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14.10.2012
Gründerzeit-Retter Hartmut Wahl in Untersuchungshaft

In Chemnitz, vor 120 Jahren noch reichste Stadt Deutschlands ("sächsisches Manchester", 6 Mal mehr Patente als im deutschen Durchschnitt), fielen nach der deutschen Wiedervereinigung 250 Baudenkmäler wie das Hotel Kaisereck der Abrissbirne zum Opfer.

Convent 33 Gründerzeit- und Jugendstilgebäude konnte der Schwabe Hartmut Wahl (53, Foto) durch seine Privatinitiative retten, in dem er sie kaufte. 15 von ihnen ließ Wahl als Bauträger wieder in herrschaftlichem Glanz erstrahlen.

Dennoch wird der Gründerzeit-Retter keinen Platz unter den Ehrenbürgern von Chemnitz wie etwa Reichskanzler Otto von Bismarck (1815-1898), Siegmund Jähn (75, erster Deutscher im All), Eiskunstläuferin Katarina Witt (46) oder Schriftsteller Stefan Heym (1913-2001, Roman "Die Architekten) einnehmen.

Hartmut Wahl wurde Anfang September 2012 an seinem Wohnort in Waiblingen als mutmaßlicher Millionenbetrüger verhaftet und von einem Untersuchungsrichter am Amtsgericht Stuttgart in Untersuchungshaft geschickt - Fluchtgefahr.

Dem Bauträger und zugleich Hausverwalter drohen bis zu zehn Jahre Haft. "Die Anklageschrift ist aber noch nicht fertig", sagte die Erste Staatsanwältin und Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stuttgart, Claudia Krauth (38), am Freitag (12. Oktober 2012) dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net.

In vierjähriger Ermittlungszeit mit drei Großrazzien und 500 Zeugenbefragungen haben die Stuttgarter Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei Waiblingen herausgefunden, dass sich Wahl in den Jahren 2005 bis 2009 von Privatpersonen 726 Kredite zwischen 1.000 und 100.000 Euro, insgesamt 10 Millionen Euro, geben ließ, obwohl seine in der Schmidenstraße 8 in Waiblingen ansässigen Firmen Wahl + Partner GmbH, Phalanx Immobilien AG und Die Denkmalwert Hausverwaltung GmbH (vormals WaPaHG GmbH) so stark in den Miesen waren, dass er die Anlegerkredite unmöglich hätte zurückzahlen können.

Seine beiden Bauträgerfirmen gingen trotz der Finanzspritzen durch die Privatanleger eine nach der anderen pleite.

Mit dem Geld ersteigerte Wahl Wohnungen, wollte sie mit hohem Gewinn an Kapitalanleger verkaufen. Bei 20, vielleicht auch 25 Wohnungen sei dies gelungen, sagte der Waiblinger gegenüber Welt.de. Die Anleger erhielten ihr Kapital samt Zinsen zurück. Dann aber stotterte der Motor. "Der Abverkauf der Objekte gelang nicht so schnell wie erhofft", sagte Wahl. Als eine größere Tranche an Zertifikaten zur Auszahlung fällig wurde, musste die Phalanx Insolvenz anmelden.

Am 1. Oktober 2007 wurde über die im Jahre 2000 gegründete Phalanx Immobilien AG mit 425 Anlegern und einer offenen Rückzahlungsforderung in Höhe von 3,8 Millionen Euro das Insolvenzverfahren eröffnet (Amtsgericht Stuttgart 6 IN 781/07).

Die meisten Beteiligungszertifikate hatten nur eine Laufzeit von einem Jahr. Danach mussten die Beträge zurückgezahlt und neues Geld beschafft werden. "Bis zu 15 Prozent des Kapitals ging als Provision an die Vertriebe", sagte Wahl. Von 100.000 eingeworbenen Euro standen der Gesellschaft somit zum Teil nur 85.000 Euro zur Verfügung.

Um die Rück- und Zinszahlungsverpflichtungen gegenüber den Anlegern zu erfüllen, mussten daraus binnen zwölf Monaten jedoch 108.500 Euro werden - eine Differenz von 27,6 Prozent, die die Phalanx jährlich hätte erwirtschaften müssen. "Auf Dauer ist so etwas unmöglich", sagte ein Manager eines großen deutschen Maklerunternehmens gegenüber Welt.de.

Insolvenzverwalter Dr. Wolfgang Bilgery aus Stuttgart prognostizierte trotz 33 vorhandener Häuser nur eine Rückzahlungsquote von höchstens 30 Prozent, weil viele Häuser leer standen oder auch noch gar nicht saniert waren und sich für die Denkmal-Sanierung keine Wohnungs-Käufer fanden, obwohl Wahl sogar mit einer Mietgarantie lockte. Bilgery sagte damals: "Viele Wohnungen sind unsaniert, der Marktwert gering."

Am 30. Januar 2009 ging auch die am 24. November 1990 gegründete Bauträgerfirma Wahl + Partner GmbH pleite (Amtsgericht Stuttgart 6 IN 236/09). Insolvenzverwalter Oliver Kirschnek aus Stuttgart prognostizierte nur noch eine Rückzahlungsquote von 15 Prozent.

Die beiden Quoten von 30 und 15 Prozent aus den Insolvenzverfahren bedeuten aber nicht, dass die Privatkreditgeber nun überhaupt einen Cent sehen. Denn ihre Beteiligungs-Darlehen haben einen Rangrücktritt. Das heißt: Erst, wenn alle anderen Gläubiger wie Banken und Handwerker bedient worden sind, dürfen sich die Anleger melden.

Anlegeranwälte wie Marcel Seifert von der Kanzlei BRÜLLMANN Rechtsanwälte aus Stuttgart versuchen, diesen Rangrücktritt auszuhebeln, indem sie argumentieren, die Anleger hätten ...

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Es liegt 1 Kommentar zu dieser Pressemitteilung vor.

# - Kommentar von Falkeniers, Theo am 13.11.2012 08:07
Drei Jahre nach der Insolvenz des Immobiliensanierers Wahl und Partner sollen weitere, zum Teil erneut von Verfall bedrohte Wohnhäuser aus dessen einstigem Bestand auf dem Sonnenberg saniert und fertig gestellt werden. Das kündigte der Unternehmensberater Robert Gröninger aus Neusäß bei Augsburg an. Nächstes Vorhaben sei die Sanierung zweier benachbarter denkmalgeschützter Wohnhäuser an der Gießerstraße. Sie soll Ende kommenden Jahres abgeschlossen werden. Weitere Arbeiten seien für 2013 an einem mehrgeschossigen Wohnhaus an der Markusstraße geplant sowie am ehemaligen Kino Europa an der Hainstraße.
Gröninger war nach eigenen Angaben ursprünglich mit der Sanierung des in Schieflage geratenen Unternehmens Wahl und Partner betraut, dessen Gründer und Chef wegen mutmaßlichem Millionenbetrugs seit einigen Wochen in Untersuchungshaft sitzt. Mittlerweile hat er mit eigenen Firmen einen Teil der Projekte übernommen. So kaufte er mit der bereits 2009 gegründeten Auffanggesellschaft Transparenz am Bau (TAB) fünf stark sanierungsbedürftige Wohnhäuser aus der Insolvenzmasse. "Ziel der Gesellschaft ist es, als Bauträger die denkmalgeschützten Objekte hochwertig zu sanieren und an Immobilieninvestoren zu verkaufen", so der 43-Jährige.
Zuvor hatte Gröninger mit Kapital besorgter Wohnungskäufer sowie von Anlegern, die Wahl und Partner um ihr Geld gebracht hatten, einige Bau-Ruinen weitersaniert und fertig gestellt. Als Bauherren fungierten damals die jeweiligen Eigentümergemeinschaften, um in Eigenregie einen Totalverlust ihrer Investitionen zu verhindern.

Rechtsanwälte von Anlegern, die durch nicht zurückgezahlte Darlehen bei Wahl und Partner viel Geld verloren hatten, beobachteten Gröningers Aktivitäten anfangs allerdings überaus kritisch. "Die Masche der TAB Transparenz am Bau ist die gleiche wie bei Wahl und Partner", hieß es damals. Vom Wolf im Schafspelz war die Rede. An der Sanierung beteiligte Eigentümer indes bescheinigten Gröninger professionelles und zuverlässiges Arbeiten. "Er hat uns Investoren wieder eine Perspektive gegeben", wird der Sprecher einer Hilbersdorfer Eigentümergemeinschaft zitiert.

Unterdessen ist Geschäftsmann Gröninger dabei, auch die Hausverwaltung für die mehr als 20 bereits vor Jahren fertig sanierten und größtenteils bis heute voll vermieteten Häuser von Wahl und Partner in Chemnitz mit ihren insgesamt knapp 250 Wohnungen zu übernehmen. Die Mehrzahl der etwa 200 über das gesamte Bundesgebiet verteilten Wohnungseigentümer habe sich auf einer außerordentlichen Versammlung Anfang des Monats in Chemnitz dazu entschlossen, sich von der bislang beauftragten, einst von Wahl-und-Partner-Chef Hartmut Wahl gegründeten Verwaltungsfirma zu trennen und ihr Eigentum der neu gegründeten TAB Hausverwaltung anzuvertrauen, so Gröninger. Dabei gehe es um ein Immobilienvermögen im Umfang von 36 Millionen Euro mit jährlichen Mieteinnahmen in Höhe von 1,1 Millionen Euro, fügt er hinzu. Ebenfalls im schwäbischen Neusäß ansässig, werde die Hausverwaltung noch in diesem Monat ein eigenes Büro an der Fürstenstraße eröffnen, kündigte er an.

Das im baden-württembergischen Waiblingen ansässige Unternehmen Wahl und Partner hatte seit den 1990er-Jahren in Chemnitz im großen Stil marode Gründerzeithäuser aufgekauft, um diese nach aufwändiger Sanierung weiterzuveräußern. Zur Finanzierung warb es um Darlehen von Anlegern und versprach im Gegenzug eine attraktive Verzinsung - auch als die Firma bereits in Schieflage geraten war. Bis zur Insolvenz 2009 sollen so fast 10 Millionen Euro von mehr als 700 Geldgebern eingesammelt worden sein.
Gegen Firmengründer Hartmut Wahl, der wegen seines Engagements für den Erhalt abrissgefährdeter Wohnhäuser in Chemnitz lange Zeit als verantwortungsvoller Investor galt und als beharrlicher Kritiker des Stadtumbaus auftrat, ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart seit Jahren wegen Anlagebetrugs in Millionenhöhe. Seit September sitzt der 53-Jährige in Untersuchungshaft. Gegen Anlagevermittler, die für ihn tätig waren, laufen laut Rechtsanwälten geprellter Investoren bis heute Schadenersatzprozesse.



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