
18.03.2009
So kann jeder Geld von Ihrem Konto abbuchen

Kontoauszug mit illegaler Abbuchung
Geschäftsführer des Unternehmens ist laut Handelsregisterauszug ein gewisser Iosif Zervoudakis aus Deutschland. In der Bundesrepublik verliert sich seine Spur allerdings an einem Briefkasten in Zell am Harmersbach, Kanzleistraße 1, in Baden Württemberg. Anders als eine GmbH in Deutschland haftet eine Limited nur in Höhe ihres Eigenkapitals. Und das liegt bei "Zin-Service" bei 1,50 Euro.
So werden Schwächen des Lastschriftverfahrens ausgenutzt:
Pia-Maria M. ist nicht das einzige Opfer der "Zin-Service Limited". Mehr als 30.000-mal hat Zervoudakis' Firma im gesamten Bundesgebiet zugeschlagen. Geradezu professionell hat sie dabei die Schwäche des deutschen Lastschriftverfahrens ausgenutzt. Denn hierzulande dürfen Firmen ohne weiteres Geld abheben. Sie brauchen dazu nur eine Kontonummer, die Bankleitzahl und den Namen des Kontoinhabers. Die Banken überprüfen dabei nicht, ob dazu überhaupt eine Ermächtigung vorliegt, was fatale Folgen hat.
14 Millionen Euro an einem einzigen Tag
Im Dezernat für Wirtschaftskriminalität bei der Münchner Polizei kennt man einen Fall, bei dem etwa 370.000 Konten in ganz Deutschland mit jeweils 39 Euro belastet wurden. An einem einzigen Buchungstag kassierten die Täter mehr als 14 Millionen Euro. Ihren Coup hatten sie sogar noch einige Tage zuvor dreist in einem Werbeschreiben für Internetdienstleistungen angekündigt, doch das landete in den meisten Haushalten ungelesen im Papierkorb. Tobias Molnar vom Dezernat für Wirtschaftskriminalität in München hält es für unverzeihlich, dass Kontoauszüge nicht regelmäßig sorgfältig geprüft werden: ?Wir haben jetzt hier in diesem Verfahren erfahren, dass die Rücklastschriftquote zwar hoch ist, aber nichts desto trotz circa 20 Prozent bis heute nicht gemerkt haben, dass ihnen 39 Euro fehlen.?
Zwei Betrüger festgenommen
Mitte November nahmen Polizisten am Flughafen Tegel in Berlin zwei weltweit gesuchte Berliner in Empfang, die zuvor für einen der bundesweit größten Betrugsfälle des ablaufenden Jahres gesorgt hatten. Roland W. (51) und Frank K. (40) hatten zwischen April und September 2008 mit Hilfe fingierter Lastschriften mehr als 4.000 Konten um knapp 15 Millionen Euro erleichtert. Als die Serie aufflog, reagierten Polizei und Banken schnell, der Großteil des Geldes konnte sichergestellt werden. Aber mit drei Millionen Euro setzten sich die beiden Betrüger nach Thailand ab. Immerhin wurden sie dort zwei Monate später gefasst und ausgeliefert.
Die Masche der Betrüger war denkbar einfach.
Sie eröffneten mit gefälschten Papieren mehrere Konten bei verschiedenen Banken und zogen darüber per Lastschrift unauffällige Beträge von den Konten ihrer ahnungslosen Opfer ein. "Mit Lastschriften, der einfachsten und bequemsten Zahlungsart, arbeiten fast alle Bankkunden, lassen so Mieten, Strom, Versicherungen, Mitgliedsbeiträge und Ähnliches von ihren Konten abbuchen", sagt ein Ermittler des Landeskriminalamtes. Ob die erforderliche Vollmacht des belasteten Kontoinhabers vorliegt, werde von den Banken häufig nicht oder nicht gleich geprüft, erläutert der Ermittler weiter. Schließlich könne, wenn etwas nicht in Ordnung ist, der Inhaber des belasteten Kontos das Geld ja innerhalb von sechs Wochen per Rücklastschrift problemlos zurückholen.
Wie die Täter an die Daten kommen
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