Bevor sich Trader mit Fibonacci oder automatisiertem Handel befassen, ist es ratsam funktionierende Charttechniken anzuschauen.
Eine davon ist die Dow Theorie.
Die Dow-Theorie
Trotz der fortschrittlichen Technik und den vielen computerisierten Handelssystemen liegen die Grundlagen & Wurzeln
jeder modernen technischen Analyse bereits über 100 Jahre zurück.
Charles Dow (06.11.1851 - 04.12.1903) war Journalist, Wirtschaftswissenschaftler, erster Herausgeber eines Börsenbriefes
Ende des 19. Jahrhundert und "Vater" der technischen Analyse von Finanzmärkten.
Um Richtwerte über Kursverläufe zu erhalten veröffentlichte Dow am 03. Juli 1884 den Dow Jones Railroad
Average. Dieser erste US-amerikanischen Aktienindex bestand aus 11 Aktiegesellschaften (9 Eisenbahn- und
2 Industriegesellschaften).
Damit Dow die Aktienkurse und somit die wirtschaftliche Entwicklung noch besser analysieren konnte, entstand 1896 der
reine Industrieindex "Dow Jones Industrial Average", der bis heute als einer der Leitindizes an den Weltbörsen gilt.
Die Erstnotiz des Index lag am 26. Mai 1896 bei 40,94 Punkten.
Die Erkenntnisse seiner Studien veröffentlichte er regelmäßig im Wall Street Journal. Nach seinem Tod im
Jahre 1902 wurden Bücher mit der Zusammenfassung seiner Theorie veröffentlicht, darunter "The ABC of Stock
Speculations" von S.A. Nelson (1903), "The Stock Market Barometer" von Peter Hamilton (1922) und "Dow Theorie" von Robert
Rhea.
Kernaussagen der Dow-Theorie
1. Die Indizes spiegeln alle relevanten Informationen wider
Die Kurse verarbeiten neue Informationen sofort, wenn sie zur Verfügung stehen. Wenn also eine Neuigkeit
veröffentlicht wird, verändert sich im selben Moment der Preis des Aktienkurses, um diese News zu reflektieren.
In diesem Punkt stimmt die Dow Theorie mit den Grundsätzen von effektiven Märkten überein.
2. Definition des Trends nach Dow
Die Analysen von Dow beinhalteten eine erste Definition des Trends. Auch diese hat sich bis heute nicht verändert und
das erkennen eines Trends ist somit auch heute noch Vorraussetzung für lukrative Trades.
Schon vor über 100 Jahren charakterisierte Charles Dow bereits einen Aufwärtstrend dadurch, dass diesen steigende
Hochs und steigende Tiefs kennzeichneten.
Den Abwärtstrend entsprechend umgekehrt mit fallenden Hochs und fallenden Tiefs.
3. Die Kurse der Indizes gliedern sich in drei Trends
1. Der "main movement", primärer Trend
oder major trend besteht mindestens ein Jahr bis mehrere Jahre. Er ist
entweder bullish oder bearish.
2. Der "medium swing", sekundärer Trend
oder intermidiate reaction erstreckt sich über 10 Tage bis drei Monate
und führt die vorherige Bewegung zwischen 33% bis 66% zurück.
3. Der "short swing" oder minor movement variiert zwischen Stunden bis zu einem Monat oder mehr.
Die drei Trendarten können grundsätzlich gleichzeitig auftreten. Zum Beispiel ein minor movement in einem
bullishen sekundären Trend in einem bearishen main movement.
Als Hinweis zu den zeitlichen Angaben der einzelnen Trends muß man berücksichtigen, dass vor hundert Jahren nur
sehr geringe Umsätze gehandelt wurden. Heutzutage werden in jeder Minute und Sekunde Millionen von Transaktionen
durchgeführt, sodass die Märkte grundsätzlich "schnelllebiger" geworden sind!
4. Die drei Phasen einer Kursbewegung
Die Dow Theorie behauptet, dass jeder große Trend in drei verschieden Phasen gegliedert werden kann.
1. Die Akkumulationsphase: Diese Phase ist dadurch
gekennzeichnet, dass Investoren in einer seitlichen Schiebezone Aktien
kaufen und verkaufen. Der Aktienkurs verändert sich also kaum.
2. Die Ausbruchsphase: Wenn die seitliche Schiebezone
verlassen wird geschieht dies aus technischen Gründen sehr impulsiv und
führt zu einem klaren Aufwärts- oder Abwärtstrend, von dem vor allem die
technisch orientierten Investoren partizipieren.
3. Die Distributionphase: Wenn es zu übertriebenen
Spekulationen kommt werden schlaue Anleger (später auch andere) ihre
Positionen glattstellen und es kommt auf einem anderen Niveau erneut zu
einer Seitwärtsbewegung.
5. Das Volumen muss den Trend bestätigen
Dow war der Überzeugung, dass das Volumen den Kurstrend bestätigen muss. Wenn sich Kurse bei geringen
Umsätzen verändern kann dies viele Gründe haben. Daher war Dow der Meinung, dass nur hohes Volumen die
"wahre" Marktmeinung widerspiegelt.
Wenn also viele Marktteilnehmer in einer Kursbewegung aktiv sind, kann dies nach Do so interpretiert werden, dass die
Bewegung gewollt ist und sich daher fortsetzen wird.
Für ihn waren hohe Umsätze ein Zeichen dafür, dass sich ein nachhaltiger Trend entwickelt.
Im Allgemeinen sollten die Umsätze steigen, wenn sich die Kurse in Richtung des vorliegenden Primärtrends bewegen
(Volume goes with the trend). Im Bull Market sollten die Umsätze steigen, wenn die Kurse steigen und sinken, wenn auch
die Kurse sinken. In einem Abwärtstrend ist es umgekehrt. Bei fallenden Notierungen sollten die Umsätze ansteigen
und bei einer "Bärenmarktralley" sinken.
6. Das Prinzip der Bestätigung
Zu Dow`s Zeiten wuchs die industrielle Stärke der USA stark. Die Produzenten mit ihren Fabriken waren weit über
das Land verteilt und mußten daher ihre Waren zu den Märkten transportieren. Dies geschah gewöhnlich mit der
Bahn. Für Dow konnte sich also nur ein Bullenmarkt im Industrial Index etablieren wenn dies durch den Railroad Index
bestätigt wurde. Die beiden Indizes sollten also in die gleiche Richtung laufen und sich so gegenseitig bestätigen.
Treten Divergenzen auf, ist dies eine Warnung dafür, dass Veränderungen in der Luft liegen.
7. Ein Trend besteht, bis es definitive Signale gibt, dass er sich umgekehrt hat
Dow war der Überzeugung das Trends weiterhin existieren, auch wenn es zu kurzfristigen Gegenbewegungen kommt. Erst
wenn es eindeutige und signifikante Signale für eine Trendumkehr gibt, gilt dies als Beginn eines neuen Trends.
Bei Fragen hierzu sind wir gern bereit, weiterzuhelfen.
mcd