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09.01.2013
Franchise: W.I.R GmbH wegen arglistiger Täuschung verurteilt

Die vor 38 Jahren gegründete W.I.R Wirtschafts- und Industrie Reserve GmbH aus Erkrath bei Düsseldorf bezeichnet sich selbst als echten Pionier der Zeitarbeiter-Verleihbranche und kann eine beeindruckende Bilanz vorweisen.

Die W.I.R GmbH beschäftigt heute 2.000 Mitarbeiter an 30 Standorten in ganz Deutschland, schloss das Jahr 2011 mit einem Gewinn von mehr als einer Viertelmillion Euro ab und verfügt über ein Finanzpolster von fast 6 Millionen Euro bei nur 2,5 Millionen Euro Verbindlichkeiten.

Das gilt aber nur für das Eigengeschäft. Mindestens zwei der Dutzend Franchisenehmer, die das Erfolgskonzept von 1996 bis 2004 auf fünf oder zehn Jahre für einen monatlichen Preis von 8 Prozent ihres monatlichen Nettoumsatzes gekauft hatten, entpuppte sich der Franchise-Vertrag als unbezahlbare Kostenfalle.

Der erste Franchise-Nehmer von W.I.R, der versuchte, den eigentlich unkündbaren Franchise-Vertrag dennoch zu kündigen und wegen falscher Gewinn-Versprechungen von Beginn an rückabzuwickeln, bekam zunächst vom Landgericht Mainz Recht, verlor aber in der letzten Instanz vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe.

Beim zweiten vorzeitigen Aussteiger sah die Sache dann ganz anders aus.

Hier verurteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf die W.I.R GmbH am 27. August 2010 wegen arglistiger Täuschung zur Rückabwicklung des betreffenden Franchise-Vertrages von Anbeginn an (Aktenzeichen: I-22 46/10). Eine Revision war nicht zugelassen. Die W.I.R gab aber nicht auf, zog weiter bis vor den Bundesgerichtshof in Karlsruhe und hatte dieses Mal kein Glück mehr. Der BGH schmetterte die Nichtzulassungs-Beschwerde ab. Damit steht fest: Die W.I.R GmbH hat ihren Franchise-Nehmer arglistig getäuscht.

"Wir haben gepennt", gesteht schließlich der Prokurist und kaufmännische Verwaltungsleiter, Herbert Behrendt (69), gegenüber dem Finanznachrichtendienst GoMoPa.net ein. "Ein formaler Fehler in der Gewinnprognose, die der Franchisenehmer selbst erstellt hatte. In der Excel Tabelle fehlte eine ganze Zeile mit Kosten, die von der Ergebnisprognose abzuziehen war. Das haben wir übersehen. Die Ergebnisprognose konnte also gar nicht stimmen. Das hätte uns auffallen müssen. Wir hätten den Franchisenehmer darüber aufklären müssen. Ein formaler Fehler."

Das Oberlandesgericht Düsseldorf stellte in seiner 17seitigen Urteilsbegründung klar, dass sich ein unerfahrener Franchisenehmer auf den geschäftserfahrenen Franchisegeber wie hier die W.I.R GmbH verlassen müsse und nicht umgekehrt, egal, was im Einzelnen in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) oder in den individuellen Vertragsklauseln steht. "Der Grundsatz von Treu und Glauben steht über der Vertragsfreiheit", fassen die OLG-Richter zusammen.

Ex-Franchise-Nehmer<br /> Jörg Müller (40)<br /> © standby GmbH<br /> aus Verden
Ex-Franchise-Nehmer
Jörg Müller (40)
© standby GmbH
aus Verden
Dennoch kann sich Jörg Müller (40), Inhaber der Zeitarbeitsfirma standby GmbH (200 Mitarbeiter) aus Verden in Niedersachsen, nicht über seinen Sieg freuen.

Seit zweieinhalb Jahren kämpft Müller vergeblich um die Rückzahlung seiner an die W.I.R GmbH geleisteten Franchisezahlungen in Höhe von rund 764.000 Euro in den Jahren 2004 bis 2008. Als er im Mai 2008 die in diesem Monat fälligen mehr als 25.000 Euro nicht mehr aufbringen konnte, trennte er sich zwangsweise ein Jahr vor Ablauf des Franchise-Vertrages von der W.I.R GmbH.

Nur mit Krediten konnte Müller die eigene Firma seit 2009 vor dem Untergang bewahren. Das Geschäftsjahr 2011 schloss seine standby GmbH mit über 11.000 Euro Miesen ab. Müller ist dringend auf die Rückzahlung der nach seiner Ansicht zu viel gezahlten Gebühren und Kosten angewiesen. "Die Raten und Zinsen der Kredite erdrücken mich", schilderte Müller gegenüber GoMoPa.net die Situation.

Müller bleibt nichts anderes übrig. Er muss erneut vors Gericht ziehen. Am 17. Januar 2013 soll das Landgericht Wuppertal die W.I.R GmbH endlich zur Zahlung zwingen, so die Hoffnung des einstigen Franchise-Nehmers. Eine Güteverhandlung am 12. Dezember 2012 ist gescheitert.

"Die W.I.R GmbH und Geschäftsführer spielen nur auf Zeit, wohlwissend, dass sie am Ende bezahlen müssen", wirft Müller dem W.I.R-Alleininhaber und zugleich Geschäftsführer Volker Scholz (68) aus Erkrath sowie dem zweiten W.I.R-Geschäftsführer Jörg Dieter Biernetzki (48) aus Dinslaken vor.

Diesen Vorwurf weist der freiberufliche W.I.R-Prokurist Herbert Behrendt, der die W.I.R GmbH mitaufgebaut habe, gegenüber GoMoPa.net entschieden zurück.

Behrendt: "Natürlich wird der Franchise-Vertrag rückabgewickelt. Jörg Müller muss auch Geld zurückbekommen, aber halt nicht ...

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Weiterer Link zum Thema
» Urteil gegen W.I.R GmbH, OLG Düsseldorf am 27.8.2010

 

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Es liegt 1 Kommentar zu dieser Pressemitteilung vor.

#1 - Kommentar von Daniel Müller am 10.01.2013
Das ist ja echt ein dolles Ding. Ich Dach ja immer - niemals Franchise, die Anbieter wollen alle nur eins: Dein Geld! Unfassbar was meinem Namensvetter da passierte! Hoffentlich bekommt er jetzt vor dem LG Recht!


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