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06.03.2009
Alemannia Aachen bleibt dem Tivoli treu

?60 Millionen Euro weniger, sind 60 Millionen weniger zum Verteilen pro Jahr?, bedauert Frithjof Kraemer (35, Foto©kraemer), Geschäftsführer der Alemannia Aachen GmbH. Die Reduzierung des TV-Einnahmentopfes für die gesamte Fußball-Bundesliga von 500 Millionen auf 440 Millionen Euro pro Jahr durch das Kartellamt im Herbst 2008 trifft die nächsten vier Jahre besonders die kleinen Klubs hart, die kaum über Eigenkapitalreserven verfügen.

Im Interview mit dem Finanznachrichtendienst www.gomopa.net erzählt der Manager, wie er mit seinem Fußballverein, der gerade auf Platz 5 der 2. Bundesliga steht, trotz Finanzkrise überlebt und dabei auch noch neue Rekorde in der Bundesliga setzt.

GoMoPa: Herr Kraemer, es ist nicht zu übersehen, Alemannia Aachen klotzt mit einem neuen eigenen Stadion.

Kraemer: So ist es. Eng, steil, laut und gelb. Pünktlich zum Saisonauftakt im August 2009 stoßen wir in unserem neuen Tivoli-Stadion in Aachen an. Die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren.

GoMoPa: Sie warten dabei mit Rekorden auf.

Kraemer: Es sind gleich drei. Unser Stadion hat deutschlandweit die meisten Stehplätze im Verhältnis zu den Sitzplätzen, nämlich 11.681 Steh- zu 32.900 Sitzplätzen. Unsere Zuschauer sind am dichtesten dran am Spielgeschehen. Die erste Zuschauerreihe ist gerade einmal 80 Zentimeter über dem Rasen. Hinter den Toren sind die Fans in der ersten Reihe nur 7,50 Meter vom Spielfeld entfernt, an den Seiten sind es sechs Meter. In hoch liegenden sogenannten Mündungslöchern haben die Fans fast hautnahen Kontakt zu den Spielern. Wir haben die Empfehlung der UEFA für Stadionneubauten ausgereizt. Näher dran geht eigentlich nicht.

Kraemer weiter: Und wir sind das einzige Stadion (Simulation©kraemer) in Deutschland, das seinen alten Namen, nämlich Tivoli, nicht an einen Sponsor verkauft hat. Wie das beim Signal Iduna Stadion des BVG in Dortmund, der HSH Nordbank Arena in Hamburg, dem Commerzbank Stadion in Frankfurt, dem Allianz-Stadion in München oder der AWD-Niedersachsen-Arena in Hannover geschehen ist.

GoMoPa: Woher nehmen Sie denn das Geld für ein neues Stadion?

Kraemer: Das war nicht einfach, aber wir haben es hinbekommen. Das Stadion kostet 50 Millionen Euro. 30 Millionen Euro sind Fremdkapital, also finanziert. Das ging nur, weil uns das Land Nordrhein-Westfalen eine Landesbürgschaft ausgestellt hat. Die restlichen 20 Millionen Euro brachten wir durch eine Fananleihe in Höhe von rund 4,2 Millionen Euro sowie mit Bauunternehmern und einem Alemannia-Eigenkapital auf.

GoMoPa: Warum haben Sie es nicht einfach so wie Schalke 04 gemacht, die sich für ihr neues Stadion 2003 einen Kredit über 85 Millionen Euro beim Londoner Finanzmakler Stephen Schechter geholt hatten?

Kraemer: Die Schechter-Anleihen fangen bei einem Umfang von 50 Millionen Euro an. Wir wollten unsere Kredite so klein wie möglich halten. Unser Umsatz liegt zwischen 18 und 19 Millionen Euro im Jahr, Schalke 04 hat sechs Mal so viel. Aber selbst wenn wir für eine Schechter-Anleihe die Sicherheiten zu bieten hätten, würden wir sie nicht aufnehmen.
Mein Vorbild ist Uli Hoeneß (Foto) vom FC Bayern München. Er hat mit seinem Lebenswerk Maßstäbe gesetzt. Er sorgt immer für Ausgeglichenheit. Investiert konservativ, wirft auch in einer Hype nicht mit dem Geld um sich, wie man es bei Real Madrid immer wieder sah. Bayern München ist schuldenfrei.

Schalke 04 musste für 24 Jahre Zuschauereinnahmen verpfänden. Zum Glück kann sich Schalke 04 im Augenblick über einen ungebrochenen Zuschauerzuspruch freuen. Aber was passiert, wenn der sportliche Erfolg mal ausbleibt? Wir in Aachen wollen dann in so einer Situation jedenfalls nicht pleite sein.

GoMoPa: Bestand für Alemannia Aachen die Gefahr einer Pleite?

Kraemer: Wir gehörten ja zu den Städten, in denen die Fußball-WM 2006 nicht ausgetragen wurde. Hätten wir 2006 nicht die strategische Entscheidung für ein neues Stadion getroffen, wären wir jetzt mit Sicherheit pleite.

GoMoPa: Warum ging denn das alte Stadion in Aachen nicht mehr?

Kraemer: Das alte Tivoli war ein nicht ausbaufähiger Kultkasten mit 17.500 Plätzen, kein VIP-Bereich. Wir wären heute zu sehr von TV-Rechte-Verträgen abhängig. Eine Vermarktung mit Gastronomie, Merchandising, hautnahen Kameraschwenks und Großparkplätzen war mit dem alten Tivoli nicht gewinnbringend möglich. Das neue Stadion bietet genügend zeitgemäßen Komfort. Dafür sorgen 1.306 Business-Seats und 28 Logen.

Vor jeder Loge im Stadion (Foto©kraemer) ist ein Balkon mit 10 Plätzen, ein exklusives Stadionerlebnis ist garantiert. Eigenes Catering und individuelle Betreuung gehören zum Standard-Service. Es gibt auch zwei Eventlogen, ein gläsernes TV-Studio und 240 Quadratmeter große Videowände. Und direkt an der Krefelder Straße in der Ostfassade entsteht der neue Treffpunkt für alle Schwarz-Gelben, eine über 300 Quadratmeter große Fankneipe. Dort wird künftig nicht nur vor und nach den Heimspielen, sondern auch in der Woche die Hauptbegegnungsstätte für alle Sportbegeisterten sein.

GoMoPa: Warum verzichteten Sie aber auf den Verkauf des Namens Tivoli?

Kraemer: 1000 Fans, die wir an uns binden, sind langfristig mehr wert, als einmalig 300.000 Euro zu erhalten. Tivoli steht für Tradition und ist nun mal die Heimat der Alemannen.

GoMoPa: Aber sie haben einen Trick gefunden, um dennoch Sponsoren-Geld in die Vereinskasse zu spülen.

Kraemer: Ja, wenn wir schon nicht das ganze Stadion verkaufen konnten, haben wir zumindest die Namensrechte für die vier Haupttribünen verkauft. Die Haupttribüne heißt Sparkassen-Tribüne, die im Osten AachenMünchener Tribüne, die Fankurve heißt Bitburger Fankurve und die Norkurve nach dem Herrenduft Tabac Original. Und für unsere Trikots konnten wir Nike gewinnen, der ja bereits auch Hertha BSC ausstattet.

GoMoPa: Von Hertha haben sie sich eine tolle Geldidee abgeguckt. Hertha hatte ja wie sie auch nicht die Möglichkeit, eine Schechter-Anleihe aufzunehmen, und hat als erster deutscher Bundesligaklub 2005 bei seinen Fans eine Anleihe in Höhe von sechs Millionen Euro aufgenommen, der 1. FC Köln machte es noch im selben Jahr nach und sammelte ebenfalls von seinen Fans sechs Millionen Euro ein.

Kraemer: Ja, wir haben an unsere Fans eine Tivoli-Anleihe (Foto mit Erik Maijer©kraemer) in einer Stückelung von 100, 200 und 500 Euro ausgegeben und dafür rund 4,2 Millionen Euro fürs Stadion bekommen. Nach 5 Jahren und drei Monaten werden wir sie am 16. August 2013 mit 6 Prozent Zinsen zurückzahlen.

GoMoPa: Glauben Sie wirklich, dass die Fans die Anleihen, auf denen die großen Spieler wie Erik Maijer, Willi Landgraf, Jo Montanes, Jupp Martinelli, Michael Pfeiffer oder Reinhold Münzenberg zu sehen sind, an diesem Tag zurückbringen werden?

Kraemer: Eine ganze Menge Fans werden sich die Schmuckanleihen im Rahmen über ihr Bett hängen und nie wieder abnehmen. Aber wir planen die Rückzahlung ein. Hauptziel der Anleihenaktion unter dem Motto "Tivoli ist, Tivoli wird" war vor allem die Fanbindung. Die rettet uns über jede Krise.

GoMoPa: Wovon wollen Sie künftig neue Fußballstars bezahlen?


Kraemer: Wollen wir gar nicht. Wir laden Talente ein, bei uns für kleines Geld zu spielen. Als Nische, um sich einen Namen zu erspielen und als Sprungbrett für ein späteres Millionen-Engagement bei einem großen Klub.

GoMoPa: Und wenn keiner für kleines Geld kommt?

Kraemer: Wir investieren mit dem Stadion auch in unseren eigenen Nachwuchs. Die Trainings-Infrastruktur wird nicht nur für die Lizenzspieler, sondern vor allem für den Nachwuchs umfassend verbessert. Dazu gehören in einem separaten Gebäude 13 Kabinen, eine Sporthalle, moderne Physiotherapie- und Regenerationsbereiche sowie Schulungsräume und Appartements für Jugendspieler. Nach der Fertigstellung des Projektes verfügt die Alemannia über 5 Großspielfelder, davon 3 Kunstrasenfelder, und einen Technik-Parcours inklusive Beachvolleyballfeld. Speziell,was die Trainingsplätze angeht, wird die bisher sehr beengte Situation damit deutlich verbessert.

GoMoPa: Wie bewerten Sie die finanzielle Lage der Bundesliga insgesamt?

Kraemer: In Deutschland funktioniert die gesunde Drittel-Einnahme TV/Sponsor/Tickets noch einigermaßen. Wenn die TV-Einnahmen weniger wurden, als geplant, haben wir doch für die nächsten vier Jahre Planungssicherheit. Sponsoren wollen weiter an Deutschlands liebstem Kind teilhaben und schmücken sich gern damit. Und mit eigenen Stadien binden die Klubs auf lange Zeit Fans und haben auch bei Misserfolgen gesicherte Einnahmen. Bei den ausländischen Fußballvereinen sieht das nicht so solide aus. Turin zum Beispiel ist zu 70 Prozent von den TV-Rechte-Zahlungen abhängig, wir zum Glück nicht.

GoMoPa: Herr Kraemer, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Info Alemannia Aachen: Zur Spielzeit 2006/07 gelang Alemannia Aachen die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga. Damit ist die Alemannia die Mannschaft mit der längsten Bundesliga-Abstinenz. Nach dem Abstieg 1970 dauerte es 36 Jahre, bis Aachen wieder erstklassig war.

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