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18.12.2008
Großrazzia bei Aktienbetrügern

Vier Deutsche sollen Drahtzieher einer internationalen Betrügerbande sein, die Anleger an der Deutschen Börse um mehrere Millionen Euro prellte

Großrazzia bei Aktienbetrügern


Lübeck - 'Vier Deutsche sollen seit Monaten mit etlichen ausländischen Helfern mehrere Anleger an der Deutschen Börse mit wertlosen Firmen am sogenannten Grauen Kapitalmarkt um mehrere Millionen Euro betrogen haben', nannte heute die Wirtschaftsdezernatsleitern Wenke Alm von der Lübecker Staatsanwaltschaft dem Finanznachrichtendienst www.gomopa.net als Grund für eine internationale Großrazzia, die die Beamten am Mittwoch in Deutschland und der Schweiz durchführten.

Staatsanwältin Alm weiter: 'Es gab keine Anzeige. Wir ermittelten von Amts wegen. Die Landeskriminalämter Kiel und Hamburg durchsuchten insgesamt 18 Geschäftsräume und Privatwohnungen in Norddeutschland. Zeitgleich führte die Schweizer Polizei an zwei Adressen in ihrem Land eine Razzia durch. Wir konnten umfangreiches Beweismaterial sicherstellen. Die Auswertung wird eine Weile dauern, denn es geht um eine Vielzahl von Firmen, die Börsengänge anderer Firmen organisiert und begleitet haben.'

www.gomopa.net: Wer sind die Täter?

Staatsanwältin Alm: 'Dazu sagen wir im Augenblick nichts. Wir nennen weder Alter noch Berufe. Die Ermittlungen richten sich gegen eine international organisierte Tätergruppierung.'

www.gomopa.net: Wie lautet der genaue Vorwurf?

Staatsanwältin Alm: 'Wir ermitteln wegen des Verdachts des Betruges und Verstoßes gegen das Wertpapierhandelsgesetz in Form von Kursmanipulationen.'

www.gomopa.net: Wie sind die Täter vorgegangen?

Staatsanwältin Alm: ' Die Beschuldigten stehen im Verdacht, wertlose Firmen an den ungeregelten Markt (Open Market oder Entry Standard) der Deutschen Börse gebracht zu haben. Durch zielgerichtete Pressemitteilungen, Börsenbriefe und in Auftrag gegebenen beziehungsweise wechselseitigen Aktienhandel wurden die Kurse in die Höhe getrieben, um Gewinne von mehreren Millionen Euro zu erzielen. Mit dem Abverkauf der wertlosen Aktien wurden Aktionäre getäuscht und in ihrem Vermögen geschädigt.'

www.gomopa.net: Um welche Aktiengesellschaften handelt es sich? In Ihrer gemeinsamen Pressemitteilung mit dem Bundeskriminalamt von heute heißt es ' Die involvierten Unternehmen stammen primär aus der Trend- und Modebranche sowie dem Rohstoff- und Telekommunikationssektor'.

Staatsanwältin Alm: 'Das besagt nicht viel. Denn die Firmen gab es doch in Wirklichkeit gar nicht.'

www.gomopa.net: Aber die Gesellschaften wurden zumindest auf dem Papier gegründet. Und die Scheingründer hatten ja Erfolg. Wie war denn die Masche?

Staatsanwältin Alm: ' Im Ausland gegründete Aktiengesellschaften, etwa aus den USA, Kanada oder der Schweiz, wurden häufig in den Freiverkehr an deutschen Börsen einbezogen. In der Vergangenheit haben verschiedene Börsenbriefe viele dieser Gesellschaften zum Kauf empfohlen. Anstelle des von den Anlegern erhofften Kursanstiegs kam es in den meisten Fällen jedoch innerhalb kürzester Zeit zu enormen Kursverlusten.'

www.gomopa.net: Wie reagierten denn die Finanzaufsichtsbehörden auf Ihre internationale Großrazzia?

Staatsanwältin Alm: 'Unser Vorgehen war mit dem deutschen Bundesaufsichtsamt für Finanzen abgestimmt. Im Verlauf der Durchsuchungsmaßnahmen veranlasste die US-amerikanische Börsenaufsicht U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) eine Handelsaussetzung am OTC Bulletin Board. Darüber hinaus wurde bei mehreren so genannten ?Market Makern' in den USA eine unangemeldete Buchprüfung veranlasst.'

Die Opfer

Gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Plusminus berichtete der Münchener Rechtsanwalt Wilhelm Lachmair von mehreren Mandanten, die angeben, von Telefon- oder Internetverkäufern getäuscht worden zu sein. In den Gesprächen, Mails oder Webseitentexten gehe es immer 'um die einmalige Gelegenheit, die Aktie, die gerade vor dem Durchbruch steht, das Unternehmen, das gerade ein Patent hat. Und es gibt auch Internetseiten, die genau darstellen, was diese Unternehmen scheinbar machen. Bis man merkt, dass man betrogen wurde, das dauert eine ganze Weile.'

Einer seiner Mandanten habe - weil er den Anbietern geglaubt habe - insgesamt 600.000 Euro verloren. Die Unternehmen haben zwar Aktien ausgegeben, produzieren aber gar nichts. Es gab sie nur auf dem Papier. Die Finanzkrise dürfte das Geschäft der Betrüger noch fördern. Wenn selbst die Kurse von etablierten Firmen Achterbahn fahren, steigt die Bereitschaft vieler Anleger, auf neue, unbekannte Aktien zu setzen.

Auf der letzten Anlegermesse in Düsseldorf präsentierten sich allein rund 200 Unternehmen. Das dortige Landeskriminalamt hatte ebenfalls einen eigenen Stand eingerichtet, um Kunden zu informieren - und um seriöse Anbieter vor schwarzen Schafen zu schützen. Schon seit zwei Jahren würden Aktien gepuscht, Kurse manipuliert, sagt Hauptkommissar Michael Brack. 70 Prozent der Verfahren drehten sich mittlerweile um Kursmanipulationen. 'Wenn man näher hinschaut, dann stellt sich heraus, dass die Aktien wertlos sind, also wertlose Firmenmäntel sind', so Brack.

Einer packt aus

Plusminus konnte einen so genannten Aktien-Puscher ausfindig machen. Er hat Geld für das Manipulieren von Kursen bekommen. Über das Internet gab er Tipps ab - für angeblich unterbewertete Aktien immer wieder neuer Firmen. Deren Umsätze waren meistens nur fiktiv, aber das wussten die Kunden natürlich nicht. Anonym gibt er zu: 'Ich habe mich in einem Internetforum mit verschiedenen Identitäten angemeldet und als kleiner Anleger ausgegeben. Es wurde nur positive Werbung gemacht. Zum Beispiel ?Dieser Kurs müsste viel höher sein'. Wenn negative Äußerungen von anderen kamen, wurden schnell tolle Empfehlungen oder positive lange Beiträge geschrieben.'

Er selbst hat natürlich nie solche Papiere gekauft. Mehr als ein Jahr lang hat er Aktien-Kurse von knapp 80 Firmen nach oben gepuscht. Was er bewerben sollte, wurde ihm nur per E-Mail oder über Kontaktleute mitgeteilt. Regelmäßig fielen die Anleger herein.

Der Aktien-Puscher: 'Erst kaufen unsere eigenen Leute, damit der Kurs steigt. Wenn dann Anleger zugreifen, fängt der Abverkauf an. Wenn die Kunden dann abends nach Hause kommen, ist der Kurs wieder 20, 30 Prozent gefallen. Und die Hintermänner der fiktiven Firmen profitieren.'

www.gomopa.net: Wie kann man sich schützen?

Carsten Heise, Geschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, rät: 'Wenn Unbekannte eine angeblich sehr preisgünstige Aktie anpreisen, Finger weg! Solche heißen Empfehlungen sollte man komplett außer Betracht lassen, denn: Warum sollte derjenige, der es wirklich besser weiß, sein überlegenes Wissen mit anderen teilen? Wer Aktien erwerben will, sollte so viele Informationen über das Unternehmen sammeln wie möglich und auf jeden Fall nachprüfen, ob das Produkt, das es vorgibt zu vermarkten, überhaupt existiert.'

Autor: Siegfried Siewert

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