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27.05.2009
25 Millionäre wollen den Mondsee kaufen

Steht zum Verkauf: Mondsee in Österreich
Steht zum Verkauf: Mondsee in Österreich
Die Interessenten für den letzten noch in Privatbesitz befindlichen See Österreichs stehen Schlange. Seit Dezember 2008 steht der Mondsee in Sankt Lorenz im oberösterreichischen Salzkammergut zum Verkauf. 14 Millionen Euro soll der 12 Kilometer lange, 1,5 Kilometer breite und 68 Meter tiefe Alpensee mit vier öffentlichen Badeplätzen, acht Motorbootlizenzen und Fischereirechten kosten. Einen Euro für jeden Quadratmeter Wasseroberfläche. Zum Vergleich: Ein Quadratmeter Uferland rund um den See kostet ab 2.500 Euro.

25 Millionäre haben bereits ihr Gebot bei Mondsee-Besitzerin Nicolette Nikki W. (61) in Sankt Lorenz per E-Mail abgegeben. Doch die Erbin eines alten bayerischen Adelsgeschlechts kann sich einfach nicht entscheiden. Vor 23 Jahren hat die Frau vom Mondsee den See von ihrem verstorbenen Bruder geerbt. Vergeblich kämpfte die Walldorflehrerin und Astrologin seitdem gegen staatliche Auflagen. Letztlich konnte Nicolette W. nicht verhindern, dass immer mehr Straßen rund um den See gebaut wurden und auch weiterhin Motorboote darauf fahren dürfen.

Der Nachfolger darf kein Spekulant sein.

Nicolette W. (geschieden, Mutter dreier Kinder) hofft, dass ein anderer mehr Kraft hat als sie. Doch sie übergibt den See nicht dem Erstbesten und prüft die Angebote genau. Dem Finanznachrichtendienst www.GoMoPa.net sagte sie, worauf es ihr ankommt: "Der Käufer darf kein Spekulant sein, der den See zubaut oder das Wasser nach Abu Dhabi verkauft."

Es sollte ein moderner edler Ritter sein, der den See im Einklang mit der Natur und den Interessen der Anwohner und Touristen nutzt. "Den habe ich aber noch nicht gefunden", sagt Nicolette W. "Meine Ururgroßmutter Fürstin Ignatia Christine von Wrede, geborene von Mack, hatte 1860 mit der K.u.K.-Staatsverwaltung einen Vergleich ausgehandelt, wonach der See von jedem zum Schwimmen, Bootfahren und Wasserholen genutzt werden darf. Das gilt auch heute noch."

Nicolette W. wollte nie, dass der Verkauf des Sees öffentlich bekannt wird. Doch die Österreichischen Bundesforste hingen das Thema an die Große Glocke. Sie boten Nicolette W. an, den See für zwei Jahre kostenlos zu bewirtschaften, und würden ihr dann ein Kaufgebot unterbreiten. Nicolette W. fühlte sich überrumpelt und lehnte ab. Auch bekam sie eisigen Wind aus ihrer Familie zu spüren.

Verkauft man ein Geschenk von Napoleon?

Bekam 1810 den See von Kaiser<br />Napoleon geschenkt: Carl Philipp<br />Fürst von Wrede (1767-1838)
Bekam 1810 den See von Kaiser
Napoleon geschenkt: Carl Philipp
Fürst von Wrede (1767-1838)
Immerhin hatte kein Geringerer als der französische Kaiser Napoleon Bonaparte I. (1769-1821) den Mondsee 1810 dem bayerischen Generalfeldmarschall und Diplomaten Carl Philipp von Wrede (seit 1814 Fürst von Wrede; 1767 - 1838) geschenkt. "Und das", so die Erbin zu GoMoPa, "obwohl Wrede eine Schlacht im Habsburger Heer verloren hatte. Dabei ging es bei dem Geschenk von Napoleon gar nicht um den See. Der war unbedeutend. Vielmehr ging es um das Schloss, das Kloster und drei dazugehörige Meiereien. Mein Ururgroßvater ist heute in der Feldherrnhalle von Bayernkönig Ludwig I. in der Münchener Leopoldstraße zu bewundern." Das Bronzestandbild des Ururgroßvaters ist aus eingeschmolzenen Kanonen gegossen worden.

GoMoPa: Gibt es ein Verkehrsgutachten über den See?

Nicolette W.: "Nein, der Verkauf des Sees soll ja eigentlich unterderhand und ganz familiär ablaufen."

GoMoPa: Wie sind Sie dann aber auf den Preis von 14 Millionen Euro gekommen?

Nicolette W.: "Ich schaue immer den Münchener Tatort im Fernsehen. Da hat der Depp Udo Wachtveitl als Franz Leitmayr in einer Folge eine Villa in München geerbt. Sie sollte 14 Millionen Euro wert sein. Ich dachte, wenn ein Münchener Mietshaus 14 Millionen Euro kostet, muss mein See allemal so viel bringen."

GoMoPa: Was wollen Sie denn mit dem Geld machen?

Nicolette W.: "Ich habe vorzeitig auch das Erbe meiner Mutter angenommen, den Hoeribach-Hof direkt am See. Ich habe aus der alten Meierei einen Künstlerhof gemacht. Da ist noch sehr viel zu investieren, wenn man davon leben will." Schon jetzt ist der Hoeribach-Hof berühmt für seinen Agrarkulturweg mit Buddhastatuen, Bienenhaus, Heil- und Zauberpflanzen, einer großen indianischen Schwitzhütte und dem nigerianischen Farmer und Trommler David. Im Schlosshotel Mondsee, in dem Nicolette W. als Kind im Seitentrakt wohnte, finden heute Schamanismuskongresse statt.

GoMoPa: Die österreichische Presse schreibt, dass auch der in Salzburg lebende Redbull-Hersteller Dietrich Mateschitz den Mondsee gern kaufen würde.

Nicolette W.: "Nein, das stimmt nicht, der hat gar kein Interesse daran. Aber Namen von Interessenten nenne ich nicht."

GoMoPa: Was lieben Sie persönlich am Mondsee?

Nicolette W.: "Die Bergsilhouette, das weiche Wasser, das im Sommer bis 26 Grad warm wird, und die Seeforellen."

GoMoPa: Wann geben Sie den Käufer bekannt?

Nicolette W.: "Ich werde eine Pressekonferenz einberufen. Dann habe ich wenigstens ein wenig Einfluss darauf, was über mich und den Mondsee geschrieben wird."

GoMoPa: Vielen Dank für das Gespräch, wir wünschen Ihnen einen würdigen Nachfolger.

GoMoPa fragte bei der Österreichischen Bundesforsten AG (ÖBF) in Burkersdorf nach, ob sich die Bundeforsten weiterhin um den Mondsee bemühen?

ÖBF-Pressesprecher Bernhard Schragl: "Unser Angebot lautet dahin gehend, dass wir Frau W. vorgeschlagen haben, gemeinsam einen Gutachter zu bestimmen. Dieser soll den Wert des Seees schätzen, und wir sind dann bereit, diesen Wert zu zahlen. Dieses Angebot ist nach wie vor aufrecht. Wir haben bisher keine Antwort erhalten."

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