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05.12.2013
Nigeria-Mafia lockt mit falscher Lotto-Gesellschaft in Madrid

Convent
Er hält angeblich den Lottogewinn zur Auszahlung bereit, aber nur zehn Tage, dann verfällt das Geld ans spanische Wirtschaftsministerium: Dr. Manuel Delgado (54) aus Madrid. Leider nur ein Phantom.
So nett, wie Dr. Manuel Delgado (54) auch von seiner Visitenkarte lächelt. Der Mann, der sich in Briefen, auf Faxen und in E-Mails vom spanischen Wirtschaftsministerium, Finanzministerium und der spanischen Nationalbank als Verwalter eines spanischen Lottofonds empfehlen lässt, ist nur ein Phantom.

Die Adresse auf seiner Visitenkarte Calle Furtuny No 18 gibt es in Madrid gar nicht. Es gibt lediglich eine Calle Fortuny. In deren Nummer 8 sitzt die Deutsche Botschaft in Madrid.

Seine Sicherheitsfirma Mutua Madrid Seguros S.A., die einen millionenschweren Lottofonds verwalten will, gibt es ebenso wenig wie die Lottogesellschaft "Loteria Espana International", die zum Jahresende mal wieder gehäuft Gewinnbenachrichtigungen an Deutsche verschickt, da gerade ein Jackpot im Spanienlotto von 30 Millionen Euro geknackt worden sei und ein Freund oder Verwandter für den Deutschen auf der Internetseite Loteria.es einen Tippschein gekauft hätte.

Die Gewinnquote liege für jeden Gewinner bei knapp 1 Million Euro. Das Geld liege von nun an zehn Tage zum Abrufen bereit. Allerdings müsse man sich als Ausländer mit seinen Daten identifizieren. Dafür verlange das Finanzministerium in Spanien eine Gebühr von 850 Euro.

Um die Einziehung der Gebühr kümmere sich die Sicherheitsfirma von Dr. Manuel Delgado, der erst nach der Überweisung das Lottogeld auszahlen dürfe.

Wer dem Schreiben glaubt und zahlt, hat sein Geld verloren. Und bekommt sofort eine neue Gebühr aufgedrückt. Und dann noch eine.

Natürlich immer unter der Prämisse der Eile, weil ja der Gewinn nach zehn Tagen ans Wirtschaftsministerium verfalle.

Eine 72jährige Geschäftsfrau aus Nordrhein-Westfalen, die dem Lächeln auf der Visitenkarte von Dr. Manuel Delgado erlegen war, aber sich einfach auch nur freute, dass sie doch mehr als 800.000 Euro gewonnen haben soll (obwohl sie gar nicht selbst gespielt hatte), überwies nicht nur die Autorisierungsgebühr. Sie glaubte dem netten Lotto-Doktor, dass es im Jahre 2013 im Königreich Spanien eine Mehrwertsteuererhöhung von 19 auf 25 Prozent gegeben habe.

Leider hatte die vermeintliche Gewinnerin das nicht überprüft. Die letzte Mehrwertsteuererhöhung in Spanien gab es im vorigen Jahr. Zum 1. September 2012 wurde die Mehrwertsteuer von 18 auf 21 Prozent angehoben. Die 21 Prozent gelten auch heute noch.

Die deutsche Seniorin glaubte also Dr. Delgado, dass sie nun wegen der angeblich in diesem Jahr um sechs Prozent gestiegenen Mehrwertsteuer einen Mehrwertsteuerausgleich an das spanische Wirtschaftsministerium entrichten müsste, ehe Dr. Delgado das Geld freigeben dürfe.

Natürlich schickte Dr. Delgado der Gewinnerin in Deutschland ein Bestätigungsfax, unterschrieben von einem Richter des Höchsten Gerichts in Spanien, einem "Richter Angel Marquez", dass die Gewinnsumme von über 800.000 Euro erst ausgezahlt werden dürfe, wenn die Gewinnerin einen Mehrwertsteuerausgleich in Höhe von 2.039,59 Euro bezahlt habe.

Die Rentnerin zahlte auch diese Summe an die von Dr. Delgado angegebene Bankverbindung.

Es folgte noch eine angeblich nötige Versicherungsgebühr von 350 Euro an die angeblich auszahlende spanische Nationalbank, wieder auf das von Dr. Delgado angegebene Konto.

Die Gewinnerin wurde erst stutzig und unterbrach den falschen Geldfluss von Deutschland nach Spanien, anstatt wegen des Gewinns umgekehrt, als ein Steuerausschuss des Finanzministeriums auch noch für alle Summen, die der Lottofonds von Dr. Delgado über 400.000 Euro auszahlen wolle, auch noch eine Einkommenssteuer in Höhe von mehr als 8.000 Euro verlangte.

Die Frau ging zu einem Anwalt.

Dr. Thomas Schulte © Dr. Schulte und <br />Partner Rechtsanwälte Berlin und München
Dr. Thomas Schulte © Dr. Schulte und
Partner Rechtsanwälte Berlin und München
Der Berliner Rechtsanwalt Dr. Thomas Schulte warnte schon vor fünf Jahren im Finanznachrichtendienst GoMoPa.net vor den falschen Lottogesellschaften in Spanien: Lottogewinn in Spanien? - Betrug ohne Grenzen!

Doch die Masche scheint jeden Tag aufs Neue zu funktionieren.

GoMoPa.net: Wie konnte denn die 72-Jährige glauben, sie hätte in Spanien im Lotto gewonnen, wo sie doch selbst dort gar nicht gespielt hatte?

Dr. Schulte: "Die Betrüger behaupten teilweise, dass alle EU-Bürger an der Verlosung teilnehmen, ein Dritter bezahlt hat, et cetera."

GoMoPa.net: Wie lautet Ihre Einschätzung zu dem Fall?

Dr. Schulte:

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Es liegen 2 Kommentare zu dieser Pressemitteilung vor.

# - Kommentar von tomas_hh am 07.12.2013 13:04
Seit wieviel Jahren (Jahrzehnten) gibt es diese Vorkostenabzocke schon? Und in welcher Zeitung wurde noch NICHT darüber berichtet?
Ich fasse es nicht, dass immer noch Deutsche auf diesen Unfug reinfallen.

#1 - Kommentar von Ilona K. am 17.06.2014 18:04
Was sich die Betrüger heute alles einfallen lassen ist unmöglich! Vor allem geht das Weltweit und ich finde es perfekt das GoMoPa so Länderübergreifend recherchiert und auch Beiträge verfässt! Ein super Finanz Nachrichtendienst!


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