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22.06.2015
HCI / MPC DeepSea Oil Explorer: Hätte die Emission abgebrochen werden müssen?

ConventNach Berechnungen des Kieler Rechtsanwalts Helge Petersen hätte die Emission der beiden geschlossenen Hamburger Fonds HCI und MPC DeepSea Oil Explorer GmbH & Co. KG abgebrochen werden müssen, da alle Risiken einseitig zu Lasten der Anleger gehen © Kanzlei Helge Petersen & Collegen Kiel Voller Stolz präsentierten die beiden Hamburger Emissionshäuser HCI Capital AG (Burchardstraße 8) und MPC Capital AG (Palmaille 67) im Jahr 2008 eine völlig neue Fondsidee: die Beteiligung am Bau einer Öl-Erkundungsplattform, die vor der Küste Brasiliens eingesetzt werden soll.

Jedes Haus legte dafür einen geschlossenen Fonds auf. So entstand die HCI Deepsea Oil Explorer GmbH & Co. KG und die MPC Deepsea Oil Explorer GmbH & Co. KG.

Beide Fonds brachten es auf 5.500 Anleger, die ein Kommanditkapital von 178 Millionen Euro einzahlten.

Mit dem Geld wurde auf einer Werft in Abu Dhabi die Plattform bestellt, die allerdings 549 Millionen Euro kostete. Den Löwenanteil des Kaufpreises übernahm die IDB Intern-American Development Bank.

Die beiden deutschen Fonds von HCI und MPC halten an der Öl-Erkundungsplattform nur einen Minderheitenanteil von 47 Prozent. Mehrheitsgesellschafterin der Plattform ist die niederländische Genossenschaft Delba Drilling International Coöperatie U.A.

Das Sagen im Risikofall hat der Hauptgläubiger, also die amerikanische Großbank, die 371 Millionen Euro an Kredit ausgereicht hatte.

Allein dieses Risiko des Ausgeliefertseins gegenüber einer amerikanischen Großbank sollte sich schon zwei Jahre nach dem Auflegen der Fonds bitter rächen.

Die Projektanten von HCI und MPC hatten vergessen, sich gegen Bauverzögerungen abzusichern. Als die Werft in Abu Dhabi 2010 den Bautermin nicht einhielt, mussten sie dem künftigen Mieter, der brasilianischen Firma Petrobas, eine tägliche Ausfallentschädigung in Höhe von 77.000 Euro zahlen.

Selbst bekamen HCI und MPC von der Werft nichts. Im Gegenteil mussten sie die Werft auch noch mit einer Extraprämie von 10 Millionen Euro bestechen, damit sie den bestellten Öl-Explorer noch vor den anderen beiden Öl-Explorern bauten, die von anderen Investoren bestellt worden waren.

Das Projekt war nur über einen zusätzlichlichen Dritt-Kredit von 52,4 Millionen Euro zu retten. Das verlangte die Bank (und noch 6 Millionen Euro "Gesprächsgebühren" für sich selbst) und beauftragte dafür nicht HCI oder MPC, sondern die Internationale Schiffs- und Offshore-Maklerhaus und Investment Bank RS Platou aus Oslo in Norwegen, die dann eine Anleihe herausbrachten. Die Anleihegläubiger sind natürlich vor den Anlegern zu bedienen.

Um die halbfertige Plattform und damit ihr investiertes Beteiligungsgeld nicht zu verlieren, stimmten die Anleger zu, dass sie sieben Jahre lang bis einschließlich 2017 auf die jährlichen Ausschüttungen verzichten.

Der MPC-Vertriebschef Jörn Klepper hatte im Juni 2010 in einer Vertriebs-Online-Konferenz den Anlegern den siebenjährigen Verzicht auf Ausschüttungen, die ja mit Indienststellung der Erkundungsinsel laufen sollten, damit schmackhaft gemacht, dass die Anleger der beiden geschlossenen Fonds im Jahr 2018 immerhin noch einen Mittelrückfluss von 306 Prozent erhalten würden, also nur 22 Prozent weniger, als ursprünglich prognostiziert.

Doch nach Berechnungen der Kanzlei Helge Petersen & Collegen aus Kiel müssten die Anleger einen Totalverlust befürchten.

Helge Petersen: "Bestehende Risiken [sind] schon in der Planung falsch angegangen, und schlechtes Krisenmanagement führt vermutlich ins finanzielle Desaster."

War die holländische Ölerkundungs-Plattform DeepSea Oil Explorer also für die Anleger von Anfang an wertlos?

Darüber sprach der Finanznachrichtendienst GoMoPa.net mit Rechtsanwalt Petersen, der eine Anleger-Interessengemeinschaft gegründet hat und inzwischen mit Erfolg von Vermittlern das eingezahlte Kapital zurückholt.

GoMoPa.net: Warum mussten die beiden deutschen Fondsgesellschaften im Jahr 2013 mehr als 21,52 Millionen Euro als Kredit an die DeepSea Oil Explorer nachschießen, wo doch die deutschen Kommanditisten bereits für die verspätete Indienststellung bestraft wurden und seit 2010 für die nächsten sieben Jahre auf sämtliche Ausschüttungen verzichten?

Rechtsanwalt Petersen: "Na, ein Liquiditätsengpass."

GoMoPa.net: Einfach so?

Anwalt Petersen: "Die Bank macht da nicht mit."

Anmerkung der Redaktion: Die IDB (Inter-American Development Bank) schießt keinen Cent nach.

GoMoPa.net: Was ist schiefgelaufen?

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