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01.03.2009
Malerfürst gegen Wucherkunst

"Es gibt keinen lebenden Künstler, dessen Bild 20 Millionen Euro wert ist. Das enthebt das Bild jeglicher Kritik", sagt der bedeutendste deutsche Maler, Bildhauer und Präsident der Kunstakademie Düsseldorf, Markus Lüpertz (67, Foto©WDR3), dem Fachmagazin "Kunst & Geld", das der März-Ausgabe 2009 von WELTKUNST beiliegt.

Der Malerfürst ("Männer ohne Frauen - Parsifal") kritisiert Markt und Moden der Kunstwelt. Statt Geldwert der Kunst als Qualitätskriterium fordert er die Rückbesinnung auf Werte, die aus Kontroversen entstehen: "Die Leute kennen doch nur noch Werte, die sich auf das eigene Ich beziehen." Dies schade vor allem der Kunst und ihrer Betrachtung. Mittlerweile gelte nur noch der hochdotierte "Kunstmarkt-Star als guter Künstler", wie etwa Jeff Koons und Damien Hirst.

Aufgeblasene Kunst, aufgeblasener Preis

Der Kunstmarkt treibt immer tollere Blüten: Ein anonymer Bieter zahlte Ende Juni 2008 bei einer Londoner Auktion von Christie's 16,3 Millionen Euro für die wuchtige Blumen-Skulptur "Ballon Flower" (Foto©Christie's) von Jeff Koons (53). An dem fast drei Meter hohen Werk "Ballon Flower" aus verchromten Edelstahl, das wie eine Blume geformt ist, wie Clowns und Straßenkünstler sie häufig aus Luftballons knoten, hat der US-Künstler und Berliner B.Z.-Kulturpreisträger (2000) fünf Jahre gearbeitet. Es ist der höchste Preis, der für eine Arbeit des Mannes aus York (Pennsylvania) bei einer Auktion gezahlt wurde.

Ein anderer Profiteur des Kunstbooms ist der zehn Jahre jüngere Brite Damien Hirst. Sein Motto: "Diamanten und Formaldehyde sind des Menschen beste Freunde."

Am 15. September 2008 ließ Hirst im Londoner Hauptquartier des Auktionshauses Sotheby's insgesamt 223 atelierfrische Werke aus seiner Kunstmanufaktur (zeitweise 100 angestellte Künstler) versteigern ? darunter ein eingelegtes »Goldenes Kalb« für 10,3 Millionen Pfund (18,6 Millionen Dollar). Der weiße Jungbulle war in Formaldehyde eingelegt, seine Hufe und Hörner bestanden aus 18karätigem Gold, eine goldene Scheibe krönte seinen Kopf. Mit der Auktion bootete Hirst den bisherigen Rekordhalter eines Auktionserlöses eines einzelnen Künstlers aus. Der Verkauf der 223 Hirst-Werke brachte insgesamt zehn Mal so viel ein wie die Auktion von 88 Picassos im Jahre 1993, die rund 20 Millionen Dollar erzielte.

So etwas hatte es zuvor noch nie gegeben, normalerweise beliefern Künstler nicht direkt die Auktionshäuser, sondern ihre Galerien. Die Galeristen kümmern sich darum, dass die begehrte Kunst nur von den besten Sammlern gekauft wird, und erhalten im Gegenzug bis zu 50 Prozent des Verkaufspreises.

Hirst scherte sich nicht darum. Außerdem setzte Hirst mit seiner Auktion nicht auf ein Einzelstück, sondern auf Masse ? und machte damit noch mehr Geld, insgesamt 111,5 Millionen Pfund (mehr als 200 Millionen Dollar). Wenige Stunden zuvor hatte am 15. September 2008 die Bank Lehman Brothers in New York City ihre Pleite verkündet.

Hirst hatte schon immer seinen Spaß daran, den Kunstmarkt zu testen. Im Sommer 2007 verkaufte er in der Londoner Galerie White Cube Mason?s Yard einen mit 8.601 lupenreinen Diamanten besetzten Totenschädel "For the Love of God" (Für die Liebe von Gott) für 50 Millionen Pfund (damals rund 100 Millionen Dollar) an ein Konsortium, an dem er selbst beteiligt war. Zum Konsortium gehörten noch der Besitzer des White Cube, Jay Jopling, und Hirts Manager, Frank Dunphy.

Der mit Diamanten besetzter Totenschädel (Foto©Hirst) sorgte in der Kunstwelt für Aufsehen. Das Werk, das nach Hirsts eigenen Angaben umgerechnet rund 75 Millionen Euro wert sei, wäre damit die teuerste Arbeit zeitgenössischer Kunst eines lebenden Künstlers. Es handelt sich um den Platinumabguss eines echten Totenschädels. Auf der Stirn thront ein 52-Karat-Diamant. Die Edelsteine aus angeblich ethisch korrektem Handel sind nach Schätzungen allein rund 18 Millionen Euro wert.

Hirst hofft, dass das British Museum den glitzernden Schädel einmal neben historischen Schätzen ausstellen wird. Der Schädel soll von einem 35-jährigen Europäer aus dem 18. Jahrhundert stammen. Der Künstler hatte ihn in einem Laden in London gekauft. Hirst sagte: "Ich hoffe, die Leute die das Werk sehen, fühlen sich gut, es soll erbauend sein und einem den Atem nehmen."

Berühmt wurde Hirst schon ein paar Monate früher. Hirst installierte in der Lobby des Lever House (Seifenkonzern) im New Yorker Stadteil Manhattan ein tierisches Königreich mit 30 toten Schafen, einem toten Hai, zwei Seiten einer Kuh, 300 toten Schweinen und einem Paar toter Tauben.

Für einen weiteren Hai (Foto©privat), den Hirst wie all seine toten Tiere in Formaldehyde einlegte und den er "Impossibility of Death in the Mind of Someone Living" (etwa: Die Gedanken der Lebenden lassen den Tod nicht zu) taufte, erzielte Hirst einen Preis von 8 Millionen Dollar. Käufer war der Hedgefonds-Billiardär Steven A. Cohen. Der verlieh den Hai an das Metropolitan Museum, wo man ihn ständig besuchen kann. "Selbst wenn die Auktion wie eine Bombe explodiert, ich öffne neue Türen für Künstler überall auf der Welt", sagte Hirst.

Alle Rekorde brach jedoch letzte Woche die Versteigerung der Kunstsammlung von Yves Saint Laurent im Grand Palais in Paris, dem Hauptsitz von Christies in Frankreich:

Trotz der Finanzkrise und einem Streit mit China um zwei Skulpturen hat die Kollektion mit mehr als 373,5 Millionen Euro nicht nur den Weltrekord für eine versteigerte Privatsammlung gebrochen, sondern auch den höchsten Umsatz erzielt, den je eine Auktion in Europa erreichte.

Das Auktionshaus Christies sprach von einer historischen Versteigerung (Foto: Auktionsplakat). ?Qualität kennt keine Finanzkrise?, sagte Pierre Berge, der zusammen mit dem Modeschöpfer die 733 Werke umfassende Kollektion in 50 Jahren aufgebaut hatte. Yves Saint Laurent war im vergangenen Juni im Alter von 71 Jahren gestorben. Laut Christies brachte die dreitägige Auktion neue Höchstpreise für die Arbeiten von zwölf Künstlern. Das Gemälde "Gelbe Schlüsselblumen" von Maler Henri Matisse (1869 - 1954) brachte allein 35,9 Millionen Euro ein.

Trotz Protesten aus Peking wurden zwei chinesische Tierkopf-Skulpturen aus dem 18. Jahrhundert für insgesamt 28 Millionen Euro versteigert. China, das die Skulpturen als nationales Kulturgut ansieht, hat nun Sanktionen gegen Christies erlassen. Laut Auktionshaus waren 30 Prozent der Käufer Amerikaner, 70 Prozent kamen aus Europa. Mit dem Erlös will Berge je zur Hälfte den Nachlass von Yves Saint Laurent verwalten und die Aids-Forschung unterstützen.

Kunstkritiker Markus Lüpertz spiele nach eigenen Worten selbst keine Rolle mehr auf dem Kunstmarkt:

Lüpertz gegenüber dem Magazin "Kunst & Geld": "Ich habe vielleicht eine gewisse Popularität, einen Ruhm, der sich aber mehr auf bestimmte Verhaltensweisen von mir bezieht, als auf meine Bilder." Seine Skulpturen erzeugten Aggressionen "wie bei keinem anderen Künstler".

Das Hauptproblem der heutigen Zeit sei Langeweile:

Lüpertz: "Der Friede ist nichts für Werte. Wir haben schon zu lange Frieden gehabt. Das macht die Leute fix und fertig." Werte entstünden nur aus Kampf und Krieg, aus Sieg und Niederlage. In der derzeitigen Krise sieht Lüpertz aber auch eine Chance: "Wenn es uns gelänge, in der Krise und durch sie wieder Werte zu entdecken, die in der Qualität von Kunst wurzeln und mit Begeisterung für sie zu tun haben, dann wäre schon etwas gewonnen."

Eine nackte Muse zu Wolfgang-Amadeus Mozarts (1756-1791) Ehren, das Ursulinen-Wolferl (Foto auf dem Ursulinenplatz in Salzburg©privat), hat der international renommierte Künstler für die Stadt Salzburg in Österreich geschaffen. Weißgeschminkt, mit grellroten Lippen, stellt die drei Meter hohe Bronzeskulptur eine weibliche Figur dar.

Und der Lüpertz-Mozart hat nur einen Arm. Dazu sagt der Künstler: "Weil er dadurch die Ewigkeit an den Körper lässt, also er wehrt sich nicht, er kann also von der Ewigkeit einvernahmt werden. Das sind poetische und künstlerische Erklärungen, die wichtig sind und richtig, weil sie versuchen eine Atmosphäre zu schildern. Das ist das, was die Skulptur für mich bedeutet. Was sie für uns vermitteln soll ist eine künstlerische musische Atmosphäre."

Eine Art Seelenverwandtschaft fühle Markus Lüpertz mit dem Musikgenie, dem Bohemien und dem ungezogenen Menschen Mozart, der versucht hat, sich von bürgerlichen Zwängen zu befreien.

Im August 2005 wurde die umstrittene Mozartskulptur von Markus Lüpertz vom selbsternannten ?Pornojäger? Martin Humer mit rotem Lack lackiert und gefedert. Der Skulpturenschänder begründete seine Tat mit den Worten: ?Wir lassen uns das nicht gefallen. Provokation muss mit Provokation beantwortet werden.? Die Statue sei ?auch eine Art der Pornografie?, und ?Mozart so darzustellen ist eine Abscheulichkeit. Das kann nur ein Psychopath machen.? Markus Lüpertz restaurierte nach dem Anschlag selbst die Skulptur.

Lüpertz, der seit 1987 Rektor an der Düsseldorfer Kunstakademie ist, zählt heute zu den bedeutendsten und teuersten deutschen Künstlern. An der nötigen Selbstinszenierung fehlt es ihm dabei nicht. Ganz im Stil der Meister des 19. Jahrhunderts bevorzugt der Malerfürst Maßanzüge, handgenähte Schuhe und selbstverständlich teure Autos. Einblick in seine Welt hat Markus Lüpertz den Sponsoren der Salzburg Foundation gewährt, als er zu einem exklusiven Essen in sein Atelier in Düsseldorf geladen hat. 30 kleine "Mozarts" hat die Foundation bei dem Künstler in Auftrag gegeben - und ein Buch, das den Produktionsprozess der Skulptur dokumentiert, wurde hergestellt, um zusätzliches Geld für das Großprojekt hereinzuspielen. Insgesamt 500.000 Euro mussten für Lüpertz "Mozart" aufgebracht werden.

Markus Lüpertz will 2009 eine private Kunstakademie gründen. Die geplante Einrichtung soll vor allem klassische Kunstformen wie Malerei und Bildhauerei fördern; diese würden, so Lüpertz, ?im überkommenen Akademiebetrieb als überholt dargestellt und immer mehr angegriffen?. Die Kunstakademie soll ohne staatlichen Einfluss auskommen

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