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10.07.2009
Sparkasse Reichenau an Abzocke beteiligt?

Unter Betrugsverdacht: Bezirkssparkasse<br /> Reichenau in Baden-Württemberg<br />©spk-reichenau
Unter Betrugsverdacht: Bezirkssparkasse
Reichenau in Baden-Württemberg
©spk-reichenau
Der Filz mit dem unter Betrugsverdacht stehenden Anwalt Dr. Wolfgang Horn (53) aus Konstanz am Bodensee könnte die Bezirkssparkasse Reichenau in Baden-Württemberg teuer zu stehen kommen.

Der Potsdamer Rechtsanwalt Matthias Schillo (59) hat die Bezirkssparkasse auf 240.000 Euro Schadenersatz verklagt, weil sie dem überschuldeten Kunden und Kreditvermittler Horn wider besseren Wissens einen guten Leumund ausgestellt hatte. Ein Neukunde der Bank hatte daraufhin 240.000 Euro auf Horns Treuhandkonto eingezahlt. Das Geld war als Sicherheit für einen Kredit in Höhe von 1,6 Millionen Euro gedacht, den Dr. Horn beim türkischen Schein-Banker Tanju Karabunar alias Dr. Stan Rosiak (41) und seiner Banque Internationale in London besorgen wollte. Bank und Kredit gab es nicht, das Geld verbrauchte Horn für sich und seine bereits Schlange stehenden Gläubiger. Und die Banker waren über Horns Masche im Vorfeld informiert.

Die Sparkasse selbst gehörte zu den Gläubigern. Sie hatte bereits im Jahre 2007 gegenüber Horn eine Zwangsversteigerung seines Teilbesitzes am Schloss Seeheim in Konstanz beantragt, weil Horn seine Darlehen bei der Sparkasse wegen Fehlspekulationen bei Immobilien in den neuen Bundesländern nicht mehr bezahlen konnte. Bei Horns mit 960.000 Euro getaxten Grundstück auf Schloss Seeheim war aber nichts mehr zu holen, da bereits die Volksbank Konstanz mit 1 Million Euro im Rang davor zu bedienen war. Trotz dieser Misere gab die Bezirkssparkasse ihrem Kunden Horn weitere Kredite.

Gab Falschauskunft: Vorstands-<br /> vorsitzender Johann Roth<br />©spk-reichenau
Gab Falschauskunft: Vorstands-
vorsitzender Johann Roth
©spk-reichenau
Wusste Bescheid: Vorstand<br /> Günter Weber<br />©spk-reichenau
Wusste Bescheid: Vorstand
Günter Weber
©spk-reichenau
Bei einem Treffen am 11. August 2008 auf Schloss Seeheim, bei dem es um die Abwendung der für die Bezirkssparkasse nutzlosen Zwangsversteigerung von Horns Anteil am Schloss ging, erklärten die Vorstände der Bezirkssparkasse, Johann Roth und Günter Weber, öffentlich, dass sie über alle Einzelheiten auch der neuen Aktivitäten des Dr. Horn Bescheid wüssten. Zu diesen Aktivitäten gehörte das Veruntreuen von 250.000 Euro des früheren Konstanzer Bauunternehmers Rolf Dittus (68) für eine Industriebeteiligung, die es gar nicht gab. Der Fall war am selben Tag bei der Konstanzer Staatsanwaltschaft angezeigt worden.

Den Bankern war dies alles bekannt. Aus ihrer Sicht bestünde keinerlei Zweifel, dass ihr Kunde Horn das ihm anvertraute Geld unterschlagen hatte, sagten sie damals in der Runde.

Bei diesem Treffen am 11. August 2008 auf Schloss Seeheim wurden die Banker über einen weiteren Betrugsfall ihres Kunden Horn informiert. Die Banker nahmen zur Kenntnis, dass ein Ehepaar aus Büttelborn in Hessen sich auf eine Anzeige Horns in einer überregionalen Zeitung gemeldet hat und zur Erweiterung ihrer Unternehmensberatung Otto Sch. bei Horn und seinem Banker Karabunar 1,5 Millionen Euro Kredit bestellt hatte. Allerdings hatten sie dafür einen Eigenkapitalanteil in Höhe von 225.000 Euro treuhänderisch an Dr. Horn zahlen müssen. Das taten sie auch. Horn hingegen verbrauchte das Geld für sich. Den Kredit gab es auch nicht. Die Eheleute Sch. zeigten den Fall bei der Polizei an.

Schloss Seeheim in Konstanz©Seeheim
Schloss Seeheim in Konstanz©Seeheim
Trotz dieses Wissens über den betrogenen Bauunternehmer und die ebenfalls betrogenen Unternehmensberater ließ der Bankvorstandsvorsitzende, Johann Roth, nur 18 Tage später, am 29. August 2008, ein drittes Betrugsopfer von Horn ins offene Messer laufen. Saverio N., Geschäftsführer einer Immobilienfirma aus Nideggen (Nordrhein-Westfalen), wollte auf Nummer sicher gehen und fragte extra direkt bei Roth in der Sparkasse nach, ob Dr. Horn ein seriöser Kunde sei, bevor der Geschäftsmann bereit war, 240.000 Euro Eigenanteil für einen versprochenen Kredit in Höhe von 1,6 Millionen Euro auf das Treuhandkonto des Dr. Horn einzuzahlen. Roth habe dem misstrauischen Kunden von Horn gesagt: "Herr Dr. Horn ist ein langjähriger, guter Kunde der Bezirkssparkasse Reichenau mit einwandfreier Reputation." Der Immobilienmakler überwies die Summe daraufhin am 2. September 2008 treuhänderisch auf Horns Konto bei der Bezirkssparkasse Reichenau. Verwendungszweck: FIN-Banque/E-Kapital. Dr. Horn verbrauchte auch dieses Geld für sich und seine Gläubiger.

Dr. Wolfgang Horn<br />©Karabunar
Dr. Wolfgang Horn
©Karabunar
Rechtsanwalt Matthias Schillo sagte dem Finanznachrichtendienst www.gomopa.net: "Auch aufgrund dieses Verwendungszweckes wusste die Bezirkssparkasse Reichenau, dass es sich hier um eine der betrügerischen Massnahmen ihres Kunden Horn handelte, dass dieser nämlich wieder einmal eine angebliche Finanzierung betreute, die über die Banque Internationale laufen sollte und dass es dabei um die Vorabeinzahlung von Eigenkapital ging, welches Horn veruntreuen würde. Die Bezirkssparkasse Reichenau war aufgrund dieses Wissens gehalten, die Überweisung abzulehnen und die Staatsanwaltschaft Konstanz zu verständigen, deren Befassung mit dem Komplex ihr bekannt war. In keinem Fall durfte sie ihrem Kunden Horn die Verfügung über diesen Betrag gestatten. Denn damit beteiligte sie sich bedingt vorsätzlich an der vorsätzlichen Unterschlagung der Gelder durch Horn. Die Bezirkssparkasse Reichenau hat sich also an der Betrugs- und Untreuehandlung ihres Kunden Horn beteiligt."

Die Bezirkssparkasse Reichenau verwertet die Reste mit Hilfe von Horns Ehefrau



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