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27.01.2009
Chip-Händler Alex Scholl tauchte mit 50 Millionen Euro ab

Hamburg ? Sein Spitzname ist Alex oder Dicker, er fährt flotte Sportwagen und hat die Taschen voller Geld. Doch der Im-und-Exporthändler Alexander Scholl (31, Foto) aus Hamburg muss sich verstecken. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat auf den Kopf des 1,89-Meter-Mannes eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt.

Scholl wird auch vom Bundeskriminalamt in Wiesbaden per internationalem Haftbefehl und mit einer Öffentlichkeitsfahndung gesucht. Vorwurf: Schwerer Betrug und Umsatzsteuerhinterziehung. Scholls hochwertige Speicherkarten, die er im Internet verkaufte, waren billiger Schund. Mindestens 130 Käufer fielen darauf herein. Seine Im- und Export-Geschäfte, die er beim Finanzamt einreichte, um die Umsatzsteuer zurückerstattet zu bekommen, haben nie existiert.

Über 50 Millionen Euro, so hoch beziffern das Bundeskriminalamt und das Landeskriminalamt Hamburg den Schaden, habe der gerissene Wirtschaftsbetrüger seit April 2006 von Finanzämtern und Internetkäufern ergaunert.

Scholl, der als charmant und sehr redegewandt (hochdeutsch, fränkisch und englisch) gilt, habe eine Bande von 17 Mittätern in Bremen, Kiel, St. Georgen, Würzburg, Magdeburg, Leipzig und auch im Ausland rekrutiert. Die geführten Ermittlungen ergaben, so die Staatsanwaltschaft Hamburg, dass Alexander Scholl und 17 weitere Verdächtige diverse Scheinfirmen ins Leben riefen.

Diese Scheinfirmen schrieben sich gegenseitig fiktive Rechnungen, damit sie die Umsatzsteuer, welche in diesen ausgewiesen war, vom Finanzamt erstattet bekommen. Nach jetzigem Ermittlungsstand plante die Tätergruppierung, diese Steuerhinterziehung bis ins Jahr 2009 begehen zu wollen.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg konnte in einer deutschlandweiten Großrazzia drei Komplizen festnehmen. Sie sitzen noch in Untersuchungshaft. Weitere Tatverdächtige legten umfassende Geständnisse ab. Gegen sie wird in naher Zukunft Anklage erhoben, erklärte die Staatsanwaltschaft weiter. Alexander Scholl jedoch ist entwischt. Dabei hatte Scholl noch nicht einmal einen gültigen Reisepass dabei.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg vermutet, dass er sich mit gefälschten Papieren oder veränderten Dokumenten ins Ausland abgesetzt hat. Es wird davon ausgegangen, dass er möglicherweise andere Namen nutzt. Infrage, so die Staatsanwaltschaft, kommen für seine Flucht allerdings viele Länder, zu denen Scholl geschäftliche Beziehungen, private oder familiäre Kontakte hat.

Darunter seien Frankreich, Großbritannien, Luxemburg, Russland, Spanien, Türkei, Ukraine, Zypern, aber auch Argentinien, Brasilien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Marokko, Vietnam oder auch Australien. Den Ermittlern liegen Erkenntnisse vor, dass Alexander Scholl über einen höheren Millionbetrag verfügen kann. Weiter ist davon auszugehen, dass Scholl einen luxuriösen Lebensstil pflegt. In der Vergangenheit nutzte Scholl Sportwagen und Limousinen der Oberklasse.

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