Kühn, ein Finanzberater aus Kirchheim Teck, saß bei Englers Show im Saal. Er prägte sich alles genau ein. Wie Engler oben auf dem Podium stand. Ein Prediger im feinsten Zwirn. Wie er mit zum Himmel gereckten Händen seine Weisheiten ins Publikum feuerte, mit Superlativen um sich schmiss - und beim Erklären seiner fantastischen Geldmehrungsmaschine seltsam unkonkret blieb.
Heute sagt Kühn: „Nach drei Stunden war klar: Der Typ ist ein Blender.“ Zurück zu Hause schrieb Kühn an Engler, bat im Namen seiner Kunden um Nachweise: Englers Börsenzulassung, Zeugnisse der Chase Manhattan Bank. Kühn beschwerte sich, Engler hätte doch versprochen, „live“ zu traden. Damit alle sehen könnten, wie er das Geld im Minutentakt vermehrt. Stattdessen wieder nur die vermeintlichen Wundertaten vom Vortag.
Vier Tage später bekam Kühn Englers Antwort: die fristlose Kündigung. Engler zahlte ihn und seine Kunden aus - auf Euro und Cent genau. Betrachtet man es aus heutiger Sicht, sind Kühn und seine Kunden die einzigen Gewinner im System Engler. Die anderen waren das Zahlvieh. Ab April 2006 hatte Engler schon so viele Menschen reingelegt, dass er sein Schneeballsystem nicht mehr selbst verwalten konnte. Engler stellte eine deutsche Auswanderin ein. Sie nannte ihn Richie - Englers Wahlname, weil die Amerikaner Ulrich nicht aussprechen konnten.
Zwei Jahre später wurde sie vom LKA vernommen, als wichtige Zeugin. Ihr Credo: „Ich habe nur die Überweisungen gemacht und Englers Briefe aus dem Postfach geholt.“ Erst auf Nachfrage der Ermittler gestand sie, dass sie Englers Betrug eigenhändig das offizielle Siegel verlieh. Denn ein wichtiger Grund für viele Kunden, Engler zu vertrauen, war die sogenannte „Promisory Note“. Eine notarielle Urkunde, dass Engler die volle Haftung im Falle eines Verlusts übernehme.
Es war das All-inclusive-Sorglospaket für die Kunden. Auf der Urkunde prangte immer ein Notarstempel. Englers Gehilfin sagte dem LKA, ab Ende 2006 habe sie die Dokumente selbst gestempelt: „Richie hat mir den Stempel gegeben. Ich nahm an, für die Notarin waren es einfach zu viele Dokumente.“
Während Engler die Millionen einsammelte und seinen Betrug per Stempel als rechtschaffen deklarierte, stand die Finanzaufsicht Bafin daneben und schaute zu. Zwar bemängelte sie, dass Englers Geldsammeltrupp eine Lizenz für Dritteinlagengeschäfte bräuchte, aber Taten folgten nicht. Auch nicht, als die österreichischen Aufseher Ende 2006 vor Geschäften mit Engler warnten. Englers Schneeballsystem hatte jetzt zu viel Fahrt, um sich durch Kleinigkeiten stoppen zu lassen - Gerichtsurteile zum Beispiel.
2006 erließ das Landgericht Hamburg Haftbefehl gegen ihn, wegen früherer Betrügereien. Die Kunden aus Englers Vergangenheit standen vor dem Nichts, während ihm die neuen weiter die Tür einrannten. Ende 2006 reichte die JP Morgan Chase Klage gegen ihn ein - die US-Bank störte sich daran, dass Engler sich als ihr ehemaliger Chefhändler ausgab, obwohl er niemals für sie tätig war. Als sich die Klage im System Engler herumsprach, schrieb der Schneeball-Artist an seine Kunden: „Wenn die JP Morgan sich ihrer Sache doch so sicher wäre, dann würden diese nicht den Schadensfall auf 100.000 Dollar festlegen, sondern auf das 100-Fache. Auf 100.000 Dollar würde ich meinen Nachbarn verklagen, wenn sein Hund in meinen Garten pupsen würde.“

* Reuters
Das Erstaunlichste an diesem Brief: Er wirkte. 2007 floss mehr Geld auf Englers Konten als je zuvor. In manchem Monat über zwanzig Millionen Dollar. Jetzt, da sein Büro mit Geld der Kunden überquoll, suchte Engler nach einer Hintertür. Er begann mit den Vorbereitungen für seine Flucht. Engler muss gespürt haben, dass seine Stunde geschlagen hat. Schon seit Monaten überwachte das LKA Stuttgart mehrere seiner Vermittler, beschaffte mit verdeckten Fahndern Indizien. Während Engler sich um einen ungarischen Diplomatenpass bemühte, schlugen die Beamten in Deutschland zu.
Am 31. Juli 2007 durchsuchten sie zeitgleich die Büros und Häuser von einem Dutzend seiner Vermittler. Bevor Engler am 1. August 2007 das letzte Mal aus dem Büro ging, sagte er zu seiner Assistentin: „Meine Vergangenheit holt mich ein. Bald wirst du Antworten bekommen - wie alle anderen auch.“ Wochenlang saß sie allein im Büro in Cape Coral und beobachtete aus der Ferne das Chaos in Deutschland. Die Durchsuchungen sprachen sich bei den Kunden herum wie die Nachricht von einer ansteckenden Krankheit. Es herrschte Panik, alle wollten ihr Geld zurück. Die Fassade war nicht mehr zu halten. Am 22. September 2007 legte Englers Assistentin die Arbeit nieder und schloss das Büro.
Das Letzte, was sie von Engler sah, war der ungarische Diplomatenpass - Roland Renner, einer der Fantastic Four, hätte ihn nach Florida gebracht. Fünf Jahre war Engler auf der Flucht. Quer durch Arizona, Kalifornien, Nevada. Immer mit dabei: seine Partnerin Bianca B. Sie wechselten die Autos und die Städte. Mieteten sich mal hier und mal dort ein. Kaum noch traute sich Engler in teure Hotels, lieber versteckte er sich in möblierten Wohnungen. Er benutzte falsche Papiere, nannte sich Joseph Miller oder Joseph Walter. Engler hatte mehr Geld ergaunert, als er jemals ausgeben würde, doch er konnte den Luxus nicht mehr genießen. Den Champagner, den Hummer.
Alles, was Engler in seinem Namen gehörte, wurde von den Behörden konfisziert: seine Villa, seine Immobilien, sein Bentley. Englers Anwalt Steffen Lindberg sagt über die Jahre auf der Flucht: „Er sagt, es war keine schöne Zeit für ihn. Er fühlte sich ständig beobachtet, hatte ständig Angst, entdeckt zu werden.“ Am 11. Februar 2012 bemerkte die Highway Patrol in Nevada ein Fahrzeug, das Schlangenlinien fuhr. Sie hielten es an, nahmen den Fahrer mit aufs Revier. Der Mann, der sich als Joseph Miller auswies, musste seine Fingerkuppen auf einen Scanner legen und zwei Ampullen Blut abgeben. Dann ließen die Cops ihn wieder laufen.
Ein Opfer seiner Gier?
Wochenlang ratterten seine Fingerabdrücke durch Computerdatenbanken, bis es endlich einen Treffer gab: Der Betrunkene hieß nicht Joseph Miller, sondern Ulrich Engler. In Deutschland mehrfach per Haftbefehl gesucht. Die Beamten zogen ihr Netz schnell zu. Vier Monate später fanden sie Engler wieder. Ausgerechnet in Las Vegas. Zwölf US-Marshalls jagten ihn in ihren Autos über den Highway, drängten ihn ab. Mit gezogenen Pistolen rannten sie auf sein Auto zu, zogen Engler vom Sitz.
Während er in Handschellen mit dem Gesicht zum Boden auf dem Highway lag, fanden die Marshalls Hunderttausende von Dollar im Kofferraum und einen Schlüssel für eine Lagerhalle. Noch mehr Geld, Schmuck und Tausende von Gemälden hatte Engler dort gehortet, darunter ein Bild des russischen Expressionisten Wasily Kandinsky. Allein dies könnte mehr als eine Million Dollar wert sein.
Was bleibt von Engler? Vor allem Opfer. „Ich habe geweint“, sagt Lothar Ritter. Der Mann, der Engler 600.000 Dollar anvertraute, hat seinen Lebenstraum verloren. Ein Segelboot wollte er sich kaufen - hatte Jahrzehnte dafür gespart. Seine Frau sagt: „Er hat durch Engler den Spaß am Leben verloren.“ Ritter sagt, durch Engler habe er auch etwas gelernt: „Es ist egal, ob ich 600.000 Dollar habe, 800.000 oder eine Million. Ich kann es nicht fressen.“
Der ehemalige Staatsanwalt und heutige Wirtschaftsstrafrechtler Volker Hoffmann hat viele Schneeballsysteme erlebt. Sein Eindruck: Wer kriminell werden will, ist mit dieser Masche gut beraten. Es ist keine Gewalt nötig, die Opfer bringen ihr Geld fast von selbst. Dadurch haben die Betrüger oft Jahre Zeit, ihren Ausstieg zu planen. Hoffmann: „Der tatsächlich entstandene Verlust wird bei einem Schneeballsystem typischerweise bis zum Zusammenbruch verschleiert.“
Ulrich Engler ist zurück in Deutschland. Auf dem Boden der Realität aufgeschlagen, nach einem schier unglaublichen Höhenflug. Sein Koffer wird von der Bundespolizei in die JVA Mannheim gebracht. Ein Dutzend Blätter mit Belegen für die Polizei sind darin, Jogginganzüge, und sein Kulturbeutel. Mehr ist ihm nicht geblieben. „Ich bin froh, dass es vorbei ist“, sagt Engler noch am Flughafen zu seinem Anwalt Steffen Lindberg. „Endlich bin ich wieder in Deutschland.“
Aber hier wartet auch nichts Gutes auf ihn. 1295 Fälle hat sich die Staatsanwaltschaft exemplarisch herausgegriffen, für die sie jahrelang Beweise gesammelt hat. Die Anklage gegen Engler wird lauten: Schwerer bandenmäßiger Betrug. 15 Jahre könnte er dafür hinter Gitter kommen. Engler ist voll geständig. Die Abende verbringt er in seiner Zelle im Mannheimer Knast, macht sich Notizen aus 19 Jahren Lug und Trug. Tagsüber sitzt er beim LKA. Es sind lange, zähe Verhöre. Und Engler redet wieder. Über ein halbes Leben als Betrüger.
Es ist vielleicht seine letzte Geschichte. Die von einem der größten Finanzverbrechen Deutschlands. 5000 Anleger, 500 Millionen Dollar Schaden. Und auf die Frage, wie das alles kommen konnte, warum er all diesen Menschen so viel Leid zugefügt hat, kommt diese Antwort: „Herr Engler ist damals von seinem Erfolg überrollt worden, und irgendwann war es zu spät, um auszusteigen“, sagt sein Anwalt.
So sieht Engler sein Ende. Nach all den Versprechungen, die er machte, all dem Luxus, in dem er lebte. Jetzt, in seiner Gefängniszelle, will Engler nicht mehr sein als seine Kunden, seine Komplizen: ein Opfer seiner eigenen Gier.
Der schwarze Koffer ist alles, was Ulrich Engler bleibt. Ein paar Jogginganzüge, ein paar T-Shirts, ein Dutzend loser Blätter. Dabei hatte Engler einmal Hunderte Millionen auf der Bank, Tausende Kunstwerke in einer Lagerhalle, Luxuskarossen vor seiner Villa. Jetzt dreht der Koffer einsam Runde um Runde auf dem Gepäckband. Denn die Beamten des Landeskriminalamts haben es eilig, legen ihm direkt am Gate Handschellen an, führen ihn durch die Flughafenhallen

Es ist Sonntag, der 19. August 2012, 13.50 Uhr in Frankfurt am Main. Zwei US-Marschalls haben Engler über den Atlantik gebracht. Condor Flug 7083 aus Las Vegas. Amerika hat Engler abgeschoben. Diesen groß gewachsenen Mann, dessen wichtigstes Kapital über Jahre hinweg sein Auftreten war. Die LKA-Ermittler führen Engler in einen Raum der Bundespolizei, grüne Polster unter Neonlicht. Seine blonden Haare sind rasiert bis auf den Schädel, statt Maßanzug trägt er Jeans und T-Shirt. Er kauert auf dem Stuhl wie ein kleiner Junge, den man beim Stehlen erwischt hat.
Drei Jahre lang glänzte Engler so hell, dass er um sich herum alle blendete. Er versprach seinen Anlegern Rendite ohne Risiko, gaukelte ihnen vor, er könne mit einem Computerprogramm die Märkte überlisten. Durch Day-Trading - Käufe und Verkäufe im Minutentakt - Gewinne von sechs Prozent erzielen. Nicht im Jahr, sondern im Monat. Verstehen konnte das niemand, aber mehr Geld, das wollten sie alle: Engler, seine Vermittler, die Kunden.
Vom Geld, das ihm die Menschen überwiesen, machte sich Engler ein schönes Leben. Leistete sich nur das Beste. Einen kleinen Teil zahlte er den Anlegern jeden Monat zurück - insgesamt nur 3,8 Millionen - als angeblichen Gewinn. Solange immer neue Kunden kamen, funktionierte das System. Die Anleger dachten, Engler sei ein Genie, folgten ihm, weil er vorlebte, was sie ersehnten: Reichtum, Status, Unbeschwertheit. Kein deutscher Anlagebetrüger war je so schnell beim Geld einsammeln wie Engler.
Auf 500 Millionen Dollar schätzen US-Wirtschaftsprüfer den Schaden. Deutsche Ermittler fanden bisher Belege für 180 Millionen Euro, die Engler bei Kunden eingesammelt hat. Drei Jahre, von Januar 2005 bis September 2007, brauchte er dazu. Ulrich Engler war der dreisteste Dieb Deutschlands.

Der pensionierte Ingenieur Lothar Ritter hat 600.000 Dollar an Engler verloren. Seinen richtigen Namen will er nicht in der Zeitung lesen - er schämt sich für seine Dummheit. „Die Gier hat mein Gehirn gefressen“, sagt der 74-Jährige heute. „Ich habe nicht verstanden, was Engler da macht, aber ich wollte das Geld. Ich wollte mehr.“ Ritter ist nur einer von über 5000 Anlegern, die Engler vertrauten. Dabei waren Englers Kunden oft besser gebildet als er, viele mit akademischen Titeln bestückt - vielleicht sogar klüger.
Warum fielen sie auf ihn rein? Vielleicht, weil Engler keiner dieser aalglatten Finanzhaie war. Nicht braun gegerbt, als läge er nur am Strand. Nicht durchtrainiert, sondern leicht untersetzt, die Hose immer einen Handbreit unter der Hüfte hängend. Seine Genialität lag darin, als Typ durchschnittlich zu sein. Aber vor allem kapierte Engler: Dass Intelligenz nicht vor Gier schützt. Englers Geschichte ist daher auch ein Spiegel unserer Gesellschaft, in der die meisten glauben: Wer mehr hat, ist mehr. Ein Sinnbild für den um sich greifenden Wahn, dass sich Geld aus dem Nichts schaffen und grenzenlos vermehren lässt. Durch Finanzgeschäfte, die selbst Experten nicht mehr durchschauen, aber bei denen trotzdem jeder mitmischen will.
Ulrich Felix Anton Engler wurde am 28. März 1961 Andelfingen geboren, einem Kaff auf der schwäbischen Alb. Sohn von Otto und Antonie, eines Straßenbauarbeiters und einer Hausfrau. Der Älteste von drei Geschwistern, der Junge mit der Rechtschreibschwäche, ein starker Rechtsaußen im SV Andelfingen. Einer, dem die anderen Jungs hinterherrannten, der sie zum Rauchen verführen konnte - oder dazu, es zu lassen. Groß, strohblond, quirlig. Und reden konnte er - reden
„Er sagte, wo's lang ging“, erzählt ein ehemaliger Nachbar. „Er erklärte uns die Welt, und wir folgten fasziniert.“ Und dennoch - Ulli, wie sie ihn zu Hause nennen, brachte ansonsten nicht viel zustande. Er machte einen durchschnittlichen Hauptschulabschluss, verpflichtete sich bei der Bundeswehr, wo er eine Ausbildung zum Bürokaufmann begann. Aber Engler befahl lieber, als Befehle zu empfangen. Nach zwei Jahren gab er ohne Abschluss auf. Er zog nach Ulm, verkaufte für die BHW Bausparverträge. Tingelte von Vertrieb zu Vertrieb.
Einer seiner Chefs war Gerhard Reeg. Dessen Firma verkaufte Pressedossiers an Unternehmen. Und keiner verkaufte mehr als Engler. „Wir hatten eine Vertriebstagung. Engler ging nach vorne. Er trug einen Zweireiher, aber nicht geschlossen, wie man das machte, sondern offen - betont lässig“, erinnert sich Reeg. Engler habe den anderen erzählt, wie gut er verkaufe, wie einfach das alles sei. Reeg: „Er war ein absoluter Selbstdarsteller.“
Engler waren die Honorare aus dem Vertrieb nicht genug. Er wollte mehr, wollte reich sein. Mit Partnern kaufte er ein Haus, verkaufte die einzelnen Wohnungen. Vom Erlös kaufte er einen BMW. 750i, der größte damals. Er fuhr in die Heimat und zu seinem alten Chef. „Engler parkte so, dass ich das Auto sah. Mitten ins Halteverbot“, sagt Reeg. „Er prahlte, er verdiene jetzt richtig viel Geld.“
Nehme Geld, biete Fantasie
Später habe er gehört, dass Englers Firma pleiteging. Es muss damals gewesen sein, Anfang der 90er-Jahre, als Engler klar wurde, dass sein Traum vom Reichtum für ihn mit ehrlicher Arbeit nicht zu schaffen war. Er begann eine Karriere als Krimineller. 1993 bekam er eine Bewährungsstrafe von drei Monaten wegen Kreditkartenbetrugs, zwei Jahre später 3600 Mark Geldstrafe aus dem gleichen Grund, 1996 linkte er 14 Menschen mit falschen Verträgen: zehn Monate auf Bewährung.
1997 setzte sich Engler in die USA ab. Er ließ sich in Florida nieder, meldete verschiedene Unternehmen an. Über Zeitungsanzeigen in Deutschland suchte er nach Komplizen. Er bot wenig Arbeit und großen Gewinn.
Ein Gerichtsurteil erzählt, wie Englers Abzocke damals lief: Engler mimte den erfolgreichen Geschäftsmann in Amerika, sein Komplize den deutschen Generalrepräsentanten. Sie verkauften wertlose Investments in Telefonzellen, Wandelanleihen bereits gelöschter Firmen und Porno-Webseiten. Engler dachte sich einen Fantasiestaat in der Karibik aus, fälschte sogar eine Banklizenz. Den selbst gedruckten Anteilschein an der „Dominion of Melchizedek“ verkaufte er für 146.890 Euro.
Das Geld steckte er einfach ein. Die Masche zog. Ende der 90er-Jahre herrschte Goldgräberstimmung in der Finanzwelt. Millionen Menschen investierten in Aktien, Anleihen, Beteiligungen. Jeder wollte dabei sein beim großen Roulettespiel. All-in. Egal worein, egal an wen. Noch einmal erhöhte der Berufsbetrüger Engler den Einsatz. Ende 2004 kaufte er ein Computerprogramm, mit dem sich Aktien handeln ließen. Vielleicht wollte er es anfangs wirklich benutzen - aber dazu kam es nie.
Wieder schaltete Engler Zeitungsanzeigen in Deutschland, wieder suchte er nach Vermittlern, die seine Botschaft unter die Menschen brachten: „Day-Trading. Sechs Prozent Rendite pro Monat.“ Johannes Huber antwortete auf Englers Annonce. Rein aus Interesse, wie er heute sagt: „Engler rief mich damals, im Herbst 2004, jeden Tag an. Er erzählte mir vom Day-Trading und von sich. Ich fand das alles spannend.“
Engler redete wieder. Er hatte sich einen neuen Lebenslauf verpasst - einen, der zu seinem jetzigen Auftritt passte: Er sei im Schwäbischen aufgewachsen, mit 18 Jahren nach Amerika abgehauen, samt Freundin. Jahrelang habe er sich mit Hilfsarbeiten durchgeschlagen: Autos poliert, Rasen gemäht, Teller gewaschen. Über einen Kontakt sei er zur Chase Manhattan Bank gekommen. An seinem ersten Arbeitstag habe er vor dem Bankturm gestanden, habe die Hand seiner Freundin gedrückt und gesagt: „Heute fange ich im vierten Stock an, aber irgendwann will ich ganz oben arbeiten.“
Immer weiter sei er aufgestiegen, bis er schließlich zehn Jahre lang als Chefhändler für das internationale Derivategeschäft und die Bankanleihen verantwortlich gewesen sei. Nach 21 Jahren habe er die Bank verlassen. Es war die Geschichte vom amerikanischen Traum. Seine Vermittler sogen Englers Legende auf und spuckten sie bei den Kunden wieder aus. Alle wollten sie reich werden. Engler, die Vermittler, die Kunden. Und Engler fütterte ihre Wünsche mit seiner Fantasie.
Er war jetzt Ulrich Engler der Börsenspezialist, das Finanzgenie, der Reichmacher. Liest man sich heute die Tausenden Seiten Akten durch, die Englers Fall bei Anwälten, Insolvenzverwaltern, dem LKA und der Staatsanwaltschaft angehäuft hat, stellt sich unweigerlich die Frage, wie so etwas sein kann. Wie konnte Engler so viele Menschen reinlegen? Wieso glaubten so viele seine Mär von sechs Prozent Gewinn im Monat?
„Englers Plan war simpel - er hatte kaum Fehler“, sagt Andreas Warkentin, Kapitalrechtsexperte der Frankfurter Anwaltskanzlei Winheller, die Hunderte geschädigte Anleger vertritt. „Die Broschüren waren überzeugend, sein Auftritt war überzeugend, und das Geld, das er Anlegern monatlich ausbezahlte, war es erst recht.“ Seine Firma nannte Engler PCO - Private Commercial Office. Ein allgegenwärtiger Name in Florida, da Makler damit zu vermietenden Büroraum anpriesen.
Engler richtete sich ein Konto bei der Suntrust Bank ein, einer amerikanischen Privatkundenbank. Nichts an seinem System war auffällig. Engler warb seine ersten Kunden durch Anzeigen im Handelsblatt, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und der „Welt“. Besuche waren kaum nötig. 72 Prozent Gewinn pro Jahr knipsten den Kunden ihren Verstand aus. „Ich habe nur die Anzeigen geschaltet“, sagt Englers Ur-Vermittler Huber heute. „Hätt' ich gewusst, dass alles ein Betrug ist, wäre ich nie eingestiegen.“
Engler fand weitere Vermittler. Immer mehr Kunden kamen jetzt, und von deren frischem Geld bezahlte Engler die Zinsen der bestehenden Kunden. Im März 2005 floss das erste Geld. Das Schneeballsystem Engler kam ins Rollen.
Huber wird heute von den Ermittlern des Landeskriminalamts als Europa-Chef im System Engler geführt. Neben ihm sind noch drei weitere Topvermittler wegen Betrugs angeklagt: Roland J. Renner aus Bruchsal, Gabriele Balsiger aus der Schweiz, Wilhelm Huber aus Wangen im Allgäu. Engler nannte sie die „Fantastic Four“ - die Fantastischen Vier. Keiner außer Huber wollte mit dem Handelsblatt sprechen, einige drohten sogar mit rechtlichen Schritten, sollten sie im Zusammenhang mit Engler genannt werden. Aber Rechnungen und Passagierlisten beweisen, dass Engler im Oktober 2006 sogar einen Lear-Jet mietete, um seine Fantastic Four nach Las Vegas zu fliegen: Spielen, Schlemmen und Schlafen - alles auf Englers Kosten.
Unter den Fantastic Four arbeitete ein Heer von Vermittlern - am Ende mehr als 120. Darunter Karola und Jürgen Kuprath. Über 1000 Kunden hatten allein die beiden mit ihren Helfershelfern für Engler geworben. Sie waren seine besten Botschafter. „Wir waren 2006 sogar in Florida, haben Engler getroffen und alles überprüft“, sagen die Kupraths. „Ob es das Bankkonto gibt, ob die Notarin existiert. Und er hat uns gezeigt, was er am Vortag gehandelt hat, damit wir verstehen, wie das Day-Trading funktioniert.“
Haben Sie es verstanden? „Ja“, sagt Jürgen Kuprath, ehemaliges Vorstandsmitglied der LBS Bausparkasse, über 30 Jahre im Immobiliengeschäft. „Engler hat mir erklärt, dass er vorbörslich handelt, Aktien kauft, bevor die Börse aufmacht. Dass er beim ersten Kursanstieg verkauft, auch wenn die Aktie weiter steigt. Eine konservative Trading-Strategie nannte er das.“ Und Sie haben das alles kapiert? „Ich war ja selbst lange Zeit im Bankgeschäft“, sagt Jürgen Kuprath. „Ich dachte, wenn es über eine Bank läuft, ist das Geschäft sauber. Ich habe ja das Konto mit den Namen und Kontoständen der Anleger gesehen.“
„Engler wirkte immer so vertrauenswürdig“, sagt Karola Kuprath. „Aus heutiger Sicht ist es einfach zu sagen, man hätte es wissen müssen“, sagt Jürgen Kuprath. „Wie denn?“ Keiner der Vermittler verstand so richtig, was Engler ihnen erzählte. Seine Sätze klangen schlüssig, aber die Vermittler waren ja keine Börsenexperten. Und trotzdem wiederholten sie bei den Kunden Englers Worte wie gleichgeschaltete Papageien, plapperten seine Lügen nach. Und warum sollten die Vermittler nachhaken? Warum sollten sie kaputt machen, woran sie alle so gut verdienten? Warum sollten sie sich fragen, wie ein System jeden Monat sechs Prozent Gewinn für die Kunden abwerfen konnte, üppige Provisionen für die Vermittler und Luxuskarossen für Engler?
Ab Ende 2006 flossen allein bei den Kupraths Provisionen aufs Konto so hoch, dass die Gedanken stillstanden. Erst 30.000, dann 50.000, irgendwann 8. 000 Dollar im Monat. 80.000 gute Gründe für Englers Ehrlichkeit. Wer Engler in Florida besuchte, den führte er in die besten Restaurants. Ins Roy's, wo man ihn zur Begrüßung umarmte. Er ließ die Namen seiner Gäste mit Schokolade auf Teller schreiben, ließ Garnelen und Champagner servieren. Er führte seine Vertrauten durch seine Villa - über den Marmorboden, am Pool entlang zur Garage, wo der Bentley stand und manchmal ein Rolls Royce.
Im November 2006 ließ der Multimillionär seine 60 besten Vermittler nach Florida einfliegen. Es erwarteten sie drei Tage Show nach Engler'scher Art: Schlafen im besten Hotel, Abendessen für Tausende Dollar und ein Geschenk im einzigen Format, das Engler noch kannte: XXL. Den besten Vertretern spendierte er einen Mercedes S600, das protzigste Modell. Die Gegenleistung der Vermittler: totale Unterwerfung.
Als einer von ihnen bei Englers Vortrag auf die Toilette wollte, raunzte der ihn zurecht: Er solle es sich gefälligst verkneifen. Engler stand jetzt im Mittelpunkt. Er führte seine angeblichen Trading-Ergebnisse vom Vortag vor. Tat, als sei er ein Mix aus Gordon Gekko und Warren Buffet. Der Einzige mit Verstand für den Markt. Zeigte Schaubilder und Kurskurven. Es gab nur einen Haken: Engler hatte gar nicht gehandelt. Genau genommen handelte er nie.
Richard Kühn, ein Finanzberater aus Kirchheim Teck, saß bei Englers Show im Saal. Er prägte sich alles genau ein. Wie Engler oben auf dem Podium stand. Ein Prediger im feinsten Zwirn. Wie er mit zum Himmel gereckten Händen seine Weisheiten ins Publikum feuerte, mit Superlativen um sich schmiss - und beim Erklären seiner fantastischen Geldmehrungsmaschine seltsam unkonkret blieb.
Heute sagt Kühn: „Nach drei Stunden war klar: Der Typ ist ein Blender.“ Zurück zu Hause schrieb Kühn an Engler, bat im Namen seiner Kunden um Nachweise: Englers Börsenzulassung, Zeugnisse der Chase Manhattan Bank. Kühn beschwerte sich, Engler hätte doch versprochen, „live“ zu traden. Damit alle sehen könnten, wie er das Geld im Minutentakt vermehrt. Stattdessen wieder nur die vermeintlichen Wundertaten vom Vortag.
Vier Tage später bekam Kühn Englers Antwort: die fristlose Kündigung. Engler zahlte ihn und seine Kunden aus - auf Euro und Cent genau. Betrachtet man es aus heutiger Sicht, sind Kühn und seine Kunden die einzigen Gewinner im System Engler. Die anderen waren das Zahlvieh. Ab April 2006 hatte Engler schon so viele Menschen reingelegt, dass er sein Schneeballsystem nicht mehr selbst verwalten konnte. Engler stellte eine deutsche Auswanderin ein. Sie nannte ihn Richie - Englers Wahlname, weil die Amerikaner Ulrich nicht aussprechen konnten.
Zwei Jahre später wurde sie vom LKA vernommen, als wichtige Zeugin. Ihr Credo: „Ich habe nur die Überweisungen gemacht und Englers Briefe aus dem Postfach geholt.“ Erst auf Nachfrage der Ermittler gestand sie, dass sie Englers Betrug eigenhändig das offizielle Siegel verlieh. Denn ein wichtiger Grund für viele Kunden, Engler zu vertrauen, war die sogenannte „Promisory Note“. Eine notarielle Urkunde, dass Engler die volle Haftung im Falle eines Verlusts übernehme.
Es war das All-inclusive-Sorglospaket für die Kunden. Auf der Urkunde prangte immer ein Notarstempel. Englers Gehilfin sagte dem LKA, ab Ende 2006 habe sie die Dokumente selbst gestempelt: „Richie hat mir den Stempel gegeben. Ich nahm an, für die Notarin waren es einfach zu viele Dokumente.“
Während Engler die Millionen einsammelte und seinen Betrug per Stempel als rechtschaffen deklarierte, stand die Finanzaufsicht Bafin daneben und schaute zu. Zwar bemängelte sie, dass Englers Geldsammeltrupp eine Lizenz für Dritteinlagengeschäfte bräuchte, aber Taten folgten nicht. Auch nicht, als die österreichischen Aufseher Ende 2006 vor Geschäften mit Engler warnten. Englers Schneeballsystem hatte jetzt zu viel Fahrt, um sich durch Kleinigkeiten stoppen zu lassen - Gerichtsurteile zum Beispiel.
2006 erließ das Landgericht Hamburg Haftbefehl gegen ihn, wegen früherer Betrügereien. Die Kunden aus Englers Vergangenheit standen vor dem Nichts, während ihm die neuen weiter die Tür einrannten. Ende 2006 reichte die JP Morgan Chase Klage gegen ihn ein - die US-Bank störte sich daran, dass Engler sich als ihr ehemaliger Chefhändler ausgab, obwohl er niemals für sie tätig war. Als sich die Klage im System Engler herumsprach, schrieb der Schneeball-Artist an seine Kunden: „Wenn die JP Morgan sich ihrer Sache doch so sicher wäre, dann würden diese nicht den Schadensfall auf 100.000 Dollar festlegen, sondern auf das 100-Fache. Auf 100.000 Dollar würde ich meinen Nachbarn verklagen, wenn sein Hund in meinen Garten pupsen würde.“

* Reuters
Das Erstaunlichste an diesem Brief: Er wirkte. 2007 floss mehr Geld auf Englers Konten als je zuvor. In manchem Monat über zwanzig Millionen Dollar. Jetzt, da sein Büro mit Geld der Kunden überquoll, suchte Engler nach einer Hintertür. Er begann mit den Vorbereitungen für seine Flucht. Engler muss gespürt haben, dass seine Stunde geschlagen hat. Schon seit Monaten überwachte das LKA Stuttgart mehrere seiner Vermittler, beschaffte mit verdeckten Fahndern Indizien. Während Engler sich um einen ungarischen Diplomatenpass bemühte, schlugen die Beamten in Deutschland zu.
Am 31. Juli 2007 durchsuchten sie zeitgleich die Büros und Häuser von einem Dutzend seiner Vermittler. Bevor Engler am 1. August 2007 das letzte Mal aus dem Büro ging, sagte er zu seiner Assistentin: „Meine Vergangenheit holt mich ein. Bald wirst du Antworten bekommen - wie alle anderen auch.“ Wochenlang saß sie allein im Büro in Cape Coral und beobachtete aus der Ferne das Chaos in Deutschland. Die Durchsuchungen sprachen sich bei den Kunden herum wie die Nachricht von einer ansteckenden Krankheit. Es herrschte Panik, alle wollten ihr Geld zurück. Die Fassade war nicht mehr zu halten. Am 22. September 2007 legte Englers Assistentin die Arbeit nieder und schloss das Büro.
Das Letzte, was sie von Engler sah, war der ungarische Diplomatenpass - Roland Renner, einer der Fantastic Four, hätte ihn nach Florida gebracht. Fünf Jahre war Engler auf der Flucht. Quer durch Arizona, Kalifornien, Nevada. Immer mit dabei: seine Partnerin Bianca B. Sie wechselten die Autos und die Städte. Mieteten sich mal hier und mal dort ein. Kaum noch traute sich Engler in teure Hotels, lieber versteckte er sich in möblierten Wohnungen. Er benutzte falsche Papiere, nannte sich Joseph Miller oder Joseph Walter. Engler hatte mehr Geld ergaunert, als er jemals ausgeben würde, doch er konnte den Luxus nicht mehr genießen. Den Champagner, den Hummer.
Alles, was Engler in seinem Namen gehörte, wurde von den Behörden konfisziert: seine Villa, seine Immobilien, sein Bentley. Englers Anwalt Steffen Lindberg sagt über die Jahre auf der Flucht: „Er sagt, es war keine schöne Zeit für ihn. Er fühlte sich ständig beobachtet, hatte ständig Angst, entdeckt zu werden.“ Am 11. Februar 2012 bemerkte die Highway Patrol in Nevada ein Fahrzeug, das Schlangenlinien fuhr. Sie hielten es an, nahmen den Fahrer mit aufs Revier. Der Mann, der sich als Joseph Miller auswies, musste seine Fingerkuppen auf einen Scanner legen und zwei Ampullen Blut abgeben. Dann ließen die Cops ihn wieder laufen.
Ein Opfer seiner Gier?
Wochenlang ratterten seine Fingerabdrücke durch Computerdatenbanken, bis es endlich einen Treffer gab: Der Betrunkene hieß nicht Joseph Miller, sondern Ulrich Engler. In Deutschland mehrfach per Haftbefehl gesucht. Die Beamten zogen ihr Netz schnell zu. Vier Monate später fanden sie Engler wieder. Ausgerechnet in Las Vegas. Zwölf US-Marshalls jagten ihn in ihren Autos über den Highway, drängten ihn ab. Mit gezogenen Pistolen rannten sie auf sein Auto zu, zogen Engler vom Sitz.
Während er in Handschellen mit dem Gesicht zum Boden auf dem Highway lag, fanden die Marshalls Hunderttausende von Dollar im Kofferraum und einen Schlüssel für eine Lagerhalle. Noch mehr Geld, Schmuck und Tausende von Gemälden hatte Engler dort gehortet, darunter ein Bild des russischen Expressionisten Wasily Kandinsky. Allein dies könnte mehr als eine Million Dollar wert sein.
Was bleibt von Engler? Vor allem Opfer. „Ich habe geweint“, sagt Lothar Ritter. Der Mann, der Engler 600.000 Dollar anvertraute, hat seinen Lebenstraum verloren. Ein Segelboot wollte er sich kaufen - hatte Jahrzehnte dafür gespart. Seine Frau sagt: „Er hat durch Engler den Spaß am Leben verloren.“ Ritter sagt, durch Engler habe er auch etwas gelernt: „Es ist egal, ob ich 600.000 Dollar habe, 800.000 oder eine Million. Ich kann es nicht fressen.“
Der ehemalige Staatsanwalt und heutige Wirtschaftsstrafrechtler Volker Hoffmann hat viele Schneeballsysteme erlebt. Sein Eindruck: Wer kriminell werden will, ist mit dieser Masche gut beraten. Es ist keine Gewalt nötig, die Opfer bringen ihr Geld fast von selbst. Dadurch haben die Betrüger oft Jahre Zeit, ihren Ausstieg zu planen. Hoffmann: „Der tatsächlich entstandene Verlust wird bei einem Schneeballsystem typischerweise bis zum Zusammenbruch verschleiert.“
Ulrich Engler ist zurück in Deutschland. Auf dem Boden der Realität aufgeschlagen, nach einem schier unglaublichen Höhenflug. Sein Koffer wird von der Bundespolizei in die JVA Mannheim gebracht. Ein Dutzend Blätter mit Belegen für die Polizei sind darin, Jogginganzüge, und sein Kulturbeutel. Mehr ist ihm nicht geblieben. „Ich bin froh, dass es vorbei ist“, sagt Engler noch am Flughafen zu seinem Anwalt Steffen Lindberg. „Endlich bin ich wieder in Deutschland.“
Aber hier wartet auch nichts Gutes auf ihn. 1295 Fälle hat sich die Staatsanwaltschaft exemplarisch herausgegriffen, für die sie jahrelang Beweise gesammelt hat. Die Anklage gegen Engler wird lauten: Schwerer bandenmäßiger Betrug. 15 Jahre könnte er dafür hinter Gitter kommen. Engler ist voll geständig. Die Abende verbringt er in seiner Zelle im Mannheimer Knast, macht sich Notizen aus 19 Jahren Lug und Trug. Tagsüber sitzt er beim LKA. Es sind lange, zähe Verhöre. Und Engler redet wieder. Über ein halbes Leben als Betrüger.
Es ist vielleicht seine letzte Geschichte. Die von einem der größten Finanzverbrechen Deutschlands. 5000 Anleger, 500 Millionen Dollar Schaden. Und auf die Frage, wie das alles kommen konnte, warum er all diesen Menschen so viel Leid zugefügt hat, kommt diese Antwort: „Herr Engler ist damals von seinem Erfolg überrollt worden, und irgendwann war es zu spät, um auszusteigen“, sagt sein Anwalt.
So sieht Engler sein Ende. Nach all den Versprechungen, die er machte, all dem Luxus, in dem er lebte. Jetzt, in seiner Gefängniszelle, will Engler nicht mehr sein als seine Kunden, seine Komplizen: ein Opfer seiner eigenen Gier.
500 Millionen Euro Schaden! 1300 Zeugen!
Jetzt erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Ulrich Engler (51, Spitzname „Richie“).
BILD ERFUHR EXKLUSIV DETAILS DER MAMMUT-ANKLAGE!
Der renommierte Strafrechtler und Verteidiger Steffen Lindberg (35): „Es ist eines der größten Wirtschaftsstrafverfahren der Nachkriegszeit. Es wurden knapp 1300 Zeugen bundesweit benannt, die Ermittlungsakten füllen mehr als 50 Leitzordner.“
Rückblick: Der Sohn eines Straßenbauers, der nie bei einer Bank gearbeitet hat, gab sich jahrelang als Investmentexperte aus, der mit Computerprogrammen die Entwicklung von Aktien als Erster erkennen könne.
Allein in Deutschland vertrauten ihm rund 3500 Menschen Geld an, darunter Ex-Boxer Axel Schulz. Das Geld neuer Anleger nutzte Engler für sein Luxusleben und um andere Anleger auszuzahlen. Ein Schneeballsystem!
2007 erging Haftbefehl, Engler tauchte in den USA unter. Anfang 2011 wurden ihm bei einer Trunkenheitsfahrt Fingerabdrücke abgenommen. Diese Spur führte letztlich zu seiner Festnahme im Juli 2012. Seit August sitzt er in Mannheim in der JVA in U-Haft.
Verteidiger Lindberg prognostiziert ein Megaverfahren: „Vermutlich kann der Prozess durch die Anzahl der Geschädigten und des Aktenumfangs jahrelang dauern und für den Steuerzahler enorm teuer werden.“
Auftakt des Mammut-Prozesses vorm Mannheimer Landgericht: vermutlich schon im Januar 2013.
Jetzt erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen Ulrich Engler (51, Spitzname „Richie“).
BILD ERFUHR EXKLUSIV DETAILS DER MAMMUT-ANKLAGE!
Der renommierte Strafrechtler und Verteidiger Steffen Lindberg (35): „Es ist eines der größten Wirtschaftsstrafverfahren der Nachkriegszeit. Es wurden knapp 1300 Zeugen bundesweit benannt, die Ermittlungsakten füllen mehr als 50 Leitzordner.“
Rückblick: Der Sohn eines Straßenbauers, der nie bei einer Bank gearbeitet hat, gab sich jahrelang als Investmentexperte aus, der mit Computerprogrammen die Entwicklung von Aktien als Erster erkennen könne.
Allein in Deutschland vertrauten ihm rund 3500 Menschen Geld an, darunter Ex-Boxer Axel Schulz. Das Geld neuer Anleger nutzte Engler für sein Luxusleben und um andere Anleger auszuzahlen. Ein Schneeballsystem!
2007 erging Haftbefehl, Engler tauchte in den USA unter. Anfang 2011 wurden ihm bei einer Trunkenheitsfahrt Fingerabdrücke abgenommen. Diese Spur führte letztlich zu seiner Festnahme im Juli 2012. Seit August sitzt er in Mannheim in der JVA in U-Haft.
Verteidiger Lindberg prognostiziert ein Megaverfahren: „Vermutlich kann der Prozess durch die Anzahl der Geschädigten und des Aktenumfangs jahrelang dauern und für den Steuerzahler enorm teuer werden.“
Auftakt des Mammut-Prozesses vorm Mannheimer Landgericht: vermutlich schon im Januar 2013.
Betrüger Ulrich Engler kann mit Milde rechnen
München. Ulrich Engler, einer der gerissensten deutschen Betrüger, der ab 15. Januar in Mannheim vor Gericht steht, wird voraussichtlich glimpflich davon kommen. Wie das Nachrichtenmagazin FOCUS berichtet, kam lediglich ein Teil der Taten zur Anklage. Zudem sind für die zehn Verhandlungstage nur einige der vielen hundert Zeugen geladen. Englers Anwalt Steffen Lindberg kündigte ein umfängliches Geständnis an und meinte: „Auch deshalb ist davon auszugehen, dass die Richter ihm beim Strafmaß entgegen kommen und nicht die Höchststrafe von 15 Jahren verhängen werden.“
Der frühere Staubsaugervertreter Engler soll 1300 Anleger in drei Jahren um 37 Millionen Dollar betrogen haben. Er hatte mit außerbörslichem Wertpapierhandel Renditen bis zu 72 Prozent versprochen. Die wenigsten seiner Kunden, darunter auch Prominente wie Ex-Boxer Axel Schulz, erhielten die Ausschüttungen.
...
FOCUS 02/2013: Betrüger Ulrich Engler kann mit Milde rechnen - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/magazin/kurzfassunge…aid_892431.html
Der frühere Staubsaugervertreter Engler soll 1300 Anleger in drei Jahren um 37 Millionen Dollar betrogen haben. Er hatte mit außerbörslichem Wertpapierhandel Renditen bis zu 72 Prozent versprochen. Die wenigsten seiner Kunden, darunter auch Prominente wie Ex-Boxer Axel Schulz, erhielten die Ausschüttungen.
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FOCUS 02/2013: Betrüger Ulrich Engler kann mit Milde rechnen - weiter lesen auf FOCUS Online: http://www.focus.de/magazin/kurzfassunge…aid_892431.html
Einer der spektakulärsten Fälle von Anlagebetrug in den vergangenen Jahren wird von kommender Woche an vor dem Landgericht Mannheim verhandelt. Ein 51 Jahre alter Deutscher soll von den USA aus Anleger um einen dreistelligen Millionen-Betrag geprellt haben. Das Verfahren vor dem Landgericht beschränkt sich auf einen Teil der Taten: Es geht um knapp 1300 Anleger, die der Mann um mehr als 37 Millionen US-Dollar (28,4 Millionen Euro) betrogen haben soll. Der Prozess beginnt am Dienstag kommender Woche (15.1.), wie ein Gerichtssprecher am Montag bestätigte.
Der 51 Jahre alte Mann stammt aus dem Landkreis Biberach. Sein Anwalt hat laut Magazin „Focus“ ein Geständnis seines Mandanten angekündigt. Der Angeklagte soll zwischen Ende 2004 und September 2007 mit überzogenen Rendite-Versprechen Millionen bei Anlegern eingesammelt haben. Statt das Geld zu investieren, soll der 51 Jahre alte Mann es unter anderem für eigene Zwecke und für die Aufrechterhaltung eines sogenannten Schneeballsystems verwendet haben, das heißt: Mit frischem Geld von Anlegern sollen Ansprüche anderer Anleger bedient worden sein.
Bis zum Sommer 2007 führte der Mann nach Behördenangaben ein Luxusleben in Florida, dann tauchte er unter. Es wurde mit einem internationalen Haftbefehl nach ihm gesucht. Im Juli 2012 konnte er schließlich in Las Vegas in den USA gefasst werden, es folgte die Abschiebung nach Deutschland. Für den Prozess sind vorerst zehn Verhandlungstage vorgesehen.
Der 51 Jahre alte Mann stammt aus dem Landkreis Biberach. Sein Anwalt hat laut Magazin „Focus“ ein Geständnis seines Mandanten angekündigt. Der Angeklagte soll zwischen Ende 2004 und September 2007 mit überzogenen Rendite-Versprechen Millionen bei Anlegern eingesammelt haben. Statt das Geld zu investieren, soll der 51 Jahre alte Mann es unter anderem für eigene Zwecke und für die Aufrechterhaltung eines sogenannten Schneeballsystems verwendet haben, das heißt: Mit frischem Geld von Anlegern sollen Ansprüche anderer Anleger bedient worden sein.
Bis zum Sommer 2007 führte der Mann nach Behördenangaben ein Luxusleben in Florida, dann tauchte er unter. Es wurde mit einem internationalen Haftbefehl nach ihm gesucht. Im Juli 2012 konnte er schließlich in Las Vegas in den USA gefasst werden, es folgte die Abschiebung nach Deutschland. Für den Prozess sind vorerst zehn Verhandlungstage vorgesehen.
Weitere Anklage gegen vier Vermittler wegen Anlagebetruges - Prozessbeginn gegen Initiator
Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat gegen weitere vier Vermittler von Kapitalanlagen („Day Trading - Aktienhandel mit System“) wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs in mehreren hundert Fällen sowie der unerlaubten Erbringung von Finanzdienstleistungen Anklage zur Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Mannheim erhoben.
Die Angeschuldigten sollen zwischen Ende 2004 und Mitte 2007 selbst bzw. über Untervermittler die Kapitalanlage eines in Florida/USA ansässig gewesenen deutschen Staatsangehörigen vertrieben und mehrere hundert Kapitalanleger im Rahmen eines Schneeballsystems um mehr als 7 Mio. US-$ betrügerisch geschädigt haben. Versprochen sollen garantierte Renditen von monatlich 2,5 und 6 % gewesen sein.
Damit steigt die Anzahl der angeklagten Vermittler der Kapitalanlage auf 12, nachdem bereits im Januar 2012 und Juni 2012 gegen jeweils vier Personen Anklage zum Landgericht Mannheim erhoben wurde. Gegen zwei Vermittler dauert das Ermittlungsverfahren noch an. Der aus den USA abgeschobene Hauptbeschuldigte wurde im Oktober 2012 angeklagt. Er befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Dessen Prozess vor dem Landgericht Mannheim soll am 15.01.2013 beginnen.
Pressemitteilungen der Staatsanwaltschaft
Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat gegen weitere vier Vermittler von Kapitalanlagen („Day Trading - Aktienhandel mit System“) wegen des Verdachts des gewerbsmäßigen Betrugs in mehreren hundert Fällen sowie der unerlaubten Erbringung von Finanzdienstleistungen Anklage zur Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Mannheim erhoben.
Die Angeschuldigten sollen zwischen Ende 2004 und Mitte 2007 selbst bzw. über Untervermittler die Kapitalanlage eines in Florida/USA ansässig gewesenen deutschen Staatsangehörigen vertrieben und mehrere hundert Kapitalanleger im Rahmen eines Schneeballsystems um mehr als 7 Mio. US-$ betrügerisch geschädigt haben. Versprochen sollen garantierte Renditen von monatlich 2,5 und 6 % gewesen sein.
Damit steigt die Anzahl der angeklagten Vermittler der Kapitalanlage auf 12, nachdem bereits im Januar 2012 und Juni 2012 gegen jeweils vier Personen Anklage zum Landgericht Mannheim erhoben wurde. Gegen zwei Vermittler dauert das Ermittlungsverfahren noch an. Der aus den USA abgeschobene Hauptbeschuldigte wurde im Oktober 2012 angeklagt. Er befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Dessen Prozess vor dem Landgericht Mannheim soll am 15.01.2013 beginnen.
Pressemitteilungen der Staatsanwaltschaft

Foto: Polizei Baden-Württemberg
Wir sehen den Auszug eines US-Kontos mit dem unfassbaren Guthaben von 502 395 053,51 US-Dollar! Es ist der Konto-Auszug von Deutschlands schlimmstem Betrüger Ulrich Engler (51, Spitzname „Richie“).
Ein Geschädigter zu BILD: „Mit diesem Kontoauszug seiner Firma ,Privat Commercial Office‘ bei der SunTrust-Bank in Florida hat er seinen angeblichen Erfolg dokumentiert und damit Tausende Anleger getäuscht.“
► Die Summe ist Ergebnis einer perfiden Masche: Engler gab sich als Investmentexperte aus, der mit einem Computerprogramm Aktien-Entwicklungen als Erster erkennen könne, versprach 72% Rendite.
► Doch das Geld nutzte der frühere Staubsaugervertreter für sein Luxusleben – und um andere Anleger auszuzahlen.
► 2007 erging Haftbefehl, Engler tauchte in den USA unter. Festnahme 2011 in Las Vegas, Auslieferung nach Deutschland im August 2012.
1295 Geschädigte ermittelte Mannheims Staatsanwaltschaft. Dennoch wird Engler nur für eine Schadenssumme von rund 37 Mio Dollar angeklagt – warum?
Verteidiger Steffen Lindberg: „Ein Zugeständnis an das kooperative Verhalten meines Mandanten. Da mein Mandant ein umfängliches Geständnis ablegen wird, wird dem Gericht ein Mammutverfahren erspart, und die Kammer wird damit wohl auch nicht die Höchststrafe von 15 Jahren verhängen.“
Seine Konten haben die US-Behörden beschlagnahmt. Engler ist laut Anwalt derzeit mittellos.
Deal - Geständnis gegen Strafobergrenze.
Die beiden Verteidiger Steffen Lindberg und Nicolas Frühsorger machten am Dienstag den Vorschlag für eine Absprache: Demnach soll Engler maximal acht Jahre und neun Monate Haft bekommen, wenn er umfassend aussagt. Die Staatsanwaltschaft stimmte dem Deal bereits am Dienstag zu. Das Gericht zog sich zur Beratung zurück und will seine Entscheidung am Freitag mitteilen.
Es wäre ein furioser Auftakt für den Prozess, denn Engler drohen bis zu 15 Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51-Jährigen vor, knapp 1300 Anleger um insgesamt 37 Millionen US-Dollar geprellt zu haben. Doch tatsächlich lässt sich nur ein Teil seiner illegalen Geschäfte nachweisen: Die Zahl der Geschädigten liegt nach Schätzungen bei 3000 bis 6000. Zur Höhe des Gesamtschadens wollten sich Englers Anwälte nicht äußern.
Die Zustimmung des Gerichts zu dem vorgeschlagenen Deal gilt als sehr wahrscheinlich - auch weil damit ein Mammutverfahren verhindert werden könnte. "Wir hoffen auf eine Gesamtbereinigung der Situation", formuliert es Verteidiger Lindberg. "Eine solche Absprache würde zu einer Abkürzung des Verfahrens führen und die Vernehmung von 1300 Zeugen ersparen." Sein Mandant hoffe auf eine positive Entscheidung der Kammer. "Er will eine Kehrtwende in seinem Leben vollziehen."
Klappt der Deal, rückt auch eine Haftentlassung in absehbare Nähe: Mit einer Haftstrafe von maximal acht Jahren und neun Monaten könnte Engler nach Verbüßen von zwei Dritteln seiner Strafe freikommen.
Die beiden Verteidiger Steffen Lindberg und Nicolas Frühsorger machten am Dienstag den Vorschlag für eine Absprache: Demnach soll Engler maximal acht Jahre und neun Monate Haft bekommen, wenn er umfassend aussagt. Die Staatsanwaltschaft stimmte dem Deal bereits am Dienstag zu. Das Gericht zog sich zur Beratung zurück und will seine Entscheidung am Freitag mitteilen.
Es wäre ein furioser Auftakt für den Prozess, denn Engler drohen bis zu 15 Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51-Jährigen vor, knapp 1300 Anleger um insgesamt 37 Millionen US-Dollar geprellt zu haben. Doch tatsächlich lässt sich nur ein Teil seiner illegalen Geschäfte nachweisen: Die Zahl der Geschädigten liegt nach Schätzungen bei 3000 bis 6000. Zur Höhe des Gesamtschadens wollten sich Englers Anwälte nicht äußern.
Die Zustimmung des Gerichts zu dem vorgeschlagenen Deal gilt als sehr wahrscheinlich - auch weil damit ein Mammutverfahren verhindert werden könnte. "Wir hoffen auf eine Gesamtbereinigung der Situation", formuliert es Verteidiger Lindberg. "Eine solche Absprache würde zu einer Abkürzung des Verfahrens führen und die Vernehmung von 1300 Zeugen ersparen." Sein Mandant hoffe auf eine positive Entscheidung der Kammer. "Er will eine Kehrtwende in seinem Leben vollziehen."
Klappt der Deal, rückt auch eine Haftentlassung in absehbare Nähe: Mit einer Haftstrafe von maximal acht Jahren und neun Monaten könnte Engler nach Verbüßen von zwei Dritteln seiner Strafe freikommen.
Millionenbetrüger erläutert sein Schneeballsystem
Einen Porsche für den besten Vermittler: Der Anlagebetrüger Ulrich Engler enthüllt sein ausgefeiltes Schneeball-System. Das Geständnis wird ihm wohl eine mildere Strafe einbringen.
Der 51-jährige Ulrich Engler hat vor Gericht seinen millionenschweren Anlagebetrug gestanden und kann nun mit weniger als neun Jahren Gefängnis rechnen. Engler gab vor dem Landgericht Mannheim zu, mit einem Schneeballsystem von den USA aus rund 1300 Anleger um mehr als 37 Millionen US-Dollar betrogen zu haben - nach heutiger Umrechnung rund 28 Millionen Euro.
Den Anlegern hatte er laut Gericht Renditen von bis zu 72 Prozent im Jahr versprochen. "Es war mir von Anfang an klar, dass das nie und nimmer funktionieren würde", sagte Engler. Nachdem der Schwindel 2007 aufgeflogen war, tauchte der gebürtige Schwabe fünf Jahre in den USA unter, ehe er im Juli 2012 in Las Vegas gefasst werden konnte.
Im Gegenzug für das Geständnis hat das Gericht Engler nach einer Absprache mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung eine deutlich mildere Strafe in Aussicht gestellt: In der Spanne von acht Jahren bis acht Jahren und neun Monaten. Nach Angaben der Verteidigung hätten andernfalls bis zu 15 Jahre Haft gedroht. Der Prozess wird voraussichtlich noch bis März dauern.
System von Vermittlern und Untervermittlern
Ausführlich gab Engler Einblick in sein Betrugssystem. Von 2005 an baute er demnach von Florida aus ein System von Vermittlern und Untervermittlern auf, die bei Anlegern bis zu siebenstellige Beträge einsammelten. Die wollte Engler vorgeblich in Aktien investieren. Tatsächlich besaß er nur ein Übungsprogramm für Aktiengeschäfte, mit dem er nach eigenen Angaben aber seinen Vermittlern große Geschäfte vorspiegelte. Allzu viele kritische Nachfragen habe es von diesen nicht gegeben, sagte Engler: "Die haben das Geld ihres Lebens verdient."
Tatsächlich habe er das eingenommene Geld für seinen luxuriösen Lebensstil und für die Provisionen der Vermittler genutzt. Ein Teil der neu eingenommenen Gelder sei verwendet worden, um Ansprüche anderer Anleger zu befriedigen, sagte Engler.
Vor Gericht wirkt Engler mit seinem Seitenscheitel, gekleidet in Jeans und Pullover, eher unscheinbar - bei seinen Vermittlern war er nach eigenen Angaben der große Held. Im November 2006 habe er die besten 30, 40 Vermittler samt Partnerinnen in die USA eingeladen. Für jeden gab es eine Goldmünze und viele andere Annehmlichkeiten. Engler präsentierte einen Kontoauszug, auf dem 500 Millionen US-Dollar verzeichnet waren - dass es sich dabei um Luftbuchungen handelte, verschwieg er. Die vier Hauptvermittler, von Engler "Famous Four" genannt, durften sich auch mal Luxusautos und andere Träume auf Englers Kosten erfüllen.

Das Geschäft florierte. "Es hat sich wirklich sehr rasant entwickelt", sagte Engler. Aber schon 2006 gab es nach seinen Worten immer wieder Gerüchte, auch Hinweise von Behörden, die an seiner Seriosität zweifelten.
Der vorbestrafte Engler fand für alles eine Erklärung und machte weiter seine Geschäfte. Anfang 2007 ließ er sich in Anzeigen in überregionalen deutschen Zeitungen sogar noch zum "Investment-Banker des Jahres" ausrufen. Zu dieser Zeit habe er bereits versucht, sich einen Diplomatenpass zu organisieren, um sich vor den Ermittlungsbehörden zu schützen, sagte Engler.
Als es Ende Juli 2007 Razzien in Deutschland gab, tauchte Engler unter. Mit selbst gefälschten Pässen und Führerscheinen habe er sich durchgeschlagen, mal als "Josef Müller", mal als "Jose Ricardo Fernandez de Velasco". Wie er das so alles erzählt, muss Engler manchmal selbst lachen.
Noch während seiner Flucht machte er Geschäfte, kaufte Kunst. Nach der Festnahme führte er die Ermittler zu einer Lagerhalle, in der er hunderte Gemälde und viele andere Wertgegenstände gehortet hatte.
Engler war schließlich nach jahrelanger Flucht im Juli 2012 von den US-Behörden nach Deutschland ausgeliefert worden. Der in Mannheim verhandelte Anlagebetrug steht in einer langen Reihe ähnlicher Verfahren wie jene um die US-Anlagebetrüger Allen Stanford und Bernie Madoff, die in der Vergangenheit für Aufsehen sorgten.
Der 51-jährige Ulrich Engler hat vor Gericht seinen millionenschweren Anlagebetrug gestanden und kann nun mit weniger als neun Jahren Gefängnis rechnen. Engler gab vor dem Landgericht Mannheim zu, mit einem Schneeballsystem von den USA aus rund 1300 Anleger um mehr als 37 Millionen US-Dollar betrogen zu haben - nach heutiger Umrechnung rund 28 Millionen Euro.
Den Anlegern hatte er laut Gericht Renditen von bis zu 72 Prozent im Jahr versprochen. "Es war mir von Anfang an klar, dass das nie und nimmer funktionieren würde", sagte Engler. Nachdem der Schwindel 2007 aufgeflogen war, tauchte der gebürtige Schwabe fünf Jahre in den USA unter, ehe er im Juli 2012 in Las Vegas gefasst werden konnte.
Im Gegenzug für das Geständnis hat das Gericht Engler nach einer Absprache mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung eine deutlich mildere Strafe in Aussicht gestellt: In der Spanne von acht Jahren bis acht Jahren und neun Monaten. Nach Angaben der Verteidigung hätten andernfalls bis zu 15 Jahre Haft gedroht. Der Prozess wird voraussichtlich noch bis März dauern.
System von Vermittlern und Untervermittlern
Ausführlich gab Engler Einblick in sein Betrugssystem. Von 2005 an baute er demnach von Florida aus ein System von Vermittlern und Untervermittlern auf, die bei Anlegern bis zu siebenstellige Beträge einsammelten. Die wollte Engler vorgeblich in Aktien investieren. Tatsächlich besaß er nur ein Übungsprogramm für Aktiengeschäfte, mit dem er nach eigenen Angaben aber seinen Vermittlern große Geschäfte vorspiegelte. Allzu viele kritische Nachfragen habe es von diesen nicht gegeben, sagte Engler: "Die haben das Geld ihres Lebens verdient."
Tatsächlich habe er das eingenommene Geld für seinen luxuriösen Lebensstil und für die Provisionen der Vermittler genutzt. Ein Teil der neu eingenommenen Gelder sei verwendet worden, um Ansprüche anderer Anleger zu befriedigen, sagte Engler.
Vor Gericht wirkt Engler mit seinem Seitenscheitel, gekleidet in Jeans und Pullover, eher unscheinbar - bei seinen Vermittlern war er nach eigenen Angaben der große Held. Im November 2006 habe er die besten 30, 40 Vermittler samt Partnerinnen in die USA eingeladen. Für jeden gab es eine Goldmünze und viele andere Annehmlichkeiten. Engler präsentierte einen Kontoauszug, auf dem 500 Millionen US-Dollar verzeichnet waren - dass es sich dabei um Luftbuchungen handelte, verschwieg er. Die vier Hauptvermittler, von Engler "Famous Four" genannt, durften sich auch mal Luxusautos und andere Träume auf Englers Kosten erfüllen.

Das Geschäft florierte. "Es hat sich wirklich sehr rasant entwickelt", sagte Engler. Aber schon 2006 gab es nach seinen Worten immer wieder Gerüchte, auch Hinweise von Behörden, die an seiner Seriosität zweifelten.
Der vorbestrafte Engler fand für alles eine Erklärung und machte weiter seine Geschäfte. Anfang 2007 ließ er sich in Anzeigen in überregionalen deutschen Zeitungen sogar noch zum "Investment-Banker des Jahres" ausrufen. Zu dieser Zeit habe er bereits versucht, sich einen Diplomatenpass zu organisieren, um sich vor den Ermittlungsbehörden zu schützen, sagte Engler.
Als es Ende Juli 2007 Razzien in Deutschland gab, tauchte Engler unter. Mit selbst gefälschten Pässen und Führerscheinen habe er sich durchgeschlagen, mal als "Josef Müller", mal als "Jose Ricardo Fernandez de Velasco". Wie er das so alles erzählt, muss Engler manchmal selbst lachen.
Noch während seiner Flucht machte er Geschäfte, kaufte Kunst. Nach der Festnahme führte er die Ermittler zu einer Lagerhalle, in der er hunderte Gemälde und viele andere Wertgegenstände gehortet hatte.
Engler war schließlich nach jahrelanger Flucht im Juli 2012 von den US-Behörden nach Deutschland ausgeliefert worden. Der in Mannheim verhandelte Anlagebetrug steht in einer langen Reihe ähnlicher Verfahren wie jene um die US-Anlagebetrüger Allen Stanford und Bernie Madoff, die in der Vergangenheit für Aufsehen sorgten.
Im Prozess gegen den geständigen Anlagebetrüger Ulrich Engler sind für heute die ersten Zeugen geladen. Das Landgericht Mannheim will neben anderen auch einen von Englers Hauptvermittlern befragen.
Der 51 Jahre alte Engler hatte gestanden, mit einem Schneeballsystem von den USA aus rund 1300 Anleger um mehr als 37 Millionen US-Dollar betrogen zu haben - nach heutiger Umrechnung rund 28 Millionen Euro. Den Anlegern hatte er laut Gericht Renditen von bis zu 72 Prozent im Jahr versprochen. Neben Engler sollen auch dessen Vermittler fürstlich an den Betrügereien verdient haben.
Der 51 Jahre alte Engler hatte gestanden, mit einem Schneeballsystem von den USA aus rund 1300 Anleger um mehr als 37 Millionen US-Dollar betrogen zu haben - nach heutiger Umrechnung rund 28 Millionen Euro. Den Anlegern hatte er laut Gericht Renditen von bis zu 72 Prozent im Jahr versprochen. Neben Engler sollen auch dessen Vermittler fürstlich an den Betrügereien verdient haben.
Zitat
Der 60-Jährige Kundenvermittler berichtete vor dem Landgericht Mannheim, er habe Engler Ende 2006 in einem Fax aufgefordert, die für das Anlagegeschäft notwendigen Genehmigungen und Unterlagen vorzulegen. «Eine halbe Stunde später war schon die Kündigung da», sagte der Versicherungsmakler. Er hatte Engler nach eigenen Angaben zuvor 40 bis 50 Anleger vermittelt. Auch diese seien gekündigt worden. Alle hätten ihr angelegtes Geld zurückbekommen
Das Versprechen klingt für jeden Anleger mehr als verlockend: "Investieren, ohne etwas zu riskieren" hieß es in den Verkaufsprospekten der Private Commercial Office (PCO), der Firma, hinter der sich das Schneeballsystem des Anlagebetrügers Ulrich Engler verbarg. Im Prozess gegen den 51-Jährigen vor dem Mannheimer Landgericht sagten gestern erstmals Opfer aus - und offenbarten dabei auch, mit welch windigen Argumenten Englers Vermittler zu Werke gingen.
Umgerechnet 10 000 Dollar überweist eine der Geschädigten Ende 2006 auf Englers US-Konto. Schmackhaft macht ihr das Investment ein ehemaliger Kollege. Das Vorstandsmitglied einer Bausparkasse vertreibt nach seiner Pensionierung Finanzanlagen und beschreibt Engler laut Aussage der 65-Jährigen als "Vertrauensperson und sehr anständig". Der Vermittler - der Englers vorgebliches Anlagemodell bei einem persönlichen Besuch in Florida erläutert bekam - habe ihr versichert, dass es sich um ein "ehrliches Geschäft" handle, bei dem sie ihr Geld "ruhig anlegen" könne.
"Ich war unerfahren und dumm"
Die mittlerweile pensionierte Kauffrau muss heute von einer kleinen Rente leben ("Mir bleibt fast nichts"). Die 10 000 Dollar waren ihre gesamten Ersparnisse. "Ich war unerfahren und dumm", sagt die Zeugin unter Tränen. Nach ihrer Aussage entschuldigt sich Engler bei ihr ebenso wie bei den anderen Geschädigten - die ihr Geld, geschweige denn eine Rendite, bis heute nicht wiedergesehen haben - und bekräftigt erneut, "alles zu tun, damit sie so viel wie möglich zurückerhalten". Für sein Oper nicht einmal ein schwacher Trost: "Das hätten Sie sich vorher überlegen müssen."
Als "angenehmen Herrn" schildert eine weitere Geschädigte den ehemaligen Bausparkassen-Vorstand, dem sie 10 000 Euro anvertraute. Während des Beratungsgesprächs sei im Wesentlichen der Eindruck vermittelt worden, dass die Anlage mit vier Prozent Rendite pro Monat hohe Gewinne einbringe, während "das Risiko gegen Null tendieren" würde. "Eine sehr hohe Ausschüttung wurde fast schon versprochen", berichtet die 35-jährige Personalvermittlerin. "Mit Sicherheit war ich naiv und ein Stück weit leichtgläubig." Dennoch habe sie - wie ihre Eltern, die ebenfalls 10 000 Euro investierten - nach dem Gespräch mit ihrem Vermittler auf eine sichere Anlage vertraut.
Von etwas mehr Zweifeln berichtet dagegen ein 46-jähriger Betriebswirt, der 13 000 Dollar in Englers Schneeballsystem steckte. Angesichts der ihm versprochenen Rendite von 4,5 Prozent im Monat habe er schon "ein etwas ungutes Gefühl gehabt". Da sein Vermittler behauptet habe, das angelegte Kapital sei abgesichert, habe er sich aber dennoch für die Anlage entschieden. Der Geschädigte war sich nach eigenen Worten dabei bewusst, dass "die Sache im Zweifelsfall in die Hose gehen kann. Wie das immer so ist - Gier schlägt Hirn."
Ulrich Engler hat bereits gestanden, mit seinem Schneeballsystem von den USA aus knapp 1300 Anleger um rund 28 Millionen Euro betrogen zu haben. Ihn erwarten im Gegenzug für sein Geständnis maximal acht Jahre und neun Monate Haft.
*Mannheimer Morgen
171 Millionen Dollar flossen in Engler-System
Der geständige Anlagebetrüger Ulrich Engler hat nach Angaben der Insolvenzverwaltung mit seinem Schneeballsystem rund 171 Millionen Dollar (aktuell 126 Mio Euro) eingesammelt. Davon seien etwa 77 Millionen Dollar innerhalb des Schneeballsystems an Anleger zurückgeflossen, berichtete die Insolvenzexpertin Annerose Tashiro am Freitag als Zeugin vor dem Mannheimer Landgericht. Sie machte in ihrer Aussage deutlich, dass die Gläubiger Englers auf dem allergrößten Teil ihrer Forderungen sitzen bleiben werden. Die Quote werde »nicht riesig« sein.
Die Anklage beschränkt sich auf einen Teil der Fälle mit einem Schaden von 37 Millionen Dollar und rund 1300 Geschädigten. Das liegt unter anderem daran, dass nicht alle Anleger auf Anfrage der Staatsanwaltschaft Angaben zu ihrem Fall gemacht haben. Engler hat eingeräumt, Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz von den USA aus mit einem Schneeballsystem betrogen zu haben. Er hatte ihnen Renditen von bis zu 72 Prozent im Jahr versprochen. Das Geld wollte er angeblich mit Aktiengeschäften erwirtschaften, die er tatsächlich gar nicht machte.
Tashiro ist die deutsche Statthalterin des US-Insolvenzverwalters. Dessen Job ist es, soviel Vermögen wie möglich nach der Engler-Pleite zu sichern und später an die Gläubiger auszuschütten. Tashiro machte deutlich, dass die geprellten Anleger und andere Gläubiger Englers nur einen kleinen Teil ihrer Gelder wiedersehen werden. Bisher seien beim US-Insolvenzverwalter Forderungen in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Dollar eingegangen, die aber noch nicht überprüft seien.
Dem gegenüber steht bislang eine gesicherte Summe von rund 11,7 Millionen Dollar in der Insolvenzmasse. Wie stark diese Summe noch steigen werde, sei unklar, sagte Tashiro. So hätten etwa Gläubiger US-Banken auf Schadenersatz verklagt, weil die Institute Konten Englers auch dann noch nicht gesperrt hätten, als es schon deutliche Warnungen vor dem Schwindel gab.
Englers Betrug war 2007 aufgeflogen, danach tauchte der heute 51-Jährige fünf Jahre in den USA unter. Von den 171 Millionen Dollar Anlagegeldern sollen laut Tashiro 53 Millionen von Engler selbst ausgegeben worden sein, zum größten Teil für Immobiliengeschäfte. Engler hat in den USA ein Luxusleben geführt. Noch einmal 7,8 Millionen Dollar soll er Freunden und Verwandten zugeschanzt haben.
Nach seiner Festnahme im Juli 2012 in Las Vegas führte er die Ermittler zu einer Lagerhalle, in der er hunderte Gemälde und andere Wertgegenstände gehortet hatte. In seinem Besitz fanden sich alleine Edelsteine im Wert von 1,7 Millionen Dollar. Auch von dem gebürtigen Schwaben erworbene Sammlerstücke wie ein Boxhandschuh von Muhammad Ali gehören nun zur Insolvenzmasse.
Der Prozess gegen Engler wird voraussichtlich noch bis in den März hinein dauern. Im Gegenzug für sein Geständnis hat ihm das Gericht eine Freiheitsstrafe zwischen acht Jahren sowie acht Jahren und neun Monaten in Aussicht gestellt.
* Reutlinger General-Anzeiger
Der geständige Anlagebetrüger Ulrich Engler hat nach Angaben der Insolvenzverwaltung mit seinem Schneeballsystem rund 171 Millionen Dollar (aktuell 126 Mio Euro) eingesammelt. Davon seien etwa 77 Millionen Dollar innerhalb des Schneeballsystems an Anleger zurückgeflossen, berichtete die Insolvenzexpertin Annerose Tashiro am Freitag als Zeugin vor dem Mannheimer Landgericht. Sie machte in ihrer Aussage deutlich, dass die Gläubiger Englers auf dem allergrößten Teil ihrer Forderungen sitzen bleiben werden. Die Quote werde »nicht riesig« sein.
Die Anklage beschränkt sich auf einen Teil der Fälle mit einem Schaden von 37 Millionen Dollar und rund 1300 Geschädigten. Das liegt unter anderem daran, dass nicht alle Anleger auf Anfrage der Staatsanwaltschaft Angaben zu ihrem Fall gemacht haben. Engler hat eingeräumt, Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz von den USA aus mit einem Schneeballsystem betrogen zu haben. Er hatte ihnen Renditen von bis zu 72 Prozent im Jahr versprochen. Das Geld wollte er angeblich mit Aktiengeschäften erwirtschaften, die er tatsächlich gar nicht machte.
Tashiro ist die deutsche Statthalterin des US-Insolvenzverwalters. Dessen Job ist es, soviel Vermögen wie möglich nach der Engler-Pleite zu sichern und später an die Gläubiger auszuschütten. Tashiro machte deutlich, dass die geprellten Anleger und andere Gläubiger Englers nur einen kleinen Teil ihrer Gelder wiedersehen werden. Bisher seien beim US-Insolvenzverwalter Forderungen in Höhe von mehr als einer halben Milliarde Dollar eingegangen, die aber noch nicht überprüft seien.
Dem gegenüber steht bislang eine gesicherte Summe von rund 11,7 Millionen Dollar in der Insolvenzmasse. Wie stark diese Summe noch steigen werde, sei unklar, sagte Tashiro. So hätten etwa Gläubiger US-Banken auf Schadenersatz verklagt, weil die Institute Konten Englers auch dann noch nicht gesperrt hätten, als es schon deutliche Warnungen vor dem Schwindel gab.
Englers Betrug war 2007 aufgeflogen, danach tauchte der heute 51-Jährige fünf Jahre in den USA unter. Von den 171 Millionen Dollar Anlagegeldern sollen laut Tashiro 53 Millionen von Engler selbst ausgegeben worden sein, zum größten Teil für Immobiliengeschäfte. Engler hat in den USA ein Luxusleben geführt. Noch einmal 7,8 Millionen Dollar soll er Freunden und Verwandten zugeschanzt haben.
Nach seiner Festnahme im Juli 2012 in Las Vegas führte er die Ermittler zu einer Lagerhalle, in der er hunderte Gemälde und andere Wertgegenstände gehortet hatte. In seinem Besitz fanden sich alleine Edelsteine im Wert von 1,7 Millionen Dollar. Auch von dem gebürtigen Schwaben erworbene Sammlerstücke wie ein Boxhandschuh von Muhammad Ali gehören nun zur Insolvenzmasse.
Der Prozess gegen Engler wird voraussichtlich noch bis in den März hinein dauern. Im Gegenzug für sein Geständnis hat ihm das Gericht eine Freiheitsstrafe zwischen acht Jahren sowie acht Jahren und neun Monaten in Aussicht gestellt.
* Reutlinger General-Anzeiger
Der Prozess gegen den geständigen Anlagebetrüger Ulrich Engler geht vor dem Landgericht Mannheim in die entscheidende Phase. Heute werden Verteidigung und Staatsanwaltschaft voraussichtlich ihre Plädoyers halten.
Der 51-Jährige hat eingeräumt, von den USA aus rund 1300 Anleger um 37 Millionen Dollar (aktuell 27 Millionen Euro) geprellt zu haben. Er hatte Traumrenditen versprochen, in Wahrheit aber mit dem Anlegergeld ein Schneeballsystem betrieben. 2007 flog der Betrug auf, Engler tauchte unter. Erst 2012 konnte er in den USA gefasst werden. Wegen seines Geständnisses hat ihm das Gericht eine Freiheitsstrafe zwischen acht Jahren sowie acht Jahren und neun Monaten in Aussicht gestellt.
Der geständige Anlagebetrüger Ulrich Engler soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft acht Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Engler sei «Kopf und Initiator» eines großen Schneeballsystems gewesen, sagte Staatsanwältin Yvonne Durban vor dem Landgericht Mannheim. Verteidiger Steffen Lindberg sprach sich in seinem Plädoyer für eine Strafe von maximal acht Jahren und einem Monat aus. Damit bewegten sich beide Seiten in dem Strafrahmen, den das Gericht Engler im Gegenzug für ein umfassendes Geständnis in Aussicht gestellt hatte. Der 51-Jährige hatte gestanden, von den USA aus Anleger um 28 Mio Euro geprellt zu haben. Urteilsverkündung ist am 4. März.
ffh.de
Der 51-Jährige hat eingeräumt, von den USA aus rund 1300 Anleger um 37 Millionen Dollar (aktuell 27 Millionen Euro) geprellt zu haben. Er hatte Traumrenditen versprochen, in Wahrheit aber mit dem Anlegergeld ein Schneeballsystem betrieben. 2007 flog der Betrug auf, Engler tauchte unter. Erst 2012 konnte er in den USA gefasst werden. Wegen seines Geständnisses hat ihm das Gericht eine Freiheitsstrafe zwischen acht Jahren sowie acht Jahren und neun Monaten in Aussicht gestellt.
Der geständige Anlagebetrüger Ulrich Engler soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft acht Jahre und acht Monate ins Gefängnis. Engler sei «Kopf und Initiator» eines großen Schneeballsystems gewesen, sagte Staatsanwältin Yvonne Durban vor dem Landgericht Mannheim. Verteidiger Steffen Lindberg sprach sich in seinem Plädoyer für eine Strafe von maximal acht Jahren und einem Monat aus. Damit bewegten sich beide Seiten in dem Strafrahmen, den das Gericht Engler im Gegenzug für ein umfassendes Geständnis in Aussicht gestellt hatte. Der 51-Jährige hatte gestanden, von den USA aus Anleger um 28 Mio Euro geprellt zu haben. Urteilsverkündung ist am 4. März.
ffh.de
Millionenbetrüger Ulrich Engler: Das Ende eines Hochstaplers
Er hortete Bargeld in Millionenhöhe, einen Fuhrpark und Hunderte von Kunstwerken: Hochstapler Ulrich Engler hat vor dem Landgericht Mannheim ausgepackt, wie er 1300 Anleger an der Nase herumführte und ein gigantisches Vermögen anhäufte.
Das Dorf Andelfingen im Landkreis Biberach nahe Tübingen war nicht seine Welt. Ulrich Felix Anton Engler - sein Vater war Straßenbauarbeiter, er selbst Staubsaugervertreter - zog es in die feine Gesellschaft, in ein Leben voller Reichtum, Luxus, Glamour.
Englers Traum endete abrupt im Juli vergangenen Jahres, als er - einer der erfolgreichsten Hochstapler, gesucht mit internationalem Haftbefehl - den Fahndern bei einer Polizeikontrolle in Las Vegas ins Netz ging.
Am Freitag legte Engler vor dem Landgericht Mannheim ein umfassendes Geständnis über sein Doppelleben als Millionenbetrüger ab, beschrieb detailliert sein Schneeballsystem und kennt bereits das Urteil, das ihn am Ende des Prozesses erwarten wird: maximal acht Jahre und neun Monate Haft. Das hatte sein Verteidiger Steffen Lindberg zur Bedingung für ein Geständnis gemacht.
Sichtlich entspannt schilderte Engler fast vier Stunden lang, wie er sich vom Staubsaugervertreter zum Millionär gemogelt hatte. Seine Vita hatte er frisiert: Aus dem Klinkenputzer wurde ein internationaler Banker mit besten Beziehungen zu "Partnern aus Regierung, Banken und privaten Großgrundbesitzern", der vertrauensselige Gestalten suchte, die sich um den Finger wickeln ließen - mit Traumrenditen von bis zu 72 Prozent pro Jahr.
Engler gaukelte ihnen vor, zuletzt als Leiter für Devisenhandel bei der Chase Manhattan Bank, die heute zu JP Morgan gehört, gearbeitet zu haben. Er gerierte sich als Börsenspezialist, der durch Daytrading-Geschäfte an der US-Börse hohe Gewinne erzielen könne. Die Interessenten rannten ihm die Tür ein. So sehr, dass er sich gar als "Investmentbanker des Jahres 2006" ausgab. "Jeder war zufrieden oder wollte zufrieden sein", sagte Engler am Freitag, nur ein Anleger habe Zweifel bekommen und sei abgesprungen.
Vom Mercedes zum Rolls-Royce
"Es war mir von Anfang an klar, dass das nie und nimmer funktionieren würde", sagte Engler vor Gericht - und doch funktionierte es ganz erstaunlich: Etwa 1300 Anleger hat Engler um mehr als 37 Millionen Dollar betrogen. Mehr kann ihm nicht nachgewiesen werden, die tatsächliche Zahl der Geschädigten liegt nach Schätzungen bei 3000 bis 6000.
Ausführlich gab Engler Einblick in sein betrügerisches Schneeballsystem. Von 2005 an baute er demnach von Florida aus ein System von Vermittlern und Untervermittlern auf, die bei Anlegern bis zu siebenstellige Beträge einsammelten, die er angeblich in Aktien investierte. Tatsächlich besaß er lediglich ein Computerprogramm, mit dem er Aktienkurse analysieren konnte.
Seine vier Hauptvermittler nannte er die "Famous Four". Wer von ihnen sich einen Porsche wünschte, bekam ihn. Er habe ihnen gegenüber nie zugegeben, dass seine Geschäfte fingiert waren, sagte Engler. Inwieweit sie die betrügerische Seifenblase dennoch durchblickten, wisse er nicht. Kritische Nachfragen habe es nicht gegeben. "Die haben das Geld ihres Lebens verdient."
Die besten 40 Vermittler habe er samt Partnerinnen in die USA eingeladen, wo er jedem eine Goldmünze überreichte und mit Luxus überschüttete. Er präsentierte ihnen eindrucksvoll einen Kontoauszug, auf dem 500 Millionen US-Dollar verzeichnet waren.
Englers Gier - vielleicht der schwäbischen Sparsamkeit geschuldet - steigerte sich langsam. Vor Gericht sagte er, er habe erst einen Mercedes gefahren, dann einen Porsche, später einen Bentley und einen Ferrari, zuletzt einen Rolls-Royce.
Ein Teil der neu eingenommenen Gelder sei verwendet worden, um Ansprüche von Anlegern zu befriedigen, sagte Engler. Das meiste davon ging jedoch auf sein Privatkonto. Und zwar nicht zu knapp. Nach seiner Festnahme wurden in einer Lagerhalle mehr als 800 Gemälde, Statuen, Diamanten, Rubine sowie 200 Kunstwerke aus dem 16. und 17. Jahrhundert sichergestellt. In seinem Besitz befanden sich zudem drei Luxusanwesen auf dem Land im Wert von 21 und 15 Millionen Dollar, drei Eigentumswohnungen, zwei Grundstücke, Bauland im Wert von knapp sechs Millionen Dollar, und eine Gewerbeimmobilie im Wert von 600.000 Dollar.
500 handschriftliche Briefe
Engler hortete auch tausend Goldmünzen, knapp zwei Millionen Dollar in bar, 600.000 Euro in bar, zehn Diamanten im Wert von einer Million Dollar, 100 Platin- und knapp 200 Palladiummünzen. Kurz vor seiner Flucht hatte er an ein Dutzend Bekannte und Familienangehörige zwischen 20.000 und 1,5 Millionen Euro überwiesen. Allein dieses Vermögen dürfte verdeutlichen, dass Engler weitaus mehr Schaden verursacht haben muss als die Summe, für die er jetzt angeklagt ist.
"Er ist erleichtert, dass es vorbei ist", sagt sein Rechtsanwalt Lindberg. Vor allem dürfte Engler erleichtert sein, dass das Gericht den Deal seines Verteidigers akzeptiert hat: Im Gegenzug für das Geständnis war ihm die milde Strafe in Aussicht gestellt worden. Andernfalls hätten ihm bis zu 15 Jahre Haft gedroht.
2007 flog der Schwindel auf, Engler tauchte unter und lebte fünf Jahre lang auf der Flucht. Mit einem Programm, das er sich in Amerika in einem Supermarkt gekauft haben will, fälschte er sich Führerscheine und Pässe, nannte sich Josef Müller oder Jose Ricardo Fernandez de Velasco.
Unter seinem richtigen Namen hat er seit vergangenem Dezember knapp 500 Briefe mit der Hand geschrieben - auf dem Papier der Schreibblöcke, die man im Gefängnis erwerben kann. Engler will sich bei allen 1300 Anlegern, deren Adressen in der Anklageschrift aufgeführt sind, persönlich entschuldigen. In dem Schreiben zeigt er Reue, beteuert, dass es keine Entschuldigung dafür gebe, was er dem Adressaten angetan habe.
Die meisten dieser Briefe sind den Empfängern bereits zugestellt worden. Es bleibt ihnen überlassen, wie sie Englers Verhalten bewerten. Hätten sie ihn am Freitag im Gerichtssaal erlebt, wie er teilweise selbst schmunzeln musste, wenn das Publikum laut auflachte - sie hätten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.
Das Dorf Andelfingen im Landkreis Biberach nahe Tübingen war nicht seine Welt. Ulrich Felix Anton Engler - sein Vater war Straßenbauarbeiter, er selbst Staubsaugervertreter - zog es in die feine Gesellschaft, in ein Leben voller Reichtum, Luxus, Glamour.
Englers Traum endete abrupt im Juli vergangenen Jahres, als er - einer der erfolgreichsten Hochstapler, gesucht mit internationalem Haftbefehl - den Fahndern bei einer Polizeikontrolle in Las Vegas ins Netz ging.
Am Freitag legte Engler vor dem Landgericht Mannheim ein umfassendes Geständnis über sein Doppelleben als Millionenbetrüger ab, beschrieb detailliert sein Schneeballsystem und kennt bereits das Urteil, das ihn am Ende des Prozesses erwarten wird: maximal acht Jahre und neun Monate Haft. Das hatte sein Verteidiger Steffen Lindberg zur Bedingung für ein Geständnis gemacht.
Sichtlich entspannt schilderte Engler fast vier Stunden lang, wie er sich vom Staubsaugervertreter zum Millionär gemogelt hatte. Seine Vita hatte er frisiert: Aus dem Klinkenputzer wurde ein internationaler Banker mit besten Beziehungen zu "Partnern aus Regierung, Banken und privaten Großgrundbesitzern", der vertrauensselige Gestalten suchte, die sich um den Finger wickeln ließen - mit Traumrenditen von bis zu 72 Prozent pro Jahr.
Engler gaukelte ihnen vor, zuletzt als Leiter für Devisenhandel bei der Chase Manhattan Bank, die heute zu JP Morgan gehört, gearbeitet zu haben. Er gerierte sich als Börsenspezialist, der durch Daytrading-Geschäfte an der US-Börse hohe Gewinne erzielen könne. Die Interessenten rannten ihm die Tür ein. So sehr, dass er sich gar als "Investmentbanker des Jahres 2006" ausgab. "Jeder war zufrieden oder wollte zufrieden sein", sagte Engler am Freitag, nur ein Anleger habe Zweifel bekommen und sei abgesprungen.
Vom Mercedes zum Rolls-Royce
"Es war mir von Anfang an klar, dass das nie und nimmer funktionieren würde", sagte Engler vor Gericht - und doch funktionierte es ganz erstaunlich: Etwa 1300 Anleger hat Engler um mehr als 37 Millionen Dollar betrogen. Mehr kann ihm nicht nachgewiesen werden, die tatsächliche Zahl der Geschädigten liegt nach Schätzungen bei 3000 bis 6000.
Ausführlich gab Engler Einblick in sein betrügerisches Schneeballsystem. Von 2005 an baute er demnach von Florida aus ein System von Vermittlern und Untervermittlern auf, die bei Anlegern bis zu siebenstellige Beträge einsammelten, die er angeblich in Aktien investierte. Tatsächlich besaß er lediglich ein Computerprogramm, mit dem er Aktienkurse analysieren konnte.
Seine vier Hauptvermittler nannte er die "Famous Four". Wer von ihnen sich einen Porsche wünschte, bekam ihn. Er habe ihnen gegenüber nie zugegeben, dass seine Geschäfte fingiert waren, sagte Engler. Inwieweit sie die betrügerische Seifenblase dennoch durchblickten, wisse er nicht. Kritische Nachfragen habe es nicht gegeben. "Die haben das Geld ihres Lebens verdient."
Die besten 40 Vermittler habe er samt Partnerinnen in die USA eingeladen, wo er jedem eine Goldmünze überreichte und mit Luxus überschüttete. Er präsentierte ihnen eindrucksvoll einen Kontoauszug, auf dem 500 Millionen US-Dollar verzeichnet waren.
Englers Gier - vielleicht der schwäbischen Sparsamkeit geschuldet - steigerte sich langsam. Vor Gericht sagte er, er habe erst einen Mercedes gefahren, dann einen Porsche, später einen Bentley und einen Ferrari, zuletzt einen Rolls-Royce.
Ein Teil der neu eingenommenen Gelder sei verwendet worden, um Ansprüche von Anlegern zu befriedigen, sagte Engler. Das meiste davon ging jedoch auf sein Privatkonto. Und zwar nicht zu knapp. Nach seiner Festnahme wurden in einer Lagerhalle mehr als 800 Gemälde, Statuen, Diamanten, Rubine sowie 200 Kunstwerke aus dem 16. und 17. Jahrhundert sichergestellt. In seinem Besitz befanden sich zudem drei Luxusanwesen auf dem Land im Wert von 21 und 15 Millionen Dollar, drei Eigentumswohnungen, zwei Grundstücke, Bauland im Wert von knapp sechs Millionen Dollar, und eine Gewerbeimmobilie im Wert von 600.000 Dollar.
500 handschriftliche Briefe
Engler hortete auch tausend Goldmünzen, knapp zwei Millionen Dollar in bar, 600.000 Euro in bar, zehn Diamanten im Wert von einer Million Dollar, 100 Platin- und knapp 200 Palladiummünzen. Kurz vor seiner Flucht hatte er an ein Dutzend Bekannte und Familienangehörige zwischen 20.000 und 1,5 Millionen Euro überwiesen. Allein dieses Vermögen dürfte verdeutlichen, dass Engler weitaus mehr Schaden verursacht haben muss als die Summe, für die er jetzt angeklagt ist.
"Er ist erleichtert, dass es vorbei ist", sagt sein Rechtsanwalt Lindberg. Vor allem dürfte Engler erleichtert sein, dass das Gericht den Deal seines Verteidigers akzeptiert hat: Im Gegenzug für das Geständnis war ihm die milde Strafe in Aussicht gestellt worden. Andernfalls hätten ihm bis zu 15 Jahre Haft gedroht.
2007 flog der Schwindel auf, Engler tauchte unter und lebte fünf Jahre lang auf der Flucht. Mit einem Programm, das er sich in Amerika in einem Supermarkt gekauft haben will, fälschte er sich Führerscheine und Pässe, nannte sich Josef Müller oder Jose Ricardo Fernandez de Velasco.
Unter seinem richtigen Namen hat er seit vergangenem Dezember knapp 500 Briefe mit der Hand geschrieben - auf dem Papier der Schreibblöcke, die man im Gefängnis erwerben kann. Engler will sich bei allen 1300 Anlegern, deren Adressen in der Anklageschrift aufgeführt sind, persönlich entschuldigen. In dem Schreiben zeigt er Reue, beteuert, dass es keine Entschuldigung dafür gebe, was er dem Adressaten angetan habe.
Die meisten dieser Briefe sind den Empfängern bereits zugestellt worden. Es bleibt ihnen überlassen, wie sie Englers Verhalten bewerten. Hätten sie ihn am Freitag im Gerichtssaal erlebt, wie er teilweise selbst schmunzeln musste, wenn das Publikum laut auflachte - sie hätten die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen.


