Private Krankenversicherung
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Private Krankenversicherung
Private Krankenvollversicherung
Gesetzlich oder privat?
Bevor Sie sich diese Frage stellen, gilt es zunächst zu prüfen, ob die Möglichkeit zum Abschluss einer privaten Krankenvollversicherung grundsätzlich besteht. Selbstständigen steht dieser Weg immer offen, denn sie unterliegen nicht der Krankenversicherungspflicht. Bei Angestellten entfällt die Versicherungspflicht, wenn das Brutto-Jahresgehalt die sogenannte "Jahresarbeitsentgeltgrenze" überschreitet. 2005 lag diese Grenze bei einem Jahreseinkommen von 46.800,00 €; als neue Versicherungspflichtgrenze für das Jahr 2006 wurde ein Jahreseinkommen in Höhe von 47.250,00 €/p.a. bzw. 3.937,50 €/mtl. festgesetzt.
Die private Krankenvollversicherung bietet zweifelsohne zahlreiche Vorteile. In jungen Jahren liegen die Beiträge zum Teil beträchtlich unter denen der gesetzlichen Krankenversicherung und Privatversicherte genießen durch sie meist eine bevorzugte ärztliche Behandlung. Leistungen, die nicht durch das gesetzliche Pendant abgedeckt werden, wie etwa das Einzelzimmer im Krankenhaus oder die Chefarztbehandlung, sind meist Bestandteil der Leistungen der privaten Krankenversicherung.
Treffen Sie die Entscheidung, sich privat zu versichern, will dies wohl überlegt sein. Denn: eine Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse ist später kaum noch möglich.
Die Private - für wen sie sich lohnen kann
Pauschal gesagt, lohnt sich die Private Krankenvollversicherung (PKV) für alle, die einen hohen Anspruch an eine komfortable und selbst bestimmte Gesundheitsvorsorge haben. Wer die Entscheidung bereits in jungen Jahren trifft, profitiert zudem von günstigen Grundbeiträgen.
Private Krankenvollversicherung
Hoher Komfort für eine schnelle Genesung
Die Leistungen der privaten Krankenversicherung (PKV) heben sich von denen der gesetzlichen in der Regel deutlich ab. Die gängigsten Leistungsvorteile der PKV:
Kostenübernahme bei Heilpraktikerbehandlung
Höhere Erstattungsleistungen für Brillen oder Kontaktlinsen
Europaweiter, in der Regel sogar weltweiter Versicherungsschutz
bessere zahnärztliche Versorgung (höhere Erstattung, bessere Materialien)
keine Einschränkungen bei Arzt- und Krankenhauswahl
Wegfall der Zuzahlungen für Medikamente und Heilmittel
optimale Betreuung bei Krankenhausaufenthalten (Chefarztbehandlung, Ein- bzw. Zweibettzimmer)
keine Beschränkung auf gesetzliche Leistungskataloge
Welche der o.g. Leistungen berücksichtigt sind, ist eine Frage der individuellen Vertragsgestaltung. Um Beiträge zu sparen, können Leistungen bei Bedarf reduziert werden. Auch wirkt sich die Vereinbarung einer Selbstbeteiligung vorteilhaft auf die monatlichen Kosten aus.
Oft bieten die Versicherungsgesellschaften Beitragsrückerstattungen für den Fall, dass für einen definierten Zeitraum keine Leistung in Anspruch genommen wurde. Damit geben die Anbieter einen Teil ihrer erwirtschafteten Gewinne an den Versicherten weiter.
Wichtig für Selbstständige und Gutverdiener: Durch die Vereinbarung einer Krankentagegeldversicherung können Sie Einkommensverluste im Krankheitsfall ausgleichen. Vor allem bei längeren Erkrankungen kann so eine finanzielle Notlage abgewendet werden.
Wie die PKV leistet und welche Anforderungen sie stellt
Privatpatienten sind grundsätzlich Vertragspartner des behandelnden Arztes. Damit erhalten sie nach erbrachter Leistung eine Rechnung, welche die Versicherten an die Versicherungsgesellschaft weiterleiten. Diese erstattet dann im Rahmen der vertraglichen Vereinbarung die berechnete Leistung an den Versicherungsnehmer.
Die direkte Rechnungsstellung macht die Kosten für den Privatpatienten transparenter. Bietet der Versicherer eine Beitragsrückvergütung an, kann der Versicherte außerdem entscheiden, ob es für ihn nicht günstiger ist, die Behandlung aus der Privatkasse zu übernehmen.
Was Sie bei Vertragsabschluss wissen sollten
Die private Krankenvollversicherung bietet vor allem unter Komfortaspekten optimale Leistungen für die Versicherten. Da es sich bei der Wahl der passenden privaten Krankenversicherung in der Regel um eine langfristige Entscheidung handelt, haben wir Ihnen hier einige wissenswerte Informationen aufgelistet, die Sie vor der Wahl des passenden Produktes kennen sollten:
Selbstbeteiligung ja oder nein?
Beteiligen Sie sich an den Behandlungskosten, sinken die Beiträge. Gerade für Selbstständige kann sich eine entsprechende Vereinbarung lohnen. Für Arbeitnehmer ist die Vereinbarung einer sehr hohen Selbstbeteiligung weniger attraktiv. Denn: An den Beiträgen für die private Krankenversicherung beteiligt sich der Arbeitgeber bis zur Höhe des durchschnittlichen GKV-Kassenbeitrages meist zur Hälfte. Die Selbstbeteiligung zahlen Sie jedoch in voller Höhe aus der Privatkasse.
Früher Einstieg lohnt sich
Gerade für junge und gesunde Menschen bieten die Versicherer Tarife, die meist weit unter den Kosten für eine gesetzliche Krankenversicherung liegen. Bleiben Sie der Versicherungsgesellschaft treu, bauen Sie zudem u.a. über die sog. Alterungsrückstellung ein Finanzpolster für die im Alter steigenden Gesundheitskosten auf und können aus der Ersparnis noch eine zusätzliche Kapitalanlage aufbauen.
Was Sie bei Beitragsrückerstattungen wissen sollten
Oft sehen die Gesellschaften Beitragsrückerstattungen vor, wenn für eine bestimmte Zeit keine Leistungen in Anspruch genommen werden. In diesem Fall lohnt es sich meist, kleinere Rechnungsbeträge selbst zu tragen, um in den Genuss einer attraktiven Rückzahlung zu kommen.
Erste oder zweite Klasse?
Prüfen Sie vor Vertragsabschluss, welche Leistungen Ihnen wirklich wichtig sind. Einzelne Bestandteile des Angebots können oft ausgeklammert werden. Dadurch sinken die monatlichen Beiträge.
Was passiert bei Arbeitslosigkeit?
Werden Sie als Arbeitnehmer arbeitslos, gehört dies zu den wenigen Situationen, in denen ein Wechsel unter bestimmten Voraussetzungen in die gesetzliche Krankenversicherung möglich ist. Für die Zeit der Arbeitslosigkeit können Sie den PKV-Vertrag ruhen lassen.
Gesundheitsprüfung und Leistungsbeginn
Ausgehend vom Versicherungsbeginn sehen die Versicherer meist eine Wartezeit von drei Monaten vor, in denen keine Leistung erbracht wird. Wer diese Wartezeit vermeiden will, sollte ein aktuelles ärztliches Zeugnis über den Gesundheitszustand vorlegen. Die Wartezeitklausel entfällt in der Regel bei einem Wechsel aus der gesetzlichen Krankenkasse, wenn eine ununterbrochen zurückgelegte Versicherungszeit nachgewiesen werden kann. Gleiches gilt übrigens auch bei einem Wechsel von einer anderen Krankenkasse.
Für Fragen oder pers. Angebote wenden Sie sich an: (Sie können diese E-Mail Adresse erst sehen, wenn Sie mindestens Premium-User sind.)
Private Krankenkassen erhöhen die Beiträge
Millionen privat krankenversicherte Männer werden bald deutlich stärker zur Kasse gebeten. Ab Januar 2008 müssen sie sich auch an den Kosten für Schwangerschaft und Geburt beteiligen. Diese Ausgaben wurden den Frauen bislang ganz allein aufgebürdet.
Damit soll jetzt Schluss endgültig sein: Weibliche Privatversicherte dürfen schließlich nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) nicht mehr benachteiligt werden.
Vor allem für jüngere Männer und Beamte bedeutet das deutlich steigende Beiträge, zum Teil bis zu zwölf Prozent, je nach Tarif und Versicherer. Betroffen sind Alt- wie Neukunden. „Viele Leute haben ihre finanzielle Obergrenze erreicht“, weiß Heidemarie Krause-Böhm von der Verbraucherzentrale Bayern. Auch ein Großteil der 13 Mio. Zusatzversicherungen, die überwiegend Kassenpatienten abgeschlossen haben, wird teurer. Bis zu zehn Prozent Preiserhöhung dürften keine Seltenheit sein.
Das Gesetz verpflichtete die Versicherungsunternehmen, eine neue Kalkulationsbasis für ihre Tarife auszuarbeiten. Es geht um hohe Summen fürs Kinderkriegen, die künftig anteilig auf beide Geschlechter umzulegen sind, wie Ulrike Pott, Sprecherin des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV) erläutert.
Im Schnitt gäben die Versicherer etwa zwei Prozent ihrer Gesamtleistung für Schwangerschaft und Geburt aus. Branchenschätzungen zufolge bis zu 500 Mio. Euro im Jahr. Noch ist die neue Kalkulationsverordnung von der Aufsichtsbehörde für Finanzdienstleistungen (BaFin) nicht verabschiedet.
Die empfindlichste Verteuerung ihrer Beiträge dürften jüngere Männer zu erwarten haben. Die ältere männliche Kundschaft über 49 ist voraussichtlich weniger stark betroffen, wie Experten der Zeitschrift „Finanztest“ erläutern. Wie viel Männer mehr bezahlen müssen, dürfte vor allem davon abhängen, wie hoch der Frauenanteil in der entsprechenden Tarifgruppe ist. Manche der über acht Millionen Vollversicherten haben bereits Post von ihrem Versicherer bekommen.
Im Schnitt liege die Verteuerung bei drei Prozent, meint PKV-Sprecherin Pott. Sie betont zugleich, dass einige Tarife „sehr stark nach oben abweichen könnten“. Unter anderem dürften Beamte von der Preiserhöhung überdurchschnittlich betroffen sein. In Beamtentarifen sind erfahrungsgemäß viele Frauen versichert. „Das kann bis zu zwölf Prozent mehr ausmachen“, sagt PKV-Sprecherin Pott. Das gelte auch für die Zusatzpolicen wie etwa für Chefarztbehandlung im Krankenhaus oder anderer Varianten im medizinischen Bereich. Von Erhöhungen ausgeschlossen sind die privaten Auslandsreisekranken- sowie die Pflegeversicherungen.
Für Frauen werde die Prämie im Gegenzug bald „tendenziell günstiger“, sagt Pott. Verbraucherschützer winken allerdings ab: Frauen sollten sich „nicht viel Hoffnung auf billigere Prämien machen“, meint Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung und anderer Umstände würden Frauen unterm Strich auch in Zukunft etwas stärker zur Kasse gebeten als Männer. Bisher zahlen weibliche Versicherte etwa 30 Prozent mehr für ihre Vollpolice.
Der Prämienerhöhung ab 2008 kann keiner entgehen. Ein Sonderkündigungsrecht gibt es in diesem Fall nicht für Privatversicherte. Wohin sollten Betroffene auch wechseln? Wer nach fünf oder zehn Jahren umsteigen will, wird beim neuen Versicherer noch teurer eingestuft als vorher. „Ein Wechsel rechnet sich nicht“, warnt Krause-Böhm.
Um die eigene Prämienbelastung bezahlbar zu halten, können privat Versicherte allenfalls folgendes versuchen: Bei der gleichen Gesellschaft können Versicherte in einen billigeren Tarif wechseln und ihren Selbstbehalt erhöhen. Eine andere Möglichkeit wäre, rigoros auf Leistungen im Krankheitsfall zu verzichten und so die monatlich zu entrichtende Prämie zu senken. Ein einfaches Zurück in die gesetzliche Krankenkasse gibt es jedoch in der Regel für die privat Versicherten nicht
Quelle: AP
Damit soll jetzt Schluss endgültig sein: Weibliche Privatversicherte dürfen schließlich nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) nicht mehr benachteiligt werden.
Vor allem für jüngere Männer und Beamte bedeutet das deutlich steigende Beiträge, zum Teil bis zu zwölf Prozent, je nach Tarif und Versicherer. Betroffen sind Alt- wie Neukunden. „Viele Leute haben ihre finanzielle Obergrenze erreicht“, weiß Heidemarie Krause-Böhm von der Verbraucherzentrale Bayern. Auch ein Großteil der 13 Mio. Zusatzversicherungen, die überwiegend Kassenpatienten abgeschlossen haben, wird teurer. Bis zu zehn Prozent Preiserhöhung dürften keine Seltenheit sein.
Das Gesetz verpflichtete die Versicherungsunternehmen, eine neue Kalkulationsbasis für ihre Tarife auszuarbeiten. Es geht um hohe Summen fürs Kinderkriegen, die künftig anteilig auf beide Geschlechter umzulegen sind, wie Ulrike Pott, Sprecherin des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV) erläutert.
Im Schnitt gäben die Versicherer etwa zwei Prozent ihrer Gesamtleistung für Schwangerschaft und Geburt aus. Branchenschätzungen zufolge bis zu 500 Mio. Euro im Jahr. Noch ist die neue Kalkulationsverordnung von der Aufsichtsbehörde für Finanzdienstleistungen (BaFin) nicht verabschiedet.
Die empfindlichste Verteuerung ihrer Beiträge dürften jüngere Männer zu erwarten haben. Die ältere männliche Kundschaft über 49 ist voraussichtlich weniger stark betroffen, wie Experten der Zeitschrift „Finanztest“ erläutern. Wie viel Männer mehr bezahlen müssen, dürfte vor allem davon abhängen, wie hoch der Frauenanteil in der entsprechenden Tarifgruppe ist. Manche der über acht Millionen Vollversicherten haben bereits Post von ihrem Versicherer bekommen.
Im Schnitt liege die Verteuerung bei drei Prozent, meint PKV-Sprecherin Pott. Sie betont zugleich, dass einige Tarife „sehr stark nach oben abweichen könnten“. Unter anderem dürften Beamte von der Preiserhöhung überdurchschnittlich betroffen sein. In Beamtentarifen sind erfahrungsgemäß viele Frauen versichert. „Das kann bis zu zwölf Prozent mehr ausmachen“, sagt PKV-Sprecherin Pott. Das gelte auch für die Zusatzpolicen wie etwa für Chefarztbehandlung im Krankenhaus oder anderer Varianten im medizinischen Bereich. Von Erhöhungen ausgeschlossen sind die privaten Auslandsreisekranken- sowie die Pflegeversicherungen.
Für Frauen werde die Prämie im Gegenzug bald „tendenziell günstiger“, sagt Pott. Verbraucherschützer winken allerdings ab: Frauen sollten sich „nicht viel Hoffnung auf billigere Prämien machen“, meint Elke Weidenbach, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Aufgrund ihrer höheren Lebenserwartung und anderer Umstände würden Frauen unterm Strich auch in Zukunft etwas stärker zur Kasse gebeten als Männer. Bisher zahlen weibliche Versicherte etwa 30 Prozent mehr für ihre Vollpolice.
Der Prämienerhöhung ab 2008 kann keiner entgehen. Ein Sonderkündigungsrecht gibt es in diesem Fall nicht für Privatversicherte. Wohin sollten Betroffene auch wechseln? Wer nach fünf oder zehn Jahren umsteigen will, wird beim neuen Versicherer noch teurer eingestuft als vorher. „Ein Wechsel rechnet sich nicht“, warnt Krause-Böhm.
Um die eigene Prämienbelastung bezahlbar zu halten, können privat Versicherte allenfalls folgendes versuchen: Bei der gleichen Gesellschaft können Versicherte in einen billigeren Tarif wechseln und ihren Selbstbehalt erhöhen. Eine andere Möglichkeit wäre, rigoros auf Leistungen im Krankheitsfall zu verzichten und so die monatlich zu entrichtende Prämie zu senken. Ein einfaches Zurück in die gesetzliche Krankenkasse gibt es jedoch in der Regel für die privat Versicherten nicht
Quelle: AP
PKV: Was die Billigtarife taugen
Die Privaten Krankenversicherungen locken Kunden mit günstigen Einstiegstarifen. Doch häufig halten die Angebote nicht das, was sie versprechen. Für schlechte Leistungen müssen die Versicherten tief in die Tasche greifen.
Quelle: Handelsblatt
Zitat
Selbst in sogenannten Einsteigertarifen mit schlechten Leistungen müssen Kunden nun oft mit Monatsprämien von mehr als 200 Euro rechnen. Das ergaben dem Handelsblatt vorliegende Berechnungen von 14 Billigtarifen, die das Analysehaus Franke & Bornberg für einen 32 Jahre alten Musterkunden untersucht hat.
Bei den Männern liegen die Prämien nur bei fünf von 14 Tarifen unter 200 Euro, bei den Frauen waren es sogar nur zwei von 14 Tarifen. Im Schnitt bezahlten die 32 Jahre alten Männer 230 Euro im Monat und die gleichaltrigen Frauen 284 Euro Tarifen mit Grundschutz. Im Vergleich zum Vorjahr sind damit die Prämien für Männer im Schnitt um 30 Euro gestiegen, für Frauen dagegen nur um 12 Euro.
Hintergrund: Viele der gut 40 privaten Krankenversicherungen haben in der Vergangenheit neue Kunden vor allem mit einem großen Preisvorteil gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) gelockt. Während gut verdienende Angestellte bei den Krankenkassen rund 600 Euro im Monat zahlen, boten die Krankenversicherer besonders preiswerte Produktlinien an, sogenannte „Einsteigertarife“.
Den Versicherten sei dabei oft nicht bewusst gewesen, dass sie sich für eine private Krankenversicherung (PKV) entschieden, die in einigen Bereichen noch nicht einmal mit der gesetzlichen Krankenversicherung mithalten könne, warnen Experten.
Quelle: Handelsblatt
Jusitzministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will die Verbraucherrechte von Privatversicherten stärken. Versicherte sollen ein Anrecht auf Auskunft der zu erwartenden Behandlungskosten bekommen. Derzeit wissen die Kunden der Versicherungen nicht, welche Kosten tatsächlich auf sie zu kommen. Das neue Gesetz soll Abhilfe und Transparenz schaffen.
Quelle: Versicherungsmagazin
Zitat
Nach dem neuen Gesetz kann ein Versicherter jetzt vor Beginn einer teuren Behandlung von seiner Versicherung Auskunft über die Kostenübernahme verlangen. In dringenden Fällen muss die Auskunft unverzüglich erfolgen, ansonsten spätestens nach zwei Wochen. Voraussetzung ist, dass die Heilbehandlung voraussichtlich mehr als 3.000 Euro kosten wird. Die Auskunft soll verbindlich sein, soweit sie auf Grundlage eines Heil- und Kostenplans erteilt wird.
Für die Kündigung einer privaten Krankenversicherung wegen einer Beitragserhöhung soll der Versicherungsnehmer nun zwei Monate Zeit haben statt wie bisher nur einen Monat. Hat der Versicherungsnehmer im Basistarif einen Selbstbehalt vereinbart, und führt dieser nicht dazu, dass sich die Prämie verringert, soll er künftig den Selbstbehalt jederzeit kündigen können.
Der Gesetzesentwurf wurde an Länder und Verbände zur Stellungnahme versandt.
Quelle: Versicherungsmagazin
Horrorszenarien zur Beitragsentwicklung
Die Schlinge um die PKV zieht sich zu
Linke Politiker und Krankenkassen befeuern ihre Kampagne gegen die PKV. Selbst in CDU und FDP mehren sich die Kritiker. Versicherer und AOK bombardieren sich gegenseitig mit Horrorszenarien zur Beitragsentwicklung
Seit fast zwei Jahrzehnten ist Oskar K. in der privaten Krankenversicherung (PKV). Lange war der Akademiker zufrieden, doch seit ein paar Jahren steigt sein Ärger. „Ein großer Teil der Privatversicherten sitzt auf einem Pulverfass“, sagt er heute. Denn wie sich Leistungen und Beiträge künftig entwickeln, sei nicht absehbar
Das sehen immer mehr Politiker, Verbraucherschützer und viele Konkurrenten der PKV genauso. Und sie nehmen einzelne Fälle wie den von Oskar K. inzwischen wöchentlich zum Anlass, den öffentlichen Druck auf die privaten Anbieter zu erhöhen. Im Vorfeld der nächsten Bundestagswahl zieht sich die Schlinge zu: Die PKV kämpft immer verzweifelter ums Überleben. Denn die Anti-PKV-Front will nicht nur an die Rücklagen der Privaten, viele würden die PKV in ihrer heutigen Form am liebsten abschaffen und durch eine Bürgerversicherung für alle ersetzen
Wie stark die Prämie in der privaten Krankenversicherung steigen, ist heftig umstritten. Die Angaben von Analysten, öffentlichen Stellen und der Branche schwanken zwischen drei und neun Prozent pro Jahr. Das jeweilige Ergebnis hängt dabei stark vom Betrachter und der Rechenmethode ab
Befeuert wird die Anti-PKV-Kampagne durch immer neue Berichte und Studien über starke Beitragsanstiege. So hat Oskar K. dem Handelsblatt aufgezeigt: Innerhalb von nur zehn Jahren verdoppelte sich seine Prämie nahezu. Dass der Informatiker kein Einzelfall ist, belegen nun sogar Zahlen, die jüngst von der Bundesregierung veröffentlicht wurden. Seit 2000 sind die Prämien für Privatpatienten im Schnitt um mehr als fünf Prozent gestiegen. Generell gilt dabei: Für Beamte eher weniger, für Angestellte und Selbstständige eher mehr.
Für die gut 40 privaten Krankenversicherer sind das unangenehme Wahrheiten. Denn wenn privat versicherte Angestellte mit sechs Prozent oder mehr Beitragsanstieg rechnen müssen, dann verdoppelt sich ihre Prämie theoretisch alle zwölf Jahre. Wer also als Angestellter dem Höchstbeitrag der Krankenkassen entkommen ist und seine Prämie in der PKV halbiert hat, ist viel schneller als gedacht wieder auf seinem Ausgangsniveau.
Bitter für die Branche: Solche Rechnungen widerlegen eine Kernbotschaft der Verkäufer von privaten Krankenversicherungen. Die Branche liefert zwar nur für neun Millionen Deutsche den vollen Krankenschutz, doch vermarktet wurde dies bisher als die höherwertige Alternative zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Kurz gesagt: Günstiger im Preis und besser in der Leistung. So wurden neue Kunden jahrzehntelang gelockt.
Dieses Image gerät durch teilweise horrende Beitragssteigerungen einzelner Versicherer wie Central und überbordende Provisionen für Vermittler ins Wanken. Besonders bedrohlich ist dabei: In Berlin baut sich eine nahezu alle Parteien übergreifende Front gegen die PKV auf. SPD, Grüne und neuerdings auch die Linken profilieren sich als besonders starke PKV-Kritiker.
Die Linken waren es dabei, die der Bundesregierung hoch interessante Zahlen zur Beitragsentwicklung in der PKV entlockten. Die Finanzaufsicht Bafin führt eine Statistik, die auf Daten der Anbieter beruht. Generell ist die PKV-Branche sehr zurückhaltend mit Angaben zur Beitragsentwicklung. Nur einzelne Unternehmen, die vergleichsweise gut dastehen, nennen bereitwillig Daten. Andere verweisen nur auf Durchschnittswerte, die oft wenig aussagekräftig sind.
Die Bafin-Statistik bestätigt nun erstmals offiziell die Schätzungen mancher Analysten, dass Privatversicherte im Schnitt mit einem Beitragsanstieg von mehr als fünf Prozent pro Jahr rechnen müssen. Es können aber in einzelnen Jahren auch mehr als sieben Prozent werden.
Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Durchschnittswerte durch die hohe Zahl der Beamten verzerrt sind. Diese Gruppe macht knapp die Hälfte der PKV-Versicherten aus, verursacht aber erfahrungsgemäß weniger Kosten. Daher steigen die Prämien der Beamten auch nicht so stark. Umgekehrt beklagen vor allem Angestellte und Selbstständige immer wieder starke Beitragserhöhungen.
Der Linken-Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg sagte dem Handelsblatt: „Die Zahlen der Bundesregierung belegen, dass die PKV ihre besten Zeiten hinter sich hat.“ Beiträge und Ausgaben stiegen rasant und deutlich stärker als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Zinsentwicklung bei den Alterungsrückstellungen zeige, dass die PKV nicht demographiefest sei.
Nicht nur SPD und Grüne, auch Teile der CDU und FDP stimmen inzwischen in den Anti-PKV-Chor mit. Der Unions-Politiker Jens Spahn fiel bereits mit PKV-Kritik auf. Und nun fordert auch der FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann "grundlegende Veränderungen" von der Branche. „Ich bezweifle, ob die Vollversicherung in der heutigen Gestalt in der Zukunft noch so bestehen bleiben kann“, sagte er dem „Stern“. Selbst auf den Gesundheitsminister der FDP, Daniel Bahr, können sich die Privaten nicht mehr vorbehaltlos verlassen.
Die Krankenkassen, die rund 70 Millionen Deutsche versichern, erhalten in dieser politischen Gemengelage richtig Oberwasser. Im vergangenen Jahr hatten noch viele mit den eigenen Finanzen zu kämpfen, nun beschäftigen sie sich mit dem Systemgegner, der ihnen Jahr für Jahr die besten Kunden abwirbt – vor allem gut verdienende Angestellte und Selbstständige.
Besonders aus dem größten Krankenkassenlager, der AOK, kommt immer mehr öffentlicher Gegenwind. Jüngstes Beispiel: Eine AOK-Studie, die den neun Millionen Privatversicherten stark steigende Beiträge in der Zukunft vorhersagt. Aus der Präsentation, die dem Handelsblatt vorliegt, geht hervor, dass die privaten Krankenversicherer von jedem Mitglied 2700 Euro Prämie im Jahr zusätzlich verlangen müssten, um in den nächsten 40 Jahren finanziell über die Runden zu kommen. Allein um diesen Fehlbetrag auszugleichen, seien etwa vier Prozent Prämiensteigerungen pro Jahr notwendig.
Die privaten Krankenversicherer reagierten umgehend. PKV-Direktor Volker Leienbach kontert: „Die AOK bildet keinerlei Vorsorge für die steigende Lebenserwartung und die steigenden Gesundheitsausgaben ihrer Versicherten. Die Private Krankenversicherung dagegen hat für ihre 9 Millionen Versicherten fast 150 Milliarden Euro kapitalgedeckte Vorsorge vorzuweisen.“ Da sei es schon „dreist“, dass die AOK Spekulationen über zukünftige Kosten des System-Wettbewerbers anstelle.
Leienbach rechnete vor, der AOK-Höchstbeitrag sei in den letzten 40 Jahren von rund 750 Euro auf heute rund 7.100 Euro pro Jahr gestiegen. Wenn man diese Erfahrungswerte linear fortschreibe, werde der AOK-Höchstbeitrag in 40 Jahren bei über 67.000 Euro pro Jahr liegen. Hinzu kämen noch die Belastungen der Steuerzahler für den Anteil der AOK an den staatlichen Milliarden-Zuschüssen.
Das Beitragsorakel der AOK könne zudem nicht davon ablenken, was sich Tag für Tag in der Praxis beweise, so Leienbach: „Deutschland hat dank seines Zwei-Säulen-Systems aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung eine auch im internationalen Vergleich hervorragende Gesundheitsversorgung mit kurzen Wartezeiten, freier Arztwahl und medizinischem Fortschritt für alle.“
Ein AOK-Sprecher erklärte dazu, man vermisse eine ernsthafte Auseinandersetzung des PKV-Verbandes mit den Fakten. Mit Polemik gegen die AOK und das Umlageverfahren der GKV werde sich der PKV-Verband auf Dauer nicht einer sachlichen Diskussion entziehen können.
Der Systemstreit um PKV und GKV interessiert den Privatpatienten Oskar K. indes im Moment recht wenig. Er ist vor allem daran interessiert, seinen eigenen Beitrag zu senken. Bisher hatte er einen Tarif mit 900 Euro Selbstbeteiligung. „Mein jetziger Tarif hat eine Selbstbeteiligung von 500 EUR und erheblich schlechtere Leistungen. Er sieht keine Beitragssenkungen für das Rentenalter vor.“ Zudem weiß er: „Es werden aber nicht alle Leistungen vollständig bezahlt, wie dies vorher der Fall war.“ Dieses Risiko gehen alle PKV-Kunden ein, wenn sie bei ihrem Versicherer in einen anderen Tarif gehen.
Zwar bezahlt er mit knapp 300 Euro im Monat jetzt wieder deutlich weniger. Doch wie lange? Bei den heutigen Tarifen und Beitragserstattungen seien die Anreize, keine Erstattungen zu beanspruchen und Leistungen selber zu zahlen, deutlich schlechter geworden. „Daher rechne ich persönlich auch mit weiterhin explodierenden Ausgaben
* HB
Linke Politiker und Krankenkassen befeuern ihre Kampagne gegen die PKV. Selbst in CDU und FDP mehren sich die Kritiker. Versicherer und AOK bombardieren sich gegenseitig mit Horrorszenarien zur Beitragsentwicklung
Seit fast zwei Jahrzehnten ist Oskar K. in der privaten Krankenversicherung (PKV). Lange war der Akademiker zufrieden, doch seit ein paar Jahren steigt sein Ärger. „Ein großer Teil der Privatversicherten sitzt auf einem Pulverfass“, sagt er heute. Denn wie sich Leistungen und Beiträge künftig entwickeln, sei nicht absehbar
Das sehen immer mehr Politiker, Verbraucherschützer und viele Konkurrenten der PKV genauso. Und sie nehmen einzelne Fälle wie den von Oskar K. inzwischen wöchentlich zum Anlass, den öffentlichen Druck auf die privaten Anbieter zu erhöhen. Im Vorfeld der nächsten Bundestagswahl zieht sich die Schlinge zu: Die PKV kämpft immer verzweifelter ums Überleben. Denn die Anti-PKV-Front will nicht nur an die Rücklagen der Privaten, viele würden die PKV in ihrer heutigen Form am liebsten abschaffen und durch eine Bürgerversicherung für alle ersetzen
Wie stark die Prämie in der privaten Krankenversicherung steigen, ist heftig umstritten. Die Angaben von Analysten, öffentlichen Stellen und der Branche schwanken zwischen drei und neun Prozent pro Jahr. Das jeweilige Ergebnis hängt dabei stark vom Betrachter und der Rechenmethode ab
Befeuert wird die Anti-PKV-Kampagne durch immer neue Berichte und Studien über starke Beitragsanstiege. So hat Oskar K. dem Handelsblatt aufgezeigt: Innerhalb von nur zehn Jahren verdoppelte sich seine Prämie nahezu. Dass der Informatiker kein Einzelfall ist, belegen nun sogar Zahlen, die jüngst von der Bundesregierung veröffentlicht wurden. Seit 2000 sind die Prämien für Privatpatienten im Schnitt um mehr als fünf Prozent gestiegen. Generell gilt dabei: Für Beamte eher weniger, für Angestellte und Selbstständige eher mehr.
Für die gut 40 privaten Krankenversicherer sind das unangenehme Wahrheiten. Denn wenn privat versicherte Angestellte mit sechs Prozent oder mehr Beitragsanstieg rechnen müssen, dann verdoppelt sich ihre Prämie theoretisch alle zwölf Jahre. Wer also als Angestellter dem Höchstbeitrag der Krankenkassen entkommen ist und seine Prämie in der PKV halbiert hat, ist viel schneller als gedacht wieder auf seinem Ausgangsniveau.
Bitter für die Branche: Solche Rechnungen widerlegen eine Kernbotschaft der Verkäufer von privaten Krankenversicherungen. Die Branche liefert zwar nur für neun Millionen Deutsche den vollen Krankenschutz, doch vermarktet wurde dies bisher als die höherwertige Alternative zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Kurz gesagt: Günstiger im Preis und besser in der Leistung. So wurden neue Kunden jahrzehntelang gelockt.
Dieses Image gerät durch teilweise horrende Beitragssteigerungen einzelner Versicherer wie Central und überbordende Provisionen für Vermittler ins Wanken. Besonders bedrohlich ist dabei: In Berlin baut sich eine nahezu alle Parteien übergreifende Front gegen die PKV auf. SPD, Grüne und neuerdings auch die Linken profilieren sich als besonders starke PKV-Kritiker.
Die Linken waren es dabei, die der Bundesregierung hoch interessante Zahlen zur Beitragsentwicklung in der PKV entlockten. Die Finanzaufsicht Bafin führt eine Statistik, die auf Daten der Anbieter beruht. Generell ist die PKV-Branche sehr zurückhaltend mit Angaben zur Beitragsentwicklung. Nur einzelne Unternehmen, die vergleichsweise gut dastehen, nennen bereitwillig Daten. Andere verweisen nur auf Durchschnittswerte, die oft wenig aussagekräftig sind.
Die Bafin-Statistik bestätigt nun erstmals offiziell die Schätzungen mancher Analysten, dass Privatversicherte im Schnitt mit einem Beitragsanstieg von mehr als fünf Prozent pro Jahr rechnen müssen. Es können aber in einzelnen Jahren auch mehr als sieben Prozent werden.
Zudem ist zu berücksichtigen, dass die Durchschnittswerte durch die hohe Zahl der Beamten verzerrt sind. Diese Gruppe macht knapp die Hälfte der PKV-Versicherten aus, verursacht aber erfahrungsgemäß weniger Kosten. Daher steigen die Prämien der Beamten auch nicht so stark. Umgekehrt beklagen vor allem Angestellte und Selbstständige immer wieder starke Beitragserhöhungen.
Der Linken-Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg sagte dem Handelsblatt: „Die Zahlen der Bundesregierung belegen, dass die PKV ihre besten Zeiten hinter sich hat.“ Beiträge und Ausgaben stiegen rasant und deutlich stärker als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Zinsentwicklung bei den Alterungsrückstellungen zeige, dass die PKV nicht demographiefest sei.
Nicht nur SPD und Grüne, auch Teile der CDU und FDP stimmen inzwischen in den Anti-PKV-Chor mit. Der Unions-Politiker Jens Spahn fiel bereits mit PKV-Kritik auf. Und nun fordert auch der FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann "grundlegende Veränderungen" von der Branche. „Ich bezweifle, ob die Vollversicherung in der heutigen Gestalt in der Zukunft noch so bestehen bleiben kann“, sagte er dem „Stern“. Selbst auf den Gesundheitsminister der FDP, Daniel Bahr, können sich die Privaten nicht mehr vorbehaltlos verlassen.
Die Krankenkassen, die rund 70 Millionen Deutsche versichern, erhalten in dieser politischen Gemengelage richtig Oberwasser. Im vergangenen Jahr hatten noch viele mit den eigenen Finanzen zu kämpfen, nun beschäftigen sie sich mit dem Systemgegner, der ihnen Jahr für Jahr die besten Kunden abwirbt – vor allem gut verdienende Angestellte und Selbstständige.
Besonders aus dem größten Krankenkassenlager, der AOK, kommt immer mehr öffentlicher Gegenwind. Jüngstes Beispiel: Eine AOK-Studie, die den neun Millionen Privatversicherten stark steigende Beiträge in der Zukunft vorhersagt. Aus der Präsentation, die dem Handelsblatt vorliegt, geht hervor, dass die privaten Krankenversicherer von jedem Mitglied 2700 Euro Prämie im Jahr zusätzlich verlangen müssten, um in den nächsten 40 Jahren finanziell über die Runden zu kommen. Allein um diesen Fehlbetrag auszugleichen, seien etwa vier Prozent Prämiensteigerungen pro Jahr notwendig.
Die privaten Krankenversicherer reagierten umgehend. PKV-Direktor Volker Leienbach kontert: „Die AOK bildet keinerlei Vorsorge für die steigende Lebenserwartung und die steigenden Gesundheitsausgaben ihrer Versicherten. Die Private Krankenversicherung dagegen hat für ihre 9 Millionen Versicherten fast 150 Milliarden Euro kapitalgedeckte Vorsorge vorzuweisen.“ Da sei es schon „dreist“, dass die AOK Spekulationen über zukünftige Kosten des System-Wettbewerbers anstelle.
Leienbach rechnete vor, der AOK-Höchstbeitrag sei in den letzten 40 Jahren von rund 750 Euro auf heute rund 7.100 Euro pro Jahr gestiegen. Wenn man diese Erfahrungswerte linear fortschreibe, werde der AOK-Höchstbeitrag in 40 Jahren bei über 67.000 Euro pro Jahr liegen. Hinzu kämen noch die Belastungen der Steuerzahler für den Anteil der AOK an den staatlichen Milliarden-Zuschüssen.
Das Beitragsorakel der AOK könne zudem nicht davon ablenken, was sich Tag für Tag in der Praxis beweise, so Leienbach: „Deutschland hat dank seines Zwei-Säulen-Systems aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung eine auch im internationalen Vergleich hervorragende Gesundheitsversorgung mit kurzen Wartezeiten, freier Arztwahl und medizinischem Fortschritt für alle.“
Ein AOK-Sprecher erklärte dazu, man vermisse eine ernsthafte Auseinandersetzung des PKV-Verbandes mit den Fakten. Mit Polemik gegen die AOK und das Umlageverfahren der GKV werde sich der PKV-Verband auf Dauer nicht einer sachlichen Diskussion entziehen können.
Der Systemstreit um PKV und GKV interessiert den Privatpatienten Oskar K. indes im Moment recht wenig. Er ist vor allem daran interessiert, seinen eigenen Beitrag zu senken. Bisher hatte er einen Tarif mit 900 Euro Selbstbeteiligung. „Mein jetziger Tarif hat eine Selbstbeteiligung von 500 EUR und erheblich schlechtere Leistungen. Er sieht keine Beitragssenkungen für das Rentenalter vor.“ Zudem weiß er: „Es werden aber nicht alle Leistungen vollständig bezahlt, wie dies vorher der Fall war.“ Dieses Risiko gehen alle PKV-Kunden ein, wenn sie bei ihrem Versicherer in einen anderen Tarif gehen.
Zwar bezahlt er mit knapp 300 Euro im Monat jetzt wieder deutlich weniger. Doch wie lange? Bei den heutigen Tarifen und Beitragserstattungen seien die Anreize, keine Erstattungen zu beanspruchen und Leistungen selber zu zahlen, deutlich schlechter geworden. „Daher rechne ich persönlich auch mit weiterhin explodierenden Ausgaben
* HB
Wie die private Krankenversicherung sich selbst abschafft
Mit ihren exorbitanten jährlichen Preissteigerungen könnten die privaten Krankenversicherer sich bald selbst abschaffen. Gelingt es ihnen nicht, ihr Geschäftsmodell endlich zu reformieren, werden sie in eine Bürgerversicherung eingemeindet. Für Versicherte hat das Folgen.
Wie viel darf eine Krankenversicherungspolice ein paar Jahre vor dem Ruhestand eigentlich kosten? 500 Euro? 700 Euro? 800 oder gar 900 Euro im Monat? Am besten können diese Fragen wohl diejenigen beantworten, die in den Versicherungsunternehmen das Sagen haben
Uwe Laue beispielsweise, 55 Jahre alt und Chef der Debeka. Er zahlt rund 420 Euro im Monat. Oder Rolf Bauer (63), Nummer eins der Continentale und in wenigen Wochen im Ruhestand. Er kommt auf etwa 500 Euro Monatsbeitrag.
Von solchen Prämien können viele Privatpatienten jenseits der 55 mittlerweile nur noch träumen. Für sie gehören Beitragssteigerungen im zweistelligen Prozentbereich zum Alltag. Und statt 500 Euro geben viele eben 700, 800 oder gar 900 Euro für ihren Krankenversicherungsschutz aus, Monat für Monat für Monat. Im aktuellen Heft analysiert manager magazin in einem umfangreichen Report die Misere der Privaten.
Von den Versicherern werden solche Prämien gerne als Einzelfälle abgetan. Dabei gehen sie großzügig darüber hinweg, dass die Inflation der Beiträge Teil des eigenen Geschäftsmodells ist: Die Mehrheit der Gesellschaften verkauft ihre Policen noch immer als Billigalternative zu den gesetzlichen Kassen.
Tatsächlich aber ist der Privatpatientenstatus das exakte Gegenteil - ein teurer Upgrade zur AOK, Techniker & Co. So richtig klar wird vielen Versicherten das aber erst, wenn es längst zu spät ist, die Prämien absurde Höhen erreicht haben, der Wechsel zu einem günstigeren Konkurrenten nicht mehr möglich und der Rückweg in die gesetzliche Kassen versperrt ist. Mit dieser Strategie erreichen die Konzerne am Ende aber vor allem eines: die Abschaffung ihrer eigenen Industrie.
Preissteigerungen von bis zu 50 Prozent sind ein Desaster
Preissteigerungen von bis zu 50 Prozent sind schlicht ein Desaster. Noch dazu für eine Branche, die von sich behauptet, immun gegen die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu sein. Mit jeder neuen Prämienrunde liefern die Unternehmen den Beleg dafür, dass ihr Grundprinzip, Kapital für die steigenden Behandlungskosten der letzten Lebensjahrzehnte anzusparen, genauso wenig gegen steigende Krankenversicherungsprämien hilft, wie das Umlagesystem der gesetzlichen Krankenkassen, das vollkommen ohne jedes Finanzpolster auskommt.
SPD, Grüne und Linke nehmen diesen Offenbarungseid dankend zur Kenntnis. Sie würden die privaten Krankenversicherer ohnehin am liebsten abschaffen, in eine irgendwie geartete Bürgerversicherung eingemeinden und mit den Alterskapital der Privatpatienten die potenzielle Finanzierungslücken der gesetzlichen Kassen stopfen.
Selbst im bürgerlichen Lager schwindet die Unterstützung. Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU, stellt das Nebeneinander von gesetzlichen und privaten Kassen grundsätzlich in Frage. Und von den Gesundheitspolitikern der FDP bekommen die Manager der privaten Krankenversicherer inzwischen ziemlich unverhohlen zu hören, dass sie, statt ständig neue Forderungen zu stellen, endlich für stabile Beiträge sorgen sollten.
Dafür aber müssten die Versicherungskonzerne endlich anfangen ehrlich zu kalkulieren. Es ist schlicht unseriös, der jungen, gesunden und gutverdienenden Klientel tendenziell zu niedrige Prämien zu berechnen, nur um sie später mit massiven Preissteigerungen zu traktieren. Vor allem aber sollten Krankenversicherungspolicen endlich als das verkauft werden, was sie sind: ein Komfortprodukt, das eben teurer ist als der Einheitsschutz des gesetzlichen Lagers.
Schaffen es die Konzerne aber nicht, ihr Geschäftsmodell vernünftig zu reformieren, dann werden sich auch konservative Politiker einer Bürgerversicherung nicht länger verschließen können. Für die Versicherten heißt das: Es wird in jedem Fall eine Umverteilung von oben nach unten geben
Wie viel darf eine Krankenversicherungspolice ein paar Jahre vor dem Ruhestand eigentlich kosten? 500 Euro? 700 Euro? 800 oder gar 900 Euro im Monat? Am besten können diese Fragen wohl diejenigen beantworten, die in den Versicherungsunternehmen das Sagen haben
Uwe Laue beispielsweise, 55 Jahre alt und Chef der Debeka. Er zahlt rund 420 Euro im Monat. Oder Rolf Bauer (63), Nummer eins der Continentale und in wenigen Wochen im Ruhestand. Er kommt auf etwa 500 Euro Monatsbeitrag.
Von solchen Prämien können viele Privatpatienten jenseits der 55 mittlerweile nur noch träumen. Für sie gehören Beitragssteigerungen im zweistelligen Prozentbereich zum Alltag. Und statt 500 Euro geben viele eben 700, 800 oder gar 900 Euro für ihren Krankenversicherungsschutz aus, Monat für Monat für Monat. Im aktuellen Heft analysiert manager magazin in einem umfangreichen Report die Misere der Privaten.
Von den Versicherern werden solche Prämien gerne als Einzelfälle abgetan. Dabei gehen sie großzügig darüber hinweg, dass die Inflation der Beiträge Teil des eigenen Geschäftsmodells ist: Die Mehrheit der Gesellschaften verkauft ihre Policen noch immer als Billigalternative zu den gesetzlichen Kassen.
Tatsächlich aber ist der Privatpatientenstatus das exakte Gegenteil - ein teurer Upgrade zur AOK, Techniker & Co. So richtig klar wird vielen Versicherten das aber erst, wenn es längst zu spät ist, die Prämien absurde Höhen erreicht haben, der Wechsel zu einem günstigeren Konkurrenten nicht mehr möglich und der Rückweg in die gesetzliche Kassen versperrt ist. Mit dieser Strategie erreichen die Konzerne am Ende aber vor allem eines: die Abschaffung ihrer eigenen Industrie.
Preissteigerungen von bis zu 50 Prozent sind ein Desaster
Preissteigerungen von bis zu 50 Prozent sind schlicht ein Desaster. Noch dazu für eine Branche, die von sich behauptet, immun gegen die Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu sein. Mit jeder neuen Prämienrunde liefern die Unternehmen den Beleg dafür, dass ihr Grundprinzip, Kapital für die steigenden Behandlungskosten der letzten Lebensjahrzehnte anzusparen, genauso wenig gegen steigende Krankenversicherungsprämien hilft, wie das Umlagesystem der gesetzlichen Krankenkassen, das vollkommen ohne jedes Finanzpolster auskommt.
SPD, Grüne und Linke nehmen diesen Offenbarungseid dankend zur Kenntnis. Sie würden die privaten Krankenversicherer ohnehin am liebsten abschaffen, in eine irgendwie geartete Bürgerversicherung eingemeinden und mit den Alterskapital der Privatpatienten die potenzielle Finanzierungslücken der gesetzlichen Kassen stopfen.
Selbst im bürgerlichen Lager schwindet die Unterstützung. Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU, stellt das Nebeneinander von gesetzlichen und privaten Kassen grundsätzlich in Frage. Und von den Gesundheitspolitikern der FDP bekommen die Manager der privaten Krankenversicherer inzwischen ziemlich unverhohlen zu hören, dass sie, statt ständig neue Forderungen zu stellen, endlich für stabile Beiträge sorgen sollten.
Dafür aber müssten die Versicherungskonzerne endlich anfangen ehrlich zu kalkulieren. Es ist schlicht unseriös, der jungen, gesunden und gutverdienenden Klientel tendenziell zu niedrige Prämien zu berechnen, nur um sie später mit massiven Preissteigerungen zu traktieren. Vor allem aber sollten Krankenversicherungspolicen endlich als das verkauft werden, was sie sind: ein Komfortprodukt, das eben teurer ist als der Einheitsschutz des gesetzlichen Lagers.
Schaffen es die Konzerne aber nicht, ihr Geschäftsmodell vernünftig zu reformieren, dann werden sich auch konservative Politiker einer Bürgerversicherung nicht länger verschließen können. Für die Versicherten heißt das: Es wird in jedem Fall eine Umverteilung von oben nach unten geben
.. dass das System private Krankenversicherung nicht funktioniert
Unbezahlbare Prämien im Alter sprengen das System der privaten Krankenversicherungen. Die Kassen müssen sich neu erfinden - sonst droht das Aus.
Einen besseren Kunden als Marco von Maltzan (57) kann es für einen privaten Krankenversicherer kaum geben. Der Mann hat Karriere gemacht. Er war Projektleiter bei den Consultants von Roland Berger, hatte die Verantwortung für die Motorradsparte von BMW, arbeitete vier Jahre lang als Vorstandschef des Automobilzulieferers Beru AG und sitzt heute in den Aufsichtsräten diverser Unternehmen.
Verdient hat er stets genug. Privatpatient ist er seit Mitte der 80er Jahre, immer beim selben Versicherer, dem Münchener Verein. Ernste gesundheitliche Probleme gab es nie - weder bei ihm noch bei seiner Frau oder seinen beiden Kindern. Die Police war komfortabel, aber keineswegs luxuriös ausgestattet. Opulent entwickelten sich lediglich die Prämien, die der Münchener Verein im Laufe der Zeit einforderte.
Allein zwischen 2003 und 2011 stiegen die jährlichen Ausgaben für den Krankenversicherungsschutz der Familie Maltzan um rund 10.000 Euro - von knapp 15.000 auf rund 24.500 Euro. Im Schnitt schossen die Prämien um fast 6,5 Prozent pro Jahr nach oben, stärker als in der gesetzlichen Krankenversicherung und schneller, als es durch Preissteigerungen bei Arznei- und Behandlungskosten zu erklären gewesen wäre.
Am Ende waren für Maltzan und seine Frau jeden Monat jeweils über 600 Euro fällig, 430 Euro kamen für die Tochter und 330 Euro für den Sohn hinzu. Tatsächlich zahlten sie in den meisten Jahren noch deutlich mehr, weil sie zwischenzeitlich eine Selbstbeteiligung für jedes der vier Familienmitglieder von rund 1000 Euro akzeptiert hatten.
Ähnlich wie den Maltzans erging es auch vielen anderen Privatpatienten. Um bis zu 50 Prozent hoben die Konzerne Anfang Januar die Beiträge in einzelnen Tarifen an. Steigerungen im zweistelligen Prozentbereich gehören für die Klientel ab Mitte 50 bei einigen Versicherern zum Alltag.
Die Ursachen sind vielfältig. Sie reichen vom Missmanagement einzelner Konzerne über den demografischen Wandel und die Kosten des medizinischen Fortschritts bis hin zur Ausbeutung des Systems durch Ärzte, Kliniken und Pharmafirmen. Und auch die Finanzkrise spielt ihre ganz spezielle Rolle.
"Am Ende sind die Gründe aber gleichgültig", sagt Matthias Graf von der Schulenburg, Versicherungsprofessor an der Universität Hannover. "In Berlin werden die Prämienerhöhungen als Signal verstanden, dass das System private Krankenversicherung nicht funktioniert."
Es ist eine desaströse Bilanz für eine Branche, die behauptet, immun gegen die Risiken einer alternden Gesellschaft zu sein. Und die damit wirbt, dass sie anders als die gesetzlichen Krankenkassen Rücklagen für die hohen Behandlungskosten der letzten Lebensjahrzehnte bildet. In der Realität tritt sie mit jeder neuen Beitragsrunde den Beweis an, wie fehlerbehaftet und teuer ihr System ist.
Dabei steht der Härtetest erst noch bevor. Wenn die Generation der Babyboomer das Rentenalter erreicht, drohen exorbitante Prämien zum Massenphänomen zu werden. "Dieses Problem müssen die Unternehmen in den Griff bekommen", sagt Matthias Becker (43), Krankenversicherungsexperte und Partner bei der Boston Consulting Group, "da sonst die politisch-gesellschaftliche Akzeptanz des privaten Vollversicherungssystems erodiert und ein Eingriff durch den Staat wahrscheinlich wird."
Vorschläge gibt es genug. Sie reichen von der Einheitsversicherung bis zur Generalüberholung des Geschäftsmodells der privaten Kassen.
■Da ist die von SPD, Grünen und der Linken propagierte Radikalkur: die Einführung einer Bürgerversicherung, die für jeden Pflicht wäre und für alle nur eine Grundsicherung bieten würde. Wer mehr will, müsste mehr zahlen.
■Gesetzliche Kassen und ein Teil der privaten Versicherer bringen Mischformen ins Spiel. Diese Modelle laufen auf eine weitgehende Annäherung gesetzlicher und privater Gesundheitsvorsorge hinaus. Sie sollen den Wettbewerb der Systeme verschärfen und so die Ausgaben insgesamt senken.
■Mit einer Restrukturierung ihres Geschäftsmodells könnten sich die Privatversicherer selbst neu erfinden. Doch für eine solche Neuordnung fehlt es an Mut und Einigkeit. Zu verschieden sind die Interessen der einzelnen Firmen.
Für die mittelständisch aufgestellten reinen Krankenversicherer geht es um die Existenz. Von Zusatzpolicen allein könnten sie nicht leben. Bei großen Gesellschaften wie Allianz , Ergo (DKV), Axa und Generali (Central) scheint das Interesse an den Privatpatienten dagegen schleichend verlorenzugehen.
Die Riesen denken in ganz anderen Kategorien und würden sich am liebsten für das Geschäft mit den Mitgliedern der gesetzlichen Kassen öffnen. In dieser Welt gäbe es dann wie in der Bürgerversicherung eine einheitliche Grundversorgung; Komfortbehandlung und Privatpatientenstatus wären nur noch über Zusatzpolicen möglich.
Auf solch radikale Positionen haben sich die Assekuranzen allerdings nie verständigen können. Ein Vorstoß von Allianz, Axa und DKV scheiterte im Sommer 2008 am Widerstand der kleinen und mittleren Anbieter. Wenn aber die Versicherungsindustrie so zerstritten und untätig bleibt wie bislang, dann droht ihr schon bald nach der nächsten Bundestagswahl die faktische Abschaffung: die Einführung der Bürgerversicherung.
Selbst in der CDU, auf deren Unterstützung die Versicherungskonzerne stets zählen konnten, nimmt der Widerstand gegen die Einheitskasse ab. Jens Spahn (32), der gesundheitspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, stellte das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Versicherung bereits infrage. Die Niederlande und die Schweiz haben diese Dualität vor einigen Jahren abgeschafft. In Europa gibt es sie nur noch in Deutschland.
Hierzulande wächst der Druck mit jeder neuen Prämienerhöhung. Vielen, denen ihre Privatpolice schon heute zu teuer ist oder die sich vor unbezahlbaren Beiträgen im Alter fürchten, käme die Bürgerversicherung gerade recht. Für sie gibt es derzeit kein Zurück in die gesetzlichen Krankenkassen - die Bürgerversicherung würde ihnen einen hochwillkommenen Fluchtweg bieten. Laut einer Umfrage der Boston Consulting Group würden sich 25 Prozent der heute rund neun Millionen Privatversicherten für einen solchen Notausgang entscheiden.
Der Mann, der in einem solchen Szenario wohl die geringsten Probleme hätte, heißt Uwe Laue (55) und ist Chef der Debeka, der Nummer zwei im Markt. Er hat sein Geschäft auf das Wesentliche reduziert und sein Unternehmen als eine bessere Version der gesetzlichen Krankenkassen positioniert. Laue konzentriert sich auf Beamte und Angestellte. Das Sortiment der Debeka besteht aus Standardware, teure Luxuspolicen hat Laue nicht im Programm.
Kaum ein anderer gibt weniger für Verwaltungsapparat und Vertriebstruppen aus und achtet stärker darauf, dass ihm seine Verkäufer kein allzu riskantes Geschäft ins Haus tragen. Gleichzeitig schaffen es seine Kapitalmarktexperten, höhere Renditen aus dem Vorsorgekapital der Kunden herauszuholen als der große Rest der Konkurrenz. Die Resultate sprechen für sich: Mäßige Beitragssteigerungen und ein stabiler Kundenzuwachs. Allein 2011 ging fast die Hälfte aller gesetzlich Versicherten, die zu den Privaten wechselten, zur Debeka.
Von solchen Zahlen ist Heinz Teuscher (50) weit entfernt. Beim Chef der Kölner Central, des immerhin sechstgrößten deutschen Krankenversicherers, gibt derzeit der Krisendreiklang Straffen, Kürzen und Sanieren den Takt vor. Die Central hat ein Kostenproblem. Gemessen an den Prämieneinnahmen, geben die Kölner fast dreimal so viel für Verwaltung und Vertrieb aus wie die Konkurrentin Debeka.
Vor allem aber leidet der Konzern unter den Folgen des aggressiven Wachstumskurses der Vergangenheit. "Das Unternehmen hat zu viele Policen zu billig an die falschen Leute verkauft", sagt einer, der die Central exzellent kennt. Statt Gewinnen produzierte die Neukundschaft nur Probleme. Ein Teil stellte nach wenigen Monaten die Prämienzahlungen ein, der Rest meldete deutlich höhere Schäden als kalkuliert.
Der große Knall folgte im vergangenen Jahr. Die Central-Vertriebsorganisation wurde eingestampft, die Zusammenarbeit mit Strukturvertrieben und Maklern beendet, der Verkauf der Billigpolicen gestoppt und der komplette Vorstand vor die Tür gesetzt. Für die Eskapaden aber müssen die Kunden bezahlen. Um durchschnittlich knapp 13 Prozent verteuerte die Central Anfang 2012 ihre Prämien - vielfach um 20 Prozent und mehr.
Die Exzesse beschränkten sich keineswegs auf die Central, den Konzern hat es nur am übelsten erwischt. Unternehmen wie die DKV, die Gothaer, die Hanse Merkur und die Axa agierten ähnlich offensiv am Markt. Und so erklären sich dann auch Prämien, wie sie Eike Seidel (62) an die Axa zahlt. Seit dreieinhalb Jahrzehnten ist der selbstständige IT-Berater aus Buchholz bei Hamburg nun schon bei den Kölnern versichert. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Prämie verdoppelt, die jüngste Erhöhung auf 940 Euro wurde ihm Ende 2010 angekündigt.
Von den Versicherern werden solche Preisexzesse gern als Einzelfälle abgetan. Tatsächlich aber ist die Ursache des Problems elementarer Bestandteil des Geschäftsmodells der privaten Kassen: der völlig überzogene Wettbewerb um junge und gesunde Kunden, im Versicherungsdeutsch "die guten Risiken" genannt. Das sind erstens Selbstständige und Freiberufler, zweitens Beamte und drittens gut verdienende Angestellte.
Diesen Kampf führt ein Teil der Unternehmen mit extrem teuren Vertriebstruppen und einer marktschreierischen Discountstrategie - am Ende stets zulasten der eigenen Kundschaft.
Zwischen 12 und 15 Monatsprämien zahlten Firmen wie Axa, Central oder Arag ihren Vermittlern zeitweise für den Verkauf einer Krankenversicherungspolice. Strukturvertriebe kassierten in der Spitze sogar das 18-Fache. "Das sind Kosten, die von den Versicherten über steigende Prämien bezahlt werden müssen", sagt Peter Schramm, Versicherungsmathematiker und öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger. Inzwischen hat Berlin die gröbsten Auswüchse gestoppt - mehr als neun Monatsbeiträge Provision dürfen die Vertreter seit April nicht mehr verdienen.
Noch weitaus teurer kommen die Privatpatienten die Billigprämien zu stehen, die viele Versicherer in den vergangenen Jahren kalkulierten. Die Discountkonditionen führen dazu, dass die Rückstellungen, die für die steigenden Behandlungskosten im Alter angespart werden, deutlich zu niedrig ausfallen.
Die Folgen spüren die Versicherten häufig erst mit Anfang 50. Dann muss das Alterskapital drastisch aufgestockt werden; die Prämien schießen mit zweistelligen Raten nach oben.
Noch einmal beschleunigt wird diese Beitragsinflation durch eine genauso weitverbreitete wie aggressive Marketingstrategie: Tarife mit überwiegend älteren Versicherten werden ganz einfach für Neuzugänge geschlossen; die Einstiegsprämien sind nicht konkurrenzfähig. Und weil keine Neukunden nachrücken, verteuern sich die Beiträge weiter. Auch den Tarifen der Maltzans und des IT-Beraters Seidel fehlte der Nachwuchs.
Drei Adressen fallen besonders negativ auf: Central, Axa und Signal Iduna. Wie sich aus den Datenbanken des Hofheimer Analysehauses Morgen und Morgen ergibt, haben die drei Konzerne insgesamt rund 150 Tarife für ambulante Behandlung vom Markt genommen.
Mit jungen Leuten beginnt das Spiel anschließend von vorn: Sie werden in neu konstruierte Billigtarife gelockt, die so lange günstig bleiben, bis die Klientel älter und anfälliger für Krankheiten wird.
Anders als bei den gesetzlichen Kassen gibt es bei den privaten Versicherungsfirmen keinerlei funktionierenden Risikoausgleich zwischen den Generationen. Die Jüngeren zahlen zu wenig, und die Älteren bleiben auf ihren teilweise exorbitanten Prämien sitzen - ohne Chance zum Ausstieg. Denn bei einem Wechsel wären ihre Alterungsrückstellungen verloren. Diese können sie im Gegensatz zum Schadenfreiheitsrabatt in der Autoversicherung nicht zu einem neuen Anbieter mitnehmen. Die Folge: Schon nach fünf Jahren lohnt sich der Wechsel zur billigeren Konkurrenz nicht mehr - spätestens dann ist ein Privatpatient seiner Gesellschaft ausgeliefert.
"Fest steht, dass die Krankenversicherer ein nahezu idiotensicheres Geschäftsmodell haben. Es ist völlig gleich, was Vertreter und Verwaltung kosten. Und es spielt keine Rolle, ob die Prämien anfangs zu niedrig kalkuliert sind", sagt der Ex-Vorstand eines großen Krankenversicherers. "In jeder anderen Branche würden die Firmen Kunden verlieren und rote Zahlen schreiben. Ein Krankenversicherer muss nur die Prämien erhöhen, damit die Bilanz wieder stimmt."
Einen besseren Kunden als Marco von Maltzan (57) kann es für einen privaten Krankenversicherer kaum geben. Der Mann hat Karriere gemacht. Er war Projektleiter bei den Consultants von Roland Berger, hatte die Verantwortung für die Motorradsparte von BMW, arbeitete vier Jahre lang als Vorstandschef des Automobilzulieferers Beru AG und sitzt heute in den Aufsichtsräten diverser Unternehmen.
Verdient hat er stets genug. Privatpatient ist er seit Mitte der 80er Jahre, immer beim selben Versicherer, dem Münchener Verein. Ernste gesundheitliche Probleme gab es nie - weder bei ihm noch bei seiner Frau oder seinen beiden Kindern. Die Police war komfortabel, aber keineswegs luxuriös ausgestattet. Opulent entwickelten sich lediglich die Prämien, die der Münchener Verein im Laufe der Zeit einforderte.
Allein zwischen 2003 und 2011 stiegen die jährlichen Ausgaben für den Krankenversicherungsschutz der Familie Maltzan um rund 10.000 Euro - von knapp 15.000 auf rund 24.500 Euro. Im Schnitt schossen die Prämien um fast 6,5 Prozent pro Jahr nach oben, stärker als in der gesetzlichen Krankenversicherung und schneller, als es durch Preissteigerungen bei Arznei- und Behandlungskosten zu erklären gewesen wäre.
Am Ende waren für Maltzan und seine Frau jeden Monat jeweils über 600 Euro fällig, 430 Euro kamen für die Tochter und 330 Euro für den Sohn hinzu. Tatsächlich zahlten sie in den meisten Jahren noch deutlich mehr, weil sie zwischenzeitlich eine Selbstbeteiligung für jedes der vier Familienmitglieder von rund 1000 Euro akzeptiert hatten.
Ähnlich wie den Maltzans erging es auch vielen anderen Privatpatienten. Um bis zu 50 Prozent hoben die Konzerne Anfang Januar die Beiträge in einzelnen Tarifen an. Steigerungen im zweistelligen Prozentbereich gehören für die Klientel ab Mitte 50 bei einigen Versicherern zum Alltag.
Die Ursachen sind vielfältig. Sie reichen vom Missmanagement einzelner Konzerne über den demografischen Wandel und die Kosten des medizinischen Fortschritts bis hin zur Ausbeutung des Systems durch Ärzte, Kliniken und Pharmafirmen. Und auch die Finanzkrise spielt ihre ganz spezielle Rolle.
"Am Ende sind die Gründe aber gleichgültig", sagt Matthias Graf von der Schulenburg, Versicherungsprofessor an der Universität Hannover. "In Berlin werden die Prämienerhöhungen als Signal verstanden, dass das System private Krankenversicherung nicht funktioniert."
Es ist eine desaströse Bilanz für eine Branche, die behauptet, immun gegen die Risiken einer alternden Gesellschaft zu sein. Und die damit wirbt, dass sie anders als die gesetzlichen Krankenkassen Rücklagen für die hohen Behandlungskosten der letzten Lebensjahrzehnte bildet. In der Realität tritt sie mit jeder neuen Beitragsrunde den Beweis an, wie fehlerbehaftet und teuer ihr System ist.
Dabei steht der Härtetest erst noch bevor. Wenn die Generation der Babyboomer das Rentenalter erreicht, drohen exorbitante Prämien zum Massenphänomen zu werden. "Dieses Problem müssen die Unternehmen in den Griff bekommen", sagt Matthias Becker (43), Krankenversicherungsexperte und Partner bei der Boston Consulting Group, "da sonst die politisch-gesellschaftliche Akzeptanz des privaten Vollversicherungssystems erodiert und ein Eingriff durch den Staat wahrscheinlich wird."
Vorschläge gibt es genug. Sie reichen von der Einheitsversicherung bis zur Generalüberholung des Geschäftsmodells der privaten Kassen.
■Da ist die von SPD, Grünen und der Linken propagierte Radikalkur: die Einführung einer Bürgerversicherung, die für jeden Pflicht wäre und für alle nur eine Grundsicherung bieten würde. Wer mehr will, müsste mehr zahlen.
■Gesetzliche Kassen und ein Teil der privaten Versicherer bringen Mischformen ins Spiel. Diese Modelle laufen auf eine weitgehende Annäherung gesetzlicher und privater Gesundheitsvorsorge hinaus. Sie sollen den Wettbewerb der Systeme verschärfen und so die Ausgaben insgesamt senken.
■Mit einer Restrukturierung ihres Geschäftsmodells könnten sich die Privatversicherer selbst neu erfinden. Doch für eine solche Neuordnung fehlt es an Mut und Einigkeit. Zu verschieden sind die Interessen der einzelnen Firmen.
Für die mittelständisch aufgestellten reinen Krankenversicherer geht es um die Existenz. Von Zusatzpolicen allein könnten sie nicht leben. Bei großen Gesellschaften wie Allianz , Ergo (DKV), Axa und Generali (Central) scheint das Interesse an den Privatpatienten dagegen schleichend verlorenzugehen.
Die Riesen denken in ganz anderen Kategorien und würden sich am liebsten für das Geschäft mit den Mitgliedern der gesetzlichen Kassen öffnen. In dieser Welt gäbe es dann wie in der Bürgerversicherung eine einheitliche Grundversorgung; Komfortbehandlung und Privatpatientenstatus wären nur noch über Zusatzpolicen möglich.
Auf solch radikale Positionen haben sich die Assekuranzen allerdings nie verständigen können. Ein Vorstoß von Allianz, Axa und DKV scheiterte im Sommer 2008 am Widerstand der kleinen und mittleren Anbieter. Wenn aber die Versicherungsindustrie so zerstritten und untätig bleibt wie bislang, dann droht ihr schon bald nach der nächsten Bundestagswahl die faktische Abschaffung: die Einführung der Bürgerversicherung.
Selbst in der CDU, auf deren Unterstützung die Versicherungskonzerne stets zählen konnten, nimmt der Widerstand gegen die Einheitskasse ab. Jens Spahn (32), der gesundheitspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, stellte das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Versicherung bereits infrage. Die Niederlande und die Schweiz haben diese Dualität vor einigen Jahren abgeschafft. In Europa gibt es sie nur noch in Deutschland.
Hierzulande wächst der Druck mit jeder neuen Prämienerhöhung. Vielen, denen ihre Privatpolice schon heute zu teuer ist oder die sich vor unbezahlbaren Beiträgen im Alter fürchten, käme die Bürgerversicherung gerade recht. Für sie gibt es derzeit kein Zurück in die gesetzlichen Krankenkassen - die Bürgerversicherung würde ihnen einen hochwillkommenen Fluchtweg bieten. Laut einer Umfrage der Boston Consulting Group würden sich 25 Prozent der heute rund neun Millionen Privatversicherten für einen solchen Notausgang entscheiden.
Der Mann, der in einem solchen Szenario wohl die geringsten Probleme hätte, heißt Uwe Laue (55) und ist Chef der Debeka, der Nummer zwei im Markt. Er hat sein Geschäft auf das Wesentliche reduziert und sein Unternehmen als eine bessere Version der gesetzlichen Krankenkassen positioniert. Laue konzentriert sich auf Beamte und Angestellte. Das Sortiment der Debeka besteht aus Standardware, teure Luxuspolicen hat Laue nicht im Programm.
Kaum ein anderer gibt weniger für Verwaltungsapparat und Vertriebstruppen aus und achtet stärker darauf, dass ihm seine Verkäufer kein allzu riskantes Geschäft ins Haus tragen. Gleichzeitig schaffen es seine Kapitalmarktexperten, höhere Renditen aus dem Vorsorgekapital der Kunden herauszuholen als der große Rest der Konkurrenz. Die Resultate sprechen für sich: Mäßige Beitragssteigerungen und ein stabiler Kundenzuwachs. Allein 2011 ging fast die Hälfte aller gesetzlich Versicherten, die zu den Privaten wechselten, zur Debeka.
Von solchen Zahlen ist Heinz Teuscher (50) weit entfernt. Beim Chef der Kölner Central, des immerhin sechstgrößten deutschen Krankenversicherers, gibt derzeit der Krisendreiklang Straffen, Kürzen und Sanieren den Takt vor. Die Central hat ein Kostenproblem. Gemessen an den Prämieneinnahmen, geben die Kölner fast dreimal so viel für Verwaltung und Vertrieb aus wie die Konkurrentin Debeka.
Vor allem aber leidet der Konzern unter den Folgen des aggressiven Wachstumskurses der Vergangenheit. "Das Unternehmen hat zu viele Policen zu billig an die falschen Leute verkauft", sagt einer, der die Central exzellent kennt. Statt Gewinnen produzierte die Neukundschaft nur Probleme. Ein Teil stellte nach wenigen Monaten die Prämienzahlungen ein, der Rest meldete deutlich höhere Schäden als kalkuliert.
Der große Knall folgte im vergangenen Jahr. Die Central-Vertriebsorganisation wurde eingestampft, die Zusammenarbeit mit Strukturvertrieben und Maklern beendet, der Verkauf der Billigpolicen gestoppt und der komplette Vorstand vor die Tür gesetzt. Für die Eskapaden aber müssen die Kunden bezahlen. Um durchschnittlich knapp 13 Prozent verteuerte die Central Anfang 2012 ihre Prämien - vielfach um 20 Prozent und mehr.
Die Exzesse beschränkten sich keineswegs auf die Central, den Konzern hat es nur am übelsten erwischt. Unternehmen wie die DKV, die Gothaer, die Hanse Merkur und die Axa agierten ähnlich offensiv am Markt. Und so erklären sich dann auch Prämien, wie sie Eike Seidel (62) an die Axa zahlt. Seit dreieinhalb Jahrzehnten ist der selbstständige IT-Berater aus Buchholz bei Hamburg nun schon bei den Kölnern versichert. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich die Prämie verdoppelt, die jüngste Erhöhung auf 940 Euro wurde ihm Ende 2010 angekündigt.
Von den Versicherern werden solche Preisexzesse gern als Einzelfälle abgetan. Tatsächlich aber ist die Ursache des Problems elementarer Bestandteil des Geschäftsmodells der privaten Kassen: der völlig überzogene Wettbewerb um junge und gesunde Kunden, im Versicherungsdeutsch "die guten Risiken" genannt. Das sind erstens Selbstständige und Freiberufler, zweitens Beamte und drittens gut verdienende Angestellte.
Diesen Kampf führt ein Teil der Unternehmen mit extrem teuren Vertriebstruppen und einer marktschreierischen Discountstrategie - am Ende stets zulasten der eigenen Kundschaft.
Zwischen 12 und 15 Monatsprämien zahlten Firmen wie Axa, Central oder Arag ihren Vermittlern zeitweise für den Verkauf einer Krankenversicherungspolice. Strukturvertriebe kassierten in der Spitze sogar das 18-Fache. "Das sind Kosten, die von den Versicherten über steigende Prämien bezahlt werden müssen", sagt Peter Schramm, Versicherungsmathematiker und öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger. Inzwischen hat Berlin die gröbsten Auswüchse gestoppt - mehr als neun Monatsbeiträge Provision dürfen die Vertreter seit April nicht mehr verdienen.
Noch weitaus teurer kommen die Privatpatienten die Billigprämien zu stehen, die viele Versicherer in den vergangenen Jahren kalkulierten. Die Discountkonditionen führen dazu, dass die Rückstellungen, die für die steigenden Behandlungskosten im Alter angespart werden, deutlich zu niedrig ausfallen.
Die Folgen spüren die Versicherten häufig erst mit Anfang 50. Dann muss das Alterskapital drastisch aufgestockt werden; die Prämien schießen mit zweistelligen Raten nach oben.
Noch einmal beschleunigt wird diese Beitragsinflation durch eine genauso weitverbreitete wie aggressive Marketingstrategie: Tarife mit überwiegend älteren Versicherten werden ganz einfach für Neuzugänge geschlossen; die Einstiegsprämien sind nicht konkurrenzfähig. Und weil keine Neukunden nachrücken, verteuern sich die Beiträge weiter. Auch den Tarifen der Maltzans und des IT-Beraters Seidel fehlte der Nachwuchs.
Drei Adressen fallen besonders negativ auf: Central, Axa und Signal Iduna. Wie sich aus den Datenbanken des Hofheimer Analysehauses Morgen und Morgen ergibt, haben die drei Konzerne insgesamt rund 150 Tarife für ambulante Behandlung vom Markt genommen.
Mit jungen Leuten beginnt das Spiel anschließend von vorn: Sie werden in neu konstruierte Billigtarife gelockt, die so lange günstig bleiben, bis die Klientel älter und anfälliger für Krankheiten wird.
Anders als bei den gesetzlichen Kassen gibt es bei den privaten Versicherungsfirmen keinerlei funktionierenden Risikoausgleich zwischen den Generationen. Die Jüngeren zahlen zu wenig, und die Älteren bleiben auf ihren teilweise exorbitanten Prämien sitzen - ohne Chance zum Ausstieg. Denn bei einem Wechsel wären ihre Alterungsrückstellungen verloren. Diese können sie im Gegensatz zum Schadenfreiheitsrabatt in der Autoversicherung nicht zu einem neuen Anbieter mitnehmen. Die Folge: Schon nach fünf Jahren lohnt sich der Wechsel zur billigeren Konkurrenz nicht mehr - spätestens dann ist ein Privatpatient seiner Gesellschaft ausgeliefert.
"Fest steht, dass die Krankenversicherer ein nahezu idiotensicheres Geschäftsmodell haben. Es ist völlig gleich, was Vertreter und Verwaltung kosten. Und es spielt keine Rolle, ob die Prämien anfangs zu niedrig kalkuliert sind", sagt der Ex-Vorstand eines großen Krankenversicherers. "In jeder anderen Branche würden die Firmen Kunden verlieren und rote Zahlen schreiben. Ein Krankenversicherer muss nur die Prämien erhöhen, damit die Bilanz wieder stimmt."
Private Krankenkassen sind günstiger als ihr Ruf
Private Krankenkassen gelten als zu teuer für Rentner – zu Unrecht, findet eine Studie der Kvpro. Tatsächlich gäbe es günstige und umfassende Tarife innerhalb der PKVs, auch für Rentner
Nach dem jahrelangen Run in – vermeintlich – günstige private Krankenkassen (PKV) scheint der Kater nun mächtig. Etliche Medien und Studien berichten von ausufernden Beitragskosten – besonders im Rentenalter – bei immer geringeren Leistungen der PKVs. Doch laut einer Studie der Kvpro, einem Informationsdienstleister für Krankenkassen, sind die Kritiken ungerechtfertigt: Tatsächlich gäbe es günstige und umfassende Tarife innerhalb der PKVs – auch für Rentner. Wichtig bei der Betrachtung der Tarife sei, dass für eine reelle Berechnung das tatsächliche Alter und der Einzahlungsbeginn des Versicherten zu berücksichtigen ist. Die Darstellung in Durchschnittswerten habe keine wirkliche Aussagekraft für den einzelnen Kunden.
Für die eigene Studie wertete der Dienstleister Daten von mehreren PKV-Versicherungen aus, die zusammen 77 Prozent der Kunden versichern. Dabei waren die Bestandskunden deren Tarife die Kvpro untersuchte mindestens 65 Jahre alt, und zwischen 16 und 36 Jahren bei der PKV mit einem hochwertigen Versicherungsschutz versichert.
Laut der Auswertung gibt es für die meisten privat Versicherten günstigere umfassende Tarife bei ihrer Versicherung. So könnten sie bei einem Wechsel sogar ihre Altersrückstellung mitnehmen. Die Anrechnung der angesparten Altersrückstellung bewirke bei einem Tarifwechsel in einen günstigeren Tarif meist eine Verringerung des monatlichen Beitrags. Doch laut Kvpro berücksichtigten viele Studien und Medien diese Wechselmöglichkeiten bei ihren Berechnungen zu wenig.
Als Problem der Branche bezeichnet die Kvpro, dass Vertragsabschlüsse den Verkäufern das meiste Geld einbringen. Da die Bestandpflegeprovision gering sei, kümmerten sich die Betreuer weniger um ihre Bestandskunden und empfehlen ihnen selten Tarifwechsel. Aus diesem Grund käme es oftmals eher zu einem Versicherungswechsel, obwohl ein Wechsel des Versicherungstarifes günstiger wäre.
Doch auch die Versicherten sieht die Kvpro in der Pflicht, sich stärker um ihre Krankenversicherung zu kümmern. So müssten die Kunden regelmäßig eine Bestandsaufnahme zur getroffenen Produktauswahl und ihren Lebensverhältnissen machen, um einen passenden Tarif zu finden: Schlussendlich könne man „ein falsches Handeln oder Nicht-Handeln von Kunden und Verkäufern nicht der PKV oder PKV-Produkten anlasten.“
Nach dem jahrelangen Run in – vermeintlich – günstige private Krankenkassen (PKV) scheint der Kater nun mächtig. Etliche Medien und Studien berichten von ausufernden Beitragskosten – besonders im Rentenalter – bei immer geringeren Leistungen der PKVs. Doch laut einer Studie der Kvpro, einem Informationsdienstleister für Krankenkassen, sind die Kritiken ungerechtfertigt: Tatsächlich gäbe es günstige und umfassende Tarife innerhalb der PKVs – auch für Rentner. Wichtig bei der Betrachtung der Tarife sei, dass für eine reelle Berechnung das tatsächliche Alter und der Einzahlungsbeginn des Versicherten zu berücksichtigen ist. Die Darstellung in Durchschnittswerten habe keine wirkliche Aussagekraft für den einzelnen Kunden.
Für die eigene Studie wertete der Dienstleister Daten von mehreren PKV-Versicherungen aus, die zusammen 77 Prozent der Kunden versichern. Dabei waren die Bestandskunden deren Tarife die Kvpro untersuchte mindestens 65 Jahre alt, und zwischen 16 und 36 Jahren bei der PKV mit einem hochwertigen Versicherungsschutz versichert.
Laut der Auswertung gibt es für die meisten privat Versicherten günstigere umfassende Tarife bei ihrer Versicherung. So könnten sie bei einem Wechsel sogar ihre Altersrückstellung mitnehmen. Die Anrechnung der angesparten Altersrückstellung bewirke bei einem Tarifwechsel in einen günstigeren Tarif meist eine Verringerung des monatlichen Beitrags. Doch laut Kvpro berücksichtigten viele Studien und Medien diese Wechselmöglichkeiten bei ihren Berechnungen zu wenig.
Als Problem der Branche bezeichnet die Kvpro, dass Vertragsabschlüsse den Verkäufern das meiste Geld einbringen. Da die Bestandpflegeprovision gering sei, kümmerten sich die Betreuer weniger um ihre Bestandskunden und empfehlen ihnen selten Tarifwechsel. Aus diesem Grund käme es oftmals eher zu einem Versicherungswechsel, obwohl ein Wechsel des Versicherungstarifes günstiger wäre.
Doch auch die Versicherten sieht die Kvpro in der Pflicht, sich stärker um ihre Krankenversicherung zu kümmern. So müssten die Kunden regelmäßig eine Bestandsaufnahme zur getroffenen Produktauswahl und ihren Lebensverhältnissen machen, um einen passenden Tarif zu finden: Schlussendlich könne man „ein falsches Handeln oder Nicht-Handeln von Kunden und Verkäufern nicht der PKV oder PKV-Produkten anlasten.“
Warum nicht innerhalb der Gesellschaft erfolgreich wechseln?
Selbst für den, der keinen günstigen Tarif erwischt hat oder für den die Tarife im Alter zu sehr gestiegen sind gibt es Hoffnung, es ist möglich, den Tarif innerhalb der Gesellschaft zu Wechseln. Allerdings tut sich der einzelne Kunde hier recht schwer. Oftmals verweigern die Gesellschaften ganz einfach die Auskunft oder ziehen Drohszenarien auf. Ein Wechsel in eine andere Gesellschaft birgt viele Nachteile wie den Verlust der Altersrückstellung und eine erneute Gesundheitsprüfung. Wer innerhalb der Gesellschaft wechselt behält die Altersrückstellung, die sich dann oftmals noch Beitragsmindernd auswirkt. Die Tarifoptimiererhaben sehr viel Erfahrung auf diesem Gebiet und verhelfen Ihren Kunden regelmäßig zu massiven Beitragserleichterungen im dreistelligen Bereich pro Monat. Darüber berichtet auch das online Magazin http://www.finanzpraxis.com/


