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31.07.2009
Fonds-Sterben in der Schweiz - hunderttausende Deutsche betroffen

©bloomberg
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Jedem zehnten Fonds in der Schweiz droht die Schliessung, meldet das Schweizer Magazin Cash. Banken beginnen bereits, kleinere Anlagevehikel, deren Volumen aufgrund starker Geldabflüsse zusammengeschrumpft ist, zu schliessen. In Deutschland sind von der Schliessungswelle hunderttausende Privatanleger betroffen.

Die Bank Julius Bär hat beispielsweise im zweiten Quartal 2009 eine Straffung der Fondspalette in die Wege geleitet und per Ende Juni 2009 umgesetzt. Dabei wurden drei Aktienfonds sowie ein Anleihenfonds in bereits bestehende Bär-Fonds eingebracht. Ganz liquidiert wurden je drei Aktien- und Bondsfonds aufgrund ihres geringen Anlagevolumens. Auch die UBS und CS haben «einige» Fonds fusioniert oder geschlossen. Nähere Angaben wollten die Grossbanken nicht machen.

Anstelle von Schliessungen versucht Swisscanto, Fonds zu fusionieren. Letztmals wurden per 20. Juli 2009 vier «kleinere Fonds» in den Swisscanto (LU) Equity Fund Selection International eingebracht.

«Jeder zehnte Fonds droht zu verschwinden»

Gemäss der unabhängige Fondsanalysefirma ifund services könnten bis zu 10 Prozent der Fonds demnächst verschwinden. Besonders kleinere Gesellschaften seien unter Druck, aber auch etablierte Fondsanbieter würden unrentable Fonds fusionieren oder ganz schliessen. «Bei den klassischen Publikumsfonds dürfte es in den kommenden Monaten zur Konsolidierung kommen», sagt Fondsanalyst Kaspar Böhni. Vor allem das Pricing macht Schwierigkeiten: «Die Fondsanbieter können nicht mehr exorbitante Gebühren bei den Kunden durchsetzen.»

Ifund hat nach eigenen Angaben rund 4.800 in der Schweiz für private Investoren zugelassene Fonds in der Datenbank. Obwohl die Zahl nicht das ganze Schweizer Fondsuniversum abbildet, sollte sie repräsentativ sein.

«Keine deutschen Verhältnisse in der Schweiz»

«Massive Schliessungen wie in Deutschland sehe ich im klassischen Publikumsbereich aber nicht», sagt Böhni. Auch der Geschäftsführer der Branchenorganisation Swiss Funds Association (SFA), Matthäus Den Otter, dämpft ab: «Ich habe keinen Anlass, deutsche Verhältnisse zu erwarten.»

Nach den Boomjahren bei den Fonds beginnen die deutschen Fondsgesellschaften mit den Aufräumarbeiten. Besonders Publikumsfonds, die durch Geldabflüsse hart getroffen wurden und deren Volumen auf weniger als zehn bis 15 Millionen Euro abgefallen ist, werden geschlossen. Das Münchner Analysehaus Fonds Consult rechnet mit der Schliessung von rund 900 der 6.000 Publikumsfonds für Privatanleger in den nächsten zwei Jahren.

Allerdings überwachen die Schweizer Fondsanbieter laut Den Otter genau, ob das Volumen der einzelnen Fonds betriebswirtschaftlich Sinn macht. Laut SFA kann es generell im Interesse der Anleger sein, Kleinstfonds zusammenzulegen, da bei abnehmenden Volumen die Fixkosten immer mehr zu Buche schlagen. In der Schweiz gelten Publikumsaktienfonds unter 50 Millionen Franken als suboptimal. Für Obligationenfonds geht das betriebswirtschaftlich tragbare Mindestvolumen sogar gegen die 75 bis 100 Millionen Franken, so Den Otter.

Anleger kleinerer Fonds sollten aufmerksam sein

Es gilt: Kommt es zur Schliessung oder Fusion eines Fonds, können Anleger frei entscheiden, ob sie ihre Anteile verkaufen wollen. Oder sie verlangen vom Anbieter ein Angebot für den Wechsel in ein neues Produkt. Noch bevor es soweit kommt, sollten Private genau das Volumen ihres Fonds im Auge behalten. Sinkt es markant und fällt unter die Grösse von 10 Millionen Franken, sollten Anleger sofort Kontakt mit ihrer Fondsgesellschaft aufnehmen, rät Böhni von Ifunds.

Kleiner Lichtblick für Schweizer Fondsanbieter

Freuen dürfte die Schweizer hingegen folgende Entwicklung: «Überraschend viele Anfragen aus Deutschland gehen gegenwärtig bei uns ein», sagt Paul Vogler von SVA-Swiss-Value. Laut dem Fondsmanager liegt die Anzahl deutscher Anrufer in den letzten Wochen weit mehr als 50 Prozent über dem Vorjahr. Sie sind verärgert, fragen nach stabilen Anlagemöglichkeiten und günstigeren Gebühren. Ebenfalls spüren die deutschen Vertriebspartner von Swisscanto-Produkten ein «kontinuierliches Interesse» aus dem Nachbarland.

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